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Jeden Monat Dividende aufs Konto: Das geht – aber ist das sinnvoll?

Du träumst von einem passiven Zusatzeinkommen? Dividenden-ETFs machen das möglich – einer ganz besonders bequem. Aber lohnt sich diese Strategie überhaupt?

Timo Halbe
Timo Halbe Geldanlage
Jeden Monat Dividende aufs Konto: So geht’s – aber ist das sinnvoll?

Passives Einkommen: Das geht z. B. mit Dividenden-ETFs
Problem: Wirklich monatlich schüttet kaum ein ETF aus
Dividenden-Strategie: Hat generell mehrere Haken

Jeden Monat Dividende als passives Einkommen direkt aufs Konto – davon hast vielleicht auch Du schon geträumt. Ganz so einfach geht das aber nicht: Mehrere Einzelaktien zu nutzen, ist eine schlechte Idee. Der Aufwand wäre groß, Deine Geldanlage trotzdem nicht breit gestreut.

Ausschüttende Aktien-ETFs oder spezielle Dividenden-ETFs machen das besser. Aber ein Problem bleibt: Auch solche ETFs schütten ihre Erträge i. d. R. einmal im Jahr oder Quartal aus. Von einem echten Monatseinkommen kann also keine Rede sein: Du müsstest Dir die jährliche oder quartalsweise Summe selbst in Monatstranchen aufteilen und aufs Girokonto auszahlen.

Diese 3-ETF-Strategie löst das Problem

Im Finanztip-Podcast Finanzen ganz einfach haben wir neulich eine Lösung vorgestellt: Wir haben drei ETFs rausgesucht, die quartalsweise ausschütten – alle in anderen Monaten. Schon mit nur drei ETFs (3x4 Ausschüttungstermine im Jahr) kannst Du Dich jeden Monat über Dividende freuen. Zu den Finanztip-Empfehlungen gehören sie allerdings nicht.

Dieser neue ETF schafft’s allein

Mittlerweile gibt’s eine noch einfachere Variante: ETFs, die tatsächlich jeden Monat ausschütten. Seit Mitte Januar macht das z. B. der L&G Global Quality Dividends ETF (ISIN: IE0005AJA0P1). Er kostet 0,29 % pro Jahr (TER) und investiert in rund 900 Unternehmen.

Wichtig: Genau wie die drei ETFs aus unserer Podcast-Strategie gehört er nicht zu unseren Empfehlungen. Denn der ETF hat gleich mehrere Haken:

  • Unzureichende Streuung: Der L&G-ETF enthält nur gut 950 Unternehmen. Damit ist er deutlich schlechter gestreut als ein ETF auf die weltweiten Standard-Indizes: MSCI World und FTSE Developed enthalten ca. 1.300 bzw. 2.000 Aktien aus Industrieländern. Beim MSCI ACWI und FTSE All-World sind auch Schwellenländer enthalten und damit ca. 2.500 bzw. 4.000 Unternehmen. Der MSCI ACWI IMI ergänzt noch Small Caps und kommt so auf ca. 8.000 verschiedene Aktien
  • Verschobene Branchenaufteilung: Wie viele Dividenden-ETFs, weicht der L&G auch von der Aufteilung der Branchen klassischer Welt-ETFs ab. Denn Unternehmen mit hohen Dividendenzahlungen kommen oft aus der Finanzbranche oder der klassischen Industrie. Du hast also ein höheres Klumpenrisiko
  • Zu kurze Historie: Der ETF ist noch kein Jahr am Markt. Aussagekräftige Performance-Daten fehlen also noch. Deshalb bewerten wir solche neuen Produkte überhaupt erst nach mehreren Jahren
  • Geringes Fondsvolumen: Mit nur gut 120 Mio. € ist der ETF noch ziemlich klein. Das kann langfristig ein Risiko sein, dass der ETF mit einem anderen verschmolzen oder ganz geschlossen wird. In beiden Fällen kann Abgeltungssteuer anfallen, also Deinen Zinseszinseffekt schmälern
  • Unklare Nachhaltigkeitskriterien: Der ETF wird teilweise als "nachhaltig" vermarktet. Die Auswahl der Unternehmen nach ESG-Kriterien ist aber wenig transparent. Das zeigt sich auch daran, dass der Fonds keinen klaren Nachhaltigkeitsfokus im Namen trägt

