Kinder in der PKV

Den Nachwuchs richtig privat krankenversichern

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Ver­si­che­rungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine kostenlose Fa­mi­lien­ver­si­che­rung wie bei den gesetzlichen Kran­ken­kas­sen gibt es bei der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung nicht.
  • Sind beide Elternteile privat versichert, brauchen die Kinder ebenfalls privaten Ver­si­che­rungs­schutz.
  • Ist lediglich ein Elternteil in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV), richtet sich die Zugehörigkeit der Kinder nach dem Ver­si­che­rungsstatus des Hauptverdieners und dem Einkommen der Elternteile.

So gehst Du vor

  • Bist Du oder Dein Partner gesetzlich versichert, solltet Ihr prüfen, ob Ihr Euer Kind bei einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se familienversichern könnt. Dort ist der Ver­si­che­rungs­schutz kostenlos.
  • Ansonsten meldest Du das Neugeborene innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt bei Deinem Versicherer oder dem des anderen Elternteils an. Dann gibt es keine Gesundheitsprüfung oder Wartezeit für das Kind.
  • Die private Kran­ken­ver­si­che­rung gewährt Kindern den gleichen Leistungsumfang wie den Eltern. Soll Dein Kind einen besseren Ver­si­che­rungs­schutz bekommen, gilt in der Regel eine Wartezeit, bevor dieser greift, und der Anbieter verlangt eine Gesundheitsprüfung.

Eine private Kran­ken­ver­si­che­rung ist teuer – das gilt vor allen Dingen für Familien mit mehreren Kindern und einem Alleinverdiener. Denn anders als bei einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se sind Kinder und Ehepartner in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) nicht kostenlos mitversichert. Du musst für jedes Kind einen eigenen Ver­si­che­rungsbeitrag zahlen. In bestimmten Fällen lassen sich Kinder aber auch kostenfrei familienversichern.

Wer muss sein Kind privat versichern?

Sind beide Elternteile privat krankenversichert, ist der Fall einfach: Sie müssen auch ihre Kinder in der PKV versichern – gegen einen zusätzlichen Beitrag. Komplizierter wird es, wenn ein Elternteil privat versichert ist und der andere Elternteil gesetzlich. Dann richtet sich die Zugehörigkeit der Kinder in der Regel nach dem Ver­si­che­rungsstatus des Hauptverdieners. Daneben ist die Höhe des Einkommens entscheidend für die Frage, ob die Kinder in die kostenlose Fa­mi­lien­ver­si­che­rung dürfen oder privat versichert werden müssen.

Die kostenlose Fa­mi­lien­ver­si­che­rung ist ausgeschlossen, wenn folgende drei Merkmale vorliegen (§ 10 Abs. 3 SGB V):

  • Die Eltern sind Ehegatten oder Lebenspartner und
  • das Einkommen des Privatversicherten ist höher als das des gesetzlich Versicherten und
  • das monatliche Gesamteinkommen des Privatversicherten übersteigt ein Zwölftel der Jahres­arbeits­entgelt­grenze (5.362,50 Euro in 2021 und 2022).

Ein Beispiel: Der Ehemann und Vater ist gesetzlich krankenversichert, während die Ehefrau und Mutter in der PKV ist. Sie haben einen zehn Jahre alten Sohn. Der Vater verdient 3.700 Euro, die Mutter 5.500 Euro pro Monat. Da die privat versicherte Mutter die Hauptverdienerin der Familie ist und ihr Einkommen die Entgeltgrenze übersteigt, braucht der Sohn eine eigene Kran­ken­ver­si­che­rung – entweder eine private oder eine freiwillige Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se. Kostenloser Ver­si­che­rungs­schutz über die Fa­mi­lien­ver­si­che­rung des Vaters ist in dieser Konstellation nicht möglich. Anders läge der Fall, wenn die Ehefrau zwar Hauptverdienerin wäre, ihr Einkommen aber unterhalb der Entgeltgrenze läge. Dann wäre eine kostenfreie Fa­mi­lien­ver­si­che­rung beim Vater möglich.

Der Ver­si­che­rungsstatus der Kinder ist nicht für immer festgelegt. Wenn sich die Umstände ändern, etwa ein Elternteil mehr oder weniger verdient, kann es passieren, dass die Voraussetzungen für die kostenfreie Fa­mi­lien­ver­si­che­rung entfallen oder auf einmal ein Anspruch auf Fa­mi­lien­ver­si­che­rung besteht.

