Krankentagegeld

Für Selbstständige und Gutverdiener wichtige Absicherung

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Krankentagegeld-Anbieter zahlt bei Krankheit täglich einen vereinbarten Betrag, um Ihr fehlendes Einkommen auszugleichen.
  • Wer kein Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse bekommt, braucht auf jeden Fall ein Krankentagegeld. Das gilt für Privatversicherte genauso wie für einige Selbstständige.
  • Auch wer gesetzliches Krankengeld bekommt, sollte prüfen, ob es ausreicht, um bei längerer Krankheit den Lebensunterhalt zu bestreiten. Insbesondere bei Gutverdienern liegt das Krankengeld deutlich unter dem normalen Nettogehalt.
  • Krankentagegeld ist steuer- und abgabenfrei und wird daher netto ausbezahlt.
  • Eine Krankenhaustagegeld-Versicherung ist überflüssig.

So gehen Sie vor

  • Berechnen Sie Ihren monatlichen Geldbedarf. Wenn Sie Krankengeld bekommen, ermitteln Sie die Lücke zwischen dem Krankengeld und Ihren laufenden Ausgaben.
  • Schließen Sie ein Krankentagegeld in Höhe der Lücke ab oder passen Sie Ihr bestehendes Krankentagegeld entsprechend an.
  • Wir haben die Leistungen verschiedener Krankentagegeld-Angebote für gesetzlich Versicherte und Privatpatienten verglichen. Empfehlen können wir den Tarif T+ der Barmenia.
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Falls Sie dauerhaft krank werden und deshalb nicht mehr arbeiten können, greift Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), sofern Sie eine haben. Die BU fängt den Wegfall des Gehalts auf. Doch auch, wenn es nicht ganz so schlimm gekommen ist, die Genesung nach einem Unfall oder einer Operation aber länger dauert, wird es finanziell manchmal eng. Denn nach sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber das Gehalt nicht mehr weiter. Stattdessen gibt es von der gesetzlichen Krankenkasse ein Krankengeld, das deutlich niedriger ausfällt als das Nettogehalt.

Diese Einkommenslücke kann eine Krankentagegeld-Versicherung schließen. Bei Privatversicherten ist sie Standard – aber nur die wenigsten gesetzlich Krankenversicherten haben sie. Dabei gehört sie zu den sinnvollen Versicherungen – je nach individueller Situation.

Der Unterschied zwischen Krankentagegeld und Krankengeld

Zwei Begriffe geraten leicht durcheinander: Krankengeld und Krankentagegeld. Krankengeld wird von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) gezahlt, Krankentagegeld von einer privaten Versicherung. Nur gesetzlich Krankenversicherte können Krankengeld erhalten. Wer voll privatversichert ist, bekommt kein Krankengeld und braucht deswegen unbedingt ein ausreichendes Krankentagegeld.

Leicht verwechseln kann man das Krankentagegeld auch mit dem Krankenhaustagegeld, das sich als zusätzliche Leistung bei Aufenthalten im Krankenhaus abschließen lässt. Im Gegensatz zum Krankentagegeld ist eine Krankenhaustagegeld-Versicherung überflüssig.

Um das Krankentagegeld zu erhalten, brauchen Sie ein Attest Ihres Arztes, das Ihre Arbeitsunfähigkeit für den erforderlichen Zeitraum bescheinigt. Dieses reichen Sie bei Ihrer Versicherung ein.

Für wen lohnt sich eine Krankentagegeld-Versicherung?

Ob Sie eine Krankentagegeld-Versicherung brauchen, hängt zunächst einmal davon ab, ob Sie angestellt oder selbstständig sind und ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind:

Tipp

Zuschuss zum Krankengeld vom Arbeitgeber

In einigen Branchen ist im Tarifvertrag vereinbart, dass der Arbeitgeber das Krankengeld bis zum eigentlichen Nettolohn aufstockt. Gilt ein solcher Tarifvertrag für Sie, dann ist ein Tagegeld unnötig.

