Grobe Fahrlässigkeit bei Kaskoversicherung

Kaskoschutz fürs Auto auch bei grober Fahrlässigkeit vereinbaren

Silke Kursawe
& Co-Autor
Stand: 21. September 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Bei grober Fahrlässigkeit kann sich die Kaskoversicherung weigern, Ihren Schaden zu zahlen.
  • Als Autofahrer bleiben Sie dann ganz oder teilweise auf den Kosten des Schadens sitzen.
  • Schließen Sie deswegen eine Kfz-Versicherung ab, die auch grobe Fahrlässigkeit absichert. Das vermeidet Ärger. Viele Kfz-Tarife enthalten diese Regelung ohne Aufpreis.
  • Falls Sie diese Klausel nicht haben: Die Versicherung muss Ihnen grobe Fahrlässigkeit nachweisen. Das ist nicht einfach.
So gehen Sie vor
  • Falls Sie noch einen Vertrag ohne die Klausel haben, sollten Sie unbedingt vergleichen und einen neuen Vertrag abschließen.
  • Setzen Sie auf Vergleichsportalen das entsprechende Häkchen oder fragen Sie Ihren Versicherer nach einem Tarif mit dieser Klausel.
  • Sparen Sie mit einer Kombination aus Vergleichsportal und Direktversicherer. Berechnen Sie zunächst die günstigste passende Kfz-Versicherung auf Check24 oder Verivox. Berechnen Sie dann ein Angebot bei der Huk24.

Die Kaskoversicherung kommt für Schäden auf, die am eigenen Auto entstanden sind. Sie zahlt aber nicht in jedem Fall, entscheidend ist, wie der Schaden entstanden ist. Ihre Voll- oder Teilkaskoversicherung kann sich weigern, Ihren Schaden zu übernehmen, oder sie zahlt Ihnen nur einen Teil der Kosten. Und zwar dann, wenn Sie den Schaden grob fahrlässig verursacht haben. Der Verstoß muss allerdings objektiv über das normale Maß der Sorgfaltspflicht hinausgehen: Grob fahrlässig bedeutet also, dass jemand ohne Sorgfalt handelt und nicht so, wie es jedem als selbstverständlich einleuchten müsste (Bundesgerichtshof, Urteil vom 29. Januar 2003, Az. IV ZR 173/01).

Warum kann die Kasko den Schutz einschränken oder verweigern?

Anders als in der Kfz-Haftpflichtversicherung kann bei grober Fahrlässigkeit der Kaskoversicherungsschutz ganz oder teilweise entfallen. In Paragraf 81 Absatz 2 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) heißt es: „Führt der Versicherungsnehmer den Versicherungsfall grob fahrlässig herbei, ist der Versicherer berechtigt, seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers entsprechenden Verhältnis zu kürzen.“ Das heißt, je höher Ihre Schuld am Schaden ausfällt, desto geringere Kosten ersetzt Ihnen der Versicherer.

Was können Sie dagegen tun?

Dagegen können Sie sich schützen, indem Sie einen Kaskotarif wählen, bei dem der Anbieter ausdrücklich darauf verzichtet, Zahlungen wegen grober Fahrlässigkeit zu verweigern. Eine Finanztip-Studie zeigt: Der Zusatzschutz ist in den meisten Tarifen schon enthalten und kostet dann keinen Aufschlag. Auch die günstigsten Tarife hatten die grobe Fahrlässigkeit fast immer eingeschlossen.

Selbst wenn Sie bei einem Neuabschluss ausdrücklich auf die Klausel verzichten wollten, finden Sie nur noch selten eine Police ohne. Sparen lässt sich mit dem Verzicht auf diesen Schutz dementsprechend kaum. Bei den wenigen Tarifen im Test, die Varianten mit und ohne diese Klausel boten, lag der Preisunterschied nur bei 2 Prozent. Die Differenz zwischen einem Basistarif ohne diesen Schutz und dem nächstbesseren Tarif betrug nur zwischen 3 und 5 Prozent.

Eine Einschränkung gibt es: Viele Anbieter kürzen weiterhin ihre Leistung, wenn grobe Fahrlässigkeit wegen Alkohol- oder Drogenkonsums vorliegt oder falls der Versicherte einen Autodiebstahl grob fahrlässig ermöglicht. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Schlüssel im Zündschloss steckte. Bei Schäden, die bei Eis oder Glätte durch grobe Fahrlässigkeit entstehen, sollte die Versicherung die Leistung dagegen nicht kürzen können. Schauen Sie daher in die Bedingungen der Versicherung.

Falls Sie noch einen alten Vertrag ohne die Klausel besitzen, sollten Sie unbedingt vergleichen und einen neuen Vertrag abschließen. Schutz auch bei grober Fahrlässigkeit kostet in der Kaskoversicherung aktuell quasi nichts extra.

Haben Sie den „Verzicht auf Einrede wegen grober Fahrlässigkeit“ nicht mitversichert, bedeutet das nicht, dass Sie automatisch auf einem Schaden sitzen bleiben.

Will Ihre Versicherung weniger zahlen, als der Schaden kostet, muss das Unternehmen beweisen, dass Sie tatsächlich grob fahrlässig gehandelt haben. Das ist oft nicht einfach. Eine pauschale Kürzung müssen Sie nicht hinnehmen, Ihre Versicherung muss die Kürzung begründen.

Sollte sich Ihre Versicherung also weigern, den vollen Schaden zu übernehmen, sollten Sie gegen den Bescheid Einspruch einlegen. Am besten geht das, wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben. Oft hilft auch der Versicherungsombudsmann.

Wann handelt jemand grob fahrlässig?

Kommt es zum Rechtsstreit über die Frage, ob ein Autofahrer grob fahrlässig gehandelt hat, müssen Richter entscheiden. Diese wägen immer die besonderen Umstände ab, um zu beurteilen, ob der Fahrer die erforderliche Sorgfalt in besonderem Maße missachtet hat. Das muss die Versicherung aber beweisen können.

Wer eine rote Ampel überfährt, handelt fast immer grob fahrlässig; geht es um ein überfahrenes Stoppschild, gilt das meist auch als grob fahrlässig. Und wer während der Fahrt das heruntergefallene Handy aufhebt und so einen Unfall verursacht, handelt ebenfalls grob fahrlässig.

Ausnahmen gibt es jedoch bei einem sogenannten Augenblicksversagen. War zum Beispiel ein Fahrer durch nörgelnde Kinder auf der Rückbank abgelenkt und hielt ein anderes Licht für eine grüne Ampel, kann dies auch als nicht grob fahrlässig gewertet werden (BGH-Urteil vom 29. Januar 2003, Az. IV ZR 173/01). Es kommt also immer darauf an, wie das Gericht die Handlung im Zusammenhang der Umstände beurteilt.

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Die günstigste Autoversicherung finden Sie, wenn Sie mehrere Anbieter vergleichen. Unser großer Portaltest hat ergeben, dass Sie am besten mindestens zwei Vergleiche kombinieren. Denn nicht alle Versicherer sind auch auf allen Vergleichsportalen vertreten.

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Autor
Silke Kursawe
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 21. September 2018


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