Umstellung Uniprofirente

Diese Riester-Sparer sollten widersprechen

Das Wichtigste in Kürze

  • Union Investment passt zum 1. August 2015 den Riester-Fondssparplan an.
  • Der Anbieter tauscht den Aktienfonds Uniglobal gegen den neuen Fonds Uniglobal Vorsorge.
  • Dieser investiert nicht zu 100 Prozent in Aktien, sondern je nach Marktlage zwischen 51 und 120 Prozent. Letzteres wird durch Finanzinstrumente ermöglicht.
  • Ziel der Anpassung ist, Kunden so gut wie möglich davor zu bewahren, dass Geld aus Aktien- in Rentenfonds umgeschichtet wird.
  • Kunden können gegen die Anpassung Widerspruch einlegen.

So gehen Sie vor

  • Wir raten Ihnen in folgenden Fällen zum Widerspruch:
  • Ihr Vertrag ist nicht älter als fünf Jahre und läuft noch mindestens 20 Jahre.
  • Ihr angespartes Vermögen ist um mindestens 30 Prozent höher als das Garantiekapital.
  • Allen anderen Kunden empfehlen wir, einen Wechsel zu Fairr-Riester zu prüfen.
  • Der Riester-Vertrag von Fairr ist günstiger und transparent, investiert aber gegen Ende der Laufzeit weniger in Aktien als die Uniprofirente.
  • Tipp: Sollen wir Sie zum Thema Riester-Rente sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

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Achtung

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Umstellung der Uniprofirente zum 1. August 2015. Mittlerweile können Kunden der Anpassung nicht mehr widersprechen. Wir raten Ihnen, standhaft zu bleiben, falls Sie fristgerecht widersprochen haben und Union Investment Sie nun zur Rücknahme des Widerspruchs auffordert.

Mehr als eine Million Riester-Sparer haben im Mai Post von Union Investment bekommen. Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken stellt zum 1. August 2015 ihr Riester-Produkt Uniprofirente auf einen anderen Aktienfonds um. Bis Ende Juli haben Kunden noch Zeit, der Anpassung zu widersprechen.

Die Uniprofirente nach altem Muster war bisher eine der Finanztip-Empfehlungen für einen Riester-Fondssparplan. Finanztip sieht die Umstellung kritisch. Deshalb raten wir folgenden Kunden zum Widerspruch:

  • Verbrauchern, deren Uniprofirente nicht älter als fünf Jahre ist und die noch länger als 20 Jahre bis zur Rente haben;
  • Verbrauchern, deren derzeitiges Altersvorsorge-Vermögen mindestens 30 Prozent über dem garantierten Kapital zu Beginn der Auszahlungsphase liegt.

Für andere Kunden lohnt sich der Widerspruch eher nicht. Wir empfehlen diesen Verbrauchern, einen Wechsel zum Riester-Fondssparplan von Fairr zu prüfen. Die Kosten des Fairr-Riester sind deutlich niedriger, und das Anlagemodell ist transparenter als die neue Version der Uniprofirente.

Darum stellt Union die Uniprofirente um

Wie bei allen Riester-Verträgen gilt auch bei der Uniprofirente: Zu Beginn der Auszahlphase muss der Anbieter garantieren, dass mindestens sämtliche eingezahlten Beiträge und staatlichen Zulagen zur Verfügung stehen. Für Fondssparpläne bedeutet das, dass die Einzahlungen meist nur zu einem Teil in renditestarke Aktienfonds fließen.

Die Uniprofirente ist derzeit der einzige Riester-Fondssparplan, mit dem Kunden so lange wie möglich vollständig in Aktien investieren können. Im Gegenzug müssen sie aber damit rechnen, bei starken Kursverlusten an den Aktienmärkten komplett in einen schwankungsarmen Fonds umgeschichtet zu werden. Dieser schwankungsarme Fonds ist ein Rentenfonds und investiert in Anleihen. Er bietet weniger Renditechancen als Aktienfonds. Von derartigen Umschichtungen waren viele Uniprofi-Sparer beispielsweise während der Finanzkrise 2008/2009 betroffen.

Die Zinsen und damit auch die Renditeerwartungen von Rentenfonds sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. So lag der Zins für eine zehnjährige Bundesanleihe Mitte 2015 deutlich unter einem Prozent pro Jahr. Das bedeutet zum einen, dass die Gefahr zugenommen hat, dass Union das Vermögen der Kunden bei schlechten Aktienkursen in Rentenfonds umschichtet, um die Garantie sicherstellen zu können. Zum anderen wird der Rentenfonds auf absehbare Zeit nur eine magere Rendite abwerfen. Uniprofi-Sparer sitzen nach einem Umschichten also in der Falle.

