Steuerermäßigung für Immobilieneigentümer

So setzen Sie die Kosten einer energetischen Sanierung von der Steuer ab

Nicolas Heronymus Stand: 24. Juli 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Lassen Sie Ihre selbstgenutzte und mindestens zehn Jahre alte Immobilie energetisch sanieren, dürfen Sie 20 Prozent der Kosten von der Steuer absetzen.
  • Bis zu 40.000 Euro Steuern können Sie damit insgesamt sparen.
  • Den Steuervorteil bekommen Sie nur, wenn Sie auf staatliche Förderung zum Beispiel von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) verzichten.
So gehen Sie vor
  • Wägen Sie ab, ob die Steuerermäßigung oder ein staatliches Förderprogramm in Ihrer Situation die beste Wahl ist. Lassen Sie sich dazu von einem Experten beraten.
  • Gefördert werden nur bestimmte energetische Maßnahmen. Sie brauchen außerdem eine Bescheinigung des ausführenden Fachunternehmens. 
  • Wollen Sie die Steuerermäßigung nutzen, sollten Sie bereits vor Beginn der Arbeiten mit dem Finanzamt sprechen. Damit stellen Sie sicher, dass Sie alle Voraussetzungen erfüllen.
  • Die Erstattung erhalten Sie über drei Jahre, wenn Sie Ihre Sanierungskosten in der Steuererklärung angeben. 

Immobilieneigentümer können seit Anfang 2020 eine steuerliche Förderung bekommen, wenn sie ihr Haus energetisch sanieren. Darunter fallen Maßnahmen wie die Wärmedämmung, der Austausch von Fenstern oder eine neue Heizung. Das Finanzamt erstattet 20 Prozent der Kosten, wenn die Voraussetzungen für die Förderung erfüllt sind.

Wer kann die Steuerermäßigung in Anspruch nehmen?

Es gibt einige Voraussetzungen, die Sie erfüllen müssen, wenn Sie den Steuervorteil für die Sanierung Ihrer Immobilie nutzen wollen. Gesetzlich geregelt ist die Förderung der energetischen Sanierung in Paragraf 35c des Einkommensteuergesetz (EStG).

Sie müssen die Wohnung selbst nutzen

Die Steuerermäßigung erhalten Sie nur, wenn Sie die Immobilie selbst nutzen. Das kann ein Haus, eine Eigentumswohnung, aber auch ein Ferienhaus oder eine Zweitwohnung sein.

Wenn noch andere Personen die Immobilie nutzen, ist dies unschädlich, solange diese dafür nichts zahlen. Wenn Sie Ihre Ferienwohnung hingegen zeitweise vermieten, verwehrt das Finanzamt den Steuervorteil. Vermieten Sie einen Teil der Immobilie und nutzen einen anderen selbst, können Sie die Sanierungskosten anteilig für den selbstgenutzten Teil absetzen. Ebenfalls anteilig können Sie die Kosten ansetzen, wenn es Miteigentümer gibt.

Das Gebäude muss mindestens zehn Jahre alt sein

Bereits bei Beginn der Sanierung muss das Gebäude mindestens zehn Jahre alt sein. Für jüngere Gebäude gibt es keine Steuerermäßigung. Maßgeblich für das Alter ist der Beginn der Herstellung. Ob dies bereits der Moment ist, in dem der Bauantrag gestellt wurde oder erst der Baubeginn, ist gesetzlich nicht definiert. Daher sollten Sie vor dem Baustart mit dem Finanzamt sprechen, wenn das Gebäudealter nah an der Zehnjahresgrenze liegt.

Ein Fachunternehmen muss die Arbeiten ausführen

Eine weitere Bedingung ist, dass ein Fachunternehmen die Arbeiten ausführt. Wenn Sie Ihr Gebäude selbst sanieren, können Sie nicht vom Steuervorteil profitieren.

