Private Pflegepflichtversicherung

So sorgen Privatversicherte für den Pflegefall vor

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 18. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder Privatversicherte muss eine Pflegepflichtversicherung bei einem privaten Krankenversicherer abschließen.
  • Der Beitrag richtet sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach Alter und Gesundheit des Versicherten.
  • Mehr als rund 143 Euro im Monat dürfen die Versicherer im Jahr 2020 aber nicht verlangen.
  • Die Leistungen in der privaten Pflegepflichtversicherung entsprechen denen der gesetzlichen Pflegekassen.
So gehen Sie vor
  • Meist sind Sie beim Anbieter Ihrer privaten Krankenversicherung (PKV) pflegeversichert. In den ersten sechs Monaten nach Abschluss der PKV können Sie sich für die Pflegepflichtversicherung auch einen anderen Anbieter suchen.
  • Sind Sie freiwillig gesetzlich krankenversichert, können Sie sich auch bei einem privaten Anbieter pflegepflichtversichern. Dazu stellen Sie einen Antrag bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse.
  • Für mehr Informationen wenden Sie sich oder ein privat pflegeversicherter Angehöriger an die Compass-Pflegeberatung.

Egal, ob gesetzlich oder privat krankenversichert – seit 1995 muss sich jeder zusätzlich pflegeversichern. Kassenpatienten sind automatisch Mitglied der Pflegekasse ihrer gesetzlichen Krankenkasse. Privatversicherte müssen eine private Pflegepflichtversicherung abschließen. Die meisten versichern sich beim Anbieter ihrer privaten Krankenversicherung. Diese private Pflichtversicherung hat nichts mit den privaten Zusatzversicherungen zu tun, mit denen sich die gesetzliche Absicherung aufstocken lässt. Solche Zusatzverträge können sowohl Privat- als auch Kassenpatienten abschließen.

Wer muss sich versichern?

Jeder Privatversicherte braucht eine private Pflegepflichtversicherung. In der Regel übernimmt Ihr privater Krankenversicherer auch die Absicherung für den Pflegefall. Das muss aber nicht so sein: In den ersten sechs Monaten nach Abschluss einer privaten Krankenversicherung (PKV) können Sie auch ein anderes Versicherungsunternehmen für den Pflegeschutz wählen. Diese Möglichkeit nehmen jedoch nur wenige Versicherte in Anspruch.

Die Leistungen sind bei allen Anbietern identisch. Die Beiträge zur Pflegepflichtversicherung berechnet der Verband der privaten Krankenversicherung im Grundsatz zentral für die gesamte Branche. Dennoch kann sich die Höhe des Beitrags von Versicherer zu Versicherer ein wenig unterscheiden.

Nicht versicherungspflichtig in der privaten Pflegepflichtversicherung sind Bewohner von Pflegeheimen, die bereits Pflegeleistungen für die stationäre Pflege erhalten. Auch wenn Sie im Ausland leben und eine private Krankenversicherung haben, müssen Sie in der Regel keine Beiträge zur privaten Pflegepflichtversicherung zahlen. In dem Fall erhalten Sie aber auch keine Leistungen.

Wer von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in eine gesetzliche Krankenkasse wechselt, muss neben seiner PKV auch die private Pflegepflichtversicherung kündigen. Er wird dann wieder in einer gesetzlichen Pflegekasse versichert.

Freie Wahl für freiwillig Versicherte

Sofern Sie freiwillig gesetzlich krankenversichert sind, haben Sie bei der Pflegeversicherung die Wahl: Auf Antrag können Sie sich von der Mitgliedschaft in der gesetzlichen Pflegekasse befreien lassen. Dafür müssen Sie der Pflegekasse nachweisen, dass Sie eine private Pflegepflichtversicherung abgeschlossen haben. Möglich ist das bis drei Monate nach Beginn Ihrer freiwilligen Krankenversicherung. Die Befreiung wird dann rückwirkend gewährt.

Die Entscheidung für den privaten Pflegeschutz ist allerdings bindend. In die gesetzliche Pflegeversicherung zurückkehren können Sie dann nur noch über Umwege, beispielsweise indem Sie eine versicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen.

