Ambulante Zusatzversicherung

Wann sich Heilpraktiker-Versicherung und Co. lohnen

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Ver­si­che­rungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ambulante Zu­satz­ver­si­che­rung­en bestehen oft aus mehreren Bausteinen. Sie versichern etwa die Behandlung beim Heilpraktiker, zahlen für Brillen, Zahnersatz oder Impfungen jenseits der Leistungen der gesetzlichen Kran­ken­kas­sen.
  • Viele dieser Bausteine sind entweder überflüssig oder als separater Vertrag sinnvoller.
  • Die Erstattung ist meist begrenzt. Damit zahlst Du unter Umständen trotz Ver­si­che­rung einen Teil der Behandlungskosten selbst.
  • Falls Du Dich sehr häufig von Heilpraktikern behandeln lässt, kann sich eine Heilpraktiker-Versicherung eventuell lohnen.

So gehst Du vor

  • Für viele Leistungen wie Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Homöopathie und Osteopathie bieten gesetzliche Kran­ken­kas­sen inzwischen recht hohe Zuschüsse.
  • Günstiger als eine Zusatzversicherung ist der Wechsel zu einer Kasse mit zu Dir passenden Zusatzleistungen. Geld, das Du so sparst, kannst Du direkt in eine neue Brille oder Naturheilkunde investieren.

Wer gesetzlich krankenversichert ist, weiß: Nicht jede Leistung wird von der Kran­ken­kas­se bezahlt. Das gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rungssystem beschränkt sich auf medizinisch notwendige Behandlungen. Wer mehr will, etwa Behandlungen außerhalb der Schulmedizin, muss selbst in die Tasche greifen. Private Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men werben deshalb mit Tarifen, die solche Zusatzkosten abdecken. Immerhin 8,2 Millionen Menschen hatten 2020 in Deutschland einen solchen Vertrag. Doch lohnen sich solche ambulanten Zu­satz­ver­si­che­rung­en überhaupt?

Was leisten ambulante Zu­satz­ver­si­che­rung­en?

Bei den Tarifen für ambulante Zu­satz­ver­si­che­rung­en herrscht eine verwirrende Vielfalt. Nur selten gibt es Angebote, die nur für Behandlungen bei Heilpraktikern zahlen. Meist sind verschiedene Leistungen zu einem Paket verschnürt, etwa Erstattungen für Brillen, Naturheilkunde und Zahnersatz. Gängig sind aber auch Zu­satz­ver­si­che­rung­en, die Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen übernehmen oder die gesetzliche Zuzahlung zu Medikamenten oder Heilmitteln wie Physiotherapie erstatten.

Wenn Du also beispielsweise auf der Suche nach einer Ver­si­che­rung bist, die die Kosten eines Naturheilverfahrens übernimmt, musst Du häufig andere Leistungen mitkaufen, die Du womöglich gar nicht haben möchtest.

Heilpraktiker-Versicherung

Akupunktur, Feldenkrais, Kristallographie oder Osteopathie gehören zu der langen Liste alternativer Heilmethoden, die Heilpraktiker anbieten. Gesetzliche Kran­ken­kas­sen bezahlen solche Methoden – wenn überhaupt – nur in begrenztem Umfang.

Heilpraktiker-Zusatzversicherungen kommen für zahlreiche naturheilkundliche Behandlungen auf. Allerdings erstatten sie die Kosten in der Regel nur teilweise. Auf einem Eigenanteil bleibst Du in vielen Fällen also trotz Zusatzversicherung sitzen.

Du solltest also gut überlegen, ob sich der Beitrag für einen solchen Tarif lohnt. Inzwischen übernehmen nämlich auch viele Kran­ken­kas­sen im Rahmen ihrer freiwilligen Zusatzleistungen Kosten für Homöopathie, Naturarzneien oder Osteopathie. Mehr dazu liest du weiter unten im Text.

Brillenversicherung

Auf eine Brillenversicherung kannst Du verzichten, denn wer sich eine Zusatzversicherung leisten kann, verkraftet es in der Regel auch, eine neue Brille aus Ersparnissen zu finanzieren. Zudem ist die Erstattung der Ver­si­che­rung in der Regel gedeckelt, oft gibt es zwischen 100 und 300 Euro alle zwei Jahre. Wann die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung Deine Kontaktlinsen oder eine Brille zahlt, liest Du in unserem Ratgeber zu Kassenleistungen bei Brillen.

Neben Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men werben auch Optiker-Ketten wie Fielmann mit Brillenversicherungen. Besonders günstige Angebote haben allerdings in der Regel einen oder mehrere Haken. Die Brillenversicherung von Fielmann übernimmt beispielsweise nur die Kosten für ganz bestimmte Brillenfassungen und Gläser. Möchtest Du ein anderes Modell, gibt es für die Fassung lediglich 5 Euro Zuschuss.

