Rentenbesteuerung

So können Rentner Steuern sparen

Udo Reuß Stand: 29. April 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Bereits heute müssen fast 6 Millionen der 21 Millionen Rentner in Deutschland Einkommensteuer zahlen. Und es werden immer mehr.
  • Neue Rentnerjahrgänge haben einen höheren Anteil ihrer gesetzlichen Rente zu versteuern. Ihr damit auch festgelegter persönlicher Rentenfreibetrag ist fix – jede Rentenerhöhung müssen Sie als Rentner dann voll versteuern.
  • Sie beziehen Renten aus Basisversorgung, einem steuerlich geförderten Altersvorsorgevertrag oder einer sonstigen privaten Altersvorsorge? Für jede Kategorie gilt eine andere Besteuerungssystematik.
  • Das Finanzamt weiß übrigens über alles Bescheid: Es erhält von den auszahlenden Stellen Rentenbezugsmitteilungen. Und erfährt daher, welche Renten an Sie überwiesen wurden.
So gehen Sie vor
  • Wenn Sie nur die Rente als Einkunft beziehen, müssen Sie grundsätzlich eine Steuererklärung abgeben, wenn der steuerpflichtige Anteil höher ist als der Grundfreibetrag (2019: 9.168 Euro) zuzüglich 102 Euro Werbungskostenpauschale.
  • Die verschiedenen Rentenbezüge gehören in die Anlage R, Pensionen hingegen als Versorgungsbezüge in die Anlage N der Einkommensteuererklärung.
  • Reduzieren Sie Ihr zu versteuerndes Einkommen um Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Handwerkerleistungen, haushaltsnahe Dienstleistungen, den Altersentlastungsbetrag, einen Hinterbliebenen-Pauschbetrag oder einen Pauschbetrag für Behinderte.
  • Eine Tabelle in diesem Ratgeber gibt Ihnen Orientierung, ab welcher Bruttorente Sie mit einer Steuerbelastung rechnen müssen.
  • Umfassende Steuertipps und Ausfüllhinweise enthält unser kostenloses 20-seitiges Steuer-E-Book für die Steuererklärung 2019. Hier können Sie es sich herunterladen:

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Es könnte so schön sein: Ein Leben lang hat man gearbeitet und in die Rentenkasse sowie die private Altersvorsorge eingezahlt – und im Alter genießt man einfach das Geld, das nun in umgekehrte Richtung fließt. Doch weit gefehlt: Auch Renten sind steuerpflichtig, und zwar als sonstige Einkünfte. Das ist vielen Ruheständlern nicht bewusst.

Allerdings unterliegt bei den Altersrenten nur ein bestimmter Teil der Steuerpflicht. Wie hoch dieser ist, hängt davon ab, wann jemand erstmals eine Rente bezogen hat.

Immer mehr Rentner steuerpflichtig

Von den circa 21 Millionen Rentnern in Deutschland mussten nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2015 bereits 5,8 Millionen Steuern zahlen. Diese Zahl steigt mit jeder Rentenerhöhung und jedem neuen Rentnerjahrgang.

Am 1. Juli 2019 stieg die Rente in Westdeutschland um 3,18 Prozent, im Osten sogar um 3,91 Prozent. Das führt dazu, dass vermutlich rund 48.000 Rentner neu in die Steuerpflicht rutschen, schätzt das Bundesfinanzministerium. Im Juli 2020 soll die Rentenerhöhung noch üppiger ausfallen: in Westdeutschland 3,45 Prozent und in Ostdeutschland 4,2 Prozent.

Nachgelagerte Besteuerung und Übergangsphase

2005 hat der Fiskus mit dem Alterseinkünftegesetz die nachgelagerte Besteuerung für Renten eingeführt. Bis 2040 gibt es eine Übergangsphase, in der nur ein Teil der Rente zu versteuern ist. Im Gegenzug ist ein immer höherer Anteil der geleisteten Rentenversicherungsbeiträge als Vorsorgeaufwand steuerlich abzugsfähig. Dieser Prozentsatz des Besteuerungsanteils steigt jedes Jahr für Neurentner. 

Wer schon Rentner ist, für den bleibt der steuerfreie Teil in Euro konstant. Mit jeder Rentenerhöhung nimmt aber die Höhe der steuerpflichtigen Rente zu. Auch deshalb wächst die Zahl der steuerpflichtigen Rentner.

Ab welcher Höhe ist die gesetzliche Rente zu versteuern?

Die Wahrscheinlichkeit, dass Rentner steuerpflichtige Einkünfte beziehen, steigt kontinuierlich. Die Standardrente nach 45 Beitragsjahren lag für das Jahr 2018 in Westdeutschland bei zirka 15.408 Euro, in Ostdeutschland bei rund 14.760 Euro.

Ein lediger Rentner, der 2019 erstmals Rente bezog, keine weiteren Einkünfte hat und in die gesetzliche Krankenversicherung gezahlt hat, muss bei einer Brutto-Jahresrente von mehr als 13.848 Euro davon ausgehen, dass er darauf Steuern zu zahlen hat. Diese Zahlen hat der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine ermittelt.

