Elementarschadenversicherung

Gut versichert gegen Naturgefahren

Kathrin Gotthold
&Co-Autor
12. August 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wohnst Du in einem Gebiet, in dem es öfter zu Überschwemmungen, Erdbeben, Lawinen oder Erdrutschen kommt, ist eine Elementarschadenversicherung sinnvoll.
  • Unsere Untersuchung zu Wohngebäudeversicherungen hat gezeigt: Diese Extra-Absicherung gegen Naturgewalten kann sehr viel kosten. Im Schnitt verteuerte sich die Gebäudeversicherung um 48 Prozent. Mach daher unbedingt einen Preisvergleich, wenn Du diese Versicherung brauchst.
  • In Nicht-Risikogebieten war Elementarschadenschutz überdurchschnittlich teuer. Ist Dein Haus oder Deine Wohnung also nicht besonders gefährdet, kannst Du Dir den Zusatz sparen – und damit viel Geld.
So gehst Du vor
  • Jeder Hausbesitzer braucht eine Wohngebäudeversicherung. Finanztip hat untersucht, wie Du das richtige Angebot findest. Wir empfehlen, dafür ein Vergleichsportal zu nutzen. Die besten Verträge fanden wir über Verivox, alternativ empfehlen wir Mr-Money.
  • Wohnst Du in einem Risikogebiet, solltest Du ein Häkchen bei Elementarschäden setzen.
  • Für die weiteren Versicherungsmerkmale kannst Du Dich an unseren Tipps im Ratgeber Wohngebäudeversicherung orientieren.

Was sind Elementarschäden? Betreffen die mich überhaupt? Sintflutartiger Regen und Sturm – extreme Unwetter kommen häufiger vor und können verheerende Folgen haben. Keller laufen voll, Dächer sind abgedeckt. Gut zu wissen, dass es dafür Versicherungsschutz gibt, und zwar als Elementarschadenversicherung im Rahmen der Wohngebäude- oder Hausratversicherung.

Wovor schützt die Elementarschadenversicherung?

Der Begriff „Elementarschäden“ meint Schäden durch Naturgefahren wie Überschwemmungen, Erdbeben, Lawinen, Erdrutsche oder Erdsenkungen. Ebenso Starkregen oder Hochwasser, die zu Überschwemmungen führen. Dringen Wassermassen in die Ableitungsrohre am oder im Gebäude ein und fluten über die Toilette oder das Waschbecken Dein Bad oder Deine Küche, spricht man von Rückstau.

Das Jahr 2018 gehörte nach Zahlen der Versicherungswirtschaft zu den vier schwersten Sturmjahren der vergangenen 20 Jahre; Schäden in Höhe von 2,1 Milliarden Euro haben Sturm und Hagel deutschlandweit angerichtet. Für diese Schäden musste jedoch nicht die Elementarschadenversicherung einspringen. Für die Folgen von Naturgefahren im Sinne der Elementarversicherung zahlten die Versicherer deutschlandweit „nur“ rund 500 Millionen Euro.

Erdsenkungen und Erdrutsche kommen oft dort vor, wo im Tage- oder Untertagebau gefördert wird oder wurde. Lawinen sind meist von Berghängen gelöste Schneemassen, die zu Tal gleiten oder stürzen. Unter Schneedruck brach 2006 die Eissporthalle in Bad Reichenhall zusammen. Das sind alles Schäden, die von der Elementarversicherung übernommen werden. Ebenfalls abgesichert – wenn auch weniger akut bedrohlich – sind Erdbeben. Selbst Vulkanausbrüche, zum Beispiel in der Vulkaneifel, sind mitversichert.

Die Versicherung kann nicht verhindern, dass Naturgewalten Deinen Hausrat oder Deine Wohnung beschädigen. Sie trägt aber sowohl die Kosten zur Feststellung des Schadens als auch die Kosten der Wiederherstellung. Das betrifft die Ausgaben für das Aufräumen oder den Abbruch beziehungsweise die Reparatur- oder Renovierungskosten. Im schlimmsten Fall kommt die Versicherung auch für einen Neubau des Hauses oder die Neuanschaffung von Möbeln auf.

Ausgeschlossen vom Versicherungsumfang sind stets Vorsatz, Sturmflut und Grundwasser, das unterirdisch ins Gebäude eindringt. Wenn sich allerdings das Grundwasser mit Oberflächenwasser vermischt und diese Wassermassen dann gemeinsam Deinen Keller fluten, ist der Schaden im Zweifelsfall versichert. Grundsätzlich gilt: Mach es dem Wetter nicht zu einfach, zu Dir ins Haus zu kommen. Halte Fenster und Türen immer ordnungsgemäß geschlossen.

Wer braucht eine Elementarschadenversicherung?

Ob Du eine Elementarschadenversicherung brauchst, hängt davon ab, wo und wie Du wohnst. Es gibt keine Versicherungspflicht, das heißt, jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er sich gegen Elementarschäden versichert.

