Wie ein Smart Meter den Stromverbrauch bei Finanztip erhellt

Wie ein Smart Meter den Stromverbrauch bei Finanztip erhellt

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Spitzenverbrauch im dunklen Januar (1. März 2018)

Private Haushalte verzeichnen gewöhnlich im Dezember den höchsten Stromverbrauch des Jahres. Die Tage sind um die Wintersonnenwende kurz. Entsprechend viele Stunden brennen Lampen zu Hause. An den Feiertagen verbringen die meisten ohnehin mehr Zeit in den eigenen vier Wänden als an normalen Arbeitstagen.

Für unseren Stromverbrauch bei Finanztip führt dies zum gegenteiligen Effekt: Nicht der Dezember ist der Monat mit der höchsten Last, sondern der Januar. 866 Kilowattstunden haben wir im ersten Monat des Jahres 2018 benötigt. Im Februar lagen wir deutlich darunter – der Monat zählt aber auch nur 28 Tage, es ist wieder länger hell und es gab einige sonnenreiche Tage. So haben wir mit Strom weniger Licht erzeugt.

Monat/Verbrauch Grundlast Kühlschränke übrige Verbraucher gesamt
September 346 kWh 23 kWh 335 kWh 704 kWh
Oktober 359 kWh 22 kWh 396 kWh 777 kWh
November 371 kWh 21 kWh 445 kWh 837 kWh
Dezember 358 kWh 22 kWh 431 kWh 811 kWh
Januar 367 kWh 23 kWh 476 kWh 866 kWh
Februar 329 kWh 20 kWh 387 kWh 736 kWh

Quelle: Finanztip (Stand: 5. März 2018)

Auf der Suche nach einem passenden variablen Tarif

Mit diesen Daten lassen sich zwei Dinge tun: Wir kennen unsere Stromfresser und können sie eliminieren oder zumindest ihren Energiehunger bremsen. Oder wir nutzen die Daten, um einen Stromtarif zu suchen, der unserem Verbrauchsverhalten entspricht. Variable Tarife nennen sich solche, deren Höhe innerhalb eines Tages unterschiedlich sein kann – abhängig von der Uhrzeit oder vom Verbrauch des Kunden. Weiß ein Verbraucher beispielsweise, wie stark er das Stromnetz belastet, kann er einen Tarif suchen, der genau das berücksichtigt und dadurch günstiger ist. Oder er findet einen Tarif, in dem zu bestimmten Stunden – beispielsweise am Abend oder am Wochenende – Rabatte auf den Strompreis wirken.

Die meisten Haushalte und Gewerbebetriebe haben keinen Zugriff auf solche Tarife. Das liegt daran, dass ein Versorger nicht genau weiß, zu welchem Zeitpunkt der Kunde wie viel Strom aus dem Netz zieht. Zwar zählen die überwiegend installierten Ferraris-Zähler den Verbrauch, Kilowattstunde um Kilowattstunde fortlaufend. Unterschiede zwischen Sommer und Winter, zwischen Sonntag und Montag, zwischen Morgen und Abend zeichnet ein solcher analoger Zähler nicht auf. Aber unser Smart Meter.

Ist ein Zähler installiert, der den Strombezug in Echtzeit festhält, sind Stromversorger angehalten, variable Tarife anzubieten (§ 40 Abs. 5 EnWG). Das trifft auch auf alle digitalen Zähler zu, die seit vorigem Jahr allmählich in allen Haushalten Einzug halten. Diese modernen Messeinrichtungen müssen nicht an ein Onlineportal angebunden sein wie unser Zähler. Aber sie zeichnen den Stromverbrauch in Echtzeit auf und speichern die Daten zwei Jahre lang. Wer bereits solch einen Zähler bekommen hat, kann sich nach variablen Tarifen umsehen.

Auch wir haben unseren Versorger nach einem variablen Tarif gefragt. Leider bietet er noch keinen an, hat er geantwortet. Er arbeite daran und hoffe, noch im Laufe dieses Jahres entsprechende Angebote machen zu können. Vielleicht finden wir aber auch bei einem anderen Versorger einen Tarif, mit dem wir unsere Stromkosten reduzieren können – ohne den Verbrauch zu senken. Denn letzteres gestaltet sich in einem Unternehmen, in dem alle Mitarbeiter den Verbrauch beeinflussen, deutlich schwieriger als in einem Haushalt.

Dezember: 25 Prozent höherer Verbrauch als im Sommer (20. Dezember 2017)

Die Sonnenstunden pro Tag nehmen immer noch ab – und unser Stromverbrauch steigt weiter: Im November erreichten wir 838 Kilowattstunden. Noch einmal 8 Prozent mehr als im Oktober. Und wir steuern im Dezember auf ein neues Maximum zu. Bis 20. Dezember belief sich der Verbrauch schon auf knapp 600 Kilowattstunden.

