Härtefallhilfe Heizkosten 2022

Heizöl, Pellets, Flüssiggas: Hol Dir jetzt Heizkosten zurück

Benjamin Weigl
Finanztip-Experte für Energie

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn Du 2022 eine hohe Rechnung für Pellets, Heizöl, Flüssiggas, Kohle oder ähnliche Energieträger bezahlt hast, kannst Du 2023 einen Teil davon zurückbekommen.

  • Es gibt eine Härtefallhilfe: Aus einem Fördertopf werden Zuschüsse für diejenigen ausgeschüttet, die 2022 besonders hohe Heizkosten hatten.

So gehst Du vor

  • Bewahre Deine Heizkosten-Rechnungen aus 2022 für Pellets, Heizöl, Flüssiggas oder Kohle unbedingt auf.

  • Die Heizkostenhilfe beantragst Du bei Deinem Bundesland. In Berlin ist das seit Ende Januar bereits möglich. In allen anderen Bundesländern werden die Antragsportale voraussichtlich im April oder Mai online gehen.

  • Prüfe in den Förderbedingungen, ob Du für die Erstattung der Heizkosten berechtigt bist, bevor Du einen Antrag stellst.

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2022 war ein teures Jahr – vor allem die Energiepreise sind stark gestiegen. Viele Besitzer einer Pellet-, Öl-, Flüssiggas- oder Kohleheizung haben das gespürt: Teilweise mussten sie sehr hohe Preise fürs Heizen bezahlen. Wenn auch Du betroffen bist, kannst Du jetzt unter Umständen einen Teil Deiner Heizkosten zurückbekommen. Wie Du an die Erstattung kommst, liest Du in diesem Ratgeber.

Beachte: Wenn Du mit Gas, Fernwärme oder einer Wärmepumpe heizt, gelten für Dich 2023 stattdessen bestimmte Preisbremsen. Alle Informationen dazu findest Du in unserem Ratgeber zur Gaspreisbremse und Strompreisbremse.

Wann kannst Du Härtefallhilfen für Deine Heizkosten beantragen?

Das Zauberwort für die Erstattung Deiner Heizkosten aus 2022 heißt „Härtefallhilfen“: Dabei stellt der Bund insgesamt 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Damit auch Du einen kleinen Teil davon als Zuschuss für Deine hohen Heizkosten bekommst, musst Du ein paar Voraussetzungen erfüllen. Der Bund hat Regeln aufgestellt, die wir in diesem Kapitel erklären.

Folgende allgemeine Voraussetzungen gelten bundesweit:

  1. Du hast zwischen dem 1. Januar und dem 1. Dezember 2022 Heizöl, Flüssiggas, Holzpellets, Holzhackschnitzel, Holzbriketts, Scheitholz oder Kohle/Koks für Deine Heizung geliefert bekommen.
  2. Die Kosten dafür waren deutlich höher, als Dich dieselbe Menge im Jahr 2021 gekostet hätte.
  3. Du kannst eine Rechnung und einen Zahlungsbeleg über Deine Kosten vorweisen.
  4. Du beantragst die Hilfe für Deinen Privathaushalt, wenn Du selbst für den Brennstoff bezahlt hast, oder als Vermieter für Mietwohnungen.

Beachte: Für die Auszahlung der Hilfen sind die einzelnen Bundesländer zuständig. Und die können die Regeln selbst nachjustieren, solange sie für Verbraucherinnen und Verbraucher besser sind. Ob in Deinem Bundesland abweichende Regeln gelten, erfährst Du weiter unten im Ratgeber.

Diese Preise sind entscheidend

Bezüglich Deiner Kosten gilt im Detail: Der Preis, den Du für den Brennstoff bezahlt hast, muss sich 2022 mindestens verdoppelt haben. Und zwar im Vergleich zum Jahr 2021. Dafür wurde ein durchschnittlicher Preis ermittelt, den Du 2021 für den Brennstoff hättest bezahlen müssen: der Referenzpreis. Wenn Du mehr als doppelt so viel bezahlen musstest, bist Du antragsberechtigt.

