Steuerberatungskosten absetzen

So machst Du auch die Steuerberatung zu Geld

Udo Reuß
Experte für Steuern
12. Dezember 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Ausgaben für den Steuerberater, den Lohnsteuerhilfeverein, für Fachbücher oder eine Online-Steuererklärung mithilfe von Steuersoftware kannst Du zumindest teilweise als Steuerberatungskosten absetzen.
  • Kosten für die Steuerberatung sind als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzbar, wenn sie zur Ermittlung Deiner Einkünfte anfallen, also beruflich veranlasst sind.
  • Privat veranlasste Steuerberatungskosten kannst Du nicht von der Steuer absetzen. Dies betrifft beispielsweise die Unterstützung bei der Anlage „Kind“ oder beim Mantelbogen.
So gehst Du vor
  • Dein Steuerberater sollte beruflich und privat veranlasste Kosten in seiner Rechnung getrennt ausweisen.
  • Das Finanzamt akzeptiert Ausgaben, die sowohl dem beruflichen als auch dem privaten Bereich zugeordnet werden können, bis zu einer Höhe von 100 Euro als Mischkosten. Die Kosten für Steuersoftware und Fachliteratur kannst Du meist komplett absetzen.
  • Statt 100 Euro abzusetzen darfst Du dank einer Vereinfachungsregelung der Finanzämter auch die Hälfte der tatsächlichen Kosten als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzen. Interessant ist dies vor allem für Beiträge an Lohn­steu­er­hil­fe­ver­einen ab 202 Euro.

Die Steu­er­er­klä­rung selbst machen? Vielen Steuerzahlern ist das zu kompliziert, daher lassen sie sich von einem Steuerberater oder dem Lohnsteuerhilfeverein beim Ausfüllen der Formulare unterstützen. Das kostet natürlich etwas. Zumindest einen Teil dieser Steuerberatungskosten darfst Du als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzen, nämlich den Betrag, der auf den beruflichen Teil entfällt.

Was als Steuerberatungskosten zählt

Die Ausgaben für die professionelle Unterstützung bei der Steu­er­er­klä­rung durch einen Steuerberater oder die Mitgliedschaft im Lohnsteuerhilfeverein zählen zu den Steuerberatungskosten. Auch PC-Programme, Online-Software und Fachliteratur gehören dazu. Selbst die Fahrten zu Deinem Steuerberater und Briefporto oder Telefongebühren sind Steuerberatungskosten.

Lange Zeit konnte man Steuerberatungskosten als Sonderausgaben in der Steu­er­er­klä­rung eintragen und so sein zu versteuerndes Einkommen senken. Die Ausgaben mussten keiner bestimmten Einkunftsart zugeordnet werden. Seit 2006 lassen sich Ausgaben, die im Zusammenhang mit einer Steuerberatung entstehen, nur auf konkrete Einkunftsarten bezogen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten absetzen.

Das hat auch der Bundesfinanzhof (BFH) in einem Urteil bestätigt (BFH-Urteil vom 4. Februar 2010, Az. X R 10/08). Die Rechnung des Steuerberaters ist nur noch absetzbar, wenn man sie seinen Betriebsausgaben oder Werbungskosten zuordnen kann.

Helfer für die Steu­er­er­klä­rung

Absetzbar ist die Ermittlung der Einkünfte

Absetzen kannst Du die Ausgaben für die Steuerberatung als Werbungskosten oder Betriebsausgaben, wenn sie bei der Ermittlung Deiner Einkünfte entstehen. Als Angestellter kannst Du beispielsweise die Ausgaben unter den Werbungkosten eintragen, die bei der Erstellung Deiner Anlage N entstehen, weil damit Dein zu versteuerndes Einkommen ermittelt wird. Praktisches Beispiel: Wenn Du erstmals eine doppelte Haushaltsführung geltend machst und Dich dazu beraten lässt.

Wenn Du eine Wohnung vermietest oder ein Grundstück verpachtest, sind auch das Einkünfte. Sofern Du Dir also bei deren Ermittlung von einem Steuerberater helfen lässt, kannst Du das als Werbungskosten absetzen (Anlage V). Das gilt auch für Renten (Anlage R) sowie Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft (Anlage L).

Gewerbetreibende (Anlage G) und Freiberufler (Anlage S) können die steuerliche Beratung als Betriebsausgaben absetzen, insbesondere das Erstellen der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (Anlage EÜR), die Umsatzsteuer-Voranmeldungen sowie Umsatzsteuer- und Gewerbesteuer-Erklärungen.

Deine Ausgaben für die Steuerberatung trägst Du bei der jeweiligen Einkunftsart ein. Als Vermieter trägst Du also die Steuerberatungskosten unter den Werbungskosten in der Anlage V ein.

Steuerberatungskosten als Werbungskosten können bei folgenden Formularen absetzbar sein:

  • Anlage N 
  • Anlage V 
  • Anlage R 
  • Anlage SO
  • Anlage AUS

Kapitalerträge sind in der Regel abgeltungsteuerpflichtig. Werbungskosten kannst Du keine geltend machen, da diese mit dem Sparerpauschbetrag abgegolten sind.

