Kündigung und Wechsel der Kran­ken­kas­se

So wirst Du schnell und einfach Mitglied einer neuen Kasse

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Ver­si­che­rungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder gesetzlich Krankenversicherte darf seine Kran­ken­kas­se wechseln. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate zum Monatsende.
  • Wenn Deine Kasse den Zusatzbeitrag erhöht, kannst Du außerordentlich kündigen.
  • Seit vergangenem Jahr ist der Kassenwechsel noch einfacher. Wir erklären Dir, wie der Wechsel funktioniert.

So gehst Du vor

  • Um die Kasse zu wechseln, füllst Du nur den Mitgliedsantrag bei der neuen Kasse Deiner Wahl aus. Diese übernimmt dann die Kündigung bei Deiner alten Kasse.
  • Achte darauf, dass Du die Fristen für die Kündigung einhältst. Das gilt besonders, wenn Du wegen einer Beitragserhöhung wechseln willst.
  • Du suchst eine passende Kasse? In unserem Kran­ken­kas­senvergleich im Januar 2022 haben HKK, IKK Classic, Big direkt gesund, BKK VBU und Energie-BKK am besten abgeschnitten.

Die gesetzlichen Kran­ken­kas­sen nehmen unterschiedlich hohe Zusatzbeiträge und bieten verschiedene Zusatzleistungen. Falls Du mit Deiner Kasse unzufrieden bist, kann sich ein Wechsel lohnen – bestenfalls sparst Du damit sogar Geld. Der Kran­ken­kas­senwechsel ist unkompliziert und risikolos. Klappt etwas nicht, bleibst Du einfach bei Deiner bisherigen Kasse versichert.

Wie funktioniert der Kran­ken­kas­senwechsel?

Zunächst musst Du Dir eine neue Kran­ken­kas­se suchen. Wie Du eine für Dich geeignete Kasse findest, erfährst Du in unserem Ratgeber gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung.

Sobald Du Dir einen passenden Anbieter ausgesucht hast, kannst Du mit dem Wechsel loslegen. Und das funktioniert seit vergangenem Jahr noch unkomplizierter: Du meldest Dich einfach bei der Kasse Deiner Wahl an. Den Mitgliedsantrag kannst Du bei vielen Kran­ken­kas­sen direkt online auf deren Website ausfüllen. Um die Kündigung der alten Ver­si­che­rung musst Du Dich nicht kümmern – das übernimmt Deine neue Kran­ken­kas­se.

Deine alte Kasse prüft dann, ob alle Voraussetzungen für den Wechsel erfüllt sind und bestätigt Deiner neuen Ver­si­che­rung innerhalb von 14 Tagen elektronisch die Kündigung (§ 175 Abs. 4 SGB V). Davon bekommst Du aber gar nichts mit. Du erfährst von Deiner neuen Kasse nur, ob der Wechsel geklappt hat.

Ebenfalls neu: Du musst Deinem Arbeitgeber keine Mitgliedsbescheinigung der Kran­ken­kas­se mehr vorlegen. Sag ihm einfach formlos Bescheid, wo Du versichert bist. Die Mitgliedschaftsbescheinigung bekommt er dann direkt elektronisch von der Kasse.

Kürzere Bindungsfrist

Bei der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung gibt es eine Mindestvertragslaufzeit, auch Bindungsfrist genannt. Seit dem 1. Januar 2021 kannst Du nach zwölf Monaten die Kasse wechseln. In einigen Fällen musst Du die Bindungsfrist allerdings nicht abwarten, zum Beispiel wenn Deine Kasse ihren Zusatzbeitrag erhöht oder Du den Arbeitgeber wechselst. Alles Wichtige dazu erklären wir Dir in den folgenden Abschnitten.

Welche Kündigungsfristen gelten?

Die normale Kündigungsfrist in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung beträgt zwei volle Monate zum Monatsende. Das bedeutet: Wer sich beispielsweise im Januar bei einer neuen Kasse anmeldet, ist dort ab dem 1. April versichert.

Du solltest allerdings nicht bis zum letzten Tag des Monats warten. Denn die Kündigungsfrist beginnt erst, wenn die neue Kasse Deine bisherige über den Wechsel informiert hat.

Mit einer regulären Kündigung kannst Du die Kran­ken­kas­se wechseln, wenn Du zwölf Monate bei Deiner bisherigen Kasse versichert warst. Wahltarife, etwa für Krankengeld oder einen Selbstbehalt, haben eigene Mindestlaufzeiten. Wenn Du Dich für einen solchen entschieden hast, bist Du möglicherweise länger als zwölf Monate an Deine Kasse gebunden.

