Kündigung und Wechsel der Kran­ken­kas­se

So wirst Du schnell und einfach Mitglied einer neuen Kasse

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Versicherungen
19. Januar 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder gesetzlich Krankenversicherte darf seine Kran­ken­kas­se wechseln. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate zum Monatsende.
  • Wenn Deine Kasse den Zusatzbeitrag erhöht, kannst Du außerordentlich kündigen.
  • Seit Januar 2021 ist der Kassenwechsel noch einfacher. Wir erklären Dir, wie das geht.
So gehst Du vor
  • Willst Du noch 2020 kündigen, geht der Wechsel so: Kündige schriftlich bei Deiner alten Kasse und melde Dich bei der neuen an. Schick Deiner neuen Kasse die Kündigungsbestätigung der alten und Deinem Arbeitgeber die Mitgliedsbescheinigung der neuen Kasse.
  • Ab 2021 wird der Kran­ken­kas­senwechsel einfacher: Du füllst nur den Mitgliedsantrag bei der Kasse Deiner Wahl aus. Diese übernimmt dann die Kündigung bei Deiner alten Kasse.
  • Achte darauf, dass Du die Fristen für die Kündigung einhältst. Das gilt besonders, wenn Du wegen einer Beitragserhöhung wechseln willst.
  • Du suchst noch eine passende Kasse? In unserem Kran­ken­kas­senvergleich im Januar 2021 haben IKK Classic, HEK, SBK und BKK VBU am besten abgeschnitten.

Die gesetzlichen Kran­ken­kas­sen nehmen unterschiedlich hohe Zusatzbeiträge und bieten verschiedene Zusatzleistungen. Falls Du mit Deiner Kasse unzufrieden bist, kann sich ein Wechsel lohnen – bestenfalls sparst Du damit sogar Geld. Der Kran­ken­kas­senwechsel ist unkompliziert und risikolos. Klappt etwas nicht, bleibst Du einfach bei Deiner bisherigen Kasse versichert.

Wie funktioniert der Kran­ken­kas­senwechsel ab 2021?

Zunächst musst Du Dir eine neue Kran­ken­kas­se suchen. Wie Du eine für Dich geeignete Kasse findest, erfährst Du in unserem Ratgeber gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung.

Hast Du Dir einen passenden Anbieter ausgesucht, geht es an den Wechsel. Der ist ab 2021 noch unkomplizierter: Du meldest Dich einfach bei der Kasse Deiner Wahl an. Den Mitgliedsantrag kannst Du bei vielen Kran­ken­kas­sen direkt online auf deren Website ausfüllen. Um die Kündigung der alten Versicherung musst Du Dich nicht kümmern – das übernimmt Deine neue Kran­ken­kas­se.

Deine alte Kasse prüft dann, ob alle Voraussetzungen für den Wechsel erfüllt sind und bestätigt Deiner neuen Versicherung innerhalb von 14 Tagen elektronisch die Kündigung (§ 175 Abs. 4 SGB V). Davon bekommst Du aber gar nichts mit. Du hörst von Deiner neuen Kasse nur, ob der Wechsel geklappt hat.

Ebenfalls neu ab 2021: Du musst Deinem Arbeitgeber keine Mitgliedsbescheinigung der Kran­ken­kas­se mehr vorlegen. Sag ihm einfach formlos Bescheid, wo Du versichert bist. Die Mitgliedschaftsbescheinigung bekommt er dann direkt elektronisch von der Kasse.

Kürzere Bindungsfrist ab 2021

Bei der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung gibt es eine Mindestvertragslaufzeit, auch Bindungsfrist genannt. Bislang warst Du 18 Monate an eine Kran­ken­kas­se gebunden, bevor Du regulär wechseln konntest. Ab dem 1. Januar 2021 kannst Du bereits nach zwölf Monaten wieder wechseln. In einigen Fällen musst Du die Bindungsfrist allerdings nicht abwarten, zum Beispiel wenn Deine Kasse ihren Zusatzbeitrag erhöht oder Du den Arbeitgeber wechselst. Alles Wichtige dazu erklären wir Dir in den folgenden Abschnitten.

Welche Kündigungsfristen gelten?

Die normale Kündigungsfrist in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung beträgt zwei volle Monate zum Monatsende. Das bedeutet: Wer sich beispielsweise im Januar bei einer neuen Kasse anmeldet, ist dort ab dem 1. April versichert.

Du solltest allerdings nicht bis zum Monatsletzten warten. Denn die Kündigungsfrist beginnt erst, wenn die neue Kasse Deine bisherige über den Wechsel informiert hat.