 Referenzpreis 2021Mindestpreis 2022 für Härtefallhilfe
leichtes Heizöl0,71 € / Liter1,42 € / Liter
Flüssiggas0,57 € / Liter1,14 € / Liter
Holzpellets0,24 € / kg0,48 € / kg
Holzhackschnitzel0,11 € / kg0,22 € / kg
Holzbriketts0,28 € / kg0,56 € / kg
Scheitholz85 € / Raummeter170 € / Raummeter
Kohle/Koks0,36 € / kg0,72 € / kg

Quellen: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (Referenzpreis 2021), eigene Berechnungen (Mindestpreis 2022). Alle Preise inklusive Umsatzsteuer. (Stand: 30.03.2023)

Es ist unerheblich, ob Du 2021 tatsächlich gekauft hast: Solange Du eine hohe Rechnung zwischen Anfang Januar und Anfang Dezember 2022 bezahlen musstest, kannst Du einen Härtefallantrag stellen. Wenn Du einen Antrag stellst, wirst Du per eidesstattlicher Erklärung versichern müssen, dass Dir die Kosten auf der eingereichten Rechnung tatsächlich entstanden sind.

Bundesweit sind alle Rechnungen mit einem Lieferdatum zwischen 1. Januar 2022 und 1. Dezember 2022 antragsberechtigt. Bewahre deshalb unbedingt Deine Rechnung auf. Wenn das Bestelldatum zwar in diesem Zeitraum fällt, die Lieferung aber erst später erfolgte, kannst Du vielleicht trotzdem einen Antrag stellen. Wurde die Bestellung bis spätestens 31. März 2023 geliefert, dürfen die Bundesländer entscheiden, ob sie Deine Rechnung zulassen.

Wenn Du zur Miete wohnst und Dein Vermieter für den Einkauf des Brennstoffs zuständig ist, muss er den Antrag auf Härtefallhilfe stellen. Da Vermieter ihre Mieter in vollem Umfang an den Heizkosten beteiligen dürfen, sind die Vermieter verpflichtet, die Entlastung vollständig an die Mieter weiterzugeben. Das müssen Vermieter auch schriftlich versichern.

Von 100 bis 2000 Euro: Wie viel bekommst Du?

Die Höhe der Heizkostenhilfe für das Jahr 2022 soll ähnlich hoch ausfallen wie die Entlastung durch die Gaspreisbremse. Du bekommst einen Zuschuss für 80 Prozent des Kostenanteils, der über die Verdopplung des Preises hinausgeht. Anders gesagt: Wenn Dein Preis „nur“ doppelt so teuer war wie der Referenzpreis aus 2021, musst Du alles selbst bezahlen. Lag er aber höher, übernimmt der Staat den Großteil der darüberliegenden Kosten.

Du kannst den Härtefallhilfe-Rechner des Bayerischen Sozialministeriums nutzen, mit dem Du Deinen Zuschuss ganz leicht berechnen kannst. Wenn Du gerne selbst nachrechnest, kannst Du die Formel für die Berechnung Deines Zuschusses benutzen:

(Rechnungsbetrag 2022 – 2 x Referenzpreis 2021 x Bestellmenge) x 0,8

Ein Beispiel: Lea hat 3000 Liter Heizöl bestellt und im August 2022 für 1,60 Euro pro Liter geliefert bekommen. Die Gesamtrechnung beläuft sich also auf 4.800 Euro. Der Referenzpreis für einen Liter Heizöl aus dem Jahr 2021 liegt bei 0,71 Euro. Dann sieht die Rechnung so aus:

(4.800 Euro – 2 x 0,71 x 3000) x 0,8 = 432 Euro Heizkostenhilfe.

