Elektroheizung - Heizen mit Strom

Nachtspeicherofen und Wärmepumpe günstig betreiben

Ines Rutschmann Stand: 17. Februar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Für Nachtspeicher und Wärmepumpen gibt es besondere Stromtarife. Diese sind im Schnitt 30 Prozent günstiger als solche für gewöhnlichen Haushaltsstrom. Dennoch ist Strom der teuerste „Brennstoff“ in Deutschland.
  • Betreiber von Stromheizungen können ihren Versorger wechseln. Pro Jahr schließen rund 4,5 Prozent der Kunden einen neuen Vertrag ab.
  • Den günstigsten Heizstrom erhälst Du nur, wenn dazu ein zweiter Zähler installiert und das Heizgerät steuerbar ist.
So gehst Du vor
  • Wer eine Wärmepumpe oder eine Nachtspeicherheizung betreibt und dafür viel Strom benötigt, ist mit dem Abschluss eines Vertrags für Wärmestrom gut beraten.
  • Wir empfehlen zunächst einen Preisvergleich über die Portale Verivox oder Check24.
  • Benötigst Du vergleichsweise wenig Strom für Deine Heizanlage, ermittelst Du, wie viel das Heizen mit einem normalen Haushaltsstrom-Tarif kosten würde. Nutze dazu unseren Finanztip-Stromrechner – er fragt die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig ab und filtert die Ergebnisse nach unseren strengen Kriterien.
  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Deinen Tarif direkt abschließen kannst. Alle Empfehlungen erfolgen rein redaktionell und 100% unabhängig.

Zum Stromrechner

Als die elektrische Energie vor gut 100 Jahren Zug um Zug die Haushalte in Deutschland erreichte, lag es fern, damit zu heizen. Kohle oder Gas erst verbrennen und dann mit dem erzeugten Strom heizen anstatt die Wohnung direkt mit dem Brennmaterial zu befeuern? Zum Heizen war Strom zu kostbar. Das änderte sich später, als nachts Atomstrom im Überfluss bereitstand. Heute gewinnt Strom als "Brennstoff" aus einem anderen Grund wieder an Bedeutung: Mehr und mehr Wärmepumpen heizen Häuser, vor allem Neubauten.

Zwei Technologien zum Heizen mit Strom verbreitet

Elektroheizungen etablierten sich ab den 1960er-Jahren in Deutschland. Waren es am Anfang Nachtspeicheröfen, lassen Wohnungseigentümer heute stärker Wärmepumpen installieren. Die Zahl der Anlagen ist im Vergleich zu Gas- und Ölheizungen immer noch gering. Rund 2,6 Millionen Verbraucher halten ihre Wohnung vornehmlich mit Strom warm. Es ist zu erwarten, dass diese Zahl steigt.

Den Stromversorger für eine Elektroheizung können Verbraucher frei wählen. Dennoch lassen sich fast 90 Prozent der Heizstromkunden von ihrem Grundversorger beliefern. Nur rund 13 Prozent haben einen Vertrag bei einem anderen Unternehmen abgeschlossen -  obwohl sich die Tarife deutlich unterscheiden und sich somit große Einsparmöglichkeiten ergeben. Je nach Verbrauch zahlen Nutzer von Nachtspeicherheizungen mehrere Hundert Euro nach einem Vertragswechsel weniger.

Auch wer eine Wärmepumpe zu Hause hat, kann mit einem Anbieterwechsel mehr als 100 Euro sparen. Wir empfehlen daher einen Preisvergleich über die Portale Verivox oder Check24 und zusätzlich die Nachfrage beim regionalen Stromversorger. Wie wir zu diesem Ergebnis gekommen sind und Du genau vorgehst, liest Du weiter unten.

Es gibt zwei Gründe, warum sich Stromheizungen in Deutschland bislang etablierten – obwohl es ineffizient ist, mit Strom zu heizen. Entweder weil es viel Strom gibt, der billig zu haben ist. Oder weil ein Haushalt vergleichsweise wenig Energie zum Heizen benötigt.