Welche Variante vorteilhafter ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Der Beitrag in der privaten Pflegeversicherung orientiert sich nicht daran, wie viel Sie verdienen, sondern daran, wie jung und gesund Sie zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses sind. Junge Leute können deshalb bei einem privaten Versicherer auf niedrigere Beiträge hoffen, insbesondere dann, wenn sie gut verdienen. Für ältere Menschen hat der Wechsel in die private Pflegeversicherung dagegen keinen Vorteil.

Was leistet die Pflegepflichtversicherung?

Die Leistungen in der privaten Pflegepflichtversicherung sind gleichwertig zu denen der gesetzlichen Pflegekassen. Das gilt auch für die Wartezeit bis die Versicherung zahlt: Gesetzlich wie privat Pflegeversicherte haben nur dann Anspruch auf Leistungen, wenn sie mindestens zwei Jahre versichert waren in den zehn Jahren, bevor sie Leistungen beantragen.

Die private Pflegeversicherung unterscheidet wie die gesetzliche zwischen ambulanten und stationären Leistungen, also der Pflege zuhause oder in einem Heim. Je mehr Pflege der Versicherte braucht, desto umfangreicher sind in der Regel die Leistungen. Gemessen wird das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit mit den sogenannten Pflegegraden. Bei der Zuordnung eines solchen Pflegegrads gelten die gleichen Maßstäbe wie in der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Welche Leistungen die Versicherung bei häuslicher Pflege erbringt, hängt davon ab, ob sich nahestehende Personen kümmern oder ein professioneller Pflegedienst. Die Versicherung zahlt ein Pflegegeld, wenn Sie durch Angehörige gepflegt werden. Übernimmt ein Pflegedienst die häusliche Pflege, gibt es einen Unterschied zwischen gesetzlicher und privater Versicherung. Die gesetzlichen Pflegekassen bezahlen den Pflegedienst direkt. Statt dieser sogenannten Sachleistungen bieten die privaten Pflegeversicherer ihren Mitgliedern eine Kostenerstattung in gleicher Höhe an. Das bedeutet, Sie müssen das Geld für den Pflegedienst vorstrecken und reichen die Rechnung anschließend bei Ihrem Versicherer ein.

Auch die Kosten für die Pflege in einem Heim erstatten die Versicherer bis zur Höhe der gesetzlichen Pflegesätze. Übernommen werden wie auch bei gesetzlich Versicherten die Pflegeleistungen selbst. Kosten für Unterbringung und Essen im Pflegeheim muss der Versicherte selbst tragen.

Leistungssätze nach Pflegegrad

PflegestufePflegegeldambulante Kostenstationäre Kosten
Grad 10 €0 €0 €
Grad 2316 €689 €770 €
Grad 3545 €1.298 €1.262 €
Grad 4728 €1.612 €1.775 €
Grad 5901 €1.995 €2.005 €

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (Stand: 6. Februar 2019)

Eine Sonderstellung bei den Leistungen nimmt Pflegegrad 1 ein. Dieser Pflegegrad wird vergeben, wenn Selbstständigkeit oder Fähigkeiten des Versicherten nur zu einem geringen Grad beeinträchtigt sind. Festgestellt wird das von einem Gutachter, den Ihr Krankenversicherer beauftragt. Mit Pflegegrad 1 steht Ihnen nur ein Teil der Leistungen der Pflegeversicherung zu.

Pflegegeld, Leistungen durch den Pflegedienst oder eine Pflege im Heim gibt es noch nicht. Sie können aber 125 Euro im Monat für Entlastungsangebote, wie Hilfe im Haushalt oder beim Einkaufen, bekommen. Auch Pflegehilfsmittel und ein Zuschuss für den Wohnungsumbau in Höhe von 4.000 Euro stehen Ihnen zu. Ausführlichere Informationen zu den Leistungen, die gesetzlich und privat versicherte Pflegebedürftige beantragen können, lesen Sie in unserem Ratgeber zur gesetzlichen Pflegeversicherung.

Der Umfang der Leistungen der privaten Pflegeversicherung ist gesetzlich begrenzt. Sie übernimmt im Pflegefall in der Regel nur einen Teil der tatsächlich entstehenden Kosten. Deshalb droht auch Privatpatienten bei der Pflege ein Eigenanteil, den sie selbst finanzieren müssen. Private Pflegezusatzversicherungen sind eine Möglichkeit, für hohe Pflegekosten vorzusorgen.

