Indexmietvertrag - Mieterhöhung

Doppelt teuer: Die Inflation steigt und Deine Miete auch

Dr. Britta Beate Schön
Finanztip-Expertin für Recht

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit einem Indexmietvertrag kann der Vermieter die Miete erhöhen, wenn die Verbraucherpreise steigen. Als Referenzwert dient allein der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts.
  • Die Miete steigt nicht automatisch entsprechend der Inflation; der Vermieter muss die Änderung der Miethöhe zumindest mit einer E-Mail geltend machen.
  • Eine Indexmiete darf nur einmal im Jahr erhöht werden.

So gehst Du vor

  • Bietet Dir Dein Vermieter einen Indexmietvertrag an und willst Du die Wohnung unbedingt, solltest Du mindestens für die nächsten drei Jahre eine Anpassung der Miete ausschließen. So bist Du wenigstens einige Zeit vor Mietsteigerungen geschützt – auch wenn die Inflation zunimmt.
  • Bekommst Du eine Mieterhöhung, weil die Verbraucherpreise steigen, solltest Du die Berechnung des Vermieters überprüfen.
  • Sinken die Verbraucherpreise, darfst Du weniger Miete zahlen. Dazu musst Du dem Vermieter mitteilen, wie sich Deine neue Miete berechnet.

Wer zur Miete wohnt und eine Indexmiete zahlt, konnte bisher den rasanten Anstieg der Mieten entspannt beobachten. Wegen der hohen Inflationsrate hat sich das nun geändert. Zusätzlich zu höheren Heizkosten musst Du Dich mit einem Indexmietvertrag auf eine Mieterhöhung einstellen – falls Du sie nicht schon bekommen hast. Wir erklären Dir, was Du zur Indexmiete wissen musst und wie Du bei einer Mieterhöhung vorgehst.

Was ist ein Indexmietvertrag?

Mit einer Indexmiete vereinbaren Mieter und Vermieter bereits im Mietvertrag, dass sich die Kaltmiete erhöht, wenn die Verbraucherpreise steigen. Die Preise ermittelt regelmäßig das Statistische Bundesamt und veröffentlicht sie in dem sogenannten Verbraucherpreisindex (VPI). Der entspricht der durchschnittlichen Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt. Als Referenzwert für Indexmieten ist nur der „Preisindex für die Le­bens­hal­tungs­kos­ten aller privaten Haushalte in Deutschland“ zugelassen. Die Indexwerte findest Du auf der Website des Statistischen Bundesamts.

Im gewerblichen Bereich kommen Indexmieten häufig vor. Seit 1993 sind Indexvereinbarungen auch für Wohnraummietverträge zulässig (§ 10a MHG a. F.). Die Mietrechtsreform im Jahr 2001 führte zudem eine gesetzliche Regelung zur Indexmiete in das Bürgerliche Gesetzbuch ein (§ 557a BGB).

In der Praxis waren Indexmieten für private Wohnungen bisher eher die Ausnahme. Sie waren aus Sicht der Vermieter eher unattraktiv, da die Verbraucherpreise viel langsamer stiegen als die ortsüblichen Mieten – vor allem in den Ballungszentren. Laut Mietenbericht 2020 des Bundesbauministeriums enthalten nur 10 Prozent der Mietverträge privater Vermieter Staffel- oder Indexmietklauseln. Aber Indexverträge werden immer beliebter. Der Mieterverein Hamburg beobachtet, dass fast die Hälfte aller Neuvermietungen in den großen Städten in Deutschland entweder eine Staffelmiete oder eine Indexmiete vorsehen.

Die Vertragsparteien müssen sich schriftlich auf eine Indexmiete einigen (§ 126 BGB). Dies kann bei Vertragsabschluss geschehen, aber auch während eines bestehenden Mietverhältnisses als Vertragsergänzung. Im Mietvertrag muss genau stehen, nach welchem Preisindex sich die Erhöhungen richten sollen und wann der Vermieter die Miete erhöhen darf.

Dies ist ein Beispiel für eine Indexklausel im Mietvertrag:

„Die Parteien vereinbaren, dass sich die Kaltmiete im gleichen prozentualen Verhältnis erhöht oder ermäßigt, wie sich der Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte in Deutschland (VPI) des Statistischen Bundesamts gegenüber dem Stand des vorangegangenen Jahres in Punkten verändert hat, wobei die Nettokaltmiete – abgesehen von den Mietänderungen aufgrund der §§ 559 und 560 BGB – jeweils mindestens ein Jahr unverändert bleibt.