Der erste Grund war ausschlaggebend für die Installation von Nachtspeicheröfen, um überschüssigen Atomstrom in der Nacht zu nutzen. Dieser kostete den Verbraucher weniger als normaler Haushaltsstrom. Das ist bis heute so: Die Öfen nehmen vor allem nachts Wärme auf und strahlen die Energie über Stunden wieder ab. Rund 2,4 Millionen Anlagen gab es im Jahr 2000. Im Jahr 2019 sind noch rund 1,6 Millionen in Betrieb. Neue Stromspeicherheizungen werden nur noch selten eingebaut.

Zuwächse verzeichnet dagegen eine zweite Technologie: strombetriebene Wärmepumpen. Rund eine Million sind in Deutschland installiert; etwa 80.000 kommen pro Jahr dazu. Wärmepumpen beziehen die Energie zum Heizen nicht ausschließlich aus elektrischer Energie. Strom dient vielmehr als zusätzliche Energiequelle, um Wärme aus dem Boden oder aus der Luft zu nutzen. Der Stromverbrauch ist damit gegenüber einer reinen Stromheizung deutlich kleiner. Auch für Wärmepumpen gibt es besondere Tarife, die günstiger sind als Haushaltsstrom. Im Zuge der Energiewende sollen noch mehr Haushalte Wärmepumpen nutzen: Strom soll mehr und mehr zur Wärmeversorgung beitragen und die Ölheizungen in Wohnhäusern verdrängen.

Niedrige Tarife bei Nacht

Ab Ende der 1960er Jahre boomten Nachtspeicheröfen. Die Bundesrepublik förderte die Installation als Alternative zum Verbrennen von Öl und Gas. Für die Energiewirtschaft lösten die Nachtstromheizungen ein Problem, das mit dem Ausbau der Kernkraft einherging: Atomkraftwerke sind schwer regelbar. Ihre Produktion lediglich über Nacht zu drosseln, weil die Stromnachfrage schwach ist, funktioniert nicht. So nahmen Nachtspeicherheizungen einen Teil der Strommengen auf, für die es keinen ausreichenden Bedarf gab.

Dafür zahlen die Haushalte geringere Strompreise für die Elektroheizung als für ihren sogenannten Haushaltsstrom, der Kühlschrank, Waschmaschine und Computer antreibt. Die meisten Stromversorger unterscheiden dabei bis heute zwischen einem Tarif am Tag und einem bei Nacht. Jener bei Nacht heißt Niedertarif (NT), weil er noch einmal günstiger ist als der sogenannte Hochtarif (HT), der am Tage gilt.

Wärmestrom auch für Direktheizungen

Mit niedrigeren Wärmestromtarifen beliefern manche Energieversorger auch Direktheizungen. Dazu gehören Heizstrahler und Heißluftgeräte, die Nutzer direkt an die Steckdose schließen und die weniger der Beheizung ganzer Räume dienen, als dem Steigern des Wohlbefindens zu bestimmten Zeitpunkten – beispielsweise, damit es ein Baby auf dem Wickeltisch warm hat. Zahlen zur Verbreitung dieser Geräte gibt es nicht. Sie zählen allerdings zu den größten Energiefressern unter allen Elektrogeräten.

Auch den Betreibern von Wärmepumpen bieten manche Versorger Hoch- und Niedertarife an. Bei Wärmepumpen verteilt sich aber der Strombezug wesentlich gleichmäßiger über den gesamten Tag. Nachtspeicherheizungen beziehen in der Regel 70 Prozent ihres Stroms bei Nacht.

Netzbetreiber gewähren reduzierte Netzentgelte

Die niedrigeren Stromtarife basieren nur geringfügig darauf, dass Strom nachts weniger kostet. Es gibt einen zweiten Grund, der deutlich stärker wirkt: Gewährt der Stromkunde dem Netzbetreiber die Möglichkeit, die Versorgung der Wärmepumpe oder Stromspeicherheizung in bestimmten Stunden an einem Tag zu unterbrechen, stellt der Netzbetreiber ein reduziertes Netzentgelt in Rechnung. Dadurch können die Tarife deutlich günstiger sein als jene für Haushaltsstrom.

