Elementarschadenversicherung

Gut versichert gegen Naturgefahren

Kathrin Gotthold
& Co-Autor
Stand: 29. April 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Als Elementarschäden bezeichnen Versicherungen Schäden, die durch Naturgewalten wie Hochwasser oder Starkregen verursacht werden.
  • Wohnen Sie in einem Gebiet, in dem es öfter zu Überschwemmungen, Erdbeben, Lawinen oder Erdrutschen kommt, ist eine Elementarschadenversicherung sinnvoll.
  • Die Versicherung funktioniert als Zusatzbaustein zur Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung.
  • Unser Test für Wohngebäudeversicherungen hat gezeigt, dass die Absicherung gegen Naturgewalten teuer sein kann. Mit dem zusätzlichen Schutz kostet die Gebäudeversicherung im Schnitt 48 Prozent mehr. Machen Sie daher unbedingt einen Preisvergleich.
  • Ausgerechnet in Nicht-Risikogebieten ist der Baustein überdurchschnittlich teuer. Steht Ihr Haus oder Ihre Wohnung also in einem solchen Gebiet, können Sie sich den Zusatz sparen – und damit viel Geld.
So gehen Sie vor
  • Jeder Hausbesitzer braucht eine Wohngebäudeversicherung. Vergleichen Sie vor dem Abschluss mehrere Angebote. Wir haben Vergleichsportale getestet und empfehlen Verivox, alternativ Mr-Money.
  • Wenn Sie in einem Risikogebiet wohnen, setzen Sie auf dem Vergleichsportal bei den versicherten Gefahren ein Häkchen bei Elementarschäden.
  • Orientieren Sie sich bei der Auswahl der weiteren Versicherungsmerkmale an unseren Tipps im Ratgeber Wohngebäudeversicherung.

Was sind Elementarschäden? Betreffen die mich überhaupt? Sintflutartiger Regen und Sturm – extreme Unwetter kommen häufiger vor und können zu verheerenden Folgen führen: Keller laufen voll, Dächer sind abgedeckt. Gut zu wissen, dass es dafür Versicherungsschutz gibt, und zwar als Elementarschadenversicherung im Rahmen der Wohngebäude- oder Hausratversicherung.

Wovor schützt mich eine Elementarschadenversicherung?

Der Begriff „Elementarschäden“ meint Schäden durch Naturgefahren wie Überschwemmungen, Erdbeben, Lawinen, Erdrutsche oder Erdsenkungen. Ebenso Starkregen oder Hochwasser, die zu Überschwemmungen führen. Dringen Wassermassen in die Ableitungsrohre am oder im Gebäude ein und fluten über die Toilette oder das Waschbecken Ihr Bad oder Ihre Küche, spricht man von Rückstau.

Das Jahr 2018 gehörte nach Zahlen der Versicherungswirtschaft zu den vier schwersten Sturmjahren der vergangenen 20 Jahre; Schäden in Höhe von 2,1 Milliarden Euro haben Sturm und Hagel deutschlandweit angerichtet. Für diese Schäden musste jedoch nicht die Elementarschadenversicherung einspringen. Für die Folgen von Naturgefahren im Sinne der Elementarversicherung zahlten Versicherer deutschlandweit „nur“ rund 500 Millionen Euro.

Erdsenkungen und Erdrutsche kommen oft dort vor, wo im Tage- oder Untertagebau gefördert wird oder wurde. Lawinen sind meist von Berghängen gelöste Schneemassen, die zu Tal gleiten oder stürzen. Unter Schneedruck brach 2006 die Eissporthalle in Bad Reichenhall zusammen. Ebenfalls abgesichert – wenn auch weniger akut bedrohlich – sind Erdbeben. Selbst die Vulkaneifel ist vergleichsweise unauffällig. Aber auch Vulkanausbrüche sind mitversichert.

Die Versicherung kann nicht verhindern, dass Naturgewalten Ihren Hausrat oder Ihre Wohnung beschädigen. Sie trägt aber sowohl die Kosten zur Feststellung des Schadens als auch die Kosten der Wiederherstellung. Damit gemeint sind die Ausgaben für das Aufräumen oder den Abbruch beziehungsweise die Reparatur- oder Renovierungskosten. Im schlimmsten Fall kommt die Versicherung auch für einen Neubau des Hauses oder die Neuanschaffung von Möbeln auf.

