GKV-Reformrechner

Die Krankenkassen müssen sparen. 2027 soll das Defizit 15,3 Milliarden Euro betragen. Damit das Minus gedeckt ist, soll es Reformen geben. Aber wie verändern diese Deinen Zusatzbeitrag? Finanztip zeigt Dir, wie viel sich wo einsparen lässt – und was das für Dich bedeutet. 

Nathanael Häfner
Nathanael Häfner
Experte Gesundheit, BU, Unfallversicherung
Aktualisiert am 08. April 2026
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Welche Krankenkasse empfiehlt Finanztip?

Das bedeuten die 15 Reformen

Homöopathie streichen

Die Kasse soll keine Homöopathie mehr zahlen, weil ihr Nutzen laut FKG nicht empirisch belegt sei. Die FKG betont, dass Leistungen ohne nachgewiesenen Nutzen grundsätzlich nicht von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) finanziert werden sollten.  

Weniger Zahnspangen

Die Kieferorthopädie soll stärker gesteuert werden, um Überbehandlungen zu vermeiden. Laut FKG gibt es Hinweise drauf, dass Kieferorthopädinnen zu schnell zu viele Zahnspangen anordneten – eine Überversorgung.  

Zweitmeinung bei Operationen

Mandel-, Knie- oder Hüfteingriffe: Vor bestimmten OPs soll eine zweite ärztliche Meinung Pflicht werden. Das soll unnötige Eingriffe verhindern und die Versorgungsqualität verbessern.  

Kein Hautkrebs-Screening für alle

Das Screening soll ausgesetzt werden, weil der Nutzen nicht klar belegt ist. 
Die FKG sieht keine ausreichende Evidenz für eine Senkung von Sterblichkeit oder Krankheit. Für Risikogruppen wie Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter könnte es weiter Sinn ergeben.

Zuckersteuer auf Getränke

Zuckerhaltige Getränke könnten nach Vorbild von Mexiko und Großbritannien stärker besteuert werden. Weil Hersteller dort mehr Steuern zahlen, je mehr Gramm Zucker ihr Getränk enthält, sank der Anteil nachweislich. Orangenlimonade in Großbritannien hat etwa halb so viel Zucker wie in Deutschland, zeigt etwa eine Studie von Forschenden der britischen Oxford-Universität.  

Höhere Alkoholsteuer

Alkohol würde teurer, um gesundheitsschädlichen Konsum zu reduzieren. Allerdings nur Spirituosen wie Wodka. Die Biersteuer ist eine Ländersteuer, für Wein bräuchte es abgesehen von der Mehrwertsteuer eine neue Verbrauchssteuer, von der die Kommission absieht. Fazit aus dem Kommissionsbericht: „Deutschland zählt bei der Alkoholkontrollpolitik zu den Schlusslichtern in Europa.“  

Geringere Erstattung für Zahnersatz

Die Kasse soll einen kleineren Anteil an Zahnersatz zahlen. Er wurde 2020 angehoben, seitdem gilt (§ 55 SGB V):

  • 60 Prozent der Regelversorgung zahlt die Kasse  
  • 70 Prozent mit Bonusheft (fünf Jahre lückenlose Vorsorge)  
  • 75 Prozent mit Bonusheft (zehn Jahre lückenlose Vorsorge)  

Die FKG schlägt vor:

  • zurück auf 50 Prozent
  • mit Bonusheft wieder 60 Prozent bzw. 65 Prozent  

Die Härtefallregel soll unverändert bleiben. Wer wenig verdient, bekäme weiterhin bis zu 100 Prozent erstattet.

Höhere Tabaksteuer

Tabak soll stärker besteuert werden. Jährlich würde eine Zigarette dann circa acht Prozent teurer. Eine Packung kostet im ersten Jahr mit höherer Tabaksteuer statt acht Euro dann 8,60 Euro. Wegen der Energiekrise will die Regierung die Tabaksteuer noch 2026 erhöhen. Sie soll Entlastungen für Autofahrerinnen und Autofahrer finanzieren: Die Mineralölsteuer soll zwei Monate lang um 17 Cent sinken.  

Höherer Arbeitgeberbeitrag bei Minijobs

Arbeitgeber sollen für Minijobber deutlich mehr in die GKV einzahlen. Konkret will die FKG den Pauschalbeitrag von heute 13 Prozent auf das Niveau regulärer Beiträge, rund 14,6 Prozent plus durchschnittlicher Zusatzbeitrag, anheben. Das wären aktuell 17,5 Prozent.  

