Kündigung und Wechsel der Krankenkasse

Mit nur zwei Schreiben sind Sie Mitglied einer neuen Kasse

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 28. August 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder gesetzlich Krankenversicherte darf seine Krankenkasse wechseln.
  • Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate zum Monatsende.
  • Wenn Ihre Kasse einen Zusatzbeitrag einführt oder erhöht, können Sie außerordentlich kündigen. In einem Wahltarif gelten gesonderte Fristen.
So gehen Sie vor
  •  Kündigen Sie schriftlich bei Ihrer alten Kasse. Nutzen Sie dazu unser Musterschreiben.
     
  • Stellen Sie bei der neuen Krankenversicherung einen Antrag auf Mitgliedschaft und weisen Sie der alten Kasse nach, dass die neue Sie aufgenommen hat.
  • Bei einem Jobwechsel müssen Sie unter bestimmten Voraussetzungen der alten Kasse nicht kündigen, sondern können sich vom neuen Arbeitgeber direkt bei einer neuen Krankenkasse anmelden lassen.
  • Besonders umfassende Zusatzleistungen zeigten in unserem Krankenkassenvergleich 2019 HEK, TK, BKK VBU, Bahn-BKK und BKK24.
  • Zählt für Sie vor allem der Preis, finden Sie die günstigste Kasse in Ihrem Bundesland in unserer Liste.

Die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln, kann sinnvoll sein. Denn die Kassen nehmen unterschiedlich hohe Zusatzbeiträge und bieten verschiedene Zusatzleistungen. Der Wechsel zu einer anderen gesetzlichen Krankenversicherung ist unkompliziert und mit zwei Schreiben erledigt.

Wie kann ich die Krankenkasse wechseln?

Zunächst müssen Sie sich für eine neue Krankenkasse entscheiden. Wie Sie am besten eine für Sie geeignete Kasse finden, erfahren Sie in unserem Ratgeber gesetzliche Krankenversicherung. Haben Sie einen passenden Anbieter ausgesucht, geht es an den Wechsel: Sie kündigen der alten Krankenkasse und melden sich bei der neuen an.

Die Kündigung ist aber erst komplett, wenn der alten Kasse oder dem Arbeitgeber die Mitgliedsbescheinigung der neuen Kasse vorliegt – noch innerhalb der Kündigungsfrist.

Die reguläre Kündigungsfrist

Die normale Kündigungsfrist in der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt zwei volle Monate zum Monatsende. Das bedeutet: Wer beispielsweise bis zum 31. August seiner alten Kasse das Kündigungsschreiben geschickt hat, kann sich ab dem 1. November bei einer neuen Kasse versichern.

Die Mindestvertragslaufzeit, auch Bindungsfrist genannt, beträgt bei allen Krankenkassen 18 Monate. Erst danach können Sie mit einer regulären Kündigung zu einer neuen Kasse wechseln. Wahltarife haben eigene Mindestlaufzeiten. Wenn Sie sich für einen solchen entschieden haben, sind Sie möglicherweise länger an Ihre Kasse gebunden.

Wann es ein Sonderkündigungsrecht gibt

Erhöht die Kasse ihren Zusatzbeitrag, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht, auch wenn Sie noch nicht 18 Monaten lang Mitglied bei Ihrer Kasse sind. Das gilt auch, wenn Sie in einem Wahltarif versichert sind. Einzig den Krankengeld-Wahltarif können Sie erst mit Ablauf der Mindestlaufzeit kündigen.

Die Kündigungsfrist von zwei Monaten gilt trotz des Sonderkündigungsrechts weiter – in der neuen Krankenkasse können Sie also erst zwei Monate nach Ihrer Kündigung Mitglied werden. Ihr Kündigungsschreiben muss spätestens bis zum Ende des Monats bei der Versicherung eingehen, in dem diese das erste Mal den neuen Zusatzbeitrag erhebt.

Achtung: Es gibt kein Sonderkündigungsrecht, wenn die Krankenkasse Zusatzleistungen kürzt oder streicht, etwa die professionelle Zahnreinigung oder Zuschüsse für Osteopathie oder Vorsorgeuntersuchungen.

