Krankengeld für Selbstständige

Als Selbstständiger gut abgesichert bei Krankheit

Julia Rieder 02. Dezember 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Als Selbstständiger hast Du keinen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld, also einen Lohnersatz, wenn Du länger krank bist.

  • Um einen ähnlichen Schutz wie Arbeitnehmer zu erhalten, musst Du Dich extra absichern.

  • Das ist in der gesetzlichen Krankenversicherung möglich – wenn Du mehr Beitrag zahlst. Alternativ kannst Du auch eine private Krankentagegeld-Versicherung abschließen.

So gehst Du vor
  • Um von Deiner gesetzlichen Krankenkasse bei längerer Krankheit als Selbstständiger Krankengeld zu bekommen, gibst Du bei Deiner Krankenkasse eine sogenannte Wahlerklärung ab. Du bekommst dann ab dem 43. Tag der Krankschreibung Lohnausgleich. Dafür zahlst Du 0,6 Prozentpunkte mehr Beitrag.
  • Eine Alternative für umfassendere Leistungen innerhalb der gesetzlichen Krankenkasse ist, einen Wahltarif abzuschließen. Passen die Angebote Deiner Kasse nicht, denke über einen Kassenwechsel nach. Wahltarife unterscheiden sich von Kasse zu Kasse deutlich.
  • Eine weitere Möglichkeit, um bei längerer Krankheit abgesichert zu sein, ist, eine private Krankentagegeld-Versicherung abzuschließen. Du kannst dann individuell vereinbaren, ab wann und in welcher Höhe Du Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit erhältst.

Wer als Selbstständiger länger krank ist, steht unter Umständen schnell vor einem existenzbedrohenden Problem. Denn anders als bei Angestellten gibt es keinen Arbeitgeber, der sechs Wochen lang das Gehalt weiterzahlt. Und Selbstständige haben auch per se keinen Anspruch auf Krankengeld von ihrer Krankenkasse.

Als Unternehmer musst Du Dich extra gegen finanzielle Risiken absichern, die durch Krankheit entstehen können. Wie das genau funktioniert, hängt davon ab, ob Du freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung oder Mitglied in der privaten Krankenversicherung bist.

Wann gibt es Krankengeld für Selbstständige in der GKV?

Als gesetzlich krankenversicherter Selbstständiger kannst Du Dir bei Deiner Kasse einen Anspruch auf Krankengeld sichern. Du erhältst dann bei längerer Krankheit bis zu 70 Prozent Deines Arbeitseinkommens als Krankengeld. Um Dich bei der gesetzlichen Krankenkasse für einen längeren Verdienstausfall abzusichern, gibt es zwei Möglichkeiten:

Gesetzlicher Krankengeldanspruch gegen höheren Beitrag

Du zahlst für Deine Krankenversicherung statt des ermäßigten Beitragssatzes von 14 Prozent den normalen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag - also 0,6 Prozentpunkte mehr als ohne Krankengeldanspruch. Dafür erhältst Du Krankengeld wie ein Arbeitnehmer ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Außerdem hast Du Anspruch auf Mutterschaftsgeld vor und nach der Geburt.

Wie bei der Krankenversicherung wird auch der Beitragsaufschlag für das Krankengeld nur auf das Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze fällig. Du zahlst also höchstens rund 28 Euro im Monat für das Krankengeld. Gleichzeitig ist die Höhe des gesetzlichen Krankengelds gedeckelt: auf 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Damit liegt das maximale Krankengeld im Jahr 2021 bei rund 113 Euro am Tag. Mehr bekommst Du nicht, auch wenn Dein reguläres Einkommen deutlich höher liegt.

