Überschussbeteiligung Lebensversicherung

Welche zusätzlichen Erträge Sparer erwarten dürfen

Sara Zinnecker Stand: 08. Februar 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Bei kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen garantiert der Versicherer oft einen Zins auf die Sparbeiträge. Wenn er mehr Geld erwirtschaftet als gedacht, muss er diese Überschüsse an die Kunden weitergeben.
  • Überschüsse entstehen, wenn der Versicherer bei der Geldanlage mehr als die Garantie verdient, wenn er günstiger wirtschaftet als kalkuliert und wenn Versicherte früher versterben.
  • Der Versicherer muss Kunden auch an den sogenannten Bewertungsreserven beteiligen: Diese entstehen, wenn der Kurs von Aktien oder Anleihen im Portfolio des Versicherers steigen.
  • Möchten Sie eine lebenslange Rente beziehen, können Sie sich Überschüsse unterschiedlich auszahlen lassen. Man unterscheidet dynamische und teildynamische Renten.
  • Wie der Versicherer seine Kunden an Überschüssen beteiligen muss, ist gesetzlich geregelt. Haben Sie einen alten Vertrag mit hohem Garantiezins, bekommen Sie häufig keine Zinsüberschüsse gutgeschrieben.
So gehen Sie vor
  • Überschüsse werden Jahr für Jahr aufs Neue bestimmt: Wie hoch sie jeweils ausfallen, können Sie an der Standmitteilung ablesen, die der Versicherer Ihnen einmal jährlich zuschickt.
  • Kündigen Sie Ihre Lebensversicherung nicht. Wenn Sie bis zum Renteneintritt dabeibleiben, erhalten Sie in der Regel einen größeren Betrag als Schlussüberschuss gutgeschrieben.
  • Entscheiden Sie sich für eine lebenslange Rente, wählen Sie die dynamische Überschussbeteiligung. Die Rente steigt dann jährlich ein bisschen und gleicht die Inflation aus.
  • Wollen Sie heute eine klassische Riester- oder Rürup-Rentenversicherung abschließen, sollten Sie weniger auf die Überschüsse als auf die Garantien schauen: Absehbar werden die Überschüsse der Versicherer gering bleiben.
  • Wollen Sie eine Sofortrente abschließen, kann die Überschussbeteiligung ein Entscheidungskriterium sein. Finanztip hat Sofortrenten-Tarife im Juni 2018 analysiert.

Mit der Lebensversicherung sorgen die Deutschen traditionell fürs Alter vor. Im klassischen Fall zahlt der Versicherer einen garantierten Zins auf die eingezahlten Beiträge nach Kosten. Erwirtschaftet der Anbieter mehr als gedacht, muss er diese zusätzlichen Erträge anteilig an seine Kunden weitergeben (Überschussbeteiligung). In der Ansparphase steigt so das Sparguthaben. In der Rentenphase schlagen sich Überschüsse in einer höheren Rente nieder.

Welche Arten von Überschüssen gibt es?

Überschüsse können beim Lebensversicherer an verschiedenen Stellen entstehen. Die drei gängigen Überschussarten sind die sogenannten Zins-, Risiko- und Kostenüberschüsse.

Zinsüberschüsse gibt es immer dann, wenn der Versicherer durch die Anlage der Kundengelder mehr Gewinn erzielt, als er Sparern im Vertrag garantiert hat.

Risikoüberschüsse fallen an, wenn Versicherte früher versterben, als der Versicherer in seiner Kalkulation unterstellt hat. Er muss dann kürzer als gedacht Renten bezahlen. Den Betrag, der so frei wird, kann er auf die restlichen Versicherten verteilen.

Kostenüberschüsse entstehen, wenn die Versicherung am Ende günstiger arbeitet als ursprünglich veranschlagt. Oft geht es hier um Einsparungen bei den Verwaltungskosten.

Neben diesen bekannten Zins-, Kosten- und Risikogewinnen gibt es noch eine vierte Gewinnkomponente, an der Versicherer Sie unter Umständen beteiligen. Die Rede ist von den Bewertungsreserven. Darunter versteht man (nicht realisierte) Kursgewinne von Wertpapieren, meist Anleihen, in die der Versicherer investiert hat. Sie werden einmal jährlich ermittelt.

Oft unerwähnt bleiben schließlich Überschüsse, die der Versicherer erzielt, weil Kunden ihre Lebensversicherung vorzeitig kündigen (Storno-Überschuss) oder, weil es Zahlungen von sogenannten Rückversicherern gibt, die einen Teil des Risikos für den eigentlichen Versicherer übernommen haben. Sie machen nur einen sehr geringen Anteil am Gesamtüberschuss aus.

Wichtig: Überschüsse ermittelt der Versicherer jedes Jahr aufs Neue. Sie sind nicht garantiert – Sie können also nicht fest damit rechnen.

Wie beteiligt Sie der Versicherer am Überschuss?

