Rente berechnen

So hilft die Rentenformel bei der Altersvorsorge

Jan Scharpenberg
Finanztip-Experte für Rente

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Höhe Deiner späteren Rente musst Du nicht unbedingt selbst berechnen: Ein Mal pro Jahr schickt Dir die Ren­ten­ver­si­che­rung eine Information über Deine zukünftige Rente.
  • Mit Hilfe der Rentenformel kannst Du Deine gesetzliche Rente schätzen, wenn sich für Dich in der Zwischenzeit etwas ändert.
  • Dazu multiplizierst Du die einzelnen Faktoren der Rentenformel miteinander.
  • Die Informationen, die Du benötigst, findest Du in der Renteninformation und in Deiner Gehaltsabrechnung.

So gehst Du vor

  • Nutze die Renteninformation oder die Rentenformel, um Dir einen Überblick über Deine gesetzliche Rente zu verschaffen.
  • Vergiss nicht, dass diese Rente noch durch Steuern und Sozialbeiträge gemindert wird.
  • Beschäftige Dich deshalb nicht nur mit der gesetzlichen Rente, sondern auch mit der privaten Altersvorsorge.

Sofern Du bereits 27 Jahre alt und in der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung bist, flattert einmal im Jahr Post von der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund in Deinen Briefkasten. In der sogenannten Renteninformation findest Du Deine voraussichtliche Rente, wenn Du ganz normal mit 67 Jahren in den Ruhestand gehen würdest.

Was ist aber, wenn Du vielleicht schon früher Deine Rente in Anspruch nehmen willst, oder Du weißt, dass sich Dein Gehalt ändert? Mittels der Rentenformel kannst Du dann einfach selbst abschätzen, wie sich das auf Deine Rente auswirken würde. Wir erklären Dir die Formel Schritt für Schritt und zeigen Dir, was Du dafür brauchst.

Rentenformel anwenden Schritt 1: Die Entgeltpunkte

Die Entgeltpunkte werden auch Rentenpunkte genannt. Den größten Teil sammelst Du genau wie Punkte an der Supermarktkasse. Dort bekommst Du je nach Höhe Deines Einkaufs Punkte gutgeschrieben. Die Anzahl der Entgeltpunkte, die Du sammelst, hängt davon ab, wie viel Gehalt Du pro Jahr verdient hast. Verdienst Du genauso viel wie der Durchschnitt aller gesetzlich Versicherten, bekommst Du genau einen Entgeltpunkt auf Dein Rentenkonto gutgeschrieben. Wenn Du mehr oder weniger verdienst, rechnet das die Ren­ten­ver­si­che­rung prozentual um und Du bekommst dementsprechend mehr oder weniger Entgeltpunkte gutgeschrieben. Allerdings gibt es ein Maximum. Das wird über die Bei­trags­be­messungs­grenze geregelt. Das Geld, das Du über dieser Grenze verdienst, wird nicht in die Berechnung Deiner Entgeltpunkte eingerechnet.

Vorläufiges Durchschnittsentgelt für 2022

  • alte Bundesländer: 38.901 Euro brutto im Jahr
  • neue Bundesländer: 37.333 brutto im Jahr 

Bei­trags­be­messungs­grenze 2022

  • alte Bundesländer: 84.600 Euro brutto im Jahr
  • neue Bundesländer: 81.000 Euro brutto im Jahr

Es kommt äußerst selten vor, dass das Durchschnittsentgelt im Vergleich zum Vorjahr sinkt. Tatsächlich war das seit 1968 nur von 2008 auf 2009 wegen der Finanzkrise und von 2021 auf 2022 wegen der Corona-Pandemie der Fall. Wenn Du also weißt, dass Du nächstes Jahr mehr verdienen wirst, wird sich das nicht ganz auf Deine Rentenpunkte niederschlagen. Als Orientierung kannst Du aber dennoch mit dem jeweils aktuellen Durchschnittsentgelt in der Rentenformel rechnen.

Achtung: Ob für Dich Ost- oder West-Werte bei der Rente gelten, ist nicht abhängig von Deinem Wohnort, sondern vom Sitz Deines Arbeitgebers.

Um Deine zukünftige Rente zu schätzen, gehen wir davon aus, dass Du Dein neues Gehalt bis zum Eintritt in den Ruhestand weiter verdienst.

Wenn Du also wissen willst, wie viel Entgeltpunkte Du mit Deinem neuen Gehalt bekommst, teilst Du einfach Deinen Jahreslohn durch das Durchschnittsentgelt. 

