Mieterstrom

Wie Du als Mieter von günstigem Solarstrom profitierst

Ines Rutschmann Stand: 28. August 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Als Mieter kannst Du direkt Solarstrom geliefert bekommen – wenn es auf Deinem Wohnhaus eine Solarstromanlage gibt.
  • Auf diesen Mieterstrom fallen keine Netzentgelte und andere Kosten an. Er kann deshalb günstiger sein als die Energie aus dem Stromnetz.
So gehst Du vor
  • Ein Mieterstrom-Tarif kann so preiswert sein wie ein günstigster Ökostrom-Tarif. Bietet Dir ein Versorger Mieterstrom an, dann vergleiche das Angebot mit anderen Tarifen über unseren Stromrechner.
  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Deinen Tarif direkt abschließen kannst. Alle Empfehlungen erfolgen rein redaktionell und 100 Prozent unabhängig.

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  • Ein Mieterstrom-Anbieter kann Dich vollständig mit Strom versorgen. Der Anbieter kümmert sich dann um den Vertragswechsel zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Deine Stromversorgung bleibt dabei jederzeit sicher.
  • Liefert der Anbieter nur Strom, wenn er gerade erzeugt wird, dann bleibt Dein bisheriger Stromliefervertrag bestehen. Du beziehst darüber aber weniger Strom aus dem Netz.

Als Mieter in einem Wohnhaus bist Du gegenüber Besitzern von Eigenheimen im Nachteil. Du finanzierst zwar über den Strompreis die Förderung von Photovoltaikanlagen, Du kannst den günstigen Solarstrom aber nicht direkt nutzen. Einfach ein Kraftwerk auf dem Mietshaus errichten – das kannst Du nicht, denn es gehört Dir nicht. Um trotzdem vom günstigen Solarstrom profitieren zu können, kannst Du Solarstrom von Deinem Hausdach geliefert bekommen, als Mieterstrom.

Bei Mieterstrom handelt es sich nicht ausschließlich um Solarstrom. Mieterstrom kann auch aus Windrädern oder Blockheizkraftwerken stammen, wenn die Energie dabei nicht durchs öffentliche Stromnetz, sondern direkt zum Verbraucher fließt. In diesem Ratgeber geht es vorwiegend um solaren Mieterstrom.

Warum kann sich Mieterstrom für Dich lohnen?

Jeder Betreiber einer Photovoltaikanlage auf einem Hausdach kann seinen Solarstrom an die Mieter im Haus verkaufen. Dann ist er Energieversorger und kann auch Dein Vertragspartner werden. Der Anlagenbetreiber muss dabei nicht Dein Vermieter sein. Es ist auch möglich, dass er sein Dach verpachtet. Klassische Energielieferanten kooperieren dazu überall in Deutschland mit Unternehmen der Wohnungswirtschaft. Schätzungsweise 30.000 Haushalte beziehen solaren Mieterstrom. Die Wohnhäuser befinden sich über alle Bundesländer verteilt, in größeren wie kleineren Städten, sehr viele in Frankfurt/Main, Berlin und München.

Soll auf Deinem Wohnhaus eine PV-Anlage errichtet werden oder ziehst Du in ein Haus, auf dem schon ein System installiert ist, wirst Du ein Angebot für Mieterstrom erhalten. Sieh es Dir an – der Tarif sollte günstig sein.

In den uns bekannten einheitlichen Mieterstrom-Tarifen zur Vollversorgung gehören diese zu den günstigsten Tarifen für nachhaltigen Ökostrom und sind 8 bis 20 Prozent günstiger als die Grundversorgung in der jeweiligen Stadt. Die Anbieter sind Stadtwerke. Aber auch klassische Ökostromlieferanten wie Naturstrom und Polarstern betreiben Mieterstromanlagen, allerdings nicht konzentriert in einer Stadt und damit auch nicht mit einheitlichen Tarifen.

