Gasumlage 2022

Die Umlage auf den Gaspreis, die dann doch nicht kam

Benjamin Weigl
Finanztip-Experte für Energie

Das Wichtigste in Kürze

Am 29. September 2022 hat die Bundesregierung das Ende der Gasumlage verkündet – zwei Tage, bevor Sie in Kraft getreten wäre.

  • Von 1. Oktober 2022 an bis zum März 2024 hätten Gaslieferanten die neue Gasbeschaffungsumlage auf den Gaspreis schlagen dürfen. Bis Dezember wären das rund 2,4 Cent pro Kilowattstunde gewesen.
  • Für Dich hätte das Kosten von zum Teil mehreren Hundert Euro bedeutet.
  • Die Umlage sollte Gasimporteure retten, die wegen ausbleibender Gaslieferungen aus Russland in Not geraten sind. Stattdessen werden die betroffenen Unternehmen durch staatliche Hilfen gestützt.

So gehst Du vor

  • Nach der Abschaffung der Gasumlage musst Du zunächst nicht aktiv werden. Angekündigte Preiserhöhungen im Umfang der Umlage sollte Dein Anbieter automatisch rückgängig machen.
  • Sollten auf einer Deiner Gasrechnungen ab Oktober 2022 irrtümlicherweise Abzüge für die Gasbeschaffungsumlage auftauchen, muss Dein Anbieter diese erstatten.
  • Aufgrund der hohen Gaspreise solltest Du dennoch auf hohe Nachzahlungen für das Abrechnungsjahr vorbereitet sein.

Russlands Krieg gegen die Ukraine hat für deutsche Verbraucher handfeste Folgen: Weil auf Gaslieferungen kein Verlass mehr ist, haben sich die Einkaufspreise für Erdgas im Jahr 2022 vervielfacht. Wenn auch Du zuhause mit Gas heizt – in Deutschland trifft das auf jede zweite Wohnung zu – musst Du Dich deshalb auf deutlich höhere Heizkosten gefasst machen. Und auch beim Kochen, für die Erzeugung von Fernwärme oder für warmes Wasser brauchen wir Gas.

Ab Oktober 2022 sollte die neue Gasumlage, auch Gasbeschaffungsumlage genannt, den Gaspreis zusätzlich steigen lassen. Allerdings wurde die Gasumlage noch vor ihrer Einführung wieder abgeschafft, sodass Du mit keinen Mehrkosten wegen der Umlage mehr rechnen musst. Ab Kapitel 2 dokumentiert dieser Ratgeber deshalb nur noch, weshalb und wie die Gasbeschaffungsumlage ursprünglich geplant war.

Was das Aus der Gasumlage für Dich bedeutet

Bundeskanzler Olaf Scholz, Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Bundesfinanzminister Christian Lindner haben bei einer Pressekonferenz am 29. September 2022 das Ende der geplanten Gasbeschaffungsumlage verkündet. Ab 1. Oktober 2022 hätten Gasanbieter von Dir die Umlage in Höhe von 2,4 Cent pro Kilowattstunde verlangen dürfen. Die meisten Gasanbieter hatten deshalb auch bereits Preiserhöhungsschreiben versendet, um die Kosten für die Gasumlage an die Verbraucher weiterzureichen.

Nach der Abschaffung der Gasumlage sollte Dein Anbieter bereits angekündigte Preiserhöhungen im Umfang der Umlage automatisch rückgängig machen. Du musst also nichts weiter unternehmen. Sollten auf einer Deiner Gasrechnungen ab Oktober 2022 irrtümlicherweise Abzüge für die Gasbeschaffungsumlage auftauchen, muss Dein Anbieter Dir diese Kosten nachträglich zurückerstatten. Mache Deinen Anbieter im Zweifel auf falsche Abrechnungen aufmerksam und verlange Dein Geld zurück. Allgemeine Preiserhöhungen, die über den Umfang der Gasumlage hinausgehen, sind davon nicht berührt.

