Coronavirus und Flugticket-Erstattung

Musterbrief: Geld fürs Flugticket zurückholen

Mus­ter­schrei­ben um Erstattung einzufordern

von der Experten-Redaktion von Finanztip

Schreibe am besten die Airline an und verlange die Erstattung des Ticketpreises, wenn der Flug wegen Corona ausgefallen ist. Verwende dazu unser Mus­ter­schrei­ben.

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Wer hat Anspruch auf Erstattung des Flugtickets?

Eine weltweite Reisewarnung vom Auswärtigen Amt und von den Ländern verhängte Einreisesperren waren Gründe, warum viele Airlines Flüge annulliert haben. Und wenn Flugzeuge doch gestartet sind, dann oft mit sehr wenig Passagieren an Bord. Auch Fluggäste haben oft Abstand von der Reise genommen – kein Wunder, denn in einigen Ländern mussten Einreisende erst einmal für zwei Wochen in Quarantäne oder nach der Rückreise vorläufig zuhause bleiben.

Es gibt drei verschiedene Fälle, die rechtlich jeweils anders zu bewerten sind.

  1. Die Fluggesellschaft hat den Flug annulliert.
  2. Der Fluggast hat wegen Covid-19 storniert.
  3. Der Fluggast hat storniert, und die Airline ist auch nicht geflogen.

Bei einigen Konstellationen ist ganz klar, ob und wie viel Geld Du zurückbekommst. Über andere kann man streiten.

Fall 1: Die Airline hat den Flug annulliert

Hat die Fluggesellschaft Deinen Flug abgesagt – man spricht dann auch von Annullierung –, muss die Airline Deinen Flugpreis in voller Höhe binnen sieben Tagen erstatten. Das ergibt sich aus der europäischen Fluggastrechte-Verordnung (Art. 5 Abs. 1a, Art. 8 Abs. 1a Fluggastrechte-VO).

Anspruch auf Erstattung hast Du gegen europäische Fluggesellschaften und für Flüge von nicht-europäischen Airlines, die von einem Flughafen der EU aus starten sollten. Das gilt auch für Corona-bedingte Absagen.

Fall 2: Du hast selbst storniert

Hast Du selbst Deinen Flug storniert, etwa weil Dir die Reise wegen der Warnung des Auswärtigen Amtes zu riskant erschien oder Du nicht nach Deinem Urlaub in Quarantäne gehen wolltest, richten sich Deine Ansprüche nicht nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung. Entscheidend sind vielmehr die Stor­nie­rungs­be­din­gung­en der Fluggesellschaft, mit der Du fliegen wolltest. Du bekommst in aller Regel nur dann Geld zurück, wenn Du ein flexibles, stornierbares Ticket gekauft hast.

Falls Du ein nicht stornierbares Ticket gekauft und den Flug nicht angetreten hast, dann bekommst Du eigentlich nur die Steuern und Gebühren zurück. Die sind auf Deiner Rechnung separat ausgewiesen. Weitere Infos dazu findest Du in unserem Ratgeber Flug­stornierung.

In einigen Ländern gibt es jedoch besondere Regeln für die Stornierung wegen Corona. Danach sind die Fluggesellschaften verpflichtet, auch in diesen Fällen den Ticketpreis zu erstatten. Richtet sich Dein Vertrag zum Beispiel nach italienischem oder spanischem Recht, kannst Du wegen Corona kostenfrei stornieren, teilt das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) mit. Das ist dann der Fall, wenn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) steht, dass spanisches oder italienisches Recht gelten soll. Findest Du nichts dazu in den AGB, dann gilt das Recht des Landes, in dem Du wohnst, wenn der Flug entweder dort startet oder landet.

Fall 3: Du hast selbst storniert, aber der Flug fiel aus

In diesem Fall kannst Du aus unserer Sicht ebenfalls die vollständige Erstattung des Ticketpreises verlangen. Voraussetzung für eine Erstattung nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung (wie in Fall 1) ist allein, dass die Fluggesellschaft den Flug annulliert hat. Völlig unabhängig davon, ob der Fluggast vorher storniert hat oder nicht. Das sehen einige Fluggesellschaften allerdings anders.

So forderst Du die Erstattung

Mus­ter­schrei­ben Rückerstattung

Du schreibst am besten die Airline an und verlangst die Erstattung des Ticketpreises, nachdem der Flug wegen Corona ausgefallen ist. Dazu kannst Du unser Mus­ter­schrei­ben verwenden.