Wir raten: Spare Dir das Geld für den Beitrag zu einer Brillenversicherung und investiere es lieber gleich in eine neue Brille. Auf einem Tagesgeldkonto kannst Du einen Notgroschen für Reparaturen und Ersatz ansparen.

Vorsorge und Impfungen

Für zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen braucht es ebenfalls keine Ver­si­che­rung. Einige gesetzliche Kran­ken­kas­sen übernehmen inzwischen als freiwilliges Extra sehr umfangreich die Kosten für verschiedene Schutzimpfungen. In unserem großen Kran­ken­kas­senvergleich für das Jahr 2022 gab es mehrere Kran­ken­kas­sen, die Kosten für Reiseimpfungen vollständig – also ohne Obergrenze – erstatteten. Private Zu­satz­ver­si­che­rung­en legen hingegen meist einen Höchstbetrag für die Kostenübernahme fest.

Neben Reiseschutzimpfungen zahlen einige Kran­ken­kas­sen auch weitere Impfungen, etwa gegen Grippe oder die von Zecken übertragene Viruserkrankung FSME für alle ihre Versicherten.

Auch Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft oder zur Früherkennung von Haut-, Darm- oder Brustkrebs übernehmen leistungsstarke Kran­ken­kas­sen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Das bedeutet entweder, dass Du die Untersuchungen schon vor dem festgelegten Mindestalter in Anspruch nehmen kannst oder dass Dir Untersuchungen erstattet werden, welche die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung normalerweise nicht zahlt.

Bist Du also bei der richtigen Kran­ken­kas­se versichert, ist eine Zusatzversicherung für Impfungen oder Vorsorge weitgehend überflüssig.

Mehr dazu im Ratgeber Gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung

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Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung

Einige Heilpraktiker-Zusatzversicherungen enthalten auch einen Baustein für Zahnersatz. Eine Untersuchung der Zeitschrift Finanztest kam jedoch zu dem Ergebnis, dass es schwierig ist, Tarife zu finden, die gute Leistungen sowohl für Naturheilkunde als auch für Zähne bieten.

Falls Du Dich gegen hohe Kosten bei Zahnersatz und Zahnbehandlungen versichern willst, solltest Du Dir deshalb besser separate Zahn­zu­satz­ver­si­che­rungen ansehen. Wir haben Tarife verglichen und Angebote mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis herausgesucht. Details dazu liest Du in unserem Ratgeber Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung.

Mehr dazu im Ratgeber Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung

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Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung

Manche ambulanten Zu­satz­ver­si­che­rung­en übernehmen auch Kosten für Behandlungen im Ausland oder den Rücktransport nach Deutschland, falls Du auf einer Reise schwer krank wirst. Dafür brauchst Du allerdings keinen Kombi-Tarif mit Leistungen für Brille oder Impfungen. Sehr gut getestete Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rungen gibt es für Singles schon für weniger als 10 Euro im Jahr. Familien müssen nicht mehr als 20 Euro Jahresbeitrag ausgeben.

Mehr dazu im Ratgeber Auslandsreise-Krankenversicherung

  • Wer ins Ausland reist, bekommt als Einzelperson schon für unter 10 Euro im Jahr den notwendigen Kran­ken­ver­si­che­rungsschutz.
  • Von uns emp­foh­lene Tarife: Debeka (Tarif AR) für Einzelpersonen und Senioren, Münchener Verein für Singles (Tarif 501) und Ehepaare mit Kindern (Tarif 502) sowie DKV (Reise Med Tarif RD) für Einzelpersonen und Paare unter 65.

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Welche Kosten erstattet die Ver­si­che­rung?

Was genau der gewählte Tarif erstattet, findet sich in den Ver­si­che­rungs­be­din­gungen. Die meisten Ver­si­che­rungen führen dort eine Liste der Behandlungsmethoden, deren Kosten sie übernehmen.

Heilpraktiker-Zusatzversicherungen knüpfen ihre Erstattung in der Regel an die Kostensätze der Gebührenverordnung für Heilpraktiker (GebüH) und des Hufelandverzeichnis. Sie zahlen höchstens den Betrag, den ein Behandler nach diesen Verzeichnissen für seine Leistung abrechnen kann. Schlägt Dein Heilpraktiker in seiner Abrechnung zusätzliche Gebühren drauf, bleibst Du auf diesen Kosten sitzen.

Viele Anbieter zahlen grundsätzlich nur einen Teil der Rechnung. Bei Zu­satz­ver­si­che­rung­en für Heilpraktiker erstattet die Ver­si­che­rung häufig nur 50 bis 90 Prozent der Leistungen, die nach der Gebührenverordnung oder dem Hufelandverzeichnis abgerechnet wurden. Tarife, die die Rechnung voll übernehmen, sind selten. Zusätzlich deckeln die Ver­si­che­rungen die Beträge, die sie pro Jahr insgesamt erstatten, oft auf einige Hundert Euro, teils auf 1.000 Euro. In den ersten beiden Jahren werden bei einigen Angeboten jedoch nur sehr niedrige Summen gezahlt.

