Krankengeld für Selbstständige

Krankengeld für Selbstständige

Max Mergenbaum
& Co-Autor
Stand: 21. Februar 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Selbstständige haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld. 
  • Um einen ähnlichen Schutz wie Arbeitnehmer zu erhalten, müssen sie sich extra absichern.
  • Das ist gegen einen höheren Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) möglich. Alternativ können Sie eine private Krankentagegeld-Versicherung abschließen.
So gehen Sie vor
  • Sind Sie Unternehmer und freiwillig gesetzlich versichert, können Sie ab dem 43. Tag der Krankschreibung Krankengeld erhalten, wenn Sie bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse eine sogenannte Wahlerklärung abgegeben haben und den regulären Beitragssatz von 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag zahlen (Basisschutz).
  • Sie können auch einen Wahltarif bei einer gesetzlichen Kasse abschließen und dadurch das reguläre Krankengeld ersetzen oder in Höhe und Dauer über den Basisschutz hinaus ergänzen.
  • Alternativ können GKV-Mitglieder und Privatversicherte über eine private Krankentagegeld-Versicherung individuell vereinbaren, ab wann und in welcher Höhe Sie Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit erhalten. Wir empfehlen den Tarif T+ der Barmenia.

Wer als Selbstständiger länger krank ist, steht unter Umständen schnell vor einem existenzbedrohenden Problem. Denn anders als bei Angestellten gibt es keinen Arbeitgeber, der erst einmal sechs Wochen lang das Gehalt weiterzahlt. Und Selbstständige haben auch per se keinen Anspruch auf Krankengeld von ihrer Krankenkasse.

Als Unternehmer müssen Sie sich extra gegen finanzielle Risiken absichern, die durch Krankheit entstehen können. Wie das genau funktioniert, hängt davon ab, ob Sie freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) oder Mitglied in der privaten Krankenversicherung (PKV) sind.

Gibt es Krankengeld für Selbstständige in der GKV?

Alle gesetzlich krankenversicherten Selbstständigen können sich bei ihrer Kasse den Anspruch auf Krankengeld sichern. Dann zahlen sie allerdings nicht den ermäßigten Beitrag von 14 Prozent plus Zusatzbeitrag, sondern können zwischen zwei Formen der aufgestockten Absicherung wählen:

Regulärer Beitrag - Sie zahlen für Ihre Krankenversicherung den normalen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens plus Zusatzbeitrag. Dann erhalten Sie Krankengeld wie ein Arbeitnehmer ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Dazu müssen Sie gegenüber Ihrer Kasse eine formlose, schriftliche Wahlerklärung abgeben. An diese Entscheidung sind Sie drei Jahre gebunden – auch dann, wenn Sie die Krankenkasse zwischendurch wechseln.

So könnte eine Wahlerklärung für hauptberuflich Selbständige aussehen: „Ich bin hauptberuflich Selbstständige/-r und möchte meine freiwillige Mitgliedschaft mit einem Anspruch auf gesetzliches Krankengeld ab dem 43. Tag einer Arbeitsunfähigkeit mit dem allgemeinen Beitragssatz erweitern. Über die Bedingungen der Leistungserweiterung bin ich informiert. Mir ist bekannt, dass ich drei Jahre ab Teilnahmebeginn an meine Wahl gebunden bin.
[Datum, Unterschrift]“

Wahltarif - Sie können bei Ihrer Kasse einen Wahltarif mit Krankengeldanspruch abschließen und damit gegen einen zusätzlichen Beitrag Ihren Basisschutz ergänzen oder ersetzen. Ab wann und in welcher Höhe Sie Geld bekommen, hängt davon ab, was Sie konkret mit Ihrer Kasse vereinbart haben. So gibt es zum Beispiel Wahltarife, die Ihnen schon ab dem 15. oder dem 22. Tag der Erkrankung eine Ersatzleistung zahlen und somit den Beginn des gesetzlichen Krankengelds überbrücken.

Bei manchen Kassen können Sie aber auch einen Tarif abschließen, der das klassische Krankengeld komplett ersetzt. Dann zahlen Sie nur den ermäßigten Beitragssatz von derzeit 14 Prozent und Zusatzbeitrag plus den Extra-Beitrag für den Wahltarif.

An jeden Wahltarif sind Sie für drei Jahre gebunden. Anders als bei der Entscheidung fürs gesetzliche Krankengeld können Sie während dieser Frist nicht in eine andere gesetzliche Krankenkasse oder in die private Krankenversicherung wechseln. Deshalb sollten Sie sich den Abschluss eines Wahltarifs genau überlegen und sich verschiedene Angebote unterbreiten lassen.

Übrigens: Für die Wahltarife zum Krankengeld dürfen die gesetzlichen Krankenkassen keine altersabhängigen Beitragszuschläge verlangen. Sie dürfen auch niemanden wegen Vorerkrankungen ablehnen.

Wie funktioniert eine private Krankentagegeld-Versicherung?

