Steuererklärung vom Finanzamt: Lieber nicht, verschenkt Geld
Finanztip empfiehlt: Nimm eine Steuer-App oder -Software
Neuer Test 2026: Check24 fordert Platzhirsch Wiso Steuer
11,5 Mio. Menschen können mit MeinElster+ neuerdings eine vorgefertigte Steuererklärung mit nur einem Klick abschicken. Und in fünf Bundesländern schickt Dir das Finanzamt seit April sogar selbstständig einen „Festsetzungsvorschlag“, den Du nur noch annehmen brauchst.
Schon der Begriff klingt unschön. Was sich dahinter verbirgt, ist es aus unserer Sicht auch: Obwohl beide Optionen kostenlos sind und noch einfacher als der Traum von der Steuererklärung auf dem Bierdeckel klingen, gibt’s vor allem zwei entscheidende Nachteile:
- Du bekommst keine Tipps, was Du absetzen kannst
- Fast alle Posten, die Du von der Steuer absetzen oder abziehen kannst, kennt das Finanzamt nicht. Dazu gehören z. B. Fahrtkosten und andere Ausgaben für Deinen Job, Handwerkerrechnungen und Spenden. Gibst Du ohne solche Ergänzungen mit einem Klick ab oder nimmst den Vorschlag direkt an, schenkst Du dem Finanzamt vermutlich viele hundert Euro
Unser Tipp: Nimm eine Steuer-App oder -Software
Deshalb bleibt‘s dabei: Verzichte auf diese vermeintlich verlockenden Angebote und mach Deine Steuer besser mit einer Software oder App, auch wenn die meist ein paar Euro kosten. Apps sind bis zur Abgabe sogar kostenlos. Du kannst also testen, welche am besten zu Dir passt. So bekommst Du wertvolle Tipps, wenn Du magst oft auch von KI unterstützt und brauchst längst nicht so lange, wie viele denken.
Vor allem mit einer Steuer-App kannst Du's sogar in nur einer Stunde schaffen und Dir im Schnitt über 1.000 € sichern. Dafür sind ein paar Euro gut investiert. Welche die besten Steuer-Apps und Browser-Versionen 2026 – also fürs Steuerjahr 2025 – sind, haben wir gerade für Dich getestet:
Bewertet haben wir, wie korrekt die Apps rechnen (30 % der Gesamtnote), wie gut sie unsere Musterfälle lösen (ebenfalls 30 %), wie einfach die Bedienung ist (20 %), wie stark einfache Prozesse automatisiert und welche Leistungen enthalten sind (je 10 %). Details zu unserem Vorgehen und den Musterfällen liest Du hier.
Hier die fünf wichtigsten Facts aus unserem Test:
1. Check24 Steuer fordert Wiso Steuer raus
Eine neue Macht erhebt sich: Das gilt in der Welt der Steuer-Apps seit gut einem Jahr für das kostenlose Angebot von Check24. 2025 ist die App in unserem Test bei der Gesamtbewertung aus dem Stand auf Platz zwei gelandet, aber noch klar hinter der Nummer eins Wiso Steuer.
Das hat sich dieses Jahr geändert: Wiso und Check24 kommen in der Gesamtwertung beide auf 9,5/10 Punkten. Nur bei den Nachkommastellen liegt Wiso noch einen Hauch vorne, mit 9,53 zu 9,49.
Woher der kleine Unterschied kommt?
Beim Leistungspaket, der Berechnung und der Automatisierung sind beide Apps in unserem Test gleich gut. Bei der Bedienung haben wir uns mit Check24 sogar einen Tick leichter getan. Dafür hat Wiso unsere Musterfälle etwas besser gelöst – und das war uns wichtiger. Check24 hatte hier leichte Probleme, z. B. die richtige Anzahl von Homeoffice-Tagen zu ermitteln oder klar anzugeben, wann sich das Eintragen zusätzlicher Versicherungsbeiträge nicht mehr lohnt.
Wichtig: Der Preis fließt in diese Bewertung nicht ein. Doch hier ist der Unterschied groß: Check24 ist kostenlos, Wiso kostet regulär 45,99 € und ist damit die zweitteuerste unserer insgesamt sieben App- bzw. Browser-Empfehlungen.
Du kannst also selbst entscheiden, ob Dir der Mini-Vorteil auf Leistungsseite 46 € wert ist. Oder eher gut 20 €. Denn meist mehrmals im Jahr bekommst Du Wiso stark reduziert, z. B. bei Finanztip Deals. Oder Du buchst es im Abo. Dann zahlst Du pro Jahr 10 € weniger. Das geht auch bei vielen anderen Anbietern. Außerdem kannst Du die Kosten von der Steuer absetzen.
Wiso kann mehr, als für eine App nötig ist
Wir bewerten die Apps nicht für sehr komplizierte Spezialfälle, denn das ist nicht ihr primärer Sinn. Dafür gibt’s vor allem umfangreiche PC-Software, die wir bald separat genauer für Dich testen. So viel können wir aber schon sagen: Mit Wiso Steuer, SteuerSparErklärung (Steuerjahr 2025) und Tax 2026 machst Du wieder nichts falsch.