Wie hoch ist der Beitrag?

Die Leistungen im Pflegepflichttarif sind für alle Privatversicherten gleich. Unterschiedlich ist jedoch die Höhe des Beitrags. Sie richtet sich nach dem Risiko, pflegebedürftig zu werden. Entscheidend dafür, wie viel Sie zahlen müssen, sind Ihr Gesundheitszustand und Ihr Alter bei Vertragsschluss.

Die Versicherer können die Beiträge für die private Pflegepflichtversicherung jedoch nicht beliebig festlegen und erhöhen. Für Bestandskunden schreibt der Gesetzgeber Höchstbeiträge vor, die sich an der gesetzlichen Pflegeversicherung orientieren.

Sind Sie Neukunde, müssen Sie dagegen zunächst fünf Jahre ohne diese Beitragsbegrenzung auskommen. Risikozuschläge, beispielsweise wegen bestehenden Erkrankungen, sind möglich. Nach diesen fünf Jahren zahlen Sie jedoch maximal den Höchstbeitrag der gesetzlichen Pflegeversicherung ohne den Zuschlag für Kinderlose.

Für 2020 liegt dieser Höchstbeitrag ohne Beihilfe bei 142,97 Euro im Monat und mit Beihilfe für Beamte bei 71,48 Euro. Hat der Ehepartner kein oder nur ein geringes Einkommen, ist der gemeinsame Beitrag bei 150 Prozent des gesetzlichen Höchstbeitrags gedeckelt.

Privatversicherte im Basistarif zahlen ebenfalls maximal den Höchstbeitrag – unabhängig davon, ob sie schon fünf Jahre versichert sind oder nicht. In finanziellen Notlagen zahlt der Sozialhilfeträger außerdem einen Zuschuss zur Pflegeversicherung.

Als privat pflegeversicherter Arbeitnehmer haben Sie wie gesetzlich Versicherte auch Anspruch auf einen Beitragszuschuss Ihres Arbeitgebers. Dieser Zuschuss entspricht dem Arbeitgeberanteil in der gesetzlichen Pflegeversicherung, allerdings übernimmt der Arbeitgeber nie mehr als die Hälfte des Beitrags zur privaten Pflegeversicherung.

Schüler und Studenten, die Beiträge zur Versicherung selbst zahlen und Bafög bekommen, erhalten vom Amt für Ausbildungsförderung 25 Euro Zuschuss zur Pflegepflichtversicherung (§ 13a Abs. 3 BAföG).

Tipp: Die Beiträge zur Pflegepflichtversicherung können Sie von der Steuer absetzen und als Sonderausgaben angeben.

Kinder sind beitragsfrei mitversichert

Bei der privaten Pflegeversicherung gibt es staatliche Vorgaben, wie die Beiträge gestaltet werden müssen. So dürfen sich die Beiträge für Frauen und Männer nicht unterscheiden. Außerdem müssen die Unternehmen Kinder beitragsfrei mitversichern und dürfen Menschen mit Vorerkrankungen nicht abweisen. Auch kündigen darf Ihnen das Versicherungsunternehmen nicht.

Wenn Sie Kinder haben, die noch nicht erwerbstätig sind, dann sind diese bis zum Ende ihres 22. Lebensjahres beitragsfrei bei Ihnen mitversichert. Das gleiche gilt, wenn sie unter 25 Jahre alt sind und noch studieren oder in der Berufsausbildung sind. Absolviert ein Kind den anerkannten Freiwilligendienst oder freiwilligen Wehrdienst, verlängert sich die beitragsfreie Versicherung um zwölf Monate.

Beitragspflichtige Studenten bekommen in der Regel bis zum Ende ihres 39. Lebensjahres einen Sonderbeitrag.

Steigen die Beiträge im Alter?

Der private Pflegeversicherungsschutz funktioniert so: Damit die Kosten für die Versicherung im Alter nicht unverhältnismäßig steigen, bilden Sie mit dem monatlichen Beitrag ein finanzielles Polster für später, die sogenannten Altersrückstellungen. So sorgt jede Generation von Privatversicherten für die eigene Pflegebedürftigkeit vor. Das gesetzliche System funktioniert anders: Dort werden kaum Rücklagen gebildet; Ausgaben finanziert die gesetzliche Pflegeversicherung aus den laufenden Einnahmen.