Die Anforderungen an das Fachunternehmen hat das Bundesfinanzministerium in der Energetischen Sanierungsmaßnahmen-Verordnung (ESanMV) geregelt. Dieses muss in einem der folgenden Bereiche tätig sein:

  • Mauer- und Betonbauarbeiten,
  • Stukkateurarbeiten,
  • Maler- und Lackierungsarbeiten,
  • Zimmer-, Tischler- und Schreinerarbeiten,
  • Wärme-, Kälte- und Schallisolierungsarbeiten,
  • Steinmetz- und Steinbildhauarbeiten,
  • Brunnenbauarbeiten,
  • Dachdeckerarbeiten,
  • Sanitär- und Klempnerarbeiten,
  • Glasarbeiten,
  • Heizungsbau und -installation,
  • Kälteanlagenbau,
  • Elektrotechnik- und -installation oder
  • Metallbau.

Wichtig ist auch, dass die durchgeführten Maßnahmen zum Arbeitsbereich des Fachunternehmens gehören. Der Dachdecker, der Ihr Dach neu isoliert, kann also nicht auch noch die Heizungsanlage tauschen oder die Wände dämmen.

Sie benötigen eine Bescheinigung

Das Fachunternehmen muss bescheinigen, dass die Sanierungsmaßnahmen den gesetzlichen Mindestanforderungen genügen. Bei Wärmedämmungen sind dies zum Beispiel die Grenzwerte für die maximale Wärmedurchlässigkeit.

Alternativ kann auch ein Experte die Bescheinigung ausstellen, der die Planungen begleitet oder die Sanierung beaufsichtigt hat. Voraussetzung ist, dass er als Energieberater des Bafa oder als Energieeffizienz-Experte der KfW zugelassen ist. Die KfW ist eine öffentlich-rechtliche Bank, die Zuschüsse und Kredit an Privatleute vergibt. Einen zugelassenen Experten in Ihrer Nähe finden Sie am besten auf dem Portal für Energieeffizienzexperten der Deutschen Energie-Agentur.

Die Bescheinigung können Sie unter Umständen auch von Ihrem Architekten oder Bauingenieur bekommen, wenn dieser berechtigt ist, die Energieausweise für bestehende Gebäude auszustellen und eine Fortbildung im Bereich des energiesparenden Bauens vorweisen kann. Wer außerdem noch dazu berechtigt ist, regelt Paragraf 21 der Energieeinsparverordnung.

Wichtig: Die Kosten für den Experten können Sie nur absetzen, wenn dieser vom Bafa oder der KfW zugelassen ist. Die Hälfte der Kosten, die Sie für die Dienste des Experten zahlen, zählen bei der Berechnung der Steuerermäßigung nach Paragraf 35c EStG. Mehr dazu lesen Sie hier.

Vorlagen für die Bescheinigung des Fachunternehmens und des Energieexperten stellt das Bundesfinanzministerium (BMF) online zur Verfügung. Die Bescheinigung muss alle in der BMF-Mustervorlage genannten Informationen enthalten. Die Kosten für die Erstellung der Bescheinigung können Sie vollständig absetzen.

Sanierungsbeginn und -abschluss zwischen 2020 und 2029

Die Steuerförderung energetischer Sanierungen ist Teil des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung, das im Oktober 2019 beschlossen wurde. Sie gilt nur für Maßnahmen, die nach dem 31. Dezember 2019 beginnen und vor dem 1. Januar 2030 abgeschlossen sind.

Das Gebäude muss im Europäischen Wirtschaftsraum liegen

Der Fiskus fördert nicht nur Maßnahmen für Häuser in Deutschland, sondern auch für Immobilien im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Zum EWR gehören die Staaten der Europäischen Union sowie Island, Liechtenstein und Norwegen. Die Schweiz und Großbritannien zählen nicht dazu.

Wenn Sie beispielsweise Ihr Ferienhaus in Frankreich sanieren lassen, sollten Sie darauf achten, dass Ihnen alle relevanten Dokumente möglichst in beglaubigter Übersetzung vorliegen, also der Nachweis über das Alter des Gebäudes und die Qualifikation der Handwerker, die Bescheinigung der Sanierungsmaßnahmen sowie eine korrekte Rechnung.

Welche Maßnahmen können Sie absetzen?

Die Steuerermäßigung erhalten Sie für die folgenden Maßnahmen:

  • Wärmedämmung von Wänden,
  • Wärmedämmung von Dachflächen,
  • Wärmedämmung von Geschossdecken,
  • Erneuerung der Fenster oder Außentüren,
  • Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage,
  • Erneuerung der Heizungsanlage,
  • Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung und
  • Optimierung bestehender Heizungsanlagen, sofern diese älter als zwei Jahre sind.

