Schutz vor Autodiebstahl

So verhalten Sie sich richtig, wenn Ihr Auto gestohlen wurde

Silke Kursawe
& Co-Autor
Stand: 23. September 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Bei einem unverschuldeten Diebstahl oder Raub Ihres Fahrzeugs zahlt die Kaskoversicherung.
  • Damit bei der Regulierung des Schadens alles glattläuft, müssen Sie einige Regeln einhalten. Am wichtigsten: Handeln Sie rasch. Anders als bei anderen Schäden in der Kfz-Versicherung haben Sie keine Woche Zeit, um den Schaden zu melden.
  • Geld von der Versicherung erhalten Sie frühestens vier bis sechs Wochen nach dem Diebstahl.
So gehen Sie vor
  • Erstatten Sie sofort Anzeige bei der Polizei. Am besten gehen Sie direkt zur nächsten Polizeidienststelle.
  • Gleich danach müssen Sie Ihre Kfz-Versicherung informieren – etwa telefonisch über die Schaden-Hotline.
  • Polizei und Versicherung senden Ihnen dann Formulare zu, in denen Sie die Umstände des Diebstahls und den erlittenen Schaden beschreiben müssen.
  • Melden Sie das Fahrzeug so schnell wie möglich bei der Kfz-Zulassungsstelle ab.

Alle 15 bis 30 Minuten wird in Deutschland ein Auto gestohlen. Ihre Kfz-Versicherung zahlt, wenn Sie eine Kaskoversicherung abgeschlossen haben und einige wichtige Regeln beachten. Dazu gehört, dass Sie das Auto sorgfältig abgeschlossen hatten und den Schaden melden, sobald Sie den Diebstahl bemerken.

Welche Versicherung zahlt den Schaden?

Diebstahl und Raub sind Schäden, die die Teilkaskoversicherung abdeckt. Wenn Sie eine Vollkaskoversicherung haben, ist die Teilkasko eingeschlossen; für den Diebstahl oder Raub werden Sie nicht in eine schlechtere Schadenfreiheitsklasse eingestuft. Allerdings zieht der Versicherer die Selbstbeteiligung der Teilkasko von der Entschädigung ab.

Wie stellen Sie den Diebstahl fest?

Gerade wenn ein Fahrzeug mehrere Fahrer hat, gibt es oft eine Erklärung dafür, dass es nicht an seinem gewohnten Platz steht. Prüfen Sie zunächst, ob nicht etwa ein Familienmitglied das Fahrzeug umgeparkt hat. Möglicherweise wurde das Auto aber auch abgeschleppt: Gerade in Großstädten richten Umzugsunternehmen kurzfristig Halteverbote ein und lassen dann alle Fahrzeuge in der Verbotszone entfernen. Erkundigen Sie sich also telefonisch bei der Polizei, ob das Fahrzeug umgesetzt wurde.

Wenn Sie nach diesem Ausschlussverfahren keine andere Erklärung für das Fehlen Ihres Fahrzeugs finden, dann gehen Sie von einem Diebstahl aus.

Zeigen Sie den Schaden bei Polizei und Versicherung an

Jetzt gilt es, schnell zu handeln. Anders als bei anderen Schäden in der Kfz-Versicherung haben Sie nicht eine Woche Zeit, um den Schaden zu melden. Bei einem Diebstahl verlangen die Kfz-Versicherer eine rasche und schriftliche Schadensmeldung und eine Anzeige bei der Polizei.

Am besten gehen Sie sofort zur nächsten Polizeidienststelle, melden den Diebstahl und erstatten Anzeige. Dies gilt übrigens auch, wenn Ihr Auto im Ausland gestohlen wurde.

Als Nächstes melden Sie den Diebstahl Ihrer Versicherung. Dies geht am schnellsten telefonisch über die Schaden-Hotline des Versicherers. Häufig geben die Versicherer mit den Versicherungsunterlagen kleine Kärtchen aus, auf denen die wichtigsten Nummern vermerkt sind. Wer diese im Portemonnaie bei sich trägt, hat bei Unfall und Diebstahl gleich die richtigen Telefonnummern zur Hand.

Halten Sie sich nicht an diese Vorgaben, so kann der Versicherer Ihnen vorhalten, dass Sie Ihre Pflichten verletzt haben und er den Schaden nicht ersetzten muss. Handeln Sie also auf jeden Fall rasch.

Melden Sie Ihr Fahrzeug sofort bei der Zulassungsstelle ab

Ihr nächster Gang führt Sie zur Kfz-Zulassungsstelle. Dort melden Sie das versicherte Fahrzeug ab. Für die Abmeldung benötigen Sie den Original-Fahrzeugbrief und den Fahrzeugschein – die offiziell Zulassungsbescheinigung Teil 1 und Teil 2 heißen – sowie die polizeiliche Bescheinigung des Diebstahls.

Informieren Sie außerdem Ihre Versicherung über die Abmeldung beziehungsweise vorübergehende Stilllegung. Für diese Zeit müssen Sie keine Versicherungsbeiträge zahlen und bekommen die überzahlten Beiträge erstattet.