In der folgenden Tabelle können Sie anhand des Rentenbeginns und der Rentenhöhe ablesen, ob Sie Ihre Rente versteuern müssen, falls Sie ausschließlich gesetzliche Rentenbezüge haben. Die Zahlen stellen die Bruttorente dar, das heißt, die Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung inklusive 7,75 Prozent Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung und 3,05 Prozent Pflegeversicherung. Sie gelten für einen ledigen Steuerpflichtigen. Als Monatsrente sind die seit Juli 2019 erhöhten Rentenzahlungen zu verstehen. Für Ehepaare, die sich zusammen veranlagen lassen, gelten die doppelten Beträge.

Überschreiten Sie diese in der Tabelle dargestellten Beträge im Jahr 2019, müssen Sie befürchten, Steuern nachzahlen zu müssen. Liegen Sie deutlich darüber, sollten Sie zügig prüfen, ob Sie für die Vorjahre Steuererklärungen nachreichen müssen. Erledigen Sie das möglichst schnell. Schließlich verlangen Finanzämter 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist, für jeden Verspätungsmonat 0,5 Prozent Zinsen – also 6 Prozent im Jahr.

Maximale steuerfreie Bruttorente im Jahr 2019 in Euro

Renten-
Beginn

Jahresrente 
im Westen

Monatsrente 
im Westen

Jahresrente
im Osten

Monatsrente 
im Osten

bis 200518.9731.60617.7271.506
200618.4081.55817.2751.467
200717.9451.51916.8981.435
200817.6071.49016.6701.416
200917.2041.45616.3811.391
201016.7381.41715.9901.358
201116.3921.38715.7011.334
201216.0151.35615.4951.316
201315.6271.32315.2861.298
201415.3141.29615.0401.277
201515.0831.27714.8911.266
201614.8311.25514.7501.253
201714.5391.23114.515

1.233

201814.2731.20814.2731.212
201913.8481.17213.8481.176

Quelle: Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (Stand: 5. Juli 2019)

Für 2020 fällt die höchstmögliche steuerunbelastete Bruttorente etwas niedriger aus. Das Bundesfinanzministerium hat die Werte in einer Tabelle dargestellt. Anhand dieser können Sie auch nachvollziehen, wie dieser Betrag berechnet wird.

Die Steuerpflicht greift demnach bei vielen Neurentnern. Doch viele Ruheständler können diverse Beträge steuerlich absetzen. Daher lohnt es sich, jeden Einzelfall für sich zu prüfen – und so mancher Rentner muss nach Abgabe einer Steuererklärung doch keine Steuern zahlen.

Tipp: Mit dem Alterseinkünfte-Rechner des Bayerischen Landesamts für Steuern können Rentner kostenlos kalkulieren, wie hoch eine mögliche Einkommensteuer ausfällt.

Des Weiteren sollten Sie bei der gesetzlichen Rentenversicherung die kostenlose Rentenbezugsmitteilung zur Vorlage beim Finanzamt bestellen. Diese enthält die Rentenbeiträge, die Sie in der Steuererklärung eintragen müssen. Sie gibt zudem Hinweise, wo Sie diese Werte in den Formularen eintragen müssen. Haben Sie die Bescheinigung einmal beantragt, bekommen Sie diese in den Folgejahren automatisch zugesandt. Bei der Bestellung müssen Sie Ihre Sozialversicherungsnummer nennen; für eine Hinterbliebenenrente benötigen Sie die des Verstorbenen.

Wann müssen Rentner eine Steuererklärung abgeben?

Die meisten Rentner müssen keine Steuern zahlen. Zum einen, weil sie gar nicht so viel ausbezahlt bekommen. Zum anderen, weil ein Teil der Rente steuerfrei ist. Oder weil sie viele abzugsfähige Aufwendungen hatten.

Für den steuerpflichtigen Teil der Rente gilt aber Folgendes: Bei Überschreiten einiger Grenzen sind auch Bezieher von Ruhegeld verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Für 2019 liegt der Grundfreibetrag bei 9.168 Euro, 2020 bei 9.408 Euro. Die Werbungskostenpauschale für Rentner in Höhe von 102 Euro kann addiert werden. Das heißt: 2019 bleiben steuerpflichtige Renteneinkünfte bis zu 9.270 Euro im Jahr auf jeden Fall steuerfrei. Bei Zusammenveranlagten verdoppelt sich dieser Betrag.

Wenn Sie höhere Werbungskosten haben, können Sie Aufwendungen geltend machen, falls Sie diese belegen können. Diese gehören in der Steuererklärung wie die Renten selbst in die Anlage R. Haben Sie als Rentner-Ehepaar im Jahr 2019 gemeinsam einen Gesamtbetrag der Einkünfte von mehr als 18.540 Euro, dann müssen Sie grundsätzlich bis zum 31. Juli 2020 eine Steuererklärung für das Jahr 2019 abgeben.

