Der Bitcoin hat in kurzer Zeit deutlich an Wert verloren – und praktisch alle Kursgewinne wieder abgegeben, die sich seit dem Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump im Herbst 2024 aufgebaut hatten.
Laut Coingecko liegt der Bitcoin-Kurs aktuell nur noch bei rund 65.000 $ (Stand: 6. Februar 2026, 9:00 Uhr). Das ist ein Minus von fast 50 % im Vergleich zu seinem Rekordhoch im Oktober 2025, das bei über 126.000 $ lag.
Der Kursrutsch trifft den gesamten Kryptomarkt
Die Marktkapitalisierung des Kryptomarktes ist stark zurückgegangen: Laut Coingecko waren alle Kryptowährungen zusammengenommen in der Spitze über vier Billionen Dollar wert. Aktuell sind es nur noch 2,33 Billionen Dollar – mit einem Minus von 7 % innerhalb der letzten 24 Stunden.
Andere Kryptowährungen verzeichnen teilweise sogar größere Wertverluste als Bitcoin. Auf Wochensicht sind Ethereum und Solana jeweils rund 30 % im Minus.
Solche Schwankungen sind bei Kryptowährungen zwar nichts Ungewöhnliches. Trotzdem sorgt der aktuelle Kursrutsch für Unruhe.
Warum der Bitcoin gerade unter Druck steht
1. Risikofreude nimmt ab
Die Stimmung an den Finanzmärkten ist aktuell angespannt. Steigende Zinsen und Unsicherheit über die weitere Geldpolitik machen riskante Anlagen wie Kryptowährungen unattraktiver. Für viele Anlegerinnen und Anleger sind Bitcoin und Co. bislang keine verlässliche Absicherung gegen Krisen oder Inflation.
2. Hebelgeschäfte verstärken Kursverluste
Während viele Krypto-Fans Bitcoin kaufen, um ihn möglichst lange zu halten, hat die Kryptowährung für institutionelle Investoren eine andere Bedeutung: Sie nutzen häufig Hebelprodukte, um ihren Einsatz zu maximieren.
Fallen die Kurse, werden solche Positionen jedoch automatisch aufgelöst und verkauft – oft in deutlich größerem Umfang als bei privaten Krypto-Anlegerinnen und -Anlegern.
3. US-Geldpolitik sorgt für Gegenwind
Ein weiterer Grund für den Abwärtstrend liegt in den Erwartungen zur künftigen US-Geldpolitik. Vergangene Woche hat US-Präsident Donald Trump Kevin Warsh als nächsten Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nominiert. Warsh gilt allerdings als Vertreter einer strengen Geldpolitik – also höherer Zinsen und weniger Liquidität an den Finanzmärkten.
Die Folge seiner Nominierung: Der US-Dollar hat zugelegt, und die Erwartungen an künftig höhere Zinsen sind gestiegen. Das belastet wiederum den Bitcoin. Denn die Kryptowährung wird in Dollar gehandelt und wirft selbst keine Zinsen ab – im Vergleich zu verzinsten Anlagen wirkt sie in so einem Umfeld weniger attraktiv.
4. Große Bitcoin-Halter geraten unter Druck
Ein zusätzlicher Belastungsfaktor sind Unternehmen, die große Bitcoin-Bestände in ihrer Bilanz halten. Dazu zählt etwa Strategy, einer der bekanntesten Bitcoin-Treasury-Companies.
Am Donnerstag sorgte die börsennotierte Firma mit einem milliardenschweren Verlust in den Quartalszahlen für Schlagzeilen. Trotzdem rückt Strategy-Gründer Michael Saylor nicht von seinem Kurs ab und kauft weiterhin Bitcoin auf Kredit.
Das Problem: Fällt der Bitcoin-Kurs, sinkt auch der Wert dieser Bestände. Gleichzeitig werden Kredite durch höhere Zinsen teurer. Viele Marktteilnehmer befürchten deshalb, dass solche Unternehmen bei weiter fallenden Kursen einen Teil ihrer Bitcoin verkaufen könnten, um finanziell flexibel zu bleiben. Schon diese Sorge kann den Verkaufsdruck weiter erhöhen.
Michael Burry warnt vor einer Abwärtsspirale
Laut Handelsblatt hat sich auch der bekannte US-Investor Michael Burry zu Wort gemeldet. Er warnt sogar davor, dass der Bitcoin in eine "Todesspirale" geraten könnte – also in einen Kreislauf aus fallenden Kursen und immer neuen Verkäufen.
Sinkt der Preis stark, ziehen sich noch mehr Anlegerinnen und Anleger zurück – was den Kurs weiter nach unten drückt. Genau dieser Mechanismus kann dafür sorgen, dass Verluste sich selbst beschleunigen.
Zur Einordnung: Burry wurde durch die Finanzkrise 2008 bekannt, weil er früh auf den Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts gesetzt hatte. Seine Einschätzungen sorgen seitdem regelmäßig für Aufmerksamkeit.
Trotzdem gilt auch hier: Prognosen bei Bitcoin sind extrem unsicher – niemand kann Kursentwicklungen verlässlich vorhersagen.
Was das für Dich bedeutet
Wenn Du bereits in Bitcoin investiert bist, brauchst Du aktuell starke Nerven. Dir sollte bewusst sein, dass es noch weiter bergab gehen kann. Überleg Dir also, ob die Geldanlage noch zu Deiner persönlichen Risikobereitschaft passt.
Außerdem solltest Du Bitcoin nie als Schwerpunkt Deiner Geldanlage nutzen – und schon gar nicht als Basis für Deine private Altersvorsorge. Dafür sind die Risiken schlicht zu hoch.
Für den langfristigen Vermögensaufbau setzen wir bei Finanztip klar auf einen ausgewogenen Mix aus Rendite und Risiko – zum Beispiel mit breit gestreuten Aktien-ETFs.
Wenn Du trotzdem in Bitcoin investieren willst
Auch wenn sehr risikofreudige Anlegerinnen und Anleger den aktuell günstigeren Kurs nutzen, lass Dich davon nicht verleiten. Eine Investition in Bitcoin sollte gut durchdacht und immer nur eine kleine Beimischung zur gut aufgestellten Geldanlage sein.
Für Finanztip gilt Bitcoin als spekulatives Investment, das mit anderen spekulativen Anlagen wie z. B. Einzelaktien nicht mehr als 10 % Deines Gesamtvermögens ausmachen sollte. Von anderen Kryptowährungen raten wir generell ab.
Auch für Bitcoin gilt: Du solltest ausschließlich Geld investieren, auf das Du im schlimmsten Fall komplett verzichten kannst – ein Totalausfall ist möglich.
Wenn Du trotzdem Bitcoin kaufen möchtest, setz auf seriöse und regulierte Plattformen. Wir empfehlen Dir Bitvavo, Finst und Bison.
Mehr Wissen statt nur Bauchgefühl
Bevor Du investierst, lohnt sich vor allem eines: Verständnis für das Thema. In unserem Academy-Kurs zu Kryptowährungen erklärt Dir Emil von Finanztip die wichtigsten Basics – klar, verständlich und unabhängig. So kannst Du selbst einschätzen, ob und wie Krypto zu Deiner Geldanlage passt.