Fahrzeugleasing

Leitfaden zum gewerblichen Fahrzeug-Leasing

Stand: 13. Dezember 2012

Das Leasing stellt für viele Selbständige nach wie vor eine attraktive Alternative zur Finanzierung dar, denn das Leasing hat gegenüber einer Finanzierung drei entscheidende Vorteile: eine höhere Liquiditätsrate, Bilanzneutralität und steuerliche Vorteile bei der Abschreibung der Kosten.

In diesem Artikel beschreibt die freie Redakteurin Janina Meinhardt als Autorin für Finanztip wichtige Grundzüge, Vorteile sowie Beachtenswertes des Leasings aus Sicht gewerblicher Leasingkunden mit dem Schwerpunkt Kfz-Leasing.

Die Vorteile des Kfz-Leasing (Mobilien-Leasing)

Die Vorteile des Mobilien-Leasing ergeben sich daraus, dass bei einem Leasing das Leasinggut stets durch den Leasinggeber aktiviert und somit auch abgeschrieben werden muss (Bilanzneutralität und höhere Liquidität aufgrund der Kontinuität der Eigenkapitalquote), dieser die Erstfinanzierung übernimmt (was den eigenen Kredit- beziehungsweise Finanzierungsrahmen nicht belastet) und die Kosten für das Leasing zu 100 Prozent als Betriebsausgaben von der Steuer abgesetzt werden können.

Durch die Finanzierung des Leasingguts durch den Leasinggeber verteuert sich das Leasing zwar im Gegensatz zu einer selbst abgeschlossenen Finanzierung, da neben den Grundkosten des Leasingobjekts auch Zinsen, Verwaltungskosten, Finanzierungsaufwand und Gewinn des Leasinggebers zu tragen sind, jedoch ist das Leasing liquiditätsneutral, da die Finanzierung über einen Dritten erfolgt, der das Objekt lediglich vermietet.

Auf diese Weise sinkt der eigene Kreditrahmen und Finanzierungsrahmen bei einer Bank nicht und es besteht trotz einer indirekten Finanzierung weiterhin der gleich hohe Spielraum wie vor dem Abschluss eines Leasings – sinnvoll ist dies, falls Liquiditätsreserven gehalten werden sollen, beispielsweise für Unternehmenserweiterungen oder bei einem kurzfristigen hohen Kapitalbedarf.

Da das Leasingobjekt durch den Leasinggeber aktiviert wird, muss das Leasinggut auch nicht beim Leasingnehmer abgeschrieben werden, was grundsätzlich drei Vorteile ergibt:

  • Die Vermeidung der Abschreibung wirkt bilanzverkürzend, da nur die Leasingrate bis zum Ende der Leasinglaufzeit als Betriebsausgabe bilanziert werden muss, nicht jedoch das Leasingobjekt bis zum Ende der Nutzungsdauer.
  • Durch die Vermeidung der Abschreibung verschlechtert sich die Eigenkapitalquote nicht durch ein an im Wert sinkendes Abschreibungsobjekt.
  • Während bei der Finanzierung nur die Kosten für die Tilgung, zum Beispiel die Zinsen, von der Steuer abgeschrieben werden können und die Anschaffungskosten linear über die AfA (Absetzung für Abnutzung = Abschreibung), kann bei einem Leasing die Leasingrate zu 100 Prozent als Betriebsausgabe abgeschrieben werden, auch wenn sich diese Zahlungsrate im Grunde aus Tilgung, Zinskosten und umgelegten Kosten der Leasingpartners zusammensetzt.

Da die Höhe der Leasingrate zudem vertraglich fest vereinbart ist, findet ein kontinuierlicher Liquiditätsabfluss statt, mit welchem fest gerechnet werden kann – bei einer Finanzierung schwankt dieser Liquiditätsabfluss aufgrund der asynchronen Tilgung des Darlehens (fallender Zinsanteil, steigender Tilgungsanteil), der möglichen Zinsschwankung sowie der Abschreibung des Finanzierungsobjektes.