Mehrwertsteuersenkung und Gaspreisbremse

Die angekündigte Mehrwertsteuersenkung für Gas von 19 auf 7 Prozent greift von Oktober 2022 bis einschließlich März 2024. Sie war ursprünglich als Entlastung für die Verbraucher, zeitlich parallel zur Gültigkeit der Gasumlage, gedacht, wird aber trotz Abschaffung der Gasumlage umgesetzt.

Zudem soll künftig eine Gaspreisbremse in Deutschland die deutlichen Preissteigerungen für Gaskunden abfedern. Alles dazu liest Du künftig in unserem Ratgeber Gaspreis. Außerdem findest Du Informationen zum Wechsel Deines Gasanbieters hier. Und mit dem Finanztip-Gasrechner kannst Du nach Gastarife vergleichen.

Was statt der Gasumlage kommt

Die Bundesregierung möchte die in Schieflage geratenen, relevanten Gasimporteure statt durch die Gasumlage nun durch finanzielle Hilfen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds unterstützen. Die drei hauptsächlich betroffenen Unternehmen SEFE, Uniper und VNG sollen also durch staatliche Unterstützung stabilisiert werden, anstatt die geplante Umlage von allen Gasverbrauchern dafür zu verwenden.

Die folgenden Abschnitte werden nicht mehr aktualisiert. Sie beschreiben das Modell der Gasbeschaffungsumlage, die letztendlich nicht eingeführt wurde. Du kannst darin nachlesen, was die Idee hinter der Gasumlage war und wie sie hätte funktionieren sollen.

Warum kommt die Gasumlage?

Rund zwei Drittel des nach Deutschland eingeführten Erdgases kamen bis 2021 aus Russland. Ein Teil der Importe stammte dabei aus Staaten wie Kasachstan, mit denen Russland Gas handelt.

Seit 2022 liefert Russland nicht mehr die vereinbarten Gasmengen. Deswegen wird dem russischen Staat vorgeworfen, Gas als Druckmittel zu verwenden, da Deutschland die Ukraine unter anderem mit Waffenlieferungen bei ihrer Verteidigung gegen den Angreifer Russland unterstützt. Die Firma Gazprom – sie gehört zur Hälfte dem russischen Staat – hat seit Mitte 2022 die über Pipelines nach Deutschland strömende Gasmenge reduziert und erfüllt bestehende Lieferverträge nicht mehr.

Das bringt deutsche Importfirmen in Schwierigkeiten – sie müssen Gas anderweitig teuer zukaufen, um zum Beispiel Stadtwerke, andere Gasanbieter oder Fernwärmeanbieter wie vereinbart beliefern zu können. Diese wiederum versorgen Dich zuhause mit Gas. Die Frage ist: Wer bezahlt die höheren Kosten?

Die Beschaffungspreise für Gas sind – auch schon vor Beginn des Ukraine-Kriegs – stark gestiegen: Im Juni 2021 kostete eine Kilowattstunde Erdgas noch 1,9 Cent, im Juni 2022 waren es schon 6,33 Cent pro Kilowattstunde. In diesem Importpreis stecken sowohl kurzfristig beschaffte Gasmengen als auch jene aus langfristigen, günstigeren Verträgen.

Gasgroßhändler, die aktuell neue Gasverträge abschließen müssen, werden mit deutlich höheren Preisen konfrontiert. An der Energiebörse EEX kostete im Juni 2022 eine Kilowattstunde 14 Cent, wenn sie im Herbst geliefert wird. Seither sind die Preise weiter gestiegen: Im August 2022 liegt der Preis schon bei über 25 Cent pro Kilowattstunde, wenn das Gas im letzten Quartal des Jahres geliefert wird.

Diese höheren Beschaffungspreise können die Großhändler aber nicht ohne Weiteres an Gaslieferanten weitergeben, wenn sie mit diesen günstigere Preise vertraglich vereinbart hatten. Den Großhändlern entstehen durch einen russischen Lieferausfall damit sehr hohe Kosten, die die Unternehmen in den Bankrott treiben könnten. Eine Pleite von Großhändlern könnte in einen Teufelskreis führen, der auch die Gaslieferanten trifft, die das Gas zu Dir nach Hause oder zu Unternehmen liefern. Ein Gaslieferant darf gegenüber Haushalten nur mit mindestens einem Monat Vorlauf die Preise erhöhen. Besteht eine Preisgarantie, ist eine Erhöhung nicht möglich. Gerade kleinere Unternehmen, etwa Stadtwerke, könnten dann ebenfalls in die Zahlungsunfähigkeit schlittern.

