Kündigung und Wechsel der Krankenkasse

Mit nur zwei Schreiben sind Sie Mitglied einer neuen Kasse

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 05. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder gesetzlich Krankenversicherte darf seine Krankenkasse wechseln. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate zum Monatsende.
  • Wenn Ihre Kasse einen Zusatzbeitrag einführt oder erhöht, können Sie außerordentlich kündigen. In einem Wahltarif gelten gesonderte Fristen.
So gehen Sie vor
  •  Kündigen Sie schriftlich bei Ihrer alten Kasse. Nutzen Sie dazu unser Musterschreiben.
     
  • Stellen Sie bei der neuen Krankenversicherung einen Antrag auf Mitgliedschaft und weisen Sie der alten Kasse nach, dass die neue Sie aufgenommen hat.
  • Bei einem Jobwechsel müssen Sie unter bestimmten Voraussetzungen der alten Kasse nicht kündigen, sondern können sich vom neuen Arbeitgeber direkt bei einer neuen Krankenkasse anmelden lassen.
  • Besonders umfassende Zusatzleistungen zeigten in unserem Krankenkassenvergleich 2020 IKK Classic und HEK. Zählt für Sie vor allem der Preis, finden Sie die günstigste Kasse in Ihrem Bundesland in unserer Liste.

Die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln, kann sinnvoll sein. Denn die Kassen nehmen unterschiedlich hohe Zusatzbeiträge und bieten verschiedene Zusatzleistungen. Der Wechsel zu einer anderen gesetzlichen Krankenversicherung ist unkompliziert und mit zwei Schreiben erledigt.

Wie können Sie die Krankenkasse wechseln?

Zunächst müssen Sie sich für eine neue Krankenkasse entscheiden. Wie Sie am besten eine für Sie geeignete Kasse finden, erfahren Sie in unserem Ratgeber gesetzliche Krankenversicherung. Haben Sie einen passenden Anbieter ausgesucht, geht es an den Wechsel: Sie kündigen der alten Krankenkasse und melden sich bei der neuen an.

Die Kündigung ist aber erst komplett, wenn der alten Kasse oder dem Arbeitgeber die Mitgliedsbescheinigung der neuen Kasse vorliegt – noch innerhalb der Kündigungsfrist.

Die reguläre Kündigungsfrist

Die normale Kündigungsfrist in der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt zwei volle Monate zum Monatsende. Das bedeutet: Wer beispielsweise bis zum 31. August seiner alten Kasse das Kündigungsschreiben geschickt hat, kann sich ab dem 1. November bei einer neuen Kasse versichern.

Die Mindestvertragslaufzeit, auch Bindungsfrist genannt, beträgt bei allen Krankenkassen 18 Monate. Erst danach können Sie mit einer regulären Kündigung zu einer neuen Kasse wechseln. Ab dem 1. Januar 2021 gilt eine Bindungsfrist von zwölf Monaten.

Wahltarife haben eigene Mindestlaufzeiten. Wenn Sie sich für einen solchen entschieden haben, sind Sie möglicherweise länger an Ihre Kasse gebunden.

Wann es ein Sonderkündigungsrecht gibt

Erhöht die Kasse ihren Zusatzbeitrag, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht, auch wenn Sie noch nicht 18 Monaten lang Mitglied bei Ihrer Kasse sind. Das gilt auch, wenn Sie in einem Wahltarif versichert sind. Einzig den Krankengeld-Wahltarif können Sie erst mit Ablauf der Mindestlaufzeit kündigen.

Die Kündigungsfrist von zwei Monaten gilt trotz des Sonderkündigungsrechts weiter – in der neuen Krankenkasse können Sie also erst zwei Monate nach Ihrer Kündigung Mitglied werden. Ihr Kündigungsschreiben muss spätestens bis zum Ende des Monats bei der Versicherung eingehen, in dem diese das erste Mal den neuen Zusatzbeitrag erhebt.

Achtung: Es gibt kein Sonderkündigungsrecht, wenn die Krankenkasse Zusatzleistungen kürzt oder streicht, etwa die professionelle Zahnreinigung oder Zuschüsse für Osteopathie oder Vorsorgeuntersuchungen.

