Wärmepumpe

Günstiger Strom für Wärmepumpen – unter zwei Bedingungen

Ines Rutschmann Stand: 13. Februar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer mit einer Wärmepumpe heizt, kann spezielle Stromtarife nutzen – sie sind im Schnitt 20 Prozent günstiger als gewöhnlicher Strom für den Haushalt.
  • Solche Wärmestrom-Tarife lassen sich über Vergleichsportale finden. Der Wechsel des Lieferanten läuft genauso wie bei Haushaltsstrom.
  • Die günstigen Tarife gibt es unter zwei Bedingungen: Ihre Wärmepumpe muss steuerbar sein und einen eigenen Stromzähler haben.
So gehen Sie vor
  • Durch den Wechsel des Wärmestrom-Anbieters können Sie Geld sparen. Wir empfehlen einen Vergleich auf den Portalen Check24 und Verivox.
  • Ehe Sie Angebote abfragen, sollten Sie sich vergewissern: Zählt ein separater Zähler den Wärmestrom und ist Ihre Wärmepumpe steuerbar? Andernfalls gelten die günstigen Tarife nicht für Sie.
  • Sagt Ihnen ein Angebot zu, können Sie den Liefervertrag über das Vergleichsportal schließen oder mit dem Anbieter direkt. Den alten Vertrag kündigen Sie entweder selbst oder lassen ihn vom neuen Anbieter kündigen.
  • Vorsicht: Es kann passieren, dass Sie den angezeigten Preis nicht bekommen – weil an Ihrem Wohnort eine höhere Abgabe gilt als üblich. Was Sie dann tun können, lesen Sie hier.

Wärmepumpen gelten als Schlüsseltechnologie, um Wohngebäude umweltfreundlich zu beheizen. Da die Geräte Energie aus der Luft oder dem Boden nutzen, brauchen Sie weniger Brennstoff zum Heizen. Das schont die Umwelt, aber auch Ihren Geldbeutel. Erst recht, wenn Sie einen besonders günstigen Stromtarif nutzen.

Welche Vorteile haben Wärmepumpen?

Politik und Wissenschaft sind sich einig: Wärmepumpen haben eine große Bedeutung für die Energiewende. Effiziente Geräte gewinnen drei Viertel der Wärme aus Luft oder Boden und müssen lediglich für das letzte Viertel noch Strom einsetzen. Beziehen Wärmepumpen auch noch Ökostrom, arbeiten sie rundum klimafreundlich.

Um die deutschen Klimaziele beim Heizen zu erreichen, sollten bis 2030 fünf bis sechs Millionen elektrische Wärmepumpen in Gebäuden installiert sein, haben Wissenschaftler in einer Studie für Agora Energiewende ermittelt. In Betrieb sind heute nach Angaben des Bundesverbands Wärmepumpe rund eine Million Wärmepumpen zum Heizen. Pro Jahr kommen mehr als 80.000 elektrische Wärmepumpen hinzu.
 

Viele Wärmepumpen kommen in Neubauten zum Einsatz: In Häusern mit mehr als 50 Quadratmetern Fläche muss ein Teil der benötigten Wärme aus erneuerbaren Energien stammen (§ 3 EEWärmeG).

Der Staat fördert die Anschaffung von Wärmepumpen zum Heizen: 35 Prozent der Kosten können Sie als Zuschuss über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) erhalten. Zu den Kosten zählen dabei nicht nur der Kauf der Wärmepumpe selbst, sondern auch Bohrungen für Systeme, die Erdwärme nutzen. Den anderen Teil der Kosten können Sie über einen zinsgünstigen Kredit der KfW finanzieren. 

Warum ist Strom für Wärmepumpen günstiger?

Da Wärmepumpen die Wärme aus Luft und Boden nutzen, können Sie mit den Geräten kostengünstig heizen. Durchschnittlich verbraucht eine Wärmepumpe in Deutschland rund 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Dafür zahlen Sie in guten Verträgen etwa 1.300 Euro. 

Noch günstiger ist es, die Wärmepumpe mit eigenem Strom zu betreiben – beispielsweise aus einer Photovoltaik-Anlage. Wenn Ihnen kein eigener Strom zur Verfügung steht, können Sie auf günstige Wärmestrom-Tarife zurückgreifen. 

