Kinder in der PKV

Den Nachwuchs privat krankenversichern

Max Mergenbaum Stand: 16. Januar 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine kostenlose Familienversicherung wie bei den gesetzlichen Krankenkassen gibt es bei privaten Anbietern nicht.
  • Sind beide Elternteile privat krankenversichert, benötigen die Kinder daher ebenfalls einen privaten Versicherungsschutz.
  • Ist lediglich ein Elternteil in der privaten Krankenversicherung (PKV), richtet sich die Zugehörigkeit der Kinder in der Regel nach dem Versicherungsstatus des Hauptverdieners.
  • Wenn der Hauptverdiener privat krankenversichert ist und sein Einkommen die Jahresentgeltgrenze übersteigt, müssen Eltern auch ihre Kinder privat krankenversichern.
  • In der PKV gibt es spezielle Kinder- und Jugendtarife, die auf Altersrückstellungen verzichten und deshalb günstiger sind.
So gehen Sie vor
  • Melden Sie Ihr Neugeborenes innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt beim Krankenversicherer eines Elternteils an, gibt es keine Gesundheitsprüfung oder Wartezeit für das Kind.
  • Die private Krankenversicherung gewährt Kindern den gleichen Leistungsumfang wie ihren Eltern. Soll Ihr Kind einen besseren Versicherungsschutz bekommen, gilt in der Regel eine Wartezeit, bevor dieser greift, und die PKV verlangt eine Gesundheitsprüfung.
  • Sind Sie oder Ihr Partner gesetzlich versichert, sollten Sie prüfen, ob Sie Ihr Kind bei einer gesetzlichen Krankenkasse familienversichern können. Dort ist der Versicherungsschutz kostenlos.

Privater Gesundheitsschutz ist teuer – das gilt vor allen Dingen für Familien mit mehreren Kindern und einem Alleinverdiener. Denn anders als bei einer gesetzlichen Krankenkasse sind Kinder und Ehepartner in der privaten Krankenversicherung (PKV)nicht kostenlos mitversichert. Sind beide Elternteile privat krankenversichert, müssen sie auch für jedes Kind eine eigene Versicherungsprämie bezahlen.

Gibt es spezielle Tarife für Kinder und Jugendliche?

Für jedes privat krankenversicherte Kind müssen die Eltern eine eigene Versicherungsprämie bezahlen. Allerdings gibt es besondere Kinder- und Jugendtarife – sie sind deutlich günstiger als die normalen Tarife in der privaten Krankenversicherung. So ist für die jüngsten Familienmitglieder der private Krankenversicherungsschutz bereits für etwa 100 Euro im Monat zu haben.

Ein Grund dafür: Kinder sind sehr günstige Patienten – außer den Vorsorgeuntersuchungen verursachen sie kaum Kosten. Anders als Erwachsene müssen sie meist nicht zum Facharzt gehen oder regelmäßig Medikamente einnehmen.  

Ein weiterer Grund für die günstigen Kinder- und Jugendtarife: Bis zum Alter von 21 Jahren bilden die privaten Krankenversicherer noch keine Altersrückstellungen. Erst bei Erwachsenen erheben sie Zuschläge, um die Beiträge im Alter konstant zu halten. Ein Teil dieser Rückstellungen geht beim Wechsel des Krankenversicherers dann verloren. Bei Kindern und Jugendlichen führt ein Anbieterwechsel dagegen nicht zu zusätzlichen Kosten.  

Wie immer in der privaten Krankenversicherung richtet sich der konkrete Beitrag aber auch nach dem medizinischen Risiko, nach dem Eintrittsalter und dem Leistungsumfang des Tarifs. Die Gesundheitsprüfung entfällt allerdings, wenn ein Neugeborenes spätestens zwei Monate nach der Geburt – rückwirkend zum ersten Tag des Geburtsmonats – in der PKV der Eltern versichert wird. Allerdings muss der Vertrag des privat krankenversicherten Elternteils bereits seit drei Monaten bestehen. Die Pflege-Pflichtversicherung wird beitragsfrei vom Krankenversicherer geführt, sofern das Kind nicht über eigene Einkünfte verfügt.

Kinder müssen jedoch nicht zwangsläufig beim gleichen Anbieter versichert werden wie die Eltern. Es gibt auch Krankenversicherer, die Kinder alleine aufnehmen. Allerdings gilt dann unter Umständen eine Wartezeit bevor der Versicherungsschutz greift und die Versicherung verlangt eine Gesundheitsprüfung.