Die meisten Versicherungen ändern ihren Zusatzbeitrag zum Jahreswechsel, doch auch im laufenden Jahr kann es teurer werden. Bevor die Krankenkasse den höheren Beitrag erhebt, muss sie die Mitglieder auf ihr Kündigungsrecht hinweisen. Kommt diese Benachrichtigung der Krankenkasse zu spät bei Ihnen an, können Sie rückwirkend zu dem Monat kündigen, in dem erstmals der höhere Zusatzbeitrag fällig wurde (§ 175 Abs. 4 SGB V).

Unsere Vorlage für das Kündigungsschreiben

Nutzen Sie zum Kündigen unser Musterschreiben, das Sie auch per Fax versenden können. Wer das Sonderkündigungsrecht nutzt, sollte sich im Schreiben auf den erhöhten Zusatzbeitrag beziehen: „Aufgrund des von Ihnen erhobenen Zusatzbeitrags mache ich von meinem Sonderkündigungsrecht nach § 175 Abs. 4 Satz 5 des SGB V Gebrauch.“

Hier können Sie sich unser Musterschreiben für die Kündigung der Krankenversicherung herunterladen:

Mitgliedsantrag und Kündigungsbestätigung

Um Mitglied einer neuen Krankenkasse zu werden, genügt es, den Mitgliedsantrag der Versicherung auszufüllen. Dafür benötigen Sie Ihre Sozialversicherungsnummer und die Anschrift Ihres Arbeitgebers, damit die Kasse ihn über den Wechsel informieren kann. Für mitversicherte Familienangehörige oder Selbstständige gibt es zusätzliche Antragsformulare. Die Anträge können Sie oft online ausfüllen oder auch faxen.

Die alte Kasse ist verpflichtet, innerhalb von 14 Tagen eine Kündigungsbestätigung auszustellen (§ 175 Abs. 4 SGB V). Diese schicken Sie entweder direkt mit den Antragsunterlagen mit oder reichen Sie vor Beginn der Mitgliedschaft bei der neuen Kasse nach. Erst dann ist der Kassenwechsel abgeschlossen.

Sonderfall: Krankenkasse wechseln ohne Kündigung

In bestimmten Fällen haben Sie ein sofortiges Krankenkassenwahlrecht. Das heißt Sie können die Kasse wechseln, ohne zu kündigen. Nach einer Unterbrechung Ihrer Mitgliedschaft können Sie sofort eine Kasse wählen. Sie müssen weder Ihrer bisherigen Kasse kündigen noch die reguläre Kündigungsfrist abwarten. Im Gegensatz zum „normalen“ Krankenkassenwechsel spielt es in diesem Fall auch keine Rolle, ob Sie bereits 18 Monate bei Ihrer bisherigen Kasse versichert sind.

Als Unterbrechung der Mitgliedschaft gilt es beispielsweise, wenn Sie zwischen zwei versicherungspflichtigen Beschäftigungen über Ihren Partner familienversichert sind oder während einer kurzen Pause zwischen zwei Jobs über den sogenannten nachgehenden Leistungsanspruch Versicherungsschutz genießen.

Auch wenn Sie nahtlos den Arbeitgeber wechseln, können Sie sich sofort für eine neue Kasse entscheiden – in diesem Fall allerdings nur, wenn Sie bei der alten Kasse die Mindestlaufzeit von 18 Monaten erfüllt haben. Dann brauchen Sie der alten Kasse nicht zu kündigen. Es reicht, wenn Sie Ihrem neuen Arbeitgeber eine Mitgliedsbescheinigung der neuen Kasse vorlegen, und zwar innerhalb von 14 Tagen, nachdem Sie den Job angetreten haben.

Doch diese Regelung, die auf einem Urteil des Bundessozialgerichts aus dem September 2018 fußt (Az. B 1 KR 10/18 R), hat einen großen Nachteil. Nach einem Arbeitgeberwechsel beginnt die 18-monatige Bindungsfrist erneut zu laufen – egal, ob Sie bei Ihrer bisherigen Krankenkasse geblieben sind oder gewechselt haben. Das hat der Spitzenverband der Krankenkassen in einem Rundschreiben aus dem Juni 2019 festgelegt. Auch wenn Sie schon seit Jahren bei demselben Anbieter sind, kann es so passieren, dass Sie weitere anderthalb Jahre festsitzen.