Mehr als 800 Energieversorger bieten spezielle Stromtarife für Wärmepumpen an. Diese sind im Schnitt 20 Prozent günstiger als Tarife für Haushaltsstrom

Wie kommt es, dass Lieferanten den Strom für eine Wärmepumpe rund 7 Cent pro Kilowattstunde günstiger anbieten? Zwei Faktoren auf den Strompreis spielen dabei eine Rolle: die Entgelte für den Transport des Stroms über das öffentliche Stromnetz und die Konzessionsabgabe.

Für Wärmepumpenstrom verlangen die Netzbetreiber unter bestimmten Bedingungen geringere Netzentgelte. Das macht rund 5 Cent pro Kilowattstunde aus. Die restliche Ersparnis kommt durch die Konzessionsabgabe zustande. Das ist der Teil des Strompreises, der an die Stadt oder Gemeinde geht, in der Sie leben. Für Heizstrom sollte nach Auffassung des Bundeskartellamts eine niedrige Abgabe gelten. Gesetzlich festgelegt ist das aber nicht.

Das hat dazu geführt, dass auf den Strombezug steuerbarer Wärmepumpen je nach Wohnort unterschiedliche Sätze zu zahlen sind. Wohnen Sie in einer Stadt oder Gemeinde, in der der niedrige Abgabensatz gilt, zahlen Sie im Schnitt rund 2 Cent weniger pro Kilowattstunde für Heizstrom.

Unter welchen Bedingungen gibt es den vergünstigten Strom?

Bei Wärmepumpen gewähren die Netzbetreiber sogenannte reduzierte Netzentgelte. Von diesen können Sie aber nur unter zwei Bedingungen profitieren:

  1. ein eigener Zähler muss den Wärmestrom messen – getrennt vom Zähler für Haushaltsstrom – und
  2. der Netzbetreiber muss auf die Wärmepumpe zugreifen und sie steuern können.

Eine Wärmepumpe läuft nicht rund um die Uhr, sondern gewöhnlich einige Stunden am Tag. In diesen Zeiten erwärmt sie so viel Wasser, dass der Wärmespeicher vollgeladen ist. Wird anschließend warmes Wasser oder Raumwärme benötigt, kommt diese aus dem Speicher. Wann die Wärmepumpe arbeitet und den Speicher lädt und wann nicht, lässt sich so in gewissem Maße festlegen.

Das bedeutet auch, dass sich die Stromversorgung der Wärmepumpe gezielt unterbrechen lässt – ohne dass es deswegen in Ihrer Wohnung kalt wird. Diese Möglichkeit nutzen Netzbetreiber, um Ihr Netz im Gleichgewicht zu halten, etwa in Zeiten hoher Stromnachfrage. Erlauben Sie den Zugriff, belohnen das die Netzbetreiber mit reduzierten Entgelten.

Die Zeitpunkte für die Stromunterbrechung sind dabei festgelegt und beschränken sich gewöhnlich auf ein bis drei Stunden am Stück. Zur Steuerung nutzen die Netzbetreiber Geräte wie Rundsteuerempfänger, die sie bei Ihnen einbauen. Welche Technik der Netzbetreiber nutzt und was Sie der Einbau kostet, können Sie bei Ihrem Netzbetreiber erfragen. In der Regel berechnet er einmalig den Einbau – mit einem niedrigen dreistelligen Betrag müssen Sie dabei rechnen. Zusätzlich erhebt er ein jährliches Entgelt von 10 bis 20 Euro, das aber bereits in Ihrem Strompreis enthalten ist. Auch der Installateur, der die Wärmepumpe einbaut, sollte die technischen Bedingungen kennen.

Wann lohnt sich ein Wärmestrom-Tarif?

In unserem Test im November 2019 haben wir nicht nur untersucht, welche Vergleichsportale sich am besten für die Suche nach günstigen Heizstrom-Tarifen eignen. Wir wollten auch wissen, wann sich ein spezieller Tarif für Wärmestrom überhaupt rechnet. Dazu haben wir auf den Portalen ermittelt, wie hoch die Stromkosten sind, wenn Sie Wärme- und Haushaltsstrom zusammen messen oder zwei getrennte Tarife nutzen. 