Warum müssen Sie alles schriftlich machen?

Sowohl die Polizei als auch die Versicherung senden Ihnen in den folgenden Tagen Formulare zu, in denen Sie die Umstände des Diebstahls und die Höhe des Schadens schildern sollen. Die Polizei erkundigt sich besonders nach Ort und Zeit des Diebstahls sowie den besonderen Merkmalen des Fahrzeugs. Auch der Versicherer sammelt diese Informationen. Darüber hinaus benötigt er allerdings eine Reihe weiterer Angaben – wie Kilometerstand, Unfälle und Reparaturen – aus denen er den Wert des Fahrzeugs ermitteln kann.

Füllen Sie diese Unterlagen unbedingt vollständig und wahrheitsgemäß aus – zum einen sind Sie dazu vertraglich verpflichtet, zum anderen kommen Sie später nicht in Erklärungsnot, falls das Fahrzeug aufgefunden wird und sich Ihre Angaben nicht bestätigen.

Welche Unterlagen und Gegenstände müssen Sie einreichen?

Um den Schaden regulieren zu können, benötigt die Teilkasko-Versicherung nicht nur die schriftliche Schadensmeldung und die Abmeldebescheinigung, sondern auch die Original-Fahrzeugunterlagen, die Kauf- und Finanzierungsverträge sowie die Fahrzeugschlüssel. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Sie nicht alle geforderten Unterlagen sofort beisammen haben. Besonders die Mitteilung der Staatsanwaltschaft, dass das Verfahren eingestellt wurde, lässt in der Regel einige Wochen auf sich warten.

Alle Unterlagen, die Sie bereits zur Hand haben, sollten Sie aber direkt verschicken. Auch wenn der Versicherer erst zahlt, wenn alle Unterlagen vorliegen, kann er dann zumindest mit der Wertermittlung beginnen. So kommen Sie schneller an Ihr Geld.

Was passiert, wenn Ihr Fahrzeug wiedergefunden wird?

Taucht Ihr Fahrzeug innerhalb eines Monats nach Eingang der Schadensanzeige beim Versicherer wieder auf, so gehört es weiter Ihnen. Sie sind dann verpflichtet, Ihr Auto wieder zurückzunehmen. Ist das Fahrzeug beschädigt, so zahlt der Versicherer die Reparatur.

Auch die Kosten für die Abholung des Autos zahlt der Versicherer, sobald der Fundort mehr als 50 Kilometer vom normalen Standort des Fahrzeugs entfernt liegt. Die Erstattung bemisst sich an den Kosten einer Bahnfahrkarte, je nach Teilkasko-Tarif mit einer Begrenzung von 1.200 bis 1.500 Kilometer Entfernung.

Auch hier gilt wieder der Grundsatz: Sobald Sie – etwa von der Polizei – Informationen zu Ihrem Fahrzeug erhalten, sollten Sie sich mit dem Versicherer abstimmen.

Weil Sie Ihr Fahrzeug bei der Zulassungsstelle abgemeldet hatten, müssen Sie es dann wieder neu zulassen, sofern Sie es behalten. Dafür benötigen Sie eine neue elektronische Versicherungsbestätigung. Ab diesem Zeitpunkt müssen Sie auch wieder Versicherungsbeiträge zahlen. Ihre Versicherung wechseln können Sie bei dieser Gelegenheit übrigens nicht.

Was zahlt die Kaskoversicherung?

Bleibt Ihr Auto verschwunden, zahlt die Versicherung den Wiederbeschaffungswert, also so viel, wie ein gleichwertiges Auto am Tag des Diebstahls kostete. Bei fast neuen Fahrzeugen gelten besondere Regeln, falls Sie eine Neuwertentschädigung vereinbart haben: Innerhalb einer bestimmten Frist – zum Beispiel sechs Monate nach dem Kauf – zahlt die Teilkasko den Neupreis, sofern Sie das Fahrzeug direkt vom Händler oder Hersteller gekauft haben. Für welchen Zeitraum diese Neupreisentschädigung gilt, hängt von Ihrem Kasko-Tarif ab.

Den Wiederbeschaffungswert bei gebrauchten Fahrzeugen ermittelt dagegen ein Sachverständiger, den die Versicherung beauftragt. Einige Versicherer bieten allerdings auch für Gebrauchtwagen eine ähnliche Klausel wie die Neuwertentschädigung an. Diese sogenannte Kaufpreisentschädigung ist für alle Käufer einer Tageszulassung oder eines jungen Gebrauchten interessant.

Liegen alle Unterlagen vor, zahlt die Versicherung innerhalb von zwei Wochen – aber frühestens nach Ablauf des Monats, in dem Sie das Fahrzeug zurücknehmen müssten, falls es wieder auftauchte. Der vereinbarte Selbstbehalt, auch Selbstbeteiligung genannt, wird jedoch vom Erstattungsbetrag abgezogen.

