Nachtspeicherheizung

Günstiger Nachtstrom spart mehrere Hundert Euro im Jahr

Ines Rutschmann Stand: 13. Februar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Haben Sie eine Nachtspeicherheizung, können Sie Nachtstrom-Tarife nutzen. Dann zahlen Sie deutlich weniger als bei normalem Haushaltsstrom.
  • Immer mehr Lieferanten bieten gute Tarife.
  • Um Ihre Stromspeicherheizung so günstig wie möglich betreiben zu können, ist die technische Ausstattung bei Ihnen zu Hause entscheidend. Die günstigsten Tarife bekommen Sie nur, wenn Ihre Heizung steuerbar ist und wenn Sie einen zweiten Zähler nur für Nachtstrom haben.
So gehen Sie vor
  • Der Wechsel des Nachtstromanbieters kann Ihnen viel Geld sparen. Vergleichen Sie Tarife mit den Vergleichsportalen Check24 und Verivox.
  • Beim Vergleich der Anbieter müssen Sie Angaben zu Ihrem Stromverbrauch und zum Stromzähler machen. Haben Sie keinen zweiten Zähler, lassen Sie sich diesen vom Netzbetreiber einbauen. Das lohnt sich.
  • Einen neuen Tarif können Sie über das Vergleichsportal oder über den Versorger abschließen. Die Kündigung des alten Vertrags übernimmt der neue Versorger.

Wer eine Nachtspeicherheizung hat, kann mit dem richtigen Stromtarif viel Geld sparen. Allerdings können Sie aus den Tarifen nicht beliebig wählen – die günstigsten gibt es nur, wenn bestimmte technische Bedingungen erfüllt sind. Ist das bei Ihnen der Fall, kann die Ersparnis gegenüber dem Heiztarif Ihres regionalen Anbieters mehrere Hundert Euro im Jahr betragen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Finanztip auf den beiden Portalen Check24 und Verivox, die wir gleichermaßen empfehlen – Sie finden dort günstige und verbraucherfreundliche Nachtstrom-Tarife.

Warum ist Nachtstrom wesentlich günstiger als Haushaltsstrom?

Mit dem Aufkommen von Nachtspeicheröfen in den 1960er Jahren führten viele Stromversorger kostengünstige Tarife für sogenannten Nachtstrom ein. Das ist bis heute so: Nach Daten des Bundeskartellamts kostet Nachtstrom im Schnitt rund 7 Cent pro Kilowattstunde weniger als Haushaltsstrom, den Sie für alle anderen Elektrogeräte in der Wohnung beziehen. Am ungünstigsten ist es daher, wenn Sie für die Heizung Haushaltsstrom beziehen – wechseln Sie in einen Nachtstrom-Tarif, können Sie leicht mehrere Hundert Euro im Jahr sparen.

Drei Faktoren machen Nachtstrom günstiger als Haushaltsstrom:

  • Die Entgelte für den Stromtransport über das öffentliche Netz sind wesentlich geringer. Damit Ihr Anbieter diese Vorteile an Sie weiterreicht, müssen Sie folgende Bedingungen erfüllen: Ein zweiter Zähler misst ausschließlich den Heizstromverbrauch; und der Netzbetreiber muss die Heizung steuern können.
  • Die Konzessionsabgabe, die Ihre Kommune dafür erhebt, dass Stromleitungen durch ihr Gebiet laufen, ist bei Nachtstrom geringer.
  • Der dritte Faktor hat vergleichsweise wenig Gewicht: Viele Stromanbieter setzen für die Nachtstunden einen niedrigeren Strompreis an, weil sie Strom in der Regel nachts zu günstigeren Preisen einkaufen können. Bedingung: Ihr Stromzähler muss zwei Zählwerke haben – eines für den Strombezug am Tag (Hochtarif-Zeit HT) und eines für den Strombezug bei Nacht (Niedertarif-Zeit NT).