Das Ergebnis unserer Untersuchung: In acht von den zehn Orten können Sie bei einem Verbrauch von 6.000 Kilowattstunden Ihrer Wärmepumpe Geld sparen, wenn Sie den Wärmestrom separat messen und einen speziellen Wärmestrom-Tarif nutzen.

Ersparnis durch Wärmestrom-Tarif

Ort/

Postleitzahl      

bei 3.000 kWh Wärmestrombei 6.000 kWh Wärmestrom
Alzey/55232107 Euro317 Euro
Bruchsal/766646Keine ErsparnisKeine Ersparnis
Detmold/3276091 Euro157 Euro
Hannover/3045193 Euro323 Euro
Herford/32052139 Euro 199 Euro
Köln/50767Keine Ersparnis49 Euro
Mittweida/09648105 Euro223 Euro
München/8033958 Euro174 Euro
Schwandorf/92421108 Euro269 Euro
Stuttgart/7018027 Euro123 Euro

Die Orte sind alphabetisch geordnet. Die Ersparnis bezieht sich auf das erste Lieferjahr in einem neuen Wärmestrom- und in einem neuen Haushaltsstrom-Tarif und ist auf volle Euro gerundet. Beim Verbrauch von Haushaltsstrom nahmen wir 2.500 Kilowattstunden an. Die Kosten bei getrennter Messung stellten wir den Kosten bei gemeinsamer Messung gegenüber.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 27. November 2019)

Dass es in Bruchsal und Köln keine oder wenig Ersparnis gibt, liegt an den dort geltenden Konzessionsabgaben und Netzentgelten für Wärmepumpenstrom. Gelten an Ihrem Wohnort ähnlich Bedingungen, kann es sogar sein, dass Sie mit einem Tarif Ihres lokalen Versorgers besser fahren als mit jedem anderen Anbieter.

Bei wenig Verbrauch lohnt sich ein Wärmestrom-Tarif nicht unbedingt

Wenn Ihre Wärmepumpe eher wenig Strom aus dem Netz benötigt, sollten Sie abwägen, ob sich ein eigener Zähler für Wärmestrom und das notwendige Steuergerät für Sie rechnet. Bei unserem Test ermittelten wir bei 3.000 Kilowattstunden Stromverbrauch durch die Wärmepumpe eine Ersparnis zwischen 27 und 139 Euro im Jahr. Im Mittel waren es 91 Euro.

Das mag erst einmal erklecklich klingen, bedenken Sie aber: Sobald Sie ein intelligentes Messsystem für die steuerbare Wärmepumpe erhalten, darf der Messstellenbetreiber dafür 100 Euro im Jahr berechnen. Die Kosten für die Steuerbox kommen noch hinzu. Diese sind nicht gesetzlich geregelt. Zum Vergleich: Für einen Zweitarifzähler samt Steuergerät zahlen Verbraucher in neun der zehn von uns gewählten Orten im Test zwischen 20 und 35 Euro im Jahr, für einen Eintarifzähler oft ein bisschen weniger. Lediglich in Hamburg sind die Kosten mit 51 Euro höher.

Außerdem könnte die Steuerung durch den Netzbetreiber Ihren Eigenverbrauch einschränken, wenn Sie selbst Solarstrom erzeugen und in einer Batterie speichern. Ihre Wärmepumpe können Sie dann beispielsweise in den Abendstunden nicht aus der Batterie speisen, wenn der Netzbetreiber gerade die Stromversorgung für die Wärmepumpe unterbricht.

Je geringer Ihr Bedarf für Wärmestrom und Haushaltsstrom insgesamt ist, desto günstiger fahren Sie, den Bezug über einen gemeinsamen Zähler zu messen. So addieren sich die Strommengen. Pro Kilowattstunde zahlen Sie bei höherem Verbrauch in der Regel weniger als bei geringem Verbrauch. Die höchsten Preise pro Kilowattstunde zahlen Geringverbraucher.