Wollen Sie zum Beispiel Ihre Heizung erneuern, gibt es die Förderung unter anderem, wenn Sie eine Solarwärme-Anlage, eine Holzpellet-Heizung oder eine Wärmepumpe einbauen lassen.

Die Förderung können Sie nur für Maßnahmen erhalten, die in Paragraf 35c EStG abschließend aufgelistet sind. Die Anforderungen, die die Maßnahmen mindestens erfüllen müssen, sind in der ESanMV geregelt.

Wie viel können Sie maximal absetzen?

Lassen Sie Ihre Immobilie energetisch sanieren, können Sie 20 Prozent der Kosten von Ihrer Steuerschuld abziehen. Dabei zählen die gesamten Kosten, also auch die für Material und notwendige Umbauten. Für Sanierungskosten bis zu 200.000 Euro erstattet Ihnen das Finanzamt maximal 40.000 Euro. Die Abrechnung erfolgt über drei Jahre.

Dazu müssen Sie in jedem Jahr eine Steuererklärung machen. Für das Jahr, in dem die Maßnahmen abgeschlossen werden, bekommen Sie 7 Prozent der Kosten zurück. Für das zweite Jahr sind es ebenfalls 7 Prozent und im dritten Jahr die verbleibenden 6 Prozent.

Beispiele für die Höhe der Steuerermäßigung pro Jahr

SanierungskostenGesamterstattungim 1. Jahrim 2. Jahrim 3. Jahr
25.000 €5.000 €1.750 €1.750 €1.500 €
50.000 €10.000 €3.500 €3.500 €3.000 €
100.000 €20.000 €7.000 €7.000 €6.000 €
200.000 €40.000 €14.000 €14.000 €12.000 €

Quelle: Finanztip-Berechnungen (Stand: 30. Juni 2020)

Der Höchstbetrag von 40.000 Euro gilt pro Objekt. Daher können Sie den Steuervorteil auch für mehrere Maßnahmen nutzen, die Sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchführen lassen. Das Finanzamt erstattet Ihnen bei jeder Sanierung 20 Prozent der Kosten – so lange, bis Sie den Höchstbetrag für Ihre Immobilie erreichen. Bedingung dabei ist, dass die Maßnahmen zwischen 2020 und 2029 begonnen und abgeschlossen werden.

Wenn Sie beispielsweise nach der Sanierung Ihres Wohnhauses auch Ihre im Rahmen der doppelten Haushaltsführung genutzte Zweitwohnung energetisch sanieren wollen, dann steht Ihnen für dieses zweite Objekt ebenfalls der Höchstbetrag von 40.000 Euro zu.

Die Kosten des Energieexperten sind zu 50 Prozent absetzbar

Wenn Sie einen Energieexperten beauftragt haben, der die Planungen begleitet oder die Sanierung beaufsichtigt hat, können Sie sich die Hälfte der Kosten erstatten lassen. Voraussetzung ist, dass der Experte vom Bafa als Energieberater oder als Energieeffizienz-Experte der KfW zugelassen ist. Im Gegensatz zu den Sanierungskosten können Sie die 50 Prozent für den Experten bereits im ersten Jahr vollständig abziehen.

So berechnen Sie Ihren persönlichen Steuervorteil

Wollen Sie ermitteln, wie hoch Ihr Steuervorteil ist, müssen Sie von den Gesamtkosten die Hälfte der Ausgaben für den Energieexperten sowie die Kosten für Maßnahmen abziehen, die nicht förderfähig sind, wie zum Beispiel die Renovierung des Badezimmers nach dem Einbau einer neuen Heizung.

