Gebrauchtes verkaufen

Wie Sie Ihre alten Sachen gewinnbringend loswerden

Daniel Pöhler Stand: 30. Juni 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Gute Chancen auf einen hohen Verkaufspreis haben Verkäufer auf Ebay und Amazon. Beide Plattformen verlangen eine Provision ab 10 Prozent des Verkaufspreises.
  • Kostenlos verkaufen Privatpersonen auf Kleinanzeigen-Seiten wie Ebay-Kleinanzeigen und Quoka. Allerdings ist der Käuferkreis dort kleiner und der Verkaufspreis tendenziell niedriger.
  • Noch weniger zahlen professionelle Ankäufer für Gebrauchtes. Der Vorteil ist aber, dass Sie Ihre Ware schnell und bequem loswerden.
So gehen Sie vor
  • Beschreiben Sie Ihre Ware wahrheitsgemäß und laden Sie mindestens ein oder zwei selbst geschossene Fotos hoch.
  • Lassen Sie Ebay-Auktionen möglichst lange laufen und beantworten Sie eventuelle Fragen der Interessenten.
  • Weniger gefragte Artikel können Sie auf Ebay-Kleinanzeigen oder Quoka auch für lange Zeit kostenlos einstellen. Versenden Sie nur, falls der Käufer den Preis vorab überweist.
  • Wenn Sie Ihre Sachen schnell loswerden wollen, nutzen Sie einen Ankaufsservice. Welcher den aktuell höchsten Preis zahlt, finden Sie zum Beispiel mit recyclingmonster.de heraus.

In den Schubladen, auf Dachböden oder in den Garagen der meisten Deutschen schlummern Schätze. Bücher, DVDs und Elektrogeräte haben irgendwann ausgedient, aber nicht jeder trennt sich konsequent von seinen alten Sachen. Dabei tut Entrümpeln der Seele gut – und kann noch einiges an Geld einbringen. Mit den richtigen Tipps werden Sie Gebrauchtes gewinnbringend los.

Welche Verkaufsplattformen kann ich nutzen?

Den höchsten Preis bringen tendenziell Verkaufsplattformen im Internet. Dort suchen die meisten Leute nach Ware. Meist schickt der Verkäufer den Artikel per Post oder Paketdienst an den neuen Besitzer; eine Abholung kann aber auch vereinbart werden. Die bekannteste Seite für private Verkäufe ist die Auktionsplattform Ebay. Aber auch beim Online-Versandhändler Amazon können Privatpersonen ihre Sachen anbieten. Zwischen den Plattformen gibt es Unterschiede.

Auf Ebay sind Versteigerungen üblich: Als Verkäufer legen Sie die Dauer der Auktion fest und wissen somit auch, wann Sie den Gegenstand loswerden. Nur wenn keinerlei Gebote eingehen, bleibt er darauf sitzen. Am Ende der Auktion erhält der Meistbietende den Zuschlag. Dieser zahlt aber meist nicht den vollen Betrag, den er eingegeben hat, sondern den des Zweitmeistbietenden mit einem geringen Aufschlag.

Alle Gebote bis auf das derzeit höchste sind sichtbar (modifizierte Vickrey-Auktion). Das höchste Gebot können Sie nur scheinbar erkennen, in Wirklichkeit jedoch nicht. Es wird lediglich das zweithöchste Gebot plus 1 Euro angezeigt, aber nicht, wie viel der aktuell Meistbietende wirklich eingegeben hat.

Vorteil für Sie: Bietergefechte zum Ende der Laufzeit sorgen dafür, dass der Preis nach oben schnellt. Alternativ oder als Ergänzung können Sie auf Ebay auch einen Festpreis verlangen (Sofortkauf).