Damit das nicht passiert, hat die Bundesregierung eine neue Gasumlage beschlossen: die Gasbeschaffungsumlage. Am 9. August 2022 ist dafür die Gaspreisanpassungsverordnung in Kraft getreten. Die Verordnung legt fest, dass Gasimporteure entstehende Mehrkosten durch Lieferausfälle ab Oktober 2022 melden können und einen Anspruch auf Ersatz dieser Kosten haben.

Auf Basis der Meldungen der Gasimporteure wird eine Umlage errechnet, die Gaslieferanten für jede ab Oktober 2022 gelieferte Kilowattstunde Gas zu zahlen haben. Das Geld wird an die Importeure weitergereicht, damit sie ihre Rechnungen zahlen können. So sollen Pleiten von Großhändlern und Stadtwerken abgewendet und die Mehrkosten auf alle Gasverbraucher gleichmäßig verteilt werden. Der Hintergrund: Die Bundesregierung will nicht, dass Gasverbraucher – je nachdem, wer sie beliefert – unterschiedlich hohen Mehrkosten ausgesetzt sind.

Wie hoch ist die Gasumlage 2022 und später?

Die Gasumlage für Oktober bis Dezember 2022 beträgt 2,419 Cent pro Kilowattstunde. Wie auf alle anderen Bestandteile des Gaspreises wird zusätzlich Mehrwertsteuer auf die Umlage erhoben. Um die Verbraucher durch die Steuerkosten nicht noch mehr zu belasten, reduziert die Bundesregierung den Mehrwertsteuersatz auf den Gaspreis von bislang 19 auf 7 Prozent.

Alle drei Monate wird die Umlage neu berechnet, entsprechend der jeweils aktuellen Ansprüche, die die Gasgroßhändler über die Umlage geltend machen. Im August 2022 haben zwölf Großhändler voraussichtliche Mehrbelastungen ab Oktober in Höhe von rund 34 Milliarden Euro angemeldet: Axpo Solutions, DXT Commodities, EWE Trading, Enet Energy, Gunvor, RWE Supply & Trading, OMV Gas Marketing & Trading, SEFE Marketing & Trading, Uniper, Vitol, VNG Handel & Vertrieb und WIEH.

Allerdings sollen nach den Plänen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck nur Unternehmen von der Gasumlage profitieren, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Demnach müssen sie tatsächlich Hilfe benötigen, also momentan keine Gewinne erwirtschaften. Sie dürfen ihren Managern auch keine Bonusgehälter zahlen. Und sie sollten gleichzeitig einen relevanten Marktanteil am gesamten deutschen Gasverbrauch besitzen.

Die Ausgleichsansprüche nimmt in Deutschland die Trading Hub Europe GmbH (THE) entgegen. THE bekommt auch die von den Gaslieferanten gezahlte Umlage und zahlt sie an die Großhändler aus. Gegründet wurde die Firma von den deutschen Hochdrucknetzbetreibern, die auch ihre Gesellschafter sind. THE ist eine Art Pendant zu den Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern im Strommarkt: Die Gesellschaft sorgt dafür, dass das Gasnetz funktioniert und es zu keinen Störungen der Gasversorgung kommt. Im Gegensatz zu den Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern im Strommarkt gehört der THE aber kein Gasleitungsnetz.

Die Gasumlage 2023 und 2024

THE berechnet die Gasumlage für jedes Quartal neu und gibt eineinhalb Monate davor bekannt, wie hoch sie wird. Dabei stimmt sich THE mit dem Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesnetzagentur ab. Die Umlage für Januar bis März 2023 wird also bis 15. November 2022 öffentlich gemacht; die Umlage für April bis Juni 2023 bis 15. Februar 2023.

