Private Pflegepflichtversicherung

So sorgen Privatversicherte für den Pflegefall vor

Aline Klett Stand: 27. März 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder Privatversicherte muss eine Pflegepflichtversicherung bei einem privaten Krankenversicherer abschließen.
  • Der Beitrag richtet sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach Alter und Gesundheit des Versicherten.
  • Allerdings dürfen die privaten Pflegeversicherer von ihren Kunden maximal den Höchstbeitrag der gesetzlichen Pflegeversicherung verlangen. 2019 liegt er für Versicherte ohne Beihilfeanspruch bei rund 138 Euro im Monat.
  • Die Leistungen in der privaten Pflegepflichtversicherung entsprechen denen der gesetzlichen Pflegekassen.
So gehen Sie vor
  • Meist übernimmt Ihr privater Krankenversicherer auch die Absicherung im Pflegefall. In den ersten sechs Monaten nach Abschluss einer privaten Krankenversicherung können Sie die Pflegepflichtversicherung jedoch auch bei einem anderen Anbieter abschließen.
  • Sind Sie freiwillig gesetzlich krankenversichert, können Sie sich auch bei einem privaten Anbieter pflegepflichtversichern. Dazu stellen Sie einen Antrag bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse.
  • Sollten Sie oder Ihr privat pflegeversicherter Angehöriger Hilfe im Alltag brauchen, ist die Compass Pflegeberatung erster Ansprechpartner. Sie übernimmt zentral die Beratung aller privat Pflegeversicherten.

Egal, ob gesetzlich oder privat krankenversichert – seit 1995 muss sich jeder zusätzlich pflegeversichern. Kassenpatienten sind automatisch Mitglied der Pflegekasse ihrer gesetzlichen Krankenkasse. Privatversicherte müssen dagegen eine private Pflegepflichtversicherung abschließen. Die meisten tun das beim Anbieter ihrer privaten Krankenversicherung. Diese private Pflichtversicherung hat nichts mit den privaten Pflege-Zusatzversicherungen zu tun, die die gesetzlich vorgeschriebene Grundversorgung bei Pflegebedürftigkeit weiter aufstocken. Solche Zusatzverträge können sowohl Privat- als auch Kassenpatienten abschließen. 

Wer muss sich versichern?

Jeder Privatversicherte braucht eine private Pflegepflichtversicherung. In der Regel übernimmt Ihr privater Krankenversicherer auch die Absicherung für den Pflegefall. Das muss allerdings nicht sein: In den ersten sechs Monaten nach Abschluss einer privaten Krankenversicherung (PKV) können Sie auch ein anderes Versicherungsunternehmen für den Pflegeschutz wählen. Diese Möglichkeit nehmen jedoch nur wenige Versicherte in Anspruch.

Die Leistungen sind bei allen Anbietern identisch. Die Beiträge zur Pflegepflichtversicherung berechnet der Verband der privaten Krankenversicherung im Grundsatz zentral für die gesamte Branche. Dennoch kann sich die Höhe des Beitrags von Versicherer zu Versicherer ein wenig unterscheiden.

Nicht versicherungspflichtig in der privaten Pflegepflichtversicherung sind Bewohner von Pflegeheimen, die bereits Pflegeleistungen für die stationäre Pflege erhalten. Auch wenn Sie im Ausland leben und eine private Krankenversicherung haben, müssen Sie in der Regel keine Beiträge zur privaten Pflegepflichtversicherung zahlen. In dem Fall erhalten Sie aber auch keine Leistungen.

Wer von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in eine gesetzliche Krankenkasse wechselt, muss neben seiner PKV auch die private Pflegepflichtversicherung kündigen. Er wird dann wieder in einer gesetzlichen Pflegekasse versichert.

Freie Wahl für freiwillig Versicherte

Sofern Sie freiwillig gesetzlich krankenversichert sind, haben Sie bei der Pflegeversicherung die Wahl: Auf Antrag können Sie sich von der Mitgliedschaft in der gesetzlichen Pflegekasse befreien lassen. Dafür weisen Sie nach, dass Sie eine private Pflegepflichtversicherung abgeschlossen haben. Möglich ist das bis drei Monate nach Beginn Ihrer freiwilligen Krankenversicherung. Die Befreiung wird dann auch rückwirkend gewährt.