Kommen Nebeneinkünfte – etwa Vermietungs- oder noch nicht versteuerte Kapitaleinnahmen – hinzu, zählen diese natürlich dazu. Auch wenn einer der zusammenveranlagten Partner Lohn bezieht oder andere Einkünfte hat, können Sie zur Abgabe verpflichtet sein. Im Ratgeber Pflicht zur Einkommensteuererklärung haben wir die allgemeinen Grundsätze zusammengefasst.

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Finanzamt erfährt von Rentenzahlungen automatisch

Die Träger der Rentenversicherungen und auch die privaten Versicherer teilen der Finanzverwaltung in sogenannten Rentenbezugsmitteilungen mit, welche Renten sie im Jahr überwiesen haben (§ 22a Einkommensteuergesetz). Folglich fordern Finanzämter manche Rentner gezielt dazu auf, eine Steuererklärung abzugeben. Wer sich als Steuerpflichtiger bei Elster online für die vorausgefüllte Steuererklärung registrieren lässt, der erhält automatisch auch die gemeldeten Rentenzahlungen als Daten übermittelt.

Auch Krankenkassen teilen den Finanzämtern die Höhe der gezahlten Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ihrer Versicherten mit. Dem Finanzamt liegen noch weitere elektronische Daten (E-Daten) vor. Über den Service „Abruf von Bescheinigungen“ (früher: Belegabruf) können Sie die E-Daten vom Finanzamt abrufen und einfach in Ihrer elektronischen Steuererklärung über Elster oder mit einem Steuerprogramm übernehmen.

Diejenigen, die weiterhin ihre Steuererklärung auf Papier erstellen, müssen ab der Steuererklärung 2019 in der Anlage R normalerweise nicht mehr viel ausfüllen. Denn in die dunkelgrün hinterlegten E-Daten-Felder müssen Sie nur etwas eintragen, wenn die elektronisch gemeldeten Beträge falsch sein sollten. 

Vereinfachte Steuererklärung in einigen Bundesländern 

In Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen können Rentner und Pensionäre eine vereinfachte Steuererklärung nutzen. Diese Länder beteiligen sich an einem Pilotprojekt

Ruheständler haben in einem besonderen Papier-Steuerformular („Erklärung zur Veranlagung von Alterseinkünften“) nur wenig einzutragen. Das Finanzamt verwendet die elektronisch übermittelten Renteneinkünfte, Pensionen und Krankenversicherungsbeiträge und berücksichtigt automatisch die Werbungskostenpauschale und den Sonderausgaben-Pauschbetrag. Einige wenige Abzugspositionen können auf dem Vordruck ergänzt werden:

  • Steuerermäßigungen für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen,
  • außergewöhnliche Belastungen (zum Beispiel behinderungsbedingte Kosten, Krankheits-, Pflege- und Pflegeheimkosten), 
  • Kirchensteuer,
  • Spenden und Mitgliedsbeiträge und 
  • Beiträge zu Versicherungen (sonstige Vorsorgeaufwendungen).

Das Papierformular der vereinfachten Steuererklärung dürfen ausschließlich Rentner und Pensionäre nutzen, die keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte haben. 
Unproblematisch ist ein pauschal versteuerter Minijob mit höchstens 450 Euro monatlichen Einnahmen und Kapitaleinkünfte, für die Abgeltungssteuer einbehalten wurde. 

Haben Sie beispielsweise gewerbliche Einnahmen oder sind Vermieter, dann müssen Sie eine normale, vollumfängliche Steuererklärung ausfüllen samt Anlage R. Rentner und Pensionäre, die Abzugspositionen haben, die in diesem Vordruck nicht berücksichtigt werden, sollten ebenfalls lieber eine normale Steuererklärung abgeben.   

Rente von Unfallversicherung ist steuerfrei

Steuerfrei ist die Rente, die aufgrund eines Arbeitsunfalls von der gesetzlichen Unfallversicherung bezahlt wird. Das gilt auch für Leistungen aus der Kranken- und Pflegeversicherung, für Sachleistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung und Wiedergutmachungsrenten für Nazi- und DDR-Opfer.

Steuerpflichtige Rentner müssen die Anlage R ausfüllen

Ihre Rentenbezüge müssen Sie in der Einkommensteuererklärung in die Anlage R eintragen. Damit Sie dort die verschiedenen Renten in die richtige Zeile eintragen können, müssen Sie die Systematik der Rentenarten kennen. Der Gesetzgeber teilt diese in drei Kategorien ein:

  1. Basisversorgung,
  2. steuerlich geförderte Altersvorsorgeverträge und
  3. sonstige private Altersvorsorge – mit jeweils anderen steuerlichen Konsequenzen. Geregelt ist dies im schwer verständlich formulierten Paragraf 22 Einkommensteuergesetz.

Basisversorgung

Bei den Leistungen aus der Basisversorgung handelt es sich um dauerhafte, wiederkehrende Zahlungen, meist im monatlichen Turnus – ob als Alters-, Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenrente. Als Basisversorgung gelten auch Teilrenten oder eine Rentenzahlung, die als einmalige Leistung ausgezahlt wird.

