Versicherungssumme Wohngebäudeversicherung Ist Dein Haus hoch genug versichert?

Henriette Neubert
Henriette Neubert
Expertin Versicherungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Dein Haus sollte immer zum jeweils aktuellen Neubauwert versichert sein.
  • Mit einer festen Versicherungssumme ist das schwer, nutz besser den gleitenden Neuwertfaktor (Wert 1914) für die Berechnung der Versicherungssumme.
  • Auch die Finanztip-Empfehlungen Mr-Money und Fairfekt verwenden diese Berechnung. 

So gehst Du vor

  • Wenn Du eine Wohngebäudeversicherung abschließen willst, lass die Versicherungssumme nach dem gleitenden Neuwert berechnen. Dieser orientiert sich an der Ausstattung Deines Hauses und der Wohnfläche.
  • Achte darauf, dass Du korrekte Angaben zu Deinem Haus und der Ausstattung machst. Nur so wirst Du im Schadensfall angemessen entschädigt.
  • Wenn Du während der Versicherungszeit Dein Haus renovierst oder umbaust, musst Du das Deiner Versicherung mitteilen. Sie muss dann den Wert des Hauses anpassen. 

Klickst Du auf eine Empfehlung mit *, unterstützt das unsere Arbeit. Finanztip bekommt dann eine Vergütung. Empfehlungen sind aufwändig recherchiert und basieren auf den strengen Kriterien der Finanztip-Expertenredaktion. Mehr Infos

Wird Dein Haus  beschädigt, möchtest Du den vollen Schaden von Deiner Wohngebäudeversicherung ersetzt bekommen. Muss Dein Haus im schlimmsten Fall neu gebaut werden, sollte die Entschädigungssumme der Versicherung für einen Neubau ausreichen. Damit das klappt, muss die Versicherungssumme dem Neubauwert Deines Hauses entsprechen. Wie Du auf der sicheren Seite bist, erklären wir Dir in diesem Ratgeber.

Warum das Haus mit gleitendem Neuwert versichern?

Mit dem gleitenden Neuwert als Grundlage für die Versicherungssumme ist diese an die Wertentwicklung des Gebäudes angepasst. 

Wie wird der Neuwert des Hauses berechnet?

Als Basis für den Wert des Hauses wird der fiktive Gebäudewert genommen, den Dein Haus im Jahr 1914 gehabt hätte. Also der Preis, den der Bau des Hauses im Jahr 1914 theoretisch in der damaligen Währung Goldmark kostete – noch vor der großen Inflation zwischen 1914 und 1923. Dafür wird zunächst der Neuwert 1914 anhand der verschiedenen Merkmale Deines Hauses bestimmt. Zu diesen Merkmalen gehören:

  • Gebäudetyp
  • Wohnfläche
  • Bauweise
  • Nebengebäude
  • Sonderausstattung, zum Beispiel Marmorfliesen

Der ermittelte Neuwert 1914 wird nun mit dem Baupreisindex multipliziert und durch 100 dividiert, um den aktuellen Neuwert zu erhalten.

Was ist der Baupreisindex?

Der Baupreisindex zeigt die Entwicklung der Baupreise zu einem Basisjahr und wird jährlich vom Statistischen Bundesamt festgelegt. Das Basisjahr definiert also Jahr null, mit einem Baupreis von 100 Prozent und wir regelmäßig angepasst. Daran werden dann die Veränderungen der weiteren Jahre gemessen. Im Baupreis sind sämtliche Kosten enthalten, die entstehen, um ein Bauwerk zu errichten oder instand zu halten. Grundstückspreise gehören nicht dazu. 

Da sich der Baupreis immer ändert, passt auch Dein Versicherer die Versicherungssumme regelmäßig an. So kommt die Versicherung auch Jahre nach dem Bau für den kompletten Neubau des Hauses im ursprünglichen Zustand auf.