Wie finden Sie einen günstigen Wärmestrom-Tarif?

Angebote für Wärmestrom finden Sie auf der Internetseite von Stromlieferanten. Um verschiedene Tarife gegenüber zu stellen, bieten sich Vergleichsportale an. Zwei gibt es für Wärmepumpenstrom: Check24 und Verivox. In unserem Test im November 2019 haben wir beide Portale genauer untersucht und Wärmestrom-Angebote für zehn Orte und jeweils zwei Verbrauchsmengen abgefragt (6.000 und 3.000 Kilowattstunden Strom).

Das Ergebnis unserer Analyse: Wir können sowohl Check24 als auch Verivox mit Einschränkungen empfehlen. Denn beide Portale lieferten für jede getestete Postleitzahl sechs bis neun verbraucherfreundliche Tarife für Wärmepumpen. In unserem zweiten Heizstromtest 2019 für Nachtspeicherheizungen fanden wir weniger verbraucherfreundliche Tarife – vier bis sechs waren es für jeden abgefragten Ort.

Je nach Vorliebe können Sie eines der beiden Portale nutzen. Die günstigsten Angebote waren in unserem Vergleich entweder auf beiden Portalen identisch oder unterschieden sich nur geringfügig im Preis. Zusätzlich können Sie auch noch Ihr regionales Stadtwerk nach Angeboten fragen, wenn es auf den Portalen nicht vertreten ist. Auch in unserem Test 2017 waren Check24 und Verivox unsere Empfehlungen.

Folgende Einschränkung müssen Sie aber beachten, wenn Sie die Portale nutzen wollen: Check24 und Verivox setzen voraus, dass Sie bereits einen eigenen Zähler für die Wärmepumpe installiert haben und dass Ihre Wärmepumpe steuerbar ist. Nur dann gelten die Tarife in der angezeigten Höhe für Sie. Selbst, wenn Sie die technischen Voraussetzungen erfüllen, kann sich der Angebotspreis für Sie noch erhöhen. Mehr dazu lesen Sie weiter unten im Text.

Verivox
Vergleichsrechner für Heizstromtarife
  • listet regionale und bundesweite Angebote
  • mindestens 5 verbraucherfreundliche Angebote für alle untersuchten Orte
  • kein Hinweis bei der Abfrage für Wärmepumpenstrom, dass Tarife nur gelten, wenn ein zweiter Zähler installiert und die Wärmepumpe steuerbar ist
  • Tarifangebote können nach oben korrigiert werden, wenn am Wohnort keine niedrige Konzessionsabgabe gilt
  • verbraucherunfreundliche Standardeinstellungen
Check24
Vergleichsrechner für Heizstromtarife
  • listet regionale und bundesweite Tarife
  • mindestens 4 verbraucherfreundliche Angebote für alle untersuchten Orte
  • kein Hinweis bei der Abfrage für Wärmepumpenstrom, dass Tarife nur gelten, wenn ein zweiter Zähler installiert und die Wärmepumpe steuerbar ist
  • Tarifangebote können nach oben korrigiert werden, wenn am Wohnort keine niedrige Konzessionsabgabe gilt
  • eigene Portalempfehlung oberhalb der Ergebnisliste und voreingestellter Neukundenbonus erschweren das Erkennen nachhaltig günstiger Tarife

So nutzen Sie die Portale

Sowohl Check24 als auch Verivox setzen voraus, dass Sie einen eigenen Zähler für die Wärmepumpe installiert haben. Vergewissern Sie sich daher zuerst, ob

  • für die Wärmepumpe ein separater, zweiter Zähler installiert ist,
  • der Zähler ein oder zwei Zählwerke hat (Eintarifzähler oder Zweitarifzähler),
  • ein Steuerungsgerät für Ihre Wärmepumpe installiert ist.

Ist bei Ihnen kein Zähler für Wärmestrom installiert oder die Wärmepumpe nicht steuerbar, gelten die Preise der angezeigten Angebote nicht für Sie. Wollen Sie den Tarif trotzdem abschließen, wird der Anbieter den Preis mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nach oben korrigieren oder keinen Vertrag mit Ihnen schließen.