Gesetzlich versicherte Arbeitnehmer

Als Arbeitnehmer erhalten Sie bei Krankheit in der Regel sechs Wochen lang Ihren Lohn vom Arbeitgeber weiter bezahlt. Danach bekommen Sie Krankengeld. Sofern Sie unter der Beitragsbemessungsgrenze in Höhe von 4.425 Euro brutto verdienen, ist das Krankengeld etwa 20 Prozent niedriger als Ihr Nettoeinkommen. Falls diese Lücke zu groß ist, um weiter Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sollten Sie eine Krankentagegeld-Versicherung abschließen. Wenn Sie mehr als 4.425 Euro verdienen, wird die Lücke mit steigendem Einkommen immer größer. Denn mehr als 2.722 Euro Krankengeld erhalten Sie nicht, selbst wenn Sie sonst das Doppelte verdienen. Eine Krankentagegeld-Versicherung wird mit zunehmendem Einkommen also immer sinnvoller.

Privat versicherte Arbeitnehmer

Wenn Sie Arbeitnehmer und in der privaten Krankenversicherung (PKV) sind, bekommen Sie nach den sechs Wochen Entgeltfortzahlung kein Krankengeld. Daher sollten Sie ein Krankentagegeld abschließen, das ab dem 43. Tag gezahlt wird und Ihre monatlichen Ausgaben deckt. Viele Privatversicherte schließen das Krankentagegeld zusammen mit ihrer Krankenversicherung ab. Das ist aber kein Zwang. Sie können sich auch bei einem anderen Krankentagegeld-Anbieter versichern, wenn der bessere Bedingungen bietet.

Gesetzliche versicherte Selbstständige

Als Selbstständiger in der GKV können Sie frei wählen, ob Sie von der Krankenkasse Krankengeld erhalten wollen oder nicht. Wenn nicht, zahlen Sie bei einer Krankenkasse mit dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1 Prozent (Stand 2018) insgesamt 15 Prozent von Ihrem Gewinn. Mit Krankengeld zahlen Sie bei derselben Kasse 15,6 Prozent. Maximal kostet Sie das Krankengeld 26,55 Euro im Monat. Wie ein Arbeitnehmer erhalten Sie das Krankengeld nach sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit. Es beträgt 70 Prozent Ihres regelmäßigen Arbeitseinkommens, maximal jedoch 103,25 Euro am Tag (Stand 2018).

Falls Sie die Zeit bis zur Zahlung des Krankengelds in der siebten Krankheitswoche nicht durch Ersparnisse abdecken können, können Sie in einen Wahltarif bei einer gesetzlichen Kasse wechseln. Gegen einen Beitragszuschlag wird das Krankengeld dann bereits ab der vierten Krankheitswoche ausgezahlt. Künstler und Publizisten können Krankengeld sogar schon ab dem 15. Krankheitstag bekommen. Mit einem Wahltarif sind Sie allerdings für drei Jahre an diese Krankenkasse gebunden.

Insbesondere bei einem schlechten Gesundheitszustand ist das Krankengeld die richtige Lösung. Denn bei der gesetzlichen Kasse spielt die Gesundheit keine Rolle. Eine private Krankentagegeld-Versicherung dagegen prüft Ihre Gesundheit. Ist sie schlecht, bekommen Sie mitunter keine Versicherung.

Sofern Sie keine sechs Wochen ohne Einkommen überbrücken können, können Sie als Alternative zu einem Wahltarif ein privates Krankentagegeld abschließen, das beispielsweise ab der dritten oder vierten Krankheitswoche einsetzt. Je kürzer diese sogenannte Karenzzeit ist, desto mehr kostet das Tagegeld allerdings. Nur wenn Sie zwingend schon eine hohe Zahlung vor der siebten Krankheitswoche brauchen, ist es wahrscheinlich sinnvoll, auf das Krankengeld zu verzichten und dafür ab der dritten oder vierten Krankheitswoche ein ausreichend hohes Krankentagegeld abzuschließen.

Wenn Sie einen höheren monatlichen Gewinn als 4.425 Euro haben, können Sie das Krankengeld als Basis vereinbaren und durch ein privates Krankentagegeld ergänzen.

Privat versicherte Selbstständige

Zusammen mit ihrer PKV schließen Kunden oft auch ein Krankentagegeld ab. Das ist jedoch nicht zwingend. Sie können das Krankentagegeld auch bei einem anderen Anbieter abschließen als die Krankenversicherung. Es ist durchaus sinnvoll, die Bedingungen verschiedener Angebote zu vergleichen. Denn nur weil ein Unternehmen gute Konditionen für die Krankenversicherung hat, müssen die Bedingungen für das Krankentagegeld nicht ebenfalls vorteilhaft sein. Worauf Sie beim Abschluss eines Krankentagegeldes achten sollten, erklären wir weiter unten im Text.

