Erbschaft- und Schenkungsteuer

So vermeiden Sie Steuern beim Berliner Testament

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Berliner Testament setzen sich Ehepartner gegenseitig als Erben und danach erst die Kinder als Schlusserben ein.
  • Dem erbenden Kind geht beim Berliner Testament ein persönlicher Freibetrag gegenüber einem seiner Elternteile verloren. Die Erbschaftsteuer kann dadurch relativ hoch ausfallen.
  • Oft droht dem Kind ein höherer Steuersatz. Denn nachdem beide Elternteile gestorben sind, erbt der Nachwuchs ein größeres Vermögen, das höher besteuert wird.
  • Den persönlichen Freibetrag von 400.000 Euro kann das Kind alle zehn Jahre nutzen. Vorzeitige Schenkung spart daher Erbschaft- und Schenkungsteuer.
  • Statt eines Berliner Testaments könnten Sie andere Alternativen wählen, zum Beispiel die testamentarische Einräumung eines Nießbrauchsrechts oder ein Vermächtnis zugunsten des Kindes.
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Es ist nach wie vor der Klassiker für Eheleute mit Kindern: das Berliner Testament. Dabei setzen sich die beiden Ehepartner (oder eingetragenen Lebenspartner) gegenseitig als Erben ein und die gemeinsamen Kinder als sogenannte Schlusserben. Wenn nach dem ersten Ehepartner irgendwann auch der zweite gestorben ist, erben die Kinder. Doch das kann steuerliche Nachteile nach sich ziehen. Es gibt aber Möglichkeiten, diese zu vermeiden.

Steuernachteile durch Berliner Testament

Das Berliner Testament ist eine gute Idee, falls Ehegatten sichergehen wollen, dass der eine Partner im Todesfall des anderen weiterhin gut versorgt ist. Für dessen Erben allerdings kann es ganz schön teuer werden, wenn sie das gesamte Vermögen beider Elternteile auf einmal bekommen, wie folgendes fiktives Beispiel zeigt:

Albert Müller ist mit Berta verheiratet. Sie haben ein gemeinsames Kind: Christa. In ihrem gemeinschaftlichen Testament legen sie fest, dass nach dem Tod des ersten Ehepartners der andere erbt und erst nach dessen Tod Christa. Sowohl Albert als auch Berta haben jeweils 400.000 Euro Vermögen. Nun ist Albert gestorben. Berta beerbt ihn und muss keine Erbschaftsteuer zahlen, weil ihr persönlicher Freibetrag laut Erbschaftsteuergesetz (ErbStG) 500.000 Euro beträgt (§ 16 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Noch im selben Jahr verstirbt sie. Infolgedessen erbt Christa. Ihr Erbe beträgt nunmehr 800.000 Euro. Als Kind von Berta hat sie einen Freibetrag von 400.000 Euro. Das bedeutet: Auf die restlichen 400.000 Euro muss sie Erbschaftsteuer bezahlen.

Das zeigt, dass der Versorgungswunsch der Eltern die Kinder viel Geld kosten kann, das der Staat kassiert.

Je mehr vererbt wird, desto höher ist der Steuersatz

Die Erbschaftsteuer ist progressiv gestaltet. Das heißt, der Steuertarif steigt mit der Bemessungsgrundlage (§ 19 ErbStG). Als Tochter ist Christa in der günstigsten Steuerklasse I. Bei einem Vermögens-Erwerb von Todes wegen von mehr als 300.000 Euro bis 600.000 Euro liegt der Steuersatz bei 15 Prozent. Hätte Christa nur 300.000 Euro geerbt, wären diese mit nur 11 Prozent zu versteuern.

Beispielberechnung:

Für Christa gilt nun folgende Berechnung:

Erwerb von Todes wegen: 800.000 Euro

abzüglich persönlicher Freibetrag: -400.000 Euro

= zu versteuern (Bemessungsgrundlage): 400.000 Euro

darauf Erbschaftsteuersatz 15 %: 60.000 Euro

Ergebnis: Christa muss 60.000 Euro Erbschaftsteuer zahlen.

Freibetrag bei jedem Erbfall

Der Freibetrag von 400.000 Euro steht normalerweise jedem Kind pro Erbfall und Schenkung von jedem seiner Elternteile zu. Anders beim Berliner Testament: Dadurch geht in unserem Beispiel der Tochter Christa ein Freibetrag in Höhe von 400.000 Euro verloren, weil allein ihre Mutter Berta ihren Vater Albert beerbt hat und Christa anschließend beide Vermögensteile auf einmal erhält.

Das lässt sich folgendermaßen umgehen: Bereits zu Lebzeiten können Sie Ihrem Kind Vermögen übertragen, um Ihrem Nachwuchs später Erbschaftsteuer zu ersparen. Nutzen Sie die hohen persönlichen Freibeträge von 400.000 Euro pro Kind und Elternteil. Alle zehn Jahre können Sie auf diese Weise Vermögen übertragen, ohne dass Schenkungsteuer anfällt.

Sterben die Eltern innerhalb von zehn Jahren nach der Schenkung, wird die Schenkung nicht dem Erbfall zugerechnet, so dass die Erben den Freibetrag erneut beanspruchen können.

