Stablecoin

Ein Mix aus zwei Welten

Hendrik Buhrs
Finanztip-Experte für Bank und Börse
10. Juni 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Stablecoins sind Kryptowährungen, die an Vermögenswerte wie den US-Dollar gebunden sind. Mit ihnen kannst Du jederzeit, schnell und zu geringen Kosten andere Kryptowährungen handeln.
  • Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen sind Stablecoins kein Renditeobjekt, denn ihr Kurs bleibt nahezu immer konstant.
  • Die Kursschwankungen bei Stablecoins sind normalerweise sehr gering. Dennoch bestehen Risiken, die Du kennen solltest. „Stable“ – also die Stabilität – ist bei jedem Coin anders umgesetzt.
So gehst Du vor
  • Der folgende Ratgeber hilft Dir dabei, das Konzept und die Risiken von Stablecoins zu verstehen.
  • Wie Du Stablecoins am besten handelst, hat Finanztip noch nicht untersucht. Für den Handel mit Bitcoin empfehlen wir Bison, Nuri und Bitvavo.
  • Ganz wichtig: Investiere Dein Geld nur, wenn Du den Verlust der Investition auch wirklich verschmerzen kannst.

Wenn Du dich für eine Investition in Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum interessierst, wirst Du über kurz oder lang auch auf das Thema Stablecoin stoßen. Genau wie Bitcoin und Ethereum sind auch Stablecoins Kryptowährungen – und doch gibt es gravierende Unterschiede.

Was ist ein Stablecoin?

Im Gegensatz zu den allseits bekannten Kryptos sind Stablecoins – wörtlich: stabile Coins – sogenannte gekoppelte Kryptowährungen. Gekoppelt, weil sie fest an einen Vermögenswert gebunden und dadurch abgesichert werden. Die meisten Stablecoins sind 1:1 an den US-Dollar gekoppelt. Ein einzelner Stablecoin hat also den Wert eines US-Dollars. Ein Stablecoin ist also ein Bindeglied zwischen der digitalen Kryptowelt und der analogen Welt, in der mit US-Dollar oder Euro bezahlt wird. Im Kryptobereich werden Euro, Dollar und Co. auch als Fiat-Währungen bezeichnet. Stablecoins bieten Dir die Möglichkeit, eine Zahlung zu einem Fiat-Gegenwert mithilfe der Blockchain-Infrastruktur abzuwickeln.

Allerdings sind Stablecoins ebenso wie die allermeisten anderen Kryptowährungen nicht-staatlich organisiert. Auch wenn ein Coin dem Dollar folgt, hat die US-Notenbank Fed nichts damit zu tun. 2022 gibt es zwar von allen wichtigen Notenbanken Projekte für eigene Kryptowährungen, diese werden aber nicht als Stablecoins bezeichnet – und sie sind auch noch nicht in die Tat umgesetzt.

Mit Stablecoins können auf vielen Kryptobörsen unzählige andere Kryptowährungen gekauft werden. Umgekehrt besteht auch bei einem Verkauf die Möglichkeit, zurück in Stablecoins zu wechseln.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Dein Geld verbleibt im Kryptokreislauf und kann jederzeit wieder in andere Kryptowährungen investiert werden. 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche.
  • Banken als Zwischenhändler fallen weg. Das spart Dir Zeit, je nach Plattform auch Transaktionsgebühren, denn der Tausch von Kryptowährungen in Stablecoins oder deren Transfer von A nach B ist im Gegensatz zu Fiat-Währungen oft nur mit geringen Kosten verbunden.
  • Der Wert von Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum schwankt sehr stark. Wenn Du einmal versucht hast, eine Währung am höchsten Punkt gegen eine gerade im Wert steigende andere Währung zu verkaufen, dann weißt Du, wie nervenaufreibend und gleichzeitig gefährlich das sein kann. Denn der Wert ändert sich oft im Minutentakt. Stablecoins bieten Dir die Möglichkeit, zwischendurch in einen vergleichsweise wertstabilen Vermögenswert zu wechseln. So kannst Du beim Trading mal durchatmen.
  • Mit Staking und Lending, also dem Halten und Verleihen Deiner Kryptowährungen, bieten Dir einige Kryptobörsen die Möglichkeit, Geld in Form von Kryptozinsen mit deinen Stablecoins zu verdienen.