Beispiele für Mieterstrom-Tarife zur Vollversorgung

Tarif und OrtStromversorgerGrundpreis
in Euro/Monat
Arbeitspreis in Cent/kWh
Fürthstrom direkt, FürthInfra Fürth8,7724,43 / 26,77
Berlinstrom Sonne+, BerlinBerliner Stadtwerke8,6824,86
Strom Regio Solar, Nürnberg und UmgebungN-Ergie 6,43 / 8,8527,56 / 25,5
Strom lokal PV, Frankfurt/MainMainova6,5829,48

Die Daten in der Tabelle stammen von den Versorgern und gelten einheitlich für alle Kunden von Mieterstrom des jeweiligen Anbieters. Bei N-Ergie in Nürnberg gelten 6,43 Euro Grundpreis und 27,56 Cent Arbeitspreis bei einem Stromverbrauch von bis zu etwa 1.400 Kilowattstunden und 8,85 Euro Grundpreis und 25,5 Cent Arbeitspreis bei höherem Stromverbrauch. Abgerechnet wird zu den Preisen, die je nach Verbrauch für den Kunden günstiger sind. Bei Infra Fürth kostet der Solarstrom vom Dach 24,43 Cent pro Kilowattstunde und der über das Stromnetz gelieferte Reststrom 26,77 Cent pro Kilowattstunde. Alle Preise sind mit 16 Prozent Mehrwertsteuer angegeben.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 28. August 2020)

Dass Mieterstrom günstig ist, hat einen Grund: Es fallen auf direkt gelieferten Strom, der nicht durch das öffentliche Stromnetz fließt, keine Entgelte für die Nutzung der Leitung und des Weges an. Weitere Umlagen auf den Strompreis sowie die Stromsteuer gibt es ebenfalls nicht. Wie günstig Mieterstrom ist, kannst Du prüfen – vergleiche einfach die Preise aus Deinem Angebot mit denen aus alternativen Verträgen. Nutze dazu gern unseren Stromrechner.

Mit Mieterstrom kannst Du aber nicht nur Geld sparen. Du tust auch etwas für den Klima- und Umweltschutz. Schließlich wird der Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen und am Ort seiner Erzeugung verbraucht. Im Gegensatz zu anderen Tarifen für Ökostrom weißt Du zudem genau, woher ein großer Teil der Energie kommt – direkt vom Dach.

Vergleiche Stromtarife mit dem Finanztip-Stromrechner

Die Ergebnisliste unseres Vergleichsrechners enthält Werbelinks zu Stromtarifen von Check24 und Verivox. Alle Empfehlungen erfolgen redaktionell unabhängig und erfüllen unsere strengen Finanztip-Kriterien.

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Der Finanztip-Stromrechner basiert auf Daten der Check24 Vergleichsportal Energie GmbH sowie der Verivox GmbH. Diese haben wir mit unseren Parametern so gefiltert, dass Du ein verbraucherfreundliches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien erhältst. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir keine Haftung.

Für Daten der Check24 Vergleichsportal Energie GmbH: © 2020 Check24.de

Für Daten der Verivox GmbH: © Verivox GmbH – www.verivox.de – alle Angaben ohne Gewähr (Stand: 2020). Das Angebot darf nur für den privaten Gebrauch genutzt werden. Eine Vervielfältigung oder Verbreitung des Angebots oder der auf diesen Seiten angezeigten Informationen – ganz oder auszugsweise, gleich in welcher Form – und jede Form der kommerziellen Verwendung ist nicht ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Verivox GmbH zulässig.

Willst Du über Verivox oder Check24 den Vertrag abschließen, leiten die Portale den Vertragswechsel ein. Der Abschluss kommt in der Regel erst zustande, wenn Dich der gewählte Versorger anschreibt und den Vertrag bestätigt. Ab dann bleiben 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen.

Worauf solltest Du bei Vertragsschluss achten?

Bei Abschluss eines Vertrags für solaren Mieterstrom gehst Du kein Risiko ein: Du stehst nicht ohne Strom da, wenn beispielsweise die Sonne nicht scheint. Dein Anschluss an das öffentliche Stromnetz bleibt bestehen. Fließt kein Sonnenstrom, beispielsweise nachts, kannst Du Strom über das Netz beziehen. 

Unterschiede gibt es bei der vertraglich vereinbarten Liefermenge: Der Lieferant bietet Dir entweder eine Vollversorgung oder er deckt nur einen Teil Deines Strombedarfs.

Klassische Energielieferanten bieten in der Regel eine Vollversorgung an. Fließt Solarstrom vom Dach, können die Mieter im Haus diesen direkt verbrauchen. Überschüsse wandern ins Stromnetz. Reicht der Solarstrom vom Dach nicht aus oder steht die Photovoltaikanlage nach Sonnenuntergang still, liefert der Versorger den benötigten Strom über das Stromnetz. Seine Preise ergeben sich damit aus einer Mischkalkulation: Geringere Kosten für den direkt verbrauchten Solarstrom, höhere Kosten für den über das Stromnetz gelieferten.

