Kinder in der PKV

Den Nachwuchs richtig privat krankenversichern

Julia Rieder Stand: 27. Mai 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine kostenlose Familienversicherung wie bei den gesetzlichen Krankenkassen gibt es bei der privaten Krankenversicherung nicht.
  • Sind beide Elternteile privat versichert, brauchen die Kinder ebenfalls privaten Versicherungsschutz.
  • Ist lediglich ein Elternteil in der privaten Krankenversicherung (PKV), richtet sich die Zugehörigkeit der Kinder nach dem Versicherungsstatus des Hauptverdieners und dem Einkommen der Elternteile.
So gehen Sie vor
  • Sind Sie oder Ihr Partner gesetzlich versichert, sollten Sie prüfen, ob Sie Ihr Kind bei einer gesetzlichen Krankenkasse familienversichern können. Dort ist der Versicherungsschutz kostenlos.
  • Ansonsten melden Sie Ihr Neugeborenes innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt bei Ihrem Versicherer oder dem des anderen Elternteils an. Dann gibt es keine Gesundheitsprüfung oder Wartezeit für das Kind.
  • Die private Krankenversicherung gewährt Kindern den gleichen Leistungsumfang wie den Eltern. Soll Ihr Kind einen besseren Versicherungsschutz bekommen, gilt in der Regel eine Wartezeit, bevor dieser greift, und der Anbieter verlangt eine Gesundheitsprüfung.

Eine private Krankenversicherung ist teuer – das gilt vor allen Dingen für Familien mit mehreren Kindern und einem Alleinverdiener. Denn anders als bei einer gesetzlichen Krankenkasse sind Kinder und Ehepartner in der privaten Krankenversicherung (PKV) nicht kostenlos mitversichert. Sie müssen für jedes Kind einen eigenen Versicherungsbeitrag zahlen. In bestimmten Fällen lassen sich Kinder aber auch kostenfrei familienversichern.

Wer muss sein Kind privat versichern?

Sind beide Elternteile privat krankenversichert, ist der Fall einfach: Sie müssen auch ihre Kinder in der PKV versichern – gegen einen eigenen Beitrag. Komplizierter wird es, wenn ein Elternteil privat versichert ist und der andere Elternteil gesetzlich. Dann richtet sich die Zugehörigkeit der Kinder in der Regel nach dem Versicherungsstatus des Hauptverdieners. Daneben ist die Höhe des Einkommens entscheidend für die Frage, ob die Kinder in die kostenlose Familienversicherung dürfen oder privat versichert werden müssen.

Die kostenlose Familienversicherung ist ausgeschlossen, wenn folgende drei Merkmale vorliegen (§ 10 Abs. 3 SGB V):

  • Die Eltern sind Ehegatten oder Lebenspartner und
  • das Einkommen des Privatversicherten ist höher als das des gesetzlich Versicherten und
  • das monatliches Gesamteinkommen des Privatversicherten übersteigt ein Zwölftel der Jahresarbeitsentgeltgrenze (5.212,50 Euro brutto im Jahr 2020).

Ein Beispiel: Der Ehemann und Vater ist gesetzlich krankenversichert, während die Ehefrau und Mutter in der PKV ist. Sie haben einen zehn Jahre alten Sohn. Der Vater verdient 3.700 Euro, die Mutter 5.500 Euro pro Monat. Da die privat versicherte Mutter die Hauptverdienerin der Familie ist und ihr Einkommen die Entgeltgrenze übersteigt, braucht der Sohn eine eigene Krankenversicherung – entweder eine private oder eine freiwillige Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse. Kostenloser Versicherungsschutz über die Familienversicherung des Vaters ist in dieser Konstellation nicht möglich. Anders läge der Fall, wenn die Ehefrau zwar Hauptverdienerin wäre, ihr Einkommen aber unterhalb der Entgeltgrenze läge. Dann wäre eine kostenfreie Familienversicherung beim Vater möglich.

Der Versicherungsstatus der Kinder ist nicht für immer festgelegt. Wenn sich die Umstände ändern, etwa ein Elternteil mehr oder weniger verdient, kann es passieren, dass die Voraussetzungen für die kostenfreie Familienversicherung entfallen oder auf einmal ein Anspruch auf Familienversicherung besteht.

Möchten Sie Ihr Kind gesetzlich versichern und es soll trotzdem in den Genuss bestimmter Zusatzleistungen kommen, können Sie eine private Krankenzusatzversicherung für Ihren Nachwuchs abschließen.