Standardtarife in der Wohngebäudeversicherung greifen in aller Regel nicht bei Schäden durch Naturgewalten. Das bedeutet, dass die Versicherung nicht für die Folgen aufkommt, wenn Dein Gebäude durch Überschwemmung, Erdbeben, Erdrutsch, eine Lawine oder auch Starkregen beschädigt wird. Um auch gegen diese Risiken abgesichert zu sein, musst Du Deinen Versicherungsschutz um den Baustein Elementarschäden erweitern.

Schätz Dein persönliches Risiko ab

Wenn Du wissen möchtest, ob Du in einem gefährdeten Gebiet wohnst, nutz den Kompass Naturgefahren des Versicherungsverbandes GDV. Dort kannst Du über die Eingabe Deiner Adresse ermitteln, wie groß die Gefahr für Dein Haus oder Deine Wohnung ist. Das funktioniert jedoch nicht für alle Regionen Deutschlands. Außerdem ist das Starkregen-Risiko offensichtlich standardmäßig mit 50 Prozent vorbelegt. Du erfährst dort aber auch, an wen Du Dich für weitere Auskünfte wenden kannst.

Was kostet der Baustein Elementarschutz?

Wir haben in unserem Test zur Wohngebäudeversicherung Anfang 2019 das Angebot an Wohngebäudeversicherungen auch daraufhin untersucht, wie teuer die Absicherung von Elementarschäden ist. Dafür haben wir Tarife jeweils mit und ohne den Einschluss dieses Bausteins abgefragt. Das Ergebnis: Die Anbieter verlangen im Schnitt einen Aufschlag von 48 Prozent auf die Beiträge für Wohngebäudeversicherungen. Dabei waren ausgerechnet die Verträge für Gebäude außerhalb von Risikogebieten mit 50 Prozent überdurchschnittlich teuer.

Überleg, ob es sich für Dich rechnet, Elementarschäden in den Versicherungsschutz mit einzubeziehen. Befindet sich Dein Gebäude in einem Risikogebiet für Überschwemmung, Erdbeben, Erdrutsche oder Lawinen – also zum Beispiel am Wasser oder am Hang – kann eine Elementarschadenversicherung sinnvoll sein.

Steht Dein Gebäude in einem Hochrisikogebiet, vor allem einem für Hochwasser, kann es schwierig sein, Versicherungsschutz gegen Elementarschäden zu bekommen. Unmöglich ist es nicht, es kann aber sehr teuer werden. Das betrifft vor allem Gebäude in der Gefahrenklasse 4 (GK4), also in Gebieten, in denen mindestens ein Hochwasser in zehn Jahren zu erwarten ist.

Versicherer werden im Zweifel hohe Beiträge oder einen hohen Selbstbehalt verlangen. Welche Kosten konkret auf Dich zukommen, ist individuell und hängt vom Gebäude und dem genauen Standort ab. War ein Haus schon mehrfach von Hochwasser betroffen, kann es vorkommen, dass der Versicherer vor Vertragsabschluss bauliche Veränderungen am Gebäude verlangt. Dies können spezielle Fenster sein, aber auch geflieste Räume in Keller und Erdgeschoss oder die Verlegung aller elektrischen Geräte und der Heizungsanlage in den ersten Stock. 

Dennoch sind nicht alle Versicherer bereit, ein so hohes Risiko abzusichern. Wenn Du ein Gebäude hast, das in einer Risikoregion steht, lass Dich von einer Absage nicht entmutigen und frag bei mehreren Versicherern nach den Bedingungen.

Worauf muss ich beim Abschluss achten?

Gegen die Folgen von Naturgefahren kannst Du Dich nur über einen Zusatz zu Deiner Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung absichern. Die Elementarschadenversicherung erhältst Du nicht einzeln; es ist auch nicht möglich, sich nur gegen einzelne Naturgefahren zu versichern.

Erste Anlaufstelle ist der Versicherer, bei dem Du Deine Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung hast. Meistens ist eine solche Erweiterung kein Problem, schon gar nicht, wenn Du bislang keinen Schaden gemeldet hast. Du solltest das Angebot Deines Versicherers dann aber auf jeden Fall noch einmal über ein Vergleichsportal mit anderen Tarifen vergleichen.

Lehnt Dein Versicherer den Zusatz ab, musst Du Dir einen neuen Versicherer suchen. Der alte Anbieter muss Dich dann gegebenenfalls vorzeitig aus dem Vertrag lassen, weil Du ja den Zusatzbaustein nicht einzeln woanders abschließen kannst. Du darfst nicht der Leidtragende sein, der entweder zwei Verträge bezahlt oder keinen Versicherungsschutz hat.

