Rentenbesteuerung

Als Rentner steuerfrei im Alter leben – von wegen

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 4,4 Millionen der 21 Millionen Rentner in Deutschland sind bereits heute einkommensteuerpflichtig. Allein die Rentenerhöhung im Juli 2018 führt vermutlich dazu, dass rund weitere 54.000 steuerpflichtig werden.
  • Die Zahl der steuerpflichtigen Rentner steigt kontinuierlich. Das liegt daran, dass für jeden neuen Rentnerjahrgang ein immer höherer Anteil der gesetzlichen Rente zu versteuern ist. Der so ermittelte Freibetrag ist fix; jede Rentenerhöhung muss der Rentner daher voll versteuern.
  • Die Renten werden unterschieden nach Basisversorgung, steuerlich geförderten Altersvorsorgeverträgen und sonstiger privater Altersvorsorge. Für jede Kategorie gibt es eine andere Besteuerungssystematik.
  • Das Finanzamt erhält von den auszahlenden Stellen Rentenbezugsmitteilungen und erfährt daher, welche Renten diese überwiesen haben.

So gehen Sie vor

  • Wenn Sie nur die Rente als Einkunft beziehen, müssen Sie grundsätzlich eine Steuererklärung abgeben, falls der steuerpflichtige Anteil höher ist als der Grundfreibetrag. Dieser beträgt 9.000 Euro im Jahr 2018; hinzu kommen 102 Euro Werbungskostenpauschale.
  • Die verschiedenen Rentenbezüge gehören in die Anlage R, Pensionen hingegen als Versorgungsbezüge in die Anlage N der Einkommensteuererklärung.
  • Das zu versteuernde Einkommen lässt sich reduzieren um Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Handwerkerleistungen, haushaltsnahe Dienstleistungen, den Altersentlastungsbetrag, einen Hinterbliebenen-Pauschbetrag oder einen Pauschbetrag für Behinderte.
  • Eine Tabelle in diesem Ratgeber gibt Ihnen Orientierung, ab welcher Bruttorente Sie mit einer Steuerbelastung rechnen müssen.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zu wichtigen Steuerfragen immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Es könnte so schön sein: Ein Leben lang hat man gearbeitet und in die Rentenkasse sowie die private Altersvorsorge eingezahlt – und im Alter genießt man einfach das Geld, das nun in umgekehrte Richtung fließt. Doch weit gefehlt: Auch Renten sind steuerpflichtig, und zwar als sonstige Einkünfte. Das ist vielen Ruheständlern nicht bewusst.

Allerdings unterliegt bei den Altersrenten nur ein bestimmter Teil der Steuerpflicht. Wie hoch dieser ist, hängt davon ab, wann jemand erstmals eine Rente bezogen hat. Von den circa 21 Millionen Rentnern in Deutschland müssen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums derzeit etwa 4,4 Millionen tatsächlich Steuern zahlen. Diese Zahl steigt mit jeder Rentenerhöhung und jedem neuen Rentnerjahrgang.

Am 1. Juli 2018 stieg die Rente in Westdeutschland um 3,22 Prozent, im Osten sogar um 3,37 Prozent. Das führt dazu, dass vermutlich deshalb rund 54.000 Rentner neu in die Steuerpflicht rutschen, schätzt das Bundesfinanzministerium. 

Nachgelagerte Besteuerung und Übergangsphase

2005 hat der Gesetzgeber für Renten die nachgelagerte Besteuerung eingeführt. Bis 2040 gibt es eine Übergangsphase, in der nur ein Teil der Rente zu versteuern ist. Im Gegenzug ist ein immer höherer Anteil der geleisteten Rentenversicherungsbeiträge als Vorsorgeaufwand steuerlich abzugsfähig. Dieser Prozentsatz des Besteuerungsanteils steigt jedes Jahr für Neurentner. 

