Altersrückstellungen in der PKV

Polster gegen zu hohe Beiträge im Alter

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Teil der Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) dient dazu, Rückstellungen fürs Alter zu bilden.
  • Diese Altersrückstellungen sind gesetzlich vorgeschrieben und sollen später die Beiträge konstant halten.
  • Bei einem Wechsel des PKV-Anbieters können Versicherte diese Rücklagen mitnehmen – allerdings nur mit einem deutlichen Abschlag.
  • Kehrt der Versicherte zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), verliert er die Rückstellungen.
  • Bei Kinder- und Jugendtarifen sowie bei einer kleinen Anwartschaftsversicherung bilden die Versicherer keine Altersrückstellungen.

So gehen Sie vor

  • Wollen Sie die Versicherung wechseln, sollten Sie nicht den Anbieter verlassen, sondern lediglich bei der Gesellschaft in einen anderen Tarif wechseln.
  • Verlassen Sie die private Krankenversicherung, können Sie die Rücklagen oft für eine Krankenzusatzversicherung nutzen. Dieses Recht muss der Tarif allerdings in den Bedingungen einräumen.
  • Falls Sie zukünftig nochmal in die private Krankenversicherung zurückkehren möchten, sollten Sie prüfen, ob sich eine Anwartschaftsversicherung lohnt.
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In der Lebensmitte höhere Prämien bezahlen, um im Alter die Versicherungsbeiträge niedrig zu halten – dieser Gedanke steckt hinter den Altersrückstellungen in der privaten Krankenversicherung. Um den höheren Krankheitskosten im fortgeschrittenen Lebensalter entgegenzuwirken, bilden die Versicherer Rücklagen. Diese gesetzlich vorgeschriebene Maßnahme soll sicherstellen, dass die Versicherungsbeiträge nicht allein deshalb steigen, weil der Versicherte älter wird. Kinder- und Jugendtarife hat der Gesetzgeber von der Sparpflicht ausgenommen.

Monatsbeitrag enthält auch einen Sparanteil

Die Versicherungsunternehmen kalkulieren den Monatsbeitrag zur privaten Krankenversicherung so, dass er theoretisch über die gesamte Vertragslaufzeit konstant bleiben kann. Allerdings beanspruchen die Versicherten mit zunehmendem Alter mehr Leistungen: Arztbesuche und Klinikaufenthalte nehmen zu. Damit die Krankenversicherer dann nicht die Beiträge erhöhen oder die Leistungen kürzen müssen, legen sie einen Teil der monatlichen Prämie an.

Die gesparten Beitragsteile aller Versicherten eines Anbieters bilden die Alterungsrückstellungen – so der Fachbegriff. Der Einfachheit halber wird oft auch der kürzere Begriff Altersrückstellungen verwendet. Sie helfen, die Versicherungsleistungen auch im Alter zu finanzieren – möglichst ohne steigende Beiträge.

Zuschlag zur Prämie ist gesetzlich geregelt

Der Staat schreibt den Versicherern einen bestimmten Satz für Altersrückstellungen vor: Seit dem 1. Januar 2000 müssen sie bei Neuverträgen 10 Prozent auf den Monatsbeitrag aufschlagen. Alle Neuversicherten zahlen seitdem vom 22. bis zum 61. Lebensjahr einen Zuschlag.

Meist nehmen die Versicherer aber mehr, um Beitragserhöhungen im Alter zu verhindern. Dabei gilt: Je später der Wechsel in die private Krankenversicherung erfolgt, desto höher muss der Anteil der Rücklagen am Monatsbeitrag sein. Denn es bleibt weniger Zeit, um für das Alter ein ausreichendes Polster zu bilden.

Die gesparten Beitragsanteile müssen die Unternehmen verzinslich anlegen und – ohne Abzug etwaiger Kosten – dafür verwenden, Beitragserhöhungen nach dem 65. Lebensjahr aufzufangen. Die erwirtschafteten Zinsen müssen sie ebenfalls zu 90 Prozent der Versichertengemeinschaft gutschreiben.

Ob es tatsächlich gelingt, höhere Beiträge im Alter zu vermeiden, hängt daher auch davon ab, wie sich die Zinsen entwickeln. Der Zinssatz, um die Altersrückstellungen zu berechnen, darf höchstens 3,5 Prozent betragen. Die Unternehmen können ihre Tarife aber auch mit einem niedrigeren Satz kalkulieren. Je niedriger der rechnerisch zugrunde gelegte Zinssatz, desto geringer fallen die Zinserträge aus, die den Rückstellungen zugutekommen. Liegt der Marktzins über dem kalkulatorischen Zinssatz, erzielt das Unternehmen sogenannte Überzinsen. Die Versicherer können diese nutzen, um die Prämie zu senken oder einen Teil der Beiträge zu erstatten.

Hat der Versicherte das 80. Lebensjahr vollendet, müssen die Anbieter die bis dahin nicht verbrauchten Rückstellungen einsetzen, um die Beiträge zu senken. Die Verwendung der Altersrückstellungen und der damit erwirtschafteten Zinsen ist im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) geregelt unter dem Punkt „Alterungsrückstellung; Direktgutschrift“ (§ 150 VAG).

