Digitale Rentenübersicht

Mehr Durchblick bei der Rente

Martin Klotz
Finanztip-Experte für Vorsorge

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Dezember 2022 ist die digitale Rentenübersicht in eine erste Testphase gestartet. Sie soll Dir einen besseren Überblick über den Stand Deiner Altersvorsorge geben.
  • Neben Deiner erwarteten gesetzlichen Rente sollen darüber hinaus auch Infos zu Deinen privaten Altersvorsorgeverträgen für Dich sichtbar sein.
  • Der bundesweite Launch ist für Sommer 2023 geplant.

So gehst Du vor

  • Für die Registrierung brauchst Du einen Ausweis mit Online-Funktion und die zugehörige App oder ein Kartenlesegerät.
  • Lege im Sommer 2023 einen Account für Deine digitale Rentenübersicht an und starte eine Abfrage Deiner Altersvorsorgewerte.
  • Nutze Deine Daten für einen regelmäßigen Check Deiner Rentenwerte und Deine persönliche Ruhestandsplanung.

Weißt Du, wo Dein letzter Brief der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung liegt? Mit wie viel Rente Du rechnen kannst? Und wie viel aus Deinen eigenen Vorsorgeverträgen dazukommt?

Um für mehr Durchblick bei der Altersvorsorge zu sorgen, hat die Bundesregierung beschlossen, eine übergreifende digitale Rentenübersicht einzuführen. Sie ist im Dezember 2022 in eine erste (vorläufige) Betriebsphase gestartet. Dich selbst einloggen und Deine Altersvorsorge-Bausteine checken kannst Du voraussichtlich ab Sommer 2023.

Was ist die digitale Rentenübersicht?

Die digitale Rentenübersicht ist zunächst eine Online-Version Deiner jährlichen Renteninformation, die Du bisher als Brief von der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) geschickt bekommst. Mit der Online-Version erfährst Du bald per Mausklick, wie es um Deine Rente steht. Anschauen kannst Du Dir zum Beispiel Deine bisher erreichte Rentenanwartschaft oder die Höhe Deiner erwarteten Rente.

Darüber hinaus wird die digitale Rentenübersicht in der nächsten Zeit erweitert. Auch das Guthaben und die erwartete Rente Deiner eigenen Vorsorgeverträge kannst Du dann online abrufen. Ziel ist es, dass Du Deine Ansprüche für die Rente übersichtlich parat hast.

Überblick mit Lücken

Doch nicht alle Deine Vorsorgetöpfe wirst Du in der digitalen Rentenübersicht finden. Legst Du beispielsweise mit einem ETF-Sparplan langfristig und kostengünstig für den Ruhestand an, musst Du weiterhin bei deinem Depotanbieter nach den Werten schauen. Ebenfalls keine Berücksichtigung finden Immobilien, Bau- sowie Prämiensparverträge oder VL-Aktienfonds.

Für Beamte und Soldaten wird der Überblick ebenfalls Lücken aufweisen. Denn auch ihre Pensionen können im neuen System bisher nicht abgebildet werden.

Anmeldung und Datenabfrage

Für die Registrierung benötigst Du einen Personalausweis mit Online-Funktion (ePerso). Über die Smartphone-App „AusweisApp2“ oder ein Kartenlesegerät kannst Du Dich mit Deinem Online-Ausweis registrieren. Nach der Authentifizierung bekommst Du einen privaten Account. Das ganze Verfahren ist kostenfrei.

Nachdem Du Dich in Deinen privaten Bereich eingeloggt hast, kannst Du eine Abfrage deiner Rentenwerte starten. Das System beginnt daraufhin einen Abgleich mit den Datenbanken aller angebundenen Vorsorgeeinrichtungen. Das sind neben der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung zum Start der ersten Betriebsphase noch nicht viele.

Im Laufe des Jahres 2023 ist geplant, möglichst alle Institutionen anzubinden, die in irgendeiner Form eine vom Staat geförderte Altersvorsorge anbieten. Also zum Beispiel private Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaften, Kapitalanlagegesellschaften sowie Pensionskassen, Pensionsfonds und weitere Träger der betrieblichen Altersvorsorge. Konkrete Infos sollen dann auch zu Riester-Verträgen, Rürup-Rentenversicherungen, vielen bAV-Verträgen sowie zu Privatrentenversicherungen angezeigt werden.

Was beinhaltet die digitale Rentenübersicht?

In Deinem geschützten, privaten Bereich gibt es drei unterschiedliche Seiten mit Informationen. Auf der sogenannten Landing Page siehst Du nach Deiner Rentenabfrage den „prognostiziert erreichbaren Wert“ zu all Deinen Altersvorsorge-Bausteinen. Diese komplizierte Formulierung beschreibt die Rente oder das Kapital, was Du aus dem jeweiligen Baustein erwarten kannst. Achtung: Dieser Wert ist lediglich eine Hochrechnung, die jeder Anbieter (und auch die DRV) auf Basis unterschiedlicher Grundlagen selbst vornimmt. Wichtig ist, dass Du verstehst, wie Dein Versicherer auf diesen Wert kommt, und ihn selbst für Dich einordnest.