Versicherungen können ihre Kunden auf zwei Arten an den Überschüssen teilhaben lassen. Zum einen durch eine sogenannte laufende Überschussbeteiligung und zum anderen über den sogenannten Schlussüberschuss.

So setzt sich die laufende Überschussbeteiligung zusammen

So lange der Vertrag läuft, bekommen Lebensversicherungskunden Jahr für Jahr einen Teil der Überschüsse direkt im Sparguthaben gutgeschrieben. Einmal dort angekommen, sind die Überschüsse garantiert. Am Ende der Ansparphase steht so idealerweise ein etwas höheres Guthaben als das, was der Versicherer ohnehin garantiert hätte.

Aus welchen Komponenten sich die laufende Überschussbeteiligung genau zusammensetzt, ist nicht einheitlich; jede Versicherung kann dies in ihren Bedingungen selbst festlegen. Viele Unternehmen schreiben dem Sparguthaben ihrer Kunden zunächst laufend Zinsüberschüsse gut.

Risiko-, Kosten- und andere Überschussarten stellen sie dagegen häufig erst einmal zurück. So entsteht eine Art Puffer, den Versicherer anzapfen können, falls sich die Grundlagen ihrer Kalkulation unerwartet ändern – zum Beispiel die Voraussetzungen am Kapitalmarkt oder die Lebenserwartung.

Warum Zinsüberschüsse schrumpfen

Eine klassische Lebensversicherung legt die Beiträge der Kunden in sicheren Wertpapieren an, zum Beispiel Staatsanleihen. Weil die in den vergangenen Jahren immer weniger Zinsen einbrachten, sind die Zinsüberschüsse bei allen Versicherern zuletzt geschrumpft. 

Laut der Ratingagentur Assekurata schafft es der Großteil der Lebensversicherer in Deutschland 2019, den Sparbeiträgen der Kunden durchschnittlich noch rund 2,4 Prozent Zinsen gutzuschreiben.

Das bedeutet: Haben Sie bereits Anfang der 2000er Jahre eine Lebensversicherung mit hohem garantierten Zins von vielleicht 4 Prozent abgeschlossen, erhalten Sie derzeit keine Zinsüberschüsse gutgeschrieben. Haben Sie dagegen 2017 einen Vertrag mit 0,9 Prozent garantierter Verzinsung abgeschlossen, können Sie noch mit Zinsüberschüssen rechnen.

Das steckt im Schlussüberschuss

Um auch einen Schlussüberschuss zu erhalten, müssen Sie bis zum Ende der Ansparphase durchhalten: Schlussüberschüsse gibt es, bevor Sie sich die Lebensversicherung entweder auszahlen lassen oder das Ersparte in eine monatliche Rente überführen.

Das Geld, das als Schlussüberschuss ausgeschüttet wird, stammt aus dem Puffer, den die Versicherung während der Spardauer aufgebaut hat. Nun sind Sie also spätestens auch an weiteren Überschussarten (Risiko- und Kostenüberschuss) beteiligt.

Zum Ablauf der Ansparzeit können Sie darüber hinaus auf eine Beteiligung an den Bewertungsreserven hoffen. Hat der Versicherer zu dem Zeitpunkt Wertpapiere mit hohen Kursgewinnen im Bestand, könnte es sein, dass er davon etwas veräußert und Ihnen den Gewinn anteilig gutschreibt.

In welchem Umfang muss der Versicherer Sie beteiligen?

Lebensversicherer müssen Sie grundsätzlich an Überschüssen beteiligen – doch nicht immer bekommen Sie 100 Prozent der Überschüsse. Der Umfang der Beteiligung ist stattdessen vom Gesetzgeber vorgeschrieben.

Mit dem Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) vom August 2014 wurde der Umfang der Beteiligung an Überschüssen zum Teil neu geregelt. Verankert sind die Regeln in der sogenannten Mindestzuführungsverordnung (MindZV) beziehungsweise im Paragraf 153 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG).

Danach müssen nun mindestens 90 Prozent des Zins- und Risikoüberschusses beim Kunden ankommen (§§ 6, 7 MindZV). Den Kostenüberschuss muss der Versicherer zur Hälfte an die Sparer weitergeben (§ 153 Abs. 3 VVG). Auch die Bewertungsreserven muss der Versicherer theoretisch anteilig auflösen – also Wertpapiere verkaufen, um den Kursgewinn zu realisieren – und den Erlös ebenfalls hälftig an den Kunden weitergeben. 

Beteiligung an den Bewertungsreserven unsicher

Ob das wirklich passiert, ist jedoch nicht gesagt. Zwar kann die Versicherung durch den Verkauf gutverzinster Anleihen Gewinne erzielen – die Anlagen müsste er dann aber durch schlechter verzinste ersetzen. Darunter leiden dann möglicherweise alle Kunden, deren Lebensversicherungen noch laufen. Im Zweifel prüft die Finanzaufsicht Bafin das Vorgehen (vgl. auch § 153 Abs. 3 VVG).