Ausgeschlossen vom Versicherungsumfang sind stets Vorsatz, Sturmflut und Grundwasser, das unterirdisch ins Gebäude eindringt. Wenn sich allerdings das Grundwasser mit Oberflächenwasser vermischt und diese Wassermassen dann gemeinsam Ihren Keller fluten, ist der Schaden im Zweifelsfall versichert. Grundsätzlich gilt: Machen Sie es dem Wetter nicht zu einfach, zu Ihnen ins Haus zu kommen. Halten Sie Fenster und Türen ordnungsgemäß geschlossen.

Wer braucht eine Elementarschadenversicherung?

Ob Sie eine Elementarschadenversicherung brauchen, hängt davon ab, wo und wie Sie wohnen. Es gibt keine Versicherungspflicht, das heißt, jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er sich gegen Elementarschäden versichert.

Standardtarife in der Wohngebäudeversicherung greifen in aller Regel nicht bei Schäden durch Naturgewalten. Das bedeutet, dass die Versicherung nicht für die Folgen aufkommt, wenn Ihr Gebäude durch Überschwemmung, Erdbeben, Erdrutsch, eine Lawine oder auch Starkregen beschädigt wird. Um auch gegen diese Risiken abgesichert zu sein, müssen Sie Ihren Versicherungsschutz um dem Baustein Elementarschadenversicherung erweitern.

Schätzen Sie Ihr persönliches Risiko ab

Wenn Sie wissen möchten, ob Sie in einem gefährdeten Gebiet wohnen, nutzen Sie den Kompass Naturgefahren des Versicherungsverbandes GDV. Dort können Sie über Ihre vollständige Adresse ermitteln, wie groß die Gefahr für Ihr Haus oder Ihre Wohnung ist. Die Daten liegen jedoch nicht für alle Regionen vollständig vor. Außerdem ist das Starkregen-Risiko offensichtlich standardmäßig mit 50 Prozent vorbelegt. Sie erfahren dort aber auch, an wen Sie sich für weitere Auskünfte wenden können.

Was kostet der Baustein?

Wir haben in unserem Test zur Wohngebäudeversicherung Anfang 2019 das Angebot an Wohngebäudeversicherungen auch daraufhin untersucht, wie teuer die Absicherung von Elementarschäden ist. Dafür haben wir Tarife jeweils mit und ohne den Einschluss dieses Bausteins abgefragt. Das Ergebnis: Die Anbieter verlangen im Schnitt einen Aufschlag von 48 Prozent auf die Beiträge für Wohngebäudeversicherungen. Dabei waren ausgerechnet die Verträge für Gebäude außerhalb von Risikogebieten mit 50 Prozent leicht überdurchschnittlich teurer.

Überlegen Sie daher, ob es sich für Sie rechnet, Elementarschäden in den Versicherungsschutz mit einzubeziehen. Befindet sich Ihr Gebäude in einem Risikogebiet für Überschwemmung, Erdbeben, Erdrutsche oder Lawinen – also zum Beispiel am Wasser oder am Hang – kann das der Fall sein.

Worauf muss ich beim Abschluss achten?

Gegen die Folgen von Naturgefahren können Sie sich nur über einen Zusatz zu Ihrer Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung schützen. Die Elementarschadenversicherung erhalten Sie nicht einzeln; es ist auch nicht möglich, sich nur gegen einzelne Naturgefahren zu versichern.

Erste Anlaufstelle ist der Versicherer, bei dem Sie bislang Ihre Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung haben. Meistens ist eine solche Erweiterung kein Problem, schon gar nicht, wenn Sie bislang keinen Schaden gemeldet haben. Sie sollten das Angebot Ihres Versicherers dann aber auf jeden Fall noch einmal über ein Vergleichsportal mit anderen Tarifen vergleichen.

Lehnt Ihr Versicherer den Zusatz ab, müssen Sie sich einen neuen Versicherer suchen. Der alte Anbieter muss Sie dann gegebenenfalls vorzeitig aus dem Vertrag lassen, weil Sie ja den Zusatzbaustein nicht einzeln woanders abschließen können. Sie dürfen nicht der Leidtragende sein, der entweder zwei Verträge bezahlt oder keinen Versicherungsschutz hat.

Wenn Sie Ihre Hausratsversicherung um Naturgefahren ergänzen

Falls Sie eine Hausratversicherung, die Sie haben, um den Baustein „Elementarschäden“ ergänzen, prüfen Sie unbedingt, ob die Versicherungssumme auch für Dinge auf dem Dachboden und im Keller reicht. Denken Sie auch an die Garage, falls dort Hausrat lagert.

Spätestens jetzt sollten Sie eine Unterversicherung im Vertrag beseitigen, damit Sie im Ernstfall wirklich alle Schäden in voller Höhe ersetzt bekommen. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie die Versicherungssumme über einen Pauschalbetrag je Quadratmeter Wohnfläche festlegen. Runden Sie den Betrag am besten noch großzügig auf.

