Lebensversicherung Beitragsfrei stellen

Versicherung beitragsfrei stellen – und welche Alternativen es gibt

Martin Klotz
Finanztip-Experte für Vorsorge
26. Mai 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du Deine Beiträge zur Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung nicht mehr zahlen kannst oder möchtest, hast Du mehrere Möglichkeiten. Willst Du nur vorübergehend aussetzen, empfiehlt es sich, die Beiträge stunden zu lassen oder sie aus Überschüssen zu bezahlen.
  • Falls Du die Police überhaupt nicht weiter bezahlen möchtest, solltest Du sie beitragsfrei stellen oder verkaufen, nur in Ausnahmen lohnt sich die Kündigung. Die Beitragsfreistellung kann auch sinnvoll sein, wenn Du noch nicht weißt, für wie lange Du die Beiträge aussetzen musst oder willst.
  • Sollen die Beiträge sinken, kannst Du die Versicherungssumme senken.
  • Es lohnt sich in vielen Fällen nicht, die Sparbeiträge einfach nur auszusetzen.
So gehst Du vor
  • Prüfe, welche der Möglichkeiten für Dich am besten sind: eine Stundung, das Bezahlen der Beiträge aus Überschüssen oder ein Aussetzen der Beiträge.
  • Prüfe auch, ob sich die Prämien verringern lassen.
  • Kontaktiere Deinen Versicherer und kläre, zu welchen Bedingungen Du die Beiträge aussetzen kannst.
  • Stelle sicher, dass sich Dein Vertrag nicht steuerschädlich erneuert, wenn Du die Beiträge zeitweise nicht mehr zahlst.
  • Falls Du nicht mehr in die Police einzahlen willst, solltest Du abwägen, ob es günstiger ist, den Vertrag zu verkaufen oder beitragsfrei zu stellen.

Der verstaubte Ordner mit der Police steht schon lange unangetastet hinten im Schrank. Die Beiträge zur Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung gehen seit Jahren regelmäßig, aber nahezu unbemerkt vom Konto ab. Der Ordner wird erst wieder hervorgeholt, wenn das Geld knapp ist oder arge Zweifel aufkommen, ob sich die Versicherung überhaupt lohnt.

Beitragszahlungen vorübergehend aussetzen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Police stillzulegen – entweder endgültig oder nur zeitweise. Diese Möglichkeit nutzen viele Versicherte. Ende 2015 war nach Angaben des Branchendienstes Map-Report mehr als jede vierte Lebensversicherung beitragsfrei gestellt. Auch die Höhe der Beiträge lässt sich senken, um finanziell wieder etwas flüssiger zu sein. So viel aber vorab: Keine der Möglichkeiten können wir uneingeschränkt empfehlen. Welche die beste für Dich ist, hängt ganz von Deinen persönlichen Voraussetzungen ab.

Hast Du aktuell einen Geld-Engpass, dessen Ende aber sicher absehbar ist? Dann ist das Aussetzen der Lebensversicherungsbeiträge eine einfache Möglichkeit, die monatlichen Ausgaben zu senken. Es gibt verschiedene Optionen. Bei allen solltest Du vorab mit der Versicherung klären, zu welchen Konditionen diese möglich sind.

Beiträge stunden

Viele Versicherungen bieten an, die Beiträge für einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren zu stunden. In dieser Zeit musst Du keine Prämien überweisen, nach Ablauf der Frist sind aber alle gestundeten Prämien fällig. Du musst diese also nachzahlen.

Der Vorteil ist, dass während dieser Zeit die Versicherung aktiv bleibt. Der Unfallschutz im Todesfall oder der Schutz anderer Zu­satz­ver­si­che­rung­en wie einer Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung bleibt also bestehen. Außerdem verzinst sich das bis dahin eingezahlte Geld weiter, und die Versicherungssumme fällt dadurch später bei der Auszahlung nicht geringer aus.

Die Stundung der Beiträge ist sinnvoll, wenn die finanzielle Ebbe wirklich nur vorübergehend ist. Du musst sicherstellen, dass Du am Ende der Frist alle Beiträge auf einen Schlag nachzahlen kannst. Erkundige Dich vorher bei Deinem Anbieter, für wie lange Du die Beiträge stunden lassen kannst und ob Du die gestundeten Beträge verzinsen musst. Manche Anbieter verzichten darauf, diese zu verzinsen, insbesondere wenn Du sie wegen Arbeitslosigkeit hast stunden lassen.

Kläre mit Deinem Anbieter:

  • Wie lange kannst Du stunden?
  • Musst  Du die gestundeten Beträge verzinsen?
  • Wie hoch ist der Rückzahlungsbetrag zum Ende des Stundungszeitraums?

Beiträge aus Überschüssen bezahlen

Sofern die Police schon seit längerer Zeit läuft, besteht die Möglichkeit, Beiträge für einige Zeit aus den angesammelten Überschüssen zu bezahlen. Der Ver­si­che­rungs­schutz besteht dadurch weiter, und Du musst diese Beiträge später nicht nachzahlen. Das funktioniert höchstens so lange, bis die gutgeschriebenen Überschüsse aufgebraucht sind.