Beispiel: Höhe der Steuerermäßigung bei Gesamtkosten von 75.000 Euro

 Summe
Förderfähige Maßnahmen mit 20 %
(z.B. neue Heizung und Wanddämmung)
60.500 €
Nicht förderfähige Maßnahmen12.000 €
Erstellung der Bescheinigung500 €
Gesamtkosten73.000 €
Abzug der nicht förderfähigen Maßnahmen- 12.000 €
Bemessungsgrundlage (anrechenbare Kosten) 61.000 €
Steuerermäßigung 20 %12.200 €
Kosten für Energieberater2.000 €
Steuerermäßigung 50 % für Energieberater1.000 €
Im ersten Jahr (7 % + 1.000 € für Energieberater)5.270 €
Im zweiten Jahr (7 %)4.270 €
Im dritten Jahr (6 %)3.660 €
Verbleibender Steuerermäßigungsbetrag
für spätere Sanierungen bis Ende 2029
26.800 €

Quelle: Finanztip-Berechnungen (Stand: 24. Juli 2020)

Darüber hinaus müssen Sie von den Gesamtkosten auch Aufwendungen abziehen, die Sie anderweitig absetzen, zum Beispiel als Handwerkerleistungen. Nutzen Sie nur einen Teil Ihrer Immobilie selbst und vermieten einen anderen, können Sie die Sanierungskosten ebenfalls nur anteilig absetzen.

Worauf müssen Sie achten?

Wenn Sie von der Steuerermäßigung profitieren wollen, sollten Sie auf die folgenden Punkte besonders achten:

Korrekte Rechnung - Die Rechnung muss die förderfähigen Maßnahmen, die Arbeitsleistung des Fachunternehmens und die Adresse der Immobilie ausweisen. Außerdem muss sie in deutscher Sprache ausgestellt sein.

Keine Barzahlung - Die Zahlung müssen Sie unbedingt unbar leisten, das heißt am besten per Überweisung. Das Finanzamt erkennt die Ausgaben nur an, wenn Sie diese anhand eines Kontoauszugs auch belegen können. Bewahren Sie die Nachweise mindestens zwei Jahre auf.

Steuererklärung - Die Steuerermäßigung bekommen Sie nur, wenn Sie für jedes der drei Jahre Ihre Steuererklärung abgeben. Voraussichtlich müssen Sie dafür die Anlage Förderung des Wohneigentums (FW) nutzen. Der Betrag, den Sie geltend machen, mindert direkt Ihre Steuerschuld. Er dient nicht dazu, Ihr zu versteuerndes Einkommen zu senken und den Steuersatz zu drücken, wie es bei den Werbungskosten der Fall ist.

Kein Steuerabzug bei staatlicher Förderung - Wenn Sie für die Sanierung Ihres Hauses oder Ihrer Wohnung staatliche Förderung bekommen, beispielsweise von der KfW oder dem Bafa, können Sie den Steuervorteil nicht nutzen. Sie müssen sich also entscheiden zwischen dem Zuschuss oder einem günstigen Darlehen und der Steuerermäßigung.

Einmaliger Abzug - Sie können die Sanierungskosten nur einmal geltend machen. Das heißt ein Abzug als Sonderausgaben oder Werbungskosten ist zum Beispiel nicht möglich, wenn Sie die Steuerermäßigung für energetische Sanierungen beanspruchen. Eine weitere Steuerermäßigung für Handwerkerkosten bekommen Sie dann auch nicht.

Objektbezogener Höchstbetrag - Der Höchstbetrag von 40.000 Euro gilt pro Objekt. Sie können mehrere Maßnahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchführen lassen und die Kosten von der Steuer abziehen, bis Sie die Erstattungsgrenze erreichen. Haben Sie mehrere Immobilien wie eine Erst- und eine Zweitwohnung, die Sie selbst bewohnen und nicht vermieten, können Sie für jedes der Gebäude jeweils bis zu 40.000 Euro absetzen.

Einzelveranlagung - Steuerermäßigungen für energetische Sanierungen werden dem Ehegatten oder Lebenspartner zugerechnet, der diese gezahlt hat. Alternativ können Eheleute beantragen, dass ihnen die Kosten jeweils zur Hälfte zugerechnet werden. Dazu reicht ein übereinstimmender Antrag, also der Antrag des Partners, der die Kosten getragen hat. Ein gemeinsamer Antrag ist nicht notwendig. Mehr lesen Sie im Ratgeber zur Einzelveranlagung.

Keine Vor- oder Rückträge - Zahlen Sie in einem Jahr weniger Steuern, als Sie durch die Steuerermäßigung zurückbekommen, verfällt der überschüssige Betrag. Sie profitieren also nur von einem Teil der Förderung, denn Vor- oder Rückträge in andere Jahre sind nicht möglich.