Gibt es spezielle Tarife für Kinder und Jugendliche?

Für jedes privat krankenversicherte Kind müssen Sie eine eigene Versicherungsprämie zahlen. Allerdings gibt es besondere Kinder- und Jugendtarife. Sie sind deutlich günstiger als die normalen Tarife in der privaten Krankenversicherung. So ist für die jüngsten Familienmitglieder der private Krankenversicherungsschutz bereits für etwa 100 Euro im Monat zu haben. Die Pflegepflichtversicherung ist beitragsfrei, sofern das Kind nicht über eigene Einkünfte verfügt.

Ein Grund für die niedrigen Beiträge in Kinder- und Jugendtarifen: Kinder sind sehr günstige Patienten – außer den Vorsorgeuntersuchungen verursachen sie kaum Kosten. Anders als Erwachsene müssen sie meist nicht zum Facharzt gehen oder regelmäßig Medikamente einnehmen. Außerdem bilden die privaten Krankenversicherer bis zum Alter von 21 Jahren noch keine Altersrückstellungen. Erst bei Erwachsenen erheben sie Zuschläge, die sie später nutzen, um Beitragssteigerungen im Alter zu vermindern.

Ist bei Kindern eine Gesundheitsprüfung nötig?

Wie bei Erwachsenen richtet sich der konkrete Beitrag für Kinder grundsätzlich nach dem Gesundheitszustand, nach dem Alter bei Vertragsabschluss und dem Leistungsumfang des Tarifs.

Für Neugeborene entfällt die Gesundheitsprüfung, wenn Sie Ihr Kind innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt bei Ihrem Krankenversicherer oder dem PKV-Anbieter des anderen Elternteils anmelden. Dann ist der Versicherer verpflichtet, Ihr Kind aufzunehmen und es ohne Wartezeit oder eine Gesundheitsprüfung zu versichern. Allerdings muss der Vertrag des privat krankenversicherten Elternteils dafür bereits seit mindestens drei Monaten bestehen. Der Säugling wird dann in den Vertrag des Elternteils aufgenommen – rückwirkend zum ersten Tag des Geburtsmonats.

Wichtig zu wissen: Nutzen Sie die sogenannte Kindernachversicherung ohne Gesundheitsprüfung, „erbt“ Ihr Kind Ihren Versicherungsschutz. Das bedeutet, es bekommt nur die Leistungen, die in Ihrem PKV-Tarif eingeschlossen sind. Überlegen Sie deshalb schon vor der Geburt, ob das vereinbarte Leistungspaket auch für Ihr Kind ausreicht. Falls nicht, können Sie vielleicht die Leistungen aufstocken, etwa durch einen Tarifwechsel.

Sie müssen Ihr Kind nicht in Ihrem eigenen Tarif mitversichern, sondern können auch einen Tarif mit besseren Leistungen wählen – etwa bei einem anderen Versicherungsunternehmen. Allerdings kann der Versicherer dann eine Risikoprüfung verlangen und als Folge daraus auch einen Risikozuschlag erheben oder Leistungen ausschließen.

Gibt es einen Zuschuss zur PKV der Kinder?

Privat versicherte Angestellte erhalten Unterstützung für die Krankenversicherung ihrer Kinder. Der Zuschuss des Arbeitgebers zur Krankenversicherung lässt sich auch für das mitversicherte Kind nutzen. Der Arbeitgeber übernimmt dabei die Hälfte der Kosten für die private Krankenversicherung. Allerdings nur bis zu einer Obergrenze: Der gesamte Zuschuss ist gedeckelt auf den Höchstbeitrag des Arbeitgebers in der gesetzlichen Krankenversicherung, derzeit sind das 368 Euro (Stand 2020). Was darüber hinausgeht, muss der Arbeitnehmer selbst aufbringen. Dabei ist es egal, ob die Kosten durch den eigenen Versicherungsvertrag oder den der Kinder entstehen.

Auch privat versicherte Beamte profitieren von Vergünstigungen. Sie erhalten für ihre Kinder staatliche Beihilfe, die sie mit der privaten Krankenversicherung ergänzen. Dadurch sind die Zusatzkosten durch die Krankenversicherungsbeiträge der Kinder für Beamte deutlich geringer.

Freiberufler und Unternehmer tragen die Prämie für ihre Kinder dagegen in voller Höhe selbst. 

Autor
Julia Rieder

Stand: 27. Mai 2020


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