Die Entscheidung für den privaten Pflegeschutz ist allerdings bindend. In die gesetzliche Pflegeversicherung zurückkehren können Sie nur über Umwege, beispielsweise indem Sie eine versicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen. 

Welche Variante vorteilhafter ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Der Beitrag in der privaten Pflegeversicherung orientiert sich nicht daran, wie viel Sie verdienen, sondern daran, wie jung und gesund Sie zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses sind. Junge Leute können deshalb bei einem privaten Versicherer mitunter auf niedrigere Beiträge hoffen, insbesondere falls sie gut verdienen. Für ältere Menschen ist der Wechsel in die private Pflegeversicherung dagegen eher ungeeignet.

Was leistet die Pflegepflichtversicherung?

Die Leistungen in der privaten Pflegepflichtversicherung sind gleichwertig zu denen der gesetzlichen Pflegekassen. Das gilt auch für die Wartezeit bis die Versicherung zahlt: Gesetzlich wie privat Pflegeversicherte haben nur dann Anspruch auf Leistungen, wenn sie in den zehn Jahren vor Antragsstellung mindestens zwei Jahre versichert waren.

Die private Pflegeversicherung unterscheidet wie die gesetzliche zwischen ambulanten und stationären Leistungen, also der Pflege zuhause oder in einem Heim. Je mehr Pflege der Versicherte braucht, desto umfangreicher sind in der Regel die Leistungen. Gemessen wird das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit mit den sogenannten Pflegegraden. Bei der Zuordnung eines solchen Pflegegrads gelten die gleichen Maßstäbe wie in der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Welche Leistungen die Versicherung bei häuslicher Pflege erbringt, hängt davon ab, ob sich nahestehende Personen kümmern oder ein professioneller Pflegedienst. Die Versicherung zahlt ein Pflegegeld, wenn Sie durch Angehörige gepflegt werden. Übernimmt ein Pflegedienst Aufgaben der häuslichen Pflege, gibt es einen Unterschied zwischen gesetzlicher und privater Versicherung. Die gesetzlichen Pflegekassen bezahlen den Pflegedienst direkt. Statt dieser sogenannten Sachleistungen bieten die privaten Pflegeversicherer ihren Mitgliedern eine Kostenerstattung in gleicher Höhe an. Das bedeutet, Sie müssen das Geld für den Pflegedienst vorstrecken und reichen die Rechnung anschließend bei Ihrem Versicherer ein.

Auch die Kosten für die Pflege in einem Heim erstatten die Versicherer bis zur Höhe der gesetzlichen Pflegesätze. Übernommen werden wie auch bei gesetzlich Versicherten die Pflegeleistungen selbst. Kosten für Unterbringung und Essen im Pflegeheim muss der Versicherte selbst tragen.

Leistungssätze nach Pflegegrad

PflegestufePflegegeldambulante Kostenstationäre Kosten
Grad 10 €0 €0 €
Grad 2316 €689 €770 €
Grad 3545 €1.298 €1.262 €
Grad 4728 €1.612 €1.775 €
Grad 5901 €1.995 €2.005 €

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (Stand: 6. Februar 2019)

Eine Sonderstellung bei den Leistungen nimmt Pflegegrad 1 ein. Dieser Pflegegrad wird vergeben, wenn Selbstständigkeit oder Fähigkeiten des Versicherten nur zu einem geringen Grad beeinträchtigt sind. Festgestellt wird das von einem Gutachter, den Ihr Krankenversicherer beauftragt. Mit Pflegegrad 1 steht Ihnen ein Teil der Leistungen aus der Pflegeversicherung zu.

Pflegegeld, Leistungen durch den Pflegedienst oder eine Pflege im Heim gibt es noch nicht. Sie können aber 125 Euro im Monat für Entlastungsangebote, wie Hilfe im Haushalt oder beim Einkaufen, bekommen. Auch Pflegehilfsmittel und ein Zuschuss für den Wohnungsumbau in Höhe von 4.000 Euro stehen Ihnen zu. Ausführlichere Informationen zu den Leistungen, die gesetzlich und privat versicherte Pflegebedürftige beantragen können, lesen Sie in unserem Ratgeber zur gesetzlichen Pflegeversicherung.