Beamte brauchen kein Krankentagegeld

Für Beamte ist eine Krankentagegeld-Versicherung unnötig, da ihr Dienstherr die Bezüge auch im Krankheitsfall ohne bestimmte Frist weiterbezahlt. Sie sollten in der Regel aber eine Dienstunfähigkeitsversicherung haben, für den Fall, dass sie gar nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten können.

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Wie hoch sollte das Krankentagegeld sein?

Wie viel Krankentagegeld Sie brauchen, hängt von Ihren monatlichen Ausgaben ab. Sie müssen keineswegs Ihr gesamtes Nettoeinkommen absichern, wenn Sie über Spielraum verfügen.

Machen Sie eine Haushaltsaufstellung

Ermitteln Sie mit einer Haushaltsaufstellung die monatlichen Ausgaben, die auch bei einer längeren Krankheit auf jeden Fall anfallen. Bei Selbstständigen kommen wahrscheinlich auch weiterlaufende Betriebsausgaben hinzu. Diese Kosten sollten Sie im Krankheitsfall durch Krankengeld und/oder Krankentagegeld abgesichert haben.

Tipp: Einige Krankenkassen bieten im Internet Krankengeldrechner an, mit deren Hilfe Sie die Höhe Ihres Krankengelds berechnen können, zum Beispiel die TK.

Falls Sie Krankengeld von der GKV bekommen

Für gesetzlich versicherte Arbeitnehmer beträgt das Krankengeld 70 Prozent des regelmäßigen Bruttoeinkommens, höchstens jedoch 90 Prozent des letzten Nettogehalts. Davon werden die Arbeitnehmeranteile zur Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abgezogen, was einen Abzug von etwas mehr als 12 Prozent ausmacht.

Bei gesetzlich versicherten Selbstständigen beträgt das Krankengeld 70 Prozent des Einkommens, das auch der Berechnung ihrer Beiträge zugrunde liegt.

Da die Beitragsbemessungsgrenze die Höhe des Krankengeldes deckelt, zahlt die GKV sowohl Angestellten als auch Selbstständigen maximal rund 2.722 Euro netto im Monat.

Rechnen Sie aus, ob Ihnen dieser Betrag reicht und ob Sie eine Lücke durch Ersparnisse ausgleichen können. Falls nicht, ist ein Krankentagegeld sinnvoll. Um die notwendige Höhe zu bestimmen, ermitteln Sie die Differenz zwischen Ihren unverzichtbaren Ausgaben und 2.722 Euro.

Die jeweilige Differenz teilen Sie durch 30 Tage. Dies ergibt den Tagessatz, den Sie versichern sollten. Das Krankentagegeld ist steuer- und abgabenfrei. Das bedeutet, der versicherte Tagessatz wird tatsächlich netto ausbezahlt. 

Falls Sie kein Krankengeld bekommen

Für Privatversicherte und gesetzlich versicherte Selbstständige, die sich gegen das Krankengeld der GKV entschieden haben, ist die Rechnung einfach: Teilen Sie das Ergebnis Ihrer Haushaltsaufstellung durch 30 Tage.

Da das Tagegeld ihre einzige Absicherung im Krankheitsfall darstellt, sollten insbesondere Selbstständige bei der Berechnung nicht zu knausrig sein. Überlegen Sie, ob Sie wirklich alle wichtigen Posten in Ihrer Haushaltsaufstellung erfasst haben und ob Sie ausreichende Rücklagen besitzen für die Krankheitswochen, in denen das Tagegeld noch nicht gezahlt wird.

Wer bereits ein Tagegeld abgeschlossen hat, sollte regelmäßig prüfen, ob die Höhe ausreicht. Falls nicht, beantragen Sie eine Anpassung. Sollte Ihr Gesundheitszustand dabei zu Schwierigkeiten führen, warten Sie Ihre nächste Gehaltssteigerung ab. Sie können dann in der Regel ohne Gesundheitsprüfung Ihr Krankentagegeld aufstocken.