Wohnst Du in einem Ein- oder Zweifamilienhaus zur Miete und Dein Vermieter betreibt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, kann er Dir auch Solarstrom liefern. Hat er keine Lust, sich mit Abgaben, Netzentgelten oder der Stromsteuer zu beschäftigen, beschränkt er sich auf eine Teilversorgung seiner Mieter. Das bedeutet, Du kannst den Solarstrom vom Dach direkt nutzen, wenn er anfällt. Deinen darüber hinaus gehenden Bedarf liefert Dir ein anderer Versorger über das öffentliche Stromnetz. Damit hast Du dann zwei Lieferanten und auch zwei Stromverträge: Einen für Mieterstrom und einen für Netzstrom.

Der Mieterstrom sollte dabei deutlich günstiger sein als der Netzstrom. Die für Mieterstrom anfallenden Kosten sind überschaubar: die Erzeugungskosten für den Strom, die EEG-Umlage, ein Entgelt für den Stromzähler, der Deinen Mieterstrombezug misst, der Arbeitsaufwand Deines Lieferanten und eventuell die Mehrwertsteuer. 20 bis 25 Cent pro Kilowattstunde sollte der Strom kosten. Ist die Anlage bereits abgeschrieben, geht es auch noch günstiger.

Vertragsbedingungen und Kündigung

Für alle Mieterstrom-Verträge gelten dieselben gesetzlichen Regelungen wie für andere Stromverträge auch. So darf ein Vertrag

  • maximal 24 Monate laufen,
  • die Verlängerung maximal zwölf Monate betragen und
  • die Kündigungsfrist bei maximal drei Monaten zum Ende der Laufzeit liegen (§ 309 Nr. 9 BGB).

Bietet der Lieferant eine Vollversorgung, kann er für Dich den Stromanbieterwechsel erledigen und die Kündigung bei Deinem bisherigen Anbieter übernehmen. Einzige Ausnahme: Du nutzt Dein Sonderkündigungsrecht und kündigst Deinen aktuellen Vertrag außerordentlich – dann musst Du die Kündigung selbst schreiben. Überlegst Du es Dir nach Abschluss des neuen Vertrags wieder anders, hast du 14 Tage Zeit, den neuen Vertrag zu widerrufen (§ 355 BGB)

Einmal im Jahr muss Dir der Lieferant eine Abrechnung schicken (§ 40 Abs. 4 EnWG). Auf dieser sollte ausgewiesen sein, woher der Strom stammt. Bei einer Teilversorgung ist dies klar – es handelt sich ausschließlich um Solarstrom. Wirst Du vollständig versorgt, kannst Du in der Abrechnung sehen, woher der restliche Strom stammt, den nicht die PV-Anlage auf dem Dach erzeugt hat.

Erhöht der Lieferant seine Preise, hast Du ein Sonderkündigungsrecht (§ 41 Abs. 3 EnWG). Das bedeutet: Du kannst kündigen, ehe die neuen Preise gelten und ohne, dass Du die Kündigungsfrist einhalten musst. Die monatlichen Abschlagszahlungen sollen sich an Deinem Verbrauch orientieren (§ 41 Abs. 2 EnWG). Sind sie höher, kannst Du eine Anpassung verlangen. Nutze dafür gern unseren Musterbrief.

Musterbrief

Wichtig bei Mieterstrom-Angeboten ist weiterhin, dass der Vertrag nicht an den Mietvertrag gebunden ist und keine Reparatur- oder Wartungskosten über die Nebenkosten berechnet werden. Enthält ein Vertrag derlei Klauseln, dann schlage ihn lieber aus.

Für bestimmte Mieterstrom-Verträge sind solche Klauseln ohnehin verboten – nämlich, wenn der Anlagenbetreiber eine staatliche Förderung erhält. Für solche Mieterstrom-Angebote gelten besondere Regeln.

Wie fördert der Staat solaren Mieterstrom?