Technik beeinflusst Preis für Nachtstrom

Je nachdem, ob Sie Nachtstrom getrennt vom Haushaltstrom über einen zweiten Zähler oder ob Sie beide Strommengen gemeinsam über einen Zähler erfassen, zahlen Sie mehr oder weniger in einem Nachtstrom-Tarif. Das ist unabhängig vom gewählten Anbieter. Die technische Ausstattung bei Ihnen zu Hause ist also entscheidend, wenn Sie Ihre Stromspeicherheizung so günstig wie möglich betreiben wollen.

Wie viele Nachtstrom-Kunden einen Tarif bei gemeinsamer Messung und wie viele einen Tarif bei getrennter Messung besitzen, lässt sich nur grob schätzen: Insgesamt beziehen laut aktuellem Monitoringbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt rund 1,6 Millionen Haushalte Nachtstrom. Bei mindestens 500.000 davon ist die Heizung aber nicht steuerbarvon niedrigeren Netzentgelten können sie damit nicht profitieren.

Ist die Heizung steuerbar und erlauben Sie dem Netzbetreiber auch, sie zu steuern, unterbricht er zu festgelegten Zeiten die Stromversorgung der Heizung. Kühler wird es deswegen in Ihrer Wohnung nicht – schließlich strahlt Ihre Heizung gespeicherte Wärme über Stunden ab.

Test 2019: Vier bis sieben verbraucherfreundliche Angebote je Ort

Es gibt bislang lediglich zwei Vergleichsportale für Nachtspeicherstrom: Check24 und Verivox. Finanztip hat beide auch im Test 2017 untersucht und 2019 erneut.

Gegenüber dem Test 2017 erhielten wir mehr Angebote für jede getestete Postleitzahl – mit den gewählten verbraucherfreundlichen Kriterien. 2017 erhielten wir mit eben diesen Einstellungen für manche Postleitzahl gar kein Angebot oder nur ein oder zwei. 2019 zeigte Verivox dagegen für jeden Ort fünf oder für Hamburg sogar sieben Angebote. Check24 lieferte für jeden Ort vier und für Hamburg fünf.

Die Angebotspreise waren auf beiden Portalen gleichermaßen günstig. Check24 und Verivox listen entweder identische Tarife auf oder die Kosten in den günstigsten Tarifen weichen geringfügig voneinander ab. Daher empfehlen wir weiterhin den Tarifvergleich über Check24 und Verivox, wenn auch mit Abstrichen.

Verivox
Vergleichsrechner für Heizstromtarife
  • listet regionale und bundesweite Angebote
  • mindestens 5 verbraucherfreundliche Angebote für alle untersuchten Orte
  • kein Hinweis bei der Abfrage für Wärmepumpenstrom, dass Tarife nur gelten, wenn ein zweiter Zähler installiert und die Wärmepumpe steuerbar ist
  • Tarifangebote können nach oben korrigiert werden, wenn am Wohnort keine niedrige Konzessionsabgabe gilt
  • verbraucherunfreundliche Standardeinstellungen
Check24
Vergleichsrechner für Heizstromtarife
  • listet regionale und bundesweite Tarife
  • mindestens 4 verbraucherfreundliche Angebote für alle untersuchten Orte
  • kein Hinweis bei der Abfrage für Wärmepumpenstrom, dass Tarife nur gelten, wenn ein zweiter Zähler installiert und die Wärmepumpe steuerbar ist
  • Tarifangebote können nach oben korrigiert werden, wenn am Wohnort keine niedrige Konzessionsabgabe gilt
  • eigene Portalempfehlung oberhalb der Ergebnisliste und voreingestellter Neukundenbonus erschweren das Erkennen nachhaltig günstiger Tarife

1. Ergebnis: Getrennte Messung günstiger als gemeinsame Messung

Für zwölf Orte haben wir Daten abgefragt – mit jeweils 10.000 Kilowattstunden Heizstrom-Verbrauch und 2.500 Kilowattstunden Haushaltsstrom-Verbrauch im Jahr. Verändert haben wir die Angaben zur technischen Ausstattung. Wir erhoben die jährlichen Kosten in den günstigsten Tarifen bei

  • getrennter Messung des Nachtstroms mit zweitem Zähler und zwei Zählscheiben (Doppeltarif- oder Zweitarifzähler) 
  • getrennter Messung des Nachtstroms mit zweitem Zähler und einer Zählscheibe (Eintarifzähler)
  • getrennter Messung des Haushaltsstroms mit eigenem Zähler
  • gemeinsamer Messung von Nachtstrom und Haushaltsstrom über einen Zähler mit zwei Zählscheiben (Doppeltarif- oder Zweitarifzähler)

Es zeigte sich: Die Stromkosten sind am niedrigsten, wenn zwei Zähler die unterschiedlichen Strommengen erfassen.