Achtung

Gesunkenes Nettoeinkommen

Melden Sie dem Versicherer, wenn Ihr Nettoeinkommen dauerhaft geringer ausfällt. Dann senkt er das versicherte Tagegeld und Ihren Beitrag entsprechend ab. Sonst zahlen Sie zu viel. Nicht in jedem Fall darf der Versicherer bei niedrigerem Einkommen aber das Tagegeld kürzen. Der Bundesgerichtshof hat eine Klausel zur Leistungskürzung für unwirksam erklärt (Urteil vom 6. Juli 2016, Az. IV ZR 44/15). Lassen Sie deshalb Ihren Vertrag von einem Fachanwalt für Versicherungsrecht prüfen, falls Ihr Versicherer im Krankheitsfall weniger zahlen will.

Nicht jede Tagegeld-Höhe lässt sich versichern

Das Krankentagegeld darf zusammen mit dem Krankengeld und anderen Lohnersatzleistungen nicht das vorherige Nettoeinkommen übersteigen. Dabei wird das Nettoeinkommen für die letzten zwölf Monate herangezogen.

Selbstständige sollten vor Abschluss eines Tarifs unbedingt klären, was bei ihnen als Nettoeinkommen zählt und ob Sie überhaupt den gewünschten Tagessatz bekommen würden. Einige Versicherungen verwenden als Obergrenze das Einkommen nach Abzug von Steuern und Betriebskosten. Besser für Selbstständige ist es, wenn der Anbieter 70 bis 80 Prozent des Gewinns vor Steuern als maximale Versicherungshöhe ansetzt.

Unabhängig vom Nettoeinkommen des Kunden legen viele Anbieter zusätzlich einen Höchstsatz fest, den sie pro Tag versichern. Dieser hängt unter anderem vom Beginn der Zahlung ab. Je früher das Tagegeld gezahlt wird, desto niedriger ist meist die Obergrenze. Auch der Beruf kann eine Rolle spielen: Während Ärzte oft recht hohe Tagessätze versichern können, gelten für Existenzgründer in den ersten zwei Jahren in der Regel relativ niedrige Maximalbeträge.

Worauf Sie beim Vertrag achten müssen

Klug ist es, sich vor Abschluss einer Krankentagegeld-Versicherung einmal gründlich mit den Leistungen verschiedener Angebote zu beschäftigen. Denn seinen Vertrag zu kündigen und immer wieder den Anbieter zu wechseln, macht beim Krankentagegeld wenig Sinn. Der Grund: Die meisten Tarife sind mit Altersrückstellungen kalkuliert. Das bedeutet, ein Teil der Beiträge wird angespart, um damit die höheren Kosten im Alter zu dämpfen. Wer seinen Vertrag kündigt, verliert einen Großteil dieser Rücklagen fürs Alter. Außerdem wird es mit zunehmendem Alter und gesundheitlichen Beschwerden immer schwieriger, einen preiswerten neuen Vertrag abzuschließen.

Entscheiden Sie sich deshalb lieber gleich für einen Tarif mit guten Leistungen. Auf folgende Merkmale sollten Sie achten:

Erhöhung ist ohne Gesundheitsprüfung möglich

Sie sollten eine Krankentagegeld-Versicherung mit der Zeit an Ihr steigendes Einkommen anpassen können, ohne dass Sie dafür wieder Gesundheitsfragen beantworten müssen. Das sollte einmal jährlich ohne prozentuale Begrenzung der Erhöhung möglich sein und keine Wartezeit nach sich ziehen. So ist sichergestellt, dass Sie langfristig ausreichend abgesichert sind. Achten Sie jedoch auch auf die maximal versicherbaren Tagessätze im jeweiligen Tarif. Einige Anbieter zahlen beispielsweise Selbstständigen maximal 100 Euro am Tag, andere 180 Euro. Die Erhöhungsoption bringt nichts, wenn Sie die im Tarif festgelegte Obergrenze bereits erreichen. Meistens müssen Sie die Erhöhung formlos beantragen, oft innerhalb von zwei Monaten nachdem Ihr Einkommen gestiegen ist.