Wichtig: Weniger als 100 Euro an Entlastung werden nicht ausbezahlt – in diesem Fall musst Du die Mehrkosten selbst tragen. Und: Es werden pro Haushalt maximal 2.000 Euro ausbezahlt.

Wo und wie kannst Du den Antrag stellen?

Die Härtefallhilfen für Pellets, Heizöl, Flüssiggas und Kohle wirst Du nur direkt bei Deinem Bundesland beantragen können. Seit Ende Januar ist das in Berlin bereits möglich. In allen anderen Bundesländern ist oft noch Geduld gefragt. Bund und Länder haben sich mittlerweile abgestimmt. Es ist zu erwarten, dass die Antragsportale der restlichen Bundesländer im Laufe von April und Mai online gehen – und dass Anträge nur über das Internet eingereicht werden können.

Wenn es soweit ist, findest Du an dieser Stelle Informationen zu den Antragsbedingungen in Deinem Bundesland. Wir sammeln in den folgenden Kapiteln die Details aus den einzelnen Ländern, sobald sie uns bekannt werden. Sie sind sortiert in alphabetischer Reihenfolge.

Bayern: Härtefallhilfe

In Bayern muss das Lieferdatum nicht zwingend zwischen dem 1. Januar und 1. Dezember 2022 liegen. Ausnahmsweise zählt auch das Bestelldatum, wenn Du nachweisen kannst, dass die Bestellung innerhalb des genannten Zeitraums aufgegeben wurde und die Lieferung bis spätestens 31. März 2023 erfolgte.

Die Antragsstellung ist in Bayern derzeit noch nicht möglich.

Berlin: Heizkostenhilfe

Seit 31. Januar 2023 läuft die Härtefallhilfe in Berlin bereits, sie heißt dort „Heizkostenhilfe“. Du kannst den Antrag online bei der Investitionsbank Berlin stellen. Die Antragstellung ist bis 30. Juni 2023 möglich. Hilfreiche Informationen findest Du auch im FAQ – Heizkostenhilfe Berlin.

Berlin ist nicht nur das erste Bundesland, in dem ein Antrag auf Heizkostenhilfe möglich ist. Die Hauptstadt bietet auch bessere Antragsbedingungen, als vonseiten des Bundes als Mindeststandard vorgesehen sind. Du kannst zum Beispiel eine Brennstoff-Rechnung mit Datum von 1. Januar bis 31. Dezember 2022 einreichen – nicht, wie vom Bund vorgegeben, nur bis zum 1. Dezember 2022. Eine Voraussetzung ist, dass die Rechnung per Überweisung und nicht bar beglichen wurde. Außerdem müssen Bestellung und Lieferung zwingend im Jahr 2022 erfolgt sein.

In Berlin genügt es zudem, wenn Deine Heizkosten um 70 Prozent höher lagen (Faktor 1,7) als der Referenzpreis aus 2021. Die Referenzpreise hat das Land Berlin selbst festgelegt. Daraus ergeben sich folgende Werte (jeweils inklusive Mehrwertsteuer):

 

Referenzpreis

Mindestpreis 2022 für Heizkostenhilfe Berlin

leichtes Heizöl

0,71 € / Liter

> 1,21 € / Liter

Holzpellets

0,24 € / kg

> 0,41 € / kg

Kohle

0,10 € / kg

> 0,17 € / kg

Flüssiggas

0,58 € / Liter

> 0,99 € / Liter

Quelle: Förderprogramm Heizkostenhilfe Berlin bei der Investitionsbank Berlin (Stand: 7. Februar 2023)

Die verbesserten Konditionen finanziert das Land Berlin über den Landeshaushalt. Insgesamt gibt es in Berlin 330.000 Haushalte, die mit den von der Heizkostenhilfe begünstigten Energieträgern heizen, teilte die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe mit. Der Großteil davon (320.000 Haushalte) heizt mit Öl. Ein beträchtlicher Teil davon dürfte Anspruch auf die Heizkostenhilfe haben.

Autor
Benjamin Weigl

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