Wie hoch die Gasumlage ab Januar 2023 sein wird, ist offen: Dies hängt entscheidend davon ab, wie viel Gas die russische Gazprom durch die Pipelines lässt. Ein weiterer Einflussfaktor ist die Nachfrage in Deutschland und anderen Ländern Europas. Denn ein großer Teil des russischen Erdgases passiert Deutschland und strömt weiter nach Frankreich, Belgien oder Österreich. Die Nachfrage wiederum hängt auch von den Temperaturen im Herbst und Winter ab.

Da die Gasnachfrage naturgemäß im Herbst ansteigt, weil die Heizsaison beginnt, ist zu erwarten, dass auch die Gasumlage zu Neujahr 2023 steigt, wenn es bei den reduzierten Liefermengen durch die Pipelines aus Russland bleibt. Die Bundesregierung ist bei Verabschiedung der Gaspreisanpassungsverordnung davon ausgegangen, dass die Umlage maximal bei 5 Cent pro Kilowattstunde liegen könnte.

Erhoben wird die Gasumlage bis 1. April 2024. Spätestens bis dahin sollte sich die Lage bei der Gasbeschaffung entspannen. Die ersten Terminals für Flüssiggas sollen in Brunsbüttel und Wilhelmshaven bereits zum Jahreswechsel 2023 in Betrieb gehen. Die Biogasbranche will ihre Produktion erhöhen. Und Gasheizungen in Wohnhäusern sollen klimafreundlicheren Heiztechnologien Platz machen. Das fördert der Staat mit Zuschüssen und einer Prämie für den Austausch der Gasheizung.

Welche Regeln für Dich bei der Gasumlage gelten

Festgelegt ist, dass Gaslieferanten die Umlage an THE zu zahlen haben. Ob die Gaslieferanten die Umlage an ihre Kunden weiterreichen, ist dagegen nicht vorgeschrieben – ein Lieferant darf die Umlage einpreisen, er muss es aber nicht tun.

Will Dein Gasversorger die Umlage von Dir kassieren, muss er Dir ein Preiserhöhungsschreiben schicken. Dabei gilt in einem Sondervertrag eine Frist von einem Monat, in der Grundversorgung von sechs Wochen. In dem Preiserhöhungsschreiben muss Dich der Lieferant auf Dein Son­der­kün­di­gungs­recht hinweisen. Denn: Du darfst bei einseitiger Änderung des Liefervertrags – und dazu zählt eine Preiserhöhung – den Vertrag ohne Einhaltung der Kündigungsfrist zu dem Tag kündigen, ehe die neuen Preise gelten sollen. Eine außerordentliche Kündigung musst Du selbst schreiben.

Bevor Du kündigst, solltest Du aber in jedem Fall erst einmal prüfen, ob Du einen günstigeren Vertrag findest. Denn Neukundenverträge sind seit Ende 2021 deutlich teurer als Bestandskundenverträge. Bedenke zudem: Die Gasumlage müssen alle Gaslieferanten zahlen und geben sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an die Kunden weiter. Erhöht Dein Anbieter die Preise lediglich entsprechend der Umlage, ist das allein also kein Grund für eine Kündigung. Erhöht Dein Anbieter die Preise auf deutlich mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde, solltest Du dagegen einen günstigeren Lieferanten finden.

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Fällt Dir Dein Stadtwerk ins Auge, dann schließe direkt einen Grundversorgungsvertrag ab und warte nicht darauf, dass Du Deinem Grundversorger automatisch zugeteilt wirst. Das passiert, wenn Du Deinen bisherigen Vertrag kündigst und keinen neuen Vertrag eingehst. Aber Du landest dann nicht in der Grundversorgung bei Deinem Stadtwerk, sondern in seiner Ersatzversorgung. Dort können deutlich höhere Preise gelten als in der Grundversorgung. Nach drei Monaten Ersatzversorgung beginnt die Grundversorgung. Vor Ablauf der drei Monate muss der Grundversorger keinen Vertrag mit Dir eingehen. Da Du in der Ersatzversorgung keine Kündigungsfrist hast, kannst Du aber jederzeit einen Vertrag mit einem anderen Unternehmen schließen – vermutlich zu höheren Preisen, als sie in der Grundversorgung gelten.

