Dienstfahrrad versteuern

So funktioniert es mit dem E-Bike vom Chef

Udo Reuß
& Co-Autor
Stand: 30. April 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Dienstfahrräder werden steuerlich weitgehend wie Dienstautos behandelt.
  • Der Arbeitgeber besorgt das (Elektro-)Rad und überlässt es seinem Arbeitnehmer, der es auch privat nutzen darf. Dies sollte in einem Überlassungsvertrag oder einem Zusatz zum Arbeitsvertrag geregelt werden.
  • Die Anschaffung sowie die laufenden Kosten kann der Arbeitgeber als Betriebsausgaben absetzen.
  • Der Arbeitgeber kann Aufwand sparen, wenn er die Dienstfahrräder least. 
  • Eine Kaufoption für den Arbeitnehmer sollte der Leasingvertrag nicht enthalten, weil es sonst sein kann, dass das Finanzamt den Mitarbeiter als wirtschaftlichen Leasingnehmer betrachtet. Dann droht eine Nachzahlung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.
So gehen Sie vor
  • Als Arbeitnehmer müssen Sie grundsätzlich monatlich 1 Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerten Vorteil versteuern, wenn Sie das Dienstfahrrad auch privat nutzen. 
  • Bekommen Sie das Rad erstmals im Zeitraum 2019 bis 2021, dann wird nur der halbe Listenpreis angesetzt, wodurch Sie Steuern und Sozialversicherungsbeiträge sparen. Stellt Ihr Arbeitgeber das Dienstrad zusätzlich zum vereinbarten Gehalt zur Verfügung und Sie müssen sich finanziell nicht daran beteiligen, bleibt es sogar steuer- und abgabenfrei.
  • Wird ein E-Bike, das schneller als 25 Stundenkilometer fahren kann, zwischen 2019 und Ende 2021 angeschafft oder geleast, gilt wie bei einem Elektro-Dienstwagen nur der halbe Bruttolistenpreis. Folge: Sie zahlen weniger Lohnsteuer und Sozialversicherung.
  • Für das Pendeln per Rad zur Arbeit dürfen Sie für jeden Arbeitstag 30 Cent pro Entfernungskilometer als Pendlerpauschale in Ihrer Steuererklärung geltend machen.
  • Selbst wenn Sie teilweise oder komplett die Leasingrate für ein hochwertiges Dienstrad per Gehaltsumwandlung zahlen, kann sich dies rechnen. Denn damit senken Sie Ihr steuer- und sozialversicherungspflichtiges Bruttogehalt.

Locker am Stau vorbei und dabei auch noch etwas für die Gesundheit tun – Pendler, die zur Arbeit radeln, sind im Stadtverkehr meist im Vorteil. Andererseits kann ein gutes Fahrrad auch ganz schön ins Geld gehen. Wer von einem E-Bike träumt oder einem Carbon-Rennrad, der muss dafür oft mehrere Tausend Euro einplanen. Doch es gibt eine Möglichkeit, das Traumfahrrad günstiger zu bekommen – wenn der Arbeitgeber mitspielt.

Gelten die Dienstwagenregeln auch für Fahrräder?

Insbesondere in Großstädten kann ein Dienstfahrrad im Alltag eine gute Alternative zum Firmenwagen sein. Und steuerlich gibt es zusätzliche Vorteile.

Private Nutzung grundsätzlich pauschal versteuern 

Seit 2012 ist das Dienstfahrrad dem Dienstauto steuerlich gleichgestellt („Dienstwagenprivileg“). Als Arbeitnehmer dürfen Sie also mit dem Elektrorad zur Arbeit fahren und nach Feierabend an den Badesee. Für die private Nutzung müssen Sie wie beim Dienstauto 1 Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern. Als Listenpreis gilt die auf volle 100 Euro abgerundete unverbindliche Bruttopreis-Empfehlung des Händlers oder Herstellers zum Zeitpunkt, wenn das Rad zum ersten Mal genutzt wird.