Der Umfang der Leistungen der privaten Pflegeversicherung ist gesetzlich begrenzt. Sie übernimmt im Pflegefall in der Regel nur einen Teil der tatsächlich entstehenden Kosten. Deshalb droht auch Privatpatienten bei der Pflege eine Finanzierungslücke, die sie aus eigenen Mitteln schließen müssen. Private Pflege-Zusatzversicherungen sind eine Möglichkeit dazu.

Wie hoch ist der Beitrag?

Die Leistungen im Pflegepflichttarif sind für alle Privatversicherten gleich. Unterschiedlich ist jedoch die Höhe des Beitrags. Sie richtet sich nach dem Risiko, pflegebedürftig zu werden. Entscheidend dafür, wie viel Sie zahlen müssen, sind Ihr Gesundheitszustand und Ihr Alter bei Vertragsschluss.

Die Versicherer können die Beiträge für die private Pflegepflichtversicherung jedoch nicht beliebig festlegen und erhöhen. Für Bestandskunden schreibt der Gesetzgeber Höchstbeiträge vor, die sich an der gesetzlichen Pflegeversicherung orientieren.

Sind Sie Neukunde, müssen Sie dagegen zunächst für fünf Jahre ohne diese Beitragsbegrenzung auskommen. Risikozuschläge, beispielsweise wegen bestehenden Erkrankungen, sind möglich. Nach diesen fünf Jahren zahlen Sie jedoch maximal den Höchstbeitrag der gesetzlichen Pflegeversicherung ohne den Zuschlag für Kinderlose.

Für 2019 liegt dieser Höchstbeitrag ohne Beihilfe bei 138,40 Euro im Monat und mit Beihilfe für Beamte bei 69,20 Euro. Hat der Ehepartner kein oder nur ein geringes Einkommen, ist der gemeinsame Beitrag bei 150 Prozent des gesetzlichen Höchstbeitrags gedeckelt.

Privatversicherte im Basistarif zahlen ebenfalls maximal den Höchstbeitrag – unabhängig davon, ob sie schon fünf Jahre versichert sind oder nicht. In finanziellen Notlagen zahlt der Sozialhilfeträger außerdem einen Zuschuss zur Pflegeversicherung.

Als privat pflegeversicherter Arbeitnehmer haben Sie wie gesetzlich Versicherte auch Anspruch auf einen Beitragszuschuss Ihres Arbeitgebers. Dieser Zuschuss entspricht dem Arbeitgeberanteil in der gesetzlichen Pflegeversicherung, allerdings übernimmt der Arbeitgeber nie mehr als die Hälfte des Beitrags zur privaten Pflegeversicherung.

Schüler und Studenten, die Beiträge zur Versicherung selbst zahlen und BAföG bekommen, erhalten vom Amt für Ausbildungsförderung 15 Euro Zuschuss zur Pflegepflichtversicherung.

Tipp: Die Beiträge zur Pflegepflichtversicherung können Sie von der Steuer absetzen und als Sonderausgaben angeben.

Kinder sind beitragsfrei mitversichert

Bei der privaten Pflegeversicherung macht der Staat, anders als bei der privaten Krankenversicherung, Vorgaben, wie die Beiträge gestaltet werden müssen. So dürfen sich die Beiträge für Frauen und Männer nicht unterscheiden. Außerdem müssen die Unternehmen Kinder beitragsfrei mitversichern und dürfen Menschen mit Vorerkrankungen nicht abweisen. Auch kündigen darf das Versicherungsunternehmen nicht.

Wenn Sie Kinder haben, die noch nicht erwerbstätig sind, dann sind diese bis zum Ende ihres 22. Lebensjahres beitragsfrei bei Ihnen mitversichert. Das gleiche gilt, wenn sie unter 25 Jahre alt sind und noch studieren oder in der Berufsausbildung sind. Absolviert ein Kind den anerkannten Freiwilligendienst oder freiwilligen Wehrdienst, verlängert sich die beitragsfreie Versicherung um zwölf Monate.

Beitragspflichtige Studenten bekommen in der Regel bis zum Ende ihres 39. Lebensjahres einen Sonderbeitrag.

Steigen die Beiträge im Alter?