Wer schon Rentner ist, für den bleibt der steuerfreie Teil in Euro konstant. Mit jeder Rentenerhöhung nimmt aber die Höhe der steuerpflichtigen Rente zu. Auch deshalb wächst die Zahl der steuerpflichtigen Rentner.

Wann ist die gesetzliche Rente zu versteuern?

Die Wahrscheinlichkeit, dass Rentner steuerpflichtige Einkünfte beziehen, steigt kontinuierlich. Die Standardrente für das Jahr 2015 lag in Westdeutschland bei 15.611 Euro, in Ostdeutschland bei 14.429 Euro. Ein lediger Rentner, der 2017 erstmals Rente bezieht, keine weiteren Einkünfte hat und in die gesetzliche Krankenversicherung einen eigenen Beitrag von 8,4 Prozent gezahlt hat, muss bei einer Brutto-Jahresrente von mehr als 14.208 Euro davon ausgehen, dass er darauf Steuern zu zahlen hat. Diese Zahlen hat der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine ermittelt.

In der folgenden Tabelle können Sie anhand des Rentenbeginns und der Rentenhöhe ablesen, ob Sie Ihre Rente versteuern müssen, falls Sie ausschließlich gesetzliche Rentenbezüge haben. Die Zahlen stellen die Bruttorente dar, das heißt, die Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung inklusive 8,4 Prozent Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung und 2,55 Prozent Pflegeversicherung. Sie gelten für einen ledigen Steuerpflichtigen. Als Monatsrente sind die seit Juli 2017 erhöhten Rentenzahlungen zu verstehen. Für Ehepaare, die sich zusammen veranlagen lassen, gelten die doppelten Beträge.

Überschreiten Sie diese in der Tabelle dargestellten Beträge im Jahr 2017, müssen Sie befürchten, Steuern nachzahlen zu müssen. Liegen Sie hingegen deutlich darüber, sollten Sie zügig prüfen, ob Sie für die Vorjahre Steuererklärungen nachreichen müssen. Erledigen Sie das möglichst schnell. Schließlich verlangen Finanzämter 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist, für jeden Verspätungsmonat 0,5 Prozent Zinsen – also 6 Prozent im Jahr.

Steuerfreie Bruttorente 2017

Renten-Rente in Westdeutschland (Euro)Rente in Ostdeutschland (Euro)
beginnJahresrenteMonatsrenteJahresrenteMonatsrente
Bis 200519.2441.61918.0311.529
200618.6091.56517.5101.485
200718.0891.52217.0801.448
200817.7121.49016.8211.427
200917.2641.45216.4931.399
201016.7501.40916.0531.361
201116.3701.37715.7301.334
201215.9581.34215.5001.314
201315.5341.30715.2671.295
201415.1951.27814.9941.272
201514.9451.25714.8291.258
201614.6731.23414.6731.244
201714.2081.19514.2081.205

Quelle: Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine e.V. (Stand: 25. Juli 2017)

Die Steuerpflicht greift demnach bei vielen Neurentnern, die etwas unterhalb der Standardrente liegen. Doch viele Ruheständler können diverse Beträge steuerlich absetzen. Daher lohnt es sich, jeden Einzelfall für sich zu prüfen – und so mancher Rentner muss nach Abgabe einer Steuererklärung doch keine Steuern zahlen.

Tipp: Mit dem Alterseinkünfte-Rechner des Bayerischen Landesamts für Steuern können Rentner kostenlos kalkulieren, wie hoch eine mögliche Einkommensteuer ausfällt.

Des Weiteren sollten Sie bei der gesetzlichen Rentenversicherung die kostenlose Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt bestellen (Telefon: 0800 / 100 04 80 70). Diese enthält die Renten-Beiträge, die Sie in der Steuererklärung eintragen müssen.

Wann müssen Rentner eine Steuererklärung abgeben?

Die meisten Rentner müssen keine Steuern zahlen. Zum einen, weil sie gar nicht so viel ausbezahlt bekommen. Zum anderen, weil ein Teil der Rente steuerfrei ist. 

