Tipps & Tricks
Gerücht im Check: Wird der MSCI World im AV-Depot verboten?
Im AV-Depot dürfen nur Anlagen bis zur Risikoklasse 5 stecken. Könnte ein Börsencrash auch breitgestreute Aktien-ETFs hier rausfallen lassen? Darauf kommt es an.

Tipps & Tricks
Im AV-Depot dürfen nur Anlagen bis zur Risikoklasse 5 stecken. Könnte ein Börsencrash auch breitgestreute Aktien-ETFs hier rausfallen lassen? Darauf kommt es an.


Altersvorsorge-Depot: Max. Risikoklasse 5 erlaubt
Aktien-ETFs: Können sie diese Stufe überschreiten?
Darauf kommt's an: Volatilität über 5 Jahre
Mit dem Altersvorsorge-Depot (AV-Depot) sollst Du ab 2027 in einen ETF-Sparplan investieren können – und zwar staatlich gefördert.
Dabei gibt es aber voraussichtlich eine wichtige Einschränkung: Es sind maximal Fonds und ETFs bis zur Risikoklasse 5 erlaubt.
Insgesamt gibt es sieben solcher Risikoklassen. Die Fondsanbieter müssen sie für ihre Produkte nach Vorgaben der EU bestimmen und im Basisinformationsblatt ausweisen. Das bekommst Du als Anlegerin oder Anleger immer, wenn Du in einen ETF investierst. Ansonsten spielt diese Einteilung im Alltag für Dich meist keine Rolle.
Doch rund um diese Risikoeinstufung gibt’s aktuell Spekulationen: Weltweite Aktien-ETFs wie z. B. auf den MSCI World könnten bei einem schweren Börsencrash in die Stufe 6 rutschen – und wären damit im AV-Depot verboten.
Was dran ist, erfährst Du in unserer Analyse:
Bei der Einteilung der Risikoklasse spielt aber nicht direkt eine Rolle, worin der ETF genau investiert, also ob es zum Beispiel Aktien oder Anleihen sind. Stattdessen ist die Volatilität des ETFs in den vergangenen fünf Jahren entscheidend.
Heißt: Wie stark eine Anlageform in den letzten fünf Jahren im Wert geschwankt ist, bestimmt in welche Risikoklasse sie kommt. Je höher die Gipfel und je tiefer die Täler, desto höher ist die Risikoklasse.
Kann also ein schwerer Crash z. B. den MSCI World in Stufe 6 katapultieren? Das wäre für Dich im AV-Depot ein Problem. Denn Du müsstest aus dem ETF raus – bzw. Dein Anbieter würde automatisch verkaufen – bevor sich die Kurse erholen. Verpasst Du diesen Aufschwung, würde Dich das richtig Rendite kosten.
Wie wahrscheinlich das ist? Dafür schauen wir auf eine Simulation des Fondsanbieters Amundi, die Finanztip für Dich angefragt hat:

Ergebnis: Seit 1995 war der MSCI World in Euro meistens in der Risikoklasse 4, streckenweise sogar in der Klasse 3. Und das trotz großer Krisen wie dem Dotcom-Crash 2001 oder der weltweiten Finanzkrise ab etwa 2008.
Der MSCI World war außerdem nur in einzelnen Phasen in Risikoklasse 5. Von Risikoklasse 6 war er weit entfernt.
Heißt: Dass bei einem Börsencrash Dein weltweiter Aktien-ETF in die Risikoklasse 6 rutscht und aus Deinem AV-Depot fliegt, ist unwahrscheinlich. Der Crash müsste deutlich größer als in vergangenen Krisen sein.
Aber was passiert im unwahrscheinlichen Fall, dass es dazu kommt? Bei einem Standard-AV-Depot müsstest Du Dich nach dem derzeitigen Stand nicht kümmern.
Der Anbieter würde in passende Fonds umschichten. Es müsste ein Fonds aus den Stufen 4 oder 5 nachrutschen.
Das könnte z. B. ein Mischfonds sein, in dem Aktien, aber z. B. auch Anleihen stecken. Das wäre nicht optimal – aber immer noch besser, als ganz raus aus Aktien zu gehen.
Und immerhin müsstest Du keine Kapitalertragssteuer zahlen: Im AV-Depot ist das Umschichten in der Ansparphase steuerfrei.
Was im normalen AV-Depot passiert, ist im Gesetzentwurf noch nicht genau geregelt. Also in der Variante, in der Du Deine ETFs selbst auswählst. Hier könnte es so sein, dass Du nur nicht mehr neu in einen MSCI-World-ETF anlegen könntest, Dein bestehendes Investment aber nicht verkaufen musst.
Das wäre eine bessere Variante. Immerhin müsstest Du dann keine Verluste realisieren – gerade in einer schweren Krise, wenn die Kurse ohnehin stark gefallen sind. Und Du könntest von einer späteren Erholung profitieren.
Wenn Du noch nicht in ETFs investierst, solltest Du unabhängig vom AV-Depot so bald wie möglich damit starten. Wir testen regelmäßig Depotanbieter für Dich, damit Du so geringe Kosten wie möglich hast. Unser Preis-Leistungs-Sieger ist Traders Place.
Geld, das Du derzeit nicht investieren möchtest, solltest Du auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto parken. Derzeit gibt's z. B. 3,5 % Zinsen p. a. mit dem Raisin Startzins für 3 Monate oder 3,3 % p. a. bei Santander für 4 Monate.
Deine Finanzen. Deine App.
Verpasse dank Push-Nachrichten keine News, Spartipps oder wichtigen To-Dos mehr, erhalte einen Überblick über Deine Finanzen mit dem Finanztip Check-Up und speichere wichtige Inhalte für später.
Mit Deinem monatlichen Beitrag stärkst Du die Finanztip Stiftung und hilfst, unser Angebot auszubauen. Als Unterstützer erhältst Du zudem exklusiven Zugang zu Expertengesprächen und zur kompletten Finanztip Academy.
Unterstütze uns* Was der Stern bedeutet:
Finanztip ist kein gewöhnliches Unternehmen, sondern gehört zu 100 Prozent zur gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.
Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, eigenständig die für sie richtigen Finanzentscheidungen zu treffen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).
Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links jedoch anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion ausführlich analysiert und empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.
Für uns als gemeinwohlorientiertes Unternehmen hat es natürlich keinen Einfluss auf die Empfehlungen, ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Dich als Verbraucher ist.
Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.