Die Grafik zeigt die unterschiedliche Schwankung (Volatilität) eines Stablecoins im Vergleich zu einer nicht gekoppelten Kryptowährung: 100 US-Dollar, einmal in Bitcoin, einmal in den Binance USD umgetauscht. Während der Bitcoin im Laufe eines Jahres mehr als 80 Prozent über, aber auch fast 20 Prozent unter seinem Startpreis bewertet wurde, liegen die Preisänderungen des Stablecoin im Promillebereich und sind kaum mit dem Auge erkennbar. Statt in relativen Zahlen kann man das auch in absoluten Preisen ausdrücken: Der Bitcoin-Kurs schwankte innerhalb des Beispieljahres um ca. 37.000 US-Dollar - der Binance-USD-Kurs im selben Zeitraum um weniger als einen Cent.

Stablecoins und Steuern

Für Stablecoins gelten dieselben Steuervorschriften wie bei allen anderen Kryptowährungen. Das heißt: Sowohl der Tausch eines Stablecoins in Euro wie auch der Tausch eines Stablecoins in eine andere Kryptowährung können steuerpflichtig sein – vorausgesetzt, beim Verkauf oder Tausch entsteht ein Gewinn, was bei Stablecoins nicht sehr wahrscheinlich ist. Verkaufst Du Kryptowährungen innerhalb eines Jahres nach ihrer Anschaffung mit Gewinn, ist dies als privates Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig. Es gibt eine Freigrenze von 600 Euro im Jahr. Auch Gewinne aus dem Verkauf von Kunstgegenständen oder Edelmetallen wie Gold werden für diese Freigrenze zusammengerechnet. Behältst Du die Coins länger als zwölf Monate, ist ein Gewinn beim Verkauf steuerfrei.

Das Risiko stark schwankender Kurse ist bei Stablecoins deutlich geringer als bei nicht gekoppelten Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Achte aber aufs Konzept des Stablecoins – auch hier gibt es Risiken.

Hendrik Buhrs
Unser Finanztip-Experte für Bank und Börse

Welche Arten von Stablecoins gibt es?

Einen Stablecoin zeichnet wie gesagt aus, dass er an einen Vermögenswert gekoppelt ist. Das muss nicht immer eine Währung sein. Auch ein Rohstoff wie Gold, eine andere Kryptowährung oder sogar ein Algorithmus können einen Stablecoin gegen einen Wertverlust absichern. Nachfolgend findest Du eine Übersicht der verschiedenen Arten von Stablecoins.

Fiat-gekoppelte Stablecoins

Es liegt in der Natur von Kryptowährungen, dass ihr Wert stark schwankt. Bei Stablecoins, die mit einer herkömmlichen (Fiat-)Währung wie dem US-Dollar unterlegt sind, ist dies nicht der Fall. Der Wert eines Coins entspricht dann ziemlich genau einem US-Dollar. Fiat-gekoppelte Stablecoins werden von den Unternehmen kontrolliert, die sie herausgeben. Als Investor musst Du diesen Unternehmen vertrauen. Die bekanntesten Vertreter sind Tether (USDT) und der USD Coin (USDC).