Im Falle der Erhöhung des Mietzinses hat der Vermieter, im Falle der Ermäßigung des Mietzinses der Mieter dem anderen Vertragspartner die Änderung unter Vorlage der entsprechenden vom Statistischen Bundesamt bekannt gegebenen Indexziffern nachzuweisen. Die Änderung der Nettokaltmiete bedarf einer Erklärung in Textform, die die eingetretene Änderung des Preisindexes und die jeweils neue Miete in einem Geldbetrag ausweist. Die Erklärung bewirkt eine Mietänderung mit Beginn des übernächsten Monats nach deren Zugang.“

Häufig findet sich zusätzlich in den Indexverträgen die Regelung, dass die Anpassung nicht jedes Jahr erfolgen muss, sondern zum Beispiel erst dann, wenn der Verbraucherpreisindex auf ein bestimmtes, vorab definiertes Niveau gestiegen ist. Damit sind Mieterhöhungen ausgeschlossen, wenn sich der Verbraucherpreisindex nur minimal verändert hat.

Für eine Indexmiete gibt es keine Mindestlaufzeit; sie kann daher sowohl in einem befristeten Mietvertrag als auch in einem unbefristeten Vertrag vereinbart werden.

Wann erhöht sich die Indexmiete?

Die Miete erhöht sich nicht automatisch, sondern erst, wenn die Inflation steigt und der Vermieter sich auf die Indexklausel beruft, um die Miete entsprechend zu erhöhen.

Mieter und Vermieter sind allerdings nicht gezwungen, bei Änderungen des Preisindexes tätig zu werden. Der Vermieter kann die Miete auch erst nach einem längeren Zeitraum erhöhen oder ganz darauf verzichten (BGH, Urteil vom 26. Mai 2021, Az. VIII ZR 42/20).

Schon 2021 lag die Inflationsrate im Schnitt bei 3,1 Prozent, was ungewöhnlich hoch ist. Für 2022 rechnen die führenden Wirtschaftsinstitute mit 6,1 Prozent Inflation. Es ist nicht absehbar, ob und wann die Verbraucherpreise wieder sinken. Du solltest Dich auf eine längere inflationäre Phase einstellen und somit auf steigende Mieten – wobei es unwahrscheinlich ist, dass die Teuerungsrate so hoch bleibt wie aktuell.

Eine Indexmiete darf höchstens einmal alle zwölf Monate steigen (§ 557b BGB) – und erst ab dem übernächsten Monat, nachdem Dein Vermieter die Erhöhung angekündigt hat. Deine Miete bleibt also mindestens ein Jahr unverändert.

Es reicht, wenn Dein Vermieter Dir eine E-Mail schickt, in der die eingetretene Änderung des Preisindex und die Erhöhung in einem Geldbetrag stehen. Denn Textform ist ausreichend.

Wie berechnet sich die höhere Miete?

Ein Anstieg der Le­bens­hal­tungs­kos­ten um beispielsweise sechs Punkte im vergangenen Jahr bedeutet nicht, dass der Vermieter die Miete um 6 Prozent erhöhen darf. Vielmehr muss die Veränderung der Miete der prozentualen Veränderung der Le­bens­hal­tungs­kos­ten entsprechen.

Die Berechnungsformel lautet:

[(neuer Indexstand : alter Indexstand) x 100] – 100 = Prozentsatz der Änderung]

Die Indexstände nach Punkten findest Du beim Statistischen Bundesamt. Ausgangsmonat ist entweder der Beginn des Mietverhältnisses oder der Monat, ab dem Du die letzte Mieterhöhung zahlen musstest.

Eine Rechenhilfe bietet das Statistische Bundesamt:

Beispiel: Arndt hat im Mai 2019 einen Indexmietvertrag unterzeichnet. Die Kaltmiete beträgt 500 Euro zuzüglich 90 Euro Nebenkostenvorauszahlung. Der Vermieter kündigt im Juli 2022 wegen gestiegener Verbraucherpreise eine Mieterhöhung an.

 MieteMonatePunkte nach VPI
Ausgangsmiete500 €Mai 2019105,4 Punkte
  Juni 2022117,4 Punkte
Veränderung in Punkten  12 Punkte
Veränderung in Prozent  11,4 %
Erhöhungsbetrag57 €  
Neue Kaltmiete ab September 2022557 €  
Neue Gesamtmiete647 €  

Arndt muss ab September 2022 eine Gesamtmiete von 647 Euro zahlen, da sich die Verbraucherpreise vom Mai 2019 bis zum Moment der Ankündigung der Mieterhöhung um 11,4 Prozent erhöht haben.

Gibt es Grenzen bei der Mieterhöhung?