Auf Amazon verkaufen Anbieter ausschließlich zum Festpreis. Damit können sie nach und nach heruntergehen, falls sie keinen Abnehmer finden. Das entspricht einer Rückwärtsauktion, auch holländische Auktion genannt. Sie hat für Verkäufer den Vorteil, dass potenzielle Käufer das Gefühl bekommen können, jetzt schnell zuschlagen zu müssen, bevor ein anderer ihm das begehrte Teil vor der Nase wegschnappt. Der Nachteil dabei ist, dass Sie als Verkäufer nicht wissen, wann die Versteigerung endet.

Eigenschaften von Ebay und Amazon

 EbayAmazon
VerkaufsformenVersteigerung, FestpreisFestpreis
Vorteil für VerkäuferBietergefechteKäufer empfinden Zeitdruck
Endzeitpunkt1, 3, 5, 7 oder 10 Tage für Auktionen, keiner für Festpreisangebote; Tageszeit einstellbarnein

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 29. Juni 2020)

Wollen Sie einen Artikel relativ schnell loswerden, bieten Sie ihn eher auf Ebay an. Dort profitieren Sie vom definierten Ende der Auktion, müssen aber unter Umständen Abstriche beim Verkaufspreis machen. Auf Amazon brauchen Sie manchmal etwas Geduld, wenn Sie sich schrittweise mit dem Preis nach unten bewegen. Wir empfehlen Amazon tendenziell für begehrte Waren wie aktuelle Smartphones oder Tablets, weil sich der Aufwand der Rückwärtsauktion dann in Grenzen hält und meist schnell ein Käufer gefunden wird.

Wie bekomme ich einen möglichst hohen Verkaufspreis?

Um den höchsten Preis zu erzielen, sollten Sie ein paar Dinge beachten.

Artikeltext - Beschreiben Sie den Artikel genau und vor allem ehrlich. Es nützt nichts, etwa einen großen Kratzer im Handy-Display zu verschweigen. Dafür würden Sie nur eine negative Bewertung kassieren, was weitere Verkäufe deutlich erschwert. Wenn der Artikel gut funktioniert, erwähnen Sie das ausdrücklich. Ergänzen Sie in jedem Fall: „Ich schließe Gewährleistung beziehungsweise Sachmängelhaftung aus.“ Andernfalls müssten Sie auch als Privatverkäufer zwölf Monate für die Funktionsfähigkeit haften.

Bilder - Zumindest von hochwertigeren Artikeln sollten Sie unbedingt Fotos machen und hochladen. Das vergrößert Ihre Chancen auf einen guten Verkaufspreis enorm, denn potenzielle Käufer „verlieben“ sich viel eher in ein schönes Bild als in nüchterne Fakten. Fotografieren Sie den Artikel am besten bei Tageslicht. Nutzen Sie nicht den Kamerablitz. Zeigen Sie auf den Fotos auch die beschriebenen Mängel – das schafft Vertrauen. Achtung: „Klauen“ Sie keine Bilder aus dem Internet, etwa von der Website des Herstellers. Dafür kann man eine teure Abmahnung kassieren.

Angebotsdauer (Ebay) - Da viele potenzielle Käufer einen Artikel erst eine Weile beobachten, bevor sie ein Gebot abgeben, kann eine lange Laufzeit hilfreich sein. Beachten Sie, dass Sie in der Zeit für Fragen der potenziellen Bieter zur Verfügung stehen sollten. Antworten Sie rasch! Bei Amazon wird sogar Ihre öffentlich sichtbare Verkäuferleistung abgewertet, falls Sie sich zu viel Zeit lassen mit der Beantwortung.

Auktionsende (Ebay) - Wenn Sie nichts vorgeben, startet die Auktion sofort und endet somit zur gleichen Uhrzeit, zu der Sie sie angelegt haben. Besser ist es, den Startzeitpunkt und damit das Ende zu planen. Das kostet nur 10 Cent extra und kann sich positiv auf den Verkaufspreis auswirken. Lassen Sie die Auktion enden, wenn viele Leute Zeit für Ebay haben, zum Beispiel mittags oder am frühen Abend.

