Krankenhaus-Zusatzversicherung

Behandlung durch den Spezialisten

Julia Rieder
& Co-Autor
08. Dezember 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Krankenhaus-Zusatzversicherung stockt die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen auf. Sie zahlt im Krankenhaus die Behandlung durch Spezialisten oder die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer.
  • Je später Du die Zusatzversicherung abschließt, desto teurer ist sie und desto schwieriger wird es, überhaupt einen Vertrag zu bekommen.
  • Die Beiträge liegen bei Vertragsschluss etwa zwischen 25 und 85 Euro im Monat, je nachdem, wie alt Du bist.
So gehst Du vor
  • Überlege Dir, ob Du Dir die Beiträge für eine stationäre Zusatzversicherung leisten willst.
  • Prüfe dann, ob ein Tarif mit Altersrückstellungen oder ohne in Deiner Situation besser geeignet ist.
  • Wir empfehlen Tarife mit Altersrückstellungen von der Deutschen Familienversicherung (Klinikschutz Premium), Allianz (Krankenhaus Best KHB02 mit dem Zusatz ambulante OP Krankenhaus AOPKH02) und R+V (Klinik premium K1U).
  • Ein empfehlenswertes Angebot ohne Altersrückstellungen ist der Tarif Qualimed Z Stationär S1 der Inter.

Gut sieben Tage blieben Patienten 2017 laut dem Statistischen Bundesamt im Durchschnitt im Krankenhaus bevor sie entlassen wurden. In diesen Tagen hofften die Patienten auf Heilung oder zumindest auf Linderung ihres Leidens. Wenn sie sich dann mit drei anderen Kranken ein Zimmer teilen müssen und ständig ein anderer Arzt zur Visite kommt, wünschten sich einige, ein Privatpatient zu sein. Mit einer privaten Zusatzversicherung lässt sich dem nahekommen.

Lohnt sich eine Krankenhaus-Zusatzversicherung?

Gesetzlich Versicherte können die Leistungen ihrer Krankenkasse im Krankenhaus mit einer privaten Zusatzversicherung aufstocken. Eine Krankenhaus-Zusatzversicherung bezahlt die Behandlung durch Spezialisten und Übernachtungen im Ein- oder Zweibettzimmer. Notwendig ist der Zusatzschutz nicht, der Vertrag kann aber besonders bei schwierigen Erkrankungen sinnvoll sein.

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen Behandlungen in dem Umfang, der medizinisch notwendig und zugleich wirtschaftlich sinnvoll ist. Grundsätzlich sollte ein Patient also auch mit den Leistungen der Krankenkasse wieder gesund werden. Doch in manchen Fällen lassen sich die Leistungen noch verbessern.

Dabei geht es nicht vorrangig um das komfortable Einzelzimmer, in dem man nicht vom Schnarchen anderer geweckt wird. Es sind vielmehr die Behandlungen durch Spezialisten oder neue beziehungsweise alternative Heilmethoden, die der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung mitunter nicht vorsieht und die manchmal nur wenige Kliniken anbieten.

Wer sichergehen möchte, dass er eine solche Behandlung erhält, kann dies mit einer Krankenhaus-Zusatzpolice absichern. Sie bietet sich auch für Gutverdiener an, die sich gegen den Wechsel in die private Krankenversicherung entschieden haben.

Wir haben die Angebote von 13 Versicherungen im Detail untersucht und können vier davon empfehlen. Welche das sind, liest Du weiter unten.

Was kostet die stationäre Zusatzversicherung?

Die Spanne der Monatsbeiträge bei Vertragsabschluss liegt zwischen 15 und 80 Euro. Der Grund für die großen Unterschiede: Je mehr Leistungen mitversichert werden, desto teuer ist der Schutz. Außerdem spielt das Alter des Versicherten eine Rolle.

Ältere Menschen müssen mehr zahlen, weil bei ihnen die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sie krank werden und tatsächlich Rechnungen bei der Krankenversicherung einreichen. Wer mit dem Gedanken spielt, eine stationäre Zusatzpolice abzuschließen, sollte damit deshalb nicht zu lange warten. Ab 40 Jahren wird es deutlich teurer.