Erste Solaranlagen zur Versorgung von Mietern im Haus gingen 2013 in Betrieb. Seit Sommer 2017 gibt es auch eine gesetzliche Förderung für solche Projekte: den Mieterstromzuschlag. Über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) können Betreiber von Photovoltaikanlagen auf Dächern eine Förderung vom Staat erhalten, wenn sie den Solarstrom an Kunden im selben oder im benachbarten Haus liefern. Den Zuschlag gibt es einzig für solaren Mieterstrom und zwar aus PV-Anlagen, die seit 25. Juli 2017 in Betrieb gingen.

Bei der Verabschiedung des Zuschlags versprach sich der Staat von diesem den Bau von rund 12.500 Mieterstrom-Anlagen. Drei Jahre später zeigte sich, dass dieses Ziel noch fern ist. Bis Juli 2020 erhielten rund 1.600 Projekte mit rund 33 Megawatt Leistung einen Zuschlag. Dass die Wirkung des Zuschlags weit unter den Erwartungen liegt, haben die Autoren des Evaluierungsberichts bereits im September 2019 festgestellt.

Dass die Förderung keinem stärkeren Zubau geführt hat, liegt an ihrer Höhe. Diese war 2017 für viele Anlagenbetreiber noch interessant, hat sich aber – wie jede andere Förderung über das EEG auch – seither jeden Monat verringert. Anlagen mit mehr als 41 Kilowatt Leistung erhalten im September 2020 keinen Zuschlag mehr. Bei kleineren Anlagen beträgt die Förderung maximal 0,27 Cent pro Kilowattstunde. Energiebranche und Immobilienwirtschaft drängen darauf, dass die Förderung angehoben wird. Ende September will die Bundesregierung einen Entwurf für ein neues EEG verabschieden, inklusive neuen Regeln beim solaren Mieterstrom.

Aufgrund der dürftigen Förderung errichten Investoren auch Mieterstrom-Anlagen ohne Zuschlag. Insgesamt gibt es bundesweit rund 2.000 Mieterstrom-Anlagen mit 55 Megawatt Leistung, hat die Beratungsgesellschaft Urbane Energie 2020 ermittelt.

Dass ein Anlagenbetreiber keine Förderung beansprucht, kann noch andere Gründe als die Höhe des Zuschlags haben. Hat eine Anlage auf dem Dach eine Leistung von mehr als 100 Kilowatt, gibt es ohnehin keine Förderung. Zudem ist der Zuschlag an bestimmte Bedingungen geknüpft, die nicht jeder Lieferant erfüllen will. Wer geförderten Mieterstrom anbietet, muss seine Kunden beispielsweise vollständig versorgen. Und der Vertrag darf maximal ein Jahr laufen.

Wie sieht die Lieferung von gefördertem Mieterstrom aus?

Nimmt der Lieferant die gesetzliche Förderung in Anspruch, ist er verpflichtet, Dich vollständig mit elektrischer Energie zu versorgen (§ 42a Abs. 2 EnWG). Reicht die Solarstromproduktion nicht aus, um Deinen Verbrauch zu decken, muss der Versorger zusätzlichen Strom besorgen.

Das Extrageld vom Staat soll es den Anlagenbetreibern ermöglichen, den Strom günstig anzubieten. Die Bedingung ist dabei, dass der Tarif mindestens 10 Prozent günstiger ist als jener des Grundversorgers (§ 42a Abs. 4 EnWG). Das ist der Lieferant mit den meisten Kunden in einem Ort, er beliefert Dich automatisch, wenn Du keinen Vertrag mit einem Stromlieferanten abgeschlossen hast.

Der Liefervertrag für geförderten Mieterstrom darf nicht Bestandteil des Mietvertrags sein (§ 42a Abs. 2 EnWG). Wenn Du in eine Wohnung einziehst, deren Vormieter Solarstrom vom Dach genutzt hat, musst Du das nicht auch tun. Du kannst den Liefervertrag für Mieterstrom ausschlagen und Dir einen alternativen Anbieter suchen. Oder Du entscheidest Dich für das Angebot. Wenn Du den Stromvertrag wieder kündigst, wirkt sich das genauso wenig auf Deinen Mietvertrag aus. Sobald Du aber Deinen Mietvertrag kündigst oder er ausläuft, endet auch Dein Mieterstromvertrag automatisch zum selben Zeitpunkt.