Verkaufszeitpunkt - Lassen Sie nicht mehr benötigte Dinge nicht lange herumliegen, sondern verkaufen Sie sie zügig. Je länger Sie warten, desto weniger sind die Sachen wert. Besonders stark sinkt der Verkaufspreis von Elektrogeräten, wenn ein Nachfolgemodell erscheint. Ist beispielsweise absehbar, dass ein neues iPhone auf den Markt kommt und Sie wollen Ihres loswerden, dann verkaufen Sie es unbedingt, bevor der Nachfolger vorgestellt wird.

Was kostet es, auf Amazon oder Ebay zu verkaufen?

Ebay und Amazon können Sie als Verkäufer nicht umsonst nutzen. So berechnet Amazon mehrere Gebühren. Zu pauschalen 99 Cent für jeden Verkauf kommen noch hinzu: eine sogenannte Verkaufsgebühr (Tabelle unten) von 7 bis 45 Prozent (oft 15 Prozent) auf den Verkaufspreis ohne Versandkosten. Bei Medienartikel wird außerdem eine Abschlussgebühr fällig: rund 1 Euro für Bücher sowie rund 80 Cent für Musik, DVDs, Videos, Videospiele und Software. Auf alle Gebühren kommt noch die Mehrwertsteuer obendrauf. Umgekehrt erstattet Amazon je nach Artikel Versandkosten in Höhe von rund 2 bis 4 Euro.

Amazon-Verkaufsgebühren

Kategorien

Verkaufsgebühr

(netto)

Mindestgebühr

(netto)

Auto & Motorrad15 %0,30 €
Baumarkt12 %0,30 €
Bekleidung, Schuhe, Handtaschen15 %0,30 €
Bücher, Musik, Videos, DVD15 %
Computer & Elektronik7 %0,30 €
Computer/Elektronik-Zubehör15 % bis 100 €, darüber 8 %0,30 €
Fahrräder10 %0,30 €
Musikinstrumente & DJ-Ausrüstung12 %0,30 €
Schmuck20 % bis 250 €, darüber 5 %0,30 €
Software, Videospiele15 %
Sport & Freizeit15 %0,30 €
Uhren15 % bis 250 €, darüber 5 %1,50 €
Videospielkonsolen8 %
Zubehör für Amazon-Geräte45 %0,30 €
Vieles andere15 %0,30 €

Quelle: Amazon (Stand: 30. Juni 2020)

Die Gebühren für Verkäufer bei Ebay sind einfacher gestaltet. Die Provision beträgt grundsätzlich 10 Prozent auf den Verkaufspreis inklusive Versandkosten. Bei 199 Euro ist die Provision gedeckelt. Die Auktionsplattform verzichtet bis 300 Angebote im Monat auf eine fixe Gebühr. Insgesamt merkt man Ebay an, dass es ursprünglich für private Verkäufer entwickelt wurde, während Amazon eher ein Marktplatz für professionelle Händler ist.

Verkäuferkosten bei Amazon und Ebay im Vergleich

 fixe StartgebührProvisionweitere GebührenErstattungen
Amazon0,99 € plus MwSt.

15–45 % plus MwSt.

ab 0,80 € plus MwSt. für Bücher, Musik, DVDsVersandkosten 1,99 bis 4 €
Ebaymeistens 0 €10 %Startzeitplanung für 0,10 € empfehlenswert0 €

Quelle: Amazon, Ebay, eigene Recherche (Stand: 30. Juni 2020)

Wo kann ich ohne Kosten verkaufen?

Keine Provision verlangen Kleinanzeigen-Portale wie Ebay-Kleinanzeigen und Quoka. Der größte Unterschied zum „großen“ Ebay und Amazon besteht darin, dass die Ware in der Regel nicht verschickt werden soll. Die Käufer sollen sie persönlich abholen. Die Portale warnen zum Teil sogar ausdrücklich davor, einem Fremden Geld zu überweisen und dann darauf zu vertrauen, dass er das Gekaufte versendet. Dass die Waren abgeholt werden müssen, verkleinert den potenziellen Käuferkreis natürlich erheblich. Dadurch erzielen Verkäufer auch tendenziell einen geringeren Preis.