Kosten je nach Messung von Nachtstrom und Haushaltsstrom

Ort/

Postleitzahl

Kosten gemeinsame

Messung pro Jahr

Kosten getrennte

Messung pro Jahr

Differenz

Bruchsal/76646

3.131 Euro        2.824 Euro307 Euro
Detmold/32760     3.134 Euro  2.899 Euro   235 Euro
Fulda/36039      2.834 Euro 2.626 Euro  209 Euro
Hamburg/20095    3.093 Euro  2.852 Euro   241 Euro
Hannover/30451      2.971 Euro  2.719 Euro252 Euro
Herford/32052     2.985 Euro 2.821 Euro  164 Euro
Karlsruhe/761393.260 Euro        2.947 Euro313 Euro
Köln/50767      2.951 Euro 2.758 Euro  193 Euro
München/80339  2.819 Euro2.558 Euro    260 Euro
Oldenburg/26123    2.891 Euro   2.782 Euro  109 Euro
Schwandorf/92421       2.951 Euro 2.777 Euro 174 Euro
Stuttgart/701802.922 Euro      2.617 Euro305 Euro

Die Kommunen sind alphabetisch geordnet. Alle Zahlen sind auf ganze Eurobeträge gerundet. Bei den Kosten bei getrennter Messung sind jene für separat gemessenen Nachtstrom mit Doppeltarifzähler und die Kosten für Haushaltsstrom zusammenaddiert. Es werden jeweils die Kosten der günstigsten Tarife gezeigt, die bei Check24 oder Verivox gefunden wurden.
Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 27. November 2019)

So lassen Sie sich einen zweiten Zähler setzen

Beziehen Sie Nachtstrom bei gemeinsamer Messung mit dem Haushaltsstrom,lohnt sich in der Regel ein zweiter Zähler für die Speicherheizung samt Steuerungsgerät, wenn der Stromverbrauch in der Wohnung – sowohl für den Haushalt als auch die Heizung – mehr als 6.000 Kilowattstunden beträgt. Denn sowohl bei einer steuerbaren Heizung als auch bei einem Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden ist der Einbau eines intelligenten Messsystems für 100 Euro im Jahr vorgesehen. Vermutlich im Laufe des Jahres 2020 startet der Pflichteinbau der intelligenten Stromzähler.

Um diesen kommen Sie nur herum, wenn Ihr Stromverbrauch insgesamt höchstens 6.000 Kilowattstunden beträgt. Im Schnitt verbraucht aber allein eine Nachtspeicherheizung in Deutschland rund 6.500 Kilowattstunden im Jahr. Das bedeutet: Nur wenn Sie Ihr Heizgerät wenig einsetzen und Ihr Verbrauch für Speicherheizung und alle anderen Haushaltsgeräte bei maximal 6.000 Kilowattstunden im Jahr liegt, ist die gemeinsame Messung beider Strommengen über einen Zähler eine Option.

Prüfen Sie zunächst, wie viel Sie bei getrennter Messung des Heizstroms einsparen – sowohl bei höherem als auch niedrigerem Verbrauch. Rufen Sie dazu die Kosten bei getrennter Messung auf einem der beiden empfohlenen Vergleichsportale ab. Liegt die Ersparnis bei einem Verbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden bei mehr als 100 Euro, lohnt es sich, für die Speicherheizung einen zweiten Zähler sowie ein Steuerungsgerät für die Heizung einbauen zu lassen. Die Kosten dafür holen Sie über die Ersparnis bei den Stromkosten wieder herein. Benötigen Sie lediglich maximal 6.000 Kilowattstunden im Jahr, sollte die Ersparnis bei mehr als 200 Euro liegen, damit sich der Einbau des zweiten Zählers und des Steuerungsgeräts rechnet.