Weniger Krankengeld

Das Krankengeld (§ 44 SGB V) soll um fünf Prozentpunkte sinken. Also mindestens 65 statt bisher 70 Prozent des Bruttoeinkommens, maximal 85 statt wie aktuell 90 Prozent des Nettoeinkommens.  

Mehr Zuzahlung bei Medikamenten

Patienten sollen sich deutlich stärker an verschriebenen Leistungen beteiligen. Und zwar 50 Prozent mehr als bisher. Mindestens 7,50 Euro statt aktuell fünf, maximal 15 statt wie aktuell zehn Euro sollen sie jeweils zuzahlen. Die FKG empfiehlt außerdem, Zuzahlungen jedes Jahr an die Inflation anzupassen. Zuzahlungen betrffen nicht nur Medikamente, sondern auch Kompressionsstrümpfe, Haushaltshilfen oder Fahrtkosten.

Höherer Herstellerabschlag bei Medikamenten

Pharmafirmen sollen höhere Rabatte auf ihre Preise geben. Das soll steigende Arzneimittelkosten dämpfen.  

Ehepartner nicht mehr kostenlos mitversichern

Die beitragsfreie Familienversicherung für Ehepartner soll entfallen. Allerdings mit Ausnahmen für Ehepartner, die Angehörige pflegen und Kinder unter sieben Jahren haben. Betroffen wären etwa 1,7 Millionen Menschen und vor allem Frauen. Künftig müssten sich Betroffene für 3,5 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens des beschäftigten Partners mitversichern. An der Beitragsbemessungsgrenze von 69.750 Euro wären das 204 Euro pro Monat. Bei 35.000 Euro Einkommen entsprechend 102 Euro monatlich Mehrbelastung.

Honorarsteigerungen für Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken deckeln

Vergütungen sollen künftig nur noch so stark steigen wie die Einnahmen der GKV, meist sogar etwas langsamer. Konkret empfiehlt die FKG, Preis- und Honorarsteigerungen an die Grundlohnrate zu koppeln. Also daran, wie stark die Löhne steigen.

Bürgergeldversicherung aus Steuern zahlen

Der Staat soll die Gesundheitskosten für Bürgergeldempfänger (ab 1. Juli Grundsicherung) übernehmen. Das sind versicherungsfremde Leistungen, die laut FKG eigentlich aus Steuermitteln finanziert werden sollten. Wenn die Versicherten nicht mehr die 12 Milliarden Euro übernehmen, verschwindet das Geld nicht. Es tragen dann die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. 

Häufige Fragen zur GKV-Reform

Wo lässt sich am meisten Geld in der gesetzlichen Krankenkasse sparen?

Bei den Leistungserbringern mit 19 Milliarden Euro. Damit sind zum Beispiel Krankenhäuser, Ärzte, Apotheken und auch Pharmahersteller gemeint. Krankenhäuser stellen Operationen in Rechnung, Pharmahersteller etwa Rechnungen für Medikamente. Und auch bei Ärzten, die Behandlungen abrechnen, lässt sich laut Finanzkommission Gesundheit (FKG) viel sparen. Außerdem sind die sogenannten versicherungsfremden Leistungen mit 12,5 Milliarden Euro ein großer Posten. Dabei geht es vor allem darum, dass der Bund Gesundheitskosten für Bürgergeldbeziehende komplett übernimmt. Ab 1.7. heißt das Bürgergeld Grundsicherung.  

Die Patienten sind also nicht der wichtigste Hebel, um Geld zu sparen. Aber: „Uns ist wichtig, dass von der Solidargemeinschaft der Versicherten zukünftig nur noch Leistungen bezahlt werden, die Patientinnen und Patienten auch nachweislich helfen“, sagt Ferdinand Gerlach, Facharzt für Allgemeinmedizin und stellvertretender FKG-Vorsitzender. Deswegen schlägt die FKG etwa vor, dass die Krankenkassen zukünftig keine Homöopathie mehr bezahlen.  

Wie wirken sich die eingesparten Milliarden auf Deinen Zusatzbeitrag aus?