Lediglich rund 1,1 Millionen Betreiber einer Nachtspeicherheizung oder eine Wärmepumpe – und damit weniger als jeder Zweite – profitieren von diesen reduzierten Netzentgelten. Für den Transport des Stroms zahlen sie im Schnitt 5 Cent (brutto) weniger als bei einer Kilowattstunde Haushaltsstrom. Über Zeitschaltuhren oder Rundsteuertechnik unterbricht der Netzbetreiber die Stromzufuhr zu bestimmten Zeitpunkten. Auf diese Weise kann er in Stunden mit großer Stromnachfrage einen Teil des Verbrauchs in Stunden mit geringerer Nachfrage schieben. Das entlastet das Stromnetz und hilft, Stromproduktion und Stromverbrauch im Gleichgewicht zu halten.

Zu welcher Zeit Netzbetreiber die Versorgung unterbrechen können, machen sie öffentlich. Viele Unternehmen halten sich dazu die Stunden mit hoher Stromnachfrage am Morgen, Mittag und späten Nachmittag offen. Verbraucher sind dadurch beim Heizen in der Regel nicht beeinträchtigt. Stromspeicherheizungen zählen – wie der Name schon sagt – zu den Speichern und können aufgenommene Wärme mehrere Stunden halten. Eine Wärmepumpe ist mit einem thermischen Speicher gekoppelt. Das darin gespeicherte heiße Wasser steht unabhängig von einer Stromunterbrechung zur Verfügung.

Wie hoch das reduzierte Netzentgelt ist, hängt vom jeweiligen Netzbetreiber ab. Das Energiewirtschaftsrecht besagt, dass Netzbetreiber für das Unterbrechen von Anlagen wie Stromheizungen geringere Entgelte berechnen. Zu welchen Zeiten das erfolgen kann und welche Rabatte damit einhergehen, ist bislang nicht festgelegt. Eine Verordnung soll Näheres regeln. Auf ihren Erlass wartet die Energiebranche seit mehreren Jahren wartet. Bis dahin prüft die Bundesnetzagentur die reduzierten Entgelte, um Missbrauch auszuschließen.

Geringe Abgaben an Kommunen für Wegenutzung

Ein dritter Kostenfaktor ist bei Heizstrom niedriger als bei Haushaltsstrom: Die Abgaben, die an die Kommunen fließen und zwar dafür, dass die Stromleitungen durch ihr Gebiet verlaufen. Für diese Wegenutzung erheben sie Konzessionsabgaben. Dem Kunden berechnet sie der Stromversorger; dem Stromversorger stellt sie der Netzbetreiber in Rechnung und dieser leitet sie am Schluss an die jeweilige Stadt oder Gemeinde weiter. 

Für Heizstrom soll die Abgabe nach Auffassung des Bundeskartellamts maximal 0,11 Cent pro Kilowattstunde betragen. Für Haushaltsstrom zahlen Verbraucher ein Vielfaches dieses Betrags - es können zwischen 1,32 bis 2,39 Cent pro Kilowattstunde (netto) sein, abhängig von der Größe der Kommune. 

Aber nicht jede Kommune in Deutschland erhebt tatsächlich den geringen Satz von 0,11 Cent pro Kilowattstunde (netto): Manche Städte und Gemeinden fühlen sich nicht an die Auffassung der Kartellbehörde gebunden und verlangen mehr – entweder nachts 0,61Cent pro Kilowattstunde (netto) und am Tag den vollen Satz für Haushaltsstrom oder lediglich am Tag den vollen Satz für Haushaltsstrom. Verbraucherschützer und Stromversorger fordern deswegen eine gesetzliche Klärung. Denn die Konzessionsabgabenverordnung (KAV), in der die unterschiedlichen Sätze festgelegt sind, unterscheidet bislang nicht zwischen Haushaltsstrom und Heizstrom.

Wärmestrom kostet weniger als Haushaltsstrom, aber mehr als Gas

Durch niedrigere Entgelte für jede verbrauchte Kilowattstunde und geringere Netzentgelte und Konzessionsabgaben liegen Heizstromtarife 20 bis 30 Prozent unter denen für Haushaltsstrom. Bei Nachtspeicherheizungen sind es im Schnitt 7,2 Cent pro Kilowattstunde weniger als für Haushaltsstrom. Bei Wärmepumpen liegt der Strompreis rund 6,6 Cent pro Kilowattstunde niedriger.