Entscheidest Du Dich für Mieterstrom, darf der Stromliefervertrag höchstens ein Jahr laufen und sich dann um jeweils ein weiteres Jahr verlängern (§ 42a Abs. 3 EnWG). Die Kündigungsfrist beträgt längstens drei Monate. Ein Anbieter kann auch kürzere Laufzeiten und Fristen wählen. Finanztip empfiehlt grundsätzlich, dass Stromlieferverträge zunächst höchstens ein Jahr laufen und sich dann Monat um Monat verlängern. Die Kündigungsfrist sollte maximal sechs Wochen betragen.

Alle Regelungen zum Wechsel des Stromanbieters gelten auch bei Mieterstrom-Tarifen mit gesetzlicher Förderung. Der Anbieter kümmert sich um den Wechsel und meldet Dich beim bisherigen Versorger ab. Sollten sich die Preise erhöhen, muss Dir das der Versorger vorher mitteilen. Dann steht es Dir frei, das Sonderkündigungsrecht zu nutzen und einen anderen, günstigeren Versorger zu wählen.

Wie hoch dürfen die Preise bei gefördertem Mieterstrom sein?

Der Mieterstromzuschlag soll dem Versorger helfen, günstige Tarife anzubieten und damit natürlich auch wettbewerbsfähig zu sein. Geförderter Mieterstrom muss deshalb mindestens 10 Prozent günstiger sein als die Grundversorgung vor Ort. Auf welche Strompreise dies im Schnitt je nach Stromverbrauch hinausläuft, kannst Du der Tabelle entnehmen.

Durchschnittliche Höchstpreise für geförderten Mieterstrom

JahresverbrauchDurchschnittspreis
in der Grundversorgung
Höchstpreis für
Mieterstrom
weniger als 1.000 kWh48,92 Cent/kWh44,03 Cent/kWh
1.000 bis 2.500 kWh34,69 Cent/kWh31,22 Cent/kWh
2.500 bis 5.000 kWh31,94 Cent/kWh28,75 Cent/kWh
5.000 bis 10.000 kWh30,60 Cent/kWh27,54 Cent/kWh

Die durchschnittlichen Preise in der Grundversorgung entstammen dem aktuellen Monitoringbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt. Davon wurden die durchschnittlichen Höchstpreise für Mieterstrom je nach Verbrauch abgeleitet.
Quelle: eigene Berechnung, Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 27. November 2019)

Da Kunden in der Grundversorgung bei geringem Verbrauch im Verhältnis mehr für eine Kilowattstunde zahlen, lohnt sich Mieterstrom für sparsame Haushalte stärker. Das Zehn-Prozent-Kritierium einzuhalten, schaffen Anbieter dabei auch ohne die Förderung.

Die Kosten für die Wartung oder Reparatur der Photovoltaikanlage sind über den Preis für den Mieterstrom abzudecken. Für den Betrieb der Anlage dürfen Dir keine Kosten über die Miete oder die Nebenkosten berechnet werden.

Warum ist Mieterstrom günstig?

Dass Mieterstrom günstig ist, liegt daran, dass er nicht über das öffentliche Stromnetz fließt, sondern am Ort seiner Erzeugung verbraucht wird. So fallen verschiedene Kosten weg, die gewöhnlich im Strompreis stecken: Netzentgelte, Konzessionsabgabe, Stromsteuer und vier Umlagen. Zu berücksichtigen sind bei Mieterstrom damit lediglich fünf Posten: die Kosten für Erzeugung, Vertrieb und Stromzähler, die EEG-Umlage und die Mehrwertsteuer.

Mit einer größeren Anlage auf einem Mehrfamilienhaus mit mehr als zehn Kilowatt Leistung lässt sich Solarstrom für 8 bis 11 Cent pro Kilowattstunde produzieren. Die EEG-Umlage in Höhe von 6,756 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2020 und die Mehrwertsteuer aufgeschlagen ergibt sich ein Preis von 17 bis 21 Cent pro Kilowattstunde. Der Aufwand des Lieferanten und ein Entgelt für den Mieterstrom-Zähler sind dabei noch nicht berücksichtigt. Hier kommen noch einmal etwa 2 Cent pro Kilowattstunde (brutto) hinzu.