Krypto-gekoppelte Stablecoins

Auch Krypto-gekoppelte Stablecoins orientieren sich am Kurs von Fiat-Währungen. Im Gegensatz zu den Fiat-gekoppelten Stablecoins sind sie aber durch Kryptowährungen besichert. Da es bei den Kryptowährungen, die zur Besicherung herangezogen werden, zu starken Kursschwankungen kommen kann, sind Krypto-gekoppelte Stablecoins in der Regel überbesichert. Die Überbesicherung soll dazu dienen, die Kursschwankungen auszugleichen. Der Vorteil dieser Stablecoins liegt darin, dass sie im Unterschied zu Fiat-gekoppelten Stablecoins nicht durch ein Unternehmen kontrolliert werden, dem Du als Anleger vertrauen musst. Dafür ist die Investition für Dich mit einem höheren Risiko verbunden, weil die zur Besicherung herangezogenen anderen Kryptowährungen ihrerseits im Wert schwanken. Die bekanntesten Vertreter sind DAI und DAO.

Rohstoff-gekoppelte Stablecoins

Diese Stablecoins sind über Rohstoffe wie Edelmetalle, meist Gold, aber auch durch Immobilien oder Öl besichert. Dank der Besicherung mit physischen Vermögenswerten gilt diese Art von Stablecoins als vergleichsweise sicher. Die bekanntesten Vertreter sind Digix Gold (DGX) und Tether Gold (XAUT).

Algorithmische Stablecoins

Diese Stablecoins sind ungekoppelt, sie sind also durch keinen Vermögenswert gedeckt. Stattdessen sind diese Stablecoins über einen Computeralgorithmus besichert, der bei einer hohen Nachfrage neue Coins erzeugt und bei sinkender Nachfrage das Überangebot aufkauft. Nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage wird so verhindert, dass der Wert zu stark schwankt. Bekannte Vertreter sind Ampleforth (AMPL) und Terra (LUNA).

Im Mai 2022 brachen der Coin Terra USD und seine Schwester Luna zusammen. Die indirekte Bindung an den US-Dollar konnte nicht aufrechterhalten werden, der Wert des Terra USD fiel ins Bodenlose und wurde vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Das Nachfolge-Projekt Terra 2.0 startete ebenfalls mit Schwierigkeiten.

Was sind die bekanntesten Stablecoins?

Heute gibt es etwa 100 verschiedene Stablecoins. Zusammen sind sie rund 130 Milliarden Euro wert (Stand 22. Juni 2022). Etwa 90 Prozent davon entfallen allein auf die drei beliebtesten Projekte Tether (USDT), USD Coin (USDC) und Binance USD.

Die bekanntesten Stablecoins nach Marktkapitalisierung

StablecoinKürzelKurs in US-$
22. Juni 2022
Marktwert
in Mrd. Euro
TetherUSDT0,99963,6
USD CoinUSDC1,0053,1
Binance USDBUSD0,999216,6

Quelle: coinmarketcap.com (Stand: 22.06.2022)

Tether

Tether (USDT) wurde bereits 2014 von den Akteuren hinter der Kryptobörse Bitfinex zu dem Zweck gegründet, die Verwendung von Fiat-Währungen in einem digitalen Umfeld zu erleichtern. Gemessen an der Marktkapitalisierung ist Tether bis heute einer der beliebtesten Stablecoins. Tether ist kompatibel mit den meist genutzten Blockchains, darunter Bitcoin, Ethereum, EOS und Tron.

USD Coin

USD Coin ist ein Stablecoin der amerikanischen Kryptobörse Coinbase. Die Kryptowährung kam 2018 mit dem Ziel auf den Markt, Waren und Dienstleistungen zukünftig in Kryptowährung bezahlen zu können. Die hinterlegten US-Dollars sind auf Konten verwahrt, die einer regelmäßigen öffentlichen Kontrolle unterliegen, durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton. USD Coin ist damit nicht nur gegen US-Dollars abgesichert, sondern auch geprüft und transparent. USD Coin ist ein Ethereum-Token und damit mit Ethereum-Wallets
kompatibel.

Binance USD

Binance USD wurde 2019 von Binance, der derzeit größten Kryptobörse der Welt, in Kooperation mit Paxos herausgebracht, einem in New York ansässigen Finanzinstitut, das sich auf Blockchain spezialisiert hat. Man wollte eine Kryptowährung schaffen, die durch den US-Dollar gestützt wird. Der Stablecoin unterliegt der Aufsicht der Finanzbehörden in New York. Für jeden Binance USD ist auf Treuhandkonten mindestens 1 US-Dollar hinterlegt. Binance USD existiert für die Blockchain-Ökosysteme von Ethereum und Binance.