Das Preisniveau von Gasverträgen ist seit Jahresbeginn 2022 gestiegen und erhöht sich weiter und weiter. Was zu Beginn der Heizsaison 2022 passiert, ist eine viel stärkere Preiserhöhung, als es durch die Umlage gerechtfertigt wäre: Viele Anbieter verdoppeln quasi die Preise. Wer bisher 10 Cent zahlte, soll ab Herbst 20 Cent zahlen. Wie kommt das? Die Beschaffungskosten sind seit Herbst 2021 hoch. Im Winter 2021/22 brauchten viele Stadtwerke ihre Preise noch nicht stärker erhöhen, weil sie langfristige Lieferverträge mit Großhändlern hatten und das Gas günstiger bezogen, als es am Markt aktuell gehandelt wurde. Nach und nach laufen diese langfristigen Lieferverträge aber aus und die Versorger müssen neue abschließen – zu den extrem hohen Preisen, die seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine herrschen. Diese höheren Kosten treiben im zweiten Halbjahr vorrangig die Gaspreise für Verbraucher nach oben. Die Gasumlage kommt noch obendrauf, hat aber an den Preiserhöhungen im Herbst 2022 einen vergleichsweise kleinen Anteil.

Hinweise für Mieter

Du wirst die Mehrkosten durch die Gasumlage in den meisten Fällen erst 2023 spüren. Dann nämlich, wenn Dein Vermieter Nachzahlungen mit der Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nung für das Jahr 2022 einfordert. Mit einer hohen Nachforderung musst Du im kommenden Jahr aber unabhängig von der Gasumlage rechnen. Erfrage bei Deinem Vermieter, welcher Gaspreis für Dich aktuell gilt.

Um hohe Nachzahlungen zu vermeiden, kannst Du theoretisch Deine monatlichen Abschlagszahlungen für die Nebenkosten erhöhen. Momentan ist es aber sehr schwierig, den richtigen Abschlag zu kalkulieren. Deshalb empfehlen wir stattdessen, jeden Monat Geld für die drohende Nachzahlung auf einem Tagesgeldkonto anzusparen. Auf Deinem Tagesgeldkonto ist das Geld sicher, bis Du es brauchst und genau weißt, wie teuer es am Ende tatsächlich wird.

Hinweis für Fernwärmekunden

Die Pläne der Bundesregierung sehen vor, dass auch Fernwärmekunden, die Energie aus Erdgas beziehen, die Gasumlage zahlen sollen. Eine entsprechende Regelung soll den Anbietern von Fernwärme ermöglichen, die Kosten an die Endverbraucher weiterzureichen.

Was bei einer Preisgarantie gilt

Ob Dein Versorger die neue Gasumlage ab 1. Oktober kassieren darf, obwohl Du einen Festpreis-Vertrag (Preisgarantie) vereinbart hast, ist rechtlich nicht abschließend geklärt. Allerdings sind bei sehr vielen Preisgarantien bestimmte Steuern, Umlagen oder vom Staat erhobene Abgaben oft ausgeklammert. Prüfe deshalb Deinen Gasvertrag. Ist bei Deiner Preisgarantie eine solche Klausel enthalten, dürfen Anbieter den Preis pro Kilowattstunde um die Höhe der Gasbeschaffungsumlage (2,419 Cent) und die darauf erhobene Mehrwertsteuer erhöhen.

 

Wie viel mehr müssen Haushalte jetzt zahlen?

Anhand Deines durchschnittlichen Gasverbrauchs und der Höhe der Gasumlage für die Monate Oktober bis Dezember lässt sich abschätzen, wie sich die Gasumlage auf Deine Energiekosten auswirken wird. Wir haben dafür einige Beispiele durchgerechnet. Die Gasumlage beträgt 2,419 Cent netto pro Kilowattstunde (kWh), hinzu kommt noch die Mehrwertsteuer. Weil die Bundesregierung die Mehrwertsteuer auf Gas und Umlagen von 19 auf 7 Prozent gesenkt hat, solange die Gasumlage erhoben wird, kommen wir mit den 7 Prozent Mehrwertsteuer auf eine Brutto-Gasumlage von 2,589 Cent pro Kilowattstunde.

