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Gerücht im Check: Wird der MSCI World im AV-Depot verboten?

Im AV-Depot dürfen nur Anlagen bis zur Risikoklasse 5 stecken. Könnte ein Börsencrash auch breitgestreute Aktien-ETFs hier rausfallen lassen? Darauf kommt es an.

Timo Halbe
Timo Halbe Geldanlage
Welt und Ausrufezeichen

Altersvorsorge-Depot: Max. Risikoklasse 5 erlaubt
Aktien-ETFs: Können sie diese Stufe überschreiten?  
Darauf kommt's an: Volatilität über 5 Jahre

Mit dem Altersvorsorge-Depot (AV-Depot) sollst Du ab 2027 in einen ETF-Sparplan investieren können – und zwar staatlich gefördert.  

Dabei gibt es aber voraussichtlich eine wichtige Einschränkung: Es sind maximal Fonds und ETFs bis zur Risikoklasse 5 erlaubt.

Kann der MSCI World aus dem AV-Depot fliegen?

Insgesamt gibt es sieben solcher Risikoklassen. Die Fondsanbieter müssen sie für ihre Produkte nach Vorgaben der EU bestimmen und im Basisinformationsblatt ausweisen. Das bekommst Du als Anlegerin oder Anleger immer, wenn Du in einen ETF investierst. Ansonsten spielt diese Einteilung im Alltag für Dich meist keine Rolle.  

Doch rund um diese Risikoeinstufung gibt’s aktuell Spekulationen: Weltweite Aktien-ETFs wie z. B. auf den MSCI World könnten bei einem schweren Börsencrash in die Stufe 6 rutschen – und wären damit im AV-Depot verboten.

Was dran ist, erfährst Du in unserer Analyse:

Diese Risikoklassen gibt es 

  • Risikoklasse 1: Sicherste Klasse. Hier stecken z. B. Geldmarkt-ETFs drin
  • Risikoklasse 2: Etwas mehr Zinsen, aber auch Risiken z. B. durch Wechselkurse. Hier stecken z. B. Rentenfonds drin
  • Risikoklasse 3: Etwas mehr Rendite und Risiko. Hier stecken z. B. schon internationale Aktienfonds drin
  • Risikoklasse 4: Hier ist mehr Rendite möglich, aber auch mehr Risiko. Hier stecken z. B. Fonds drin, die in Wertpapiere aus Schwellenländern oder einzelnen Regionen und Branchen investieren
  • Risikoklasse 5: Hohe Renditen sind hier das Ziel – und Du solltest Börsenerfahrung mitbringen. Hier stecken z. B. ETFs auf Indizes wie den DAX drin
  • Risikoklasse 6: Hier wird spekuliert und es sind sehr hohe Renditen, aber auch Totalverluste möglich. Hier findest Du z. B. Optionsscheine oder den Bitcoin
  • Risikoklasse 7: Ist das Territorium für Profis, das Risiko übersteigt die Gewinnchancen. Hier stecken z. B. Hebelprodukte und manche Kryptowährungen drin

So wird das Risiko gemessen

Bei der Einteilung der Risikoklasse spielt aber nicht direkt eine Rolle, worin der ETF genau investiert, also ob es zum Beispiel Aktien oder Anleihen sind. Stattdessen ist die Volatilität des ETFs in den vergangenen fünf Jahren entscheidend.  

Heißt: Wie stark eine Anlageform in den letzten fünf Jahren im Wert geschwankt ist, bestimmt in welche Risikoklasse sie kommt. Je höher die Gipfel und je tiefer die Täler, desto höher ist die Risikoklasse.

Kann also ein schwerer Crash z. B. den MSCI World in Stufe 6 katapultieren? Das wäre für Dich im AV-Depot ein Problem. Denn Du müsstest aus dem ETF raus – bzw. Dein Anbieter würde automatisch verkaufen – bevor sich die Kurse erholen. Verpasst Du diesen Aufschwung, würde Dich das richtig Rendite kosten.

Wie wahrscheinlich das ist? Dafür schauen wir auf eine Simulation des Fondsanbieters Amundi, die Finanztip für Dich angefragt hat:

Ergebnis: Seit 1995 war der MSCI World in Euro meistens in der Risikoklasse 4, streckenweise sogar in der Klasse 3. Und das trotz großer Krisen wie dem Dotcom-Crash 2001 oder der weltweiten Finanzkrise ab etwa 2008.  

Auch in Krisen weit weg von Risikoklasse 6

Der MSCI World war außerdem nur in einzelnen Phasen in Risikoklasse 5. Von Risikoklasse 6 war er weit entfernt.

Heißt: Dass bei einem Börsencrash Dein weltweiter Aktien-ETF in die Risikoklasse 6 rutscht und aus Deinem AV-Depot fliegt, ist unwahrscheinlich. Der Crash müsste deutlich größer als in vergangenen Krisen sein.

Du müsstest Dich wahrscheinlich um nichts kümmern

Aber was passiert im unwahrscheinlichen Fall, dass es dazu kommt? Bei einem Standard-AV-Depot müsstest Du Dich nach dem derzeitigen Stand nicht kümmern.

Der Anbieter würde in passende Fonds umschichten. Es müsste ein Fonds aus den Stufen 4 oder 5 nachrutschen.  

Diese Fonds würden nachrutschen

Das könnte z. B. ein Mischfonds sein, in dem Aktien, aber z. B. auch Anleihen stecken. Das wäre nicht optimal – aber immer noch besser, als ganz raus aus Aktien zu gehen.

Und immerhin müsstest Du keine Kapitalertragssteuer zahlen: Im AV-Depot ist das Umschichten in der Ansparphase steuerfrei.

In diesem Fall ist noch unklar, was passiert

Was im normalen AV-Depot passiert, ist im Gesetzentwurf noch nicht genau geregelt. Also in der Variante, in der Du Deine ETFs selbst auswählst. Hier könnte es so sein, dass Du nur nicht mehr neu in einen MSCI-World-ETF anlegen könntest, Dein bestehendes Investment aber nicht verkaufen musst.  

Das wäre eine bessere Variante. Immerhin müsstest Du dann keine Verluste realisieren – gerade in einer schweren Krise, wenn die Kurse ohnehin stark gefallen sind. Und Du könntest von einer späteren Erholung profitieren.

Versuch, kein Geld zu verschenken

Wenn Du noch nicht in ETFs investierst, solltest Du unabhängig vom AV-Depot so bald wie möglich damit starten. Wir testen regelmäßig Depotanbieter für Dich, damit Du so geringe Kosten wie möglich hast. Unser Preis-Leistungs-Sieger ist Traders Place

Geld, das Du derzeit nicht investieren möchtest, solltest Du auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto parken. Derzeit gibt's z. B. 3,5 % Zinsen p. a. mit dem Raisin Startzins für 3 Monate oder 3,3 % p. a. bei Santander für 4 Monate.

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