Son­der­kün­di­gungs­recht bei Beitragserhöhung

Wenn Deine Kasse ihren Zusatzbeitrag erhöht, hast Du ein Son­der­kün­di­gungs­recht, selbst wenn Du noch nicht zwölf Monate lang Mitglied bist. Das gilt auch, wenn Du in einem Wahltarif versichert bist. Einzig den Krankengeld-Wahltarif kannst Du erst mit Ende der Mindestlaufzeit kündigen.

Deine Sonderkündigung muss spätestens bis zum Ende des Monats bei der Ver­si­che­rung eingehen, in dem diese das erste Mal den neuen Zusatzbeitrag erhebt. Gib auf dem Mitgliedsantrag bei der neuen Kasse unbedingt an, dass Du wegen einer Beitragserhöhung sonderkündigen möchtest. Die neue Kran­ken­kas­se übermittelt die Sonderkündigung dann an Deine bisherige Ver­si­che­rung.

Wie bei einer regulären Kündigung kannst Du trotz Beitragserhöhung erst zwei Monate nach Deiner Kündigung Mitglied der neuen Kasse werden. Solange musst Du den höheren Zusatzbeitrag zahlen.

Die meisten Ver­si­che­rungen ändern ihren Zusatzbeitrag zum Jahreswechsel, doch auch im laufenden Jahr kann es teurer werden. Bevor die Kran­ken­kas­se den höheren Beitrag erhebt, muss sie Dich auf Dein Kündigungsrecht hinweisen. Und zwar spätestens zum Ende des Monats, bevor erstmals der höhere Zusatzbeitrag fällig wird. Es reicht also, wenn die Kran­ken­kas­se Dich ein paar Tage vor dem Jahreswechsel darüber informiert, dass der Beitrag im Januar steigt und Du deshalb sonderkündigen kannst. Kommt diese Benachrichtigung zu spät bei Dir an, kannst Du die Kündigung rückwirkend zum Ende des Monats erklären, in dem erstmals der höhere Zusatzbeitrag fällig wurde (§ 175 Abs. 4 SGB V).

Achtung: Es gibt kein Son­der­kün­di­gungs­recht, wenn die Kran­ken­kas­se Zusatzleistungen kürzt oder streicht, etwa die professionelle Zahnreinigung oder Zuschüsse für Osteopathie oder Vorsorgeuntersuchungen.

Wann Du der alten Kasse selbst kündigen musst

Selbst kündigen musst Du Deiner alten Ver­si­che­rung nur noch, wenn Du das System der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung verlassen möchtest, um Dich privat zu versichern oder weil Du ins Ausland ziehst. Die alte Kasse stellt Dir dann eine Kündigungsbestätigung aus.

Wechselst Du von einer Kran­ken­kas­se zur anderen, musst Du Dich hingegen lediglich bei der neuen anmelden. Die Kündigung entfällt in diesem Fall.

Wann kannst Du die Kasse wechseln, ohne zu kündigen?

In bestimmten Fällen hast Du ein sofortiges Kran­ken­kas­senwahlrecht. Das heißt, Du kannst von einem Tag auf den anderen die Kran­ken­kas­se wechseln, ohne die Bindungsfrist oder den zweimonatigen Kündigungszeitraum abzuwarten. Es kommt nicht darauf an, wie lange Du bei Deiner bisherigen Kasse versichert warst. Das gilt auch, wenn Du in einem Wahltarif versichert bist.

Ein sofortiges Kran­ken­kas­senwahlrecht hast Du grob gesagt immer dann, wenn sich etwas an Deinem Ver­si­che­rungsverhältnis ändert. Das passiert zum Beispiel in folgenden Fällen:

  • Du wechselst den Arbeitgeber.
  • Dein Verdienst über- oder unterschreitet die Jahres­arbeits­entgelt­grenze und Du wirst deshalb vom Pflichtmitglied zum freiwilligen Mitglied oder umgekehrt.
  • Du warst bisher angestellt und machst Dich selbstständig.
  • Du warst familienversichert und musst Dich jetzt selbst versichern, zum Beispiel weil Du eine Berufsausbildung beginnst.
  • Du warst im Ausland krankenversichert und ziehst nach Deutschland.
  • Du wirst arbeitslos und bekommst Ar­beits­lo­sen­geld.

Um in einer solchen Situation mit sofortiger Wirkung die Kran­ken­kas­se wechseln zu können, hast Du 14 Tage Zeit nachdem der Tatbestand eingetreten ist, der das Wechselrecht auslöst. Du musst Dich also zum Beispiel innerhalb von 14 Tagen nach Beginn Deiner neuen Beschäftigung bei einer neuen Kasse anmelden.

Nutzt Du das Wahlrecht nicht, bleibst Du bei Deiner bisherigen Kasse versichert. Die zwölfmonatige Bindungsfrist beginnt aber nicht erneut zu laufen.