Wie günstig sich Solarstrom genau gewinnen lässt, hängt von der Sonneneinstrahlung in der Region und von der Neigung und Ausrichtung des Dachs ab. Die Höhe des Stromtarifs beeinflussen aber auch die Mieter selbst: Je mehr Parteien im Haus den Strom vom Dach nutzen, desto mehr der erzeugten Energie lässt sich im Haus verbrauchen und desto günstiger wird es für alle. Machen alle Mieter mit, kann der Sonnenstrom den Bedarf der Mieter zu 30 bis 70 Prozent decken. Entscheidet sich nur die Hälfte der Mieter für ein Angebot, können sie ihren Verbrauch nur zu 20 bis 50 Prozent mit Solarstrom decken.

Dennoch ist fast überall in Deutschland Mieterstrom günstiger als reiner Netzstrom – in der Regel um 1 bis 2 Cent pro Kilowattstunde. Je höher die Netzentgelte in einer Region sind, desto stärker lohnt sich solarer Mieterstrom. In Regionen mit sehr niedrigen Netzentgelten (zum Beispiel Bremen) kann es aber sein, dass Mieterstrom nicht günstiger ist als gewöhnlicher Haushaltsstrom.

Wie entwickeln sich die Preise für Mieterstrom?

Mieterstrom sollte in den kommenden Jahren günstiger werden – für Strom aus bestehenden Anlagen als auch aus neuen Anlagen.

Zunächst will die Bundesregierung die EEG-Umlage entlasten: 2021 soll sie auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde fallen. Wie die Denkwerkstatt Agora Energiewende prognostiziert, verringert sich die EEG-Umlage ab 2022 ohnehin von allein, da immer mehr Ökostromanlagen aus der Förderung fallen. Alle Stromtarife können damit günstiger werden. Bei Mieterstrom schlägt eine Verringerung der EEG-Umlage aber vermutlich direkt auf die Preise durch, da es keine Netzentgelte und andere Kosten gibt, die den Vorteil wieder aufzehren können.

Darüber hinaus verringern sich die Produktionskosten für Solarstrom stetig. Auf der einen Seite arbeiten Forschung und Industrie an immer effizienteren Modulen. Andererseits senken sie die Kosten in der Herstellung. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme gehen davon aus, dass sich bis 2025 Solarstrom aus kleineren Dachanlagen für 6 bis 9 Cent pro Kilowattstunde erzeugen lässt. Die EEG-Umlage liegt nach Berechnungen von Agora Energiewende dann bei 6,13 Cent pro Kilowattstunde. Mitsamt Mehrwertsteuer ließe sich der Strom für 17 bis 20 Cent pro Kilowattstunde kostendeckend anbieten.

Schließlich kommen voraussichtlich Angebote für Mieterstrom aus älteren Photovoltaikanlagen auf den Markt. Ende 2020 fallen die ersten aus der EEG-Förderung. Die Betreiber können die Anlagen weiterbetreiben und den Strom an Mieter im eigenen Haus liefern. Fällt der Anbieter unter die Kleinunternehmerregel und muss keine Mehrwertsteuer berechnen, kann er den Strom für deutlich weniger als 20 Cent pro Kilowattstunde verkaufen.

Was ist Bürgerstrom oder Nachbarschaftsstrom?

Die direkte Versorgung mit eigenem Solarstrom und auch die Lieferung an Mieter im Haus sind günstig. Anders sieht es aus, sobald Sonnenstrom durch das Stromnetz fließt, beispielsweise zu einem Nachbarn auf der anderen Straßenseite oder dem Gewerbebetrieb zwei Häuser weiter. Auch wenn die Energie nur wenige Meter über das Stromnetz zurücklegt – es fallen dann Netzentgelte, Konzessionsabgabe und alle Steuern und Umlagen an, die es in Deutschland gibt. Willst Du von Deinem Nachbarn Solarstrom beziehen, müsstest Du einen deutlich höheren Preis zahlen als für Mieterstrom.

Dem Bündnis Bürgerenergie leuchtet nicht ein, warum es unterschiedliche Preise für dezentral erzeugten Ökostrom gibt. Es fordert daher eine Möglichkeit für Betreiber von Erneuerbaren-Energien-Anlagen, den Strom an Abnehmer im Umkreis zu verkaufen, ohne dass dabei die EEG-Umlage anfällt. „Bürgerstromhandel“ heißt der Vorschlag für eine neue direkte Vertriebsform. Er läuft auf eine Gleichstellung von Nutzern dezentraler Ökoenergie hinaus – unabhängig davon, ob der Erzeuger oder ein Verbraucher in der Nähe den Strom nutzt.

Autor
Ines Rutschmann

Stand: 28. August 2020


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