Achtung: In diesem Fall kann die Auszahlung zum Vertragsende, die sogenannte Ablaufleistung, deutlich geringer als vorhergesagt ausfallen, da die Überschüsse bereits für Beitragszahlungen verwendet wurden.

Kläre mit Deiner Versicherung:

  • Wie lange können die Beiträge aus den Überschüssen bezahlt werden?
  • Wie stark reduziert sich die Ablaufleistung voraussichtlich?

Police beitragsfrei stellen

Wird ein Vertrag beitragsfrei gestellt, dann ist die Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung für diese Zeit stillgelegt. Es fallen keine Beiträge mehr an, gleichzeitig entfällt aber auch der Ver­si­che­rungs­schutz von Zusatzleistungen wie einer eingeschlossenen Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung. Stehen bei Dir solche Zusatzleistungen auf dem Spiel, solltest Du genau abwägen, ob es wirklich sinnvoll ist, den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Denn eine neue Berufsunfähigkeitspolice ist meist teuer. Einige Versicherungen bieten aber an, die Zu­satz­ver­si­che­rung­en in einem eigenen Vertrag weiter fortzuführen.

Durch das Stilllegen verringert sich auch das Kapital in der Lebensversicherung selbst. Fließt weniger Geld in den Vertrag, sinkt die Ablaufleistung, am Ende des Vertrags zahlt die Versicherung also weniger Geld aus. Auch die Auszahlung im Todesfall fällt niedriger aus, weil weniger dafür angespart wurde. Zusätzlich fallen in der Zeit weiterhin Verwaltungskosten an, die das Vermögen schmälern. Bei einer Fondspolice nagt das zum Beispiel am Fondsvermögen.

Wer seine Lebensversicherung nur kurzfristig stilllegen möchte, ist auf die Kulanz des Anbieters angewiesen. Die meisten Versicherer bieten an, den Vertrag ein oder zwei Jahre beitragsfrei zu stellen. Oft fordert der Anbieter eine gewisse Mindestversicherungssumme, die Du für diese Option bereits angespart haben musst.

Frage Deine Versicherung:

  • Ist die Mindestversicherungssumme erreicht?
  • Für wie lange ist eine zeitweise Freistellung möglich?
  • Entfallen die Leistungen aus den Zu­satz­ver­si­che­rung­en? Wie kannst Du diese trotzdem erhalten?
  • Wie stark reduzieren sich die Versicherungssumme und Ablaufleistung voraussichtlich?
  • Lässt sich der Vertrag ohne neue Risikoprüfung fortführen?

Vorsicht: Falls Du den Vertrag ohne Rücksprache stilllegst, die Mindestversicherungssumme aber noch nicht erreicht ist, dann kann die Versicherung die Police aufkündigen.

Falsche Ablaufsumme?

Falls Du Deine Versicherung zwischen Ende 1994 und Ende 2007 abgeschlossen hast, könnte Deine beitragsfreie Summe zu niedrig ausgewiesen sein. Denn in solchen Versicherungsverträgen finden sich zum Teil intransparente und unwirksame Klauseln zur Berechnung der Summe. So ist ein Stornoabzug zum Beispiel nicht zulässig. Sofern sie bereits eine bestimmte Höhe erreicht hat – zum Beispiel 20.000 Euro –, kann es sinnvoll sein, den Vertrag von einem Fachanwalt prüfen zu lassen. Wer sich den Anwalt sparen möchte, kann auch den Musterbrief des Bundes der Versicherten verwenden. Du findest ihn hier im Abschnitt 6.

Den monatlichen Beitrag senken

Wenn Du Deine Beiträge nur reduzieren möchtest, statt sie komplett auszusetzen, hast Du folgende Optionen:

Versicherungssumme senken

Vereinbare mit Deiner Versicherung eine geringere Versicherungssumme. Bei gleicher Laufzeit senkt das die Beiträge. Allerdings sinken dann auch die Ablaufleistung und der Todesfallschutz.

Kläre mit Deinem Anbieter:

  • Wie stark musst Du die Versicherungssumme senken, um die gewünschte Beitragsreduzierung zu erreichen?
  • Wie wirkt sich das auf die Ablaufleistung aus?

Sparbeiträge aussetzen

Du hast die Möglichkeit, nur den Sparanteil der Beiträge auszusetzen. Den Teil, der für Ver­si­che­rungs­schutz verwendet wird, zahlst Du weiterhin. Auch dadurch sinkt der Beitrag. Zwar verringert sich dann auch die Ablaufleistung der Lebensversicherung, aber immerhin bleibt der Schutz gegen versicherte Risiken bestehen. Lasse Dir von Deinem Versicherer ausrechnen, wie stark sich der monatliche Beitrag dadurch reduzieren würde. Da der Sparbeitrag meist den größeren Teil der Beiträge ausmacht, sollte sich die Prämie deutlich reduzieren.

Achtung: Bevor Du Dich für diesen Weg entscheidest, solltest Du prüfen, ob eine separate Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung als Todesfallschutz preiswerter wäre. Einige Direktversicherer haben dafür preiswerte Angebote. In diesem Fall verkaufst Du Deine Police und schließt eine separate Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung ab.

