Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung

Gut versichert gegen Naturgefahren

Henriette Neubert
Expertin für Versicherungen
28. Juli 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wohnst Du in einem Gebiet, in dem es öfter zu Überschwemmungen, Erdbeben, Lawinen oder Erdrutschen kommt, ist eine Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung sinnvoll.
  • Unsere Untersuchung zu Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rungen hat gezeigt: Diese Extra-Absicherung gegen Naturgewalten kann sehr viel kosten. Mach daher unbedingt einen Preisvergleich, wenn Du diese Versicherung brauchst.
  • Ist Dein Haus oder Deine Wohnung nicht besonders gefährdet, kannst Du Dir den Zusatz und damit Geld sparen.
So gehst Du vor
  • Jeder Hausbesitzer braucht eine Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung. Finanztip hat untersucht, wie Du das richtige Angebot findest. Wir empfehlen, dafür ein Vergleichsportal zu nutzen. Die besten Tarife fanden wir bei Mr-Money.
  • Wohnst Du in einem Risikogebiet, solltest Du ein Häkchen bei Elementarschäden setzen.
  • Für die weiteren Versicherungsmerkmale kannst Du Dich an unseren Tipps im Ratgeber Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung orientieren.

Die Starkregen-Katastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz zeigt, dass Unwetter mit verheerenden Schäden viel mehr Haushalte treffen können als gedacht. Wie Du Ver­si­che­rungs­schutz gegen die finanziellen Folgen solcher Unwetter bekommst, zeigen wir Dir in diesem Ratgeber und den Ratgebern Elementarschaden und Hausrat

Der Naturgefahren-Check (ZÜRS Geo) der deutschen Versicherungsunternehmen soll künftig auch Starkregenereignisse zeigen. Damit bekommst Du ein besseres Gefühl, wie gefährdet Dein Haus oder Deine Wohnung ist. Wir informieren Dich, sobald der Service verfügbar ist.

Was sind Elementarschäden? Betreffen die mich überhaupt? Sintflutartiger Regen und Sturm – extreme Unwetter kommen immer häufiger vor und können verheerende Folgen haben. Der Keller läuft voll, das Dach wird abgedeckt. Gut zu wissen, dass es dafür Ver­si­che­rungs­schutz gibt, und zwar als Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung im Rahmen der Wohngebäude- oder Hausratversicherung.

Wovor schützt die Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung?

Der Begriff „Elementarschäden“ umfasst Schäden durch Naturgefahren wie Überschwemmungen, Erdbeben, Lawinen, Erdrutsche oder Erdsenkungen. Ebenso Starkregen oder Hochwasser, die zu Überschwemmungen führen. Dringen Wassermassen in die Ableitungsrohre am oder im Gebäude ein und fluten über die Toilette oder das Waschbecken Dein Bad oder Deine Küche, spricht man von Rückstau.

Das Jahr 2020 gehörte laut Zahlen der Versicherungswirtschaft zu einem der schwersten Sturmjahre der vergangenen 20 Jahre; Sachversicherer sind im letzten Jahr für Schäden in Höhe von etwa 2,5 Milliarden Euro eingesprungen. Allein für den Wintersturm „Sabine“ mussten Versicherer 600 Millionen Euro zahlen. Allerdings haben Sturm und Hagel deutschlandweit weitaus höhere Schäden angerichtet, für die jedoch kein Ver­si­che­rungs­schutz bestand. Viele Betroffene wollten die Kosten für die Versicherung sparen oder glaubten, sie wird das Problem nicht treffen.

Erdsenkungen und Erdrutsche kommen oft dort vor, wo im Tage- oder Untertagebau gefördert wird oder wurde. Lawinen sind meist von Berghängen gelöste Schneemassen, die zu Tal gleiten oder stürzen. Unter Schneedruck brach 2006 die Eissporthalle in Bad Reichenhall zusammen. Das sind alles Schäden, die von der Elementarversicherung übernommen werden. Ebenfalls abgesichert – wenn auch weniger akut bedrohlich – sind Erdbeben. Selbst Vulkanausbrüche, zum Beispiel in der Vulkaneifel, sind mitversichert.

Die Versicherung kann nicht verhindern, dass Naturgewalten Deinen Hausrat oder Deine Wohnung beschädigen. Sie trägt aber sowohl die Kosten zur Feststellung des Schadens als auch die Kosten der Wiederherstellung. Das betrifft die Ausgaben für das Aufräumen oder den Abbruch beziehungsweise die Reparatur- oder Renovierungskosten. Im schlimmsten Fall kommt die Versicherung auch für einen Neubau des Hauses oder die Neuanschaffung von Möbeln auf.

Ausgeschlossen vom Versicherungsumfang sind stets Vorsatz, Sturmflut und Grundwasser, das unterirdisch ins Gebäude eindringt. Wenn sich allerdings das Grundwasser mit Oberflächenwasser vermischt und diese Wassermassen dann gemeinsam Deinen Keller fluten, ist der Schaden im Zweifelsfall versichert. Grundsätzlich gilt: Mach es dem Wetter nicht zu einfach, zu Dir ins Haus zu kommen. Halte Fenster und Türen immer ordnungsgemäß geschlossen.