Der private Pflegeversicherungsschutz funktioniert nach dem Prinzip der Kapitaldeckung: Damit die Kosten für die Versicherung im Alter nicht unverhältnismäßig steigen, bilden Sie mit dem monatlichen Beitrag ein finanzielles Polster für später, die sogenannten Altersrückstellungen. So sorgt jede Generation von Privatversicherten für die eigene Pflegebedürftigkeit vor. Das gesetzliche System funktioniert anders: Dort werden kaum Rücklagen gebildet; Ausgaben finanziert die gesetzliche Pflegeversicherung aus den laufenden Einnahmen. 

Die Altersrückstellungen können Sie bei einem Anbieterwechsel innerhalb der privaten Kranken- und Pflegeversicherung zumindest teilweise mitnehmen. Anders verhält es sich beim Wechsel zurück zu einer gesetzlichen Kasse. Ihre Rückstellungen bleiben dann beim privaten Krankenversicherer und kommen den übrigen Versicherten zugute.

Falls Sie wegen Arbeitslosigkeit oder zu niedrigen Einnahmen vorübergehend wieder der Sozialversicherungspflicht unterliegen, können Sie daher eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Diese gewährleistet den Wiedereintritt in die private Pflegeversicherung ohne Risikozuschlag und gegebenenfalls mit Anspruch auf Beitragsbegrenzung. Bereits gebildete Rückstellungen rechnet der Versicherer bei der Wiederaufnahme des vollen Versicherungsschutzes auf den Tarif an.

Höhere Kosten führen zu steigenden Beiträgen

Der Beitrag, den Sie bei Abschluss der Pflegeversicherung zahlen, ist nicht in Stein gemeißelt. Denn neben Gesundheit und Alter spielen noch weitere Faktoren für die Höhe des Beitrags eine Rolle, zum Beispiel Lebenserwartung und Pflegekosten. Wenn die Kosten steigen, kann die private Pflegepflichtversicherung das an die Versicherten weitergeben und die Beiträge erhöhen.

In den vergangenen Jahren hat der Gesetzgeber die Leistungen der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung verbessert. So bekommen seit 2017 Menschen mit Demenz umfangreichere Unterstützung durch die Umstellung von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade. Die Zahl der Versicherten, die Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, ist dadurch gestiegen. Diese Reform hat sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Pflegeversicherung zu höheren Beiträgen geführt.

Doch nicht nur Verbesserungen der Leistungen können die Versicherungsbeiträge verteuern. Auch höhere Ausgaben der Versicherung können Preissteigerungen zur Folge haben, beispielsweise wenn die Versicherten immer älter werden und mehr Leistungen beanspruchen. Das Gleiche gilt, wenn mehr Pflegekräfte eingesetzt werden oder deren Löhne steigen. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Beiträge zur Pflegeversicherung auch in Zukunft steigen werden.

Kommt es zu Preiserhöhungen, gibt es keine großen Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Grund dafür ist, dass es sich bei der privaten Pflegepflichtversicherung um einen Verbandstarif handelt, der branchenweit einheitlich berechnet wird.

Wie beantrage ich Leistungen der Pflegepflichtversicherung?

Sind Sie auf die Hilfe anderer angewiesen und benötigen Sie Leistungen aus der privaten Pflegepflichtversicherung, müssen Sie einen Antrag bei Ihrem Versicherer stellen. Daraufhin bietet er Ihnen innerhalb von zwei Wochen eine kostenfreie Pflegeberatung durch die Compass Pflegeberatung an. Die Beratung findet je nach Wunsch telefonisch, in den eigenen vier Wänden, im Krankenhaus oder auch in der Pflegeeinrichtung statt.

Gleichzeitig beauftragt die Versicherung den Gutachterdienst Medicproof damit, festzustellen, ob Sie pflegebedürftig sind. Als pflegebedürftig gelten Sie nach Sozialgesetzbuch XI, wenn Sie in Ihrer Selbstständigkeit und Ihren Fähigkeiten gesundheitlich so beeinträchtigt sind, dass Sie dauerhaft auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Das Unternehmen Medicproof für privat Pflegeversicherte ist vergleichbar dem Medizinischen Dienst der gesetzlichen Krankenversicherung (MDK) für gesetzlich Versicherte. Der Gutachter berücksichtigt körperliche, geistige und psychische Beeinträchtigungen und teilt das Ergebnis seiner Beurteilung der Versicherung mit. Dann entscheidet diese, ob und welche Leistungen gezahlt werden.

Autor
Aline Klett

Stand: 27. März 2019


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