Tarife, die einen höheren Anteil der Rechnung übernehmen, kosten auch mehr. In einer Stichprobe im Februar haben wir auf einem Vergleichsportal Preise für einen 40-jährigen Versicherten abgefragt. Die Tarife erstatteten zwischen 50 Prozent bis 100 Prozent der Kosten. Der Ver­si­che­rungsbeitrag dafür lag zwischen 8 Euro und 62 Euro pro Monat.

Ist eine ambulante Zusatzversicherung sinnvoll?

Vor dem Abschluss einer Ver­si­che­rung solltest Du Dich immer fragen, welche Konsequenzen es hätte, falls Du die Kosten selbst zahlen müsstest. Wenn es um Naturheilkunde oder Brillen geht, ist das finanzielle Risiko in der Regel überschaubar. Eine Ver­si­che­rung ist in dem Fall nicht notwendig. Ganz anders sieht es aus, wenn Dich ein Ver­si­che­rungsfall finanziell ruinieren könnte, etwa wenn Dein Haus abbrennt oder Du durch Krankheit nicht mehr arbeiten kannst. Welche Ver­si­che­rungen aus unserer Sicht unentbehrlich sind, liest Du in unserem Ratgeber zu sinnvollen Ver­si­che­rungen.

Schau dir zunächst an, welche Extras Kran­ken­kas­sen bieten

Viele Kran­ken­kas­sen bieten inzwischen Extras an, die über ihre gesetzlich festgelegten Leistungen hinaus gehen. Sind Dir naturheilkundliche Behandlungen, umfassende Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen wichtig, lohnt es sich, Dir eine Kran­ken­kas­se auszusuchen, die in diesen Bereichen starke Zusatzleistungen bietet. Welche das sind, erfährst Du in unserem Ratgeber zum Kran­ken­kas­senvergleich.

Die beste Kasse in unserem Test im Bereich alternative Heilmethoden zahlt beispielsweise 360 Euro im Jahr für Osteopathie und erstattet 100 Euro jährlich für naturheilkundliche Arzneimittel. Auch homöopathische Behandlungen übernehmen inzwischen viele Kassen.

Bei den gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rungen ist die Auswahl der Behandler allerdings eingeschränkt und Du brauchst ein Rezept Deines Arztes. In der Regel werden nur Behandlungen von auf Homöopathie spezialisierten Ärzten beziehungsweise Osteopathen übernommen, die dank ihrer Qualifikationen Mitglied im Bundesverband der Osteopathen sind. Du kannst also nicht zu einem beliebigen Heilpraktiker gehen. Außerdem wird nicht jedes Naturheilverfahren im Rahmen der freiwilligen Zusatzleistungen der Kran­ken­kas­sen übernommen.

Der Vorteil der Erstattung über die Kran­ken­kas­se: Für die zusätzlichen Leistungen musst Du nicht extra zahlen. In unserem Kran­ken­kas­senvergleich 2022 hat mit der HKK die günstigste überregionale Kasse am besten abgeschnitten, mit besonders hohen Punktzahlen in den Bereichen Alternativmedizin und Impfungen.

Lohnt sich nur in Ausnahmefällen

Wenn Du sehr häufig Naturheilverfahren bei Behandlern ohne Kassenzulassung in Anspruch nimmst, kann sich eine Heilpraktiker-Versicherung unter Umständen lohnen. Allerdings nur, wenn Du einen Tarif mit relativ hoher Erstattung und niedrigem Preis findest.

Beim Abschluss stellen viele Ver­si­che­rungen Gesundheitsfragen, die Du ehrlich beantworten musst. Hast Du bereits Erkrankungen, musst Du mit höheren Preisen rechnen. Die Ver­si­che­rung sichert sich so gegen das Risiko ab, dass Du ihr mehr Kosten als ein gesunder Versicherter verursachst. Ebenso ist es möglich, dass die Ver­si­che­rung genau Deine Krankheit vom Schutz ausschließt.

Je älter du bist, desto teurer sind ambulante Zu­satz­ver­si­che­rung­en in der Regel. Es gibt zwei Varianten von Tarifen. Die eine Variante ist für junge Menschen sehr günstig und wird dann in festgelegten Stufen mit zunehmendem Lebensalter teurer. Die andere Variante bildet dagegen sogenannte Altersrückstellungen. Solche Tarife kosten anfangs mehr, dafür sollen die Beiträge über die Jahre aber auch nicht steigen.

Autor
Julia Rieder

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