Apps hingegen sollen die Steuererklärung vor allem leicht und korrekt machen. Wiso kann hier trotzdem mehr: Zwar kannst Du Wiso und Check24 Steuer nutzen, wenn Du selbstständig bist oder ein Gewerbe hast. Geht’s dann aber an die Umsatzsteuer, kommst Du bei Check24 nicht weiter. Bei Wiso wechselst Du einfach in die Browservariante und erstellst Deine Umsatzsteuererklärung.
Auch die Gewerbesteuererklärung geht mit Wiso, bei Check24 nicht. In unseren Test fließt das nicht ein. Brauchst Du aber die Gewerbe- und Umsatzsteuererklärung, nimm unbedingt Wiso.
Was sonst noch für Wiso spricht
Wenn Du schon seit Jahren die Steuer mit einer App oder Software machst, solltest Du Dir einen Anbieterwechsel generell gut überlegen. Denn so verlierst Du die praktische Übernahme der Vorjahresdaten und musst Dich an eine neue App gewöhnen – wobei das bei Check24 zügig klappen dürfte.
Sei Dir außerdem bewusst, dass Wiso Steuer eine App nur für diesen einen Zweck ist. Check24 Steuer ist dagegen ein Teil der allgemeinen Check24 App. Du kannst also auch in Berührung mit anderen Produkten kommen, die wir vielleicht nicht empfehlen.
2. Wann Du besser Browser statt App nimmst
Schauen wir auf unsere weiteren Empfehlungen: Smartsteuer hat keine App, die Anwendung im Browser ist aber stark und landet mit 9/10 Punkten auf dem klaren dritten Platz.
SteuerGo und Lohnsteuer kompakt (beide 8,6) haben zwar eine App, wir haben aber die Browserversion getestet und empfehlen auch nur die. Denn mit der App haben wir schnell funktionale Einschränkungen festgestellt: Für eine optimale Bedienung brauchst Du bei diesen Anbietern einfach den größeren Bildschirm.
Etwas schwächer waren in diesem Jahr Taxfix (8,3) und Steuerbot (8,1). Wir empfehlen sie aber noch, vor allem für ganz einfache Einstiegsfälle. Sie haben aber nicht ganz perfekt gerechnet und es fehlen einige Leistungen:
- Bist Du selbstständig oder hast ein Gewerbe, kommst Du nicht weiter. Bei Taxfix nur, wenn für Dich die Kleinunternehmerregelung gilt
- Bist Du verheiratet, kannst Du nicht prüfen, ob getrennte oder gemeinsame Veranlagung besser ist
- Auch den Steuerbescheid kannst Du nur eingeschränkt bzw. teuer prüfen
Bei beiden Anbietern haben wir die App getestet, sie läuft genauso gut wie der Browser. Dasselbe gilt für Wiso und Check24, nur auf deutlich höherem Niveau.
3. Alle Empfehlungen können Vermietung – nicht gleich gut
Zum ersten Mal haben wir bei unserem Test eine für Apps etwas anspruchsvolle Aufgabe getestet: die Vermietung einer neuen Eigentumswohnung. Brauchst Du das, greif unbedingt zu Wiso oder Check24. Nur sie konnten die Abschreibung korrekt anhand des Vermietungsbeginns ermitteln – und erfordern hier weniger Vorwissen als die anderen Anbieter.
4. KI hält Einzug
Bei Wiso Steuer beantwortet "Steuer-GPT" Deine Fragen direkt und leitet Dich an die richtige Stelle zum Eintragen.
Bei Check24 Steuer läuft’s mit TaxGPT ähnlich. Dort bekommst Du auch noch passende Tipps zum Steuersparen, je nachdem welchen Beruf Du angibst – und eine KI-Risikoanalyse kurz vor Abgabe, die vor Rückfragen vom Finanzamt schützen soll.
Auch bei der neuen Browser-Version der SteuerSparErklärung war die KI “Alma” im Test hilfreich. Zu unseren Empfehlungen gehört der Anbieter für den Browser aber nicht.
5. Belege werden automatisch ausgelesen und eingetragen
Ebenfalls eine große Hilfe bei der Steuer ist es, wenn die App Deine Unterlagen wie die Lohnsteuerbescheinigung auslesen und automatisch an die richtige Stelle eintragen kann. Das bieten recht viele Apps an. Mit SteuerGo und Lohnsteuer kompakt geht das dank „Intelliscan“ auch mit anderen Belegen. Check24 Steuer bietet das für Deine Nebenkostenabrechnung an.
Im Detail kannst Du alle Anbieter in unserem Steuer-App-Vergleich analysieren. Dort findest Du eine große Vergleichstabelle und zusätzlich ausführliche Anbieterportraits.