Die meisten Versicherungen ändern ihren Zusatzbeitrag zum Jahreswechsel, doch auch im laufenden Jahr kann es teurer werden. Bevor die Krankenkasse den höheren Beitrag erhebt, muss sie die Mitglieder auf ihr Kündigungsrecht hinweisen. Kommt diese Benachrichtigung der Krankenkasse zu spät bei Ihnen an, können Sie rückwirkend zu dem Monat kündigen, in dem erstmals der höhere Zusatzbeitrag fällig wurde (§ 175 Abs. 4 SGB V).

Unsere Vorlage für das Kündigungsschreiben

Nutzen Sie zum Kündigen unser Musterschreiben, das Sie auch per Fax versenden können. Wer das Sonderkündigungsrecht nutzt, sollte sich im Schreiben auf den erhöhten Zusatzbeitrag beziehen: „Aufgrund des von Ihnen erhobenen Zusatzbeitrags mache ich von meinem Sonderkündigungsrecht nach § 175 Abs. 4 Satz 5 des SGB V Gebrauch.“

Hier können Sie sich unser Musterschreiben für die Kündigung der Krankenversicherung herunterladen:

Mitgliedsantrag und Kündigungsbestätigung

Um Mitglied einer neuen Krankenkasse zu werden, genügt es, den Mitgliedsantrag der Versicherung auszufüllen. Dafür benötigen Sie Ihre Sozialversicherungsnummer und die Anschrift Ihres Arbeitgebers, damit die Kasse ihn über den Wechsel informieren kann. Für mitversicherte Familienangehörige oder Selbstständige gibt es zusätzliche Antragsformulare. Die Anträge können Sie oft online ausfüllen oder auch faxen.

Die alte Kasse ist verpflichtet, innerhalb von 14 Tagen eine Kündigungsbestätigung auszustellen (§ 175 Abs. 4 SGB V). Diese schicken Sie entweder direkt mit den Antragsunterlagen mit oder reichen sie vor Beginn der Mitgliedschaft bei der neuen Kasse nach. Erst dann ist der Kassenwechsel abgeschlossen.

Wann können Sie die Krankenkasse ohne Kündigung wechseln?

In bestimmten Fällen haben Sie ein sofortiges Krankenkassenwahlrecht. Das heißt, Sie können die Kasse wechseln, ohne zu kündigen. Sie müssen also weder Ihrer bisherigen Kasse ein Kündigungsschreiben schicken, noch die reguläre Kündigungsfrist abwarten. Sie melden sich einfach bei der neuen Kasse an.

Diese Regelung basiert auf einem Urteil des Bundessozialgerichts aus dem September 2018 (Az. B 1 KR 10/18 R). Sie eröffnet vielen Versicherten die Möglichkeit, schneller einer neuen Kasse beizutreten. Es gibt dabei aber einen großen Nachteil. Denn wenn Sie Ihr sofortiges Wechselrecht nicht nutzen, wird das als aktive Entscheidung zugunsten Ihrer bisherigen Krankenkasse gewertet. Die Bindungsfrist beginnt damit erneut zu laufen. Das hat der Spitzenverband der Krankenkassen in einem Rundschreiben aus dem Juni 2019 festgelegt.

Es kann deshalb passieren, dass Sie weitere anderthalb Jahre in Ihrer Krankenkasse festsitzen, auch wenn Sie schon seit Jahren bei diesem Anbieter sind – falls Sie den richtigen Zeitpunkt zum Wechseln verpassen. Wenn Sie unzufrieden mit Ihrer Kasse sind und wechseln wollen, sollten Sie gleich beim Jobwechsel aktiv werden oder wenn sich etwas an Ihrem Versicherungsstatus ändert.

