Tipps & Tricks
Anleihen: Ist eine Zinsänderung ein Warnsignal?
Du hast Anleihen, die eigentlich regelmäßig Zinsen auszahlen, aber dann nicht mehr? Was das für Dich bedeutet – und wie Du damit umgehst.

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Du hast Anleihen, die eigentlich regelmäßig Zinsen auszahlen, aber dann nicht mehr? Was das für Dich bedeutet – und wie Du damit umgehst.


Aus unserer Unterstützer-Community erreicht uns diese Woche die Frage von Werner:
“Air Baltic (ISIN: XS2800678224) zahlt die Zinsen meiner Anleihe nicht mehr wie bisher quartalsmäßig aus, sondern schlägt sie dem Nennwert zu. Sollte ich die Anleihe deshalb verkaufen?”
Kurz gesagt: Dass Du jetzt keine Zinsen mehr ausgezahlt bekommst, ist ein klares Warnsignal. Ob Du deshalb direkt verkaufen solltest, hängt aber unter anderem vom aktuellen Kurs und davon ab, wie groß die Position in Deinem Depot ist. Wir raten grundsätzlich von einzelnen Unternehmensanleihen ab – besonders von Hochrisiko-Anleihen wie dieser.
Mit einer Anleihe leihst Du einem Unternehmen (oder einem Staat) Geld. Dafür bekommst Du normalerweise Zinsen. Am Ende der Laufzeit soll Dir außerdem der Nennwert zurückgezahlt werden. Gerät das Unternehmen in finanzielle Probleme kann es bei einer Unternehmensanleihe aber passieren, dass Du nicht Dein ganzes Geld zurückbekommst. Eine Einlagensicherung wie beim Festgeld gibt es nicht.
Bei Werners Air-Baltic-Anleihe wurden die Zinsen bisher alle drei Monate ausgezahlt. Für die Zahlungen im August und November haben die Gläubiger allerdings einem Aufschub zugestimmt. Die Zinsen werden also nicht ausgezahlt, sondern dem Nennwert zugeschlagen.
Ein Beispiel: Liegt der Nennwert bei 10.000 € und kommen 700 € Zinsen dazu, schuldet Air Baltic Dir anschließend 10.700 €. Die 700 € landen aber erstmal nicht auf Deinem Konto. Wird Air Baltic zahlungsunfähig, können auch diese aufgeschobenen Zinsen verloren sein.
Die Anleihe verspricht einen Zinssatz von 14,5 %. Das klingt attraktiv, zeigt aber vor allem, wie riskant die Anlage ist. Denn hohe Zinsen gibt es bei Anleihen in der Regel nicht ohne Grund: Anlegerinnen und Anleger sollen damit für ein höheres Ausfallrisiko entschädigt werden.
Schon bei der Ausgabe haben die großen Rating-Agenturen die Bonität des Unternehmens mit einem Rating von B ausgezeichnet. Sie galt damit von Anfang an als Hochrisiko-Anleihe. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass sich dieses Risiko inzwischen deutlich verschärft hat.
Wenn ein Unternehmen fällige Zinsen nicht mehr auszahlt, sondern aufschiebt, kann das auf finanzielle Probleme hindeuten. Air Baltic sucht eine Zwischenfinanzierung und plant eine Neuordnung seiner Finanzierung.
Nach aktuellen Informationen will Air Baltic sich bis zu 257 Mio. € leihen, um vorübergehend mehr Geld zur Verfügung zu haben. Dafür sollen neue Anleihen mit einem Zinssatz von 25 % pro Jahr ausgegeben werden. Bevor der Plan umgesetzt werden kann, müssen jedoch alle, die Anleihen oder Aktien besitzen, noch zustimmen. Die neuen Anleihen sollen am 26. Februar 2027 zurückgezahlt werden.
Für Dich als Anlegerin bzw. Anleger heißt das mehr Unsicherheit: Zahlungen könnten sich weiter verschieben oder Konditionen könnten sich ändern. Im schlechteren Fall bekommst Du nur einen Teil Deines Geldes zurück oder machst einen größeren Verlust.
Das können wir Dir so pauschal leider nicht beantworten. Verkaufst Du jetzt, bekommst Du möglicherweise weniger zurück, als Du ursprünglich für die Anleihe bezahlt hast. Behältst Du sie, kann der Verlust noch größer werden. Umgekehrt kann sich das Unternehmen aber auch erholen und alles wie geplant zurückzahlen.
Schau nach, welchen Preis Du tatsächlich erzielen könntest, wenn Du die Anleihe heute verkaufst. Vergleich den möglichen Erlös mit Deinem ursprünglichen Kaufpreis.
Macht die Anleihe nur einen kleinen Teil Deines Vermögens aus oder steckt viel Geld darin? Je größer ihr Anteil ist, desto stärker würde Dich ein möglicher Ausfall treffen.
Würdest Du die Air-Baltic-Anleihe mit Deinem heutigen Wissen noch einmal kaufen? Falls nicht, ist das ein Anlass, Deine Anlageentscheidung neu zu prüfen. Ein teilweiser Verkauf kann das Risiko zumindest reduzieren.
Wird die Anleihe nur wenig gehandelt, findest Du möglicherweise nicht sofort einen Käufer zu einem guten Preis. Achte deshalb auf die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs.
Zieh mögliche Verkaufsgebühren vom Erlös ab. Verkaufst Du mit Verlust, kann dieser in der Regel steuerlich mit bestimmten Kapitalerträgen verrechnet werden.
Für Deine Geldanlage brauchst Du einzelne Unternehmensanleihen nicht. Erst recht nicht Hochrisiko-Anleihen wie die von Air Baltic. Sie gehören in den spekulativen Teil Deiner Geldanlage. Investier nur Geld deren Verlust Du verkraften kannst.
Für den langfristigen Vermögensaufbau empfehlen wir stattdessen breit gestreute Aktien-ETFs, wie auf den ACWI IMI: State Street SPDR MSCI ACWI IMI (ISIN: IE00B3YLTY66) oder State Street SPDR MSCI ACWI IMI (IE000DD75KQ5).
Für den sicheren Teil Deiner Geldanlage empfehlen wir Dir Tages- oder Festgeld. In unserem Tagesgeld-Vergleich siehst Du immer die aktuellen Angebote, wie z. B. Ayvens Bank (2,3 % p. a.) oder Avida Finans über Raisin (2,18 % p. a.). Mit unserem Festgeld-Vergleich findest Du das für Dich passende Festgeldkonto: Grenke (3,25 % p. a.), SWK Bank (3,21 % p. a.) oder Hanseatic Bank (3,11 % p. a.).
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