Ab 2021 gilt: Mit einer regulären Kündigung kannst Du die Kran­ken­kas­se wechseln, wenn Du zwölf Monate bei Deiner bisherigen Kasse versichert warst. Wahltarife, etwa für Krankengeld oder einen Selbstbehalt, haben eigene Mindestlaufzeiten. Wenn Du Dich für einen solchen entschieden hast, bist Du möglicherweise länger als zwölf Monate an Deine Kasse gebunden.

Achtung: Hast Du noch im Jahr 2020 Deiner alten Kasse gekündigt, weil Du zum ersten Januar, Februar oder März 2021 in eine neue Kasse wechseln möchtest, funktioniert das elektronische Verfahren zum Datenaustausch zwischen den Anbietern noch nicht. Der Wechsel läuft dann noch nach der alten Regelung ab. Das heißt, nach Deiner Kündigung bei der alten Kasse meldest Du Dich bei der neuen an und schickst dieser die Kündigungsbestätigung vom alten Anbieter. Der Kassenwechsel ist erst komplett, wenn Du Deinem Arbeitgeber innerhalb der Kündigungsfrist eine Mitgliedsbescheinigung der neuen Kasse vorlegst.

Son­der­kün­di­gungs­recht bei Beitragserhöhung

Wenn Deine Kasse ihren Zusatzbeitrag erhöht, hast Du ein Son­der­kün­di­gungs­recht, selbst wenn Du noch nicht zwölf Monate lang Mitglied bist. Das gilt auch, wenn Du in einem Wahltarif versichert bist. Einzig den Krankengeld-Wahltarif kannst Du erst mit Ende der Mindestlaufzeit kündigen.

Deine Sonderkündigung muss spätestens bis zum Ende des Monats bei der Versicherung eingehen, in dem diese das erste Mal den neuen Zusatzbeitrag erhebt. Gib auf dem Mitgliedsantrag bei der neuen Kasse unbedingt an, dass Du wegen einer Beitragserhöhung sonderkündigen möchtest. Die neue Kran­ken­kas­se übermittelt die Sonderkündigung dann an Deine bisherige Versicherung.

Wie bei einer regulären Kündigung kannst Du trotz Beitragserhöhung erst zwei Monate nach Deiner Kündigung Mitglied in der neuen Kasse werden. Solange musst Du den höheren Zusatzbeitrag zahlen.

Die meisten Versicherungen ändern ihren Zusatzbeitrag zum Jahreswechsel, doch auch im laufenden Jahr kann es teurer werden. Bevor die Kran­ken­kas­se den höheren Beitrag erhebt, muss sie Dich auf Dein Kündigungsrecht hinweisen. Und zwar spätestens zum Ende des Monats, bevor erstmals der höhere Zusatzbeitrag fällig wird. Kommt diese Benachrichtigung zu spät bei Dir an, kannst Du die Kündigung rückwirkend zum Ende des Monats erklären, in dem erstmals der höhere Zusatzbeitrag fällig wurde (§ 175 Abs. 4 SGB V).

Achtung: Es gibt kein Son­der­kün­di­gungs­recht, wenn die Kran­ken­kas­se Zusatzleistungen kürzt oder streicht, etwa die professionelle Zahnreinigung oder Zuschüsse für Osteopathie oder Vorsorgeuntersuchungen.

Wann Du der alten Kasse selbst kündigen musst

Selbst kündigen musst Du Deiner alten Versicherung ab 2021 nur noch, wenn Du das System der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung verlassen möchtest, um Dich privat zu versichern oder weil Du ins Ausland ziehst. Die alte Kasse stellt Dir dann eine Kündigungsbestätigung aus.

Wechselst Du von einer Kran­ken­kas­se zur anderen, musst Du Dich hingegen lediglich bei der neuen anmelden. Die Kündigung entfällt in diesem Fall.

Wann kannst Du die Kran­ken­kas­se wechseln, ohne zu kündigen?

In bestimmten Fällen hast Du ein sofortiges Kran­ken­kas­senwahlrecht. Das heißt, Du kannst von einem Tag auf den anderen die Kran­ken­kas­se wechseln, ohne die Bindungsfrist oder den zweimonatigen Kündigungszeitraum abzuwarten. Es kommt nicht darauf an, wie lange Du bei Deiner bisherigen Kasse versichert warst. Das gilt auch, wenn Du in einem Wahltarif versichert bist.