Steuerlich gibt es gegenüber dem Firmenauto sogar einen Vorteil: Anders als beim Dienstwagen müssen Sie bei der Gehaltsabrechnung den Anfahrtsweg zur Arbeit nicht versteuern.

Entfernungspauschale absetzen

Für das tägliche Pendeln von der Wohnung zur Arbeit mit dem Dienstfahrrad dürfen Sie für jeden Entfernungskilometer 30 Cent als Werbungskosten in der Steuererklärung ansetzen. Bei einer Distanz von fünf Kilometern und 220 Arbeitstagen kommen im Jahr 330 Euro als Entfernungspauschale zusammen. Diese gilt auch, wenn Sie mit Ihrem privaten Rad zur Arbeit fahren.

Stellt der Arbeitgeber Ihnen beispielsweise ein Pedelec (Elektro-Rad bis 25 Stundenkilometer) mit einem Neupreis von 2.500 Euro zur Verfügung, bekommen Sie monatlich 25 Euro (1 Prozent von 2.500 Euro) als geldwerten Vorteil auf Ihr Gehalt aufgeschlagen. Sie müssen diesen Betrag versteuern und dafür auch Sozialversicherung bezahlen. Im Gegenzug dürfen Sie und in aller Regel ebenso Ihre Familienmitglieder das Rad auch privat nutzen.

Theoretisch könnten Sie anstelle der pauschalen 1-Prozent-Regelung ein Fahrtenbuch führen, in dem Sie dann alle Fahrten mit dem Dienstrad aufzeichnen müssten. Dies scheint jedoch nicht praktikabel zu sein. Der große Aufwand würde sich zudem nur dann rechnen, wenn Sie das Dienstrad nur in geringem Umfang privat nutzen würden. Dabei zählen die Fahrten von der Wohnung zum Arbeitsplatz als privat.

Es ist möglich, dass Sie zwei Diensträder oder gleichzeitig ein Dienstrad und einen Firmenwagen nutzen. Außerdem: Lohnsteuerfrei ist das Aufladen Ihres E-Bikes im Betrieb.

Steuerfrei nutzbar von 2019 bis 2021 

Zum Jahresbeginn 2019 hat der Gesetzgeber Steuervergünstigungen für betrieblich genutzte (Elektro-)Fahrräder eingeführt. Erhalten Sie von Ihrem Arbeitgeber zusätzlich zum ohnehin vereinbarten Gehalt ein Dienstrad, das Sie auch privat nutzen dürfen, bleibt der geldwerte Vorteil steuer- und beitragsfrei – und zwar im Zeitraum vom 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2021

Von der Regelung können neben Arbeitnehmer auch Selbstständige mit Betriebsrad profitieren. Sie müssen für die private Nutzung keine Privatentnahme versteuern. Dies spart Einkommen- und Umsatzsteuer.

Trotz Steuerfreiheit können Sie die Entfernungspauschale ungekürzt in der Steuererklärung angeben.

Halber Listenpreis bei Gehaltsumwandlung 

In der Praxis ist folgender Fall der häufigste: Der Arbeitgeber least Diensträder. Die Mitarbeiter, die ein Rad möchten und auch privat nutzen wollen, müssen sich finanziell daran beteiligen. Dies erfolgt per Gehaltsumwandlung.

Stellt der Arbeitgeber das Rad erstmals im Zeitraum vom 1. Januar 2019 bis Ende 2021 zur Verfügung, greift auch bei einer Entgeltumwandlung eine Steuervergünstigung. Denn dann müssen Sie als Arbeitnehmer nur den halben Bruttolistenpreis als geldwerten Vorteil versteuern. Die Bemessungsgrundlage für die Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge wird halbiert; dementsprechend niedriger fallen Ihre Abgaben aus. Dies gestattet ein Erlass der obersten Finanzbehörden der Länder vom 13. März 2019.