Beispiele für Monatsbeiträge in 2020

Alter beim
Abschluss
DFV1R+V2Allianz2Inter3
2825 €45 €51 €24 €
3429 €50 €57 €24 €
3832 €55 €61 €24 €
4337 €63 €68 €24 €
4945 €75 €79 €33 €
5351 €84 €87 €37 €

1 Tarif mit Unterbringung im Zweibettzimmer
2 Tarif mit Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer 
3 Tarif mit Ein- oder Zweibettzimmer ohne Altersrückstellungen 
Angaben für Gesunde ohne Leistungsausschlüsse, Werte gerundet
Quelle: Angaben der Versicherer (Stand: 7. Dezember 2020)

Beispiele für Monatsbeiträge in 2021

Alter beim
Abschluss
DFV1R+V2Allianz2Inter3
2825 €47 €51 €24 €
3429 €52 €56 €24 €
3832 €57 €60 €24 €
4337 €64 €67 €24 €
4945 €75 €76 €33 €
5351 €84 €84 €37 €

1 Tarif mit Unterbringung im Zweibettzimmer
2 Tarif mit Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer 
3 Tarif mit Ein- oder Zweibettzimmer ohne Altersrückstellungen
Angaben für Gesunde ohne Leistungsausschlüsse, Werte gerundet
Quelle: Angaben der Versicherer (Stand: 7. Dezember 2020)

Auch Vorerkrankungen beeinflussen den Preis. Wer bereits eine dicke Krankenakte besitzt, ist für das Unternehmen ein größeres Kostenrisiko und zahlt deshalb auch mehr. Den Gesundheitszustand stellt die Versicherung bei Vertragsschluss mit einer Gesundheitsbefragung fest. Beantworte die Fragen unbedingt ehrlich, sonst muss die Versicherung im Ernstfall womöglich nicht zahlen. In der Regel wollen die Anbieter Informationen über Behandlungen, die bis zu fünf oder zehn Jahre zurückliegen.

Beiträge können deutlich steigen

Genau wie bei einer privaten Krankenversicherung kannst Du Dich nicht darauf verlassen, dass der anfängliche Beitrag über die gesamte Laufzeit gleichbleibt. Höhere Kosten, zum Beispiel durch neue medizinische Behandlungen, geben die Versicherer an ihre Kunden weiter. Dabei kann es auch zu deutlichen Beitragssprüngen kommen. Wird Dir Deine Krankenhaus-Zusatzversicherung zu teuer, ist vielleicht ein Wechsel in einen günstigeren Tarif möglich.

Vertrag mit oder ohne Altersrückstellungen?

Krankenhaus-Zusatzpolicen können nach zwei verschiedenen Varianten kalkuliert werden: mit oder ohne Altersrückstellungen. Tarife ohne Altersrückstellungen sind bei Abschluss günstiger, denn sie bilden das wirkliche Risiko des Versicherten ab, Kosten zu verursachen. Junge Menschen zahlen also weniger, mit den Jahren wird der Schutz aber immer teurer. In vertraglich festgelegten Stufen steigt der Beitrag, zusätzlich kann er aber auch noch teurer werden, weil zum Beispiel die Gesundheitskosten gestiegen sind.

Bildet ein Vertrag Altersrückstellungen, legt die Versicherung von dem gezahlten Beitrag immer einen kleinen Teil zurück. Aus diesem Sparstrumpf sollen Preissteigerungen durch das Alter aufgefangen werden. Theoretisch zahlt der Versicherte also während der gesamten Vertragslaufzeit den gleichen Beitrag. Allerdings werden auch in dieser Variante Beiträge an gestiegene Kosten angepasst, etwa durch teurere medizinische Behandlungen.

Durch den Aufschlag für die Altersrückstellungen sind die Beiträge bei diesen Tarifen von Anfang an höher. Je früher Du einen solchen Vertrag schließt, desto geringer ist der Anteil Deines Beitrags, den die Versicherung für Dein Alter zurücklegen muss.

Finanztip empfiehlt, einen Tarif mit Altersrückstellungen zu wählen. Denn mit einem solchen Vertrag kannst Du große Preissprünge – etwa im Alter – vermeiden. Außerdem gibt es eine größere Auswahl an Tarifen mit Altersrückstellungen. Viele Verträge, die zunächst ohne dieses Polster beginnen, legen nach einem festgelegten Zeitraum oder zu einem Termin, etwa dem 50. Geburtstag, Altersrückstellungen an. Die Zeit vorher solltest Du aber auch schon nutzen, um Rücklagen aufzubauen.