Die Mietpreisbremse gilt auch bei Indexmieten – allerdings nur bei der Ausgangsmiete. Die darf auch bei einer Indexmiete höchstens 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Für die einzelnen Mieterhöhungen einer Indexmiete gilt die Mietpreisbremse nicht.

Die Kappungsgrenzen von 20 oder 15 Prozent gelten bei der Erhöhung einer Indexmiete nicht. Diese Grenze stellt bei einer Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete einen wichtigen Schutz für Mieter dar. Vor diesem Hintergrund fordert der Deutsche Mieterbund, dass in Zukunft auch für Indexmieten eine Kappungsgrenze gelten soll von bis zu 2 Prozent pro Jahr. Denn einige Indexmieter müssen erhebliche Steigerungen verkraften, die zum Teil deutlich über den sonst geltenden Kappungsgrenzen liegen. Würde die vorgeschlagene Regelung umgesetzt, dürften auch Indexmieten höchstens um 2 Prozent im Jahr steigen. Die Bundesbauministerin Geywitz hat angekündigt, die Praxis von Indexmieten angesichts der steigenden Inflation prüfen zu lassen.

Eine Erhöhung durch einen Indexmietvertrag, die so drastisch ist, dass die zukünftige Miete 50 Prozent oder mehr über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt, ist als Mietwucher einzustufen und dementsprechend unzulässig (§ 138 BGB).

Wenn Du ein Schreiben mit einer Anpassung Deiner Miete an den Verbraucherpreisindex bekommen hast, solltest Du es genau auf folgende Punkte prüfen:

  • Sind zwölf oder mehr Monate seit der letzten Erhöhung vergangen?
  • Stimmt die angegebene Preissteigerung?

Im Schreiben muss eindeutig stehen, wie hoch die bisherige Kaltmiete war, um wie viel sie steigen soll und welchen Betrag Du künftig zahlen sollst. Du solltest selbst nachrechnen, wie hoch die Preissteigerung seit der letzten Erhöhung beziehungsweise seit Deinem Einzugsmonat ausgefallen ist. Der „Wertsicherungsrechner“ des Statistischen Bundesamts hilft die prozentuale Veränderung zu ermitteln.

Es kann vorkommen, dass Du in Deiner Rechnung zwei Jahre berücksichtigen musst: Einige Vermieter haben in den vergangenen Jahren zunächst auf eine Anhebung verzichtet, weil die Inflation besonders niedrig war – 2020 lag sie zum Beispiel nur 0,5 Prozent über der Teuerungsrate von 2019. Dann kann der Vermieter die Inflation für beide Jahre in Summe auf die Miete aufschlagen.

Falls Du Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer Mieterhöhung hast, kannst Du Dich an einen Mietrechtsdienstleister, einen Fachanwalt für Mietrecht oder an den örtlichen Mieterverein wenden, falls Du dort Mitglied bist. Mehr dazu im Ratgeber Mieterhöhung.

Ein Son­der­kün­di­gungs­recht steht Dir nicht zu, wenn der Vermieter die Miete entsprechend des Anstiegs der Verbraucherpreise erhöht. Du bist also an den Vertrag gebunden, wenn Du einen befristeten Mietvertrag geschlossen hast und nicht ordentlich kündigen darfst. Ansonsten kannst Du Deinen Mietvertrag jederzeit mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten kündigen.

Kann die Miete auch wieder sinken?

Sollten die Verbraucherpreise wieder sinken, so kann eine Indexmiete ebenfalls entsprechend sinken. Das funktioniert nicht automatisch. Du musst in diesem Fall als Mieter eine Mietanpassung gegenüber Deinem Vermieter geltend machen (§ 557b Abs. 3 BGB). Sollten sich die Verbraucherpreise entsprechend entwickeln, werden wir einen Musterbrief zur Verfügung stellen, mit dem Du Deine Miete reduzieren kannst.

Vor- und Nachteile einer Indexmiete?

In Zeiten niedriger Inflation und rasant steigender Mieten kann für Mieter eine Indexmiete günstig sein. Steigt die Inflation allerdings wie im Moment, ist eine Indexmiete doppelt schlecht: Denn als Mieter musst Du die höheren Verbraucherpreise zahlen und zusätzlich erhöht sich Deine Miete. Von Nachteil ist auch, dass bei der Mieterhöhung nach Index keine Kappungsgrenze gilt.

Die Indexmiete hat einen Vorteil für Mieter: Mieterhöhungen für Modernisierungen sind im Prinzip ausgeschlossen. Es gibt aber Ausnahmen, wenn ein Vermieter gesetzlich zu Modernisierungen verpflichtet ist, um die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes einzuhalten (§ 557b Abs. 2 BGB).

Autor
Dr. Britta Beate Schön