Beispiele bei Gehaltsumwandlung:

  1. Ein Dienstrad hat einen Bruttolistenpreis von 3.000 Euro. Der Arbeitgeber hat Ihnen das Rad bis Ende 2018 erstmals zur Verfügung gestellt. Als geldwerten Vorteil für die private Nutzung müssen Sie monatlich 30 Euro versteuern.
  2. Haben Sie das Rad erst ab Januar 2019 bekommen, dann brauchen Sie nur auf 15 Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge zahlen.
  3. Übernehmen Sie das Firmenrad eines ehemaligen Kollegen, der dieses bereits 2018 oder früher privat genutzt hat, bleibt es bei der höheren Bewertung. Dann müssen Sie weiterhin 30 Euro versteuern.

Das Dienstrad kaufen oder leasen?

Mittlerweile sollen bundesweit rund 200.000 Dienstfahrräder über die Straßen rollen – Tendenz stark steigend. Dies schreibt Roland Wehl, Geschäftsführer eines Fuhrparkmanagement-Unternehmens in der Fachzeitschrift „NWB“ (Ausgabe 37/2016). Insbesondere in den Großstädten, wo Parkplätze rar sind, ist ein Rad häufig die bessere Alternative zum Auto. Neben dem Umweltschutzgedanken kommt noch ein gesundheitliches Argument hinzu: Einer niederländischen Studie zufolge fallen Radfahrer seltener krankheitsbedingt aus. Und nicht zuletzt kann für manchen ein hochwertiges Dienstrad so motivierend sein wie ein klassischer Dienstwagen.

Wünschen Sie sich eine Gehaltserhöhung und will Ihr Chef nicht einfach etwas drauflegen, so kann das Dienstfahrrad ein interessantes Modell für einen Kompromiss sein. Schließlich kommen Sie günstig an ein hochwertiges Rad, und der Arbeitgeber kann die Kosten als Betriebsausgaben absetzen. Kauft er es und stellt es Ihnen zur Verfügung, kann er den Preis über sieben Jahre abschreiben.

Eine immer häufiger genutzte Alternative ist das Leasing. Spezialisierte Leasinganbieter sind beispielsweise Eurorad, Jobrad, Businessbike, Lease-A-Bike, Mein-Dienstrad und Company Bike Solutions. Bei einem Vertragshändler des Leasinggebers wählt der Mitarbeiter ein Rad aus. Möglicherweise hat der Arbeitgeber zuvor die Auswahl auf bestimmte Modelle beschränkt.

Die Leasingverträge laufen drei Jahre und beinhalten in der Regel einen Versicherungsschutz bei Unfall und Diebstahl – manche mit, andere ohne Selbstbeteiligung. In einigen Tarifen ist ein Pannenhilfe-Service enthalten. Die monatliche Leasingrate ist abhängig vom ausgewählten Modell und Versicherungstarif. Diese bezahlt der Arbeitgeber, der die Kosten als Betriebsausgaben absetzt.

Leasingnehmer wird der Arbeitgeber. Er sollte in einem Überlassungsvertrag oder einem Zusatz zum Arbeitsvertrag die Vereinbarung mit Ihnen schriftlich festlegen.

Sie können mit Ihrem Arbeitgeber arbeitsvertraglich eine echte Barlohnumwandlung vereinbaren. Das heißt, statt einen Teil des Gehalts ausbezahlt zu bekommen, erhalten Sie künftig als Sachlohn ein Dienstrad, das Sie auch privat nutzen dürfen. Dafür behält der Arbeitgeber vom monatlichen Bruttolohn die Leasingrate und die Versicherungsprämie ein.

Hinzu kommt grundsätzlich 1 Prozent des Listenpreises als geldwerter Vorteil für die Privatnutzung. Überlässt der Arbeitgeber Ihnen das Betriebsrad erstmals im Zeitraum 2019 bis Ende 2021, halbiert sich die Bemessungsgrundlage. Das führt dann faktisch zu einer 0,5-prozentigen Besteuerung.

Insgesamt sinkt durch die Gehaltsumwandlung die Berechnungsgrundlage für Lohnsteuer und Sozialversicherung, sodass Sie etwas weniger Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge bezahlen. Auch der Arbeitgeber zahlt etwas weniger für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Er kann sich an der Leasingrate beteiligen, sodass sie zumindest teilweise auch von ihm finanziert wird.