Der Vorteil der Tarife ohne Altersrückstellungen ist allerdings, dass Du diese ohne Verluste kündigen kannst. Falls Du nur für eine bestimmte Lebensphase die Versicherung haben möchtest, bietet sich diese Variante an. Sie lohnt sich auch, wenn Du flexibel bleiben und möglicherweise in Zukunft den Anbieter wechseln möchtest. Denn bei einer Kündigung würden die Rückstellungen verlorengehen.

Was solltest Du vor Abschluss der Versicherung wissen?

Wenn Du Dich für den Abschluss einer stationären Zusatzversicherung interessierst, musst Du Dich unbedingt mit den Versicherungsbedingungen beschäftigen. Dafür solltest Du einige Fachbegriffe kennen:

Wahlleistungen - Das sind die Leistungen eines Krankenhauses, die die Kasse nicht bezahlt und die Du deshalb freiwillig wählen kannst. Ohne Zusatzversicherung musst Du diese privat bezahlen. Dazu zählen in der Regel Ein- oder Zweibettzimmer oder Chefarztbehandlung.

Chefarztbehandlung - Wenn Deine Zusatzversicherung Chefarztbehandlung vorsieht, heißt das nicht zwangsläufig, dass Dich der Chefarzt der jeweiligen Klinik behandelt. Die Chefarztbehandlung ist auch nicht immer erstrebenswert, da der Chefarzt nicht unbedingt ein Spezialist für Deine Erkrankung sein muss. Viel wichtiger ist, dass das hohe Honorar solcher Spezialisten gedeckt ist. Diese kannst Du dann auch gezielt aufsuchen.

Höchstsatz GOÄ - Rechnen Ärzte eine Privatleistung ab, nutzen sie dafür die Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ). Diese sieht vor, die für eine Leistung vorgeschriebene Gebühr je nach Schwierigkeit zu multiplizieren. Der Regelsatz ist das 2,3-fache der Gebühr, wird es schwieriger, kann der Arzt auch das 3,5-fache, den Höchstsatz, abrechnen.

Sofern er es mit Dir zuvor schriftlich vereinbart, kann er in Ausnahmefällen auch diesen Satz deutlich überschreiten. Gerade die ausgewiesenen Spezialisten auf einem Gebiet tun das manchmal, und dann wird es richtig teuer. Daher ist es wichtig, dass eine Krankenhaus-Zusatzversicherung auch Behandlungen jenseits des Höchstsatzes der GOÄ abdeckt. Grundsätzlich erstatten die Versicherungen nur Kosten, die nach den Regeln der Gebührenverordnung berechnet wurden.

Privatklinik - Eine stationäre Zusatzversicherung geht davon aus, dass Du Dich in einem normalen Krankenhaus behandeln lässt, das auch über die gesetzliche Krankenkasse abrechnen kann. Es gibt auch reine Privatkliniken ohne Kassenzulassung. Wenn Du in eine solche gehst, kann es sein, dass die Zusatzversicherung nichts zahlt oder dass Du den Anteil der gesetzlichen Kasse selbst tragen musst.

Medizinisch notwendige Behandlung - In der Regel zahlen die Anbieter Mehrleistungen nur bei medizinisch notwendigen Behandlungen. Wer also beispielsweise eine rein kosmetische Operation vornehmen lässt, hat keinen Anspruch auf eine Kostenerstattung für Privatarzt oder Einzelzimmer. Nur ganz wenige Tarife machen in dieser Hinsicht eine Ausnahme.

Mehrkosten - Die Krankenhaus-Zusatzversicherung übernimmt die Mehrkosten, die durch die Privatleistungen entstehen. Es sind also die Kosten für allgemeine Krankenhausleistungen wie Unterkunft, Verpflegung und Pflege durch Klinikpersonal, die nach Abzug der Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse übrigbleiben. Genauso kommt sie für die Mehrkosten für das Honorar der Ärzte auf. Sobald ein Patient den Privatarzt wählt, müssen auch alle anderen Leistungen wie Labor- oder radiologische Untersuchungen privat abgerechnet werden.