Für den steuerpflichtigen Teil der Rente gilt aber Folgendes: Bei Überschreiten einiger Grenzen sind auch Bezieher von Ruhegeld verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Für 2017 liegt der Grundfreibetrag bei 8.820 Euro, 2018 bei 9.000 Euro. Die Werbungskostenpauschale für Rentner in Höhe von 102 Euro kann addiert werden. Das heißt: 2017 bleiben steuerpflichtige Renteneinkünfte von bis zu 8.922 Euro im Jahr auf jeden Fall steuerfrei. Für das Jahr 2018 sind es 9.102 Euro. Bei Zusammenveranlagten verdoppelt sich dieser Betrag.

Wenn Sie höhere Werbungskosten haben, können Sie Aufwendungen geltend machen, falls Sie diese belegen können. Haben Sie als Rentner-Ehepaar im Jahr 2018 gemeinsam einen Gesamtbetrag der Einkünfte von mehr als 18.204 Euro, dann müssen Sie grundsätzlich bis zum 31. Juli 2019 eine Steuererklärung für das Jahr 2018 abgeben.

Kommen Nebeneinkünfte – etwa Vermietungs- oder Kapitaleinnahmen – hinzu, zählen diese natürlich dazu. Auch wenn einer der zusammenveranlagten Partner Lohn bezieht oder andere Einkünfte hat, können Sie zur Abgabe verpflichtet sein. Im Ratgeber Pflicht zur Einkommensteuererklärung haben wir die allgemeinen Grundsätze zusammengefasst.

Finanzamt erfährt von Rentenzahlungen automatisch

Die Träger der Rentenversicherungen und auch die privaten Versicherer teilen der Finanzverwaltung in sogenannten Rentenbezugsmitteilungen mit, welche Renten sie im Jahr überwiesen haben (§ 22a Einkommensteuergesetz). Folglich fordern Finanzämter manche Rentner gezielt dazu auf, eine Steuererklärung abzugeben. Wer sich als Steuerpflichtiger bei Elster online für die vorausgefüllte Steuererklärung registrieren lässt, der erhält automatisch auch die gemeldeten Rentenzahlungen als Daten übermittelt.

Vor diesem Hintergrund konnten die Finanzämter in Mecklenburg-Vorpommern im Mai 2017 ein Pilotprojekt starten: die Amtsveranlagung von Rentnern. Damit ist gemeint, dass Rentenbezieher nur einen einseitigen Vordruck unterschreiben brauchen. Sie müssen keine Steuererklärung erstellen, wenn sie bis auf ihre Renteneinkünfte allenfalls einen Minijob mit maximal 450 Euro monatlichen Einnahmen hatten und Kapitaleinkünfte bereits über die Abgeltungssteuer versteuert haben oder unterhalb des Sparerpauschbetrags von 801 Euro je Person blieben. Das Finanzamt erstellt dann auf unbürokratische Art und Weise einen Steuerbescheid. Elektronisch gemeldete Daten wie die bezahlten Beiträge an die Kranken- und Pflegeversicherung berücksichtigt es als Sonderausgaben. Stellt es fest, dass ein Rentner Steuern zahlen muss, dann muss er diese dementsprechend entrichten.

Eigene Steuererklärung statt Amtsveranlagung oft besser

Das Finanzamt kann nur elektronisch gemeldete Daten für die Amtsveranlagung nutzen. Spendete beispielsweise der Rentner an eine gemeinnützige Organisation und wurde diese Spende nicht elektronisch gemeldet, dann kann das Finanzamt davon nichts wissen. Folglich wird sie auch nicht als Sonderausgabe berücksichtigt. Fielen Handwerkerkosten, haushaltsnahe Dienstleistungen und Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen an, dann sollte der Rentner selbst eine Steuererklärung anfertigen und diese Kosten darin angeben. Oft braucht er dann doch keine Einkommensteuer zahlen.