Möchtest Du Dein Kind gesetzlich versichern und es soll trotzdem in den Genuss bestimmter Zusatzleistungen kommen, kannst Du eine private Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rung für Deinen Nachwuchs abschließen.

Gibt es spezielle Tarife für Kinder und Jugendliche?

Für jedes privat krankenversicherte Kind musst Du eine eigene Ver­si­che­rungsprämie zahlen. Allerdings gibt es besondere Kinder- und Jugendtarife. Sie sind deutlich günstiger als die normalen Tarife in der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung. So ist für die jüngsten Familienmitglieder der private Kran­ken­ver­si­che­rungsschutz bereits für etwa 100 Euro im Monat zu haben. Die Pflegepflichtversicherung ist beitragsfrei, sofern das Kind nicht über eigene Einkünfte verfügt.

Ein Grund für die niedrigen Beiträge in Kinder- und Jugendtarifen: Kinder sind sehr günstige Patienten – außer den Vorsorgeuntersuchungen verursachen sie kaum Kosten. Anders als Erwachsene müssen sie meist nicht zum Facharzt gehen oder regelmäßig Medikamente einnehmen. Außerdem bilden die privaten Krankenversicherer bis zum Alter von 21 Jahren noch keine Altersrückstellungen. Erst bei Erwachsenen erheben sie Zuschläge, die sie später nutzen, um Beitragssteigerungen im Alter zu vermindern.

Ist bei Kindern eine Gesundheitsprüfung nötig?

Wie bei Erwachsenen richtet sich der konkrete Beitrag für Kinder grundsätzlich nach dem Gesundheitszustand, nach dem Alter bei Vertragsabschluss und dem Leistungsumfang des Tarifs.

Für Neugeborene entfällt die Gesundheitsprüfung, wenn Du Dein Kind innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt bei Deinem Krankenversicherer oder dem PKV-Anbieter des anderen Elternteils anmeldest. Dann ist der Versicherer verpflichtet, Dein Kind aufzunehmen und es ohne Wartezeit oder eine Gesundheitsprüfung zu versichern. Allerdings muss der Vertrag des privat krankenversicherten Elternteils dafür bereits seit mindestens drei Monaten bestehen. Der Säugling wird dann in den Vertrag des Elternteils aufgenommen – rückwirkend zum ersten Tag des Geburtsmonats.

Wichtig zu wissen: Nutzt Du die sogenannte Kindernachversicherung ohne Gesundheitsprüfung, „erbt“ Dein Kind Deinen Ver­si­che­rungs­schutz. Das bedeutet, es bekommt nur die Leistungen, die in Deinem PKV-Tarif eingeschlossen sind. Überlege Dir deshalb schon vor der Geburt, ob das vereinbarte Leistungspaket auch für Dein Kind ausreicht. Falls nicht, kannst Du vielleicht die Leistungen aufstocken, etwa durch einen Tarifwechsel.

Du musst Dein Kind nicht in Deinem eigenen Tarif mitversichern, sondern kannst auch einen Tarif mit besseren Leistungen wählen – etwa bei einem anderen Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men. Allerdings kann der Versicherer dann eine Risikoprüfung verlangen und als Folge daraus auch einen Risikozuschlag erheben oder Leistungen ausschließen.

Gibt es einen Zuschuss zur PKV der Kinder?

Privat versicherte Angestellte erhalten Unterstützung für die Kran­ken­ver­si­che­rung ihrer Kinder. Der Zuschuss des Arbeitgebers zur Kran­ken­ver­si­che­rung lässt sich auch für das mitversicherte Kind nutzen. Der Arbeitgeber übernimmt dabei die Hälfte der Kosten für die private Kran­ken­ver­si­che­rung. Allerdings nur bis zu einer Obergrenze: Der gesamte Zuschuss ist gedeckelt auf den Höchstbeitrag des Arbeitgebers in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung (384,58 Euro in den Jahren 2021 und 2022). Was darüber hinausgeht, muss der Arbeitnehmer selbst aufbringen. Dabei ist es egal, ob die Kosten durch den eigenen Ver­si­che­rungsvertrag oder den der Kinder entstehen.

Auch privat versicherte Beamte profitieren von Vergünstigungen. Sie erhalten für ihre Kinder staatliche Beihilfe, die sie mit der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung ergänzen. Dadurch sind die Zusatzkosten durch die Kran­ken­ver­si­che­rungsbeiträge der Kinder für Beamte deutlich geringer.

Freiberufler und Unternehmer tragen die Prämie für ihre Kinder dagegen in voller Höhe selbst. 

Autor
Julia Rieder

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