Probleme beim Fahrzeug-Leasing (Kfz-Leasing)

Am beliebtesten und nach wie vor führend ist das Leasing im Bereich Fahrzeuge, sowohl im repräsentativen Bereich (Dienstwagen) als auch im „Pay as you earn“- Segment (sich selbst refinanzierende Nutzfahrzeuge), auch wenn der Anteil der Leasingangebote im Bereich der Betriebsausstattung oder Finanzierung von Produktionsmitteln wächst.

Das Fahrzeug-Leasing (Kfz-Leasing) wartet jedoch mit einigen Tücken auf, vor allem, da es in Deutschland, im Gegensatz zu anderen Rechtsräumen, kein eigenständiges Leasingrecht gibt, auch wenn genau reguliert ist, was wann ein Leasing darstellt und was als Finanzierung oder Mietkauf einzustufen ist (und damit die Vorteile des Leasings für einen Unternehmer entfallen).

Das Leasing ist ähnlich der verdeckten Gewinnausschüttung im Steuerrecht nicht klar umrissen, was bei einem Leasingvertrag möglich ist und was nicht, wird somit nicht durch Gesetze und Bestimmungen eindeutig geregelt, es handelt sich somit um Verträge eigener Art – das problematische für den Leasingnehmer ist, dass er so bei drei verschiedenen Leasinggebern für die gleiche Leasingart (beispielsweise ein Leasing mit Kilometerbegrenzung) drei verschieden ausformulierte Verträge bekommen könnte. 

Diese unklare Situation sorgt immer wieder für Ärger und neue Urteile, was vor allem  im Bereich des in Verbindung mit einem Fahrzeug-Leasing häufig angebotenen Kilometerleasings oder Restwertleasings teilweise für Klarheit sorgt – denn nicht alles was in einem Vertrag sui generis enthalten ist, auch wenn dieser eben nicht eindeutig durch Recht geregelt ist, entspricht auch dem, was möglich ist, denn Leasinggeber versuchen sich bei einem Fahrzeug-Leasing oft darin, Risiken weitestgehend auf den Leasingnehmer zu übertragen.

Kilometerleasing und Restwertleasing

So wird immer noch recht häufig versucht, bei einem Leasingvertrag das Kilometerleasing mit dem Restwertleasing zu vermischen – jedoch handelt es sich bei beiden Leasingformen um grundverschiedene Vertragsformen, denn bei einem Kilometerleasing erfolgt kein Übergang des Restwertrisikos auf den Leasingnehmer, jedoch beim namensgebenden Restwertleasing.

Der Bundesgerichtshof entschied bereits mit seinem Urteil vom 9. Mai 2001 (Az. VIII ZR 208/ 00), dass eine Vermischung nicht zulässig ist. Dies bedeutet: Entweder wird ein Kilometerleasing mit einem Verbleib des Restwertrisikos beim Leasinggeber vereinbart oder es wird ein Leasing mit vertraglich vereinbartem Restwert angeboten, bei welchem das Restwertrisiko auf den Leasingnehmer übergeht.

Wie hoch ist der Restwert (Restwertrisiko)?

Das Restwertrisiko ist stets der größte Nachteil bei einem Leasing, da dieses maßgeblich darüber entscheidet, ob ein Leasing letztendlich teuer ist oder nicht – denn im Gegensatz zu allen anderen Faktoren eines Leasings, beispielsweise in Form der Verwaltungskosten oder der Rate, ist das Restwertrisiko kaum kalkulierbar. Zwar lassen sich der Abschreibungswert und damit der steuerliche Restwert eines Fahrzeugs problemlos ermitteln, jedoch ist mit dem Restwert bei einem Leasing der Verkehrswert am Ende des Leasings gemeint.

