Bewirtungsbeleg

Strenge Nachweis-Pflichten für den Gastgeber

Udo Reuß
Finanztip-Experte für Steuern
19. August 2016
Das Wichtigste in Kürze
  • Bei Bewirtungskosten gelten sehr strenge Nachweis- und Dokumentationspflichten.
  • Der Zweck der Bewirtung ist nur einer der Punkte, den Du dokumentieren musst. Zudem benötigst Du eine maschinelle Quittung der Gaststätte, auf der die verzehrten Speisen und Getränke aufgelistet sind.
  • Die Kosten müssen auf jeden Fall beruflich oder betrieblich veranlasst sein.
  • Als konkreten Zweck einer Bewirtung können Selbstständige etwa die Geschäftsanbahnung mit einem Neukunden oder einen Vertragsabschluss benennen.
  • Arbeitnehmer haben es hingegen deutlich schwerer, eine berufliche Veranlassung glaubhaft zu machen.
  • Erkennt das Finanzamt die Aufwendungen an, darfst Du nur 70 Prozent davon als Betriebsausgaben oder Werbungskosten absetzen.

Gemeinsam essen gehen und die Kosten als beruflich veranlasst von der Steuer absetzen – so leicht geht das nicht. Weil ein Restaurantbesuch immer den Bereich der privaten Lebensführung berührt, überprüfen Finanzbeamte solche Kosten gründlich und streichen diese auch oft. Dazu kann es leicht kommen, weil Du für den Steuerabzug viele Voraussetzungen erfüllen musst.

30 Prozent der Kosten sind nicht absetzbar

Als Bewirtungskosten gelten die Aufwendungen für die betrieblich oder beruflich veranlasste Beköstigung anderer Menschen. Es geht dabei vor allem um Essen und Trinken in Gaststätten. Von den angemessenen Aufwendungen sind nur 70 Prozent als Betriebsausgaben oder Werbungskosten absetzbar. Umsatzsteuerpflichtige können jedoch die gesamte Vorsteuer dafür absetzen.

Die Abzugsbeschränkung ist in Paragraf 4 Absatz 5 Nummer 2 Einkommensteuergesetz geregelt. Dort sind auch die näheren Voraussetzungen und Dokumentationspflichten festgeschrieben. Dass grundsätzlich 30 Prozent der Kosten als privat gelten, wird damit begründet, dass der Bewirtende durch den Restaurantbesuch private Kosten für den eigenen Haushalt spart. Schließlich isst er ja mit.

Helfer für die Steu­er­er­klä­rung

Das musst Du belegen

In aller Regel lässt Du Deine Gäste in einer Gaststätte bewirten. Vom Restaurant benötigst Du eine maschinelle Quittung. Folgende Punkte solltest Du beachten.

  1. Auf der Quittung müssen alle verzehrten Speisen und Getränke mit Einzel- und Gesamtpreisen aufgelistet sein.
  2. Auf der Belegrückseite findest Du meist ein Feld, auf dem Du den Anlass der Bewirtung und die bewirteten Personen benennst.
  3. Diese Rechnung musst Du mit Datum unterschreiben.
  4. Diese Angaben sind zeitnah zu machen, also innerhalb von circa zehn Tagen.
  5. Hast Du keine gedruckte gastronomische Rechnung, musst Du Ort, Tag, Teilnehmer und Anlass der Bewirtung sowie Höhe der Aufwendungen anderweitig schriftlich dokumentieren.

Grundsätzlich gelten für Kleinbetragsrechnungen bis 150 Euro etwas mildere Nachweispflichten. Bei Quittungen über diesen Betrag hinaus solltest Du Dir eine Rechnung ausstellen lassen, in der Du als Bewirtender namentlich genannt bist.

Einen beruflichen Anlass nachweisen

Als Anlass der Bewirtung gilt nur ein betrieblicher oder beruflicher Zweck. Lapidare Formulierungen wie „Geschäftsessen“ oder „Informationsgespräch“ lehnt das Finanzamt vermutlich ab. An dieser Stelle musst Du konkreter werden und den geschäftlichen Hintergrund der Bewirtung glaubhaft machen.