Wofür zahlt die Teilkaskoversicherung nicht?

Die Teilkasko zahlt nicht für lose mitgeführte Teile – etwa Mobiltelefone oder CDs – und persönliche Gegenstände wie Kleidung oder Gepäck. Dafür kommt allerdings eine Erstattung über die Hausratversicherung oder spezielle Geräteversicherungen infrage. Klären Sie also auch mit diesen Versicherungen kurzfristig, ob diese für den Schaden aufkommen.

Auf diese Regelungen in der Kaskoversicherung sollten Sie achten

Möchten Sie sich bestmöglich für den Fall eines Diebstahls versichern, sollten Sie bei der Tarifauswahl auf folgende Merkmale besonders achten:

  • verlängerte Neupreisentschädigung,
  • Kaufpreisentschädigung statt Wiederbeschaffungswert bei Gebrauchtwagen,
  • Zahlung einer Pauschale für die Mietwagenkosten,
  • bei finanzierten und geleasten Fahrzeugen: Abschluss einer Vollkasko-Versicherung mit GAP-Deckung (Übernahme der Lücke zum Wiederbeschaffungswert).

Was tun, wenn die Schadensregulierung hakt?

Mögliche Streitpunkte mit der Versicherung sind vor allem eine Mitschuld am Verschwinden des Autos und die Höhe der Entschädigung. Wer also sein Fahrzeug unverschlossen abstellt, nicht alle Fahrzeugschlüssel vorweisen kann oder beim Parken betrunken war, dem wird möglicherweise vorgeworfen, zum Diebstahl beigetragen zu haben. Während es sonst möglich ist, grobe Fahrlässigkeit in der Kasko mitzuversichern, gibt es diese Erweiterung für Diebstähle nicht. Steht dieser Vorwurf im Raum, sollten Sie sich direkt an einen Fachanwalt wenden, der die Rechtsprechung zu diesen Fällen kennt.

Auch bei Meinungsverschiedenheiten über die Höhe der Erstattung kann dieser Schritt sinnvoll sein. Allerdings sehen die Versicherungsbedingungen auch ein eigenes Verfahren vor. Erscheint Ihnen der ermittelte Wert zu niedrig, können Sie einen eigenen Sachverständigen benennen. Aber Vorsicht: Sie tragen diese zusätzlichen Kosten, falls Sie im Verfahren unterliegen und keine Rechtsschutzversicherung haben.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Zum Ratgeber

Insgesamt einige Wochen der Unsicherheit

Neben dem unmittelbaren Schreck bringt ein Diebstahl des Fahrzeugs also einige Wochen der Unsicherheit. Wer etwa für den Weg zur Arbeit auf ein Fahrzeug angewiesen ist, steht vor der Entscheidung: sofort ein Ersatzauto anschaffen oder die ersten vier Wochen überbrücken? Schließlich müsste man es ja vier Wochen lang zurücknehmen, falls es wieder auftaucht.

Dazu kommen die Kosten für ein neues Auto oder die Regelung einer neuen Finanzierung, während die alten Verträge noch nicht abgewickelt sind. Möchten Sie das Ersatzfahrzeug finanzieren, sollten Sie sich um einen möglichst günstigen Autokredit kümmern. Bei der Anschaffung eines Gebrauchtwagens gilt es darüber hinaus, den Kauf von privat oder vom Händler gegeneinander abzuwägen.

Die Finanzierungslücke können Sie zudem verkleinern, indem Sie vom Versicherer einen Vorschuss auf die Entschädigung verlangen. Allerdings müssen Sie auch dafür zunächst abwarten, bis der Versicherer erklärt hat, dass er für den Schaden zahlt. Wer also innerhalb des ersten Monats nach dem Diebstahl sofort ein neues Fahrzeug anschaffen möchte, muss die Kosten entweder aus eigenen Mitteln vorstrecken, das Auto über den Händler finanzieren oder sich kurzfristig einen Rahmenkredit sichern, der sich dann mit der Erstattung von der Versicherung zurückzahlen lässt.

Den Kauf eines Ersatzfahrzeugs müssen Sie dem Versicherer nachweisen. Nach den Versicherungsbedingungen bestehen die Kfz-Versicherer beim Kauf darauf, dass die Mehrwertsteuer separat ausgewiesen wird. Das bedeutet, dass Sie von einem Händler kaufen müssen, denn ein privater Verkäufer weist die Mehrwertsteuer nicht aus. Klären Sie daher mit Ihrem Versicherer ab, ob er aus Kulanz auch den Nachweis eines Kaufes von privat akzeptiert.

Mehr dazu im Ratgeber Teilkasko – Vollkasko

  • Bei selbstverschuldeten Unfälle hilft Ihnen nur eine Vollkasko weiter. Bei Diebstahl und Brand reicht eine Teilkasko.
  • Empfohlene Vergleichsportale und Anbieter: Verivox, Check24, Huk24

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Autor
Silke Kursawe
& Co-Autor
Dirk Eilinghoff

Stand: 23. September 2018


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