Eine Beispielrechung: Katrin hat vor ihrer Gehaltserhöhung 40.000 Euro brutto im Jahr verdient. Dafür sind pro Jahr demnach rund 1,03 Entgeltpunkte (West) auf ihr Rentenkonto gewandert. Dank ihrer Gehaltserhöhung verdient Katrin nun 43.000 Euro brutto im Jahr. Dadurch erwirbt sie dann gut 1,11 Entgeltpunkte pro Jahr. Das Ergebnis multipliziert Katrin mit den Jahren, die sie noch bis zur Rente arbeiten will. Sie darf das Ergebnis nicht mit den Jahren multiplizieren, die sie noch bis zum Renteneintritt arbeiten muss. Denn dann funktioniert die Schätzung nicht, wie Du in Schritt 2 sehen wirst.

Wichtig ist zudem zu wissen, wie viele Entgeltpunkte Katrin bereits gesammelt hat. Auch diese Information findet sie in ihrer aktuellen Renteninformation. Diese bereits gesammelten Entgeltpunkte muss Katrin zu den durch ihr neues Gehalt entstehenden Entgeltpunkten addieren. Damit hat sie den ersten Baustein für die Rentenformel schon fertig.

Tipp: Entgeltpunkte kannst Du neben Deinem Gehalt auch für Zeiten bekommen, in denen Du

  • Kinder erziehst,
  • ein Familienmitglied pflegst,
  • Bundesfreiwilligendienst (früher Wehr- oder Zivildienst) absolvierst oder
  • Kranken- oder Ar­beits­lo­sen­geld beziehst (mit Ausnahme von Hartz IV).

Zudem werden Entgeltpunkte auch bei einer Scheidung von Paaren zwischen diesen aufgeteilt.

Eine weitere Beispielrechung: Katrin ist 40 Jahre alt und hat bisher rund 17 Entgeltpunkte gesammelt. Sie will mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen, hat also noch 25 Jahre im Erwerbsleben vor sich. Wenn sie ihr Gehalt von 43.000 Euro in dieser Zeit weiter bezieht, sammelt sie bis dahin weitere 27,75 Entgeltpunkte. Die summieren sich bis zum Beginn ihrer Rente demnach auf 44,75.

Mit ihrem Gehalt vor der Erhöhung hätte sie pro Jahr 1,03 Entgeltpunkte gesammelt und wäre mit 65 Jahren auf insgesamt 42,75 Punkte gekommen.

Rentenformel anwenden Schritt 2: Der Zugangsfaktor

Über den Zugangsfaktor werden die Abzüge auf Deine monatliche Rente angerechnet, wenn Du früher als vorgesehen in den Ruhestand gehst. Wann das ist, bestimmt Deine Regelaltersgrenze. Die wird gerade schrittweise erhöht und ist abhängig von Deinem Geburtsjahr. Für einen Großteil der Arbeitnehmer wird sie künftig bei 67 Jahren liegen. Sofern Du nicht 45 Beitragsjahre angesammelt hast, zieht Dir die Ren­ten­ver­si­che­rung für jeden Monat vor Erreichen Deiner Regelaltersgrenze 0,3 Prozent von Deiner monatlichen Rente ab, die Du zum Zeit­punkt des Renteneintritts bekommen würdest. Daher auch der Hinweis in der Beispielrechnung in Schritt 1, mit welchen Jahren die Entgeltpunkte multipliziert werden müssen. Das Mindestalter, mit dem Du früher in Rente gehen kannst, ist 63.

Gehst Du bei Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand, ist der Zugangsfaktor schlicht 1. Wenn Du dem Job früher Lebewohl sagen willst, ziehst Du für jeden Monat 0,003 vom Faktor 1 ab.

Beispiel: Katrin will mit 65 Jahren statt mit 67 Jahren in den Ruhestand gehen und hat noch keine 45 Beitragsjahre gesammelt. Sie zieht ihre Rente also um 24 Monate vor. Der Zugangsfaktor verringert sich demnach um 0,072 (0,003 x 24) Prozentpunkte auf 0,928.

Rentenformel anwenden Schritt 3: Der Rentenwert

Der Rentenwert ist die einfachste Größe in der Rentenformel. Er beschreibt schlichtweg, wie viel einer Deiner Rentenpunkte wert ist. Wenn von einer prozentualen Rentenerhöhung die Rede ist, werden die Prozente daher auch immer auf den Rentenwert gerechnet. Ab dem 1. Juli 2022 ist ein Rentenpunkt in den alten Bundesländern 36,02 Euro und in den neuen Bundesländern 35,52 Euro wert.

Rentenformel anwenden Schritt 4: Der Rentenfaktor

Die vierte und letzte Rechengröße in der Rentenformel ist der Rentenfaktor. Der ändert sich je nach Art der Rente, die Du in Anspruch nimmst.