Ein sofortiges Kran­ken­kas­senwahlrecht hast Du grob gesagt immer dann, wenn sich etwas an Deinem Versicherungsverhältnis ändert. Das passiert zum Beispiel in folgenden Fällen:

  • Du wechselst den Arbeitgeber,
  • Dein Verdienst über- oder unterschreitet die Jahresarbeitsentgeltgrenze und Du wirst deshalb vom Pflichtmitglied zum freiwilligen Mitglied oder umgekehrt,
  • Du warst bisher angestellt und machst Dich selbstständig,
  • Du warst familienversichert und musst Dich jetzt selbst versichern, zum Beispiel weil Du eine Berufsausbildung beginnst,
  • Du warst im Ausland krankenversichert und ziehst nach Deutschland oder
  • Du wirst arbeitslos und bekommst Ar­beits­lo­sen­geld.

Um in einer solchen Situation mit sofortiger Wirkung die Kran­ken­kas­se wechseln zu können, hast Du 14 Tage Zeit nachdem der Tatbestand eingetreten ist, der das Wechselrecht auslöst. Du musst Dich also zum Beispiel binnen 14 Tagen nach Beginn Deiner neuen Beschäftigung bei einer neuen Kasse anmelden.

Nutzt Du das Wahlrecht nicht, bleibst Du bei Deiner bisherigen Kasse versichert. Die Bindungsfrist beginnt entgegen bisheriger Regelungen aber nicht erneut zu laufen.

Welche Kran­ken­kas­sen empfiehlt Finanztip?

Wer mit den Leistungen oder dem Preis seiner bisherigen gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung unzufrieden ist, sollte sich nach einem neuen Anbieter umschauen.

Wir haben in unserem Kran­ken­kas­senvergleich im Januar 2021 die Zusatzleistungen verschiedener, bundesweit geöffneter Kassen untersucht und sie in den Bereichen Service, Familienleistungen, Vorsorge, alternative Heilmethoden und Transparenz bewertet. Am besten abgeschnitten haben die IKK Classic, HEK, SBK und BKK VBU.

IKK Classic
Bestes Ergebnis im Kran­ken­kas­senvergleich
  • erreichte 78 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen besonders bei Schwangerschaft, für Kinder und Sport
  • 15,9 % Beitragssatz
  • weniger stark bei zusätzlicher Krebsfrüherkennung
HEK
Zweiter Platz im Kran­ken­kas­senvergleich
  • erreichte 73 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen besonders bei Krebsfrüherkennung, Impfungen und für Kinder
  • 15,9 % Beitragssatz
  • weniger stark bei Schwangerschaftsvorsorge
  • veröffentlicht keine Zahlen zu Widersprüchen oder Leistungsablehnungen
SBK
Stark bei Service und Transparenz
  • erreichte 71 % in unserem Leistungsvergleich
  • sehr gute Ergebnisse im Bereich Service und Transparenz
  • 15,9 % Beitragssatz
  • weniger stark bei Zusatzleistungen für Schwangere und Kinder sowie alternativer Medizin

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Unser Podcast zum Thema

Die günstigste Kasse je Bundesland

Sparfüchse, denen es nur auf den Beitrag ankommt, können auch zur günstigsten regionalen Kasse wechseln. Versicherte dürfen in jede Kasse eintreten, die in dem Bundesland geöffnet ist, in dem sie entweder wohnen oder arbeiten.

Die HKK bleibt 2021 die günstigste bundesweit geöffnete Kasse. Ihre Mitglieder zahlen 14,99 Prozent vom Brutto. Günstiger weg kommst Du nur in Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Dort verlangt die regionale BKK Euregio 14,95 Prozent Beitrag. Ähnlich niedrig ist der Beitrag bei der BKK Pfaff aus Rheinland-Pfalz.

Die günstigsten Kran­ken­kas­sen 2021 nach Bundesland

BundeslandKasseBeitrag 2021
Baden-WürttembergHKK14,99 %
BayernHKK14,99 %
BerlinHKK14,99 %
BrandenburgHKK14,99 %
BremenHKK14,99 %
HamburgBKK Euregio14,95 %
HessenHKK14,99 %
Mecklenburg-VorpommernHKK14,99 %
NiedersachsenHKK14,99 %
Nordrhein-WestfalenBKK Euregio14,95 %
Rheinland-PfalzHKK14,99 %
 BKK Pfaff15 %
SaarlandHKK14,99 %
SachsenHKK14,99 %
Sachsen-AnhaltHKK14,99 %
Schleswig-HolsteinHKK14,99 %
ThüringenHKK14,99 %

Quelle: Auskunft der Anbieter (Stand: 1. Juni 2021)

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