Welche Alternativen gibt es?

Wenn Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus sanieren wollen, haben Sie verschiedene Möglichkeiten, eine Förderung zu erhalten und dadurch die Kosten zu verringern.

Jährliche Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen

Alternativ zur Steuerermäßigung für energetische Sanierungen (§ 35c EStG) gibt es im Steuerrecht eine Ermäßigung für Handwerkerleistungen (§ 35a Abs. 3 EStG). Sie können pro Maßnahme allerdings nur eine von beiden in Anspruch nehmen.

Wenn Sie Handwerker in Ihrer selbst genutzten Wohnung arbeiten lassen, dürfen Sie 20 Prozent der Arbeitskosten von der Steuer absetzen. Die Höchstsumme beträgt 1.200 Euro pro Jahr und Haushalt. Anders als bei der Förderung energetischer Sanierungen sind nur Arbeitskosten absetzbar – Materialkosten nicht. Weitere Voraussetzung ist, dass die Arbeiten dem Erhalt oder der Renovierung dienen. Worauf Sie außerdem noch achten sollten, lesen Sie im Ratgeber Handwerkerleistungen absetzen.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Möglichkeiten liegt darin, dass Sie den Steuervorteil für Handwerkerleistungen jedes Jahr nutzen können. Deshalb kann es sich lohnen, kleinere Maßnahmen als Handwerkerleistungen abzusetzen und die Ermäßigung für energetische Sanierungen für größere Vorhaben aufzusparen.

Staatliche Förderung von der KfW oder dem Bafa

Eine weitere Alternative sind staatliche Förderprogramme. Je nach Sanierungsziel kann es sich lohnen, eine Förderung der KfW oder des Bafa zu nutzen. Wichtig: Steuerermäßigung und staatliche Förderung lassen sich nicht kombinieren.

Mit ihrem Programm KfW 430 fördert die öffentlich-rechtliche Bank energetische Sanierungen. Für qualifizierte Einzelmaßnahmen bekommen Sie einen Zuschuss von 20 Prozent der Kosten und höchstens 10.000 Euro pro Wohneinheit. Wenn Sie einen KfW-Effizienzhaus-Standard anstreben, steigt der maximale Zuschuss. Darüber hinaus bietet die KfW auch Kredite mit Tilgungszuschüssen an. Mehr Informationen finden Sie im Ratgeber zum KfW-Programm 430.

Das Bafa hingegen fördert Heizen mit erneuerbaren Energien. Wenn Sie eine neue Heizung einbauen lassen, erhalten Sie Zuschüsse bis zu 35 Prozent. Ersetzen Sie damit eine alte Ölheizung, können es bis zu 45 Prozent sein. Welche Heizungen das Bafa fördert und wie hoch die einzelnen Zuschüsse sind, lesen Sie im Ratgeber zur Bafa-Förderung.

Für wen lohnt sich die Steuerermäßigung?

Sowohl die Steuerermäßigung als auch die staatlichen Förderprogramme haben Vor- und Nachteile. Wollen Sie nur die Heizung tauschen, kann sich die Bafa-Förderung aufgrund der höheren Fördersummen mehr lohnen. Planen Sie hingegen eine größere Sanierung, sollten Sie die Steuerermäßigung und das KfW-Programm 430 vergleichen. Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über wesentliche Unterschiede:

Steuerermäßigung und KfW-Programm 430 im Vergleich

 SteuerermäßigungKfW-Programm 430
Gebäudealtermind. 10 JahreBauantrag oder Bauanzeige vor dem 01.02.2002 gestellt
Berechtigtenur Selbstnutzerauch Vermieter
Begleitung Energieexpertefreiwilligverpflichtend
Beantragungszeitpunktnach der Sanierungvor der Sanierung
BescheinigungFachunternehmenEnergieberater
Auszahlungszeitpunktüber drei Jahrenach Bescheinigung der Sanierung
Maximale Erstattung / Förderung20 % und max. 40.000 Eurovon 20 % und max. 10.000 Euro, bei Einzelmaßnahmen bis zu 40 % und max. 48.000 Euro beim KfW-Effizienzhaus 55