Fehlt nur eine der oben geforderten Angaben auf dem Beleg, kann das Finanzamt den Steuerabzug verweigern.

Auch Arbeitnehmer können Bewirtungskosten haben

Unternehmer müssen sich selbst um ihren Umsatz und Gewinn kümmern. Nachvollziehbar ist daher, dass diese Geschäftsfreunde zum Essen einladen, um in angenehmer Atmosphäre etwa über Verträge zu verhandeln.

Bei Arbeit­nehmern muss für einen Steuerabzug auch ein beruflicher Anlass für die Bewirtung ausschlaggebend sein. Außendienstarbeiter, die Provisionen erhalten oder Führungskräfte, die erfolgsabhängig entlohnt werden, können solche Anlässe leichter nachweisen.

Beförderungen, Hochzeiten, Geburten und Geburtstage gelten als private Gründe für Feiern. Bis vor Kurzem galt die glasklare Regel, dass die Kosten für solche Feiern zur Privatsphäre gehören und deshalb nicht absetzbar sind – auch wenn Du mit Kollegen feierst.

Drei Gerichtsurteile stellen diese Klarheit nun infrage: Denn in beiden Fällen erlaubten die Richter Steuerpflichtigen, ihre Bewirtungen steuerlich geltend zu machen. Im einen Fall war der runde Geburtstag – neben einem beruflichen Anlass – der Hintergrund einer Feier. Im anderen Fall feierte ein Geschäftsführer seinen Geburtstag ausschließlich mit (ehemaligen) Betriebsangehörigen. In beiden Fällen konnten die Steuerpflichtigen Werbungskosten geltend machen. In einem dritten Fall bejahte der Bundesfinanzhof Werbungskosten bei einem Dienstjubiläum.

Fall 1: Geburtstagsfeier und Steuerberaterbestellung

Im ersten Fall ging es um einen Steuerberater, der seine offizielle Bestellung sowie seinen 30. Geburtstag als Anlässe nutzte, um gemeinsam mit 46 Kollegen seiner Kanzlei sowie mit 53 Freunden und Familienangehörigen in einer angemieteten Stadthalle zu feiern. Dies belegte er anhand einer Teilnehmerliste, die er dem Finanzamt vorlegte.

Für die Bewirtungskosten seiner Kollegen erkannte der Bundesfinanzhof (BFH) einen beruflichen Anlass an (Urteil vom 8. Juli 2015, Az. VI R 46/14). Die Gesamtkosten seien aufteilbar in einen privaten und einen beruflichen Teil. Demnach können die Bewirtungskosten für die Kollegen Werbungskosten sein. Zur Voraussetzung machte der BFH allerdings, dass die Einladungen nach abstrakten berufsbezogenen Kriterien ausgesprochen werden, zum Beispiel, wenn sie allen Mitarbeitern einer Abteilung oder eines Kanzleistandorts gelten.

Fall 2: Geburtstag

Dieses Urteil war ausschlaggebend für ein weiteres Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz (12. November 2015, Az. 6 K 1868/13, Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesfinanzhof eingelegt: Az. VI B 131/15). Auch dieses Gericht erlaubte einem Steuerpflichtigen, die Kosten eines runden Geburtstags als Werbungskosten abzusetzen. In dem Fall handelte es sich um einen Geschäftsführer, der in betrieblichen Räumen ausschließlich (ehemalige) Mitarbeiter und den Aufsichtsratsvorsitzenden zu einer Feier geladen hatte. Die Kosten hielten sich mit 35 Euro pro Person im Rahmen. Zusätzlich veranstaltete der Geschäftsführer noch weitere Geburtstagsfeiern im privaten Kreis.