Auswählen müssen Sie bei einer Abfrage bei Verivox und Check24 zunächst, ob es sich um einen Eintarifzähler oder einen Zweitarifzähler handelt. Ein Eintarifzähler besitzt nur ein Zählwerk und zeigt Ihnen eine Verbrauchsmenge an. Der Zweitarifzähler besitzt zwei Zählwerke und zeigt Ihnen zwei Verbrauchsmengen an: bei Tag (in der sogenannten Hochtarif-Zeit HT) und bei Nacht (in der sogenannten Niedertarif-Zeit NT). Je nachdem, was für einen Zähler Sie besitzen, geben Sie den Gesamtverbrauch Ihrer Wärmepumpe an oder die Verbrauchswerte aufgeschlüsselt nach NT und HT. Schließlich müssen Sie noch Ihre Postleitzahl eingeben.

Die Angebote, die Sie angezeigt bekommen, können Sie in den Portalen noch einmal nach bestimmten Kriterien filtern, etwa Laufzeit, Kündigungsfrist oder ob Bonuszahlungen einberechnet sein sollen. Wir empfehlen, folgende verbraucherfreundliche Einstellungen zu wählen:

  • keine Pakettarife und Tarife mit Kaution
  • Laufzeit von maximal zwölf Monaten
  • Kündigungsfrist von maximal sechs Wochen
  • Vertragsverlängerung von maximal einem Monat
  • Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten

Wir plädieren für diese Kriterien, weil Sie so zunächst ein Jahr lang mit konstanten Preisen rechnen können. Sind die Konditionen danach nicht mehr günstig, kommen Sie auch wieder schnell aus dem Vertrag heraus. Ohne die Beschränkung auf zwölf Monate Erstvertragslaufzeit, gab es an jedem Ort allerdings deutlich mehr Angebote. Sind Sie also bereit, eine längere Vertragsbindung in Kauf zu nehmen, habe Sie eine größere Auswahl an Angeboten.

Wollen Sie sich die Ersparnis gegenüber Ihrem bisherigen Stromtarif anzeigen lassen, so stellen Sie diesen selbst ein. Beide Portale zeigen zwar automatisch eine mögliche Ersparnis mit einem neuen Tarif an, aber diese Angabe muss nur bedingt auf Sie zutreffen. Häufig nutzen die Portale als Vergleichstarif einen Heizstromtarif Ihres Stadtwerks. Check24 zeigt jedoch auch Tarife von anderen Unternehmen als dem lokalen Versorger an. Der für München und Hannover angegebene Vergleichstarif war dabei so teuer, dass die angezeigte Ersparnis mit mehr als 400 Euro bei 6.000 Kilowattstunden Verbrauch und mehr als 250 Euro bei 3.000 Kilowattstunden Verbrauch unrealistisch hoch ausfiel.

Sicher und bequem: So läuft der Wechsel

Sagt Ihnen ein Angebot zu, können Sie es über die Portale abschließen oder Sie gehen dazu direkt zum Anbieter. Dieser kündigt Ihren bestehenden Liefervertrag für Sie. Alternativ können Sie Ihren alten Vertrag auch selbst kündigen.

Geschlossen ist der neue Vertrag, wenn der neue Anbieter die Stromlieferung zu einem bestimmten Tag zusagt. Innerhalb von zwei Wochen sollten alles geregelt sein. Selbst wenn der Wechsel nicht zum genannten Stichtag klappen sollte, können Sie weiter Strom beziehen – der Grundversorger springt ein, wenn Ihr gewählter Lieferant noch nicht liefern kann. Ersatzversorgung heißt das und erfolgt so lange, bis der neue Anbieter lieferfähig ist.

Während der Vertragslaufzeit gelten dieselben Rechte und Pflichten wie beim Bezug von Haushaltsstrom. Erhöht der Anbieter beispielsweise die Preise, steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu – dann können Sie den Vertrag beenden, ohne die Kündigungsfrist einhalten zu müssen.