Zahlt während Reha

Einige Krankentagegeld-Versicherungen zahlen nicht während einer Reha, beziehungsweise nur unter strengen Voraussetzungen. Manche Anbieter zahlen erst nach langer Arbeitsunfähigkeit oder ausschließlich, wenn sich eine Reha direkt an einen Krankenhausaufenthalt anschließt, die sogenannte Anschlussheilbehandlung. Andere Versicherer leisten nur nach einer schriftlichen Zusage vor Beginn der Behandlung. Damit ist der Kunde vom Wohlwollen des Versicherers abhängig.

Für uns kennzeichnet einen guten Tarif, dass die Versicherung zahlt, sobald der Kunde vor der Reha zwei Wochen arbeitsunfähig war. Auf weitere Bedingungen oder eine Begrenzung der Leistungsdauer sollte der Anbieter verzichten. Das ist insbesondere für Selbstständige mit einer kurzen Karenzzeit sinnvoll. Unsere Empfehlung, der Tarif T+ der Barmenia, zahlt in gleichem Umfang auch bei einer Kur.

Die Versicherung verzichtet auf ihr ordentliches Kündigungsrecht

Grundsätzlich dürfen Krankentagegeld-Versicherer den Vertrag in den ersten drei Jahren ohne Angabe von Gründen kündigen. Ein paar Anbieter verzichten jedoch auf dieses sogenannte ordentliche Kündigungsrecht. Dann müssen Sie keine Angst haben, den Vertrag zu verlieren, falls Sie in den ersten Jahren länger krank werden und Leistungen der Versicherung in Anspruch nehmen.

Genug Zeit, die Krankheit zu melden

Der Kunde muss der Versicherung die Arbeitsunfähigkeit mit einem Attest vom Arzt nachweisen. Achten Sie darauf, dass dafür eine ausreichend lange Frist vorgesehen ist, mindestens bis zum Ende der Karenzzeit, also dem Zeitpunkt, ab dem das Tagegeld gezahlt wird.

Fortführen des Vertrags bei Arbeitslosigkeit

Falls Sie einmal arbeitslos werden, endet in vielen Fällen der Vertrag automatisch. Einige Anbieter beenden den Vertrag aber erst, wenn der Kunde keine ausreichenden Anstrengungen bei der Arbeitssuche nachweist oder in Hartz IV abrutscht.

Falls Sie arbeitslos werden, empfehlen wir, dass Sie Ihren Vertrag beitragsfrei ruhend stellen, bis Sie einen neuen Job gefunden haben. Wenn das nicht geht, fragen Sie nach, ob Sie eine Anwartschaftsversicherung abschließen können. Die kostet meist nicht viel. Dann können Sie den Vertrag zu den bisherigen Konditionen wieder aufnehmen, sobald Sie wieder Arbeit haben.

Das ist sinnvoll, weil die Beiträge für das Krankentagegeld auch von Alter und Gesundheit des Kunden abhängen. Müssten Sie nach jeder Phase ohne Job eine neue Versicherung suchen, könnte es schwierig sein, einen neuen Vertrag zu bekommen, falls sich Ihr Gesundheitszustand verschlechtert hat.

Übergang zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Grundsätzlich zahlt eine Krankentagegeld-Versicherung unbegrenzt lange. Wenn allerdings keine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit mehr besteht, sondern Sie voraussichtlich dauerhaft nicht arbeiten können, endet das Krankentagegeld und Sie müssten Leistungen von der Berufsunfähigkeitsversicherung beantragen. Die Entscheidung darüber, ob eine Berufsunfähigkeit (BU) besteht, sollte nicht beim Krankentagegeld-Versicherer liegen, sondern vom medizinischen Befund abhängen.

Sind Sie berufsunfähig, sollte die Krankentagegeld-Versicherung noch für drei weitere Monate zahlen, einige Anbieter leisten sogar noch länger. So gewinnen Sie Zeit, um eine Rente von der BU-Versicherung zu beantragen. Unter Umständen kann der Krankentagegeld-Anbieter Geld zurückfordern, falls sich die Zahlung von Tagegeld und BU-Rente überschneidet – allerdings nur, wenn das in den Bedingungen ausdrücklich erwähnt ist.

Vertrag ohne Alkoholklausel

Die Versicherung zahlt auch, wenn Sie durch eine Krankheit oder einen Unfall arbeitsunfähig werden, die durch Alkoholgenuss verursacht wurde.

