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Aus fürs Ehegattensplitting? Wann die Alternativen sogar besser sind

Wird das Ehegattensplitting abgeschafft? Der Finanzminister will diesen Steuervorteil durch eine Alternative ersetzen. Was dahinter steckt – und wann Du sogar profitieren würdest.

Von Jörg Leine und Jonas Fehling
Eheringe

Ehegattensplitting: Gibt es das bald nicht mehr?
Alternativen: Realsplitting oder Familiensplitting
Besser oder schlechter? Je nach Einkommen und Kindern

Wenn Du verheiratet bist oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebst, profitiert Ihr heute oft von einem besonderen Steuervorteil: Ehegattensplitting

Je stärker sich Eure Einkommen unterscheiden, desto mehr Geld könnt Ihr damit sparen. Die Bedingung: Ihr macht die Steuererklärung zusammen statt getrennt. Tausende Euro Vorteil pro Jahr sind damit drin.

Hier ein paar Beispiele:

Klingt top, hat aber einen Haken

Wer weniger als die Partnerin bzw. der Partner verdient, hat dadurch einen schlechten Anreiz, mehr zu arbeiten und mehr zu verdienen. Denn dadurch schmilzt der gemeinsame Steuervorteil. So bleibt es eher beim niedrigen Verdienst. Und für die eigene Altersvorsorge bleibt nicht viel übrig. Oft betrifft das Frauen.

Hinzu kommt die in Ehen häufige Steuerklassen-Kombi 3/5: Dadurch bekommt die oder der mit dem sowieso schon kleineren Einkommen auch noch viel mehr vom Brutto abgezogen. Das gleicht sich mit der gemeinsamen Steuererklärung insgesamt zwar wieder aus, ändert aber nichts am ersten Eindruck auf dem Lohnzettel: Mehr zu arbeiten scheint sich kaum zu lohnen.

Wird das Ehegattensplitting deshalb abgeschafft?

Laut diverser Studien sagen tatsächlich viele Frauen, dass sie aus diesen Gründen nicht mehr arbeiten. Deshalb stehen Ehegattensplitting und Steuerklassen 3/5 auf dem Prüfstand: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will beides abschaffen, muss aber noch die Union überzeugen. Im aktuellen Paket für eine eher kleine Steuerreform steht noch nichts davon. Die Regierung hat aber generell noch weitere Maßnahmen angekündigt.

Die größere Debatte gibt’s dabei beim Splitting. Denn nur hier geht’s wirklich um mehr oder weniger Geld für Millionen Menschen. Die Steuerklassen haben keine Auswirkung drauf, was Euch unterm Strich bleibt.

Was würde das bedeuten?

Erstmal wichtig: Ähnlich wie bei den aktuell verkündeten Plänen zur Einkommensteuerreform ist noch nichts entschieden. Und schon bestehende Ehen würden von einem Ende des Ehegattensplittings vermutlich nicht betroffen sein. Es soll nur für dann neu geschlossene Ehen gelten. 

Außerdem will Klingbeil es nicht ersatzlos streichen: Im Interview mit Finanztip-Steuerexperte Jörg hat er neulich gesagt, dass er stattdessen für ein Realsplitting ist. Auch ein Familiensplitting ist aber noch denkbar.

Aber wie funktionieren diese Alternativen und würden sie wirklich weniger Geld für Euch bedeuten? Wir haben es ausgerechnet.

Was ist das Realsplitting?

Im Prinzip ein Ehegattensplitting light. Dafür musst Du erst nochmal genauer wissen, wie der Vorteil beim Ehegattensplitting überhaupt entsteht:  

  • Zuerst addiert das Finanzamt Eure zu versteuernden Einkommen, z. B. 10.000 € + 40.000 € = 50.000 €
  • Diese Summe wird dann halbiert, hier also auf 25.000 €
  • Dann wird die Steuer auf diese Hälfte berechnet: 4.217 €
  • Und danach verdoppelt: 8.434 €

Dieses Umverteilen führt dazu, dass weniger Steuer anfällt als wenn beide Partner einzeln ihre Steuer machen. Denn je höher ein Einkommen, desto höher ist der Steuersatz darauf. Durch das Halbieren gibt’s in unserem Beispiel aber kein 40.000-€-Einkommen mit hohem Steuersatz mehr, es wurde rechnerisch auf zwei Personen aufgeteilt. Und das hilft den 40.000 € mehr als es den 10.000 € schadet, sodass Euch zusammen unterm Strich mehr bleibt.