Problemloser Wechsel des Tarifs beim selben Anbieter

Als privat Krankenversicherte haben Sie das Recht, bei Ihrem Versicherer kostenlos in einen anderen Tarif zu wechseln. Eine erneute Gesundheitsprüfung ist dafür nicht nötig. Auch die Altersrückstellungen können Sie bei einem internen Tarifwechsel ohne Probleme mitnehmen. Das Tarifwechselrecht (§ 204 VVG) verpflichtet den Versicherer dazu, den Wechsel in einen gleichartigen Tarif zu ermöglichen – und zwar unter Anrechnung der aus dem bestehenden Vertrag erworbenen Rechte und Alterungsrückstellungen.

Wechseln Sie in einen umfassenderen Tarif, der mehr Leistungen bietet, kann das Versicherungsunternehmen dafür allerdings einen Risikozuschlag und auch eine Wartezeit verlangen. Beides lässt sich abwenden, indem Sie für die zusätzlichen Leistungen des neuen Tarifs einen Leistungsausschluss vereinbaren. Sie haben dann weiterhin nur Anspruch auf die Leistungen aus Ihrem alten Versicherungsvertrag.

Beim Wechsel aus dem Basistarif zurück in einen anderen Tarif kann das Versicherungsunternehmen auch den zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ermittelten Risikozuschlag verlangen. Die Rückstellungen muss es jedoch auch in diesem Fall voll anrechnen.

Mehr dazu im Ratgeber interner Tarifwechsel

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Mitnahme bei Anbieterwechsel stark begrenzt

In voller Höhe bleiben die Altersrückstellungen nur bei einem Tarifwechsel innerhalb der Versicherungsgesellschaft erhalten. Wechseln privat Krankenversicherte dagegen zur Konkurrenz, geht ein Teil der Rücklagen verloren. Seit dem 1. Januar 2009 können Versicherte ihre Rückstellungen nur in der Höhe der Leistungen aus dem Basistarif zum neuen Anbieter mitnehmen. Dies gilt unabhängig davon, ob sie beim neuen Versicherer einen Volltarif oder den Basistarif wählen. Auch der bisherige Tarif spielt dabei keine Rolle.

Unterschiede bestehen außerdem zwischen Bestandskunden und neuen Kunden: Wer bereits vor dem 1. Januar 2009 privat krankenversichert war, konnte im ersten Halbjahr 2009 bei einem Wechsel zu einer anderen Krankenversicherung einen wesentlichen Teil seiner Altersrückstellungen mitnehmen. Wer davon keinen Gebrauch gemacht hat, ist nun an sein Versicherungsunternehmen gebunden. Denn Altersrückstellungen, die vor 2009 gebildet wurden, sind von der Mitnahme-Regelung ausdrücklich ausgeschlossen. Neue Kunden können dagegen bei einem Wechsel grundsätzlich ihre Rücklagen in der Höhe des Basistarifs mitnehmen.

So oder so: Ein Teil der Altersrückstellungen geht also in jedem Fall verloren. Der Anbieterwechsel wird dadurch grundsätzlich weniger attraktiv.

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Verlust der Rücklagen bei Rückkehr in die Gesetzliche

Besonders hart trifft es Privatversicherte, die in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zurückkehren. Das System der gesetzlichen Kassen kennt keine Altersrückstellungen, da es nach dem Prinzip der Umlagefinanzierung organisiert ist. Die höheren Krankheitskosten der älteren Kassenmitglieder werden also von den jüngeren Versicherten mitfinanziert – eine Generation zahlt für die andere. Altersrückstellungen sind deshalb nicht nötigt, sie verbleiben beim privaten Krankenversicherer und kommen dort dem übrigen Versichertenkollektiv zugute. Der GKV-Rückkehrer hat die Rückstellungen also durch seinen Beitrag vergeblich finanziert.

Allerdings ist es Rückkehrern möglich, ihre Rückstellungen weiterhin zu nutzen, wenn sie bei ihrer privaten Krankenversicherung Krankenzusatztarife abschließen. Auf Policen wie Zahnzusatz- oder Krankenhauszusatzversicherung können die Altersrückstellungen angerechnet werden.

Wer vorhat, sich in Zukunft nochmal privat zu versichern, kann sich seine Altersrückstellungen außerdem mit einer Anwartschaft erhalten.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Peter Neitzsch

ehemaliger freier Finanztip-Mitarbeiter

Peter Neitzsch arbeitete als Autor im Versicherungsressort von Finanztip. Als freiberuflicher Journalist schrieb er vorwiegend über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Davor war er unter anderem im Wirtschaftsressort von stern.de tätig.

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen (bis Januar 2018)

Annika Krempel war Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Zuvor hatte sie bereits bei ZDF Wiso, dem RBB und der Stiftung Warentest Erfahrungen als Verbraucherjournalistin gesammelt.