Der Beitrag, den Sie bei Abschluss der privaten Pflegeversicherung zahlen, ist dennoch nicht in Stein gemeißelt. Denn neben Gesundheit und Alter spielen noch weitere Faktoren bei der Berechnung des Beitrags eine Rolle, zum Beispiel Lebenserwartung und Pflegekosten. Wenn die Kosten steigen, kann die private Pflegepflichtversicherung das an die Versicherten weitergeben und die Beiträge erhöhen.

In den vergangenen Jahren hat der Gesetzgeber die Leistungen der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung verbessert. So bekommen seit 2017 Menschen mit Demenz umfangreichere Unterstützung durch die Umstellung von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade. Die Zahl der Versicherten, die Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, ist dadurch gestiegen. Diese Reform hat sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Pflegeversicherung zu höheren Beiträgen geführt.

Doch nicht nur Verbesserungen der Leistungen können die Versicherungsbeiträge verteuern. Auch höhere Ausgaben der Versicherung können Preissteigerungen zur Folge haben, beispielsweise wenn die Versicherten immer älter werden und mehr Leistungen beanspruchen. Das Gleiche gilt, wenn mehr Pflegekräfte eingesetzt werden oder deren Löhne steigen. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Beiträge zur Pflegeversicherung auch in Zukunft höher werden.

Steigen die Beiträge, dann gibt es keine großen Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern mehr. Grund dafür ist, dass es sich bei der privaten Pflegepflichtversicherung um einen Verbandstarif handelt, der branchenweit einheitlich berechnet wird.

Ein Wechsel lohnt sich selten

Wenn Sie den Anbieter Ihrer privaten Kranken- und Pflegeversicherung wechseln, verlieren Sie einen Teil der angesparten Altersrückstellungen. Deshalb ist ein Anbieterwechsel in den meisten Fällen nicht ratsam. Wechseln Sie zurück ins System der gesetzlichen Krankenversicherung, dann verbleiben Ihre Rückstellungen beim privaten Krankenversicherer und kommen den übrigen Versicherten zugute.

Falls Sie wegen Arbeitslosigkeit oder zu niedrigen Einnahmen vorübergehend wieder der Sozialversicherungspflicht unterliegen und sich später wieder privat versichern möchten, dann sollten Sie eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Bereits gebildete Altersrückstellungen rechnet der Versicherer bei der Wiederaufnahme des vollen Versicherungsschutzes dann auf den Tarif an. Die Anwartschaft gewährleistet außerdem den Wiedereintritt in die private Pflegeversicherung ohne Risikozuschlag und gegebenenfalls mit Anspruch auf Beitragsbegrenzung. Letzterer besteht sonst erst nach fünf Jahren Mitgliedschaft.

Wie beantragen Sie Leistungen der Pflegepflichtversicherung?

Wenn Sie auf die Hilfe anderer angewiesen sind und Leistungen aus der privaten Pflegepflichtversicherung in Anspruch nehmen möchten, dann müssen Sie einen Antrag bei Ihrem Versicherer stellen. Daraufhin bietet dieser Ihnen innerhalb von zwei Wochen eine kostenfreie Pflegeberatung durch die Compass-Pflegeberatung an. Die Beratung findet je nach Wunsch telefonisch, in den eigenen vier Wänden, im Krankenhaus oder auch in der Pflegeeinrichtung statt.

Gleichzeitig beauftragt die Versicherung den Gutachterdienst Medicproof damit, festzustellen, ob Sie pflegebedürftig sind. Als pflegebedürftig gelten Sie nach dem Sozialgesetzbuch, wenn Sie in Ihrer Selbstständigkeit und Ihren Fähigkeiten gesundheitlich so beeinträchtigt sind, dass Sie dauerhaft auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Das Unternehmen Medicproof für privat Pflegeversicherte ist vergleichbar dem Medizinischen Dienst der gesetzlichen Krankenversicherung (MDK) für gesetzlich Versicherte. Der Gutachter berücksichtigt körperliche, geistige und psychische Beeinträchtigungen und teilt das Ergebnis seiner Beurteilung der Versicherung mit. Dann entscheidet diese, ob und welche Leistungen gezahlt werden.

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Aline Klett

Stand: 18. September 2020


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