Folgendes Beispiel verdeutlicht das Prinzip: Der Arbeitgeber stellt seinem Mitarbeiter (Bruttomonatsgehalt 3.500 Euro, Steuerklasse I, keine Kirchensteuerpflicht) ein geleastes Fahrrad mit dem Bruttolistenpreis von 2.500 Euro zur Verfügung. Das vollkaskoversicherte Rad darf der Arbeitnehmer uneingeschränkt nutzen. Die monatliche Gesamt-Leasingrate inklusive Versicherung beträgt 79,37 Euro netto, die der Arbeitnehmer per Barlohnumwandlung (Verzicht auf Gehaltserhöhung) finanziert. Der Arbeitgeber schießt monatlich 25 Euro zu.

In der folgenden Vergleichsrechnung stehen in der ersten Spalte die Steuern und Abgaben für den Fall, dass der Arbeitnehmer kein Rad bekommt. In der zweiten Spalte hat er das Rad bis Ende 2018 bekommen und versteuert den geldwerten Vorteil mit einem Prozent, also 25 Euro. In der dritten Spalte erhält er es im Jahr 2019 und muss nur den halben geldwerten Vorteil versteuern, also 12,50 Euro.

Vergleichsrechnung bei Gehaltsumwandlung

 ohne Radmit Radmit Rad ab 2019
Bruttogehalt3.500 €3.500 €

3.500 €

abzüglich Leasingrate (Barlohnumwandlung)- 0 €- 79,37 €

- 79,37 €

Arbeitgeberzuschuss bei Leasing per Barlohnumwandlung+ 0 €+ 25 €

+ 25 €

Bruttogehalt nach Barlohnumwandlung3.500 €3.445,63 €

3.445,63 €

zuzüglich geldwerter Vorteil+ 0 €+ 25 €
(1 %)

+ 12 €

(0,5 %)

Besteuerungsgrundlage3.500 €3.470 €3.457 €
abzüglich Lohnsteuer- 548,33 €- 540,16 €

- 536,66 €

abzüglich Solidaritätszuschlag- 30,15 €- 29,70 €

- 29,51 €

abzüglich Rentenversicherung- 325,50 €- 322,71 €

- 321,50 €

abzüglich Krankenversicherung- 271,25 €- 268,93 €

- 267,92 €

abzüglich Pflegeversicherung- 62,13 €- 61,59 €

- 61,36 €

abzüglich Arbeitslosenversicherung- 43,75 €- 43,38 €

- 43,21 €

Nettobetrag2.218,90 €2.203,54 €

2.196,84 €

abzüglich versteuerter geldwerter Vorteil- 0 €- 25 €- 12 €
Auszahlungsbetrag2.218,90 €2.178,54 €

2.184,84 €

Nettobelastung 40,36 €

34,06 €

Quelle: Finanztip-Berechnung mit dem Leasingrechner auf www.eurorad.de (Stand: 19. März 2019)

Effektiv zahlt der Arbeitnehmer in diesem Beispiel monatlich gut 40 Euro für das Rad. Bei einer Erstüberlassung ab 2019 sinkt die Belastung auf 34 Euro. Aufs Jahr gerechnet spart er wegen der Halbierung des geldwerten Vorteils fast 76 Euro.

Der Arbeitgeber sollte sich beim Dienstfahrradmodell finanziell beteiligen. Würden Sie als Arbeitnehmer allein alle Kosten tragen, dann wären Sie wirtschaftlich der Leasingnehmer. Der Fiskus beurteilt dies so, als wäre der Vertrag mit Ihnen geschlossen worden. Der Arbeitgeber muss also für einen steuerlich wirksamen Vertrag zumindest einen Teil der Kosten wirtschaftlich tragen, zum Beispiel Versicherung und Reparaturen oder einen pauschalen monatlichen Zuschuss.

Die Gehaltsumwandlung hat einen kleinen Haken: Durch das etwas niedrigere Nettogehalt sinkt die Bemessungsgrundlage für Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosen- oder Elterngeld. Zudem zahlen Sie etwas weniger in die Rentenversicherung ein, was Ihren Rentenanspruch geringfügig schmälert.