Im Einzelnen handelt es sich um Leibrenten und andere Leistungen aus

Für diese Renten greift die nachgelagerte Besteuerung, die schrittweise bis 2040 umgesetzt wird (siehe Tabelle unten). So gilt für Rentner, die erstmals 2019 eine Altersrente erhalten, dauerhaft ein Besteuerungsanteil von 78 Prozent. Das heißt, 22 Prozent der Renten sind steuerfrei. Dieser Anteil sinkt für jüngere Rentnerjahrgänge, sodass bei einem Rentenbeginn beispielsweise 2020 nur noch 20 Prozent steuerfrei sind.

Der steuerfreie Teil der Rente wird im Folgejahr als konstanter Betrag in Euro ermittelt und dauerhaft als individueller Rentenfreibetrag festgeschrieben. Alles, was drüber liegt, muss der Rentner dann versteuern.

Anteil der Besteuerung nimmt zu

Jahr des
Rentenbeginns
Besteuerungsanteil
(in %)
steuerfreier Anteil
(in %)
20157030
20167228
20177426
20187624
20197822
20208020
20401000

Quelle: Paragraf 22 EStG (Stand: April 2020)

Einzutragen sind diese Renten und anderen Leistungen im oberen Teil der ersten Seite der Anlage R. Die meisten Rentner erhalten auf ihr Konto nicht die vollständige Rente überwiesen. Die Rentenversicherungsträger ziehen vorher die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung ab. Als Rentner müssen Sie in der Steuererklärung die komplette Jahresrente (Bruttorente) angeben, nicht die Summe der monatlich ausgezahlten Beträge. 

Öffnungsklausel

Die Übergangsregelung bis 2040 soll dafür sorgen, dass geleistete Beiträge möglichst kein zweites Mal besteuert werden. Für spezielle Fälle hat der Gesetzgeber eine Öffnungsklausel geschaffen. Diese betrifft vor allem Leistungen der berufsständischen Versorgungseinrichtungen.

Haben Sie vor Ihrer Rente bis Ende 2004 mindestens zehn Jahre lang Beiträge oberhalb des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung eingezahlt, können Sie für die auf diesen Beiträgen beruhenden Renten eine günstigere Besteuerung mit dem Ertragsanteil wählen. Dazu müssen Sie in der Anlage R ab Zeile 11 entsprechende Angaben machen.

Steuerlich geförderte Altersvorsorge

Auf die zweite Seite der Anlage R gehören die Renten aus der zweiten Kategorie. Dazu zählen alle Leistungen, die auf steuerlich geförderten Beiträgen beruhen – wie die Riester-Rente und Leistungen aus einer betrieblichen Altersvorsorge (Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung).

In aller Regel basieren diese Leistungen auf Beiträgen, die entweder durch Zulagen, den Sonderausgabenabzug oder durch Steuerfreistellung privilegiert wurden. Dafür gilt grundsätzlich die volle Einkommensteuer, soweit diese Leistungen auf steuerfreien oder geförderten Beiträgen beruhen. Trifft dies nur teilweise zu, dann sind diese auch nur anteilig zu versteuern.

Sonstige Leibrenten

In die dritte Gruppe der sonstigen Leibrenten fallen Renten aus privaten Rentenversicherungsverträgen, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden (Altverträge). Außerdem zählen nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossene Verträge dazu, die eine Teilkapitalisierung beziehungsweise eine Einmalauszahlung oder einen Rentenbeginn vor Vollendung des 60. Lebensjahrs vorsehen. Wurde der Vertrag 2012 oder später abgeschlossen, gilt das 62. Lebensjahr.

Im Wesentlichen handelt es sich in dieser Kategorie um private Rentenversicherungen und Zusatzversorgungsrenten für ehemalige Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Solche sonstigen Leibrenten sind im unteren Teil von Seite 1 der Anlage R einzutragen.

Zu versteuern ist nur der Ertragsanteil einer solchen Rente. Dabei unterscheidet sich der Ertragsanteil bei Leibrenten und bei abgekürzten Leibrenten. Bei letzteren handelt es sich um befristete Renten beziehungsweise solche, die mit dem Todeszeitpunkt erlöschen.

Beispiele sind

  • private selbstständige Erwerbsminderungsrenten, die nur bis zum 65. Lebensjahr gezahlt werden (Berufsunfähigkeitsrenten) und
  • Waisenrenten aus privaten Versicherungen, die die Voraussetzungen der Basisversorgung nicht erfüllen.

Die Besteuerung von abgekürzten Leibrenten hängt von der voraussichtlichen Laufzeit ab (§ 55 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung). Bei Leibrenten ist der Ertragsanteil abhängig vom Alter des Beziehers bei Rentenbeginn. So liegt dieser bei einem 65-jährigen Leibrentenempfänger bei 18 Prozent.

Wie Sie Ihre private Kapitallebens- oder Rentenversicherung versteuern müssen, können Sie in einem eigenen Ratgeber lesen.