Rente von Unfallversicherung ist steuerfrei

Steuerfrei ist die Rente, die aufgrund eines Arbeitsunfalls von der gesetzlichen Unfallversicherung bezahlt wird. Das gilt auch für Leistungen aus der Kranken- und Pflegeversicherung, für Sachleistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung und Wiedergutmachungsrenten für Nazi- und DDR-Opfer.

Steuerpflichtige Rentner müssen die Anlage R ausfüllen

Ihre Rentenbezüge müssen Sie in der Einkommensteuererklärung in die Anlage R eintragen. Anders ist es bei Pensionen. Diese gelten als Versorgungsbezüge aus dem früheren Dienstverhältnis und gehören in die Anlage N. Für Pensionen gibt es einen Versorgungsfreibetrag samt Zuschlag zum selbigen, sodass ein Teil steuerfrei bleibt.

Damit Sie in Anlage R die verschiedenen Renten in die richtige Zeile eintragen können, müssen Sie die Systematik der Rentenarten kennen. Der Gesetzgeber teilt diese in drei Kategorien ein: Basisversorgung, steuerlich geförderte Altersvorsorgeverträge und sonstige private Altersvorsorge – mit jeweils anderen steuerlichen Konsequenzen. Geregelt ist dies im schwer verständlich formulierten Paragraf 22 Einkommensteuergesetz.

Basisversorgung

Bei den Leistungen aus der Basisversorgung handelt es sich um dauerhafte, wiederkehrende Zahlungen, meist im monatlichen Turnus – ob als Alters-, Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenrente. Als Basisversorgung gelten auch Teilrenten oder eine Rentenzahlung, die als einmalige Leistung ausgezahlt wird.

Im Einzelnen handelt es sich um Leibrenten und andere Leistungen aus

Für diese Renten greift die nachgelagerte Besteuerung, die schrittweise bis 2040 umgesetzt wird (siehe Tabelle unten). So gilt für Rentner, die erstmals 2017 eine Altersrente erhalten, dauerhaft ein Besteuerungsanteil von 74 Prozent. Das heißt, 26 Prozent der Renten sind steuerfrei. Dieser Anteil sinkt für jüngere Rentnerjahrgänge, sodass bei einem Rentenbeginn beispielsweise 2018 nur noch 24 Prozent steuerfrei sind. Der steuerfreie Teil der Rente wird im Folgejahr als konstanter Betrag in Euro ermittelt und dauerhaft als individueller Rentenfreibetrag festgeschrieben. Alles, was drüber liegt, muss der Rentner dann versteuern.

Anteil der Besteuerung nimmt zu

Jahr des Rentenbeginns Besteuerungsanteil (in %) Steuerfreier Anteil (in %)
2015 70 30
2016 72 28
2017 74 26
2018 76 24
2019 78 22
2040 100 0

Quelle: § 22 Einkommensteuergesetz 

Einzutragen sind diese Renten und anderen Leistungen im oberen Teil der ersten Seite der Anlage R. Die meisten Rentner erhalten auf ihr Konto nicht die vollständige Rente überwiesen. Die Rentenversicherungsträger ziehen vorher die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung ab. Als Rentner müssen Sie in der Steuererklärung die komplette Jahresrente (Bruttorente) angeben, nicht die Summe der monatlich ausgezahlten Beträge. 

Öffnungsklausel

Die Übergangsregelung bis 2040 soll dafür sorgen, dass geleistete Beiträge möglichst kein zweites Mal besteuert werden. Für spezielle Fälle hat der Gesetzgeber eine Öffnungsklausel geschaffen. Diese betrifft vor allem Bezieher von berufsständischen Versorgungseinrichtungen.

