Scalable Capital bringt mit Xtrackers Europas ersten zweifach gehebelten ETF auf den MSCI ACWI auf den Markt. Damit kannst Du auf die tägliche Entwicklung der weltweiten Aktienmärkte setzen und das mit Hebel 2. Der ETF umfasst mehr als 2.400 Aktien aus 47 Industrie- und Schwellenländern. Laut Scalable kostet der ETF 0,45 % pro Jahr und richtet sich vor allem an aktive Anleger
Das Prinzip scheint in der Theorie simpel: Steigt der Markt an einem Tag um 1 %, legt der ETF ungefähr 2 % zu. Fällt der Markt um 1 %, verlierst Du entsprechend etwa 2 %.
Warum die doppelte Rendite trügt
Der Hebel wird jeden Handelstag neu berechnet. Deshalb verdoppelt sich Deine langfristige Rendite nicht automatisch. Entscheidend ist nicht nur, wo der Markt am Ende steht, sondern auch, wie er dorthin gelangt. Schwankt der Markt stark, kann der sogenannte Volatility Drag einen Teil der Rendite zunichte machen.
Wenn aus 1 % Minus plötzlich 4 % werden
Ein Beispiel zeigt, warum der Hebel langfristig tückisch sein kann:
Starten Index und ETF jeweils bei 100 €, steigt der Index am ersten Tag um 10 % auf 110 €. Der zweifach gehebelte ETF steigt ungefähr 20 % auf 120 €. Fällt der Index am nächsten Tag um 10 %, landet er bei 99 € – also nur 1 % unter seinem Ausgangswert. Der gehebelte ETF fällt dagegen um rund 20 % von 120 € auf 96 €. Unterm Strich hat der Index 1 % verloren, der gehebelte ETF aber 4 %.
Genau darauf weist auch Scalable selbst hin: “Über längere Zeiträume kann die Wertentwicklung deutlich von der doppelten Entwicklung des ungehebelten Index abweichen.”
Auch Finanzierungskosten solltest Du im Blick haben. Der Hebel fällt nicht kostenlos vom Himmel. Denn um die Wertentwicklung zu hebeln, leiht der ETF sich vereinfacht gesagt Geld. Und dafür fallen Zinsen an. Diese Kosten sind nicht in der TER enthalten, sie schmälern direkt Deine Rendite. Aktuell liegt der Zinssatz für den ETF von Scalable bei 2,18 % p. a.
Breite Streuung schützt nicht: Der Hebel bleibt das Risiko
Wo höhere Renditechancen locken, steigt auch das generelle Risiko für Dich. Nach einem Kursverlust muss ein gehebelter ETF deutlich stärker zulegen, um wieder auf seinen Ausgangswert zu kommen. Genau deshalb könnte Deine langfristige Rendite niedriger ausfallen, als Du zunächst erwartest. Dass der neue ETF nun auch Schwellenländer enthält, ändert an dieser grundsätzlichen Einordnung wenig. Zwar ist der MSCI ACWI breiter aufgestellt als ein reiner MSCI World, das größere Risiko entsteht für Dich aber nicht durch den Index, sondern durch den täglichen Hebel.
Und auch wenn der Aktienmarkt langfristig steigt, gibt es zwischendurch immer wieder kleinere und auch größere Kurseinbrüche. Ein Hebel-ETF verstärkt diese natürlich ebenfalls. Die Herausforderung ist als Anleger in diesen Phasen dann wirklich gelassen zu bleiben.
Wie viel Risiko passt zu Dir?
Wir raten von solchen Hebel-ETFs für den langfristigen Vermögensaufbau ab. Wenn Du trotzdem mal einen gehebelten ETF ausprobieren willst: Maximal als Beimischung und nur mit Geld, auf das Du verzichten kannst.
Wenn Du langfristig Vermögen aufbauen möchtest, bleib bei einem weltweit gestreuten ETF ohne Hebel. Das ist für die meisten Anleger die einfachere und robustere Lösung.
Finanztip empfiehlt dafür ETFs auf einen weltweiten Aktienindex, zum Beispiel den State Street SPDR MSCI ACWI IMI (IE00B3YLTY66), den Vanguard FTSE All World (IE00B3RBWM25) oder den iShares MSCI ACWI (IE00B6R52259).
Dafür brauchst Du ein gutes Depot. Von unseren elf Empfehlungen bietet Traders Place das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Das beste Leistungsspektrum hat das Depot von Comdirect. Weitere passende Depots findest Du mit unserem Depot-Vergleich.