Verbraucherkredit

Diese Rechte hast Du als Verbraucher bei Krediten

Josefine Lietzau
& Co-Autor
Stand: 04. Februar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du als Verbraucher einen Kredit aufnimmst, bist Du durch den Gesetzgeber besonders geschützt.
  • Die Bank hat Dir gegenüber etwa besondere Informationspflichten.
  • Dir als Kunde steht in der Regel unter anderem ein Widerrufsrecht zu. Das heißt, Du kannst den Abschluss eines Vertrages rückgängig machen.  
  • Ein solcher Widerruf ist jedoch nur innerhalb einer bestimmten Frist möglich. Hat die Bank bei der Widerrufsbelehrung Fehler gemacht, können Verbraucher aber noch Jahre nach der Kreditaufnahme widerrufen.

„Dürfen die das überhaupt?“ Wer viel mit Banken zu tun hat, wird sich diese Frage schon einige Male gestellt haben. Zum Beispiel wenn die Bank einfach den Kredit kündigt und dafür auch noch Entschädigung will. Oder wenn ein Kunde einen Kreditvertrag widerruft und die Bank sich einfach querstellt. Die Antwort auf die Frage lautet: Bei Darlehen dürfen die Banken einiges, aber auch die Verbraucher haben gewisse Rechte.

Was ist ein Verbraucherdarlehen?

Den größten Teil der Rechte, die Du als Kreditnehmer hast, sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert. Durch die Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie sind 2016 weitere dazugekommen. Sie greifen immer dann, wenn Du ein sogenanntes „Verbraucherdarlehen“ aufnimmst.

Unter den Begriff Verbraucherdarlehen fallen Ratenkredite sowie Darlehen für die Baufinanzierung oder Existenzgründung. Kredite von weniger als 200 Euro, Kredit mit einer Laufzeit unter drei Monaten, gewerbliche Kredite, Privatkredite, Arbeitgeberdarlehen und Förderkredite gehören dagegen nicht dazu (§ 491 BGB).

Was muss in einem Verbraucherdarlehensvertrag stehen?

Banken müssen Kreditnehmer vor Abschluss des Vertrags über die wichtigsten Kreditbedingungen aufklären. Mit dem Europäischen Standardisierten Merkblatt erfüllen die Banken die sogenannten vorvertraglichen Informationspflichten (§ 491a BGB). So sollen Verbraucher alle Kosten der Verträge einsehen können. Sie erhalten zudem eine Kopie ihres Vertrages.

Zu den nötigen Informationen gehören zum Beispiel der effektive Jahreszins, der Darlehensbetrag sowie Informationen zu den Widerrufsrechten. Die Konsequenz: Weist der Vertrag Formmängel auf oder fehlt die Schriftform, ist er nichtig (§ 494 BGB). Sobald ein Verbraucher den Kredit tatsächlich überwiesen bekommt, kann er einige Formfehler aber nicht mehr geltend machen.

Wie funktioniert das Widerrufsrecht?

Bei Verbraucherdarlehen kannst Du 14 Tage lang überlegen, ob Du den Kredit tatsächlich aufnehmen willst. Seit dem 21. März 2016 gilt dieses Widerrufsrecht durch die Umsetzung der Wohnimmobilienkredit-Richtlinie auch für die Null-Prozent-Finanzierung.

Wenn der Kredit einen bestimmten Einkauf direkt finanziert, dann spricht man von einem verbundenen Geschäft. Das Widerrufsrecht des Kredits wirkt sich auch auf das damit verbundene Geschäft aus, ganz egal, ob Du ein Auto oder eine Einbauküche gekauft hast. Weitere Informationen findest Du in unserem Ratgeber Autokredit widerrufen. Auch eine Restschuldversicherung kannst Du bei verbundenen Verträgen widerrufen.

Das 14-tägige Widerrufsrecht bei Einkäufen besteht sonst nur beim Online-Shopping. Das Rücktrittsrecht gilt bei mangelhaften Produkten auch für die Kredite, die Du für den Einkauf aufgenommen hast.

Gerade bei den Widerrufsbelehrungen haben die Banken in der Vergangenheit viele Fehler gemacht. Das ist eine Chance für Dich, weil die gesetzliche Widerrufsfrist dadurch noch nicht angefangen hat und Du den Kredit noch immer widerrufen kannst. Hast Du einen Kredit frühzeitig zurückgezahlt und die Widerrufsbelehrung war fehlerhaft, dann kannst Du die Vorfälligkeitsentschädigung zurückverlangen, die die Bank von Dir kassiert hat.

Wann fällt eine Vorfälligkeitsentschädigung an?

Bei Verbraucherdarlehen ist der Zeitraum vertraglich festgelegt, in dem Du den Kredit zurückzahlen musst. Falls Du ihn vorzeitig ablösen willst, hat die Bank Anspruch auf eine Entschädigung. Deren Höhe ist abhängig von der Kreditart:

Ratenkredit - Bei Ratenkrediten ist die Vorfälligkeitsentschädigung beschränkt auf Verträge, die nach dem 11. Juni 2010 aufgenommen wurden. Kreditnehmer können diese Darlehen jederzeit kündigen und müssen lediglich 1 Prozent der Restschuld als Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. Läuft der Kredit nur noch weniger als ein Jahr, ist die Entschädigung auf 0,5 Prozent begrenzt.