Wenn Du also weniger Schutz für Deine Hinterbliebenen akzeptieren kannst, ist die Senkung der Versicherungssumme die beste Lösung, um Deine Beiträge zu reduzieren. Wenn das nicht infrage kommt, empfehlen wir, die Sparbeiträge auszusetzen oder Deine Police durch eine Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung zu ersetzen. 

Frage die Versicherung:

  • Wie hoch ist der reine Risikobeitrag Deiner Police?
  • Ist die Aussetzung der Sparbeiträge zeitlich begrenzt?
  • Wie stark verringert sich die Ablaufleistung abhängig davon, wie lange Du aussetzt?

Dynamik ausschließen

Eine Dynamik erhöht bei einer Lebensversicherung in regelmäßigen Abständen den Beitrag und damit auch die Versicherungssumme um einen festen Prozentsatz. Diese Erhöhung ist teuer, denn die Dynamik wird jedes Mal wie ein neuer Abschluss gewertet, dementsprechend fallen immer neue Abschlusskosten an, die von den Beiträgen bezahlt werden. Wer die Dynamik herausnimmt, spart diese Kosten und friert seine Beiträge auf einem Niveau ein.

Zu­satz­ver­si­che­rung­en kündigen

Ein Zusatzschutz bei Unfalltod ist überflüssig. Laut Vertrag zahlt die Versicherung eine höhere Summe im Todesfall an die Hinterbliebenen als bei einer anderen Todesursache. Der überflüssige Schutz kostet. Streiche diese Zusatzversicherung. Wer seine Familie besser absichern möchte, kann eine Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung abschließen.

Mehr dazu im Ratgeber Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung

  • Familien mit einem Alleinverdiener oder einem Immobilienkredit brauchen eine Absicherung für den Todesfall.
  • Wir empfehlen Hannoversche, Huk24, Europa und Cosmosdirekt. Letztere solltest Du aber immer mit einem zweiten Anbieter vergleichen, um Preisausreißer zu vermeiden.

Zum Ratgeber 

Beitragsfrei bis Laufzeitende

Durch das Blättern im Aktenordner wird Versicherungskunden manchmal auch klar, dass sie in ihre Lebensversicherung oder Ren­ten­ver­si­che­rung gar nicht mehr einzahlen möchten. Dann gibt es drei Möglichkeiten: die Police verkaufen, kündigen oder sie beitragsfrei stellen.

Ist der Vertrag recht neu und schlecht verzinst, lohnt sich in manchen Fällen eine Küdigung. Je länger er schon läuft, desto mehr bietet sich der Verkauf an; es sei denn, der Vertrag steht kurz vor dem Ende der Laufzeit – dann solltest Du meist noch durchhalten, um Dir den Schlussüberschuss zu sichern. Bei älteren Verträgen, die gut verzinst werden, ist es meist sinnvoll, die Police zu behalten. Das angesparte Vermögen wird weiterhin verzinst.

Jeder Versicherte hat ein Recht darauf, seinen Vertrag beitragsfrei zu stellen. Doch bei den meisten Anbietern ist ein bestimmter Rückkaufswert nötig, damit sie einer Beitragsfreistellung zustimmen. Die genaue Höhe steht im Vertrag. Ist die Summe noch zu niedrig, kann es passieren, dass die Versicherung die Police stattdessen auflöst.

In der Jahresmitteilung der Police steht, wie hoch die Versicherungssumme ausfällt, wenn Du den Vertrag beitragsfrei bis zum Ablauf fortführst. Diese Summe und die Ablaufleistung sind durch die fehlenden Beiträge und einen Stornoabschlag niedriger als bei der voll bezahlten Lebensversicherung. Das Minus kann dabei etwas höher ausfallen als die Summe der fehlenden Beiträge und Zinsen. Denn manche Versicherer ziehen einen Teil der bisherigen Verwaltungskosten weiterhin von Deinem Guthaben ab. Bei fondsgebundenen Le­bens­ver­si­che­rung­en kann sich dadurch das Fondsguthaben verringern.

Zahlst Du die Beiträge nicht mehr, fallen auch Zu­satz­ver­si­che­rung­en weg, die Du mit dem Vertrag abgeschlossen hast. Oft sind dies Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rungen. Ein neuer Vertrag wäre aber gerade bei diesen Versicherungen besonders teuer. Daher solltest Du Deinen Anbieter fragen, ob er bereit ist, diese Zusatzversicherung in einen eigenen Vertrag zu überführen.

Kläre mit Deinem Anbieter folgende Fragen und überlege dann, ob möglicherweise ein Verkauf der Police sinnvoll ist:

  • Ist die Mindestversicherungssumme erreicht?
  • Entfallen die Leistungen aus den Zu­satz­ver­si­che­rung­en? Wie kannst Du diese weiterführen?
  • Wie stark reduzieren sich die Versicherungssumme und Ablaufleistung voraussichtlich?

Mehr dazu im Ratgeber Lebensversicherung kündigen

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