Probleme beim Wechsel und was Sie tun können

Beim Wechsel des Wärmestrom-Anbieters kommt es immer wieder zu Problemen. Ein häufiger Streitpunkt: Sie bekommen letztendlich nicht den Preis, der Ihnen auf dem Vergleichsportal angezeigt wurde. Dafür gibt es oft zwei Ursachen:

  • Sie haben über ein Portal einen Tarif gewählt, aber bei Ihnen ist für die Wärmepumpe kein eigener Zähler installiert;
  • Sie haben über ein Portal einen Tarif gewählt und besitzen einen separaten Zähler für die Wärmepumpe, aber die Wärmepumpe ist nicht steuerbar.

In diesen beiden Fällen gelten für Sie keine reduzierten Netzentgelte. Das erfährt der neu gewählte Lieferant, wenn er Kontakt mit Ihrem Netzbetreiber aufnimmt. Die Folge: Er kann den günstigen Preis des Angebots nicht halten – der Unterschied zwischen reduzierten und vollen Netzentgelten beträgt immerhin im Schnitt 5 Cent pro Kilowattstunde (brutto).

Möglich ist dann, dass der Anbieter Sie als Kunden ablehnt. Oder aber er passt seine Konditionen an und unterbreitet Ihnen das Angebot mit neuem Preis. Dieses können Sie ablehnen. Aber dann sollten Sie sich vergewissern, ob Ihr Vertrag mit dem bisherigen Lieferanten bereits gekündigt ist oder weiter besteht.

So rüsten Sie Ihre Wärmepumpe nach

Nur jede zweite in Deutschland installierte Wärmepumpe ist steuerbar und kann damit Wärmestrom beziehen, besagen Daten des Monitoringberichts von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt. Trifft das auf Sie zu, können Sie die Situation ändern: Indem Sie einen eigenen Zähler für Ihre Wärmepumpe installieren und ein Steuerungsgerät einbauen lassen. Besitzen Sie bereits einen separaten Zähler, dann kümmern Sie sich darum, dass Ihre Wärmepumpe gesteuert werden kann. Wenden Sie sich dazu an Ihren Netzbetreiber.

Mancher Netzbetreiber legt fest, dass entweder ein Eintarifzähler (zum Beispiel in Köln) oder ein Zweitarifzähler (zum Beisiel Detmold) für eine steuerbare Wärmepumpe installiert sein muss. Andere stellen es Ihnen frei, sich für einen Zähler mit einem oder zwei Zählwerken zu entscheiden. Allerdings stellt sich die Frage nach der Zahl der Zählwerke künftig nicht mehr: Betreiber steuerbarer Wärmepumpen bekommen intelligente Messsysteme samt einer Steuerbox eingebaut – voraussichtlich fällt der Startschuss für den verpflichtenden Einbau noch 2020. Der Netzbetreiber greift dann über das Messsystem auf die Wärmepumpe zu, um sie zu steuern. Mit dem Einbau kommen höhere Kosten auf Sie zu: 100 Euro im Jahr darf der Messstellenbetreiber nehmen. Hinzu kommen noch Kosten für die Steuerbox.

Die höheren Kosten für den zweiten Zähler und das Steuerungsgerät machen Sie mit den niedrigeren Preisen für Wärmestrom wieder wett – vorausgesetzt, Sie beziehen durchschnittlich viel Strom über das Netz für die Pumpe und alle weiteren Elektrogeräte im Haushalt. Wie wir in unserem Test 2019 festgestellt haben, zahlen Sie bei 6.000 Kilowattstunden Stromverbrauch zwischen 49 und 323 Euro weniger im Jahr, wenn Sie einen guten Wärmestrom-Tarif haben und den Wärmestrom nicht über einen gemeinsamen Zähler mit dem Haushaltsstrom laufen lassen.

Probleme durch höhere Abgaben in Ihrer Kommune

Auf die dritte Ursache eines Problems beim Wechsel haben Sie keinen Einfluss – sie hängt von Ihrem Wohnort ab. In der Regel gehen die Heizstrom-Anbieter davon aus, dass die vergünstigte Konzessionsabgabe von 0,11 Cent pro Kilowattstunde gilt – der Satz, den das Bundeskartellamt für richtig hält und der mehrheitlich in Deutschland erhoben wird. Gilt aber in Ihrer Stadt oder Gemeinde eine höhere Abgabe, stört das den Wechselprozess.