Bei wiederholter Krankheit werden Tage zusammengezählt

Wenn Sie aufgrund derselben Krankheit immer wieder krankgeschrieben sind, sollten Sie nicht jedes Mal warten müssen, bis das Krankentagegeld gezahlt wird. Die Krankheitstage wegen derselben Krankheit sollten zusammengezählt werden. Dies ist besonders wichtig für Selbstständige, die keine Lohnfortzahlung erhalten.

Leistungen bei Schwangerschaft

Während des gesetzlichen Beschäftigungsverbots und des Mutterschutzes bekommen Arbeitnehmerinnen weiterhin ihren Lohn, benötigen also kein Tagegeld. Privat versicherte selbstständige Frauen haben seit März 2017 innerhalb der Schutzfristen Anspruch auf Krankentagegeld.

Gute Versicherer zahlen jedoch auch außerhalb der gesetzlichen Mutterschutzfristen das Krankentagegeld bei Arbeitsunfähigkeit wegen Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch und Fehlgeburt.

Diesen Tarif können wir empfehlen

Einen Vertrag zu finden, der all die genannten Merkmale erfüllt, ist gar nicht so leicht. Die Leistungen verschiedener Krankentagegeld-Versicherungen unterscheiden sich je nach Anbieter enorm. Insbesondere auf das Kündigungsrecht in den ersten drei Jahren verzichten nur wenige Anbieter, und auch während einer Reha oder Kur sind die Leistungen oft eingeschränkt.

Finanztip hat im November und Dezember 2017 die Leistungen verschiedener Krankentagegeld-Tarife untersucht. Um Angebote zu finden, die rundum gute Leistungen bieten, haben wir 29 Versicherungen angeschrieben und zu ihren Tarifen befragt. Berücksichtigt haben wir in unserem Vergleich nur Krankentagegelder, die nicht ausschließlich für privat Krankenversicherte zugänglich waren.

Nur der Tarif T+ der Barmenia erfüllte letztendlich alle Kriterien, die wir für wichtig halten. Er gehört nicht zu den günstigsten Tarifen am Markt, wir sind jedoch der Meinung, dass umfassende Leistungen hier wichtiger sind als der Preis. Schließlich soll die Versicherung auch zahlen, wenn der Kunde es braucht.

Barmenia Tarif T+
Krankentagegeld für Arbeitnehmer und Selbstständige

  • leistungsstärkster Tarif in unserer Untersuchung
  • für gesetzlich versicherte Angestellte ab dem 43. Tag möglich (max. 150 € Tagessatz)
  • für Selbstständige ab dem 4. Tag möglich (gestaffelt zwischen 50 und 150 € Tagessatz)
  • auch für PKV-Versicherte anderer Gesellschaften abschließbar
  • kein besonders preisgünstiges Angebot

Beitragsbeispiele Barmenia Tarif T+

Höhe des KrankentagegeldsBeitrag bei Abschluss mit 35 JahrenBeitrag bei Abschluss mit 45 Jahren
Angestellter: 30 € ab 43. Krankheitstag15 € 20 €
Selbstständiger: 100 € ab 22. Krankheitstag112 € 140 €
Selbstständiger: 50 € ab 15. Krankheitstag84 € 101 €

Beiträge pro Monat für Kunden ohne Vorerkrankungen, Angaben gerundet.

Quelle: Barmenia (Stand: 20.12.2017)

Die Tarife der Debeka, der Halleschen und der SDK verfehlten unsere Leistungskriterien in jeweils nur einem Punkt. Sollte Ihnen dieser spezielle Punkt nicht so wichtig sein, dann sind diese Tarife auch einen Blick wert.

Debeka und SDK bieten ihr Krankentagegeld für gesetzlich Versicherte nur Angestellten an. Den Tarif der Halleschen können auch Selbstständige abschließen, allerdings wird ihnen das Tagegeld frühestens ab dem 22. Krankheitstag gezahlt. Preislich lässt sich das Angebot der SDK nicht mit den anderen Tarifen vergleichen, denn der Beitrag enthält keine Altersrückstellungen. Das bedeutet, während bei den anderen Versicherern Geld zurückgelegt wird, um die Kosten im Alter stabil zu halten, ist der Tarif der SDK für junge Menschen günstig, wird aber mit zunehmendem Alter teurer.