Auf der zweiten Ebene mit dem Titel „Gesamtübersicht“ siehst Du eine Auflistung Deiner Ansprüche – geordnet nach Auszahlungsarten, das heißt lebenslange Rente und Kapitalauszahlung. Hier erfährst Du zusätzlich, welche garantierten Werte bereits erreicht beziehungsweise garantiert erreichbar sind.

Jeder Deiner Altersvorsorge-Bausteine hat zudem noch eine eigene Detailseite. Diese beinhaltet Informationen zu Laufzeit, Rentenbeginn, Steuerpflicht, Sozialabgabepflicht, eine Übersicht der Leistungsmerkmale des Vertrags (zum Beispiel Hinterbliebenenabsicherung) sowie der Zusatzbausteine. Eine Version der letzten Standmitteilung soll hier ebenfalls hinterlegt werden.

Was machst Du mit den Daten?

Die Ergebnisse Deiner Abfrage kannst Du nutzen, um Deine Finanzplanung für den Ruhestand über die Jahre im Blick zu behalten. Verlassen kannst Du Dich allerdings nur auf die garantierten Werte.

Deine Daten sind nur für Dich einsehbar. Wenn Du Dich ausloggst, werden die Ergebnisse Deiner Anfrage gelöscht. Du kannst sie aber für Dich speichern oder auch exportieren. Teile die Daten nur mit Institutionen, denen Du vertraust.

Wie liest Du die Standmitteilung?

Ob digital oder noch per Brief: Jedes Jahr bekommst Du von der DRV Deine aktuelle Renteninformation. Wie Du sie richtig liest, erfährst Du in unserem Podcast „Auf Geldreise“.

Auch Deine Versicherer sind verpflichtet, Dir jährlich Informationen darüber zu schicken, wie sich Dein Vertrag entwickelt hat. Diese Schreiben sind in der Regel ziemlich komplex. Folgende Werte solltest Du prüfen, wenn Du eine Standmitteilung erhältst:

  • Garantierte Rente/garantiertes Kapital: Das ist die Summe, die Dein Versicherer zum Ende der Ansparphase garantiert beziehungsweise die Rentenhöhe, die er Dir definitiv zusagt.
  • Aktueller Wert/aktuelles Guthaben: So viel Geld liegt zum momentanen Zeit­punkt in Deinem Vertrag. Es berechnet sich aus allen Einzahlungen und der Wertentwicklung abzüglich Kosten.
  • Rückkaufswert: Diesen Wert erhältst Du vom Versicherer, wenn Du Deinen Vertrag kündigst. Aufgrund der Kosten im Vertrag ist der Rückkaufswert in der Regel geringer als die Summe Deiner eingezahlten Beiträge. Wenn Du dringend Geld brauchst, lohnt es sich meist mehr, den Vertrag an ein Spezial-Unternehmen weiterzuverkaufen anstatt zurück an den Versicherer.
  • Erwartetes/prognostiziertes Kapital: Das ist das geschätzte Guthaben, von dem Dein Versicherer zum Ende der Ansparphase in Deinem Vertrag ausgeht. Vorausgesetzt, Du zahlst weiterhin ein wie bisher. In der Regel werden mehrere Szenarien skizziert, die je nach angenommener Rendite zu unterschiedlichen Werten führen. Auf keine dieser Prognosen solltest Du Dich verlassen.
  • Garantierter Rentenfaktor: Dieser Wert entscheidet, wie viel Geld Du aus Deinem Vertragsguthaben zum Ende der Ansparzeit als monatliche Rente erhältst. Der Rentenfaktor wird dabei immer pro 10.000 Euro Vertragsguthaben angegeben. Vollständig garantiert ist der garantierte Rentenfaktor allerdings dennoch nicht.
  • Aktueller Rentenfaktor: Dieser Wert ist eine Momentaufnahme und gibt an, mit welchem Rentenfaktor Dein Versicherer die monatliche Rente aus Deinem Vertrag berechnen würde, wenn Du heute in die Auszahlphase wechseln würdest.
  • Kosten: Die Kosten einer Ren­ten­ver­si­che­rung unterteilen sich in Abschlusskosten und Verwaltungskosten. Abschlusskosten zahlst Du in der Regel über die ersten fünf Jahre eines Vertrags. Auch wenn Du Deine Einzahlung erhöhst oder sie automatisch steigt (Dynamik), werden Abschlusskosten fällig. Verwaltungskosten sind ein jährlich wiederkehrender Posten, der meist prozentual auf das Guthaben im Vertrag berechnet wird.
Autor
Martin Klotz

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