Was macht eine gute Krankenhaus-Zusatzversicherung aus?

Bevor Du Dich für eine Versicherung entscheidest, solltest Du nachschauen, ob die Versicherungsbedingungen die folgenden Punkte abdecken.

Freie Arztwahl - Dein Tarif sollte „gesondert berechenbare ärztliche Leistungen“ zu 100 Prozent abdecken. Dann kannst Du Dich grundsätzlich von allen Ärzten in dem jeweiligen Krankenhaus behandeln lassen, einschließlich Chefärzte und Spezialisten. Außerdem sollten auch Behandlungen und Operationen durch Belegärzte abgedeckt sein.

Ein Belegarzt ist ein externer, niedergelassener Arzt, der im Krankenhaus einige Betten reserviert hat und dort operieren kann. Am besten ist, wenn dies explizit in den Versicherungsbedingungen erwähnt wird. Viele Anbieter tun dies nicht, gaben in unserer Untersuchung aber auf Nachfrage an, auch die Kosten für Belegärzte zu übernehmen. Erstattet der Tarif allerdings wegen der Bedingungen nur die Kosten für Wahlleistungen, hast Du auf die Behandlung durch den Belegarzt keinen Anspruch, da diese laut Verband der Privaten Krankenversicherung keine Wahlleistung ist.

Wahl des Krankenhauses - Standardmäßig gewähren die Anbieter freie Krankenhauswahl, falls Du Dich für ein anderes Krankenhaus entscheidest als das auf der Einweisung genannte. Willst Du Dich auch in Privatkliniken behandeln lassen, solltest Du darauf achten, dass auch die Kosten übernommen werden, wenn das Krankenhaus nicht nach der Bundespflegesatzverordnung (BPflV) oder dem Krankenhausentgeltgesetz (KHEntgG) abrechnet. Sofern ein Tarif dann überhaupt die Kosten übernimmt, werden diese meist nur anteilig erstattet oder sind auf eine bestimmte Höhe begrenzt.

Stellt sich die gewünschte Spezialklinik als sogenannte gemischte Anstalt heraus, übernehmen nicht alle Tarife die Kosten. Gemischte Anstalten sind Krankenhäuser, die gleichzeitig Kuren oder Reha anbieten. Wenn Du in einer solchen Einrichtung behandelt werden möchtest, musst Du dies explizit in den Bedingungen versichert haben.

Die meisten Anbieter setzen eine schriftliche Zusage vor der Behandlung voraus, sonst übernehmen sie die Kosten nicht. Ausnahme ist meist die Einlieferung bei einem Notfall oder falls der Versicherte während eines Aufenthalts dort erkranken sollte. Falls Du in einem Kurort wohnst und die gemischte Klinik das einzige Krankenhaus in der Nähe ist, solltest Du darauf achten, dass die Behandlung auch in diesen Fällen ohne vorherige Zusage versichert ist.

Allgemeine Leistungsbeschränkungen - Besonders günstige Tarife schränken die Gültigkeit der Versicherungsbedingungen mitunter ein. So besteht dann nur Anspruch auf das Zweibettzimmer oder den Spezialisten, sofern Du einen Unfall hattest oder eine bestimmte schwere Krankheit. Von solchen Einschränkungen raten wir ab. Die privatärztlichen Leistungen sind bei einem Unfall nicht sinnvoller als bei jeder anderen medizinisch notwendigen Behandlung.

Leistungen über Höchstsatz der GOÄ hinaus - Die Versicherungsbedingungen sollten keine ausdrückliche Begrenzung auf den Höchstsatz nach GOÄ (3,5-facher Satz) vorsehen. So kommst Du auch in den Genuss der Behandlung durch bestimmte Spezialisten, die höhere Sätze abrechnen. Eine Begrenzung auf den 5-fachen Satz ist besser, kann jedoch im Zweifelsfall immer noch nicht ausreichend sein. Am besten ist es, wenn die Bedingungen eine Erstattung auch über den Höchstsatz hinaus anbieten, also keine Grenze ziehen.