Haben Sie vor Ihrer Rente bis Ende 2004 mindestens zehn Jahre lang Beiträge oberhalb des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung eingezahlt, können Sie für die auf diesen Beiträgen beruhenden Renten eine günstigere Besteuerung mit dem Ertragsanteil wählen. Dazu müssen Sie in der Anlage R ab Zeile 11 entsprechende Angaben machen.

Steuerlich geförderte Altersvorsorge

Auf die zweite Seite der Anlage R gehören die Renten aus der zweiten Kategorie. Dazu zählen alle Leistungen, die auf steuerlich geförderten Beiträgen beruhen – wie die Riester-Rente und Leistungen aus einer betrieblichen Altersvorsorge (Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung).

In aller Regel basieren diese Leistungen auf Beiträgen, die entweder durch Zulagen, den Sonderausgabenabzug oder durch Steuerfreistellung privilegiert wurden. Dafür gilt grundsätzlich die volle Einkommensteuer, soweit diese Leistungen auf steuerfreien oder geförderten Beiträgen beruhen. Trifft dies nur teilweise zu, dann sind diese auch nur anteilig zu versteuern.

Sonstige Leibrenten

In die dritte Gruppe der sonstigen Leibrenten fallen Renten aus privaten Rentenversicherungsverträgen, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden (Altverträge). Außerdem zählen nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossene Verträge dazu, die eine Teilkapitalisierung beziehungsweise eine Einmalauszahlung oder einen Rentenbeginn vor Vollendung des 60. Lebensjahrs vorsehen. Wurde der Vertrag 2012 oder später abgeschlossen, gilt das 62. Lebensjahr.

Im Wesentlichen handelt es sich in dieser Kategorie um private Rentenversicherungen und Zusatzversorgungsrenten für ehemalige Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Solche sonstigen Leibrenten sind im unteren Teil von Seite 1 der Anlage R einzutragen.

Zu versteuern ist nur der Ertragsanteil einer solchen Rente. Dabei unterscheidet sich der Ertragsanteil bei Leibrenten und bei abgekürzten Leibrenten. Bei letzteren handelt es sich um befristete Renten beziehungsweise solche, die mit dem Todeszeitpunkt erlöschen. Beispiele sind

  • private selbstständige Erwerbsminderungsrenten, die nur bis zum 65. Lebensjahr gezahlt werden (Berufsunfähigkeitsrenten) und
  • Waisenrenten aus privaten Versicherungen, die die Voraussetzungen der Basisversorgung nicht erfüllen.

Die Besteuerung von abgekürzten Leibrenten hängt von der voraussichtlichen Laufzeit ab (§ 55 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung). Bei Leibrenten ist der Ertragsanteil abhängig vom Alter des Beziehers bei Rentenbeginn. So liegt dieser bei einem 65-jährigen Leibrentenempfänger bei 18 Prozent.

Altersteilzeit-Leistungen sind begrenzt steuerfrei

Zahlt der Arbeitgeber für den gleitenden Übergang in den Ruhestand Aufstockungsbeträge und zusätzliche Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, sind diese begrenzt steuerfrei. Allerdings gelten diese als Lohnersatzleistung und unterliegen damit dem Progressionsvorbehalt – sie erhöhen also den Steuersatz für die zu versteuernden Einkünfte.

Aufgabe- und Veräußerungsgewinn ermäßigt versteuern

Für Selbstständige, Gewerbetreibende und Landwirte stellt oft der eigene Betrieb eine wichtige Säule der Altersvorsorge dar. Haben sie das 55. Lebensjahr vollendet oder sind sie dauernd berufsunfähig, profitieren sie von Steuererleichterungen, wenn sie ihren Betrieb aufgeben oder verkaufen. Dafür gibt es einen Freibetrag von 45.000 Euro.

Übersteigt der Aufgabegewinn jedoch 136.000 Euro, wird der Freibetrag um den überschießenden Betrag gekürzt. Dieser Aufgabe- beziehungsweise Veräußerungsgewinn kann einmal im Leben mit einem ermäßigten Steuersatz versteuert werden.