Baufinanzierung - Bei Krediten, die mit einer Grundschuld gesichert sind, ist die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung oder der Nichtabnahmeentschädigung nicht begrenzt. Überprüf deshalb auf jeden Fall die Höhe der Entschädigung, wenn Du den Kredit kündigst. Experten können die Berechnung der Bank für Dich nachvollziehen. Eine Bank ist übrigens nicht verpflichtet, eine Kündigung zu akzeptieren. Ausnahmen gelten nur, falls das Geldinstitut den Kredit bereits vor zehn Jahren vollständig ausgezahlt hat oder die Bauherren ihr Haus verkaufen müssen.

Müssen Banken zum Ablauf der Zinsbindung informieren?

Eine Bank ist verpflichtet, ihre Kunden zu informieren, bevor die Zinsbindung für einen Baukredit abläuft. Die Restschuld begleichen die Bauherren dann entweder aus der eigenen Tasche oder sie schließen eine Anschlussfinanzierung ab. Der Kreditgeber muss spätestens drei Monate vor Ende der Zinsbindung mitteilen, ob und zu welchem Zinssatz er bereit ist, den Vertrag fortzuführen (§ 493 BGB).

Was ist der Unterschied zwischen 2/3-Zinssatz und Effektivzins?

Die Banken müssen bei ihren Kreditwerbungen mit einem Zinssatz den sogenannten 2/3-Zins angeben. Zwei Drittel der Verbraucher, die einen Kredit erhalten, würden diesen oder einen besseren Zinssatz erhalten. So sollen die Kredite vergleichbar sein und Lockangebote verhindert werden.

Schau Dir vor dem Vertragsabschluss den effektiven Jahreszins an. Das Kreditinstitut muss ihn immer angeben, er soll Auskunft über die Gesamtkosten des Kredites geben. Allerdings gibt es Kosten, die oft nicht eingerechnet sind, zum Beispiel Bereitstellungszinsen.

Was ist Zinswucher?

Banken vergeben Kredite nach unterschiedlichen Kriterien. Einige legen einen Zins fest, den alle Kreditnehmer bekommen – falls sie den Kredit kriegen. Der Zins ist dann unabhängig davon, wie zahlungsfähig der Kunde ist (Bonität). Andere arbeiten mit einer Zinsspanne, die sich nach der individuellen Bonität des Kunden richtet. Die Kunden erhalten unterschiedliche, sogenannte bonitätsabhängige Zinsen. Die Bonität ermittelt die Bank in der Regel durch eine Schufa-Auskunft und einer Analyse der Kundendaten.

Wichtig dabei ist: Den Banken sind Grenzen gesetzt, sie dürfen zum Beispiel die Unerfahrenheit ihrer Kunden oder gar eine Zwangslage nicht ausnutzen, um sehr hohe Zinsen zu verlangen (§ 138 BGB). Tun sie das doch, ist der Kreditvertrag nichtig. Die Verbraucher müssen keine Zinsen zahlen, allerdings müssen sie den gewährten Kredit an die Bank zurückzahlen.

Ab wann bei einem Zinssatz Wucher vorliegt, ist im Gesetz nicht vorgegeben. Der Bundesgerichtshof entschied, dass der Zins weder 100 Prozent höher sein darf als marktüblich, noch darf die Zinsdifferenz zwischen Markt und Kreditzins mehr als 12 Prozent betragen (BGH, Urteil vom 13. März 1990, Az. XI ZR 252/89). Was marktüblich ist, ergibt sich aus den Statistiken der Bundesbank.

Ist eine Restschuldversicherung erforderlich?

Restschuldversicherungen sollen für die Zahlung der Kreditraten einspringen, sobald der Kreditnehmer sie sich nicht mehr leisten kann. Allerdings greifen die Versicherungen in vielen Fällen nicht. Sie machen die Kredite zudem wesentlich teurer. Um wieviel teurer, sehen die Verbraucher nicht auf den ersten Blick, die Kosten müssen nicht in den Effektivzinssatz eingerechnet werden. Über einen Vergleich der Ratenzahlungen bei demselben Kredit mit und ohne die Versicherung sehen Verbraucher, wieviel mehr sie tatsächlich zahlen müssen.

Wir raten deshalb bei Ratenkrediten grundsätzlich von solchen Versicherungen ab. Sie sind für das Abschließen eines Kredites auch nicht erforderlich, Berater dürfen auch nicht den Eindruck erwecken, dass sie es sind.

Anders sieht es bei der Baufinanzierung aus: Die Kreditschuld kann existenzbedrohend werden, falls Du die Raten nicht zahlen kannst. Deshalb ist es sinnvoll, sich dagegen abzusichern. Allerdings empfehlen wir dann statt einer Restschuldversicherung eine gesonderte Risikolebens- und eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Autor
Josefine Lietzau
& Co-Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 04. Februar 2020


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.