Altersteilzeit-Leistungen sind begrenzt steuerfrei

Zahlt der Arbeitgeber für den gleitenden Übergang in den Ruhestand Aufstockungsbeträge und zusätzliche Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, sind diese begrenzt steuerfrei. Allerdings gelten diese als Lohnersatzleistung und unterliegen damit dem Progressionsvorbehalt – sie erhöhen also den Steuersatz für die zu versteuernden Einkünfte.

Aufgabe- und Veräußerungsgewinn ermäßigt versteuern

Für Selbstständige, Gewerbetreibende und Landwirte stellt oft der eigene Betrieb eine wichtige Säule der Altersvorsorge dar. Haben sie das 55. Lebensjahr vollendet oder sind sie dauernd berufsunfähig, profitieren sie von Steuererleichterungen, wenn sie ihren Betrieb aufgeben oder verkaufen. Dafür gibt es einen Freibetrag von 45.000 Euro.

Übersteigt der Aufgabegewinn jedoch 136.000 Euro, wird der Freibetrag um den überschießenden Betrag gekürzt. Dieser Aufgabe- beziehungsweise Veräußerungsgewinn kann einmal im Leben mit einem ermäßigten Steuersatz versteuert werden.

Pensionen gehören in die Anlage N

Anders ist es bei Pensionen von ehemaligen Beamten. Diese gelten als Versorgungsbezüge aus dem früheren Dienstverhältnis und gehören in die Anlage N

Für Pensionen gibt es einen Versorgungsfreibetrag plus Zuschlag, sodass ein Teil steuerfrei bleibt. Auch diese beiden Beträge werden für jüngere Pensionsjahrgänge gesenkt. Der festgesetzte Versorgungsfreibetrag bleibt zeitlebens konstant.

Haben Sie 2019 erstmals eine Pensionszahlung erhalten, bleiben davon 17,6 Prozent, höchstens 1.320 Euro plus 396 Euro Zuschlag steuerfrei. Für diejenigen, bei denen erstmals 2020 eine Pension gezahlt wird, sind es nur noch 16 Prozent, höchstens 1.200 Euro plus 360 Euro Zuschlag.

Den Versorgungsfreibetrag gibt es auch für andere Versorgungsbezüge. Zum Beispiel für die Auszahlungen aus einer Unterstützungskasse oder einer Direktzusage, in die Sie über Ihren Arbeitgeber eingezahlt haben. 

Was gilt für eine Erwerbsunfähigkeitsrente?

Eine gesetzliche Erwerbsunfähigkeits- oder Hinterbliebenenrente wird grundsätzlich genauso wie eine Altersrente besteuert. Bekommen Sie zunächst eine Erwerbsunfähigkeitsrente (EU-Rente) und dann beim Überschreiten der Altersgrenze stattdessen eine Altersrente, dann gilt letztere als Folgerente.

Beispiel: 1998 bekommen Sie erstmals eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Ab März 2018 werden Sie Altersrentner.

Für die Ermittlung des steuerfreien Teils der Altersrente wird ein fiktives Jahr des Rentenbeginns ermittelt. Der tatsächliche Beginn der Folgerente wird dabei um die Laufzeit der Vorgängerrente in die Vergangenheit verschoben. Dadurch mindert sich der prozentuale Besteuerungsanteil. Dieser darf 50 Prozent aber nicht unterschreiten. Bei ununterbrochenem Bezug der EU-Rente von 1998 bis Februar 2018 ist für die Ermittlung des Prozentsatzes des steuerfreien Teils der Rente also auf das Jahr 1998 abzustellen. Für das Jahr 2018 beträgt der steuerfreie Teil der Rente also 50 Prozent der vom März bis Dezember 2018 bezogenen Bruttorente (also ohne Abzug von Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungsbeiträgen).

Beispiel: 2016 erhielt eine Frau erstmals Altersrente. Nach ihrem Tod erhielt ab April 2018 der Witwer für sie eine Hinterbliebenenrente.

Auch die Hinterbliebenenrente ist steuerlich eine Folgerente. Für die Berechnung des Prozentsatzes des steuerfreien Teils der Rente wird hier auf das Jahr 2016 abgestellt. Der steuerpflichtige Anteil beträgt 72 Prozent, der steuerfreie Teil der Rente 28 Prozent. Für die von April bis Dezember 2018 bezogene Hinterbliebenenrente beträgt der steuerfreie Teil also 28 Prozent der Bruttorente.

Ab wann gibt es den Altersentlastungsbetrag?

Ältere Steuerzahler bekommen ab dem Kalenderjahr, nachdem sie ihr 64. Lebensjahr vollendet haben, vom Fiskus eine Steuerermäßigung in Form des Altersentlastungsbetrags. Allerdings gilt dieser nicht für Renten und Pensionen, aber für andere Nebeneinkünfte wie zum Beispiel eine Riester-Rente oder Lohn (§ 24a EStG).