  1. Gibt es keine Reform, bleibt das Minus bei den Krankenkassen bestehen. Der Zusatzbeitrag steigt ohne Einsparmaßnahmen laut Kommission schon im nächsten Jahr auf 3,7 Prozent. In diesem Fall müsstest Du, je nach Einkommen, einen niedrigen dreistelligen Betrag pro Jahr mehr an Krankenkassenbeitrag zahlen.
  2. Wenn Du im Rechner 15,3 Milliarden Euro einsparst, bleibt der Zusatzbeitrag stabil bei 2,9 Prozent.  
  3. Würden alle Reformvorschläge umgesetzt, könnte der Zusatzbeitrag auf circa 2,1 Prozent sinken. Du hättest in diesem Fall 2027 mehr Nettogehalt. Das gilt aber als unwahrscheinlich. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat Mitte April verkündet, dass sie etwa drei Viertel der Maßnahmen umsetzen möchte. Mit ihrem Vorschlag ließen sich circa 20 Milliarden Euro einsparen. Ziel der Gesundheitsreform sind Warken zufolge stabile Beiträge.  

 

Was ist der Zusatzbeitrag?

Seit 2015 gilt für Versicherte zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens ein Zusatzbeitrag (§ 242 SGB V). Er wurde nötig, weil das Gesundheitssystem jedes Jahr mehr Geld kostet. Insbesondere übersteigen die Ausgaben jedes Jahr die Einnahmen. Außerdem soll der Zusatzbeitrag den Wettbewerb zwischen den Kassen befördern. Du und Dein Arbeitgeber zahlen den Zusatzbeitrag jeweils zur Hälfte. 

Was ist die Finanzkommission Gesundheit und was schlägt sie vor?

Sie ist ein Expertengremium aus zehn Professorinnen und Professoren, das seit September 2025 66 Vorschläge erarbeitet hat. Damit ließen sich gemäß der Finanzkomission Gesundheit (FKG) 42,3 Milliarden Euro 2027 einsparen lassen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat die FKG eingesetzt. 

Wie geht es nun weiter mit der Krankenkassenreform?

Bis zum 29. April soll das Kabinett über einen Gesetzentwurf abstimmen. Der Bundestag tagt zuletzt Anfang Juli vor der Sommerpause. Der Gesetzgebungsprozess muss im Oktober abgeschlossen sein. Denn dann wird berechnet, wie hoch der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2027 ausfällt. Dafür braucht es das Gesetz als Grundlage.  

Das Bundesgesundheitsministerium will die Vorschläge „zügig prüfen“. Ende des Jahres will die Finanzkommission Gesundheit einen zweiten Bericht vorlegen. Dann soll es um strukturelle Reformen gehen.  

Wieso berücksichtigt Finanztip nur 15 der 66 Vorschläge der FKG?

Der Finanztip-Rechner beschränkt sich auf 15 Maßnahmen, die knapp drei Viertel der vorgeschlagenen Kosten einsparen (31 Milliarden Euro). Erstens, weil Du alle 66 Vorschläge schlecht bedienen könntest. Zweitens betreffen diese 15 nach Finanztip-Einschätzung Verbraucher und Verbraucherinnen am meisten. Insgesamt geht die FKG davon aus, dass sich 42,3 Milliarden Euro mit allen Vorschlägen einsparen ließen.  

So haben wir gerechnet

Sparen die Krankenkassen rund zwei Milliarden Euro ein, entspricht das 0,1 Prozent Zusatzbeitrag laut Finanzkommission Gesundheit (FKG). Andere Schätzungen variieren leicht. Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) nennt 1,9 Milliarden Euro für jede Einsparung von 0,1 Prozent Beitragssatz.  

Soll der Zusatzbeitrag 2027 stabil bei 2,9 Prozent bleiben, müssen die Kassen das Defizit von 15,3 Milliarden Euro decken. Wie viel ein einzelner Vorschlag einspart, bezieht sich auf den FKG-Bericht. Und dort rein auf das Jahr 2027 auf die bei der jeweiligen Reform genannte Zahl nach “Finanzwirkung”. Reformideen außerhalb des FKG-Berichts berücksichtigt der Rechner nicht. Wichtig: Präventive Maßnahmen wie Alkoholsteuer wirken sich mit jedem Jahr stärker aus. Das Einsparpotenzial wächst also bei Konsumsteuern mit jedem Jahr.