Beispiel: Wenn Du alleine auf 50 Quadratmetern wohnst und einen Gasverbrauch von 5.000 Kilowattstunden im Jahr hast, schlägt die Gasumlage mit 129 Euro pro Jahr zu Buche. Diese Prognose gilt aber nur für die jetzige Höhe der Gasumlage – fällt sie in den restlichen Monaten des Jahres höher oder niedriger aus, verändern sich auch die Kosten für Dich.

Je größer Deine Wohnung oder Dein Haus ist und je mehr Personen im Haushalt leben, desto höhere Kosten wird die Gasumlage nach sich ziehen. Bei einer Familie mit Kind in einer 150-Quadratmeter-Wohnung und einem Jahresverbrauch von 18.000 Kilowattstunden sind es schon 465 Euro.

Auf der anderen Seite entlastet Dich als Verbraucher die Mehrwertsteuer-Senkung umso stärker, je höher der Gaspreis ist. Wir rechnen mit 20 Cent pro Kilowattstunde Gas (2021 lag der Preis noch bei etwa 7 Cent):

  • Bei 16.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch liegen Deine Kosten für Gas bei 3.200 Euro netto. Bei einer Mehrwertsteuer von 19 Prozent wären das 3.808 Euro brutto – vor Einführung der Gasumlage.
  • Rechnet man die Gasumlage von rund 2,4 Cent (netto) pro Kilowattstunde zum Nettopreis, kommen 387 Euro obendrauf. Gas (netto) + Gasumlage (netto) = 3.587 Euro.
  • Durch 7 Prozent statt 19 Prozent Mehrwertsteuer stehen auf der Rechnung dann am Ende 3.838 Euro brutto – also in etwa so viel wie ohne Gasumlage.

Die Steu­er­sen­kung gleicht die Mehrkosten durch die Gasumlage in diesem Beispiel also fast aus. Liegt der Gaspreis bei deutlich über 20 Cent, wirkt sich die Steuerentlastung sogar stärker aus als die Mehrbelastung durch die Gasumlage. Das ist ab einem Arbeitspreis von mehr als 21,57 Cent pro Kilowattstunde der Fall – die Steuerersparnis übertrifft dann die Kosten der Gasumlage. Wer im Herbst 2022 einen neuen Gasvertrag abschließt, muss oft noch viel höhere Arbeitspreise zahlen.

Wer kontrolliert die Importeure und ihre gemeldeten Ansprüche?

Wie weiter oben beschrieben, melden die Großhändler ihre Ansprüche zum Kostenausgleich im Voraus an und nicht erst, nachdem sie Ersatzmengen beschafft und weiterverkauft haben. Nach dem 1. April 2024 erfolgt daher eine Endabrechnung über den gesamten 18-monatigen Zeitraum, in dem die Gasumlage erhoben wurde. Hat ein Importeur mehr über die Umlage eingenommen, als ihm Mehrkosten entstanden sind, muss er die Differenz zurückzahlen.

Die Zahlung der Gasumlage an die Importeure leistet THE ohnehin unter einem Vorbehalt: Der Importeur muss Schadenersatzansprüche gegenüber dem Vertragspartner durchsetzen können, der das Gas nicht wie vereinbart geliefert und somit den Bezugsvertrag gebrochen hat. Die Gasimporteure sind der Verordnung zufolge sogar verpflichtet, ihre Scha­dens­er­satz­an­sprü­che zu prüfen und bei Aussicht auf Erfolg durchzusetzen.

Außerdem gibt es eine Kontrollinstanz für THE und die Gasimporteure: die Bundesnetzagentur. Wenn die Behörde es verlangt, müssen die Großhändler Unterlagen vorlegen, aus denen der gegenüber THE gemeldete Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich hervorgeht. Diese Unterlagen müssen einen Vermerk von einem Wirtschaftsprüfer oder einem vereidigten Buchprüfer tragen. Auch ob die Händler Scha­dens­er­satz­an­sprü­che verfolgen, müssen sie bei Aufforderung der Bundesnetzagentur vorlegen. Die Bundesnetzagentur überwacht auch die Tätigkeit von THE in Bezug auf die Gasbeschaffungsumlage.

Autoren
Ines Rutschmann
Benjamin Weigl

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