Trotzdem fragen Nutzer den Verkäufer manchmal, ob er bereit wäre, den Kaufgegenstand zu verschicken. Darauf sollten Sie sich als Verkäufer nur dann einlassen, wenn der Käufer bereit ist, den Preis plus Versandkosten vorab auf Ihr Konto zu überweisen. In dem Fall gehen Sie kein Risiko ein. Der Käufer muss sich hingegen darüber im Klaren sein, dass sein Geld weg ist, wenn er an einen unseriösen Verkäufer gerät.

Kleinanzeigen-Seiten eignen sich auch gut für weniger gefragte Dinge, da man sie dort kostenlos über einen längeren Zeitraum anbieten kann.

Wie kann ich schnell und unkompliziert verkaufen?

Falls Sie gerade ausgemistet haben und nun besonders viel Gebrauchtes ohne viel Aufwand zu Geld machen wollen, können Sie die Sachen an einen Ankäufer schicken. Ankaufportale im Internet nehmen Bücher, CDs, DVDs und Elektrogeräte an und überweisen dafür einen bestimmten Betrag an den Besitzer. Den Weiterverkauf übernehmen die Portale, was sie natürlich nicht umsonst machen – deshalb sind die Ankaufpreise deutlich geringer als der Wert, den Verkäufer bei Ebay oder Amazon erzielen könnten. Aber komfortabler ist der Ankauf allemal.

Um den Ankäufer zu finden, der aktuell den höchsten Preis für einen bestimmten Gegenstand bezahlt, sollten Sie ein Vergleichsportal nutzen, zum Beispiel recyclingmonster.de. Damit finden Sie die meistbietenden Ankäufer für Handys, Tablets, Spielkonsolen, iPods, Macbooks, Bücher, Musik, Filme und Computerspiele. Auf Elektronik spezialisiert ist das Portal handyverkauf.net vom selben Anbieter. Wir haben gute Erfahrungen mit den Seiten gemacht.

Auf dem Flohmarkt steht der Spaß im Vordergrund

In jeder größeren Stadt gibt es Flohmärkte, wo Raritäten angeboten werden, aber auch viel Plunder. Hier steht der Spaß im Vordergrund und nicht der Gewinn. Erkundigen Sie sich nach den Standgebühren und bringen Sie am besten einen Freund mit, damit die Stunden nicht langweilig werden.

Wie viel Sie erlösen, hängt von Ihrem Verhandlungsgeschick ab. Um Besucher anzulocken, platzieren Sie am besten einige Vorzeige-Gegenstände gut sichtbar vorne. Ähnlich funktioniert ein Garagen-Verkauf, wie Sie ihn vielleicht aus amerikanischen Filmen kennen. So eine Aktion ist vor allem für Wohnungsauflösungen sinnvoll. Die nicht verkauften Gegenstände können Sie spenden, zum Beispiel an ein Sozialkaufhaus oder eine Flüchtlingseinrichtung.

Muss ich den Gewinn versteuern?

Wer nur ab und zu etwas verkauft, der kann den Überschuss steuerfrei für sich behalten. Anders ist sieht es aus, wenn Sie öfter und gezielt Sachen mit Gewinn verkaufen. Die Gerichte urteilen immer nur im konkreten Einzelfall. So wurde eine Mutter als gewerblich eingestuft, die innerhalb eines Monats 80 Kleidungsstücke ihrer vier Kinder verkauft hatte (Landgericht Berlin, Entscheidung vom 5. September 2006, Az. 103 O 75/06). Es gibt jedoch auch deutlich großzügigere Richter.

Autor
Daniel Pöhler

Stand: 30. Juni 2020


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