Die Alternative zur gesetzlichen Versicherung mit Krankengeldanspruch oder mit Wahltarif ist eine private Krankentagegeld-Versicherung. Berechnen Sie Ihre laufenden monatlichen Ausgaben und teilen Sie das Ergebnis durch 30 Tage. So erhalten Sie den Betrag, den Sie als tägliches Krankentagegeld versichern sollten. Viele Selbstständige entscheiden sich für eine Zahlung ab dem 22. Krankheitstag, einige Anbieter leisten aber auch schon ab dem 8. Tag. Je früher und je mehr Krankentagegeld die Versicherung zahlt, desto teurer ist der Vertrag.

Der Nachteil der privaten Absicherung: Selbstständige können nicht sicher sein, dass sie eine private Krankentagegeld-Versicherung bekommen. Das hängt vom individuellen Gesundheitsrisiko ab, das sich aus Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen ergibt.

Mehr dazu im Ratgeber Krankentagegeld-Versicherung

  • Für Selbstständige und Gutverdiener ist ein Krankentagegeld bei langer Krankheit sinnvoll.
  • Von uns empfohlener Tarif: Barmenia Tarif T+

Zum Ratgeber 

Wie beantrage ich Krankengeld?

Sofern Sie die Wahlerklärung abgegeben haben und deshalb den regulären Beitragssatz zahlen, haben Sie Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Tag der Krankschreibung, wenn:

  • Sie arbeitsunfähig erkrankt und von einem Arzt bereits länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind oder
  • Sie stationär in einer Klinik oder einer Reha-Einrichtung behandelt werden und bereits länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind.

Für Krankschreibungen gibt es seit 2016 nur noch ein Formular. Der bisherige Auszahlschein zum Bezug von Krankengeld ist nicht mehr nötig. Er wurde in die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung integriert. Auf dem neuen Muster bescheinigt der Arzt auch eine Arbeitsunfähigkeit während der Krankengeldzahlung durch die Krankenkasse. Der Patient erhält einen Durchschlag der Krankschreibung für seine Unterlagen. Dieser enthält den Hinweis, dass für den Bezug von Krankengeld ein lückenloser Nachweis der Arbeitsunfähigkeit erforderlich ist. Zudem gibt es eine Ausfertigung, die er an die Krankenkasse weiterleiten muss.

Wenn Ihre Krankheit länger andauert, achten Sie unbedingt darauf, dass Sie Ihr Arzt ohne Unterbrechung weiter krankschreibt. Versenden Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung als Einschreiben mit Rückschein. Das ist zwar etwas teurer als ein normaler Brief, Sie haben aber einen Beleg dafür, dass Ihre Kasse das Dokument auch erhalten hat. Die Auszahlung des Krankengelds erfolgt, sobald die Kasse die Bescheinigung geprüft hat.

Wie viel Krankengeld bekommen Selbstständige?

Das Krankengeld beträgt bei Selbstständigen 70 Prozent des regelmäßigen Arbeitseinkommens. Für die Berechnung orientiert sich die Kasse an dem Einkommen, aus dem sie vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit die Krankenkassenbeiträge ermittelt hat. Nicht berücksichtigt werden Nebeneinnahmen wie Mieteinkünfte, Kapitalerträge oder Einkünfte aus beitragsfreien geringfügigen Beschäftigungen. Der Mindestsatz, aus dem die Krankenkassenbeiträge berechnet werden (1.038,33 Euro, Stand 2019), gilt für das Krankengeld jedoch nicht.

Die Krankenkasse rechnet mit dem tatsächlichen Arbeitseinkommen. Das bedeutet, je weniger Selbstständige verdienen, desto weniger Krankengeld bekommen sie. Hauptberuflich Selbstständige, die nichts verdienen oder Verlust machen, haben somit keinen Anspruch auf Krankengeld.

Eine Obergrenze für das Krankengeld gibt es hingegen. Bei der Berechnung wird das Einkommen höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung berücksichtigt. Damit beträgt das Krankengeld im Jahr 2019 höchstens 105,88 Euro täglich, also 3.176,25 Euro netto im Monat.

Seit Januar 2019 gibt es eine positive Neuerung: Auf Krankengeld und Mutterschaftsgeld müssen Selbstständige nun keine Mindestbeiträge zur Krankenversicherung mehr zahlen, wenn sie in dieser Zeit kein Arbeitseinkommen haben. Das regelt das GKV-Versichertenentlastungsgesetz.

Erhalten Selbstständige auch Kinderkrankengeld?

Eine weitere Frage, die immer wieder aufkommt, ist: Haben Selbstständige Anspruch auf Kinderkrankengeld? Das heißt: Bekommen sie von ihrer gesetzlichen Krankenkasse finanzielle Unterstützung, wenn sie ihr krankes Kind pflegen und deshalb nicht arbeiten können? Ja, aber erst nach dem 43. Krankheitstag des Nachwuchses – so urteilte das Bundessozialgericht (Urteil vom 31. Januar 1995, Az. 1 RK 1/94). Dennoch ist es so, dass viele Krankenkassen diese Leistung für Selbstständige bereits ab dem ersten Krankheitstag des Kindes übernehmen. Das und die genaue Art der Anspruchsberechnung werden von den Kassen unterschiedlich gehandhabt und sind der jeweiligen Satzung zu entnehmen.

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Autor
Max Mergenbaum
& Co-Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 21. Februar 2019


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