Ab wann gibt es den Altersentlastungsbetrag?

Ältere Steuerzahler bekommen ab dem Kalenderjahr, nachdem sie ihr 64. Lebensjahr vollendet haben, vom Fiskus eine Steuerermäßigung in Form des Altersentlastungsbetrags. Allerdings gilt dieser nicht für Renten und Pensionen, aber für alle anderen Einkünfte (§ 24a EStG).

Beispiel: Am 13. Dezember 2015 wurde Steuerzahler A 64 Jahre alt. Er arbeitet als Angestellter. Ab 2016 steht ihm der Altersentlastungsbetrag zu. Der beträgt in diesem Fall 22,4 Prozent der Einkünfte – und maximal 1.064 Euro. Um höchstens 1.064 Euro kann also Herr A die Summe seiner Einkünfte (beispielsweise aus Lohn, Kapitaleinkünfte, Mieteinnahmen) reduzieren. Dadurch verringert sich der Gesamtbetrag seiner steuerpflichtigen Einkünfte.

Der Altersentlastungsbetrag kann bereits bei der monatlichen Gehaltsabrechnung berücksichtigt werden. Er schmilzt per Gesetz jährlich ab, sodass der Geburtsjahrgang 1974 als letzter davon profitiert. Für 2017 ist der Altersentlastungsbetrag auf 20,8 Prozent und einem Höchstbetrag von 988 Euro gesunken. Im Jahr 2018 liegt er bei 19,2 Prozent und höchstens 912 Euro.

Den Altersentlastungsbetrag müssen Sie nicht gesondert beantragen. Das Finanzamt berücksichtigt ihn im Steuerbescheid automatisch.

Hohe Krankheitskosten senken Steuern

Senioren können wie andere Steuerpflichtige von allgemeinen Steuererleichterungen profitieren. Ältere Menschen haben häufig deutlich höhere Krankheits- und Pflegekosten. Das altersbedingte Wohnen in einem Seniorenheim ist zwar steuerlich nicht absetzbar. Etwas anderes gilt jedoch, wenn Behinderung, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit die Ursache ist. Von den Unterbringungskosten ist die sogenannte Haushaltsersparnis abzuziehen.

Das heißt: Der Fiskus geht davon aus, dass der Gepflegte durch die Verköstigung im Heim unter anderem Geld für Lebensmittel, Strom und Wasser spart. Für 2017 liegt die Haushaltsersparnis bei 8.820 Euro für das volle Jahr der Heimunterbringung beziehungsweise 1/360 davon für jeden Tag (= 24,50 Euro), wenn der Haushalt erst im Laufe des Jahres aufgelöst wurde. Der Jahresbetrag 2018 liegt bei 9.000 Euro, der Tagesbetrag also bei 25 Euro.

Verordnet ein Arzt oder ein Heilpraktiker Medikamente oder Hilfsmittel, dann sind die dafür selbst getragenen Kosten als außergewöhnliche Belastungen abziehbar. Dasselbe gilt für andere Krankheitskosten: Kurkosten, Zuzahlungen für die Brille, das Hörgerät oder für den Zahnarzt.

Gegebenenfalls können Sie auch Fahrtkosten und die Aufwendungen einer erforderlichen Begleitperson als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Allerdings gilt auch für Rentner, dass sie nur die Kosten absetzen können, die die zumutbare Belastung übersteigen.

Hinterbliebenen-Pauschbetrag

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählt auch der Hinterbliebenen-Pauschbetrag in Höhe von 370 Euro (§ 33b Abs. 4 EStG). Um diesen Betrag ermäßigt sich auf Antrag das zu versteuernde Einkommen eines Hinterbliebenen. Voraussetzung ist, dass er als Hinterbliebener eine Rente oder andere finanzielle Leistung aufgrund des Tods eines Angehörigen erhält. Beispiele für solche Hinterbliebenenbezüge sind

  • eine Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung bei Tod durch Arbeitsunfall,
  • der Bezug nach dem Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten,
  • der Bezug nach dem Soldatenversorgungsgesetz und
  • der Bezug nach dem Gesetz über die Bundespolizei.