Überlegen Sie, Ihre Heizung steuerbar machen zu lassen, dann wenden Sie sich dazu an Ihren Netzbetreiber. Er kann Ihnen sagen, welche Kosten Ihnen entstehen und welches Steuerungsgerät er vorsieht. Mit dem Einbau können Sie dann den Netzbetreiber beauftragen.

2. Ergebnis: Mit Eintarifzähler günstiger fahren als mit Doppeltarifzähler

Manche Nachtstrom-Tarife unterscheiden sich je nach Tageszeit. Bei Nacht gilt dann ein niedrigerer Strompreis als am Tag. Die Zeitspanne für den Niedertarif erstreckt sich gewöhnlich von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens. Um davon zu profitieren, ist aber in der Regel ein Doppeltarifzähler Voraussetzung – eine Zählscheibe erfasst den Stromverbrauch in der Niedertarif-Zeit, die andere in der Hochtarif-Zeit. 

Ist in einem Haushalt ein Eintarifzähler installiert, berechnen die Versorger einen einheitlichen Tarif. Es gibt auch Versorger, die einen Doppeltarifzähler zur Bedingung machen, um einen Kunden mit Nachtstrom zu beliefern. 

Ein niedrigerer Strompreis bei Nacht muss aber nicht bedeuten, dass der ganze Tarif deutlich günstiger ist als ein Tarif ohne Hochtarif- und Niedertarif-Zeiten. Bei unseren Abfragen stellten wir zwar für jeden Ort eine Ersparnis fest, wenn ein Doppeltarifzähler installiert ist. Diese beläuft sich auf 8 bis 42 Euro im Jahr. Für die genannte Ersparnis einen Eintarifzähler ausbauen und einen Zweitarifzähler einbauen zu lassen, wäre aber nicht gerechtfertigt – die Handwerkskosten lägen höher.

Kosten für Nachtstrom bei getrennter Messung je nach Zählertyp

Ort/

Postleitzahl

jährliche Stromkosten

bei Eintarifzähler

jährliche Stromkosten

bei Zweitarifzähler

Differenz

Bruchsal/76646

2.136 Euro     2.128 Euro 8 Euro
Detmold/32760     2.209 Euro    2.167 Euro  42 Euro
Fulda/36039      1.953 Euro  1.930 Euro  23 Euro
Hamburg/20095    2.152 Euro      2.122 Euro  30 Euro
Hannover/30451      2.037 Euro        2.022 Euro15 Euro
Herford/32052     2.110 Euro     2.101 Euro9 Euro
Karlsruhe/761392.266 Euro     2.254 Euro12 Euro
Köln/50767      2.078 Euro  2.054 Euro  24 Euro
München/80339  1.920 Euro     1.884 Euro 36 Euro
Oldenburg/26123    2.090 Euro     2.073 Euro  17 Euro
Schwandorf/92421       2.073 Euro    2.056 Euro  17 Euro
Stuttgart/701801.977 Euro        1.956 Euro21 Euro

Aufgeführt sind in der Tabelle die jeweils günstigsten Tarife, die von einem der beiden Internetportale bei einem Stromverbrauch von 10.000 Kilowattstunden im Jahr angezeigt wurden. Bei einem Zweitarifzähler liegen 7.000 Kilowattstunden in der NT-Zeit, 3.000 Kilowattstunden in der HT-Zeit. Die Namen der Kommunen sind alphabetisch geordnet. Die jährlichen Kosten sind auf ganze Euro gerundet.
Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 27. November 2019)

Sie müssen sich allerdings künftig nicht mehr für einen Zähler mit einem oder zwei Zählwerken entscheiden: Steuerbare Nachtspeicherheizungen erhalten einen intelligenten Zähler, sobald das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik das Startsignal gibt. Läuft Ihre Nachtspeicherheizung über den Zähler für Haushaltsstrom, bekommen Sie auch einen intelligenten Zähler, wenn Ihr Stromverbrauch insgesamt mehr als 6.000 Kilowattstunden beträgt.