Quelle: Paragraf 35c Einkommensteuergesetz, Bundesfinanzministerium, KfW (Stand: 30. Juni 2020)

Die Steuerermäßigung hat im Vergleich zum KfW-Programm 430 somit einige Vorteile:

  1. Das Gebäude muss nur mindestens zehn Jahre alt sein. Somit gibt es den Steuervorteil schon für jüngere Gebäude.
  2. Da Sie die anteilige Kostenerstattung über die Steuererklärung bekommen, müssen Sie die Förderung erst nach der Sanierung beantragen. Gleichzeitig birgt das ein Risiko, denn das Finanzamt könnte Ihnen die Ermäßigung verwehren, wenn Sie nicht alle Bedingungen erfüllen.
  3. Anders als bei der KfW-Förderung dürfen Sie bei der Steuerermäßigung auf die Begleitung durch einen Energieexperten verzichten. Allerdings können Sie sich in beiden Fällen 50 Prozent der Kosten für den Experten erstatten lassen.
  4. Der Höchstbetrag liegt bei 40.000 Euro pro Objekt und somit deutlich höher als die Maximalsumme für Einzelmaßnahmen beim KfW-Programm. Dieser Vorteil wirkt allerdings nur, solange Sie lediglich Einzelmaßnahmen durchführen lassen und keinen KfW-Effizienzhaus-Standard anstreben. Dann ist die Förderung der KfW nämlich höher.

Was in Ihrer Situation sinnvoll ist, sollten Sie in jedem Fall mit einem Experten besprechen.

Bei der Steuerermäßigung gibt es aber auch einige Nachteile:

  1. Erst mit dem Steuerbescheid erfahren Sie, ob Sie die Maßnahmen erfolgreich abgesetzt haben. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Sie vorher mit dem Finanzamt sprechen, wenn Sie unsicher sind, ob beispielsweise mit den geplanten Maßnahmen alle Voraussetzungen erfüllt werden. Möglicherweise lohnt sich auch eine kostenpflichtige verbindliche Auskunft des Finanzamts. 
  2. Die Steuerermäßigung können Sie nur als Selbstnutzer beanspruchen. Wenn Sie also eine Wohnung auch nur zeitweise vermieten, erhalten Sie keine Förderung.
  3. Die Auszahlung der Steuererstattung erfolgt über drei Jahre. Im Gegensatz dazu erhalten Sie den Zuschuss der KfW bereits nach Abschluss und Bescheinigung der Maßnahmen.
  4. Sie müssen eine ausreichend hohe Steuerlast haben, damit Sie die komplette Ermäßigung bekommen. Zahlen Sie weniger Steuern, als Sie erstattet bekommen, verfällt der überschüssige Betrag und Sie verschenken einen Teil der Förderung. Es sind nämlich keine Vor- und Rückträge möglich.

Energetische Sanierungen und ihre Fördermöglichkeiten sind ein äußerst komplexes Thema. Deshalb sollten Sie sich unbedingt von einem Experten beraten lassen und vor Beginn der Sanierung sorgfältig abwägen, welche Maßnahmen Sie durchführen lassen wollen und welche Fördervariante die beste für Sie ist.

Wo kann ich mich beraten lassen?

Die erste Anlaufstelle ist die Energieberatung der Verbraucherzentrale. Diese berät Sie kostenlos in Beratungsstellen, am Telefon oder per E-Mail. Darüber hinaus ist auch eine Beratung bei Ihnen vor Ort möglich. Ein Gebäude-Check kostet beispielsweise 30 Euro. Für einkommensschwache Haushalte ist er kostenlos. Der Energieberater kann Sie zu Sanierungsmaßnahmen und Fördermöglichkeiten beraten.

Sie können sich auch direkt oder nach einer Beratung bei der Verbraucherzentrale von einem Energieexperten beraten lassen, der vom Bafa oder der KfW zugelassen ist. Diese Beratung müssen Sie bezahlen, sie ist aber auch umfangreicher. Am besten finden Sie einen Experten in Ihrer Nähe auf dem Portal für Energieeffizienzexperten der Deutschen Energie-Agentur.

Autor
Nicolas Heronymus

Stand: 24. Juli 2020


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