Welche Kran­ken­kas­sen empfiehlt Finanztip?

Wir haben in unserem Kran­ken­kas­senvergleich im Januar 2022 verschiedene, bundesweit geöffnete Kassen in den Bereichen Service, Beitrag, Vorsorge, Zähne, Familie, alternative Heilmethoden, Bonusprogramm und Transparenz bewertet. Am besten abgeschnitten haben die HKK, IKK Classic, Big direkt gesund, BKK VBU und Energie-BKK.

HKK
Bestes Ergebnis im Kran­ken­kas­senvergleich
Nutzer-Erfahrungen
  • erreichte 75 % in unserem Vergleich
  • günstigste bundesweit zugängliche Kasse (15,29 % Beitrag)
  • umfassende Extras besonders bei Sport, Impfungen und alternativer Medizin
  • kostenfreie Zahnreinigung bei Partner-Zahnärzten
  • weniger stark im Bereich Transparenz
Zum Anbieter
IKK Classic
Zweiter Platz im Kran­ken­kas­senvergleich
Nutzer-Erfahrungen
  • erreichte 68 % in unserem Vergleich
  • überdurchschnittliche Leistungen in 6 von 8 Teilbereichen
  • 15,9 % Beitragssatz
  • 40 € pro Jahr für professionelle Zahnreinigung bei beliebigem Arzt
  • weniger stark bei zusätzlicher Krebsfrüherkennung und Bonus
Zum Anbieter
Big direkt gesund
Stark bei Zähnen und Bonus
Nutzer-Erfahrungen
  • erreichte 67 % in unserem Vergleich
  • stark besonders bei Impfungen, Sport und Bonusprogramm
  • 15,9 % Beitragssatz
  • 50 € pro Jahr für professionelle Zahnreinigung bei allen Zahnärzten oder volle Erstattung bei Partner-Praxen
  • weniger stark bei Familie und alternativer Medizin
Zum Anbieter
BKK VBU
BKK VBU
Stark bei Familie, Vorsorge und Alternativmedizin
Nutzer-Erfahrungen
  • erreichte 66 % in unserem Vergleich
  • umfassende Extras besonders für Schwangere und Kinder, Vorsorge sowie alternative Heilmethoden
  • 30 € zweimal pro Jahr für Zahnreinigung bei allen Zahnärzten oder einmal volle Erstattung bei Partner-Praxen
  • überdurchschnittlicher Beitragssatz von 16,2 %
  • weniger stark beim Serviceangebot
Zum Anbieter
Energie-BKK
Bei Krebsvorsorge und Familie stark
Nutzer-Erfahrungen
  • erreichte 65 % in unserem Leistungsvergleich
  • sehr gute Ergebnisse im Bereich Familie und Krebsvorsorge
  • 25 € zweimal pro Jahr für professionelle Zahnreinigung bei beliebigem Zahnarzt
  • leicht überdurchschnittlicher Beitragssatz von 15,98 %
  • weniger stark in den Kategorien Zähne und Sport
Zum Anbieter

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Die günstigste Kasse je Bundesland

Sparfüchse, denen es nur auf den Beitrag ankommt, können auch zur günstigsten regionalen Kasse wechseln. Versicherte dürfen in jede Kasse eintreten, die in dem Bundesland geöffnet ist, in dem sie entweder wohnen oder arbeiten.

Die HKK ist 2022 weiterhin die günstigste bundesweit geöffnete Kasse. Nach einer Beitragserhöhung im Januar 2022 zahlen ihre Mitglieder15,29 Prozent vom Brutto. Nur in Rheinland-Pfalz und Bayern kommst Du mit einer regionalen Kran­ken­kas­se noch günstiger weg. Die bisher günstigste regionale Kran­ken­kas­se BKK Euregio hat zum 1. Juli ihren Zusatzbeitrag erhöht.

Die günstigsten Kran­ken­kas­sen nach Bundesland

BundeslandKasseBeitrag 2022
Baden-WürttembergHKK15,29 %
Bayern

BKK Farber-Castell

& Partner

15,25 %
 HKK15,29 %
BerlinHKK15,29 %
BrandenburgHKK15,29 %
BremenHKK15,29 %
HamburgHKK15,29 %
HessenHKK15,29 %
Mecklenburg-VorpommernHKK15,29 %
NiedersachsenHKK15,29 %
Nordrhein-WestfalenHKK15,29 %
Rheinland-PfalzBKK Pfaff15 %
 HKK15,29 %
SaarlandHKK15,29 %
SachsenHKK15,29 %
Sachsen-AnhaltHKK15,29 %
Schleswig-HolsteinHKK15,29 %
ThüringenHKK15,29 %

Quelle: GKV-Spitzenverband, eigene Recherche (Stand: 8. Juli 2022)

Autor
Julia Rieder

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