Warum Du besser keine Dividenden-Strategie fährst

Unabhängig von diesem neuen ETF gilt bei Finanztip die Devise: Eine Dividenden-Strategie lohnt sich für Deinen langfristigen Vermögensaubau in aller Regel nicht besonders. Denn Dividenden haben entscheidende Nachteile:

1. Dividenden sind kein Zusatzgewinn

Dividenden können sich wie ein Geschenk anfühlen und beim Einstieg in ETFs motivieren: Du siehst sofort auf dem Konto, dass Deine Geldanlage etwas abwirft. Bei jeder Ausschüttung sinkt aber auch der Kurs. Sie sind also kein Zusatzgewinn und fehlen dann an anderer Stelle.

Entscheidend ist die Gesamtrendite. Deshalb solltest Du Erträge reinvestieren. So nutzt Du den Zinseszinseffekt optimal – zumindest bis Dein Steuerfreibetrag (1.000 €/Jahr) ausgeschöpft ist. Denn darüber hinaus fällt Abgeltungssteuer an. Und die solltest Du möglichst spät zahlen, sodass auch diese Summe den Zinseszinseffekt verstärkt.

Ein thesaurierender = automatisch wiederanlegender ETF macht diese „Steuerstundung“ besser. Hier fällt nur die Steuer auf die Vorabpauschale an.

2. Hohe Dividenden können täuschen

Unternehmen, die regelmäßig viel ausschütten, investieren oft weniger in ihr eigenes Wachstum. Das kann langfristig ihre Entwicklung bremsen und damit den Kurs drücken. Eine hohe Dividende kann sogar ein Warnsignal sein: Schwächelt das Unternehmen bereits und will nur seine Investoren bei Laune halten?

3. Dividenden bringen falsche Sicherheit

Außerdem kannst Du Dich auf Dein monatliches Zusatzeinkommen nicht verlassen. Denn anders als z. B. Festgeld- oder Aktionszinsen beim Tagesgeld sind Dividenden nicht fix. Die Unternehmen können jederzeit entscheiden, weniger auszuschütten.

Unsere Empfehlungen

Setz deshalb besser auf möglichst breit gestreute Aktien-ETFs, z. B. Alle-Länder-ETFs, die Dividenden direkt und selbst wieder anlegen. In unserem ETF-Vergleich empfehlen wir u. a.:

  • SPDR MSCI ACWI IMI (IE00B3YLTY66)
  • Vanguard FTSE All-World (IE00BK5BQT80)
  • SPDR MSCI ACWI (IE00B44Z5B48)
  • iShares MSCI ACWI (IE00B6R52259)
  • Amundi MSCI ACWI (LU1829220216)
  • iShares DJ Best-in-Class World Enlarged (IE00B57X3V84)

Ein einziger thesauriender ETF reicht. Auch damit kannst Du Dir später in der Auszahlphase problemlos selbst Dein eigenes Zusatzeinkommen auszahlen, in dem Du nach und nach Deine Anteile verkaufst. Wie Du genau vorgehst, zeigen wir Dir nächste Woche in einem neuen Finanztip-Angebot.

Manche Broker bieten sogar Auszahlpläne dafür an. Von unseren Depotempfehlungen machen das z. B. Flatex und S-Broker.

Für Einsteiger sind Ausschütter gut geeignet

Startest Du gerade erst mit ETFs und kommst mit Deinen 1.000 € Freibetrag noch aus, können ausschüttende ETFs aber sinnvoll sein. So brauchst Du noch nichts versteuern. Echte Dividenden-ETFs mit hohen Ausschüttungen empfehlen wir zwar nicht – u. a., weil sie nicht ganz so breit gestreut sind wie ETFs auf die Standard-Indizes.

Letztere empfehlen wir aber auch in ausschüttenden Varianten, z. B. den SPDR MSCI ACWI IMI (IE000DD75KQ5) und den Vanguard FTSE All-World (IE00B3RBWM25). Denk aber ans Reinvestieren. Als Einsteigerdepot eignen sich z. B. unser Preis-Leistungs-Tipp Traders Place oder Smartbroker+.

Übrigens: Um Dir ein spürbares Zusatzeinkommen nur mit Dividenden aufzubauen, müsstet Du sowieso sehr viel Geld in die Hand nehmen. In einer Mini-Serie haben wir berechnet, wie hoch Dein Startkapital für 500, 1.000 und 3.000 € im Monat sein müsste. 

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