Wer braucht eine Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung?

Ob Du eine Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung brauchst, hängt davon ab, wo und wie Du wohnst. Es gibt keine Versicherungspflicht, das heißt, jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er sich gegen Elementarschäden versichert.

Standardtarife in der Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung greifen in aller Regel nicht bei Schäden durch Naturgewalten. Das bedeutet, dass die Versicherung nicht für die Folgen aufkommt, wenn Dein Gebäude durch Überschwemmung, Erdbeben, Erdrutsch, eine Lawine oder auch Starkregen beschädigt wird. Um auch gegen diese Risiken abgesichert zu sein, musst Du Deinen Ver­si­che­rungs­schutz um den Baustein Elementarschäden erweitern.

Schätz Dein persönliches Risiko ab

Wenn Du wissen möchtest, ob Du in einem gefährdeten Gebiet wohnst, nutz den Kompass Naturgefahren des Versicherungsverbandes GDV. Dort kannst Du über die Eingabe Deiner Adresse ermitteln, wie groß die Gefahr für Dein Haus oder Deine Wohnung ist. Das funktioniert jedoch nicht für alle Regionen Deutschlands. Außerdem ist das Starkregen-Risiko offensichtlich standardmäßig mit 50 Prozent vorbelegt. Du erfährst dort aber auch, an wen Du Dich für weitere Auskünfte wenden kannst.

Was kostet der Baustein Elementarschutz?

Wir haben in unserem Test zur Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung im Frühjahr 2021 das Angebot an Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rungen auch daraufhin untersucht, wie teuer die Absicherung von Elementarschäden ist. Dafür haben wir Tarife jeweils mit und ohne den Einschluss dieses Bausteins abgefragt. Die Testhäuser lagen in verschiedenen Gefahrenzonen. Das Ergebnis: Je nach Anbieter musst Du mit einem Aufschlag von knapp 10 bis 35 Prozent rechnen. Die Aufschläge waren da höher, wo das Risiko von Hochwasser hoch war.

Überleg, ob es sich für Dich rechnet, Elementarschäden in den Ver­si­che­rungs­schutz mit einzubeziehen. Befindet sich Dein Gebäude in einem Risikogebiet für Überschwemmung, Erdbeben, Erdrutsche oder Lawinen – also zum Beispiel am Wasser oder am Hang – kann eine Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung sinnvoll sein.

Steht Dein Gebäude in einem Hochrisikogebiet, vor allem einem für Hochwasser, kann es schwierig sein, Ver­si­che­rungs­schutz gegen Elementarschäden zu bekommen. Unmöglich ist es nicht, es kann aber sehr teuer werden. Das betrifft vor allem Gebäude in der Gefahrenklasse 4 (GK4), also in Gebieten, in denen mindestens ein Hochwasser in zehn Jahren zu erwarten ist.

Versicherer werden im Zweifel hohe Beiträge oder einen hohen Selbstbehalt verlangen. Welche Kosten konkret auf Dich zukommen, ist individuell und hängt vom Gebäude und dem genauen Standort ab. War ein Haus schon mehrfach von Hochwasser betroffen, kann es vorkommen, dass der Versicherer vor Vertragsabschluss bauliche Veränderungen am Gebäude verlangt. Dies können spezielle Fenster sein, aber auch geflieste Räume in Keller und Erdgeschoss oder die Verlegung aller elektrischen Geräte und der Heizungsanlage in den ersten Stock. 

Dennoch sind nicht alle Versicherer bereit, ein so hohes Risiko abzusichern. Wenn Du ein Gebäude hast, das in einer Risikoregion steht, lass Dich von einer Absage nicht entmutigen und frag bei mehreren Versicherern nach den Bedingungen.

Worauf musst Du beim Abschluss achten?

Gegen die Folgen von Naturgefahren kannst Du Dich nur über einen Zusatz zu Deiner Hausrat- oder Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung absichern. Die Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung erhältst Du nicht einzeln; es ist auch nicht möglich, sich nur gegen einzelne Naturgefahren zu versichern.

Erste Anlaufstelle ist der Versicherer, bei dem Du Deine Hausrat- oder Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung hast. Meistens ist eine solche Erweiterung kein Problem, schon gar nicht, wenn Du bislang keinen Schaden gemeldet hast. Du solltest das Angebot Deines Versicherers dann aber auf jeden Fall noch einmal über ein Vergleichsportal mit anderen Tarifen vergleichen.

Lehnt Dein Versicherer den Zusatz ab, musst Du Dir einen neuen Versicherer suchen. Der alte Anbieter muss Dich dann gegebenenfalls vorzeitig aus dem Vertrag lassen, weil Du ja den Zusatzbaustein nicht einzeln woanders abschließen kannst. Du darfst nicht der Leidtragende sein, der entweder zwei Verträge bezahlt oder keinen Ver­si­che­rungs­schutz hat.

