Rund zwei Millionen Verträge für Renten- und Lebensversicherungen werden jedes Jahr neu abgeschlossen. Egal ob auf der Couch zuhause, in der Bank oder direkt im Versicherungsbüro: Der nette Herr im Anzug scheint mit einschlägigen Argumenten zu überzeugen. Doch viele Versprechen erzählen nur die halbe Wahrheit. Das typischste Argument: Du sparst jede Menge Steuern mit einer Versicherung.
Ganz falsch ist das nicht: Tatsächlich gibt es steuerliche Vorteile. Doch die werden meist von den hohen Kosten und fehlender Rendite aufgefressen.
Bei einer ungeförderten privaten Rentenversicherung kannst Du Deine Beiträge normalerweise nicht von der Steuer absetzen. Der steuerlichen Vorteil entsteht erst bei der Auszahlung.
Lässt Du Dir das gesamte Kapital einmalig auszahlen, sind die Hälfte der Erträge steuerfrei. Das gilt allerdings nur, wenn Dein Vertrag mindestens zwölf Jahre gelaufen ist und das Geld erst ab 62 Jahren ausgezahlt wird. Mit Ertrag ist der Unterschied zwischen Deinen Einzahlungen und der späteren Auszahlung gemeint.
Entscheidest Du Dich für eine lebenslange Rente (Leibrente), dann versteuerst Du einen festen Teil Der Rente – abhängig davon, wann Du in Rente gehst. Gehst Du mit 67 Jahren in Rente, werden 17 % der Rente mit Deinem persönlichen Steuersatz versteuert.
Das große Aber: Rendite und Kosten
Entscheidend ist aber das Gesamtergebnis nach Steuern, Rendite und Kosten. Und gerade bei den Kosten unterscheiden sich ein günstiger ETF-Sparplan und eine Versicherung deutlich. Ein realistisches Beispiel:
- Welt-ETF: etwa 6 % p.a. Rendite, bei 0,2 % Kosten
- Fondspolice: etwa 6 % Rendite, bei etwa 1,5 % Kosten im Schnitt (Bafin, 2023).
- Klassische Police mit Garantie: 3,5 % Rendite nach 30 Jahren bei 1,5 % Kosten (Bafin, 2023).
Angenommen, Du zahlst 30 Jahre lang monatlich 300 € in eine Lebensversicherung ein und das gesamte Kapital wird Dir auf einmal mit der Rente ausgezahlt. Dein Steuersatz im Alter beträgt 30 %, und Du gehst 2038 mit 67 Jahren in Rente. Dann ergibt sich nach Steuern und Kosten ungefähr folgendes Vermögen:

Ja, bei den Versicherungen zahlst Du weniger Steuern als bei einem Aktien-ETF – sogar mit großem Unterschied. Bei einem Aktien-ETF zahlst Du übrigens auf 70 % der Erträge Abgeltungssteuer (25 % plus Soli und ggf. Kirchensteuer). Aber: Der Steuervorteil kann die höheren Kosten und niedrigere Rendite meist nicht ausgleichen. Im Beispiel liegt das Nettovermögen mit der Fondspolice rund 43.000 € unter dem Ergebnis des ETF-Sparplans. Bei der klassischen Police ist der Abstand sogar noch größer: mehr als 100.000 €.
Für den langfristigen Vermögensaufbau empfehlen wir deshalb stark gestreute Alle-Welt-ETFs, wie den State Street SPDR MSCI ACWI IMI (IE00B3YLTY66) oder den Vanguard FTSE All-World (IE00BK5BQT80).
Vergangene Finanztip-Berechnungen zeigen außerdem: Selbst sogenannte Nettopolicen liegen nach Kosten und Steuern meist leicht hinter einem ETF-Sparplan. Sie sind mit rund 0,3 % Kosten plus Beratungshonorar allerdings am ehesten konkurrenzfähig.
Worauf Du stattdessen achten solltest
Bevor Du einen Vertrag abschließt, prüfe die Kosten und Risiken genau. In den allermeisten Fällen würden wir von privaten Rentenversicherungen abraten. Wenn Du schon einen teuren Vertrag hast, kannst Du ihn kündigen, beitragsfrei stellen oder weniger einzahlen. Was für Dich mehr Sinn macht, liest Du hier.