Steu­er­er­klä­rung für Verstorbene

Erben müssen letzte Steu­er­er­klä­rung für Verstorbenen erstellen

Udo Reuß
Finanztip-Experte für Steuern
06. Juli 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Erbst Du, dann musst Du in vielen Fällen für den Verstorbenen eine letzte Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung abgeben – auch ohne Aufforderung vom Finanzamt. Möglicherweise sogar für die Vorjahre.
  • Oft bleibt dafür nur wenig Zeit. War der Verstorbene abgabepflichtig, dann gilt seine gesetzliche Abgabefrist auch für Dich.
  • Eine Steuererstattung erhöht den erbschaftsteuerpflichtigen Wert; eine Nachzahlung reduziert ihn.
So gehst Du vor
  • Verschaffe Dir schnell einen Überblick, ob da steuerliche Altlasten wie jahrelange unversteuerte Einkünfte schlummern.
  • Befürchtest Du, dass Du mit Deinem Vermögen alte Steuerschulden begleichen musst, prüfe, ob Du das Erbe ausschlägst. Dafür hast Du aber nur sechs Wochen Zeit.
  • Bei einer Erbengemeinschaft übernehmt Ihr gemeinsam alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen. Ihr müsst Euch untereinander verständigen.

Wenn ein naher Angehöriger stirbt, dann belastet nicht nur die Trauer, es gibt zusätzlich sehr viele Dinge zu erledigen. Auch der Fiskus nimmt den oder die Erben in die Pflicht. Wahrscheinlich fordert er dazu auf, eine Erbschaftsteuererklärung abzugeben. Doch auch ohne Aufforderung gibt es da eine weitere Pflicht: die letzte Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung für den Verstorbenen. Um diese geht es in diesem Ratgeber.

Wann musst Du als Erbe eine Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung abgeben?

Als Erbe übernimmst Du alle steuerlichen Pflichten des Erblassers. Bist Du Alleinerbe, dann trifft es Dich allein. In einer Erbengemeinschaft müsst Ihr Euch einigen, wer von Euch im Namen des Verstorbenen aber mit eigener Unterschrift dessen letzte Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung erstellt.

Eine Abgabepflicht besteht möglicherweise, wenn der Verstorbene zwischen Jahresbeginn und dem Todestag steuerpflichtige Einkünfte erzielte, die nicht durch den Abzug von Lohn- oder Kapitalertragsteuer abgegolten sind.

Gefährliche Altlasten

Wenn der Erblasser im Sterbejahr verpflichtet war, eine Steu­er­er­klä­rung abzugeben, dann musst Du sie machen. Bei Rentnern ist das häufig der Fall. Und die Pflicht bleibt nach dem Tod bestehen. Gefährlich ist das, wenn der Steuerpflichtige jahrelang versäumt haben sollte zu überprüfen, ob für ihn überhaupt eine Abgabe- und Steuerpflicht bestand. Hatte der Verstorbene relativ hohe Einkünfte und kümmerte sich nicht um deren Versteuerung, könnte dies für die Erben eine tickende Zeitbombe sein. Denn sie erben auch seine Steuerschulden und müssen Liegengelassenes nachholen.

Bei Steuerhinterziehung könnte das Finanzamt möglicherweise die letzten zehn Jahre aufrollen. Entdeckst Du Schwarzgeld, das beispielsweise auf einem ausländischen Konto liegt, solltest Du dieses unverzüglich offenlegen. Am besten schaltest Du dann einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein ein. Denn bei einer unvollständigen Meldung könntest Du Dich selbst strafbar machen.

Erbausschlagung als mögliche Lösung

Befürchtest Du, dass möglicherweise die Steuernachzahlung höher sein könnte als das Erbe, dann solltest Du innerhalb von sechs Wochen das Erbe ausschlagen. So verhinderst Du den Zugriff des Finanzamts auf Dein Privatvermögen, bekommst aber dann auch nichts vom Erbe.

