Midijob

Neue Entlastungen im Übergangsbereich

Dr. Britta Beate Schön
Finanztip-Expertin für Recht

Das Wichtigste in Kürze

  • Du arbeitest in einem Midijob, wenn Du im Monat nicht weniger als 520,01 und nicht mehr als 1.600 Euro verdienst.
  • Im Gegensatz zum Minijob sind die Midijobs sozialversicherungspflichtig.
  • Allerdings zahlst Du nicht den vollen Beitragssatz.

So gehst Du vor

  • Obwohl Du nicht den vollen Beitragssatz zahlst, hast Du vollen Anspruch auf die Leistungen – zum Beispiel bei der Ren­ten­ver­si­che­rung.
  • Neue Regelungen machen den Übergang vom Mini- zum Midijob seit Oktober 2022 deutlich attraktiver.
  • Aufpassen musst Du als Midijobber, wenn Du bisher nicht mehr als 520 Euro verdient hast.

Minijobs kennt in Deutschland jeder. Aber wusstest Du, dass es auch Midijobs gibt? In diesen kannst Du mehr verdienen als im Minijob und genießt immer noch Vorteile, die dafür sorgen, dass Du am Ende mehr netto von Deinem Bruttogehalt hast.

Wenn Du jetzt denkst, dass Du auch mehr verdienen und einen Midi-, statt einen Minijob ausüben willst, haben wir gute Nachrichten für Dich. Denn genau dieser Schritt ist seit Oktober 2022 deutlich attraktiver geworden. Warum das so ist und die Konditionen für den Midijob sich schon 2023 noch einmal verbessern sollen, kannst Du ganz einfach in diesem Ratgeber nachlesen.

Was ist ein Midijob?

Der Midijob hieß im Fachjargon bis 2019 noch Gleitzone. Mittlerweile ist er im Sozialgesetzbuch als Übergangsbereich definiert, was ihn auch ganz gut beschreibt.

Der Midijob ist eine Zwischenstufe zwischen den Minijobs und kurzfristigen Beschäftigungen und Arbeitsverhältnissen mit voller Beitragspflicht zu den Sozialversicherungen.

Deswegen gibt es bei Midijobs auch eine Verdientsunter- sowie Obergrenze. Verdienst Du weniger als 520,01 Euro im Monat, bist Du ein Minijobber. Verdienst Du mehr als 1.600 Euro, hast Du einen „normalen“ Job und verlierst gewisse Beitragsvergünstigungen, die Dir der Midijob bietet. Bis zum Oktober lagen die Verdienstgrenzen noch bei 450 beziehungsweise 1.300 Euro.

Vorsicht: Auch wenn Du als Praktikant, im Bundesfreiwilligendienst, Auszubildender oder in Kurzarbeit innerhalb der Verdienstgrenzen für einen Midijob liegst, giltst Du nicht als solcher. Dementsprechend greifen für Dich auch andere Regeln bei Steuer und Sozialversicherung.

Wieviel Sozialabgaben musst Du im Midijob zahlen?

Wie viel Beiträge Du für Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Ren­ten­ver­si­che­rung zahlen musst, ist abhängig von der Höhe Deines Lohns.

Beginnend mit dem ersten Euro über 520 zahlst Du laut Infos der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung insgesamt rund 0,6 Prozent Beitragssatz für die Sozialversicherungen. Das bedeutet Du hast am Ende von Deinem 521 Euro Bruttogehalt 520,70 Euro Nettogehalt auf dem Konto. Diese 0,6 Prozent steigern sich linear mit Deinem Gehalt bis zum vollen Beitragssatz von 20 bis 21 Prozent. Den musst Du zahlen, wenn Du die Verdienstobergrenze von 1.600 Euro überschreitest.

Auch wenn Du weniger in die Ren­ten­ver­si­che­rung und Co. einzahlst, musst Du Dir keine Sorgen machen, das damit Nachteile verbunden sind. Du hast Anspruch auf die vollen Leistungen und Absicherungen bei Kran­ken­ver­si­che­rung und Pfle­ge­ver­si­che­rung. Auch wenn Du Deinen Midijob verlierst, bist Du im Gegensatz zum Minijob über die Arbeitslosenversicherung abgesichert. Trotz der verminderten Beiträge zur Ren­ten­ver­si­che­rung erwirbst Du auch dort volle Ansprüche. Heißt: Du erhöhst Deine Rente, bekommst Wartezeit gutgeschrieben und kannst Dir mit einem Midijob Anspruch auf eine Reha oder Er­werbs­min­de­rungs­ren­te sichern.

Vorsicht: Die verminderten Abgaben zu den Sozialversicherungen gelten nicht, wenn Du den Midijob zusätzlich zu einer Hauptbeschäftigung oder einem anderen Midijob ausübst und mit beiden Verdiensten über die 1.600-Euro-Grenze kommst. Dann zahlen Du und auch Dein Arbeitgeber für beide Beschäftigungen die vollen So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge.

Sonderfall Übergangs­regelung

Midijobber, die bisher zwischen 450 und 520 Euro verdient haben, hätten nach der Verschiebung der Verdienstgrenzen im Oktober ihre gesetzliche Kranken, Pflege- und Arbeitslosenversicherung plötzlich verloren. Damit das nicht passiert, gibt es eine Übergangs­regelung bis zum 31. Dezember 2022. Bis dahin bleiben Minijobs in besagtem Verdienstbereich sozialversicherungspflichtig, mit der Option sich rückwirkend befreien zu lassen. Bist Du betroffen, musst Du Dich also nicht sorgen, dass Du plötzlich ohne den Ver­si­che­rungs­schutz dastehst.

