Rückkaufswert Lebensversicherung

Das ist Deine Lebensversicherung wert

Martin Klotz
Finanztip-Experte für Vorsorge
20. November 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Rückkaufswert gibt Auskunft über den Wert einer Lebensversicherung. 
  • Kosten, die der Vertrag verursacht, gibt es nicht zurück. Sie drücken den Rückkaufswert deutlich – vor allem in den ersten Beitragsjahren.
  • Für Verträge ab 2008 gibt der Gesetzgeber vor, dass Abschlusskosten gleichmäßig auf die ersten fünf Jahre verteilt werden. So ist ein positiver Rückkaufswert sicher.
  • Für Le­bens­ver­si­che­rung­en zwischen 1994 und 2007 hat der Bundesgerichtshof die Berechnung des Rückkaufswerts festgelegt: Er muss mindestens der Hälfte der Beiträge nach Abzug der Verwaltungskosten ausmachen. Abschlusskosten oder Stornogebühren darf die Versicherung nicht abziehen.
So gehst Du vor
  • Kündige oder verkaufe Deine Lebensversicherung nur dann, wenn es unbedingt sein muss. Du verzichtest auf Rendite und schmälerst Deine Altersvorsorge.
  • Ausnahme: Solange Du die Abschlusskosten noch nicht voll bezahlt hast, begrenzt Du mit einer Kündigung zumindest Deine Verluste. 
  • Hast Du einen Vertrag von vor 2008 in den vergangenen drei Jahren gekündigt, kannst Du möglicherweise Geld nachfordern. Prüfe, ob der Versicherer zu wenig ausbezahlt hat.
  • Hast Du Deine Lebensversicherung zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen, prüfe, ob Du den Vertrag widerrufen kannst. Nutze dazu unseren Musterbrief.
     

Hast Du eine Lebensversicherung, dann kennst Du die sogenannte Standmitteilung. Einmal im Jahr schickt Dir die Versicherung diese zu, darin zu finden: der sogenannte Rückkaufswert. Diese Angabe wird dann für Dich interessant, wenn Du überlegst, den Vertrag zu kündigen, zu verkaufen oder beitragsfrei zu stellen. Dann kommt nämlich die Frage auf: Wie viel bekommst Du für Deine Lebensversicherung? 

In diesem Szenario liegt der Rückkaufswert in den ersten sechs Jahren nach Vertragsabschluss bei weniger als zwei Drittel Deiner Einzahlungen. Du zahlst also richtig drauf. Um mehr Geld herausbekommen, als Du eingezahlt hast, darfst Du den Vertrag erst nach 18 Jahren kündigen.

Wie berechnet sich der Rückkaufswert für Verträge ab 2008?

Grundsätzlich gilt: Je höher die garantierte Verzinsung Deines Vertrags ist, je mehr und je schneller die Versicherung Überschüsse für Dich erwirtschaftet und je geringer die laufenden Kosten ausfallen, umso schneller kannst Du Abschlusskosten ausgleichen und kommst auf einen positiven Rückkaufswert.

Für Ka­pi­tal­le­bens­ver­si­che­rungen, die ab dem Jahr 2008 abgeschlossen wurden, berechnet sich der Rückkaufswert anders als bei älteren Verträgen. 

Das Versicherungsvertragsgesetz (§ 169 Abs. 3 VVG) schreibt vor, dass der Rückkaufswert gleich dem sogenannten Deckungskapital sein muss. Das sind die eingezahlten Beiträge abzüglich aller Kosten und zuzüglich möglicherweise zugeteilter Überschüsse und Zinserträge. Aus dem Deckungskapital speisen sich die späteren Rentenzahlungen, wenn der Vertrag bis zum vereinbarten Zeitpunkt laufen würde.

Zugleich ermöglicht das Gesetz dem Versicherer, einen Stornoabschlag auf das Deckungskapital zu verlangen, wenn der Kunde frühzeitig aus dem Vertrag aussteigt. Der Stornoabschlag muss aber im Vertrag vorab vereinbart und in der Höhe angemessen sein (§ 169 Abs. 5 VVG).

Wie berechnet sich der Rückkaufswert für Verträge bis 2007?

Für Le­bens­ver­si­che­rung­en, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, gab es mehrere Gerichtsurteile zur Berechnung des Rückkaufswerts (Bundesgerichtshof, Urteil vom 12. Oktober 2005, Az. IV ZR 162/03; 17. Oktober 2012, Az. IV ZR 202/10; 25. Juli 2012, Az. IV ZR 201/10; 11. September 2013, Az. IV ZR 17/13).

Demnach müssen Kunden immer mindestens die Hälfte ihrer eingezahlten Beträge abzüglich Verwaltungskosten zurückbekommen (das sogenannte ungezillmerte Deckungskapital) – auch in den ersten Vertragsjahren. Die hohen Abschlusskosten dürfen Versicherer nicht abziehen, ebensowenig eine zusätzliche Gebühr für den Vertragsabbruch (Stornoabzug). 

Dann ist ein Widerspruch möglich

Falls Dich der Versicherer beim Abschluss einer Lebensversicherung zwischen 1994 und 2007 nicht ausreichend oder falsch über Dein Widerrufsrecht informiert hat, ist noch heute ein Widerspruch möglich. Dann müsste die Versicherung alle gezahlten Beiträge gut verzinst zurückzahlen. Nutze dafür unseren Musterbrief

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Wie hoch ist der Rückkaufswert bei Fondspolicen?

Bei fondsgebundenen Le­bens­ver­si­che­rung­en richtet sich seit 2008 die Höhe des Rückkaufswerts nach dem Zeitwert der Police (§ 169 Abs. 4 VVG). Maßgeblich ist der Wert der Fondsanteile. Auch bei Fondspolicen müssen die Abschluss- und Vertriebskosten auf die ersten fünf Jahre verteilt werden.

Auch für Fondspolicen korrigierten Gerichte die Berechnung des Rückkaufswerts (BGH vom 26. September 2007, Az. IV ZR 321/05). So gilt für Verträge, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, dass der Rückkaufswert mindestens der Hälfte des Fondsguthabens entsprechen muss, von dem zwar Verwaltungs-, aber keine Abschlusskosten abgezogen werden dürfen (ungezillmertes Fondsguthaben).

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