Nimmst Du das Erbe an, haftest Du für eine vollständige und richtige Steu­er­er­klä­rung des Toten. Dementsprechend musst Du Dir Informationen über dessen Einkünfte einholen. Das geht aber meist nur, wenn Du Dich als Rechtsnachfolger ausweisen kannst. Nur dann erhältst Du vertrauliche Informationen. Mit einem Erbschein (alternativ mit einem notariellen Testament oder Erbvertrag) kannst Du Dir diese besorgen – bei Banken, beim Finanzamt des Verstorbenen, seiner Renten- und Kran­ken­ver­si­che­rung und weiteren Stellen. Hilfreich wäre zumindest der letzte Steuerbescheid.

Dementsprechend vorsichtig solltest Du beim Entrümpeln der Wohnung und dem Wegwerfen von Dokumenten sein. Möglicherweise findest Du auch Rechnungen für Handwerker, die Du steuerlich geltend machen kannst und andere Dokumente, die beim Steuersparen helfen können.

Abgabefrist richtet sich nach Abgabepflicht des Verstorbenen

Besteht eine Abgabepflicht für die Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung, dann gilt auch für Dich als Erbe die gesetzliche Abgabefrist. Normalerweise endet diese am 31. Juli des Folgejahres; für das Steuerjahr 2020 ausnahmsweise erst am 1. November 2021. Bis dahin muss die Erklärung beim Finanzamt sein. Schaffst Du es nicht rechtzeitig, dann solltest Du eine Fristverlängerung beim Finanzamt des Verstorbenen beantragen. Sonst drohen Verspätungszuschläge und möglicherweise auch Zinsen. Sollten sogar Steu­er­er­klä­rungen für mehrere Jahre ausstehen, könnte das teuer kommen.

Beispiel für die Abgabefrist: Im Laufe des Jahres 2020 ist der Erblasser gestorben, der eine Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung für das Jahr 2020 abgeben müsste. Bis zum 1. November 2021 musst Du als Erbe dessen Steu­er­er­klä­rung 2020 abgeben und zwar für den Zeitraum 1. Januar 2020 bis zum Todestag. Prüfe, ob noch für die Vorjahre weitere Steu­er­er­klä­rungen ausstehen und gib diese so bald wie möglich ab. 

Du kannst Dich nicht darauf berufen, dass das Finanzamt Dich nicht zur Abgabe einer Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung für den Verstorbenen aufgefordert hat. Von Todesfällen erfährt es aber automatisch und fordert dann häufig die Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung. Möglicherweise musst Du beide Erklärungen abgeben.

Bekommst Du als Rechtsnachfolger nach dem Tod eines bisherigen Vermieters dessen Mieteinnahmen, dann sind das jetzt Einnahmen, die als Vermietungseinkünfte in Deine Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung gehören.

Wann lohnt sich eine freiwillige Steu­er­er­klä­rung für den Verstorbenen?

Möglicherweise war der Verstorbene nicht dazu verpflichtet, eine Steu­er­er­klä­rung abzugeben. Dann gilt auch für Dich, dass Du nach Ende des Todesjahres vier Jahre Zeit hast für eine freiwillige Steu­er­er­klä­rung. Die kann sich insbesondere dann lohnen, wenn der Verstorbene bereits Steuern (zum Beispiel Lohnsteuer, Kapitalertragsteuer oder Steuervorauszahlungen) gezahlt hat und Du damit rechnen kannst, dass dies zu viel war. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn der Gestorbene noch als Arbeitnehmer tätig war oder als Selbstständiger Steuern vorausgezahlt hat.

Du kannst die Ausgaben des Verstorbenen geltend machen

Das gilt auch, wenn der Gestorbene in seinem Sterbejahr hohe Ausgaben hatte, die Du steuerlich geltend machen kannst. Dazu zählen beispielsweise:

Eventuell lohnt es sich sogar, für die letzten vier Jahre eine Steu­er­er­klä­rung zu machen. Hier könnten dann auch noch Zinsen vom Finanzamt hinzukommen. Hilfreich ist es, ein Steuerprogramm zu verwenden.