Wie funktioniert der Anbieterwechsel bei Nachtstrom?

Wer eine Nachtspeicherheizung betreibt, kann sich einen beliebigen Stromversorger dafür suchen. Die Zahl der Anbieter und Tarife wächst. Bei der jüngsten Erhebung des Bundeskartellamts gab es rund 1.000 Lieferanten von Heizstrom in Deutschland – sowohl für Nachtspeicherheizungen als auch Wärmepumpen. Zunehmend mehr Versorger bieten ihre Tarife bundesweit an. Auch die Zahl der Wechsel bei Heizstrom erhöht sich: Rund 100.000 Kunden suchten sich 2018 einen neuen Lieferanten. Das entspricht 4,5 Prozent. Wie sich die Zahl der Wechsel auf Speicherheizungen und Wärmepumpen aufteilt, wird nicht erhoben.

Bei einem Stromanbieterwechsel müssen Sie sich keine Sorgen machen, dass die Heizung ausfällt. Es gelten die gleichen gesetzlichen Regelungen wie bei der Versorgung mit Haushaltsstrom. Sollte der neue Versorger nicht rechtzeitig mit der Lieferung beginnen, übernimmt der Grundversorger: Ersatzversorgung heißt das und erfolgt so lange, bis der neue Anbieter lieferfähig ist.

Portalabfrage: Daten heraussuchen und Einstellungen wählen

Bevor Sie eine Abfrage nach günstigen Tarifen in einem Vergleichsportal starten, sollten Sie aber folgende Informationen parat haben:

  • Ist ein separater zweiter Zähler für Ihre Nachtspeicherheizung installiert für eine getrennte Messung des Nachtstroms vom Haushaltsstrom?
  • Handelt es sich um einen Doppeltarifzähler oder um einen Eintarifzähler?
  • Wie hoch war der Nachtstromverbrauch zuletzt?

Alle Informationen können Sie Ihrer Stromrechnung entnehmen. Bei einem Doppeltarifzähler finden sich Angaben zum Strombezug in Hochtarif- und Niedertarif-Zeiten; bei einem Eintarifzähler gibt es keine Unterscheidung. Abgesehen davon, können Sie auch am Zähler selbst erkennen, um welchen Typ es sich handelt: Ein Doppeltarifzähler hat zwei Zählscheiben, die mit „HT“ und „NT“ beschriftet sind; ein Eintarifzähler hat nur eine Zählscheibe.

Die Angebote, die Sie angezeigt bekommen, können Sie in den Portalen noch einmal nach bestimmten Kriterien filtern, etwa Laufzeit, Kündigungsfrist oder ob Bonuszahlungen einberechnet sein sollen. Wir empfehlen, folgende verbraucherfreundliche Einstellungen zu wählen:

  •     keine Pakettarife und Tarife mit Kaution
  •     Laufzeit von maximal zwölf Monaten
  •     Kündigungsfrist von maximal sechs Wochen
  •     Vertragsverlängerung von maximal einem Monat
  •     Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten

Bei Check24 sind die genannten Parameter von Haus aus eingestellt; Verivox schließt standardmäßig lediglich Pakettarife und Tarife mit Kaution aus. Wenn Sie auf „Verivox Empfehlungen" klicken, sind auch alle anderen der oben genannten Bedingungen eingestellt.

Wir empfehlen diese Kriterien, weil Sie auf diese Weise zunächst ein Jahr lang mit konstanten Preisen rechnen können. Sind die Konditionen danach nicht mehr günstig, kommen Sie auch wieder schnell aus dem Vertrag heraus. Zusätzlich empfehlen wir, keine Bonuszahlungen einrechnen zu lassen – häufig lassen Boni einen Tarif im ersten Jahr günstig aussehen, aber der Strompreis selbst ist dann eher teuer.