Solltest Du Dich dazu entscheiden, Dich rückwirkend zum 1. Oktober befreien zu lassen, kannst Du das bis zum 2. Januar 2023 bei Deinem Arbeitgeber beantragen. Der meldet Deinen Wunsch dann der Minijob-Zentrale und Du bekommst die zu viel gezahlten Beiträge zurück.

Das kannst Du aber nur tun, wenn Du in der Zwischenzeit keine Leistungen der Kran­ken­ver­si­che­rung in Anspruch genommen hast. Ist das der Fall, zählt Deine Befreiung erst ab dem Monat nach Deiner Antragstellung. Für die Ren­ten­ver­si­che­rung gilt die Übergangs­regelung nicht.

Warum ist der Midijob im Oktober attraktiver geworden?

Der Midijob ist attraktiver geworden, weil die Verdienstobergrenze von 1.300 auf 1.600 Euro erhöht wurde. Du kannst also noch mehr verdienen und behältst die Vorteile eines Midijobs.

Die größere Auswirkung hatte aber die Abschaffung der sogenannten Minijob-Falle. Denn die bereits beschriebene Berechnung der Beitragssätze zur Sozialversicherung gibt es ebenfalls erst seit Oktober 2022.

Vorher schlugen die So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge bereits ab dem ersten Cent über der Verdienstuntergrenze von zuvor 450 Euro mit rund 10,6 Prozent zu Buche. Das sorgte dafür, dass es sich für manche Minijobber nicht lohnte, die Arbeitszeit geringfügig aufzustocken. Dann hätten sie sogar weniger netto vom Brutto gehabt als vorher.

Beispiel: Udo stockte seinen Minijob von 450 Euro auf einen Midijob mit 451 Euro auf. Weil er darauf nun die Sozialabgaben von rund 10,7 Prozent zahlen musste, hatte er am Ende nur 405,59 Euro auf dem Konto. Obwohl er also mehr gearbeitet hatte, verdiente er 45,41 Euro weniger. Er steckte in der Minijob-Falle.

Um auf das gleiche Nettogehalt wie als Minijobber zu kommen, hätte Udo als Midijobber so viel mehr arbeiten müssen, dass er 510 Euro brutto verdient hätte.

Diese Minijob-Falle war auch dem Gesetzgeber ein Dorn im Auge. Der hat schon allein wegen der Sozialversicherungen ein Interesse daran, dass Du möglichst gut verdienst. Als Minijobber sorgst Du beispielsweise mit weniger Einzahlungen in die Ren­ten­ver­si­che­rung schlechter für Dein Alter vor und der Staat muss Dich eventuell im Ruhestand unterstützen.

Deswegen landet jetzt von jedem mehr verdienten Euro brutto auch netto mehr auf Deinem Konto.

Beispiel: Hätte Udo nach der alten Regelungen seinen 520-Euro-Minijob auf einen 521-Euro-Midijob aufgestockt, hätte er rund 476 Euro netto verdient. Nach der neuen Regelung zahlt er stattdessen wie bereits erwähnt nur Sozialabgaben von 30 Cent und verdient netto 520,70 Euro.

Die neuen Regelungen sollen aber nicht das Ende der Entlastungen für Midijobber sein. Die Ampel-Koalition plant die Verdienstobergrenze zum 1. Januar 2023 auf 2.000 Euro zu erhöhen. Das würde die lineare Steigung der So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge abkürzen. Bedeutet konkret: Du hättest als Midijobber noch mehr netto vom Brutto. 

Was gut für Udo und andere Minijobber ist, ist eher schlecht für die Arbeitgeber. Die müssen nämlich auch weiterhin die jeweilige Differenz zum vollen Arbeitnehmeranteil übernehmen.

 Wir haben Dir mal grafisch aufbereitet, wie viel mehr die neue Regelung nach der Anhebung auf 520 Euro im Oktober im Vergleich zur alten Regelung bringt.

Wie sieht es mit der Lohnsteuer beim Midijob aus?

Steuerlich gibt es keine gesonderten Entlastungen für Midijobber. Es gelten der normale progressiv verlaufende Einkommensteuertarif und Deine Lohnsteuermerkmale wie zum Beispiel die Steuerklasse. Es kann aber trotzdem vorkommen, dass Du als Midijobber keine Steuern zahlst. Nämlich dann, wenn Du im Jahr nach Abzug von verschiedenen Pauschalen, wie der Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le unter den Grundfreibetrag von 10.347 Euro (Stand 2022) rutschtst.

Generell profitierst Du als Arbeitnehmer hauptsächlich von geringeren Sozialabgaben. Was Du und Dein Chef tatsächlich zahlen müssen, kannst Du mithilfe des Übergangsbereichsrechners der Techniker Kran­ken­kas­se berechnen.

Die jeweilige Kran­ken­kas­se ist bei den Midijobs für die Anmeldung des Jobs zuständig und zieht auch die Sozialabgaben ein. Die Minijob-Zentrale bleibt außen vor. Sie ist, wie der Name schon sagt, nur für das Melde- und Beitragsverfahren bei Minijobs zuständig.

Die Regelung für Midijobber gilt nicht für Auszubildende und Praktikanten. Nicht anwendbar ist sie auch für eine Nebenbeschäftigung, die Du zusätzlich zu einer so­zial­ver­si­che­rungs­pflicht­ig­en Hauptbeschäftigung mit einem gemeinsamen Monatslohn von mehr als 1.600 Euro ausübst. In solchen Fällen musst Du wie auch Dein Arbeitgeber für beide Beschäftigungen die vollen So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zahlen.

Autor
Jan Scharpenberg

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