Woran das liegt? Wir möchten es im Büro hell haben. Viele Lampen brennen tagsüber, wenn es draußen grau und ungemütlich ist. In der Küche läuft die Herdplatte heiß. Wasserkocher und Kaffeemaschine rotieren. Tag für Tag summieren sich viele kleine Bedürfnisse zu einem stattlichen Verbrauch. Im September bezogen wir im Schnitt 24 Kilowattstunden am Tag – nun sind es 30 und damit 25 Prozent mehr.

Das lässt sich weiter untermauern. Unser Smart Meter bietet Diagramme zum Stromverbrauch im Sommerhalbjahr und im Winterhalbjahr. An den Wochenenden ist der Unterschied zwischen Sommer und Winter unerheblich. Zwischen Montag und Freitag ziehen wir zwischen Oktober und März tagsüber jedoch bis zu 400 Watt mehr Leistung aus dem Stromnetz – ein Plus von 28 Prozent.

Unser Stromverbrauch - je nach Jahreszeit und Wochentag.
Unser Stromverbrauch – insgesamt, nach Jahreszeit und nach Wochentagen. (Bild: Screenshot Discovergy)

Smart Meter erkennt Verbrauch unserer Kühlschränke

Gegenüber dem steigenden Verbrauch durch Geräte, die wir mal an- und dann wieder ausschalten, bleibt die Last der großen Stromfresser unverändert. Der Größte ist unser Server. Er läuft ununterbrochen und zählt damit zur Grundlast. Pro Monat benötigt er rund 340 Kilowattstunden. Dahinter folgt vermutlich die Klimaanlage, die den Serverraum kühlt. Bei 22 bis 23 Kilowattstunden pro Monat liegt der Verbrauch unserer beiden Kühlschränke. Daran hat sich seit September nichts geändert. Ob es eine Kilowattstunde mehr oder weniger ist, hängt davon ab, ob ein Monat 30 oder 31 Tage hat.

Der Smart Meter erkennt die Kühlschränke an Signalen, die sie ins Stromnetz senden. Über eine neue Technologie entschlüsselt der intelligente Zähler die Signale unterschiedlicher Geräte und kann so den Strombezug einzelnen Geräten zuordnen. NILM (non-intrusive load monitoring oder berührungsfreie Lastüberwachung) heißt die Technologie. Ein Verbund von Unternehmen und Wissenschaftlern entwickelt sie. Auch der Betreiber unseres Zählers gehört dazu, die Firma Discovergy. Nach den Kühlschränken arbeitet das Unternehmen gerade daran, weitere Haushaltsmaschinen in die Geräteerkennung aufzunehmen. Voraussichtlich Anfang 2018 können wir dann auch den Stromverbrauch von Kaffeemaschine, Wasserkocher und Klimaanlage aufschlüsseln.

Im Herbst verbrauchen wir zunehmend mehr (17. November 2017)

Unser Stromverbrauch wächst. Im Oktober waren es 778 Kilowattstunden, 10 Prozent mehr als im September. Das liegt wohl am Herbst, der Jahreszeit, in der die Sonne immer weniger am Himmel steht. Es brennen aber nicht nur die Lampen im Büro länger. Wir haben auch neue angeschafft, deren Licht deutlich stärker ist. Dafür benötigen sie auch ein bisschen mehr Strom.

Die alten Leuchtstofflampen hatten 6 oder 11 Watt Leistung und entsprachen Effizienzklasse A. Zwölf LED-Lampen Effizienzklasse A+ sind an ihre Stelle getreten. Gemessen an ihrer Leuchtkraft verbrauchen sie weniger Strom als die Leuchtstofflampen. Die Leistung jeder einzelnen Lampe beträgt aber 20 Watt. Alle zusammen brauchen damit mehr als das Doppelte der Leistung der trüben Leuchtstofflampen, die zuvor von der Decke funzelten. Schalten wir die neuen Lampen für vier Stunden am Tag an, ergibt sich ein Stromverbrauch von rund einer Kilowattstunde.

Mehr Licht, mehr heißes Wasser

Die neuen Lampen sind nicht allein der Grund für den höheren Verbrauch im Oktober, sondern dass wir alle Lampen häufiger und länger einschalten, seitdem es draußen früher dunkel wird. Auch trinken wir mehr Tee und machen häufiger Essen in der Küche warm.

