Ehegattenunterhalt absetzen

Was Sie nach einer Scheidung steuerlich absetzen können

Udo Reuß Stand: 06. Dezember 2016
Das Wichtigste in Kürze
  • Kindesunterhalt nach einer Scheidung kann die Steuerlast mindern, sofern der zahlende Elternteil keinen Anspruch auf Kindergeld mehr hat.
  • Wer nach einer Scheidung Ehegattenunterhalt leistet, hat zwei Möglichkeiten, die Zahlungen von der Steuer abzusetzen: als Sonderausgabe (Realsplitting) oder als außergewöhnliche Belastung.
  • Beim Realsplitting muss derjenige, der den Unterhalt bekommt, zustimmen und ihn als sonstige Einkünfte versteuern.
  • Keine Zustimmung ist nötig beim Abzug als außergewöhnliche Belastung. Allerdings könnte die Person, die den Unterhalt bekommt, Auskunft über ihr Einkommen verweigern und damit den Steuerabzug verhindern.

Wenn sich ein Ehepaar scheiden lässt, geht es oft um viel Geld. Die gemeinsamen Kinder und einer der Ex-Partner können Anspruch auf Unterhalt haben. Das mindert beim Unterhaltspflichtigen oft die Steuerlast.

Kindesunterhalt abzugsfähig, wenn kein Kindergeldanspruch besteht

Minderjährige Kinder haben Anspruch auf Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle. Das Geld fließt an die Person, die sie betreut – in der Regel die Mutter. Sobald kein Kindergeldanspruch mehr besteht, etwa bei volljährigen Kindern, die nicht mehr in der Ausbildung sind, lässt sich der Unterhalt für sie von der Steuer absetzen.

Solange der Kindergeldanspruch besteht, ist das Kind dagegen bereits steuerlich berücksichtigt – durch den Kinderfreibetrag oder eben die Kindergeldzahlung.

Als Sonderausgabe oder als außergewöhnliche Belastung abziehen

Hat einer der geschiedenen Eheleute, zum Beispiel die Ex-Frau, einen Unterhaltsanspruch, dann gibt es für den Zahler diese zwei Möglichkeiten, diesen in der Einkommensteuererklärung einzutragen:

  1. als Sonderausgabe oder
  2. außergewöhnliche Belastung.

Es geht nur das eine oder das andere.

Sonderausgaben

Als Sonderausgaben kann der Unterhaltspflichtige bis zu 13.805 Euro im Jahr an Unterhaltskosten absetzen. Diese Option bezeichnen Fachleute auch als Realsplitting. Eintragen muss der Zahler den Betrag im Mantelbogen der Einkommensteuererklärung auf der zweiten Seite. In der Anlage U schreibt er denselben Betrag in Abschnitt A.

Wählt der Unterhaltszahler diese Variante, muss die Unterhaltsempfängerin diesen Betrag in ihrer eigenen Steuererklärung in der Anlage SO als sonstige Einkünfte angeben und versteuern. Deshalb bedarf es der Zustimmung der Empfängerin per Unterschrift (und zwar in Anlage U im Abschnitt B).

Im Prinzip ist es eine reine Frage der Steueroptimierung zwischen den Ex-Eheleuten, unter welchen Umständen es für beide günstig ist, so zu verfahren. Doch oft sind die Ex-Partner zerstritten, und derjenige, der das Geld erhält, verweigert die Unterschrift aus Prinzip. Die unterhaltsberechtigte Person kann das Realsplitting also recht einfach boykottieren.

Außergewöhnliche Belastung

Deshalb gibt es eine zweite Alternative: den Abzug als außergewöhnliche Belastung. Das ist bis zu einem Unterhaltshöchstbetrag von 8.652 Euro im Jahr 2016 (ab 2017: 8.820 Euro, ab 2018: 9.000 Euro) möglich. Ausfüllen muss der Zahler dann die Anlage Unterhalt. Eine Unterschrift der Empfängerin benötigt er dafür nicht. Allerdings ist dieser Betrag schneller ausgeschöpft.

Es kommt hinzu, dass das Finanzamt wissen muss, wie viel die Empfängerin verdient. Schon ab einem Jahresverdienst von 624 Euro wird der Unterhaltshöchstbetrag gekürzt. Folglich ist diese Variante hinsichtlich des Steuerspareffekts deutlich unattraktiver.

Falls die Unterhaltsempfängerin die Auskunft über ihr Einkommen verweigert, kann der Zahler sie nicht dazu zwingen. Fehlt aber diese Information, könnte diese Steuerabzugsvariante ins Leere laufen. 

Ein Unterhaltszahler steht also bei zerrütteten Verhältnissen möglicherweise dumm da und kann nichts von seinen Unterhaltszahlungen von der Steuer absetzen. 

Abzug von Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung

Es ist denkbar, dass der Zahler – freiwillig für den Ex-Partner – Beiträge zur Kranken- oder Pflegeversicherung übernimmt. Solche Kosten lassen sich ebenfalls von der Steuer absetzen, entweder als Sonderausgaben oder als außergewöhnliche Belastung (§ 10 Abs. 1 Nr. 1 und § 33a Abs. 1 Einkommensteuergesetz). Mit dieser Variante können die Ex-Eheleute vielleicht doch noch zur gemeinsamen Steueroptimierung kommen.

Autor
Udo Reuß

Stand: 06. Dezember 2016


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