Wenn Du Deine Hausratsversicherung um Naturgefahren ergänzt

Falls Du Deine Hausratversicherung um den Baustein „Elementarschäden“ ergänzen willst, prüf unbedingt, ob die Versicherungssumme auch für Dinge auf dem Dachboden und im Keller reicht. Denk auch an die Garage, falls dort Hausrat lagert.

Spätestens jetzt solltest Du eine eventuelle Unterversicherung im Vertrag beseitigen, damit Du im Ernstfall wirklich alle Schäden in voller Höhe ersetzt bekommst. Auf der sicheren Seite bist Du, wenn Du die Versicherungssumme über einen Pauschalbetrag je Quadratmeter Wohnfläche festlegst. Runde den Betrag am besten noch großzügig auf.

Ist für die Elementarschadenversicherung eine Selbstbeteiligung vorgesehen, lass Dir mehrere Angebote mit unterschiedlich hoher Selbstbeteiligung machen und entscheide anhand des Beitrags, welches Dir am besten passt.

Mehr dazu im Ratgeber Hausratversicherung

  • Diese Versicherung solltest Du haben, wenn Du Deine Einrichtung nach Brand oder Einbruch nicht auf eigene Kosten ersetzen kannst.
  • Von uns empfohlenes Portal: Mr-Money

Zum Ratgeber

Wenn Du Deine Wohngebäudeversicherung um Naturgefahren ergänzt

Nimmst Du den Baustein Elementarschäden in Deine Wohngebäudeversicherung auf, solltest Du bei der Gelegenheit gleich prüfen, ob die Versicherungssumme des Vertrags noch passt. Vielleicht hast Du Dein Haus umgebaut und dadurch den Wert der Immobilie verändert. Wenn Du den Wert Deines Hauses zu niedrig angegeben hast, kann es passieren, dass die Versicherung nach einem Schaden ihre Zahlungen kürzt.

Wir empfehlen, die Wohngebäudeversicherung über ein Vergleichsportal abzuschließen. Anfang 2019 haben wir auf mehreren Portalen die Einstellmöglichkeiten und die Preise untersucht. Ergebnis unseres Tests ist, dass Verivox am hilfreichsten ist. Alternativ dazu kannst Du auch das Online-Portal Mr. Money nutzen.

Egal, welchen Weg Du wählst und ob Du den Baustein Elementarschutz wünschst oder nicht: Wichtig ist, dass Deine Wohngebäudeversicherung auch Schäden in Folge grober Fahrlässigkeit abdeckt. Denn wenn Du einen Schaden vorsätzlich oder grob fahrlässig verursachst, zahlt eine Standardversicherung sonst in aller Regel nicht. Wichtige weitere Merkmale, auf die Du bei Vertragsabschluss achten solltest, findest Du in unserem Ratgeber zur Wohngebäudeversicherung.

Bei der Erweiterung der Wohngebäudeversicherung um die Elementarschadenversicherung ist in der Regel eine Selbstbeteiligung vorgesehen, die Du bei einem Schaden selbst zahlen musst. Probier bei den Angeboten ein paar Varianten durch und entscheide anhand von Prämie und Selbstbeteiligung, was Dir am besten passt.

Mehr dazu im Ratgeber Wohngebäudeversicherung

  • Preise und Leistungen in der Wohngebäudeversicherung unterscheiden sich deutlich.
  • Empfohlenes Vergleichsportal: Verivox

Zum Ratgeber

Was tun, wenn ein Schaden entstanden ist?

Rette, was zu retten ist. Dazu bist Du auch gegenüber Deiner Versicherung verpflichtet. Bring Dich dabei jedoch nicht selbst in Gefahr. Melde den Schaden so schnell wie möglich der Versicherung. Frag, was Du machen kannst, um den Schaden zu beseitigen und wie Du den Schaden dokumentieren sollst.

Bei einer Überschwemmung räum den Keller aus und versuch, alles zu trocknen. Frag Deine Versicherung, welche Maßnahmen anstehen und wie Du dabei behilflich sein kannst. Im Baumarkt gibt es zum Beispiel Nasssauger oder Entfeuchter. Erkundige Dich auch danach, wann Du mit den ersten Zahlungen vom Versicherer rechnen kannst und was Du dafür machen musst.

Wie bei jeder Versicherung musst Du als Versicherungsnehmer den Schadensfall beweisen. Das ist im Falle von Unwetter meist problemlos möglich; die Wetteraufzeichnungen werden als Beweis anerkannt. Auf Dich können nur die Kosten der Anfrage beim Wetterdienst zukommen, falls die Anfrage nötig ist.

Als Schadenversicherung zahlen sowohl Wohngebäude- als auch Hausratversicherung nur den konkret entstandenen Schaden, besser gesagt, die Kosten zur Wiederherstellung oder Wiederbeschaffung. Grundlage dafür ist der Versicherungswert, den Du im Vertrag gewählt hast. Hast Du nur den Zeitwert versichert, erhältst Du die Kosten, um den Zustand unmittelbar vor Schadeneintritt wiederherzustellen.

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