Wer eine Wärmepumpe oder eine Nachtspeicherheizung betreibt und dafür viel Strom benötigt, der ist mit dem Abschluss eines Heizstromvertrags gut beraten.

Die preiswerten Konditionen für Wärmestrom dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der „Brennstoff Strom“ grundsätzlich teurer ist als Gas, Öl oder Holz. In den vergangenen Jahren ist die Kostenschere zwischen den durchschnittlichen Strom- und Gaspreisen weiter auseinandergegangen. Eine Kilowattstunde Nachtstrom ist heute dreimal so teuer wie eine Kilowattstunde Erdgas. Das liegt am hohen Anteil von Steuern, Umlagen und Abgaben am Strompreis.

So findest Du günstige Tarife für Stromheizungen

Um die Kosten für den Bezug von Heizstrom möglichst gering zu halten, empfiehlt sich ein Vergleich von Stromtarifen. Du kannst den Versorger genauso wechseln wie bei Haushaltsstrom. Wir empfehlen dazu die beiden Vergleichsportale Verivox und Check24 gleichermaßen. Finanztip hat die jeweiligen Rechner für Nachtstrom und für Wärmepumpen im November 2019 getestet. Details zu den Auswahlkriterien und zu unserem Vorgehen liest Du am Ende dieses Textes.

Die Rechner von Verivox und Check24 zeigen sowohl überregionale als auch regionale Tarife an. Manche regionalen Angebote listen sie nicht. Es empfiehlt sich daher, zusätzlich beim lokalen Stadtwerk die Wärmestromtarife abzurufen, wenn das Unternehmen in den Portalen nicht vertreten ist.

Verivox
Vergleichsrechner für Heizstromtarife
  • listet regionale und bundesweite Angebote
  • mindestens 5 verbraucherfreundliche Angebote für alle untersuchten Orte
  • kein Hinweis bei der Abfrage für Wärmepumpenstrom, dass Tarife nur gelten, wenn ein zweiter Zähler installiert und die Wärmepumpe steuerbar ist
  • Tarifangebote können nach oben korrigiert werden, wenn am Wohnort keine niedrige Konzessionsabgabe gilt
  • verbraucherunfreundliche Standardeinstellungen
Check24
Vergleichsrechner für Heizstromtarife
  • listet regionale und bundesweite Tarife
  • mindestens 4 verbraucherfreundliche Angebote für alle untersuchten Orte
  • kein Hinweis bei der Abfrage für Wärmepumpenstrom, dass Tarife nur gelten, wenn ein zweiter Zähler installiert und die Wärmepumpe steuerbar ist
  • Tarifangebote können nach oben korrigiert werden, wenn am Wohnort keine niedrige Konzessionsabgabe gilt
  • eigene Portalempfehlung oberhalb der Ergebnisliste und voreingestellter Neukundenbonus erschweren das Erkennen nachhaltig günstiger Tarife

So wechseln Sie den Heizstromtarif

Gegebenenfalls vermitteln die Portale gleich per Mausklick einen Vertrag. Wenn nicht, können Sie direkt auf die Internetseite des angezeigten Anbieters gehen und ihn dort abschließen.

Sollten Sie für den Wechsel die Dienste eines Portals in Anspruch nehmen wollen, beachten Sie beim Auswählen des Tarifs, dass sich in der Ergebnisliste auch Anzeigen befinden können. Diese sind nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen und können teurer als die günstigsten Angebote sein. Die günstigsten Tarife sind dagegen durchnummeriert – die Ordnungszahl 1 markiert dabei das Angebot mit den geringsten Kosten.

Nur wenige Kunden wechseln bislang

Mehr als 800 Unternehmen bieten Heizstromtarife an. Viele sind regional begrenzt. Da die Netzbetreiber keinen Energieversorger diskriminieren dürfen, gelten die reduzierten Netzentgelte für die Unterbrechung der Stromversorgung von Stromheizanlagen unabhängig davon, welcher Versorger den Strom liefert.