In diesen Fällen dürfen Sie sofort eine neue Kasse wählen

Nach einer Unterbrechung der Mitgliedschaft können Sie sofort eine neue Kasse wählen – auch wenn Sie noch nicht 18 Monate (ab 2021 zwölf Monate) bei der Kasse versichert sind. Als Unterbrechung gilt zum Beispiel, wenn Sie

  • über Ihren Partner familienversichert sind,
  • zwischen zwei Jobs über den sogenannten nachgehenden Leistungsanspruch Versicherungsschutz genießen oder
  • wegen eines Auslandsaufenthalts nicht gesetzlich versichert sind.

Wenn Sie nach einer solchen Unterbrechung wieder versicherungspflichtig werden oder sich freiwillig versichern, brauchen Sie für einen Kassenwechsel keine Kündigungsbestätigung der alten Krankenkasse.

Sind Sie bereits 18 Monate bei Ihrer Krankenkasse versichert (zwölf Monate ab 2021), können Sie unter bestimmten Bedingungen ohne Kündigung eine neue Kasse wählen. Das gilt zum Beispiel 

  • wenn Sie den Arbeitgeber wechseln,
  • Ihr Verdienst die Jahresarbeitsentgeltgrenze über- oder unterschreitet und Sie deshalb vom Pflichtmitglied zum freiwilligen Mitglied werden oder umgekehrt oder
  • Sie von Arbeitslosengeld I in den Bezug von Hartz IV wechseln.

Welche Krankenkassen empfiehlt Finanztip?

Wer mit den Leistungen oder dem Preis seiner bisherigen gesetzlichen Krankenversicherung unzufrieden ist, sollte sich nach einem neuen Anbieter umschauen.

Wir haben in unserem Krankenkassenvergleich im Januar 2020 die Zusatzleistungen verschiedener, bundesweit geöffneter Kassen untersucht und ihr Angebot in den Bereichen Service, Familienleistungen, Vorsorge und alternative Heilmethoden bewertet. Am besten abgeschnitten haben die IKK Classic und HEK.

IKK Classic
Bestes Ergebnis im Krankenkassenvergleich
  • erreichte 78 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen besonders bei Schwangerschaft, für Kinder und Sport
  • 15,6 % Beitrag
  • weniger stark bei zusätzlicher Krebsfrüherkennung
Nur beim Anbieter abschließbar
HEK
Zweiter Platz im Krankenkassenvergleich
  • erreichte 75 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen besonders bei Krebsfrüherkennung, Impfungen und für Kinder
  • 15,6 % Beitrag
  • weniger stark bei Schwangerschaftsvorsorge

Die günstigste Kasse je Bundesland

Sparfüchse, denen es nur auf den Beitrag ankommt, können auch zur günstigsten regionalen Kasse wechseln. Versicherte dürfen in jede Kasse eintreten, die in dem Bundesland geöffnet ist, in dem sie entweder wohnen oder arbeiten.

Preislich besonders attraktiv ist die AOK Sachsen-Anhalt. Sie verlangt als einzige Kasse keinen Zusatzbeitrag. Mitglieder zahlen also nur 14,6 Prozent von ihrem Brutto. Ebenfalls günstig ist die BKK Euregio, die von Mitgliedern in Hamburg und Nordrhein-Westfalen 14,95 Prozent Beitrag verlangt. In allen anderen Bundesländern ist die HKK mit 14,99 Prozent Gesamtbeitrag die günstigste Kasse.

Die günstigsten Krankenkassen 2020 nach Bundesland

BundeslandKasseGesamtbeitrag
Baden-WürttembergHKK14,99 %
BayernHKK14,99 %
BerlinHKK14,99 %
BrandenburgHKK14,99 %
BremenHKK14,99 %
HamburgBKK Euregio14,95 %
HessenHKK14,99 %
Mecklenburg-VorpommernHKK14,99 %
NiedersachsenHKK14,99 %
Nordrhein-WestfalenBKK Euregio14,95 %
Rheinland-PfalzHKK14,99 %
 BKK Pfaff15 %
SaarlandHKK14,99 %
SachsenHKK14,99 %
Sachsen-AnhaltAOK Sachsen-Anhalt14,6 %
Schleswig-HolsteinHKK14,99 %
ThüringenHKK14,99 %

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 11. Juni 2020)

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 05. Oktober 2020


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.