Es gibt keine Datenbank, in der die Höhe der Konzessionsabgabe hinterlegt ist. Das bedeutet: Der neu gewählte Stromanbieter erfährt erst vom Netzbetreiber, dass an Ihrem Wohnort eine höhere Abgabe gilt. Für den Anbieter ist nicht klar, ob die Kommune einfach eine höhere Abgabe nimmt oder Ihre Wärmepumpe die Voraussetzungen für einen günstigen Heizstrom-Tarif nicht erfüllt. Manche Anbieter vergewissern sich dann beim Kunden und verlangen beispielsweise ein Foto vom Zählerschrank. Ist klar, dass die Wärmepumpe einen eigenen Zähler hat, halten sich manche Anbieter trotz höherer Abgabe an den Angebotspreis. Spätestens nach Ende der Preisgarantie wird der Anbieter Ihnen aber vermutlich die volle Abgabe berechnen.

Es kann auch passieren, dass der Anbieter nicht bei Ihnen nachfragt und aufgrund der höheren Konzessionsabgabe einfach schlussfolgert, dass Sie die Bedingungen für günstige Wärmestrom-Tarife nicht erfüllen. Die Folge: Er lehnt Sie als Kunden entweder ab oder berechnet den Preis neu – ohne die günstigeren Netzentgelte für Wärmestrom.

Sie können das Angebot mit höherem Preis dann ablehnen. Oder Sie weisen dem Anbieter nach, dass Sie reduzierte Netzentgelte zahlen. Schicken Sie ihm dazu Ihre letzte Stromrechnung – darauf sind die Kosten für die Netzentgelte aufgeführt. Bitten Sie den Lieferanten dann um eine Neuberechnung des Preises entsprechend dieser Entgelte. Lehnen Sie das Angebot des neuen Versorgers ab, sollten Sie bei Ihrem bisherigen Lieferanten nachfragen, ob Ihr Vertrag weiter besteht oder bereits gekündigt ist. Es kann durchaus sein, dass Ihr alter Vertrag die günstigste Option für Sie ist.

Erhebt Ihre Kommune eine höhere Abgabe für Wärmestrom, können Sie dagegen leider nicht viel tun. Sie können sich beim Bundeskartellamt beschweren oder Ihre Kommune auf die Rechtsauffassung des Bundeskartellamts hinweisen. Von einer Klage sollten Sie absehen, da die Kommunen gesetzlich nicht verpflichtet sind, für Wärmestrom die reduzierte Abgabe festzusetzen.

So haben wir getestet

Test Vergleichsportale für Wärmepumpen November 2019

Durch eine anonyme Google-Suche haben wir Vergleichsrechner für Wärmestrom auf den ersten drei Ergebnisseiten im Internet gefunden. Insgesamt zählten wir 20 Internetseiten, auf denen ein Vergleichsrechner installiert ist. Allerdings nutzten 18 Betreiber der gefundenen Internetseiten lediglich den Rechner eines anderen Anbieters. Am Ende blieben zwei Internetportale, die einen eigenen Rechner erstellt haben und pflegen: Check24 und Verivox. Diese beiden Portale haben wir genauer geprüft – wie schon bei unserem Test 2017.

Der Besuch der Portale lohnt nur, wenn Sie bereits einen eigenen Zähler für die Wärmepumpe installiert haben und wenn Ihre Wärmepumpe steuerbar ist. Verivox und Check24 setzen beides voraus. Sie müssen dann auf den Portalen auswählen, ob Sie einen Eintarifzähler oder einen Zweitarifzähler besitzen.

Für die Abfragen definierten wir zehn Musterhaushalte und riefen zweimal Angebote ab: einmal für 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch und das andere Mal für 3.000 Kilowattstunden im Jahr. 6.000 Kilowattstunden entspricht dem durchschnittlichen Jahresverbrauch einer Wärmepumpe in Deutschland. Rund 3.000 Kilowattstunden Wärmestrom benötigt ein Haushalt, wenn das Haus energieeffizient ist oder wenn die Wärmepumpe einen Teil der elektrischen Energie über eine Photovoltaik-Anlage bezieht.