Dass der höhere Stromverbrauch nicht an unserer Klimaanlage liegt, nicht am Server oder anderen großen Verbrauchern, die über Stunden täglich laufen, soll eine kleine Analyse deutlich machen. In der Tabelle sind die Mittelwerte des täglichen Stromverbrauchs von Montag bis Freitag und an Wochenenden sowie Feiertagen dargestellt:

Stromverbrauch im Mittel Arbeitstag Wochenende/Feiertag
September 27 kWh 16 kWh
Oktober 28 kWh 17 kWh
November (bis 15. November) 32 kWh 16 kWh

Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 15. November 2017)

Zu erkennen ist: Der Stromverbrauch am Wochenende, wenn kaum einer arbeitet, ist stabil. Von Montag bis Freitag steigt er im Mittel dagegen an.

Unsere Grundlast ist auf ähnlichem Niveau wie im September. Damit ist es eindeutig: Der höhere Verbrauch geht vorwiegend auf all jene Geräte zurück, die im Laufe des Tages in Betrieb gehen und spätestens mit dem Feierabend wieder ausgeschaltet werden.

Mit unserem steigenden Verbrauch fügen wir uns ins deutsche Muster. Im Herbst und Winter ist der Stromverbrauch in Deutschland stets am höchsten. An Werktagen im Winter liegt der Verbrauch 50 bis 60 Prozent über dem Bedarf, der an den Tagen mit der niedrigsten Nachfrage besteht. Die niedrigste Nachfrage besteht zumeist an Sonntagen im Sommer.

1. Erkenntnis: Unsere Grundlast ist sehr hoch (4. Oktober 2017)

Seit vier Wochen zählt ein intelligenter Zähler die Kilowattstunden, die wir bei Finanztip Tag für Tag verbrauchen. Die ersten Ergebnisse sind für uns überraschend: 48 Prozent des Verbrauchs zählen zur sogenannten Grundlast. Die zugehörigen Geräte laufen immerzu, sie machen nie Pause. Das können LEDs in Steckdosenleisten sein, Geräte im Stand-by-Betrieb und vor allem natürlich unser Server. Auch bei Nacht und am Wochenende ziehen sie Strom aus dem Netz.

In Haushalten liegt die Grundlast häufig beirund 10 Prozent des Stromverbrauchs, verursacht vor allem von Computern, Fernsehern oder Musikanlagen im Stand-by-Betrieb. Auch wenn die Geräte in diesem Modus nur 1 oder 2 Watt Leistung benötigen – das Jahr hat 8.760 Stunden. Ein einziges Gerät kann so pro Jahr 9 bis 18 Kilowattstunden beziehen, ohne dass es tatsächlich läuft.Es gilt daher schon lange als großes Einsparpotenzial in Haushalten, Geräte wirklich abzuschalten und nicht im Stand-by-Betrieb zu lassen.

Im Vergleich zu einem Haushalt ist unser Grundlastbedarf enorm. Er hat zu einem Stromverbrauch von rund 340 Kilowattstunden geführt – allein im September. Das wird sich auf der Stromrechnung mit rund 100 Euro niederschlagen. Keine Frage: An dieser Stelle wollen wir gegensteuern. Offen ist, wie stark wir das können.

Denn unseren Server können und wollen wir natürlich nicht mal einfach abschalten. Er ist für den größten Teil der Grundlast verantwortlich. Dass er viel Strom benötigt, war uns schon vor dem Einbau des Smart Meters klar. Aber das Wissen wiegt schwerer, wenn auf einmal exakte Zahlen vorliegen. Es gibt mit Sicherheit auch Potenzial, den Verbrauch anderer Geräte bei Nacht und am Wochenende zu senken. Das werden wir nun angehen. Welche Erfahrungen wir sammeln, berichten wir in diesem Blog.

Ein schlauer Stromzähler zieht bei uns ein (6. September 2017)

Finanztip hat seit einer Woche einen intelligenten Stromzähler, auch Smart Meter genannt. Klein und unscheinbar sieht er aus. Dass es kein gewöhnliches Gerät ist, das den Stromverbrauch zählt und anzeigt, verrät ein Kabel. Es steckt in einem Kasten über dem Zählwerk und führt zu unserem Server.

In dem Kasten sitzt Elektronik, um die erfassten Daten auf Computern anzuzeigen – in Echtzeit. Im Onlineportal des Zählerherstellers wächst eine Zickzacklinie mit jeder Sekunde. Das ist die Leistung, die wir aus dem Stromnetz abrufen. Die Linie hat Höhen und Täler und formt immer wieder neue. Lediglich gerade verläuft sie kaum. Mit der Computermaus lässt sich die Linie abfahren und gemessene Werte anzeigen. Eine Anzeige über dem Diagramm zählt die verbrauchten Kilowattstunden über den Tag.