Einige der angezeigten Tarife in den Portalen lassen sich über diese abschließen. Manche können Sie nur direkt beim Anbieter auswählen. Haben Sie noch nicht gekündigt, übernimmt das der neue Anbieter für Sie. Die Vergleichsportale zeigen nicht immer alle verfügbaren Tarife an Ihrem Wohngebiet an. Es kann daher nicht schaden, zusätzlich das Angebot beim lokalen Versorger für Nachtstrom einzuholen, wenn es nicht in der Ergebnisliste auftaucht. Der lokale Versorger kann deutlich teurer sein als die günstigsten Anbieter für Nachtstrom. Er kann aber auch der Versorger mit den besten Konditionen sein.

Die Portale ordnen Ihren Anforderungen automatisch einen Vergleichstarif zu und zeigen Ihnen eine Ersparnis an, wenn Sie aus diesem Vergleichstarif in ein angezeigtes Angebot wechseln. In der Regel handelt es sich bei den Vergleichstarifen um einen Heizstromtarif des Grundversorgers. Check24 zeigte bei unserem Test in manchen Orten auch Tarife von anderen Lieferanten als Vergleichstarife an. Diese waren mitunter so teuer, dass die angezeigte Ersparnis – etwa in Fulda, München und Hannover – mehr als 600 oder 700 Euro pro Jahr bei 10.000 Kilowattstunden Verbrauch betragen hätte. Das ist unrealistisch hoch. Achten Sie daher darauf, welcher Vergleichstarif eingestellt ist und wählen Sie Ihren tatsächlichen aktuellen Tarif aus, wenn ein anderer angezeigt wird.

Warum erhöhen manche Anbieter ihre Preise vor Vertragsschluss?

Es kann passieren, dass ein neu gewählter Versorger noch die Preise erhöht – vor Vertragsbeginn. Ursache ist dann zumeist, dass der Netzbetreiber eine höhere Konzessionsabgabe verlangt, als der neue Anbieter annimmt.

Bundesweit tätige Stromlieferanten gehen in der Regel von der niedrigen Abgabe von 0,11 Cent pro Kilowattstunde aus, die das Bundeskartellamt für angemessen hält. Es gibt aber Kommunen in Deutschland, in denen höhere Sätze festgelegt sind, beispielsweise in Bruchsal, Karlsruhe und Hannover in unserer Untersuchung. In Köln und Detmold gilt lediglich in der HT-Zeit eine höhere Abgabe als 0,11 Cent pro Kilowattstunde.

Stellt Ihr gewählter Anbieter fest, dass für Sie ein höherer Satz als 0,11 Cent pro Kilowattstunde gilt, weiß er noch nicht automatisch, woran das liegt. Möglich wäre beispielsweise, dass Sie gar keinen separaten Zähler für Nachtstrom haben und die vollen Netzentgelte und die volle Konzessionsabgabe zahlen. Es gibt Anbieter, die dann um ein Foto vom Zählerschrank bitten, um sich zu vergewissern, ob ein oder zwei Zähler installiert sind. Andere schlussfolgern aus der höheren Konzessionsabgabe, dass keine reduzierten Netzentgelte wirksam werden, und heben ihren Preis entsprechend an. Das korrigierte Angebot können Sie dann immer noch ablehnen. Oder aber der Anbieter macht sich keine weitere Mühe und lehnt Sie als Kunden ab.  

Schickt Ihnen der gewählte Anbieter ein korrigiertes Angebot mit deutlich höheren Preisen, dann bitten Sie ihn, seinen Preis auf Grundlage der höheren Abgabe aber „unter Berücksichtigung der reduzierten Netzentgelte” neu zu kalkulieren. Behalten Sie sich zugleich einen Rücktritt vom Vertrag vor. Fragen Sie zudem Ihren lokalen Stromversorger, ob er Ihnen ein Angebot für Heizstrom machen kann. Die beiden Angebote wägen Sie anschließend gegeneinander ab.

Lehnt Sie ein Anbieter ab, prüfen Sie, ob Ihr bisheriger Stromvertrag noch weiter besteht. Möglich ist, dass der gewählte Anbieter ihn bereits gekündigt hat und sich erst danach entschlossen hat, Sie nicht unter Vertrag zu nehmen.