Tipp

Die selbst bewohnte Immobilie steuerfrei vererben

In den meisten Fällen ist der wertvollste Bestandteil eines Erbes das Haus oder die Eigentumswohnung. Für eine geerbte, selbst genutzte Wohnimmobilie gilt: Wenn der Erbe sie mindestens zehn Jahre selbst bewohnt, dann bleibt dieser Erwerb von Todes wegen erbschaftsteuerfrei. Für Kinder gilt dies auch, wenn das Familienheim eine maximale Wohnfläche von 200 Quadratmetern aufweist. Der Freibetrag von 400.000 Euro bleibt darüber hinaus bestehen. Wer also ein Familienheim erbt, der sollte dieses die folgenden zehn Jahre selbst bewohnen. Danach kann er es bedenkenlos verkaufen. Für vermietete Wohnungen oder Häuser gilt bei der Erbschaftsteuer ein zehnprozentiger Bewertungsabschlag.

Pflichtteilsanspruch als Nachlassverbindlichkeit

Im eingangs dargestellten Beispiel geht Christa beim Tod ihres Vaters wegen des Berliner Testaments leer aus. Sie wird folglich beim ersten Erbfall enterbt. Sie könnte daher gegenüber ihrer Mutter binnen drei Jahre einen Pflichtteilsanspruch geltend machen.

Ein Urteil des Bundesfinanzhofs (Urteil vom 19. Februar 2013, Az. II R 47/11) kann ihr helfen, Erbschaftsteuer zu sparen – selbst bei einem erst nachträglich geltend gemachten Pflichtteilsanspruch, also erst, wenn auch Berta gestorben ist. Die Richter ermöglichten nämlich einen steuerlichen Abzug als Nachlassverbindlichkeit.

Mit Bertas Tod wird Christa sowohl Anspruchsinhaberin gegen Berta als auch deren Erbin. Zivilrechtlich erlischt dieser Anspruch auf den Pflichtteil – doch nicht steuerrechtlich, wie die BFH-Richter entschieden. Das bedeutet: Den Pflichtteilsanspruch, den Christa geltend gemacht hat, kann sie als Nachlassverbindlichkeit abziehen. Folglich sinkt ihre Erbschaftsteuerbelastung.

Begünstigte Besteuerung für Schlusserben

Im Erbschaftsteuergesetz ist vorgesehen, dass sich Schlusserben auf Antrag begünstigen lassen können, falls bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind (§ 15 Abs. 3 ErbStG). Interessant ist das in Fällen, in denen der Schlusserbe ein näheres Verwandtschaftsverhältnis zum Erstverstorbenen hat.

Ein abgewandeltes Beispiel verdeutlich das: Die Ehe von Albert und Berta ist kinderlos geblieben. Als Schlusserbe wurde der Sohn aus Alberts erster Ehe eingesetzt. Dieser könnte nun diese gesetzlich vorgesehene Begünstigung beantragen. Das bedeutet: Als Steuerklasse wird diejenige im Verhältnis zum erstverstorbenen Ehegatten angewendet und nicht diejenige zum Letztverstorbenen. Im Beispiel gilt für den Sohn aus Alberts erster Ehe nunmehr die günstigste Steuerklasse I.

Immer wenn der Schlusserbe ein näheres Verwandtschaftsverhältnis zum ersten verstorbenen Elternteil hat, sollte sich dieser darauf berufen. Das spart Erbschaftsteuer.

Alternativen zum Berliner Testament

Ein Berliner Testament kann nicht mehr geändert werden, sobald einer der beiden Partner verstorben ist. Daher ist es sinnvoll, sich frühzeitig auch über Alternativen Gedanken zu machen.

Nießbrauch sichert dem überlebenden Ehegatten Einnahmen: Statt mit einem klassischen Berliner Testament lässt sich das Ziel, die Witwe oder den Witwer zu versorgen, auch anderweitig erreichen: durch die testamentarisch festgelegte Einräumung eines Nießbrauchsrechts. Gehört beispielsweise zum vererbten Vermögen ein vermietetes Haus, dann könnte die Miete nach dem Tod Alberts an Berta fließen, Christa aber Eigentümerin des Hauses werden.

Testamentsvollstreckung sichert Einfluss aufs Vermögen: Berta könnte als Testamentsvollstreckerin mit der Verwaltung des Vermögens beauftragt werden, das Albert seiner Tochter Christa vererbt. Auch so bleibt Bertas Einfluss gewahrt, die steuerlichen Nachteile des Berliner Testaments werden verhindert.

Letztwillige Verfügung statt Berliner Testament: Eine weitere zivilrechtliche Möglichkeit ist, ein Vermächtnis statt des klassischen Berliner Testaments aufzusetzen. Die Erbfolge könnte so gestaltet werden, dass bereits beim Tod des Vaters Albert die Tochter Christa dessen Vermögen erbt und nicht erst nach dem Tod der Mutter. Durch eine letztwillige Verfügung könnten beide Elternteile dem Kind ein Vermächtnis einräumen und so dessen persönlichen Freibetrag in Höhe von 400.000 Euro ausnutzen. Dies setzt aber voraus, dass beide Elternteile das schon zu Lebzeiten so regeln.

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Fazit: Berliner Testament oder Alternativen mit Anwalt beraten

Das Berliner Testament hat aus steuerlichen Gründen zwei erhebliche Nachteile: Erstens verliert der Schlusserbe (Tochter Christa im Ausgangsbeispiel) einen persönlichen Freibetrag. Zweitens wird beim letztverstorbenen Ehegatten (Berta im Beispiel) das Vermögen derart angehäuft, dass der Schlusserbe (Christa) viel mehr Erbschaftsteuern zahlen muss als nötig.

Vermeiden können Sie solche Situationen, indem Sie zu Lebzeiten entsprechend Ihrer Versorgungswünsche Vereinbarungen treffen. Holen Sie sich Hilfe bei einem versierten Erbrechtsanwalt oder Notar – es könnte eine lohnenswerte Investition sein. Wie Sie einen passenden Anwalt finden und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen, lesen Sie in unserem Ratgeber.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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