Vor 2016 mussten Versicherer Bewertungsreserven voll an Kunden weitergeben, die Beteiligung am Risikoüberschuss war dafür geringer, bei nur 75 Prozent. Eine entsprechende Klage, es sei rechtswidrig, Kunden die Beteiligung an den Bewertungsreserven drastisch zu kürzen, hat der Bundesgerichtshof (BGH) im Juni 2018 abgewiesen (Az. IV ZR 201/17). In den vergangenen Jahren haben Versicherer Kunden kaum oder gar nicht mehr an Bewertungsreserven beteiligt.

Wie sieht die Überschussbeteiligung in der Rentenphase aus?

Möchten Sie Ihr angespartes Guthaben aus der Lebensversicherung als lebenslange Rente beziehen, müssen Sie entscheiden, in welcher Form Sie laufende Überschüsse erhalten möchten. In der Regel können Sie bei allen Versicherern wählen zwischen einer teildynamischen oder (voll)dynamischen Rente. Auch Mischformen sind denkbar.

So funktionieren teil- und volldynamische Rente

Bei der teildynamischen Rente stellt Ihnen der Versicherer ab Jahr eins, in dem Sie Rente erhalten, einen relativ hohen Überschuss auf die garantierte Rente in Aussicht. Haben Sie vielleicht schon ein Angebot Ihrer Versicherung zu Hause liegen? Dann ist dort wahrscheinlich eine Garantierente samt einer hohen Überschussbeteiligung ausgewiesen: Für den Kunden sehen mehr als 400 Euro monatliche Rente deutlich attraktiver aus als die reine Garantierente von vielleicht 320 Euro.

Doch die teildynamische Rente hat einen Nachteil: Denn die Überschussrente ist nicht garantiert und kann in der Zukunft jederzeit absinken, etwa wenn sich die Zinsgewinne des Versicherers weiter verringern sollten. Als Sparer müssen Sie also immer damit rechnen, dass Ihnen in der Zukunft weniger Rente ausbezahlt wird als zu Beginn. Die Überschussrente ist also nur ein Schmankerl obendrauf, mit dem Sie besser nicht fest kalkulieren.

Anders bei der (voll)dynamischen Rente. Sie erscheint auf den ersten Blick weniger attraktiv: Denn auf die garantierte Rente zahlt der Versicherer jedes Jahr nur einen geringen Überschussanteil, 2018 lag der bei den Anbietern oft zwischen einem und zwei Prozent. Bei 320 Euro Garantierente bekämen Sie so im ersten Jahr zum Beispiel 326 Euro. Der Vorteil: Ist die Rente einmal erhöht, ist der neue Wert – im Beispiel die 326 Euro – die neue Garantie, mit der Sie kalkulieren können.

Überschüsse sind nicht garantiert

Wichtig: Die Überschussbeteiligung wird jährlich aufs Neue vom Versicherer festgelegt („deklariert“) und kann in der Zukunft gegebenenfalls weiter absinken – vor allem die Zinsüberschüsse dürften weiter abnehmen. Daher sind alle Hochrechnungen für spätere Rentenzahlungen, die Sie vom Versicherer bekommen, mit Vorsicht zu genießen.

Finanztip empfiehlt, sich beim Vergleich von Rententarifen – auch bei Riester- oder Rürup-Rentenversicherungen – zunächst auf die garantierte Rente zu konzentrieren und den Vertrag danach auszuwählen. Bei der Sofortrente gegen einen Einmalbetrag sollten Sie dagegen bei der Wahl des Tarifs mit auf die Überschussgestaltung achten. Mehr dazu finden Sie im Ratgeber Sofortrente.

Finanztip empfiehlt darüber hinaus die volldynamische Rente. Idealerweise steigt Ihre Rente von Jahr zu Jahr mindestens im Rahmen der Inflation an und Sie können sicher mit dem Geldeingang kalkulieren.

Einkommenssteuer auf die Rente

Renten, die Ihnen aus der privaten Rentenversicherung zufließen, müssen Sie versteuern. Allerdings ist die Steuerlast gering. Je nachdem, wie alt Sie beim Renteneintritt sind, bezahlen Sie nur auf einen geringen Prozentsatz der Rente, den sogenannten Ertragsanteil, Einkommenssteuer. Gehen Sie zum Beispiel mit 67 Jahren in Rente liegt Ihr Ertragsanteil bei 17 Prozent.

Weitere Tipps im Ratgeber Altersvorsorge

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Weitere Tipps im Ratgeber Sofortrente

  • Die Sofortrente lohnt sich, wenn Sie gesund sind und Ihre gesetzliche Rente ergänzen wollen.
  • Unsere Anbieter-Empfehlungen: Europa (Tarif E-SR), R+V (Tarif RTSE), Huk24 (Tarif RS24), Hannoversche (Tarif R1_EA)

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Autor
Sara Zinnecker

Stand: 08. Februar 2019


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