Wenn Du Deine Hausratsversicherung um Naturgefahren ergänzt

Falls Du Deine Hausratversicherung um den Baustein „Elementarschäden“ ergänzen willst, prüf unbedingt, ob die Versicherungssumme auch für Dinge auf dem Dachboden und im Keller reicht. Denk auch an die Garage, falls dort Hausrat lagert.

Spätestens jetzt solltest Du eine eventuelle Unterversicherung im Vertrag beseitigen, damit Du im Ernstfall wirklich alle Schäden in voller Höhe ersetzt bekommst. Auf der sicheren Seite bist Du, wenn Du die Versicherungssumme über einen Pauschalbetrag je Quadratmeter Wohnfläche festlegst. Runde den Betrag am besten noch großzügig auf.

Ist für die Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung eine Selbstbeteiligung vorgesehen, lass Dir mehrere Angebote mit unterschiedlich hoher Selbstbeteiligung machen und entscheide anhand des Beitrags, welches Dir am besten passt.

Mehr dazu im Ratgeber Hausratversicherung

  • Diese Versicherung solltest Du haben, wenn Du Deine Einrichtung nach Brand oder Einbruch nicht auf eigene Kosten ersetzen kannst.
  • Von uns empfohlenes Portal: Mr-Money

Zum Ratgeber

Wenn Du Deine Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung um Naturgefahren ergänzt

Nimmst Du den Baustein Elementarschäden in Deine Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung auf, solltest Du bei der Gelegenheit gleich prüfen, ob die Versicherungssumme des Vertrags noch passt. Vielleicht hast Du Dein Haus umgebaut und dadurch den Wert der Immobilie verändert. Wenn Du den Wert Deines Hauses zu niedrig angegeben hast, kann es passieren, dass die Versicherung nach einem Schaden ihre Zahlungen kürzt.

Wir empfehlen, die Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung über ein Vergleichsportal abzuschließen. Im Frühjahr 2021 haben wir auf mehreren Portalen die Einstellmöglichkeiten und die Preise untersucht. Ergebnis unserer Analyse ist, dass Mr. Money am hilfreichsten ist.

Egal, welchen Weg Du wählst und ob Du den Baustein Elementarschutz wünschst oder nicht: Wichtig ist, dass Deine Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung auch Schäden in Folge grober Fahrlässigkeit abdeckt. Denn wenn Du einen Schaden vorsätzlich oder grob fahrlässig verursachst, zahlt eine Standardversicherung sonst in aller Regel nicht. Wichtige weitere Merkmale, auf die Du bei Vertragsabschluss achten solltest, findest Du in unserem Ratgeber zur Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung.

Bei der Erweiterung der Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung um die Ele­men­tar­scha­den­ver­si­che­rung ist in der Regel eine Selbstbeteiligung vorgesehen, die Du bei einem Schaden selbst zahlen musst. Probier bei den Angeboten ein paar Varianten durch und entscheide anhand von Prämie und Selbstbeteiligung, was Dir am besten passt. Bedenke dabei auch, dass Du Schäden, die nicht zu teuer sind, selbst zahlen solltest, damit Dir die Versicherung nicht kündigt.

Mehr dazu im Ratgeber Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung

  • Preise und Leistungen in der Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung unterscheiden sich deutlich.
  • Empfohlenes Vergleichsportal: Mr-Money

Zum Ratgeber

Was tun, wenn ein Schaden entstanden ist?

Rette, was zu retten ist. Dazu bist Du auch gegenüber Deiner Versicherung verpflichtet. Bring Dich dabei jedoch nicht selbst in Gefahr. Melde den Schaden so schnell wie möglich der Versicherung. Frag, was Du machen kannst, um den Schaden zu beseitigen und wie Du den Schaden dokumentieren sollst.

Bei einer Überschwemmung räum den Keller aus und versuch, alles zu trocknen. Frag Deine Versicherung, welche Maßnahmen anstehen und wie Du dabei behilflich sein kannst. Im Baumarkt gibt es zum Beispiel Nasssauger oder Entfeuchter. Erkundige Dich auch danach, wann Du mit den ersten Zahlungen vom Versicherer rechnen kannst und was Du dafür machen musst.

Wie bei jeder Versicherung musst Du als Versicherungsnehmer den Schadensfall beweisen. Das ist im Falle von Unwetter meist problemlos möglich; die Wetteraufzeichnungen werden als Beweis anerkannt. Auf Dich können nur die Kosten der Anfrage beim Wetterdienst zukommen, falls die Anfrage nötig ist.

Als Schadenversicherung zahlen sowohl Wohngebäude- als auch Hausratversicherung nur den konkret entstandenen Schaden, besser gesagt, die Kosten zur Wiederherstellung oder Wiederbeschaffung. Grundlage dafür ist der Versicherungswert, den Du im Vertrag gewählt hast. Hast Du nur den Zeitwert versichert, erhältst Du die Kosten, um den Zustand unmittelbar vor Schadenseintritt wiederherzustellen.

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.