Beispiel: Am 13. Dezember 2015 wurde Steuerzahler A 64 Jahre alt. Er arbeitet als Angestellter. Ab 2016 steht ihm der Altersentlastungsbetrag zu. Der beträgt in diesem Fall 22,4 Prozent der Einkünfte – und maximal 1.064 Euro. Um höchstens 1.064 Euro kann also Herr A die Summe seiner Einkünfte (beispielsweise aus Lohn, Kapitaleinkünfte, Mieteinnahmen) reduzieren. Dadurch verringert sich der Gesamtbetrag seiner steuerpflichtigen Einkünfte.

Der Altersentlastungsbetrag kann bereits bei der monatlichen Gehaltsabrechnung berücksichtigt werden. Er schmilzt per Gesetz jährlich ab, sodass der Geburtsjahrgang 1974 als letzter davon profitiert.

Beispiel: Wurden Sie im Jahr 1954 geboren, haben Sie für das Jahr 2019 Anspruch auf den Altersentlastungsbetrag. Von Ihren Nebeneinkünften können dann 17,6 Prozent, aber höchstens 836 Euro steuerfrei bleiben.

Den Altersentlastungsbetrag müssen Sie nicht gesondert beantragen. Für Kapitaleinkünfte bekommen Sie ihn aber nur, wenn Sie in der Anlage KAP Ihre Kapitalerträge erklären und die Günstigerprüfung beantragen. Liegt Ihr persönlicher Grenzsteuersatz unterhalb der 25 Prozent für die Abgeltungsteuer, berücksichtigt das Finanzamt den Altersentlastungsbetrag für Ihre Kapitaleinkünfte im Steuerbescheid.

Hohe Krankheitskosten senken Steuern

Senioren können wie andere Steuerpflichtige von allgemeinen Steuererleichterungen profitieren. Ältere Menschen haben häufig deutlich höhere Krankheits- und Pflegekosten. Das altersbedingte Wohnen in einem Seniorenheim ist zwar steuerlich nicht absetzbar. Etwas anderes gilt jedoch, wenn Behinderung, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit die Ursache ist. Von den Unterbringungskosten ist die sogenannte Haushaltsersparnis abzuziehen.

Das heißt: Der Fiskus geht davon aus, dass der Gepflegte durch die Verköstigung im Heim unter anderem Geld für Lebensmittel, Strom und Wasser spart. Für 2019 liegt die Haushaltsersparnis bei 9.168 Euro für das volle Jahr der Heimunterbringung beziehungsweise 1/360 davon für jeden Tag (= 25,47 Euro), wenn der Haushalt erst im Laufe des Jahres aufgelöst wurde. Der Jahresbetrag 2018 liegt bei 9.000 Euro, der Tagesbetrag also bei 25 Euro.

Verordnet ein Arzt oder ein Heilpraktiker Medikamente oder Hilfsmittel, dann sind die dafür selbst getragenen Kosten als außergewöhnliche Belastungen abziehbar. Dasselbe gilt für andere Krankheitskosten: Kurkosten, Zuzahlungen für die Brille, das Hörgerät oder für den Zahnarzt.

Gegebenenfalls können Sie auch Fahrtkosten und die Aufwendungen einer erforderlichen Begleitperson als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Allerdings gilt auch für Rentner, dass sie nur die Kosten absetzen können, die die zumutbare Belastung übersteigen.

Hinterbliebenen-Pauschbetrag 

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählt auch der Hinterbliebenen-Pauschbetrag in Höhe von 370 Euro (§ 33b Abs. 4 EStG). Um diesen Betrag ermäßigt sich auf Antrag das zu versteuernde Einkommen eines Hinterbliebenen. Voraussetzung ist, dass er als Hinterbliebener eine Rente oder andere finanzielle Leistung aufgrund des Todes eines Angehörigen erhält.

Beispiele für solche Hinterbliebenenbezüge sind

  • eine Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung bei Tod durch Arbeitsunfall,
  • der Bezug nach dem Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten,
  • der Bezug nach dem Soldatenversorgungsgesetz und
  • der Bezug nach dem Gesetz über die Bundespolizei.

Der Pauschbetrag ist in der Anlage Außergewöhnliche Belastungen in der Einkommensteuererklärung zu beantragen.

Behinderten-Pauschbetrag 

Auch der Pauschbetrag für Behinderte kann beantragt werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen (Grad der Behinderung von mindestens 25; § 33b EStG).

Werbungskosten und Sonderausgaben absetzen

Machen Sie in der Steuererklärung keine weiteren Angaben, dann berücksichtigt das Finanzamt für jeden Rentner 102 Euro als Werbungskostenpauschale und 36 Euro als Sonderausgabenpauschale. Als weitere Sonderausgaben zählen die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. Diese tragen Sie in der Anlage Vorsorgeaufwand ein. Dorthin gehören auch der Beitrag für die Kfz-Haftpflichtversicherung und für eine Unfallversicherung. Gezahlte Kirchensteuer und Spenden tragen Sie in der Anlage Sonderausgaben ein.

In die Anlage R gehören die Werbungskosten. Beispiele dafür sind:

  • die Gebühren für einen Rentenberater,
  • die mit der Anlage R verbundenen Steuerberatungskosten und
  • die Ausgaben für Steuersoftware.