Ambulante Operationen - Der Tarif sollte auch ambulante Operationen abdecken, bei denen Du das Krankenhaus noch am selben Tag wieder verlässt. Insbesondere orthopädische Eingriffe, etwa nach Sportverletzungen, können dafür infrage kommen.

Wartezeiten - Nach Abschluss des Vertrages kannst Du normalerweise nicht gleich Leistungen in Anspruch nehmen. Stattdessen musst Du erstmal eine Wartezeit überbrücken. In der Regel beträgt diese drei Monate, bei einer Entbindung acht Monate. Im Falle eines Unfalls sollte das Unternehmen auf die Wartezeit verzichten. In seltenen Fällen haben Tarife keinerlei Wartezeiten.

Anzeigepflicht und Leistungszusage - Besteht die Versicherung darauf, jede Leistung vorab zu genehmigen, kann es passieren, dass sie die Zusage verweigert. Besser ist es daher, wenn sie keine schriftliche Genehmigung vor der Behandlung einfordert. Einige Tarife verlangen außerdem, dass ihnen ein Krankenhausaufenthalt innerhalb einer gewissen Frist gemeldet wird, sonst können sie die Leistung kürzen. Auch an dieser Stelle ist es sinnvoll, wenn der Anbieter darauf verzichtet.

Worauf solltest Du vor Vertragsabschluss noch achten?

Es gibt einige weitere Bestandteile, auf die Du die Versicherungsbedingungen durchsehen solltest, bevor Du den Vertrag unterschreibst. Manche sind sinnvoll, andere nicht.

Zweibett- statt Einbettzimmer - Einbettzimmer-Tarife kosten zwischen 5 und 20 Euro im Monat mehr als Zweibettzimmer-Tarife. Dieser Mehrbeitrag lohnt sich aus medizinischer Sicht nicht, da Du dadurch keine bessere Behandlung bekommst. Du solltest einen Zweibettzimmer-Tarif vorziehen, außer die Privatsphäre des Einzelzimmers ist Dir wirklich das zusätzliche Geld wert. Alternativ kannst Du, wenn Du tatsächlich ins Krankenhaus musst, die täglichen Mehrkosten für ein Einzelzimmer auch aus eigener Tasche bezahlen, sofern das Krankenhaus dies anbietet. Das kostet ab 50 Euro pro Tag. Bei einem langen Krankenhausaufenthalt kann das daher sehr teuer werden.

Leistungen im Ausland - Wer plant, längere Zeit ins Ausland zu gehen, sollte bei seinem Tarif darauf achten, inwiefern die Leistungen in dieser Zeit eingeschränkt sind. Häufig zahlen die Versicherungen für einen Aufenthalt im Europäischen Wirtschaftsraum, teilweise sind die Erstattungen dann aber auf Kosten gedeckelt, wie sie auch in Deutschland angefallen wären. Weltweit sind die Leistungen meist eingeschränkt.

Leistungen bei Reha, Kur, Anschlussheilbehandlung - Einige Tarife zahlen während einer Kur, Reha oder Anschlussheilbehandlung ein Tagegeld. Damit ließe sich beispielsweise der Aufpreis für ein Einzelzimmer bezahlen. Manche Anbieter erstatten auch die Kosten für alle Wahlleistungen bei einer Anschlussheilbehandlung, die direkt auf den stationären Aufenthalt folgt.

Welche Tarife empfiehlt Finanztip?

Finanztip hat im Dezember 2017 und Januar 2018 stationäre Zusatzversicherungen untersucht. Wie wir vorgegangen sind, liest Du am Ende des Artikels. Wir empfehlen sehr leistungsstarke Tarife von vier Versicherern: Allianz, Deutsche Familienversicherung (DFV), Inter und R+V. Diese bieten umfassenden Schutz und übernehmen auch hohe Honorare von Spezialisten.

Die empfohlenen Tarife von Allianz, R+V und Inter sind stationäre Versicherungen mit Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer, da die günstigeren Tarife mit Zweibettzimmer unsere geforderten Kriterien nicht vollständig erfüllten. Die DFV hat nach Abschluss unserer Untersuchung einen Zweibettzimmer-Tarif eingeführt, der alle unsere Auswahlkriterien erfüllt. Daraufhin haben wir den zuvor empfohlenen Tarif durch die günstigere Zweibettzimmer-Variante ersetzt.