Die Wechselraten von Kunden für Wärmestrom sind bislang eher gering. 2016 bis 2018 schlossen nach Angaben des Bundeskartellamts jeweils rund 90.000 Kunden einen neuen Vertrag ab. Das entspricht einem Anteil zwischen 4,3 und 4,5 Prozent.

Kündigungsfrist bei maximal drei Monaten

Jeden Versorgungsvertrag für Wärmestrom stuft das Bundeskartellamt als Sondervertrag ein – wer bereits einen solchen Vertrag abgeschlossen hat, kann sich nicht mehr in der Grundversorgung befinden. Die Kündigungsfrist für einen Wärmestromvertrag ist damit individuell im Vertrag geregelt. Maximal darf sie drei Monate betragen. Die Kündigung beim alten Anbieter übernimmt in der Regel der neu gewählte Lieferant.

Erhöht der Versorger irgendwann den Preis, steht jedem Kunden ein Sonderkündigungsrecht zu. Dabei ist keine Frist einzuhalten. Die Kündigung aussprechen müssen Sie als Kunde dann aber selbst.

Wer noch keinen Wärmestromvertrag abgeschlossen hat, betreibt seine Nachtspeicherheizung oder Wärmepumpe mit Haushaltsstrom. Vor allem Nutzer von Wärmepumpen gehören zu diesen. Haushaltsstrom zu nutzen, ist aber grundsätzlich teurer als Wärmestrom. Befindet sich ein Verbraucher sogar noch in der Grundversorgung, zahlt er wahrscheinlich mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde. In einem solchen Fall ist dringend angeraten, den Vertrag zu wechseln. In der Grundversorgung beträgt die Kündigungsfrist zwei Wochen.

Zweiter Zähler häufig Bedingung für Wärmestromtarife

Aus der Grundversorgung heraus kommen Sie auf jeden Fall. Der Abschluss der günstigsten Wärmestromverträge ist jedoch an technische Bedingungen geknüpft. Um reduzierte Netzentgelte in Anspruch zu nehmen, muss ein zweiter Zähler den Stromverbrauch der Wärmepumpe oder der Stromspeicherheizung messen. Für die Stromzähler müssen Sie zwei getrennte Lieferverträge schließen. Diese kann natürlich ein und derselbe Versorger übernehmen, aber es können auch zwei verschiedene Unternehmen sein.

Ist kein zweiter Zähler installiert, kann ein Energieversorger nur einen Heizstromtarif anbieten, der aufgrund des günstigen Nachttarifs niedriger ist als Haushaltsstrom. Diese Tarife bei gemeinsamer Messung mit dem Haushaltsstrom haben in der Regel Betreiber von älteren Nachtspeicherheizungen. Für Wärmepumpen gewähren Stromlieferanten meist keinen Wärmestromtarif bei gemeinsamer Messung von Haushaltsstrom und Wärmestrom. Ob sich ein zweiter Zähler für die Wärmpepumpe rechnet, hängt vom Strombedarf des Geräts ab. Bei 3.000 Kilowattstunden lohnt sich die getrennte Messung eher nicht, haben wir in unserem Test für Wärmestromtarife 2019 ermittelt.

Ein Nachtstromtarif bei gemeinsamer Messung ist meist deutlich teurer als ein Nachtstromtarif bei getrennter Messung. Bei einem Verbrauch von 10.000 Kilowattstunden können Sie 100 bis 300 Euro sparen, wenn Sie sich einen zweiten Zähler setzen und die Speicherheizung steuern lassen. Das ist ein Ergebnis unserer Untersuchung zu Nachtstrom-Tarifen 2019.

Den Einbau eines zweiten Zählers sowie die Kosten für Betrieb, Wartung und das Ablesen sind im Strompreis enthalten. Durch das Messstellenbetriebsgesetz kommen auf die Verbraucher noch höhere Kosten für jeden Zähler zu. Das Gesetz sieht vor, dass bis 2032 die meisten herkömmlichen Stromzähler gegen moderne Messgeräte getauscht werden. Beim Betrieb einer Wärmepumpe oder Stromspeicherheizung, deren Stromversorgung der Netzbetreiber unterbrechen darf, ist der Einbau eines intelligenten Messsystems vorgesehen. Damit einhergehen jährliche Kosten von höchstens 100 Euro. Ein intelligentes Messsystem bekommen Sie aber auch, wenn Ihr Stromverbrauch mehr als 6.000 Kilowattstunden beträgt.