Falls Sie unzufrieden sind mit Ihrer Kasse, sollten Sie deshalb beim Jobwechsel aktiv werden. Tun Sie nichts, wird das nämlich als aktive Entscheidung zugunsten Ihrer bisherigen Kasse gewertet.

Welche Krankenkassen empfiehlt Finanztip?

Wer mit den Leistungen oder dem Preis seiner bisherigen gesetzlichen Krankenversicherung unzufrieden ist, sollte sich nach einem neuen Anbieter umschauen.

Wir haben in unserem Krankenkassenvergleich im Januar 2019 die Zusatzleistungen verschiedener, bundesweit geöffneter Kassen untersucht und ihr Angebot in den Bereichen Service, Familienleistungen, Vorsorge und alternative Heilmethoden bewertet. Am besten abgeschnitten haben die HEK, TK, BKK VBU, Bahn BKK und BKK24.

HEK
Krankenkasse mit breiten Zusatzleistungen
  • erreichte 74 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen in allen Bereichen
  • 15,6 % Beitragssatz
TK
Krankenkasse mit breiten Zusatzleistungen
  • erreichte 74 % in unserem Leistungsvergleich
  • viele gute Zusatzleistungen
  • günstiger Beitragssatz von 15,3 %
  • schwächer bei zusätzlichen Familienleistungen
Nur beim Anbieter abschließbar
BKK VBU
Krankenkasse mit breiten Zusatzleistungen
  • erreichte 72 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen bei alternativer Medizin und Vorsorge
  • eher hoher Beitragssatz von 15,9 %
  • schwächer beim Serviceangebot
Bahn-BKK
Krankenkasse mit breiten Zusatzleistungen
  • erreichte 72 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen für Familien und alternative Medizin
  • 15,8 % Beitragssatz
  • schwächer bei zusätzlicher Vorsorge
Nur beim Anbieter abschließbar
BKK24
Krankenkasse mit breiten Zusatzleistungen
  • erreichte 72 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen bei alternativen Heilmethoden und Service
  • 15,6 % Beitragssatz
  • schwächer bei Familienleistungen und zusätzlicher Vorsorge

Die günstigste Kasse je Bundesland

Sparfüchse, denen es nur auf den Beitrag ankommt, können auch zur günstigsten regionalen Kasse wechseln. Versicherte dürfen in jede Kasse eintreten, die in dem Bundesland geöffnet ist, in dem sie entweder wohnen oder arbeiten.

Preislich besonders attraktiv ist die AOK Sachsen-Anhalt mit 14,9 Prozent Beitrag. Ebenfalls günstig ist die BKK Euregio, die von Mitgliedern in Hamburg und Nordrhein-Westfalen 14,95 Prozent Beitrag verlangt. In allen anderen Bundesländern ist die HKK mit 14,99 Prozent Gesamtbeitrag die günstigste Kasse.

Achtung: Ein Teil der Beitragsersparnis wird durch höhere Steuern wieder aufgefressen. 

Die günstigsten Krankenkassen 2019 nach Bundesland

BundeslandKasseGesamtbeitrag 2019
Baden-WürttembergHKK14,99 %
BayernHKK14,99 %
BerlinHKK14,99 %
BrandenburgHKK14,99 %
BremenHKK14,99 %
HamburgBKK Euregio14,95 %
HessenHKK14,99 %
Mecklenburg-VorpommernHKK14,99 %
NiedersachsenHKK14,99 %
Nordrhein-WestfalenBKK Euregio14,95 %
Rheinland-PfalzHKK14,99 %
 BKK Pfaff15 %
SaarlandHKK14,99 %
SachsenHKK14,99 %
Sachsen-AnhaltAOK Sachsen-Anhalt14,9 %
Schleswig-HolsteinHKK14,99 %
ThüringenHKK14,99 %

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 7. Januar 2019)

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 28. August 2019


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