Ist für die Elementarschadenversicherung eine Selbstbeteiligung vorgesehen, lassen Sie sich  mehrere Angebote mit unterschiedlich hoher Selbstbeteiligung machen und entscheiden Sie anhand des Beitrags, welches Ihnen am besten passt.

Mehr dazu im Ratgeber Hausratversicherung

  • Diese Versicherung sollten Sie haben, wenn Sie Ihre Einrichtung nach Brand oder Einbruch nicht auf eigene Kosten ersetzen können.
  • Von uns empfohlenes Portal: Mr-Money

Zum Ratgeber

Wenn Sie Ihre Wohngebäudeversicherung um Naturgefahren ergänzen

Prüfen Sie auch in diesem Fall, ob die Versicherungssumme des Vertrags noch passt. Vielleicht haben Sie Ihr Haus umgebaut und dadurch den Wert der Immobilie verändert. Wenn Sie den Wert Ihres Hauses zu niedrig angegeben haben, kann es passieren, dass die Versicherung nach einem Schaden ihre Zahlungen kürzt.

Wir empfehlen, die Wohngebäudeversicherung über ein Vergleichsportal abzuschließen. Anfang 2019 haben wir auf mehreren Portalen Einstellmöglichkeiten und Preise untersucht. Ergebnis unseres Tests ist, dass Verivox am hilfreichsten ist. Alternativ können Sie auch über das Online-Portal Mr. Money vergleichen und abschließen.

Egal, welchen Weg Sie wählen und ob Sie den Baustein Elementarschutz wünschen oder nicht: Wichtig ist, dass Ihre Wohngebäudeversicherung auch Schäden in Folge grober Fahrlässigkeit abdeckt. Denn wenn Sie einen Schaden vorsätzlich oder grob fahrlässig verursachen, zahlt eine Standardversicherung sonst in aller Regel nicht. Wichtige weitere Merkmale, auf die Sie im Vertrag achten sollten, finden Sie in unserem Ratgeber zur Wohngebäudeversicherung.

Auch bei der Erweiterung der Wohngebäudeversicherung um die Elementarschadenversicherung ist in der Regel eine Selbstbeteiligung vorgesehen, die Sie bei einem Schaden selbst zahlen müssen. Probieren Sie bei den Angeboten ein paar Varianten durch und entscheiden Sie anhand Prämie und Selbstbeteiligung, was Ihnen am besten passt.

Mehr dazu im Ratgeber Wohngebäudeversicherung

  • Preise und Leistungen in der Wohngebäudeversicherung unterscheiden sich deutlich.
  • Empfohlenes Vergleichsportal: Verivox

Zum Ratgeber

Was tun, wenn ein Schaden entstanden ist?

Retten Sie, was zu retten ist. Dazu sind Sie auch gegenüber Ihrer Versicherung verpflichtet. Bringen Sie sich dabei jedoch selbst nicht in Gefahr. Melden Sie den Schaden so schnell wie möglich der Versicherung. Fragen Sie, was Sie bereits machen können, um den Schaden zu beseitigen und was Sie wie aufheben sollen, um den Schaden zu dokumentieren.

Bei einer Überschwemmung räumen Sie den Keller und trocknen Sie Inhalt und Räume, so gut es Ihnen möglich ist. Fragen Sie Ihre Versicherung, welche weiteren Maßnahmen nun anstehen und wie Sie dabei behilflich sein können. Im Baumarkt gibt es Nasssauger oder Entfeuchter. Erkundigen Sie sich nach ersten, schnellen Zahlungen vom Versicherer und was Sie dafür machen müssen.

Wie bei jeder Versicherung müssen Sie als Versicherungsnehmer den Schadensfall beweisen. Das ist im Falle von Unwetter nahezu problemlos möglich; die Wetteraufzeichnungen sind verlässlich. Sie müssen die Kosten der Anfrage beim Wetterdienst tragen, falls die Anfrage überhaupt nötig ist.

Als Schadenversicherung zahlen sowohl Wohngebäude- als auch Hausratversicherung nur den konkret entstandenen Schaden, besser gesagt, die Kosten zur Wiederherstellung oder Wiederbeschaffung. Auch jetzt kommt es wieder darauf an, welchen Versicherungswert Sie im Vertrag gewählt haben. Haben Sie nur den Zeitwert versichert, erhalten Sie nur die Kosten, den Zustand unmittelbar vor Schadeneintritt wiederherzustellen.

Autor
Kathrin Gotthold
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 29. April 2019


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