Anderen Zähler verlangen oder neuen Messstellenbetreiber suchen

Verbraucher sind aber nicht sklavisch an einen Haushaltstarif gebunden, nur weil bislang kein Stromzähler installiert ist, wie ihn die technischen Bedingungen des Netzbetreibers vorschreiben. Wenn Sie einen Heizstromtarif möchten und dazu einen bestimmten Zähler benötigen, kann beim Messstellenbetreiber ein entsprechendes Gerät bestellen. Den Einbau übernimmt dann ein Elektroinstallateur.

Der Messstellenbetreiber ist in den meisten Fällen der Netzbetreiber. Als Kunde sind Sie dabei frei, den Messstellenbetreiber zu wechseln und sich einen anderen Anbieter zu suchen, der geringere Entgelte nimmt oder einen besseren Service bietet.

Ebenso ist es möglich, einen zweiten Zähler wieder zurückzugeben und den Wärmestromverbrauch über den Haushaltszähler zu messen. Den Messstellenvertrag müssen Sie dann kündigen. Ein Elektroinstallateur baut das Gerät aus und sendet es an den Messstellenbetreiber zurück. Reduzierte Netzentgelte können Sie dann allerdings nicht mehr in Anspruch nehmen.

Doppeltarifzähler für niedrige Nachttarife

Unterscheidet ein Versorger Nieder- und Hochtarife, setzt er voraus, dass der Strombezug bei Nacht und bei Tag getrennt voneinander gemessen wird. Verbraucher benötigen dann einen Zwei- oder Doppeltarifzähler. Wer einen Eintarifzähler installiert hat, dem berechnet der Versorger entweder einen einheitlichen Strompreis für den gesamten Tag oder er hat keinen Wärmetarif im Angebot. Eine einheitliche, branchenweite Regelung gibt es nicht.

Die größere Ersparnis ergibt sich bei Wärmestromtarifen heute aber nicht mehr aus günstigen Nachttarifen, sondern aus reduzierten Netzentgelten. Ob es sich lohnt, einen Eintarifzähler gegen einen Zweitarifzähler zu tauschen, sollten Sie daher abwägen. In unserer Untersuchung zu Tarifen für Wärmepumpen und Nachtspeicherheizungen fanden wir zwar die günstigsten Angebote für steuerbare Geräte mit Zweitarifzähler. Allerdings war die Ersparnis gegenüber Angeboten für steuerbare Geräte mit Eintarifzähler eher niedrig, so dass die Kosten für einen Zählertausch eher nicht gerechtfertigt sind.

Ausblick

Ob eine Unterscheidung in Tag- und Nachttarife zeitgemäß bleibt, wird die Zukunft zeigen. Bis Ende 2022 sollen die verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft erwartet, dass die Strompreise über den gesamten Tag verteilt stärker schwanken werden, weil der Anteil von Sonnen- und Windstrom steigt. Da sich Stromspeicherheizungen und Wärmepumpen in ihrem Verbrauch steuern lassen, können sie dann Energie aufnehmen, wenn die Strompreise niedrig sind. Dazu müssen die Versorger aber die schwankenden Strompreise beim Einkauf auch stärker an die Verbraucher weiterreichen.

Attraktive Preise sind zumindest nötig, wenn Wärmepumpen mehr und mehr Häuser beheizen sollen. Dies strebt die Bundesregierung an, damit die Energiewende auch im Wärmemarkt greift. Dabei sollen die wachsenden Stromerträge von Windrädern und Solaranlagen immer stärker auch zum Heizen dienen. Gibt es Sonnen- und Windstrom im Überfluss, spricht nichts dagegen, damit Wasser und Gebäude zu erwärmen.

So haben wir getestest

Auf dem Strommarkt gibt es besondere Tarife zum Heizen: einmal für Wärmepumpen, einmal für Stromspeicherheizungen. Diese können gleich hoch sein, sie können aber auch unterschiedlich hoch sein. Für beide Technologien haben wir verschiedene Profile für Haushalte definiert und jeweils separat für Wärmepumpen und für Speicherheizungen auf Vergleichsportalen abgefragt, um zu ermitteln, wo Verbraucher die besten Angebote bekommen.