Henriette Neubert

Gleitender Neuwert klingt unattraktiv, aber mit ihm kommt die Versicherung auch Jahre nach dem Bau für den kompletten Neubau des Hauses im ursprünglichen Zustand auf.

Henriette Neubert
Unsere Finanztip-Expertin für Versicherungen

Wie sieht ein Beispiel für den gleitenden Neuwert aus?

Wert 1914JahrBaupreisindexNeubauwert
25.000 €20151.310,3327.575 €
25.000 €20161.330,7332.675 €
25.000 €20171.358,3339.575 €
25.000 €20181.369,7342.425 €
25.000 €20191.454,3363.575 €
25.000 €20201.523,0380.750 €
25.000 €20211.568,3392.075 €
25.000 €20221.668,2417.050 €
25.000 €20231.961,4490.350 €
25.000 €20242.134,5533.625 €
25.000 €20252.192,4548.100 €
25.000 €20262.263,6565.900 €

Quelle: Eigene Berechnungen (Stand: Januar 2026)

Anhand der Tabelle kannst Du gut erkennen, wie sich die Baupreise erhöhen und dadurch der Neubauwert Deines Hauses mit der Zeit steigt

Beispiel: Du hast 2015 ein neues Haus im Wert von 327.575 Euro gebaut und über diesen Wert versichert. Bis 2026 ist der Neubauwert Deines Hauses aber auf 565.6900 Euro gestiegen. So viel würde es kosten, Dein Haus jetzt neu zu errichten. Im Falle eines Totalschadens hättest Du mit einer festen Versicherungssumme eine Versicherungslücke von 50 Prozent. Du wärst unterversichert.

Mit dem gleitenden Neuwert kann Dir das nicht passieren, weshalb Du Dein Gebäude immer über diesen Wert absichern solltest.

Wann ist Dein Haus unterversichert?

Unterversichert bist Du, wenn Deine Versicherungssumme niedriger ist als der tatsächliche Wert des versicherten Objekts. Das wirkt sich nicht nur bei einem Totalschaden negativ auf die Entschädigungssumme aus, die Du erhältst, sondern auch bei geringeren Schäden. Die Versicherung ersetzt Dir dann nur eine anteilige Summe (§ 75 VVG) und nicht die gesamte Schadenssumme. 

Beispiel: Dein Haus ist 500.000 Euro wert, aber nur für 375.000 Euro versichert. Du bist also zu 25 Prozent unterversichert. Bei einem Schaden in Höhe von 20.000 Euro erhältst Du von der Versicherung nur 15.000 Euro ersetzt.

Warum ist ein Unterversicherungsverzicht empfehlenswert?

Bauen ist in verschiedenen Regionen Deutschlands unterschiedlich teuer. Deine Immobilie kann daher mehr wert sein, als der gleitende Neuwert angibt. Mit einem Unterversicherungsverzicht bist Du auch in einem solchen Fall auf der sicheren Seite.  

Bei einem solchen Unterversicherungsverzicht verzichtet das Unternehmen darauf, im Schadensfall überhaupt geltend zu machen, dass Du unterversichert sein könntest. Denn auch, wenn im gleitenden Neuwert die aktuellen Baupreise eingerechnet sind, sind diese unterschiedlich, je nachdem, wo Du in Deutschland lebst. Der Baupreisindex ist ein geglätteter Wert für Gesamtdeutschland. Bauen ist in verschiedenen Regionen Deutschlands jedoch unterschiedlich teuer. Deine Immobilie kann daher mehr wert sein, als der gleitende Neuwert angibt. Mit einem Unterversicherungsverzicht bist Du auch in einem solchen Fall auf der sicheren Seite.

Außer dem gleitenden Neuwert (Wert 1914), gibt es weitere Möglichkeiten, eine realistische Versicherungssumme für Dein Haus festzulegen. Doch welche sind das und wo liegen die Unterschiede?

Wie funktioniert der Wohnflächentarif?