Union tauscht Flaggschiff-Fonds aus

Um solches Umschichten zu verhindern, strukturiert Union den Riester-Sparplan neu: Das Unternehmen beabsichtigt, den Aktienfonds Uniglobal durch einen neuen Fonds zu ersetzen, den Uniglobal Vorsorge. Dieser Fonds legt nicht mehr zu 100 Prozent in Aktien an, sondern kann je nach Marktlage zwischen 51 und 120 Prozent in Aktien investieren. Die Steuerung der Aktienquote erfolgt über Derivate. Das sind spezielle Finanzinstrumente, mit denen eine Aktienquote von mehr als 100 Prozent erzielt werden kann. In der Theorie können so Verluste an den Börsen frühzeitig gemindert und Kunden vor einer Umschichtung in Rentenfonds bewahrt werden.

Auch wenn die Änderung aus Sicht von Union Investment verständlich erscheint, ist der Erfolg nicht garantiert. Zum einen sind die Kosten des neuen Fonds weiterhin hoch mit 5 Prozent Ausgabeaufschlag und Verwaltungskosten von etwa 1,5 Prozent pro Jahr. Zum anderen ist der große Vorteil der Uniprofirente dahin: Anleger können nicht mehr von einer hundertprozentigen Aktienquote ausgehen. Hinzu kommt die mangelnde Transparenz: Kunden können nicht nachprüfen, wann das Modell welche Aktienquote bestimmt.

Die neue Anlagestrategie birgt ein weiteres Risiko: Die Aktienquote ist dann hoch, wenn die Börsen über längere Zeit gut gelaufen sind und sie ist niedrig in Zeiten von Krisen. Fachleute sprechen von einer prozyklischen Strategie. Das Problem dabei ist, dass vor möglichen Kursabschwüngen tendenziell viel in Aktien investiert wird, während in der Erholungsphase nach einer Krise die Aktienquote nur langsam aufgebaut wird. Es hängt also von der Güte des Fondsmanagements ab, ob die Strategie am Ende aufgeht. Dies ist zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht zu beurteilen. 

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Hohe Renditechancen bei alter Uniprofirente

Für Riester-Sparer, die in Aktien investieren möchten, empfiehlt Finanztip derzeit den Fondssparplan von Fairr: Die Renditeminderung durch Kosten beträgt dort für einen Musterkunden, der 30 Jahre einzahlt, etwa 1 Prozent pro Jahr – im Vergleich zu 2 Prozent pro Jahr bei der Uniprofirente.

Allerdings ist die Aktienquote von Fairr teilweise deutlich niedriger als bei der alten Version der Uniprofirente. Deshalb können Sparer trotz der höheren Kosten von Union insgesamt eine höhere Rendite erzielen – und zwar dann, wenn die Aktien über die Jahre hohe Renditen abwerfen und Kunden möglichst lange von einem Umschichten verschont bleiben. Je weniger wahrscheinlich ist, dass Kunden von einer Umschichtung betroffen sind, desto eher empfehlen wir, der Änderung zu widersprechen und die alte Uniprofirente zu behalten.

Widerspruch einlegen oder zu Fairr wechseln

Bei langer Restlaufzeit Widerspruch einlegen
Die Wahrscheinlichkeit, dass Union umschichtet, ist umso geringer, je länger Sie noch Zeit bis zur Rente haben und je weniger Sie bisher eingezahlt haben. Und selbst wenn Ihr Geld in den ersten Jahren umgeschichtet wird, ist das nicht so schlimm, denn die Beiträge der folgenden Jahre können je nach Situation an den Börsen wieder vollständig in Aktienfonds fließen.

Als Faustregel empfehlen wir Ihnen daher, der Anpassung zu widersprechen, wenn Sie weniger als fünf Jahre lang in den Vertrag eingezahlt haben und noch mehr als 20 Jahre Zeit bis zur Rente haben. Einen Vordruck für den Widerspruch können Sie hier downloaden.

Download Musterschreiben

 

Bei hohem Depotstand Widerspruch einlegen
Allen anderen Kunden empfehlen wir, ihre Unterlagen zu prüfen. Falls der Stand Ihres Altersvorsorge-Vermögens deutlich höher ist als das garantierte Kapital zu Beginn der Auszahlung, ist es eher unwahrscheinlich, dass Ihr Geld umgeschichtet wird. Beide Beträge können Sie Ihrer Jahresinformation entnehmen, wie der Screenshot rechts zeigt.

Als Faustregel halten wir einen Puffer von mindestens 30 Prozent über den eingezahlten Beiträgen für ratsam. In unserem Beispiel beträgt das aktuelle Guthaben 18.340 Euro, der garantierte Betrag liegt bei rund 12.560 Euro. Der Puffer beträgt somit 46 Prozent. Wir empfehlen in diesem Fall, der Anpassung zu widersprechen und die alte Uniprofirente zu behalten. Einen Vordruck für den Widerspruch finden Sie oben.