Tarife für Nachtstrom fragten wir in zwölf Städten und Gemeinden ab. Diese liegen in Bundesländern, in denen nach Angaben des Statistischen Bundesamts vergleichsweise viele Nachtspeicherheizungen installiert sind:

  • Detmold, Herford und Köln in Nordrhein-Westfalen (rund 400.000 Heizungen)
  • Bruchsal, Karlsruhe und Stuttgart in Baden-Württemberg (rund 270.000 Heizungen)
  • Schwandorf und München in Bayern (rund 200.000 Heizungen)
  • Fulda in Hessen (rund 100.000 Heizungen)
  • Oldenburg und Hannover in Niedersachsen (rund 90.000 Heizungen)
  • Hamburg (rund 45.000 Heizungen)

Wir fragten für diese Orte den Nachtstromverbrauch von 10.000 Kilowattstunden im Jahr bei getrennter Messung über einen Eintarifzähler und über einen Doppeltarifzähler ab sowie bei gemeinsamer Messung mit dem Haushaltsstrom in Höhe von 2.500 Kilowattstunden über einen Doppeltarifzähler.

Die Abfragen von Wärmestrom führten wir für zehn Städte und Gemeinden in sechs Bundesländern mit vergleichsweise großer Zahl installierter Wärmepumpen durch:

  • Schwandorf und München in Bayern
  • Köln, Herford und Detmold in Nordrhein-Westfalen
  • Bruchsal und Stuttgart in Baden-Württemberg
  • Alzey in Rheinland-Pfalz
  • Hannover in Niedersachsen
  • Mittweida in Sachsen

Wir fragten Angebote für eine Verbrauchsmenge von 6.000 und für 3.000 Kilowattstunden im Jahr ab bei jeweils getrennter Messung über einen Eintarifzähler und nochmals über einen Zweitarifzähler.

Die Einstellungen in den Vergleichsportalen waren für alle Muster-Haushalte – sowohl bei der Abfrage von Nachtspeicherstrom als auch bei Wärmepumpenstrom – gleich:

  • mindestens zwölf Monate Preisgarantie,
  • Mindestlaufzeit maximal zwölf Monate,
  • Kündigungsfrist maximal vier Wochen,
  • monatlich Abschlagszahlung
  • Folgelaufzeit von maximal einem Monat.

Darüber hinaus haben wir folgende Einstellungen gewählt:

  • beliebig viele Tarife pro Anbieter,
  • nur Tarife ohne Vorauskasse,
  • keine Paket-Tarife,
  • Bonuszahlungen nicht einrechnen oder keinen Tarif mit Bonus anzeigen,
  • alle Anbieter anzeigen unabhängig von irgendeiner Empfehlung und Wechselmöglichkeit,
  • nicht nur Tarife mit Ökostrom,
  • private und keine gewerbliche Nutzung der Energie.

Diese Finanztip-Kriterien für verbraucherfreundliche Ergebnisse haben wir zur Bedingung bei der Auswahl der anschließend geprüften Portale gemacht. Über eine anonyme Google-Suche nach den Begriffen „Wärmestrom“, Wärmepumpenstrom“, „Nachtstrom“, „Heizstrom“, „Stromheizung“ und „Heizen mit Strom“ fanden wir 20 Vergleichsportale.

Zwei davon erfüllten unsere Kriterien: Verivox und Check24. Alle weiteren bekannten Vergleichsportale basieren auf den Datenbanken dieser beiden und schieden daher für den Test aus.

Die Trefferliste war mit 4 bis 6 Angeboten für Nachtstrom und 7 bis 9 Angeboten für Wärmepumpenstrom zahlreicher als bei unserem Nachtstrom-Test 2017 als auch unserem Wärmestrom-Test 2017.

Details zu den beiden Untersuchungen lesen Sie in unseren Test-Artikeln zu günstigem Strom für Wärmepumpen und günstigem Nachtstrom.

Autor
Ines Rutschmann

Stand: 17. Februar 2020


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.