So haben wir getestet

Nur zwei Portale stehen Verbrauchern bislang für den Vergleich von Heizstrom-Tarifen zur Verfügung, ergab unsere anonyme Google-Suche: Check24 und Verivox. Im Portalvergleich hat Finanztip sowohl Tarife für eine gemeinsame Messung von Nacht- und Haushaltsstrom als auch für eine getrennte Messung mit einem Eintarifzähler sowie mit einem Doppeltarifzähler erhoben.

Die Musterhaushalte befinden sich an zwölf Orten unterschiedlicher Größe in den sechs Bundesländern, in denen nach Angaben des Statistischen Bundesamts vergleichsweise viele Nachtspeicherheizungen installiert sind:

  • Detmold, Herford und Köln in Nordrhein-Westfalen (rund 400.000 Heizungen)
  • Bruchsal, Karlsruhe und Stuttgart in Baden-Württemberg (rund 270.000 Heizungen)
  • Schwandorf und München in Bayern (rund 200.000 Heizungen)
  • Fulda in Hessen (rund 100.000 Heizungen)
  • Oldenburg und Hannover in Niedersachsen (rund 90.000 Heizungen)
  • Hamburg (rund 45.000 Heizungen)

Die Abfragen erfolgten für einen Nachtstromverbrauch von 10.000 Kilowattstunden im Jahr. Damit lässt sich eine Drei- bis Vierzimmerwohnung komplett beheizen. Nach Angaben des Bundeskartellamts haben Haushalte 2018 durchschnittlich 6.500 Kilowattstunden Nachtstrom im Jahr bezogen. Einige davon heizen nicht ausschließlich mit ihrer Nachtspeicherheizung, sondern greifen auch auf eine andere Technologie zu – das senkt den Durchschnittswert. Erfahrungsgemäß betreiben die Nutzer ihre Anlagen mehrheitlich so, dass sie zu 70 Prozent nachts Strom aufnehmen und zu 30 Prozent am Tage. Diese Sätze galten bei unserer Aufteilung der Stromverbrauchsmengen auf Hoch- und Niedertarif-Zeiten.

Darüber hinaus haben wir in einer dritten Abfrage die Kosten erhoben, wenn der Nachtstrom über den Zähler für Haushaltsstrom fließt und kein separater Zähler installiert ist. In vielen Kommunen befinden sich Haushalte mit Stromheizung mit ihrem kompletten Stromverbrauch in einem Nachtstrom-Tarif, obwohl die Heizung nicht steuerbar ist. Als Stromverbrauch des Haushalts gingen wir von 12.500 Kilowattstunden aus – 10.000 für die Heizung und 2.500 für alle anderen Elektrogeräte. Weiterhin gingen wir von einem Doppeltarifzähler aus und nahmen für den Verbrauch in der Hochtarif-Zeit 5.000 Kilowattstunden und in der Niedertarif-Zeit 7.500 Kilowattstunden an.

Alle Abfragen erfolgten zwischen dem 31. Oktober und dem 7. November 2019. Alle ab 2020 gültigen Umlagen waren zu diesem Zeitpunkt in den Strompreisen berücksichtigt.

Die Voreinstellungen für alle Abfragen waren verbraucherfreundlich und entsprachen diesen Punkten:

  • keine Pakettarife,
  • keine Tarife mit Vorkasse oder Kaution,
  • Preisbindung von mindestens zwölf Monaten,
  • Mindestlaufzeit von höchstens zwölf Monaten,
  • Kündigungsfrist von höchstens sechs Wochen,
  • Folgelaufzeit von höchstens einem Monat.

Alle verfügbaren Tarife an einem Ort sollten angezeigt werden – unabhängig davon, ob es sich um Ökostrom oder konventionellen Strom handelte, ob das Portal einen Tarif direkt vermitteln kann oder ob der Tarif eine bestimmte Weiterempfehlungsquote aufweist.

Ergebnisse früherer Finanztip-Untersuchungen

  • Hier finden Sie die Untersuchung zum Stromvergleich für Nachtspeicherheizungen von 2017.
  • Und hier können Sie die Untersuchung zu Heizstrom-Tarifen von 2015 nachlesen.
Autor
Ines Rutschmann

Stand: 13. Februar 2020


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