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Ansonsten: Wechsel zu Fairr prüfen
Den übrigen Kunden der Uniprofirente raten wir von einem Widerspruch gegen die Anpassung ab. Stattdessen könnte sich für sie ein Wechsel zum günstigen Riester-Fondssparplan von Fairr lohnen. Allerdings hat der Fairr-Riester in den letzten zehn Jahren seiner Laufzeit nur noch eine relativ niedrige Aktienquote von maximal 21 Prozent.

Uniprofi-Sparer können in den letzten Jahren mit einer höheren Quote rechnen – auch nach der Anpassung. Das gilt aber nur unter dem Vorbehalt, dass Union nicht umschichtet. Letztlich müssen Sie sich zwischen diesen Möglichkeiten entscheiden: Entweder Sie bleiben bei Union und haben die Chance, lange in Aktien anzulegen – mit dem signifikanten Risiko, während einer Flaute an den Börsen umgeschichtet zu werden und mit der niedrigen Rendite des Rentenfonds leben zu müssen. Oder Sie wechseln zu Fairr-Riester, akzeptieren eine niedrigere Aktienquote und bekommen dafür ein transparentes Anlagemodell mit niedrigeren Kosten. Beachten Sie aber, dass ein Wechsel zu Fairr nur möglich ist, wenn der Vertrag noch mindestens 12 Jahre läuft.

Wir empfehlen Uniprofi-Sparern, die vorerst bei der Union bleiben, ihren Vertrag im Auge zu behalten. Sollte der Puffer zum Garantiekapital in den nächsten Auszügen sinken, sollten sie über einen Wechsel zu Fairr nachdenken.

Union verlangt eine Gebühr von 50 Euro bei einem Wechsel zu einem anderen Riester-Anbieter. Fairr erstattet diese Kosten aber bis zu einer Höhe von 150 Euro.

Fairriester
Fondssparplan von Fairr und Sutor Bank

  • für Aktiensparer, die 20 Jahre oder mehr Zeit bis zur Rente haben
  • keine Abschlusskosten – niedrige Gesamtkosten von etwa 1 Prozent pro Jahr
  • Anlage in kostengünstige Indexfonds (ETF)
  • Lebenszyklusmodell – Fonds werden nach festem Muster in sichere Anlagen umgeschichtet
  • Fonds sind Sondervermögen und bleiben im Besitz des Kunden
  • Auszahlung als Sofortrente durch Versicherer Mylife
  • unklar, ob Sutor Bank im Ernstfall für Riester-Beitragsgarantie einstehen kann

So haben wir gerechnet

Erste Empfehlung für Widerspruch
Ausgehend von einer 30-jährigen Laufzeit zahlen Kunden in den ersten fünf Jahren etwa 17 Prozent ihrer Beiträge ein. Sollte nach 5 Jahren umgeschichtet werden, können anschließend noch immer Aktienquoten von 80 Prozent und mehr erreicht werden, falls die Einzahlungen wieder in den Aktienfonds fließen. Das hängt auch vom Verlauf an den Börsen und der Entwicklung des Zinsniveaus ab. Sollte es zu weiteren Kursverlusten oder einer Absenkung des Zinsniveaus kommen, droht allerdings ein erneutes Umschichten. 

Das Risiko des Umschichtens ist umso geringer, je länger der Vertrag noch läuft. Darauf basiert unsere Empfehlung einer Restlaufzeit von mindestens 20 Jahren.

Zweite Empfehlung für Widerspruch
Für ältere Verträge nimmt das Risiko einer Umschichtung zu, je kleiner der Abstand zwischen dem Guthaben im Vertrag und dem Mindestguthaben ist, das noch vorliegen muss, um die Garantie zu erwirtschaften (Umschichtungslinie). In der Regel kann Ihr Guthaben im Vertrag das garantierte Guthaben unterschreiten, bevor Sie umgeschichtet werden. Wie wahrscheinlich die Umschichtung ist, hängt von der Rendite und Volatilität des Aktienfonds Uniglobal sowie vom Zinsniveau ab. Legt man eine normalverteilte Renditeverteilung mit einem Mittel von 5 Prozent pro Jahr und einer Volatilität von 15 Prozent zugrunde, so beträgt die Wahrscheinlichkeit 1 Prozent, dass innerhalb des nächsten Jahres Verluste von 30 Prozent und mehr auftreten. In dem Fall sorgt ein Puffer von mindestens 40 Prozent über der Umschichtungslinie oder vereinfacht 30 Prozent über den eingezahlten Beiträgen dafür, dass sehr wahrscheinlich nicht umgeschichtet wird. 

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Saidi Sulilatu

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis September 2015)

Saidi Sulilatu leitete bei Finanztip den Bereich Versicherungen. Zuvor war er viele Jahre als Honorarberater und Versicherungsmakler tätig. Sulilatu hat am 4. September 2015 Finanztip verlassen.

Dr. Manuel Kayl

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis August 2016)

Manuel Kayl war bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Er hat am 31. August 2016 Finanztip verlassen.