Das Rad nach Ablauf des Leasingvertrags kaufen?

Im Leasingvertrag sollte nicht stehen, dass Sie am Ende der Leasingdauer eine Kaufoption aufs Rad haben. Insbesondere wenn Sie zudem die Leasingrate über eine Gehaltsumwandlung selbst finanzieren, kann es passieren, dass ein Betriebsprüfer Sie dann als wirtschaftlichen Leasingnehmer einordnet. Die Konsequenz wäre: kein Dienstrad, und der Arbeitgeber müsste Lohnsteuer und Sozialversicherung nachzahlen. Deshalb ist die Kaufoption eine Steuerfalle.

Häufig werben Anbieter mit dem Angebot, dass der Arbeitnehmer zum Ende des Leasingvertrags sein bisheriges Dienstrad sehr günstig privat übernehmen kann – oft muss er nur 10 Prozent des ursprünglichen Neupreises bezahlen. Über die gesamte Laufzeit betrachtet könnten Sie so deutlich billiger ans Wunschrad kommen, als wenn Sie es gleich privat gekauft hätten.

Doch diese Rechnung stimmt so nicht. Das Rad ist nämlich nach den drei Jahren meist deutlich mehr wert als nur 10 Prozent seines Kaufpreises. Und der daraus resultierende Preisvorteil gilt als Arbeitslohn von dritter Seite. Diesen müssen Sie als geldwerten Vorteil versteuern.

Bewertungsunterschied versteuern 

Um den geldwerten Vorteil eines günstig übernommenen Dienstrads zu bestimmen, soll grundsätzlich dessen Zeitwert ermittelt werden. Das Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 17. November 2017 gestattet alternativ eine pauschale Lösung: Am Ende eines Leasingvertrags ist das Rad – nach Meinung der Finanzverwaltung – noch 40 Prozent des Neupreises wert. Sie könnten es beispielsweise für ein Zehntel dieses Wertes kaufen. Diese Zahlung ist abzuziehen, sodass daraus ein Bewertungsunterschied von 30 Prozent resultiert. Und dieser ist als geldwerter Vorteil zu versteuern, was manche Leasinganbieter aber verschweigen. Der Leasinggeber darf nach dem BMF-Schreiben den geldwerten Vorteil als Lohn von dritter Seite pauschal mit 30 Prozent versteuern (§ 37b EStG). 

Tipp: Wenn Sie als Arbeitnehmer der Meinung sind, dass Ihr übernommenes Dienstrad einen geringeren Restwert als 40 Prozent des Neupreises hat, können Sie dies mit einem Gutachten nachweisen.

Die Steuerberatungsgesellschaft felix1.de hat auf ihrer Homepage einen Praxisratgeber Dienstfahrrad veröffentlicht. Dort berechnet sie ein Beispiel, bei dem es ohne Versteuerung des Preisvorteils eine Ersparnis für den Arbeitnehmer von 19 Prozent gäbe. Nach der Versteuerung schrumpft diese jedoch auf 3,3 Prozent.

Einige Leasinggesellschaften, wie Jobrad, Eurorad und Businessbike haben auf diese aktuelle steuerliche Situation reagiert, indem sie das Verfahren und die Konditionen bei der Übernahme geändert haben. Bei Eurorad soll ein Arbeitnehmer, der das Rad kaufen möchte, spätestens einen Monat vor Ablauf der Leasinglaufzeit den Fachhändler darüber informieren. Dann kann er es für 15 Prozent (bislang 10 Prozent) des ursprünglichen Verkaufspreises kaufen; bei Jobrad steigt der Preis von 10 auf 17 Prozent. Der geldwerte Vorteil beträgt dann noch 25 Prozent (Eurorad) beziehungsweise 23 Prozent (Jobrad) des Neupreises.