Rentenfaktor für Rentenarten

Wenn Du gesund bleibst, ist für Dich nur der Faktor für die normale Altersrente entscheidend. Vorsicht Verwechslungsgefahr: Den Rentenfaktor gibt es auch bei privaten Ren­ten­ver­si­che­rungen.

Rentenformel anwenden Schritt 5: Werte multiplizieren

Wenn Du alle Werte für die Rentenformel zusammen hast, kannst Du sie ganz einfach miteinander multiplizieren. Probieren wir das doch einmal mit Katrins alten und neuen Gehalt aus unserem Beispiel:

Mit ihrem alten Gehalt hätte Katrin insgesamt 42,75 Entgeltpunkte gesammelt. Weil sie mit 65 Jahren in Rente gehen will, ist ihr Zugangsfaktor 0,928. Ihr Rentenwert ist 36,02 Euro (West). Da sie eine normale Altersrente in Anspruch nehmen will, ist ihr Rentenfaktor 1. Miteinander multipliziert ergibt das eine monatliche Rente von rund 1.429 Euro.

Mit Katrins neuen Gehalt ändert sich nur die Anzahl ihrer Entgeltpunkte auf 44,75. Multipliziert mit den anderen Werten ändert sich ihre monatliche Rente auf gut 1.496 Euro. Eine Differenz von 67 Euro im Monat.

Vorsicht: Mit der Rentenformel schätzt Du Deine monatliche Brutto-Rente. Wie Du Deine Netto-Rente erfährst, haben wir im Ratgeber zu Brutto-/Netto-Rente aufgeschrieben.

Reicht die Rente für den Ruhestand?

Das Ergebnis der Rentenformel ist für Dich eine Grundlage, um herauszufinden, ob Du einen ruhigen Ruhestand verleben wirst oder Dir im schlimmsten Fall Altersarmut droht. 
Du musst dazu Folgendes berücksichtigen: Der Wert, den Du mit der Rentenformel errechnet hast, ist ein Brutto-Wert. Davon gehen noch Kran­ken­ver­si­che­rung, Pfle­ge­ver­si­che­rung und eventuell Steuern ab. Nach aktuellen Beitragssätzen für Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung landen mindestens 10,35 Prozent weniger von der monatlichen Rente auf Deinem Konto.

Ob Dir dieser Betrag im Ruhestand reicht, kannst Du abschätzen. Je nachdem ob Du sparsam leben willst oder nicht, kannst Du 70 bis 80 Prozent Deines letzten Netto-Gehaltes vor der Rente als Untergrenze für deinen Finanzbedarf im Ruhestand ansetzen.

Die Differenz zwischen Deiner Rente und dem 70 bis 80 Prozentanteil Deines letzten Netto-Gehalts ist auch als Rentenlücke bekannt. Diese Lücke kannst Du auf verschiedene Arten durch private Altersvorsorge schließen. Die ist äußerst wichtig, denn Du solltest Dich nicht allein auf die gesetzliche Rente verlassen.

Empfehlenswerte Mittel der privaten Altersvorsorge:

Eine Le­bens­ver­si­che­rung ist nur bedingt empfehlenswert. Von Le­bens­ver­si­che­rung­en bei klassischen Anbietern ist abzuraten. Wegen der garantierten Garantieverzinsung können die Anbieter das von Dir investierte Geld nur in sehr sichere Anlagen stecken. Die Rendite lohnt sich dafür kaum noch. Denn gleichzeitig hast Du bei klassischen Anbietern auch noch eine Abschlussprovision und die laufenden Kosten für Beratung und Vertrieb zu tragen. Die können in den ersten Jahren mehrere Tausend Euro betragen und Deine Rendite auffressen. Anders verhält es sich bei den noch relativ neuen Le­bens­ver­si­che­rung­en als Nettopolice. Die kannst Du bei einem Honorarberater oder im Internet abschließen. Ihr Vorteil: Die teils hohen Kosten für Abschlussprovision und Vertrieb entfallen.

Die Riester-Rente ist aus ähnlichen Gründen nur noch für einen sehr begrenzten Personenkreis zu empfehlen. Genau wie bei klassischen Le­bens­ver­si­che­rung­en fressen auch bei Riester-Verträgen die Kosten die geringe Rendite zu einem guten Teil auf, wenn Du nur wenig bis gar nichts von den staatlichen Förderungen für Riester bekommst. Versicherer nehmen Riester-Verträge immer häufiger selbst aus ihrem Angebot, weil diese auch für sie unrentabel sind. Rentabel ist die Riester-Rente eigentlich nur noch für kinderreiche Familien, denn für sie gibt es pro Kind staatliche Zuschüsse.

Autor
Jan Scharpenberg