Was musst Du als Witwe oder Witwer beachten?

Nach dem Tod des Ehepartners erhält der überlebende Partner eine Hinterbliebenenrente (Witwenrente beziehungsweise Witwerrente). Hierfür musst Du aber einen Antrag bei der Ren­ten­ver­si­che­rung stellen. Steuerlich wird die Witwenrente genauso behandelt wie eine Altersrente. Sie ist eine Folgerente. Das heißt, auch hier gilt der vom Finanzamt festgelegte Freibetrag, der sich danach richtet, wann der Verstorbene erstmals Rente bekommen hat. Wie die Rentenbesteuerung funktioniert haben wir in einem ausführlichen Ratgeber zusammengestellt.

Stirbt beispielsweise der verheiratete Mann und seine Witwe beerbt ihn, profitiert sie im Sterbe- und auch noch im Folgejahr vom günstigen Splittingtarif. Sie kann sich mit ihrem verstorbenen Partner auf Antrag zusammen veranlagen lassen (Witwen- oder Witwersplitting, auch Gnadensplitting genannt). Spätestens nach dem zweiten Kalenderjahr muss der überlebende Ehegatte seine Steuerklasse ändern lassen. Ein Single kann nur die Steuerklasse I wählen, als Alleinerziehender wäre auch die Steuerklasse II möglich.

Wem steht eine Erstattung zu und wer übernimmt eine Nachzahlung?

Im günstigsten Fall ergibt sich aus der letzten Steu­er­er­klä­rung für den Gestorbenen ein Guthaben für Dich. Als Alleinerbe zahlt das Finanzamt es Dir aus.

Bei einer Erbengemeinschaft bekommst Du es gemäß Deines Erbanteils. Das gilt analog auch für eine Nachzahlung. Die Erben haften gemeinsam für Steuernachforderungen. Für die Erbschaftsteuer zählen diese dann als Nachlassverbindlichkeit.

Sollte das Erbe nicht ausreichen, dann müsstest Du die Steuern aus Deinem privaten Vermögen entrichten. Du könntest aber die Haftung auf das geerbte Vermögen begrenzen, indem Du beim zuständigen Nachlassgericht eine kostenpflichtige Nachlassverwaltung beantragst.

Erben mehrere Personen, bilden sie eine Erbengemeinschaft. Ihr müsst Euch untereinander verständigen. Erbt Ihr zum Beispiel gemeinsam eine Wohnung, die Ihr fortan vermietet, dann müsst Ihr Euch auch gemeinsam um die Versteuerung der Einnahmen kümmern. Ihr müsst dann das Formular ESt 1 B abgeben (gesonderte und einheitliche Feststellung von Grundlagen für die Einkommensbesteuerung). Das Finanzamt ermittelt dann für jede Person der Erbengemeinschaft einen steuerlich zuzurechnenden Anteil. Uneinigkeit und Streitigkeiten sind bei Erbengemeinschaften keine Seltenheit.

Bestattungskosten und Konsequenzen für die Erbschaftsteuer

Sowohl eine Einkommensteuererstattung als auch Steuerschulden zählen zum erbschaftsteuerlichen Nachlass. Dementsprechend höher oder niedriger fällt dann die Erbschaftsteuer aus.

Hinterbliebene können für die Beerdigungskosten bis zu 10.300 Euro als Nachlassverbindlichkeit vom erbschaftsteuerpflichtigen Wert abziehen. Übersteigen jedoch die Bestattungskosten das Erbe oder die Auszahlung einer Lebensversicherung, so gibt es die Möglichkeit einer Einkommensteuerminderung. Denn Erben können dann die Bestattungskosten als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Das ist dann der Fall, wenn sie die Beerdigung bezahlen müssen, weil sie beispielsweise das Erbe angenommen haben. Absetzbar sind jedoch allein die Kosten für das Grab, den Sarg oder die Urne und die Trauerfeier. Der Abzug wirkt sich nur aus, soweit Du damit Deine individuelle zumutbare Belastung überschreitest.

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