Die pauschale Steuer übernimmt jedoch die Leasinggesellschaft. So kann es für den Arbeitnehmer weiterhin interessant sein, das Rad abzukaufen. In der oben genannten Beispielrechnung von felix1.de könnte der Mitarbeiter das Rad vom Anbieter Jobrad unterm Strich 12 Prozent günstiger erwerben, als wenn er es ohne Leasingvertrag privat kaufen würde. Zudem müsste er bei einem Direktkauf die Kaufsumme auf einen Schlag bezahlen.

Neuer Vertrag als Alternative

Übernehmen müssen Sie das Dienstfahrrad nach Ablauf des Leasingvertrags nicht. Alternativ können Sie das Rad nach drei Jahren abgeben und sich ein neues über Ihren Arbeitgeber besorgen lassen. Dafür kann dann ein neuer Leasingvertrag abgeschlossen werden.

Leasingverträge umfassen manchmal auch die Kosten für Wartung und Reparaturen. Fehlt eine solche Klausel oder wurde das Fahrrad gekauft, muss in der Regel der Arbeitnehmer das Rad in Schuss halten. Natürlich lässt sich mit dem Arbeitgeber auch etwas anderes vereinbaren.

Der Überlassungsvertrag setzt in der Regel voraus, dass der Radler in der Firma arbeitet. Wenn er kündigt, muss er üblicherweise das Rad abgeben. Der Arbeitgeber muss in der Regel einen anderen Mitarbeiter finden, der das Dienstrad übernimmt.

Welche Fahrräder taugen als Dienstrad?

Alle Fahrräder – auch Mountainbikes und Rennräder – eignen sich als Dienstfahrrad. Außerdem als Dienstrad möglich sind Pedelecs, umgangssprachlich oft E-Bikes genannt. Das sind Zweiräder mit Elektromotoren, die die Radler mit einer Geschwindigkeit bis 25 Kilometer pro Stunde unterstützen. Hört der Fahrer auf, in die Pedale zu treten, schaltet sich auch der Motor ab. Erlaubt ist auch eine Anfahrhilfe bis 6 Stundenkilometer.

Schnelle Pedelecs (S-Pedelecs) bis 45 Stundenkilometer gelten hingegen als Kraftfahrzeuge und werden daher genauso wie ein Dienstwagen behandelt. Bei einem solchen Dienstkraftrad müssen Sie dann zusätzlich auch die Fahrten zwischen Wohnort und erster Tätigkeitsstätte als geldwerten Vorteil mit 0,03 Prozent des Kaufpreises je Kilometer versteuern.

Alternativ kann Ihr Arbeitgeber die Pendelkosten pauschal mit 15 Prozent versteuern. Sozialabgaben fallen darauf nicht an. Als Arbeitnehmer dürfen Sie dann aber in Ihrer Steuererklärung keine Entfernungspauschale ansetzen.

Außerdem benötigen Sie für ein S-Pedelec Versicherung, Versicherungskennzeichen und Führerschein. Darüber hinaus besteht Helmpflicht.

Bei Anschaffung bis 2021 nur halbe Steuer für schnelle E-Bikes 

Überlässt der Arbeitgeber Ihnen ein S-Pedelec erstmals im Förderzeitraum zwischen 2019 und Ende 2021, können Sie eine Steuervergünstigung für Elektro-Dienstwagen nutzen. Diese sieht vor, dass für die Bewertung des geldwerten Vorteils nur die Hälfte des Bruttolistenpreises angesetzt wird. Auch der Zuschlag für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz wird halbiert. Dementsprechend weniger Lohnsteuer und Sozialversicherung fällt an.

Entscheidend ist die Anschaffung bis Ende 2021 und dass ein bestimmter Arbeitnehmer oder ein Selbstständiger erstmals das Fahrzeug nutzen darf. Die günstige Bewertung kann über den Förderzeitraum hinausgehen. Sie endet erst, wenn es zu einem Halterwechsel kommt oder das Fahrzeug aus dem Betriebsvermögen des Arbeitgebers ausscheidet.

Weitere Tipps im Ratgeber Fahrradversicherung

Zum Ratgeber

Autor
Udo Reuß
& Co-Autor
Daniel Pöhler

Stand: 30. April 2019


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