Die Tarifabfragen nahmen wir jeweils für einen Eintarifzähler und für einen Zweitarifzähler vor. Erfahrungsgemäß betreiben Kunden mit Zweitarifzähler ihre Anlagen mehrheitlich so, dass sie zu 55 Prozent nachts Strom aufnehmen und zu 45 Prozent am Tage. Diese Aufteilung haben wir bei der Eingabe der Stromverbrauchsmengen für Hoch- und Niedertarif-Zeiten angenommen.

Als Standort für die Musterhaushalte dienten zehn unterschiedlich große Kommunen in sechs Bundesländern mit vergleichsweise großer Zahl installierter Wärmepumpen:

  • Schwandorf und München in Bayern
  • Köln, Herford und Detmold in Nordrhein-Westfalen
  • Bruchsal und Stuttgart in Baden-Württemberg
  • Alzey in Rheinland-Pfalz
  • Hannover in Niedersachsen
  • Mittweida in Sachsen

Die Strompreise für die Musterhaushalte haben wir am 13. und 14. November 2019 abgefragt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Umlagen für 2020 bereits in den Preisen berücksichtigt.

Für die Abfragen haben wir folgende verbraucherfreundliche Voreinstellungen gewählt:

  • keine Pakettarife,
  • keine Tarife mit Vorkasse oder Kaution,
  • Preisbindung von mindestens zwölf Monaten,
  • Mindestlaufzeit von maximal zwölf Monaten,
  • Kündigungsfrist von maximal sechs Wochen,
  • Folgelaufzeit von maximal einem Monat.

Wir haben alle verfügbaren Tarife an einem Ort berücksichtigt – unabhängig davon, ob es sich um Ökostrom oder konventionellen Strom handelte, ob das Portal einen Tarif direkt vermitteln konnte oder ob der Tarif eine bestimmte Weiterempfehlungsquote aufwies.

Die günstigsten Angebotspreise für Wärmestrom verglichen wir zunächst zwischen den Portalen. Einige Tarife zeigen Check24 und Verivox beide an. Für jeden Ort fanden wir aber mindestens ein Angebot, das nur Check24 oder nur Verivox präsentierte. Die günstigsten Angebote waren entweder auf beiden Portalen identisch oder unterschieden sich nur geringfügig im Preis. Bei Verivox fanden wir mehr Angebote, die nur direkt beim Anbieter abschließbar sind.

In einer zusätzlichen Abfrage haben wir ermittelt, in welchen Fällen es günstiger ist, einen Wärmestrom-Tarif abzuschließen als die Wärmepumpe mit Haushaltsstrom zu betreiben. Dabei nutzten wir dieselben Voreinstellungen wie für die erste Abfrage von Wärmestrom-Tarifen mit einer Vertragsverlängerung von maximal einem Monat. Für den Haushaltsstromverbrauch nahmen wir 2.500 Kilowattstunden an, entsprechend dem durchschnittlichen Verbrauch von Haushalten in Deutschland.

Wir haben dann die Kosten für zwei Fälle gegenübergestellt:

  • Die Wärmepumpe hat einen eigenen Zähler. Der Haushalt verbraucht also 2.500 Kilowattstunden Haushaltsstrom und 6.000 Kilowattstunden in einem speziellen Wärmestrom-Tarif.
  • Es gibt nur einen einzigen Zähler im Haushalt, über den auch die Wärmepumpe läuft. Es werden also 8.500 Kilowattstunden als Haushaltsstrom abgerechnet.

Die beiden Fälle haben wir auch noch einmal mit einem Stromverbrauch von 3.000 Kilowattstunden für die Wärmepumpe berechnet. Das Ergebnis zeigt unsere Übersicht.

Ergebnisse früherer Finanztip-Untersuchungen

  • Hier finden Sie die Untersuchung zum Stromvergleich für Wärmepumpen von 2017.
  • Und hier können Sie die Untersuchung zu Heizstromtarifen von 2015 nachlesen.
Autor
Ines Rutschmann

Stand: 13. Februar 2020


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