Stromverbrauch in Echtzeit, vom Computer aus verfolgt.
Stromverbrauch in Echtzeit, vom Computer aus verfolgt. (Bild: Screenshot Discovergy)

Aber woher kommen die Berge, manche davon ganz schmal und spitz geformt wie ein Krater? Das soll der intelligente Zähler bald anzeigen können. Er ist so schlau, dass er einzelne Geräte daran erkennt, wie sie Strom beziehen. Elektrische Geräte hinterlassen eine Art Fingerabdruck im Stromnetz. Über diesen kann der Zähler auch ihren Verbrauch zuordnen. Dazu muss er aber erst einmal Daten sammeln. Hat er einzelne Geräte in unserem Büro identifiziert, wissen wir, wer die größten Stromfresser sind.

Durch schlauen Zähler 10 bis 15 Prozent Strom einsparen

„Zwischen 10 bis 15 Prozent sparen Kunden im Schnitt ein“, sagt Nikolaus Starzacher. Er ist Gründer und Geschäftsführer von Discovergy, der Firma, die unseren Smart Meter betreibt. Je größer der Verbrauch, desto größer die Einsparpotenziale, fügt er hinzu.

Letzte Handgriffe: Der Installateur verkabelt den neuen Stromzähler mit unserem Server.
Letzte Handgriffe: Der Installateur verkabelt den neuen Stromzähler mit unserem Server. (Foto: Ines Rutschmann)

Wir wollten selbst testen, was mit einem schlauen Gerät möglich ist. Daher haben wir Discovergy mit dem Betrieb eines intelligenten Stromzählers beauftragt. Den bisherigen Vertrag über den Messstellenbetrieb mit Stromnetz Berlin kündigte die Firma für uns. Ende August kam dann ein Elektriker zu uns, baute den alten Zähler aus und das neue Gerät ein. Die Stromversorgung musste er dazu für neun Minuten unterbrechen. Diese war die einzige Einschränkung bei der Installation des Smart Meters. Den alten Zähler erhielt Stromnetz Berlin im Anschluss zurück. Der Wechsel des Messstellenbetreibers verlief unterm Strich so, wie es sein sollte: schnell und unkompliziert.

Welche weiteren Erfahrungen wir in den kommenden Monaten mit dem neuen Stromzähler machen, berichten wir hier im Blog.

6 KOMMENTARE

  1. Seit dem Tausch von 2 Zählern des Netzbetreibers durch Discovergy Zähler haben wir seit Monaten Probleme mit dem Photovoltaik Einspeisezähler. Erst keine Meldung seitens Discovergy an den Netzbetreiber. Dann seit Aug ’17 keine Kommunikation des Zählers mit der Auswerteeinheit bei Discovergy. Unzählige Anrufe und schriftliche Kontakte unbeantwortet. Kann hier keine Empfehlung für das an sich gute Konzept aussprechen.

  2. Warum wid hier nicht der jährliche Zwangspreis von „intelligente Zäjlern, von ca 100- 200 € thematisiert ? EnBW z.B. ?

  3. Hallo – alles wunderschön aber vollkommen überflüssig (meine bescheidende Überzeugung und Meinung die nicht den Anspruch erhebt die einzig Wahre zu sein), denn wo ist denn das Problem den Zähler der Stroms abzulesen? Will jemand einen Überblick über die zu erwartenden Kosten haben muss auch der Gaszähler, der Warm-/Kaltwasserzähler [mit der Ableitung für die daraus zu erwartenden Kosten für Abwasser], der Gartenwasserzähler, der/die Heizungs- / Heizkörperzähler / Fernwärmezähler abgelesen werden. Was soll der Schniggschnagg mit Datenübertragung? Eine Handliste genügt auch und vor allem kann man mit so einer Handliste an exponierter Stelle auch schön die Familienmitgrlieder zum Kostensenken vergattern. Selbts eine Äggseldatei würde mir zuviel meiner wertvollen Lebenszeit rauben. In diesem Sinn, viele Grüße von einem alten Datenbankschrat.

  4. Solange ich als Endkunde nicht weiß, welche technischen Maßnahmen (Hardware und Software) seitens der Hersteller der SmartMeter unternommen wurden, um dieselben WIRKSAM gegen Hacken und Eindringen in mein lokales Netzwerk abzusichern, kommt mir kein SmartMeter ins Haus. Außerdem: Wer unbefugten Zugriff auf die Verbrauchsdaten hat, weiß auch, wann niemand zu hause ist und kann seinen Einbruch gut planen. Ebenso sollte man bedenken, dass der Stromversorger darüber auch schnell mal eben die Stromversorgung beenden (analog: „abklemmen“) kann. Ob berechtigt oder unberechtigt – diese Option, gegen die ich mich im Gegensatz zum physikalischen Abklemmen nicht wehren kann, gefällt mir nicht.

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