Außerdem gibt es für bestimmte Gruppen Vergünstigungen: So sind für privat versicherte Beamte die Zusatzkosten wegen der staatlichen Beihilfen deutlich geringer. Freiberufler und Unternehmer tragen die Prämie für ihre Kinder dagegen in voller Höhe selbst.  

Privat versicherte Angestellte erhalten ebenfalls Unterstützung für die Ergänzungsversicherung ihrer Kinder: So bezieht der Zuschuss des Arbeitgebers zur Krankenversicherung auch das mitversicherte Kind ein. Der Arbeitgeber übernimmt dabei die Hälfte der Kosten für die private Krankenversicherung.

Allerdings nur bis zu einer Obergrenze: So ist der gesamte Zuschuss begrenzt auf den Höchstbeitrag des Arbeitgebers in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), derzeit sind das 351,66 Euro (Stand 2019). Was darüber hinausgeht, muss der Arbeitnehmer selbst aufbringen. Dabei ist es egal, ob die Kosten durch den eigenen Versicherungsvertrag oder den der Kinder entstehen.

Wann lassen sich Kinder kostenlos mitversichern?

Wenn ein Elternteil Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist, besteht unter Umständen die Möglichkeit, auch die Kinder gesetzlich zu versichern. In der GKV sind Kinder grundsätzlich bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres beitragsfrei mitversichert. Der Anspruch auf Mitgliedschaft in der kostenfreien Familienversicherung besteht weiter bis zum 25. Lebensjahr, wenn die Kinder noch zur Schule gehen oder studieren. Für Jahrgänge, die noch den 2011 abgeschafften Wehr- oder Zivildienst abgeleistet haben, verlängert sich die Familienversicherung noch einmal um die Dauer des Dienstes (§ 10 SGB V).  

Auch wenn der Nachwuchs ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolviert, ist die kostenlose Mitversicherung bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres möglich. Erwerbslose Kinder sind über die Familienversicherung geschützt, bis sie das 23. Lebensjahr vollendet haben. Behinderte Kinder sind sogar ohne zeitliche Begrenzung mitversichert, falls die Behinderung während der Familienversicherung eingetreten ist. Bedingung dafür ist allerdings, dass sie wegen ihrer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht selbst für ihren Unterhalt sorgen können.

Welche Einkommensgrenzen gibt es in der Familienversicherung?

Bei der „gemischten Wahl“ der Krankenversicherung richtet sich die Zugehörigkeit der Kinder in der Regel nach dem Versicherungsstatus des Hauptverdieners. Daneben ist die Höhe des Einkommens entscheidend für die Frage, ob die Kinder in die kostenlose Familienversicherung dürfen oder in einen teuren Privattarif müssen. Eine Mitversicherung ist ausgeschlossen, sofern von den miteinander verheirateten Eltern lediglich der Geringverdiener gesetzlich versichert ist und das Einkommen des anderen Elternteils die Jahresarbeitsentgeltgrenze von 60.750 Euro (Stand 2019) übersteigt.  

Beispiel: Der Vater ist Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung, während die Mutter privat krankenversichert ist. Sie haben gemeinsam einen 15 Jahre alten Sohn. Der Vater verdient brutto 3.500 Euro im Monat, die Mutter kommt monatlich auf einen Verdienst von 4.000 Euro. Das Einkommen der Mutter liegt also regelmäßig über dem des Vaters, allerdings noch unter der Entgeltgrenze. Die Eltern können ihren Sohn deshalb über den Vater kostenlos familienversichern und müssen keine eigene Krankenversicherung für den Jugendlichen abschließen.  

In der Regel versichert sich der Hauptverdiener privat, und der andere Partner bleibt bei einer gesetzlichen Kasse. Dabei gilt: Wenn das Einkommen des privat versicherten Elternteils über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt, sind auch die Kinder privat oder freiwillig gesetzlich zu versichern. Liegt das Einkommen darunter, können die Kinder beitragsfrei in der Familienversicherung bleiben. Damit sie trotzdem in den Genuss bestimmter Zusatzleistungen kommen, können die Eltern für sie außerdem eine private Krankenzusatzversicherung abschließen.

Mehr dazu im Ratgeber Private Krankenversicherung

 Zum Ratgeber

Autor
Max Mergenbaum

Stand: 16. Januar 2019


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