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Hast Du Deinen Flug über ein Buchungsportal oder einen anderen Vermittler gebucht, ist trotzdem grundsätzlich immer die Fluggesellschaft Dein erster Ansprechpartner für die Erstattung. Auch wenn Du den Ticketpreis direkt an das Buchungsportal bezahlt hast. Es schadet aber nicht, sich schriftlich an die Airline und das Portal zu wenden. Einige Vermittler und Reiseportale sind in der Corona-Zeit allerdings schlecht oder nicht mehr erreichbar und fühlen sich nicht zuständig.

Wie verhalten sich die Airlines?

Der Branchenverband Airlines for Europe geht davon aus, dass es in Europa insgesamt um rund 9,2 Milliarden Euro an zu erstattenden Ticketkosten geht. Die europäischen Fluggesellschaften fordern deshalb von der Europäischen Kommission eine Anpassung der Fluggastrechte-Verordnung. Die Ansprüche auf Rückerstattung in der Verordnung seien nicht vorgesehen für massenhafte Flugausfälle aufgrund einer solchen Pandemie. Statt Erstattung wollen sie Gutscheine als einzige Erstattungsvariante anbieten können. Viele Tausende Reisende warten noch auf ihr Geld.

Einige Fluggesellschaften weigern sich derzeit, die Flugtickets zu erstatten, da es sich bei der Corona-Pandemie um außergewöhnliche Umstände oder höhere Gewalt handele. Das ist nicht zulässig. Selbst außergewöhnliche Umstände lassen den Erstattungsanspruch nicht entfallen.

Andere stellen zwar eine Zahlung in Aussicht, bitten aber wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage in Folge der Corona-Krise um Geduld. So stellt Ryanair seinen Kunden, die sich gegen Umbuchung und Gutschein entscheiden, zu gegebener Zeit eine Rückerstattung in Aussicht, „wenn diese noch nie dagewesene Krise vorüber ist“. Das Amtsgericht Nürnberg erteilte diesem Argument aber laut Flightright eine klare Absage. Ryanair ist nach Auffassung des Gerichts nicht berechtigt, die Erstattung wegen der Corona-Pandemie aufzuschieben (AG Nürnberg, Az. 1 C 3826/20).

Air France hat die Fluggäste, die über ein Portal oder ein Reisebüro gebucht hatten, wegen der Erstattung des Ticketpreises an die Vermittler verwiesen. Das ist nicht zulässig. Nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung muss die Fluggesellschaft im Fall der Annullierung erstatten. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat Air France dazu abgemahnt.

Wieder andere bieten eine Umbuchung und statt Geld ausschließlich Gutscheine an. Die Lufthansa hat uns geschrieben, dass die geltenden Regeln der aktuellen Situation einer weltweiten Pandemie nicht gerecht werden. Erstattungen seien grundsätzlich möglich, aber nicht innerhalb der üblichen Fristen. Das Unternehmen Flightright hat mitgeteilt, dass es gegen Lufthansa mittlerweile mehr als 20 Urteile erstritten hat. Dabei hat sich die Fluggesellschaft in der Sache gar nicht verteidigt, sondern vor Gericht die Forderung anerkannt. 

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat zudem eine Klage gegen die Lufthansa wegen nicht erstatteter Tickets gewonnen (LG Köln, Urteil vom 9. Dezember 2020, Az. 84 0 152/20). Vor Gericht erklärte die Fluggesellschaft, sie werde die gesetzlichen Regelungen einhalten, Verbraucher korrekt und vollständig über ihre Ansprüche informieren und ihnen innerhalb von sieben Tagen nach Aufforderung den Preis für stornierte Flüge erstatten, berichtet die Verbraucherzentrale.

Eurowings und Laudamotion haben auch schon jeweils ein erstes Urteil kassiert, wie EUFlight uns mitteilte: Das Amtsgericht Nürtingen hat kurzen Prozess gemacht und entschieden, dass beide Fluggesellschaften jeweils den gesamten Ticketpreis erstatten müssen, die wegen Corona ausgefallen sind (Az. 10 C 1810/20, Az. 47 C 2626/20).

Condor-Fluggäste bekommen ebenfalls nur Gutscheine, falls sie vor dem 26. September gebucht hatten. Die Airline begründet das mit der Insolvenz der ehemaligen Konzernmutter Thomas Cook. Das Schutzschirmverfahren verbiete eine Erstattung bei Tickets, die vor dem Insolvenzantrag gebucht wurden, schreibt Condor an seine Kunden. Betroffene können entweder den Gutschein akzeptieren oder aber ihre Forderung zur Insolvenztabelle anmelden.

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