Die Kosten für das Erstellen folgender Formulare kannst Du als Betriebsausgabe absetzen:

  • Anlage G
  • Anlage S
  • Anlage L
  • Anlage EÜR.

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Nicht absetzbar ist die Hilfe für Steuern im privaten Bereich

Was nicht zur Ermittlung der Einkünfte gehört, hat der Fiskus 2006 zur Privatsache erklärt – einen Steuernachlass gibt es dafür nicht. Wer sich beispielsweise helfen lässt, den Mantelbogen auszufüllen, muss die Kosten für den Lohnsteuerhilfeverein oder den Steuerberater selbst tragen. Das gilt auch für die Anlagen „Kind“, „Unterhalt“, „Altersvorsorge“ und „Vermögenswirksame Leistungen“. Diese Anlagen haben nichts mit der Ermittlung Deiner Einkünfte zu tun und sind demzufolge auch keine Werbungskosten. Leistest Du Dir dennoch einen Steuerberater, um diese Formulare auszufüllen, sind das laut BFH keine unvermeidbaren Ausgaben, sondern „Kosten der privaten Lebensführung“ (§12 Absatz 1 EStG).

Auch haushaltsnahe Dienstleistungen, Handwerkerkosten sowie Kirchen-, Erbschaft- oder Schenkungsteuer werden dem privaten Bereich zugeordnet. Wenn der Steuerberater hilft, diese Aufwendungen zusammenzustellen, darfst Du Deine Rechnung nicht absetzen, weil es keine Werbungskosten (BFH-Urteil vom 16. Februar 2011, Az. X R 10/10) sind. Das gilt nicht für die Anlage EÜR zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung, in diesem Fall gehört das Ausfüllen des Formulars zur Ermittlung der Einnahmen.

Kosten aufteilen: Beruflich oder privat veranlasst?

Lässt Du die Steu­er­er­klä­rung von einem Steuerberater machen, teilt er sein Honorar auf in den Teil, der abzugsfähig ist, und in den Teil, den Du nicht absetzen kannst. Anhand der Rechnung kannst Du einzelnen Teile des Honorars entsprechend zuordnen, sodass Du die berufsbedingten Beratungskosten in der Anlage N unter „Sonstiges“ (Zeile 46 bis 48) eintragen kannst. In der Regel übernimmt aber der Steuerberater diese Aufgabe für Dich.

Mischkosten bis 100 Euro als Werbungskosten absetzen

Die Ausgaben für eine Steuersoftware, ein Fachbuch oder den Mitgliedsbeitrag des Lohnsteuerhilfevereins kannst Du unter den Werbungskosten geltend machen, ohne sie aufzuteilen. Denn diese Kosten lassen sich nicht eindeutig dem privaten oder dem beruflichen Bereich zuordnen. Als sogenannte Mischkosten akzeptiert das Finanzamt die kompletten Ausgaben für die Beratung bis 100 Euro als Werbungskosten.

Höhere Mischkosten werden gestaffelt: Liegen Deine Steuerberatungskosten zwischen 100 und 200 Euro, kannst Du davon 100 Euro einer Einkommensart Deiner Wahl, beispielsweise als Vermieter oder Rentner, den Werbungskosten zuordnen. Den Rest kannst Du nicht absetzen.

Bei höheren Mischkosten kannst Du von einer Option profitieren. Die Finanzämter akzeptieren nämlich, wenn Du pauschal die Hälfte der Kosten für den Lohnsteuerhilfeverein, Fachliteratur oder die Steuersoftware als Werbungskosten geltend machst. Hast Du beispielsweise Steuerberatungskosten von 150 Euro, kannst Du davon 100 Euro absetzen, bei Kosten von 250 Euro kannst Du 125 Euro absetzen. Ab Kosten von 202 Euro im Jahr ist die Vereinfachungsregelung, dass Du die Hälfte absetzen kannst, die günstigere Variante. Dies ist eine Option, von der beispielsweise Mitglieder eines Lohnsteuerhilfevereins profitieren können.

Achtung: Pauschbeträge überschritten?

Steuerberaterkosten als Werbungskosten einzutragen, lohnt sich bei einigen Einkunftsarten erst, wenn Deine Werbungskosten insgesamt einen bestimmten Betrag erreichen. Diesen Pauschbetrag zieht der Fiskus bei jedem Steuerzahler automatisch ab: bei nichtselbstständiger Arbeit den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro, bei Kapitalvermögen: Sparerpauschbetrag von 801 Euro beziehungsweise 1.602 Euro (Ehepaare) und bei Renten: Werbungskosten-Pauschbetrag von 102 Euro.

Steuerberatungskosten für Mieteinnahmen oder betriebliche Einkünfte kannst Du sofort geltend machen. Dabei gibt es keine Pauschbeträge.

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