Um Dir den Anspruch auf Krankengeld zu sichern, musst Du bei Deiner Kasse eine formlose, schriftliche Wahlerklärung einreichen. So könnte sie aussehen:

„Ich bin hauptberuflich Selbstständige/-r und möchte meine freiwillige Mitgliedschaft mit einem Anspruch auf gesetzliches Krankengeld ab dem 43. Tag einer Arbeitsunfähigkeit mit dem allgemeinen Beitragssatz erweitern. Über die Bedingungen der Leistungserweiterung bin ich informiert. Mir ist bekannt, dass ich drei Jahre ab Teilnahmebeginn an meine Wahl gebunden bin.
[Datum, Unterschrift]“

Wichtig: An die Entscheidung für das Krankengeld und damit den regulären Beitragssatz bist Du drei Jahre gebunden – auch dann, wenn Du die Krankenkasse zwischendurch wechselst. Du kannst in dieser Zeit auch nicht in die private Krankenversicherung wechseln.

Zusätzlicher Wahltarif für das Krankengeld

Wenn für Dich der gesetzliche Krankengeldanspruch nicht ausreicht, gibt es eine Alternative: Du kannst bei Deiner Kasse einen Wahltarif abschließen, für den Du zusätzlich Beitrag zahlst. Ab wann und in welcher Höhe Du Geld bekommst, hängt davon ab, was Du konkret mit Deiner Kasse vereinbarst. Üblich sind Wahltarife, in denen die Kasse schon ab dem 15. oder dem 22. Tag der Erkrankung zahlt.

Es gibt zwei Varianten von Wahltarifen: Tarife, die das gesetzliche Krankengeld ergänzen und solche, die es ersetzen.

Einen sogenannten Ergänzungstarif kannst Du nur abschließen, wenn Du auch den Anspruch auf gesetzliches Krankengeld vereinbart hast. In der Regel sollen diese Tarife die Zeit bis zum 43. Krankheitstag überbrücken; ab dann gibt es das gesetzliche Krankengeld. Mit anderen Tarifen kannst Du die Höhe des Krankengelds aufstocken, wenn Du Gutverdiener bist und der gedeckelte gesetzliche Satz Dir deshalb nicht ausreicht. Für die Ergänzungstarife zahlst Du eine Extra-Prämie zusätzlich zum regulären Krankenkassenbeitrag. Wie hoch die ist, hängt davon ab, wie viel Krankengeld Du bekommen möchtest und ab welchem Tag.

Alternativ bieten einige Kassen auch Wahltarife an, die das klassische Krankengeld komplett ersetzen. Du kannst in solchen Tarifen einen früheren oder späteren Beginn der Krankengeldzahlung vereinbaren. Im Gegenzug zahlst Du den ermäßigten Beitragssatz von derzeit 14 Prozent plus Zusatzbeitrag und den Extra-Beitrag für den Wahltarif. Wie teuer die Wahltarife sind, ist von Kasse zu Kasse verschieden.

Der Vorteil von Wahltarifen: Anders als private Krankenversicherungen dürfen die gesetzlichen Krankenkassen niemanden wegen einer Vorerkrankung ablehnen oder Beitragszuschläge des Alters wegen verlangen.

Der Nachteil: An jeden Wahltarif bist Du für drei Jahre gebunden. Anders als bei der Entscheidung fürs gesetzliche Krankengeld kannst Du während dieser Frist nicht in eine andere gesetzliche Krankenkasse wechseln. Zudem können sich die Wahltarife je nach Kasse deutlich in Preis und Leistungen unterscheiden. Jede Kasse kann selbst festlegen, wie viel Krankengeld sie pro Tag maximal versichert und welchen Beitrag sie dafür verlangt.

Deshalb solltest Du Dir den Abschluss genau überlegen und die Angebote verschiedener Kassen vergleichen. Hat Deine Kasse keinen passenden Wahltarif, kann sich ein Wechsel lohnen. Bist Du noch jung und gesund, kann eventuell eine private Krankentagegeld-Versicherung günstiger für Dich sein als ein Wahltarif. Mehr dazu liest Du im nächsten Abschnitt.

Wie funktioniert eine private Krankentagegeld-Versicherung?