Das Finanzgericht kam zum Schluss, dass die Kosten für die Feier im beruflichen Umfeld Werbungskosten sind. Der eigentliche Anlass sei zwar ein privater, doch das Gesamtbild spreche für eine berufliche Veranlassung. Der Geschäftsführer habe mit der Feier zu einem guten Betriebsklima beigetragen. Kurz darauf sollte sich entscheiden, ob sein Vertrag verlängert wird. Letztlich habe er also mit dieser Maßnahme seine Einnahmen gesichert.

Das zuständige Finanzamt hat dagegen Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesfinanzhof eingelegt, der jetzt darüber entscheiden muss. Das Landesamt für Steuern Rheinland-Pfalz teilte mit, dass die Finanzämter dieses Bundeslands bis zu einer höchstrichterlichen Klärung dieses Urteil nichts anerkennen werden.

Fall 3: Dienstjubiläum

Doch diese steuerzahlerfreundliche Rechtsprechung ist mittlerweile gefestigt, wie das BFH-Urteil vom 20. Januar 2016 zeigt (Az. VI R 24/15). Es klagte ein Finanzbeamter, der sein 40-jähriges Dienstjubiläum mit seinen Kollegen im Finanzamt feierte.

Per E-Mail lud er alle Kollegen dazu ein und durfte die von ihm bestellten und bezahlten Getränke und Häppchen als Werbungskosten absetzen. Denn ein Dienstjubiläum ist ein berufsbezogenes Ereignis, hat der BFH festgestellt.

Die Aufwendungen dafür können nahezu ausschließlich beruflich veranlasst sein, wenn der Mitarbeiter folgende Voraussetzungen erfüllt:

  1. Der Arbeitnehmer tritt als Gastgeber auf und bestimmt die Gästeliste.
  2. Nachdem die Grenze zwischen Kollege und privaten Freunden fließend sein kann, sollten die beruflichen Gäste nicht individuell, sondern nach einem abstrakten Kriterium eingeladen werden: zum Beispiel alle Kollegen, die gesamte Abteilung, alle Außendienstler, die Senioren oder Azubis der Firma etc.
  3. Die Feier sollte in Räumlichkeiten des Arbeitgebers stattfinden und idealerweise zumindest in Teilen oder am Rande der regulären Arbeitszeiten, zum Beispiel am späten Nachmittag unter der Woche oder in der Mittagspause.
  4. Bezüglich des Aufwands sollte sie im üblichen Rahmen gehalten werden. Ein Umtrunk mit Sekt und Wein mit Häppchen ist auf jeden Fall drin.
  5. Abgrenzung zu Re­prä­sen­ta­tions­auf­wen­dung­en: Wer Verwandte, persönliche Freunde, Angehörige des öffentlichen Lebens wie Bürgermeister, Stadträte, Journalisten einlädt, muss wissen, dass diese zum privaten Bereich gehören und ihre Einladung einer berufliche Veranlassung zumindest zum Teil widersprechen kann. Zumindest aber der Teil der Kosten, der auf die beruflichen Gäste entfällt, ist absetzbar.

Der Anlass der Feier ist nur eines von mehreren Kriterien. Das Gesamtbild entscheidet, ob und in welcher Höhe Werbungskosten absetzbar sind.

Auch Trinkgelder absetzbar

Du kannst auch Trinkgelder absetzen. Auf der sicheren Seite bist Du, wenn das Servicepersonal das empfangene Trinkgeld auf der Quittung bestätigt. Falls es sich um einen durchaus üblichen Aufschlag handelt, dann genügt es, wenn Du das gezahlte Trinkgeld handschriftlich vermerkst.

Fazit: Kosten immer angeben

Falls Du Bewirtungsaufwendungen mit eindeutigem beruflichem Hintergrund hast, solltest Du diese in Deinerr Steu­er­er­klä­rung angeben. Auch Abschiedsfeiern mit Kollegen zählen dazu. Wenn das Finanzamt diese nicht anerkennt, solltest Du binnen eines Monats mit Verweis auf das BFH-Urteil beziehungsweise auf das anhängige Verfahren im zweiten Fall Einspruch einlegen und Deinen Steuerbescheid zumindest in diesem Punkt offen halten.

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