Ambulante Zusatzversicherung

Behandlung beim Heilpraktiker versichern ist teuer

Annika Krempel Stand: 01. November 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Ambulante Zusatzversicherungen bestehen meist aus mehreren Bausteinen. Sie versichern etwa die Behandlung beim Heilpraktiker, zahlen für Brillen oder Impfungen jenseits der Kassenleistung.
  • Viele dieser Bausteine sind entweder überflüssig oder sinnvoller als separater Vertrag.
  • Die Erstattungshöhen der Tarife sind begrenzt. Einen Teil der Behandlungskosten trägt der Patient immer selbst.
  • Gesetzliche Krankenkassen zahlen meist nur Zuschüsse zu Naturheilverfahren.
So gehen Sie vor
  • Falls Sie sich sehr häufig von Heilpraktikern behandeln lassen, kann sich eine Heilpraktiker-Versicherung eventuell lohnen.
  • Einige gesetzliche Krankenkassen werben aber mit vergleichsweise hohen Zuschüssen zu Heilpraktiker-Behandlungen.
  • Suchen Sie sich daher lieber eine passende Kasse aus und wechseln Sie, anstatt eine Zusatzversicherung abzuschließen.
  • Mit dem Geld, das Sie sparen, weil Sie keine extra Versicherung abschließen, können Sie die Kosten der Naturheilkunde bezahlen.

Akupunktur, Feldenkrais, Kristallographie oder Osteopathie gehören zu der langen Liste alternativer Heilmethoden, die Heilpraktiker anbieten. Gesetzliche Krankenkassen bezahlen solche Behandlungen – wenn überhaupt – nur in begrenztem Umfang. Wer auf die Kraft solcher Methoden schwört, muss sie in der Regel selbst finanzieren. Viele schließen daher eine ambulante Zusatzversicherung oder Heilpraktiker-Versicherung ab. Doch diese Tarife sind meist vergleichsweise teuer.

Ambulante Zusatzversicherungen bieten oft mehr als gewünscht

Bei den Tarifen im Bereich ambulante Zusatzversicherung herrscht eine verwirrende Vielfalt. Nur selten gibt es Tarife, die lediglich für Behandlungen durch Heilpraktiker und Ärzte bezahlen. Meist sind verschiedene Leistungen zu einem Paket verschnürt. Dazu zählen zusätzliche Leistungen etwa für Brillen oder Zahnersatz.

Gängig sind aber auch Policen, die Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen erstatten oder die gesetzliche Zuzahlung zu Hilfsmitteln, Heilmitteln und Medikamenten übernehmen. Ebenso gibt es Tarife, die grundsätzlich bei ambulanten Behandlungen aus dem gesetzlich Versicherten einen Privatpatienten machen. Wenn Sie also auf der Suche nach einer Versicherung sind, die die Kosten eines Naturheilverfahrens übernimmt, müssen Sie fast immer andere Leistungen mitkaufen, die Sie womöglich gar nicht haben möchten.

Viele Versicherungsbestandteile sind unnötiger Schnickschnack

Bindet die Versicherung verschiedene Tarifbestandteile zu einem Paket zusammen, sind die Komponenten meistens nicht sonderlich leistungsstark. Eine Auslandsreisekrankenversicherung etwa sollten Sie lieber separat zu besseren Konditionen abschließen. Gleiches gilt für eine Zahnzusatzversicherung.

Auf eine Brillenversicherung können Sie gleich ganz verzichten. Die Erstattungshöhen sind immer gedeckelt, oft gibt es zwischen 100 bis 400 Euro alle ein bis drei Jahre. Sparen Sie sich das Geld für den Beitrag und investieren Sie es lieber gleich in eine Sehhilfe.

Auch für zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen oder die gesetzlichen Zuzahlungen braucht es keine Versicherung. Und eine Absicherung als Privatpatient macht nur den Arzt reich. Zwar erhalten Sie als Selbstzahler möglicherweise schneller einen Termin. Besser behandelt werden Sie dadurch aber nicht. Außerdem müssen Sie für eine solche Versicherung bei Ihrer Krankenkasse auf die Wahlleistung Kostenerstattung umstellen und damit alle Kosten beim Arzt vorstrecken.

Welche Kosten die Versicherung erstattet

Was genau der gewählte Tarif erstattet, findet sich in den Versicherungsbedingungen. Die meisten Versicherungen führen dort eine Liste der Behandlungsmethoden, deren Kosten sie übernehmen. Neben der Behandlung selbst zahlen die privaten Zusatzversicherungen in der Regel auch Arzneimittel oder Hilfsmittel, wozu beispielsweise Gehhilfen zählen.

Heilpraktiker haben keine Kassenzulassung. Sie rechnen ihre Leistungen daher nicht nach der für Kassenärzte verbindlichen Gebührenordnung (GOÄ) ab. Stattdessen richten sich die meisten nach der unverbindlichen Gebührenverordnung für Heilpraktiker (GebüH). Ärzte, die Naturheilverfahren anbieten, orientieren sich bei den Kosten am Hufelandverzeichnis.