Die Angebote der DFV, der R+V und der Allianz sind Tarife mit Altersrückstellungen. Diese halten wir für sinnvoll, weil sich damit große Preissprünge – etwa im Alter – vermeiden lassen.

Die stationäre Zusatzversicherung der Deutschen Familienversicherung gibt es in vier Tarifvarianten. Wir halten den Tarif Klinikschutz Premium mit Unterbringung im Zweibettzimmer für empfehlenswert, weil er keine Leistungseinschränkung auf bestimmte Krankheiten oder Unfälle enthält. Es gibt auch noch eine teurere Variante, den Tarif Exklusiv mit Unterbringung im Einbettzimmer. Die Versicherungsbedingungen sind identisch, allerdings sind beim Tarif Exklusiv verschiedene Assistance-Leistungen eingeschlossen, zum Beispiel Beratung bei der Kliniksuche. Ob sich dafür der Aufpreis lohnt, ist eine individuelle Entscheidung.

Deutsche Familienversicherung
Klinikschutz Premium
  • leistungsstarker Tarif mit Unterbringung im Zweibettzimmer
  • vergleichsweise günstig
  • mit Altersrückstellungen
  • vergleichsweise hohes Krankentagegeld bei Verzicht auf Wahlleistungen
  • Verzicht auf Wartezeiten
  • Erstattung über 5-fach GOÄ nur nach Genehmigung
R+V
Klinik premium (K1U)
  • leistungsstarker Tarif mit Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer
  • mit Altersrückstellungen
  • gute Leistungen auch in Privatkliniken
  • Verzicht auf Wartezeiten
  • vergleichsweise teuer
Nur beim Anbieter abschließbar
Allianz
Krankenhaus Best (KHB02) mit Zusatz für ambulante OPs (AOPKH02)
  • leistungsstarker Tarif mit Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer
  • mit Altersrückstellungen
  • gute Leistungen auch in Privatkliniken
  • vergleichsweise teuer
Nur beim Anbieter abschließbar

Der Tarif Qualimed Z Stationär S1 der Inter bildet keine Altersrückstellungen. Inzwischen bietet die Inter denselben Tarif auch in einer Variante mit Altersrückstellungen an. Diese war zum Zeitpunkt unseres Tests allerdings noch nicht auf dem Mark. Es bestand lediglich die Möglichkeit, zusätzlich eine Beitragsentlastungskomponente dazuzubuchen. Diese funktionierte ganz ähnlich einer Altersrückstellung: Das Geld wurde angespart und sollte ab 65 Jahren dann den Beitrag konstant halten. Bis dahin stieg allerdings der Beitrag entsprechend der Beitragstabelle mit dem Alter an.

Inter
Qualimed Z Stationär S1
  • leistungsstarker Tarif mit Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer
  • vergleichsweise hohes Krankentagegeld bei Verzicht auf Wahlleistungen
  • Verzicht auf Wartezeiten
  • ohne Altersrückstellungen (Tarifvariante mit Rückstellungen aber wählbar)
Nur beim Anbieter abschließbar

Wie vermeidest Du Streit mit der Versicherung?

Die privaten Krankenversicherungen haben mit hohen Kosten zu kämpfen. Vermutlich auch deshalb prüfen sie zunehmend die Rechnungen, die sie erstatten sollen. Damit Du nicht auf den Kosten sitzenbleibst, solltest Du daher möglichst schon vor einer Behandlung mit dem Anbieter sprechen. Gerade bei einem längeren stationären Aufenthalt und einer Behandlung durch einen Spezialisten kommen hohe Summen zusammen.

Auch wenn die Versicherung keine schriftliche Genehmigung fordert, solltest Du insbesondere bei geplanten Behandlungen vorab mit der Versicherung klären, ob und inwiefern sie die Kosten übernimmt. Denn das Recht zu prüfen, ob die Behandlung medizinisch notwendig ist, hat das Unternehmen immer. Viele verlangen von den Versicherten außerdem schriftlich über Behandlungen informiert zu werden, sobald die Kosten eine bestimmte Summe überschreiten.