Der Pauschbetrag ist auf Seite 3 des Mantelbogens in der Einkommensteuererklärung zu beantragen.

Behinderten-Pauschbetrag

Auch der Pauschbetrag für Behinderte kann beantragt werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen (Grad der Behinderung von mindestens 25; § 33b EStG).

Werbungskosten und Sonderausgaben absetzen

Machen Sie in der Steuererklärung keine weiteren Angaben, dann berücksichtigt das Finanzamt für jeden Rentner 102 Euro als Werbungskostenpauschale und 36 Euro als Sonderausgabenpauschale. Die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zählen als Sonderausgaben. Diese tragen Sie in der Anlage Vorsorgeaufwand ein. Dorthin gehören auch der Beitrag für die Kfz-Haftpflichtversicherung und für eine Unfallversicherung. Gezahlte Kirchensteuer und Spenden tragen Sie auf der zweiten Seite des Mantelbogens als Sonderausgaben ein.

In die Anlage R gehören die Werbungskosten. Beispiele dafür sind:

  • die Gebühren für einen Rentenberater,
  • die mit der Anlage R verbundenen Steuerberatungskosten und
  • die Ausgaben für Steuersoftware.

Im Ratgeber Steuersoftware empfehlen wir Ihnen Programme, mit denen Sie Ihre Steuererklärung selbst erstellen können. Dazu zählt unter anderem die Steuersparerklärung. Von diesem Programm gibt es eine spezielle Version: Steuersparerklärung für Rentner. Der Herausgeber hat zudem ein Portal namens Steuergoldies geschaffen. Dort finden Rentner Tipps und Werkzeuge rund um die Themen Steuern, Pflege und Behinderung.

Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen können Sie zusätzlich abziehen. Wer als alter Mensch im eigenen Haushalt Hilfe benötigt und deswegen eine ambulante Pflegekraft beauftragt, kann einen Teil seiner Kosten über die Steuererklärung zurückholen. Haushaltsnahe Dienstleistungen lassen sich bis höchstens 20.000 Euro geltend machen und können maximal 4.000 Euro Steuern sparen.

Zusammenveranlagung trotz neuer Lebensgefährtin

Bei Verheirateten ist die Zusammenveranlagung der Normalfall. Das spart in vielen Fällen Geld. Voraussetzung dafür ist, dass beide Partner nicht dauernd getrennt leben. Doch was passiert, wenn einer der beiden dauerhaft ins Pflegeheim muss und der andere Partner mit einer neuen Lebensgefährtin zusammenlebt?

Diesen Fall hatte das Finanzgericht Niedersachsen zu entscheiden. Es bejahte die Zusammenveranlagung, weil der Mann nicht nur die Pflegekosten zahlte, sondern sich nach Auskunft der Pflegeeinrichtung auch weiterhin liebevoll und geduldig um seine Ehefrau kümmerte (Urteil vom 23. Juni 2015, Az. 13 K 225/14).

Wann besteht die Gefahr der Doppelbesteuerung?

Manchen Ruheständlern droht sogar eine Doppelbesteuerung der Rente. Das liegt an der Systematik der Rentenbesteuerung und an der langen Übergangsphase von 2005 bis 2040, in der die nachgelagerte Besteuerung und der höhere Steuerabzug der gezahlten Vorsorgeaufwendungen schrittweise eingeführt werden. Erst ab dem Jahr 2025 können Sie 100 Prozent Ihrer gezahlten Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung als Sonderausgaben absetzen – begrenzt bis zum jeweils gültigen Höchstbetrag.