Heilpraktiker-Zusatzversicherungen halten sich bei der Erstattung in der Regel an die Kostensätze dieser Verzeichnisse. Sie zahlen höchstens den Betrag, den ein Behandler nach der GebüH oder dem Hufelandverzeichnis für seine Leistung abrechnen kann. Besonders bei Heilpraktikern ist das allerdings ein Problem: Die Gebührenverordnung ist schon 30 Jahre alt, die aufgerufenen Kostensätze sind nicht mehr aktuell. Heilpraktiker schlagen daher oft zusätzliche Beträge in ihren Abrechnungen drauf. Diesen Teil der Rechnung erstattet die Versicherung aber nicht.

Doch auch den restlichen Betrag der Rechnung übernimmt eine ambulante Zusatzversicherung in den seltensten Fällen voll. In der Regel zahlen die Anbieter nur einen bestimmten Anteil, zwischen 60 bis 100 Prozent der Leistungen, die nach der Gebührenverordnung oder dem Hufelandverzeichnis abgerechnet wurden. Zusätzlich deckeln die Versicherungen die Beträge, die sie pro Jahr übernehmen, zum Beispiel auf 1.000 oder 2.000 Euro.

Beispiel für Kostenerstattung

Der Versicherte bekommt gegen Migräne eine Akupunkturbehandlung als Schmerztherapie. Untersuchungen und fünf Termine zur Akupunktur kosten 300 Euro, falls nur Posten aus der Gebührenverordnung abgerechnet werden. Erstattet die Versicherung 60 Prozent (180 Euro), muss der Patient also 120 Euro selbst tragen. Sollte der Heilpraktiker neben den Kostensätzen der Gebührenverordnung weitere Gebühren erheben, wie es häufig der Fall ist, muss der Patient auch diese selbst zahlen.

Im Fall einer homöopathischen Behandlung trägt die Versicherung, falls sie 60 Prozent der Kosten übernimmt, 138 Euro, während der Versicherte selbst 92 Euro bezahlen muss.

Manche Tarife verlangen auch eine Selbstbeteiligung oder erhöhen die Erstattungssummen erst mit den Jahren. Alle gemein haben, dass sie in der Regel in den ersten drei Monaten nach Vertragsabschluss keinerlei Kosten übernehmen (Wartezeit).

Tarife, die einen höheren Anteil der Rechnung übernehmen, kosten auch mehr. In einer Stichprobe im Oktober 2017 haben wir bei vier Anbietern Preise für einen 35-jährigen Versicherten abgefragt. Die Tarife erstatteten zwischen 60 Prozent bis 100 Prozent der Kosten. Der Versicherungsbeitrag dafür lag zwischen 10 Euro und 43 Euro pro Monat.

Wann sich der Abschluss einer Zusatzversicherung lohnt

Der Abschluss einer Heilpraktiker-Versicherung lohnt sich daher nur, wenn Sie häufig Naturheilverfahren in Anspruch nehmen. Allerdings stellen alle Versicherungen beim Abschluss Gesundheitsfragen, die Sie ehrlich beantworten müssen. Haben Sie bereits Erkrankungen, müssen Sie mit höheren Preisen rechnen. Die Versicherung sichert sich so gegen das Risiko ab, dass Sie ihr mehr Kosten als ein gesunder Versicherter verursachen. Ebenso ist es möglich, dass die Versicherung genau Ihre Krankheit vom Schutz ausschließt.

Auch das Alter treibt den Preis. Zum einen ist der Abschluss für ältere Menschen teurer, weil bei ihnen ebenfalls die Gefahr höher ist, dass sie Behandlungen brauchen und sie damit für den Anbieter teurer sind.

Es gibt aber auch Tarife, die im jungen Alter günstig beginnen und dann in festgelegten Stufen mit dem Lebensalter teurer werden. Andere dagegen bilden Altersrückstellungen. Sie kosten zu Anfang mehr, sollen aber während der gesamten Laufzeit im Beitrag stabil sein.

Besser versichert in der gesetzlichen Krankenkasse

Zwar gehören Naturheilverfahren in der Regel nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Weil diese aber untereinander im Wettbewerb stehen und über einen kleinen Teil ihrer Leistungen frei bestimmten dürfen, bieten immer mehr auch in diesen Bereichen zumindest Zuschüsse an.

Wer also gerne zu einem Heilpraktiker geht, sollte sich eine der gesetzlichen Krankenkassen heraussuchen, die in diesem Bereich starke Zusatzleistungen bieten. Welche das sind, erfahren Sie in unserem Ratgeber gesetzliche Krankenversicherung. Statt in eine Zusatzversicherung können Sie das Geld dann in die Kosten für Naturheilverfahren investieren.

Autor
Annika Krempel

Stand: 01. November 2017


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