Im Ratgeber Steuersoftware empfehlen wir Ihnen Programme, mit denen Sie Ihre Steuererklärung selbst erstellen können. Dazu zählt unter anderem die Steuersparerklärung. Von diesem Programm gibt es eine spezielle Version: Steuersparerklärung für Rentner. Der Herausgeber hat zudem ein Portal namens Steuergoldies geschaffen. Dort finden Rentner Tipps und Werkzeuge rund um die Themen Steuern, Pflege und Behinderung.

Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen können Sie zusätzlich abziehen. Wer als alter Mensch im eigenen Haushalt Hilfe benötigt und deswegen eine ambulante Pflegekraft beauftragt, kann einen Teil seiner Kosten über die Steuererklärung zurückholen. Haushaltsnahe Dienstleistungen lassen sich bis höchstens 20.000 Euro geltend machen und können maximal 4.000 Euro Steuern sparen. Eintragen müssen Sie diese in der Anlage Haushaltsnahe Aufwendungen.

Zusammenveranlagung trotz neuer Lebensgefährtin

Bei Verheirateten ist die Zusammenveranlagung der Normalfall. Das spart in vielen Fällen Geld. Voraussetzung dafür ist, dass beide Partner nicht dauernd getrennt leben. Doch was passiert, wenn einer der beiden dauerhaft ins Pflegeheim muss und der andere Partner mit einer neuen Lebensgefährtin zusammenlebt?

Diesen Fall hatte das Finanzgericht Niedersachsen zu entscheiden. Es bejahte die Zusammenveranlagung, weil der Mann nicht nur die Pflegekosten zahlte, sondern sich nach Auskunft der Pflegeeinrichtung auch weiterhin liebevoll und geduldig um seine Ehefrau kümmerte (Urteil vom 23. Juni 2015, Az. 13 K 225/14).

Bezug der gesetzlichen Rente im Ausland

2017 hat die Deutsche Rentenversicherung fast 240.000 Renten an Deutsche überwiesen, die im Ausland wohnen. Dabei gilt generell, dass derjenige, der mehr als sechs Monate im Jahr im Ausland lebt, hierzulande als beschränkt steuerpflichtig gilt. 

Damit verbunden ist, dass Steuervorteile wie der Grundfreibetrag, das Ehegattensplitting oder der Abzug von außergewöhnlichen Belastungen wie Krankheitskosten entfallen. Das können Sie verhindern, wenn Sie mindestens 90 Prozent Ihres gesamten Einkommens aus Deutschland beziehen oder Ihre Einkünfte im ausländischen Wohnsitzstaat niedriger sind als der Grundfreibetrag.

Dann können Sie beim Finanzamt einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellen. Bei einem Umzug in ein anderes EU-Land benötigen Sie hierfür die Bescheinigung EU/EWR, die die ausländische Finanzbehörde ausfüllen soll.

Der Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht ist zu empfehlen, wenn Ihre Einkünfte in Deutschland steuerpflichtig sind. Ob die Rente in Deutschland oder im neuen Wohnland zu versteuern ist, legt das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen fest. Bei einem Umzug etwa nach Österreich, Spanien oder Polen wird die gesetzliche Rente grundsätzlich in Deutschland besteuert. Anders ist dies beispielsweise in den USA, Frankreich oder der Schweiz.

Das Finanzamt Neubrandenburg ist zuständig für Rentenempfänger im Ausland. Es bietet auf seiner Website die benötigten Formulare sowie weitere Informationen.

Beziehen Sie neben der Rente weitere Einkünfte aus Deutschland, zum Beispiel als Vermieter, dann müssen Sie Ihre Steuererklärung weiterhin bei Ihrem Heimat-Finanzamt abgeben.

Weitere Informationen zur Auslandsrente haben wir in einem eigenen Ratgeber zusammengestellt.

Wann besteht die Gefahr der Doppelbesteuerung?

Manchen Ruheständlern droht sogar eine Doppelbesteuerung der Rente. Das liegt an der Systematik der Rentenbesteuerung und an der langen Übergangsphase von 2005 bis 2040, in der die nachgelagerte Besteuerung und der höhere Steuerabzug der gezahlten Vorsorgeaufwendungen schrittweise eingeführt werden. Erst ab dem Jahr 2025 können Sie 100 Prozent Ihrer gezahlten Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung als Sonderausgaben absetzen – begrenzt bis zum jeweils gültigen Höchstbetrag.

Wie kann eine Zweifachbesteuerung berechnet werden?

In einer Gesamtbetrachtung haben Sie auf der einen Seite den steuerfreien Rentenzufluss. Das ist der steuerfreie Rententeil, den Sie bis zum Lebensende erwarten können. Dem gegenüberstellen müssen Sie den Gesamtbetrag der versteuerten Rentenbeiträge; also Ihre Beiträge für die Rentenversicherung, die Sie aus versteuertem Einkommen bezahlt haben. Fällt der steuerfreie Rentenzufluss niedriger aus als die Summe der versteuerten Rentenbeiträge, liegt eine Doppelbesteuerung vor. Diese hat aber das Bundesverfassungsgericht verboten.