Weitere Tarife

Debeka Tarif KGHallesche Tarif KTSDK Tarif TG
Nicht erfülltes Finanztip-KriteriumBei Arbeitslosigkeit langfristiges Ruhen oder Anwartschaft nicht vertraglich garantiert Zahlt bei Reha erst nach vierwöchiger Krankschreibung oder direkt nach KrankenhausaufenthaltZahlt bei Reha erst nach vierwöchiger Krankschreibung
Beitrag für Angestellte mit 30 € Tagegeld ab 43. Krankheitstag17 €11 €7 €¹
Beitrag für Selbstständige mit 100 € Tagegeld ab 22. Krankheitstagnicht verfügbar92 €nicht verfügbar
Beitrag für Selbstständige mit 50 € Tagegeld ab 15. Krankheitstagnicht verfügbarnicht verfügbarnicht verfügbar

Beiträge pro Monat bei Abschluss mit 35 Jahren ohne Vorerkrankungen, Angaben gerundet.

¹ Beitrag für einen 35-Jährigen, mit zunehmendem Alter steigt der Beitrag (ein 36-Jähriger zahlt beispielsweise rund 10 Euro), Erhöhungen erfolgen in der Regel alle zehn Jahre

Quelle: Anbieter (Stand: 28.12.2017)

So haben wir getestet

Krankentagegeld-Vergleich 2017
Im November und Dezember 2017 haben wir die Leistungen verschiedener Krankentagegeld-Tarife verglichen. Zunächst haben wir uns dafür mithilfe der Vergleichssoftware der Beratungsgesellschaft Premium Circle einen Überblick über den Markt für Krankentagegeld-Versicherungen und deren Leistungsspektrum verschafft. Anschließend haben wir Kriterien formuliert, die ein guter Krankentagegeld-Vertrag aus unserer Sicht erfüllen sollte.

Diese Kriterien sind:

Finanztip-Kriterien für Krankentagegeld

Tagegeld-Erhöhung ohne Gesundheitsprüfung und WartezeitAnpassung an die individuelle Einkommensentwicklung möglich ohne erneute Risikoprüfung und erneute Wartezeiten, keine prozentuale Begrenzung.
RehabilitationLeistet bei stationärer Reha nach mind. 2-wöchiger Arbeitsunfähigkeit, unbegrenzte Leistungsdauer.
Verzicht auf AlkoholklauselZahlt auch, wenn Alkohol ursächlich für Arbeitsunfähigkeit war.
AnzeigefristArbeitsunfähigkeit kann mindestens bis zum Ablauf der Karenzzeit angezeigt werden.
ArbeitslosigkeitVertrag endet erst, wenn Aussicht auf Erfolg und ausreichende Anstrengungen der Arbeitssuche nicht nachgewiesen werden, Recht auf eine Ruhensvereinbarung und/oder eine Anwartschaft bis zur Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit.
Übergang zur BerufsunfähigkeitEntscheidung über Berufsunfähigkeit nach medizinischen Kriterien, volle Nachleistung für 3 Monate nach Eintritt der BU.
KündigungsverzichtAllgemeiner Verzicht auf das ordentliche Kündigungsrecht in den ersten 3 Jahren nach Vertragsabschluss unabhängig vom Bestehen einer privaten Krankenversicherung beim selben Anbieter.
RückfallerkrankungenZeiten wiederholter Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Erkrankung werden für die Karenzzeit zusammengerechnet.

In einem zweiten Schritt haben wir 29 Versicherungsunternehmen angeschrieben und gebeten, uns Tarife zu nennen, die alle genannten Kriterien erfüllen. 15 Unternehmen schickten uns daraufhin ein Angebot. Wir haben die Versicherungsbedingungen dieser Krankentagegelder dann in Hinblick auf unsere Kriterien nochmals geprüft und sind zum Ergebnis gelangt, dass nur der Tarif T+ der Barmenia alle unsere Anforderungen vollständig erfüllt.

Für privat krankenversicherte Kunden bieten einige Unternehmen separate Tarife an. Wir haben ausschließlich Krankentagegelder untersucht, die auch für gesetzlich Krankenversicherte zugänglich sind. Deshalb kann es für Privatversicherte noch weitere Tarife geben, die die Finanztip-Kriterien erfüllen.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.