Was sind die Risiken von Stablecoins?

Stablecoins können aufgrund ihrer Preiskopplung an eine Währung oder einen anderen Vermögenswert in einem Kryptomarkt, der starken Wertschwankungen unterliegt, tatsächlich so etwas wie Stabilität bieten.

Diese Preisstabilität soll bei Stablecoins, die an den US-Dollar gekoppelt sind, dadurch gewährleistet werden, dass für jeden erzeugten oder verkauften Stablecoin ein echter US-Dollar auf ein Konto eingezahlt wird.

In der Praxis werden bei vielen Stablecoins allerdings nur wenige Prozent als echte Reserven in US-Dollar hinterlegt. Der Rest wird zum Beispiel über Geldmarkt- und Wertpapiere gedeckt. So gerieten verschiedene Stablecoins in der Vergangenheit immer wieder in massive Kritik.

Beispielsweise wurde das 1:1-Deckungs-Versprechen von Tether im Laufe der Zeit immer wieder angezweifelt und 2019 dann auch nachweislich gebrochen. Die Bundesbehörden der USA ermitteln bis heute gegen die Verantwortlichen wegen Betrugsverdachts.

Auch Coinbase hatte eine vollständige Deckung seines Stablecoins USD Coin durch US-Dollars versprochen. 2021 stellte sich heraus, dass Teile der Reserven auch aus kurz- und langfristigen Unternehmensanleihen bestanden.

Das ist bei Banken zwar nicht anders – auch hier sind Guthaben nicht 1:1 durch einen Gegenwert besichert. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Gerät die Bank in Schieflage, springt der Staat im Ernstfall ein, reguliert und sichert die Einlagen. Das ist bei Stablecoins nicht so.

Die Risiken von algorithmischen Stablecoins rückten im Mai 2022 in die Schlagzeilen, als Terra USD und der Schwestercoin Luna zusammenbrachen, mit einem geschätzten Marktwert von rund 45 Milliarden Euro.

Überlege Dir also gut, ob du das Risiko einer Investition wirklich tragen möchtest.

Wo kannst Du Stablecoins kaufen?

Du kannst Stablecoins über klassische Kryptobörsen kaufen, genau wie Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen. Obwohl bis heute staatliche Regulierungen im Bereich der Kryptobörsen fehlen, gibt es einige seriöse Anbieter, bei denen du Stablecoins bedenkenlos kaufen kannst.

Wenn Du die Stablecoins erworben hast, entscheidest Du selbst, ob Du die Coins in der jeweiligen Kryptobörse belässt oder sie auf Dein privates Wallet (digitaler Geldbeutel) transferierst. Da Stablecoins dafür gemacht sind, den Handel mit unterschiedlichen Kryptowährungen zu erleichtern, macht es in diesem Fall sicherlich Sinn, sie in der Kryptobörse zu belassen. Wenn du eine Zeit lang nicht handeln möchtest, kannst Du sie in Dein privates Wallet transferieren.

Stablecoins können nochmal deutlich exotischer sein als die beiden großen Kryptos Bitcoin und Ether. Wie Du Stablecoins am besten handelst, hat Finanztip deshalb noch nicht untersucht. Für den Handel mit Bitcoin empfehlen wir Bison, Nuri und Bitvavo.

Bei Bitvavo kannst Du auch Stablecoins kaufen, darunter Tether, USD Coin oder Binance USD. Allerdings bietet Bitvavo keinen direkten Umtausch von einer Kryptowährung zur anderen. Abgerechnet werden zwei Transaktionen: Von Kryptowährung A zu Euro und von Euro zu Kryptowährung B, wobei also auch zwei Mal Transaktionsgebühren anfallen.