In einer Gesamtbetrachtung haben Sie auf der einen Seite den steuerfreien Rentenzufluss. Das ist der steuerfreie Rententeil, den Sie bis zum Lebensende erwarten können. Dem gegenüberstellen müssen Sie den Gesamtbetrag der versteuerten Rentenbeiträge; also Ihre Beiträge für die Rentenversicherung, die Sie aus versteuertem Einkommen bezahlt haben. Fällt der steuerfreie Rentenzufluss niedriger aus als die Summe der versteuerten Rentenbeiträge, liegt eine Doppelbesteuerung vor. Diese hat aber das Bundesverfassungsgericht verboten.

Ein Beispiel illustriert, wie es zur Doppelbesteuerung kommen kann: Eine heutige Rentnerin war über Jahrzehnte selbstständig und hat in dieser Zeit ohne Arbeitgeberzuschüsse in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Nur wenige Jahre war sie angestellt, in denen sie Arbeitgeberzuschüsse erhielt. 2015 bekam sie erstmals Rente. Von ihrer Jahresbruttorente 2016 in Höhe von 20.000 Euro waren 30 Prozent steuerfrei. Ihr Rentenfreibetrag liegt somit bei 6.000 Euro. Dieser steuerfreie Rentenanteil von 6.000 Euro wird mit 18 Jahren, der statistischen Lebenserwartung bei Rentenbeginn, multipliziert: Das ergibt 108.000 Euro als steuerfreien Rentenzufluss.

Zu vergleichen ist diese Summe mit den gesamten eingezahlten Beiträgen für die Rentenversicherung, die sich steuerlich nicht ausgewirkt haben (versteuerte Rentenbeiträge). Diese Beiträge hat nämlich die Steuerpflichtige aus versteuertem Einkommen finanziert. Falls sie während ihrer Erwerbsphase mehr als 108.000 Euro versteuerte Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt hat, liegt bei ihr eine Doppelbesteuerung vor.

Umstritten ist, wie der steuerfreie Rentenzufluss zu berechnen ist. Nichtsdestotrotz gehen einige Experten wie die Brüder Günter und Werner Siepe davon aus, dass sich die Fälle häufen, in denen Rentner vom Fiskus zweimal abkassiert werden. Wahrscheinlich steigt von Jahr zu Jahr nicht nur die Anzahl der Betroffenen, sondern auch der Umfang der Doppelbesteuerung.

Nach aktueller Rechtslage muss jedoch ein Rentner dies im Einzelfall vor Gericht nachweisen. Dazu benötigt er unter anderem alle Steuerbescheide für die Jahre, in denen er Rentenversicherungsbeiträge gezahlt hat. Damit verbunden ist eine sehr komplexe Rechenarbeit.

In aussichtsreichen Fällen können Sie Unterstützung bekommen: Der Bund der Steuerzahler sucht passende Musterkläger, die bereit sind, die Rechtsfrage klären zu lassen. Bei folgender Konstellation ist eventuell ein Musterprozess möglich:

  • Sie sind Gewerbetreibender oder Freiberufler gewesen und 2017 in Rente gegangen.
  • Sie haben über mehrere Jahrzehnte Vorsorgeaufwendungen in der Nähe der Beitragsbemessungsgrenze und/oder weitere Beträge freiwillig eingezahlt.
  • Sie können einen durchgehenden Versicherungsverlauf nachweisen.
  • Sie haben möglichst noch alle Steuerbescheide seit der Einzahlungsphase.

Auch bei Arbeitnehmern, die ab 2018 in Rente gehen, hält der Bund der Steuerzahler eine Doppelbesteuerung für rechnerisch möglich. Als Betroffene können Sie per Mail unter infosplitterDo not spamsteuerzahler.de Kontakt mit dem Verband aufnehmen. Bitte nehmen Sie in Ihrer Mail Bezug auf Finanztip.

Grundsätzlich empfehlen wir allen Steuerzahlern, Steuerbescheide und Daten zu den eigenen Altersvorsorgeaufwendungen unbedingt aufzubewahren.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.