Ein Beispiel illustriert, wie es zur Doppelbesteuerung kommen kann: Eine heutige Rentnerin war über Jahrzehnte selbstständig und hat in dieser Zeit ohne Arbeitgeberzuschüsse in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Nur wenige Jahre war sie angestellt, in denen sie Arbeitgeberzuschüsse erhielt. 2015 bekam sie erstmals Rente. Von ihrer Jahresbruttorente 2016 in Höhe von 20.000 Euro waren 30 Prozent steuerfrei. Ihr Rentenfreibetrag liegt somit bei 6.000 Euro. Dieser steuerfreie Rentenanteil von 6.000 Euro wird mit 18 Jahren, der statistischen Lebenserwartung bei Rentenbeginn, multipliziert: Das ergibt 108.000 Euro als steuerfreien Rentenzufluss.

Zu vergleichen ist diese Summe mit den gesamten eingezahlten Beiträgen für die Rentenversicherung, die sich steuerlich nicht ausgewirkt haben (versteuerte Rentenbeiträge). Diese Beiträge hat nämlich die Steuerpflichtige aus versteuertem Einkommen finanziert. Falls sie während ihrer Erwerbsphase mehr als 108.000 Euro versteuerte Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt hat, liegt bei ihr eine Doppelbesteuerung vor.

Umstritten ist, wie der steuerfreie Rentenzufluss zu berechnen ist. Nichtsdestotrotz gehen einige Experten wie die Brüder Günter und Werner Siepe davon aus, dass sich die Fälle häufen, in denen Rentner vom Fiskus zweimal abkassiert werden. Wahrscheinlich steigt von Jahr zu Jahr nicht nur die Anzahl der Betroffenen, sondern auch der Umfang der Doppelbesteuerung.

Nach aktueller Rechtslage muss jedoch ein Rentner dies im Einzelfall vor Gericht nachweisen. Dazu benötigt er unter anderem alle Steuerbescheide für die Jahre, in denen er Rentenversicherungsbeiträge gezahlt hat. Damit verbunden ist eine sehr komplexe Rechenarbeit.

Musterklagen vor dem BFH 

Der Bund der Steuerzahler unterstützt die Klage eines Ruheständlers gegen die Zweifachbesteuerung von Renten. Von dieser Musterklage profitieren auch andere Senioren, die nun nicht selbst klagen müssen. Denn schon heute gibt es erste Fälle, bei denen Senioren doppelt belastet werden, wie der aktuelle Musterfall zeigt. Deutlich stärker werden aber künftige Rentnerjahrgänge betroffen sein. Diese Steuerzahler können heute nur einen Teil ihrer Vorsorgeaufwendungen steuerlich absetzen, müssen die Rente später aber voll versteuern.  

Eine Doppelbesteuerung liegt vor, wenn Beiträge in eine Altersvorsorge aus bereits versteuerten Einkommen eingezahlt werden und bei der Auszahlung die Rente erneut besteuert wird. Eine solche Konstellation liegt in dem vom Bund der Steuerzahler unterstützten Musterfall vor. Der Kläger war zunächst angestellt, dann selbstständig tätig. Neben der Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung sowie einem Versorgungswerk hatte er mehrere private Rentenversicherungen abgeschlossen. Das Finanzgericht Kassel hatte in seinem Fall bereits eine Doppelbesteuerung festgestellt, diese aber als geringfügig angesehen. 

Nun liegt der Sachverhalt dem Bundesfinanzhof vor (BFH, Az. X R 20/19). Das Bundesfinanzministerium ist dem Verfahren beigetreten, was die besondere Relevanz der Streitfrage unterstreicht. Das Gericht wird in dem Fall nun voraussichtlich klären müssen, wie eine Zweifachbesteuerung berechnet wird. Dies ist derzeit sehr umstritten. Zudem geht es auch um den Ertragsanteil bei privaten Renten. Beim BFH ist mit Az. X R 33/19 bereits ein weiteres Verfahren anhängig.

Tatsächlich muss in jedem Einzelfall anhand der konkreten Beitrags- und Steuerzahlungen ermittelt werden, ob eine Zweifachbesteuerung vorliegt. Vermuten Sie dies in Ihrem Fall, können Sie gegen Ihren Steuerbescheid Einspruch einlegen und das Ruhen des Verfahrens beantragen. Verweisen Sie darin auf die laufenden Verfahren beim BFH. So bleibt der eigene Bescheid bis zu einer Gerichtsentscheidung offen, ohne selbst klagen zu müssen. Nach einem Urteil kann der Steuerbescheid gegebenenfalls noch zu Ihren Gunsten geändert werden. 

Grundsätzlich empfehlen wir allen Steuerzahlern, Steuerbescheide und Daten zu den eigenen Altersvorsorgeaufwendungen unbedingt aufzubewahren.

Autor
Udo Reuß

Stand: 29. April 2020


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