Tipps & Tricks

Auf fallende Kurse setzen? Was Short-ETFs können – und warum sie so riskant sind

Du denkst, die Ölpreise werden sinken? Oder die KI-Blase platzen? Darauf kannst Du auch mit ETFs wetten. Wie das geht und warum das hoch riskant ist.

Nadine Graf
Von Nadine Graf und Giulia Tita
Was sind Short-ETFs und warum sind sie so gefährlich?

ETFs kennst Du als Möglichkeit, langfristig Vermögen aufzubauen. Und mit einem weltweiten Aktien-ETF setzt Du darauf, dass die Märkte langfristig steigen. Doch was, wenn Du glaubst, dass sich ein Markt genau in die andere Richtung entwickelt? Vielleicht erwartest Du, dass der Ölpreis, DAX oder auch der amerikanische Aktienmarkt bald fällt.

Dann könntest Du darauf mit Short-ETFs setzen. Sie “shorten” bestimmte Anlagen, Rohstoffe oder Indizes und werden dann wertvoller, wenn das geshortete Investment günstiger wird. Das funktioniert so:

Wie genau funktionieren Short-ETFs?

Ein normaler ETF kauft die Aktien eines Index. Ein Short-ETF kann das nicht einfach umgekehrt machen. Stattdessen nutzt er Finanzinstrumente wie Futures oder Swaps:

  • Futures sind Termingeschäfte: Dabei vereinbaren zwei Seiten heute einen Preis für einen Kauf oder Verkauf in der Zukunft. Ursprünglich wurden Futures bei Rohstoffen wie Öl, Weizen oder Gold genutzt. Du kannst damit aber auch auf steigende oder fallende Preise spekulieren
  • Ein Swap ist ein Vertrag mit einer Bank, bei dem der ETF die Entwicklung eines Index „im Tausch“ bekommt, ohne die Werte direkt zu besitzen. Bei einem Short-ETF sorgt der Swap dafür, dass der ETF steigt, wenn der Index fällt, und umgekehrt

Short-ETFs nutzen die Methoden, um die gegenteilige Entwicklung eines Index oder Rohstoffs abzubilden. Fällt der zugrunde liegende Markt, gewinnt der Short-ETF an Wert. Steigt der Markt, verliert der ETF. Bei gehebelten Short-ETFs fallen die Gewinne und Verluste sogar noch deutlich stärker aus, sodass selbst kleine Marktbewegungen zu hohen Verlusten führen können.

Schauen wir uns einmal drei große Short-ETFs an, die Du in Deutschland kaufen könntest:

Drei große Short-ETFs in Deutschland

  1. Xtrackers ShortDAX Daily Swap (ISIN: LU0292106241) – 168 Mio. € Fondsvolumen
  2. WisdomTree WTI Crude Oil 3x Daily Short (XS2819844387) – 160 Mio. €
  3. Xtrackers S&P 500 Inverse Daily Swap (LU0322251520) – 142 Mio. €

Quelle: JustETF, Stand: 10. Juni 2026

Das steckt hinter den Namen

  • Die beiden ETFs Xtrackers ShortDAX Daily und Xtrackers S&P 500 Inverse bilden auf umgekehrte Art und Weise den jeweiligen Index nach: Der ShortDAX-ETF ahmt also den DAX, und der S&P-500-ETF den S&P 500 täglich genau nach. Wenn diese Indizes steigen, sinkt der Wert des ETFs und umgekehrt
  • WisdomTree WTI Crude Oil 3x Daily Short: Dieser ETF bildet den Index von Solactive WTI Crude Oil Commodity Futures in dreifach gehebelter umgekehrter Weise nach. Das heißt: Sinkt der Index um z. B. 3 %, steigt der Short-ETF um 9 %

Das größte Risiko: Die tägliche Neugewichtung

Diese inverse Entwicklung gilt immer nur für einen einzelnen Handelstag. Short-ETFs werden täglich neu angepasst, damit sie die umgekehrte Tagesentwicklung des jeweiligen Marktes nachbilden können. Deshalb eignen sie sich grundsätzlich nicht für eine langfristige Geldanlage.

Durch die tägliche Neugewichtung kann es sogar passieren, dass Du mit einem Short-ETF Geld verlierst, obwohl der Markt über einen längeren Zeitraum insgesamt gefallen ist. Entscheidend ist nicht nur, wo der Markt am Ende steht, sondern auch, welchen Weg er dorthin genommen hat. Starke Schwankungen können die Wertentwicklung eines Short-ETFs deutlich verschlechtern.

Dadurch sind Short-ETFs deutlich komplizierter und riskanter als klassische ETFs. 

Unsere Empfehlung

Short-ETFs sind vor allem ein Werkzeug für Profis, um kurzfristig riskant zu spekulieren. Für Dich eignen sie sich nicht: Sie schwanken stark und können schnell hohe Verluste verursachen. Es kommt stark auf den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt an. Selbst wenn Du mit Deiner Markteinschätzung richtig liegst und die Kurse sinken, kannst Du mit Short-ETFs Verluste machen. Nicht nur der Endstand des Marktes zählt, sondern auch die Bewegungen zwischendrin. 

Langfristig sind die Aktienmärkte bisher trotz Krisen, Kriegen und Wirtschaftseinbrüchen immer wieder gewachsen. Darauf kannst Du mit einem breit gestreuten ETF setzen, statt auf kurzfristige Kursbewegungen zu spekulieren.

Wenn Du langfristig Vermögen aufbauen möchtest, empfehlen wir Dir deshalb einen weltweit gestreuten Aktien-ETF. Geeignet sind zum Beispiel der SPDR MSCI ACWI IMI (IE00B3YLTY66) oder der Invesco FTSE All-World (IE000716YHJ7).

Wenn Du etwas mehr Risiko möchtest

Falls Du neben Deinem ETF-Depot mit einem kleinen Teil Deines Geldes etwas ausprobieren möchtest, kannst Du Dir überlegen, z. B. in Bitcoin oder Gold zu investieren.  

Achtung: Verwende dafür aber höchstens einen kleinen Anteil Deines Vermögens – insgesamt maximal 10 % – und nur Geld, auf das Du notfalls verzichten kannst.  

Für den Bitcoinkauf empfehlen wir Dir die Anbieter Bitvavo, Finst und Bison. Wenn Du in Gold investieren möchtest, empfehlen wir Dir die Portale gold.de und goldpreisvergleich.de. 

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