Die Versicherung legt in diesem Tarif anhand der Wohnfläche eine Höchstentschädigungsgrenze fest. Die Versicherung setzt also eine Summe fest, die Du als Entschädigung im Schadensfall maximal erhältst. Das sind zum Beispiel fünf Millionen Euro. Die Versicherung berechnet die Höchstentschädigungsgrenze anhand der Größe und der Ausstattung des Hauses. Im Fall eines Totalschadens sagt Dir der Versicherer zu, den Wiederaufbau des Hauses zu zahlen. Diese Möglichkeit der Wertberechnung ist relativ neu für Wohngebäudeversicherungen, sie existiert aber schon länger in der Hausratversicherung.

Wichtig ist, dass im Tarif auch die Baupreisentwicklung mit beachtet wird. Ist beispielsweise der sogenannte gleitende Neuwert Plus im Tarif enthalten, dann bekommst Du bei einem Totalschaden genug Geld, um Dein Haus in gleicher Art wieder aufzubauen. Außerdem enthält die Entschädigungszahlung auch etwaige Mehrkosten für behördliche Wiederherstellungsbeschränkungen. Ein guter Tarif sollte also etwas über die Baupreisentwicklung oder den Neuwert im Vertrag erwähnen oder die Garantie enthalten, dass die Leistungen mindestens den Musterbedingungen des Gesamtverbands der Versicherer (GDV) entsprechen. Auch dann bist Du gut abgesichert.

Problematisch kann aber bei der Bewertung sein, was genau zur Wohnfläche gehört, also zum Beispiel zu welchem Anteil Terrassen, Balkone oder ähnliches bewertet werden. Wenn Du einen solchen Tarif möchtest, brauchst Du daher die Unterstützung der Versicherung, die die passende Wohnfläche berechnet.

Wie funktioniert das Wertgutachten?

Eine weitere Möglichkeit, die Versicherungssumme festzulegen, ist, dass ein Gutachter den Wert des Gebäudes schätzt. Das kann jedoch teuer werden. Außerdem bezieht sich dieses Gutachten oft auf den Verkehrswert des Gebäudes, also den Wert, den das Haus zur Zeit der Schätzung im jeweiligen Zustand hat. Wichtiger sind jedoch die Kosten für den Wiederaufbau. Bei einem einmaligen Gutachten besteht auch das Problem, dass sich der Wert Deines Hauses mit der Zeit durch den sich verändernden Baupreis verändert und damit die Versicherungssumme irgendwann nicht mehr dem Neubauwert entspricht.

Was ist bei Umbauten zu beachten?

Du solltest größere Um-, An- oder Neubauten an Deinem Haus Deiner Versicherung umgehend mitteilen. Wenn Du zum Beispiel eine Photovoltaikanlage auf Dein Dach baust oder eine Wärmepumpe montieren lässt, sollte dies mitversichert sein ‒ außerdem erhöht dies den Wert Deines Gebäudes. Auch teure Einbauten im Bad, ein neuer Carport oder eine Sauna als Anbau sollten gemeldet werden. Das gleiche gilt, wenn Du hochwertigere Materialien bei einer Renovierung nutzt, als Du vorher verbaut hast. Melde Deiner Versicherung, was Du verändert hast und was es gekostet hat. Bei größeren Umbauten kann es sein, dass sich Deine Beiträge erhöhen, da der Wert Deiner Immobilie gestiegen ist.

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip ist kein gewöhnliches Unternehmen, sondern gehört zu 100 Prozent zur gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, eigenständig die für sie richtigen Finanzentscheidungen zu treffen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links jedoch anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion ausführlich analysiert und empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Für uns als gemeinwohlorientiertes Unternehmen hat es natürlich keinen Einfluss auf die Empfehlungen, ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Dich als Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.

Unterstütze uns
Mit Deinem Beitrag unterstützt Du uns bei der unabhängigen Recherche für unsere Ratgeber.