Dieser Verkehrswert ist nur zu Teilen, zum Beispiel anhand gefahrener Kilometer oder anzunehmenden Verschleiß, kalkulierbar, jedoch muss der theoretisch ermittelbare Marktwert nicht dem tatsächlichem Verkehrswert entsprechen – sollte es am Ende der Leasinglaufzeit einen Nachfragerückgang für das Leasingobjekt geben, so sinkt der erzielbare Restwert, unabhängig vom theoretischen Wert, trotzdem rapide ab.

Sollte ein Fahrzeug-Leasing mit einem Restwertleasing vereinbart werden, kann das also bedeuten, dass am Ende der Leasinglaufzeit eine zusätzliche Schlussrate stehen kann, welche den vertraglich vereinbarten Restwert und den tatsächlichen Wert (Verkehrswert) ausgleichen soll. Bei einem Kilometerleasing ist jedoch ein Restwertausgleich vertraglich nicht vorgesehen, das heißt, dass der vom Leasinggeber kalkulierte Restwert sein unternehmerisches Risiko darstellt – jedoch ist das Kilometerleasing aus diesem Grund oft teurer.

Denn: Ein Restwertleasing kann durch den Risikoübergang, siehe davor, mit anfangs sehr günstigen Konditionen kalkuliert werden – in diesem Fall wird der vereinbarte Restwert oft zu hoch angesetzt, um die monatlichen Raten zu verringern und das Leasing zusätzlich attraktiver zu machen. Für den Leasingnehmer entsteht dadurch nicht nur das Risiko der „garantierten“ Schlussrate, sondern vor allem das des zusätzlichen Liquiditätsabflusses in Form der Ausgleichszahlung, die einen unkalkulierbaren Liquiditätsabfluss darstellt.

Da sich bei einem Kilometerleasing der Restwert eines Fahrzeugs nach dem zugrunde gelegten Verschleiß richtet und den gefahrenen Kilometern, ist dieser das kalkulatorische Risiko des Leasinggebers – sprich: Hat dieser den erzielbaren Marktwert nach gefahrenen Kilometern richtig eingeschätzt oder nicht? Da das finanzielle Restwertrisiko nicht auf den Leasingnehmer übertragen werden kann, fällt im direkten Vergleich von Restwertleasing und Kilometerleasing der kalkulierte Restwert oft geringer aus.

Andienoption als weiteres Leasing-Risiko (Andienungsrecht)

Eine andere Möglichkeit, das Fahrzeug-Leasing für den Leasingnehmer nachteilig zu gestalten, ist die sogenannte Andienoption – hinter dieser verbirgt sich nichts anderes als ein einseitiger Kaufzwang, welcher ebenfalls das Restwertrisiko auf den Leasingnehmer abwälzen soll. Die Andienoption oder das Andienungsrecht bedeutet, dass der Leasinggeber entscheiden und bestimmen kann, an wen er nach dem Ende des Leasings das Leasingobjekt verkauft, wobei es zwei mögliche Szenarien gibt: er bestimmt den Leasingnehmer zum Käufer oder er bestimmt einen Dritten zum Käufer.

Nachteilig ist das Andienungsrecht, da der Leasingnehmer sowohl bei einem Unterschreiten, als auch bei einem Überschreiten des Restwerts benachteiligt werden kann: Sollte der Restwert unterschritten werden, so kann der Leasinggeber bei einem Verkauf an einen Dritten zu einem geringeren Preis die Differenz wie auch bei einem Restwertleasing vom Leasingnehmer einfordern – er kann das Leasingobjekt jedoch auch dem Leasingnehmer andienen, so dass dieser es, auch wenn  der Wert geringer sein sollte, es zum vertraglich vereinbarten Restwert kaufen muss.

Das gilt jedoch auch, wenn der Restwert überschritten wurde – so hat der Leasinggeber hier zum einen die Möglichkeit, das Objekt an einen Dritten zu verkaufen und den Mehrwert als Gewinn einzubehalten, was ohne direkten Nachteil für den Leasingnehmer ist, er kann jedoch auch den Leasingnehmer zum Kauf über dem vereinbarten Wert aufgrund eines höheren tatsächlichen Restwertes zwingen.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

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Stand: 13. Dezember 2012


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