Was ändert sich durchs Realsplitting?

Ihr würdet wieder separat besteuert. Die Person mit dem höheren Einkommen kann aber eine begrenzte Summe von ihrem Einkommen abziehen und auf die andere übertragen. So sinkt ihr Steuersatz und sie spart Steuern. Das Gegenteil gilt für die zweite Person: Sie muss die Summe dann als sonstige Einkünfte angeben, ihr Steuersatz steigt also. Unterm Strich bleibt für beide zusammen trotzdem mehr als ohne Splitting.

Realsplitting gibt‘s sogar schon heute: Beim Unterhalt nach einer Scheidung. Da kannst Du max. 13.805 € absetzen. Und genau diese Summe könnte künftig auch fürs Realsplitting in der Ehe gelten. Das schlagen die Wirtschaftsweisen um Monika Schnitzer vor. Später soll dann immer der Grundfreibetrag (aktuell 12.348 €) gelten – sobald er 13.805 € übersteigt.

Übrigens: Wir starten bald eine Serie mit vier Extra-Newslettern zum Thema Trennung und Finanzen. Hier kannst Du Dich dafür anmelden.

Splitting-Vorteil für hohe Gehaltsunterschiede schmilzt

Heißt: Durch die Maximalsumme würde der Splittingeffekt klar begrenzt. Bei kleineren Gehaltsunterschieden würde es keinen oder kaum einen Unterschied zum Ehegattensplitting geben. Bei großen Unterschieden würde der Vorteil aber schmelzen. Hier ein paar Beispiele:

Gleichzeitige Kindergelderhöhung ändert die Rechnung

Die Extra-Einnahmen für den Staat sollen laut Schnitzer-Vorschlag aber direkt an Familien mit Kindern fließen, z. B. durch 316 statt 259 € Kindergeld. Das soll laut aktueller Reformpläne ohnehin erhöht werden. Davon hätten dann auch unverheiratete Paare und Alleinerziehende was. Und auch bei Familien mit größeren Gehaltsunterschieden, aber mit Kindern würde der Nachteil durchs Realsplitting etwas aufgefangen.

Für unsere drei Beispiele aus der Tabelle bedeutet das: Alle bekommen pro Kind 57 € x 12 = 704 € mehr Kindergeld im Jahr. Heißt schon mit nur einem Kind:

  • Fall 1: Würde ohne Realsplitting-Nachteil und dank Kindergelderhöhung sogar 704 €/Jahr mehr haben
  • Fall 2: Würde dank Kindergelderhöhung den kleinen Realsplitting-Nachteil von 132 € in einen Vorteil von 572 € verwandeln
  • Fall 3: Würde trotz Kindergelderhöhung mit Realsplitting noch immer schlechter dastehen, aber nur noch um 322 statt 1.026 €

Fazit: Realsplitting hilft denen, die es brauchen

In vielen Fällen – große Einkommensunterschiede, keine Kinder – wäre das Realsplitting also etwas schlechter als das Ehegattensplitting. Vor allem bei Einverdiener-Paaren. Es wäre aber noch immer viel besser als ganz ohne Splitting. Hast Du Kinder, könnte das Realsplitting sogar besser sein, sofern sich der Vorschlag mit der Kindergelderhöhung durchsetzt. Das würde auch Alleinerziehenden und Unverheirateten helfen, die vom Ehegattensplitting nichts haben.

Aber: Entschieden ist noch nichts und alles soll dann vermutlich nur für neue Ehen gelten. Und ganz vom Tisch ist auch das Familiensplitting noch nicht. Hier gibt’s aber noch keine ganz konkreten Vorschläge. 

Auf unserem YouTube-Kanal haben wir trotzdem schonmal mit ein paar beispielhaften Annahmen gerechnet. Darin findest Du auch noch mehr Infos zum auch geplanten Ende der Steuerkombi 3/5 aus unserem Klingbeil-Interview. Hier geht’s zum Video.

Splitten oder nicht?

Übrigens: Schon heute ist das Ehegattensplitting nicht immer eine gute Idee. In welchen Fällen Ihr die Steuererklärung besser getrennt macht, liest Du in diesem Text. Oder nimm einfach die richtige Steuersoftware. Einige Anbieter sagen Dir, ob gemeinsam oder getrennt besser ist.

Von unseren Empfehlungen können das: Wiso Steuer, Check24 Steuer, SteuerSparErklärung (Steuerjahr 2025), Tax 2026, Smartsteuer, SteuerGo und Lohnsteuer kompakt. 

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