Vor allem, wenn Du Dich in einer Privatklinik behandeln lassen willst, schützt Du Dich damit vor unvorhergesehenen Kosten. Außerdem vermeidest Du so, dass das Krankenhaus Kosten abrechnet, die die Versicherung als unangemessen empfindet.

Weitere Tipps beim Streit mit Versicherung und Ärzten findest Du in unserem Blog-Beitrag.

So haben wir getestet

Krankenhaus-Zusatzversicherung 2018

Finanztip hat im Dezember 2017 und Januar 2018 Tarife der stationären Zusatzversicherung untersucht. In einem ersten Schritt haben wir bestimmt, welche Versicherungen in unsere Untersuchung aufgenommen werden sollten. Dafür stützten wir uns auf das aktuelle Rating der Agentur Franke & Bornberg (Stand: November 2017). Wir betrachteten nur Tarife mit den Bestnoten FFF oder FF+. Damit beschränkten wir unsere Untersuchung bereits auf sehr leistungsstarke Tarife.

Folgende Anbieter kamen dadurch in die Grundgesamtheit unserer Untersuchung:

  • Advigon
  • Allianz
  • Arag
  • Barmenia
  • Concordia
  • DFV
  • Die Bayerische
  • Gothaer
  • Hallesche
  • Inter
  • Janitos
  • R+V
  • SDK
  • Signal Iduna
  • Universa
  • Württembergische

Diese Anbieter baten wir in einem zweiten Schritt um Zusendung von Tarifen, die gewisse Kriterien erfüllten. Die zugesandten Tarife prüften wir anschließend auf folgende Bedingungen:

  1. mindestens Zweibettzimmer
  2. freie Arztwahl, gesondert berechenbare ärztliche Leistungen (Chefarztbehandlung)
  3. mindestens 5-facher Satz der GOÄ
  4. Kosten für Belegärzte werden übernommen – positiv ist eine explizite Nennung von Belegärzten in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB)
  5. Krankenhaustagegeld, falls Wahlleistungen nicht in Anspruch genommen werden
  6. allgemeines Krankenhauswahlrecht; erstattet werden von der gesetzlichen Kasse nicht übernommene Restkosten, die anfallen, wenn ein anderes Krankenhaus gewählt wird, als in der Einweisung genannt
  7. Behandlung auch in gemischten Anstalten; in Notfällen ohne Einschränkungen auch ohne vorherige Leistungszusage des Versicherers
  8. keine Leistungsbeschränkung auf Unfälle oder bestimmte Erkrankungen
  9. Versicherer verzichtet auf das ordentliche Kündigungsrecht in den ersten drei Jahren
  10. Übernahme der Kosten für vor- und nachstationäre Behandlungen
  11. Übernahme der Kosten für ambulante Operationen (inklusive expliziter Nennung von ambulanter Vor- und Nachuntersuchung)
  12. Übernahme von Transportkosten
  13. Verzicht auf Anzeigepflicht des Krankenhausaufenthalts
  14. in der Regel Verzicht auf schriftliche Genehmigung vor der Behandlung

13 Anbieter kamen dieser Bitte nach und schickten uns mindestens ein Angebot. Wir haben die Tarifbedingungen der zugesandten Krankenhaus-Zusatztarife erneut hinsichtlich unserer Bedingungen untersucht und festgestellt, dass vier Tarife alle genannten Kriterien erfüllen:

  • Deutsche Familienversicherung Klinikschutz Premium
  • R+V Klinik premium (K1U)
  • Allianz Krankenhaus Best (KHB02) mit dem Zusatz AOPKH02
  • Inter Qualimed Z Stationär S1

Wir hatten zunächst den Klinikschutz Premium der Deutschen Familienversicherung mit Unterbringung im Einbettzimmer empfohlen. Nach Abschluss unserer Untersuchung nahm die DFV eine günstigere Variante des empfohlenen Tarifs mit Zweibettzimmer in ihr Angebot auf.

Da wir die Unterbringung im Zweibettzimmer für ausreichend halten und die neue Tarifvariante unsere Auswahlkriterien auch in allen weiteren Punkten erfüllte, haben wir im Februar 2019 die bisherige Empfehlung durch den Klinikschutz Premium mit Zweibettzimmer ersetzt.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

08. Dezember 2020


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Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

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