Die Alternative zur gesetzlichen Versicherung mit Krankengeldanspruch oder mit Wahltarif ist eine private Krankentagegeld-Versicherung. Berechne Deine laufenden monatlichen Ausgaben und teile das Ergebnis durch 30 Tage. So erhältst Du den Betrag, den Du als tägliches Krankentagegeld versichern solltest. Viele Selbstständige entscheiden sich für eine Zahlung ab dem 22. Krankheitstag, einige Anbieter leisten aber auch schon ab dem 8. Tag. Je früher und je mehr Krankentagegeld die Versicherung zahlt, desto teurer ist der Vertrag.

Der Nachteil der privaten Absicherung: Selbstständige können nicht sicher sein, dass sie eine private Krankentagegeld-Versicherung bekommen. Das hängt vom individuellen Gesundheitsrisiko ab, das sich aus Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen ergibt.

Mehr dazu im Ratgeber Krankentagegeld-Versicherung

  • Für Selbstständige und Gutverdiener ist ein Krankentagegeld bei langer Krankheit sinnvoll.
  • Von uns empfohlener Tarif: Barmenia Tarif T+

Zum Ratgeber 

Wie viel Krankengeld bekommen Selbstständige?

Das Krankengeld beträgt bei Selbstständigen 70 Prozent des regelmäßigen Arbeitseinkommens. Für die Berechnung orientiert sich die Kasse an dem Einkommen, aus dem sie vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit die Krankenkassenbeiträge berechnet hat. Nicht berücksichtigt werden Nebeneinnahmen wie Mieteinkünfte, Kapitalerträge oder Einkünfte aus beitragsfreien geringfügigen Beschäftigungen.

Die Krankenkasse rechnet mit dem tatsächlichen Arbeitseinkommen. Das bedeutet, je weniger Selbstständige verdienen, desto weniger Krankengeld bekommen sie. Hauptberuflich Selbstständige, die nichts verdienen oder Verlust machen, haben somit keinen Anspruch auf Krankengeld. Und es gibt eine Obergrenze für das Krankengeld. So wird bei der Berechnung das Einkommen höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung berücksichtigt. Damit beträgt das Krankengeld im Jahr 2021 höchstens 112,88 Euro täglich.

Seit Januar 2019 gibt es eine positive Neuerung: Auf Krankengeld und Mutterschaftsgeld müssen Selbstständige keine Mindestbeiträge zur Krankenversicherung mehr zahlen, wenn sie in dieser Zeit kein Arbeitseinkommen haben. Das regelt das GKV-Versichertenentlastungsgesetz.

Was müssen Selbstständige tun, wenn sie krank sind?

Sofern Du die Wahlerklärung abgegeben hast und deshalb den regulären Beitragssatz zahlst, hast Du Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Tag der Krankschreibung, wenn:

  • Du arbeitsunfähig erkrankt und von einem Arzt bereits länger als sechs Wochen krankgeschrieben bist oder
  • Du stationär in einer Klinik oder einer Reha-Einrichtung behandelt wirst und bereits länger als sechs Wochen krankgeschrieben bist.

Für Krankschreibungen gibt es seit 2016 nur noch ein Formular. Der bisherige Auszahlschein zum Bezug von Krankengeld ist nicht mehr nötig. Er wurde in die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung integriert. Auf dem neuen Muster bescheinigt der Arzt auch eine Arbeitsunfähigkeit während der Krankengeldzahlung durch die Krankenkasse. Du erhältst einen Durchschlag der Krankschreibung für Deine Unterlagen und eine Ausfertigung, die Du an die Krankenkasse weiterleiten musst.

Wenn Deine Krankheit länger andauert, achte unbedingt darauf, dass Dich Dein Arzt ohne Unterbrechung weiter krankschreibt.

Versende die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung als Einschreiben mit Rückschein. Das ist zwar etwas teurer als ein normaler Brief, Du kannst damit aber belegen, dass Deine Kasse das Dokument auch erhalten hat. Bei manchen Krankenkassen kannst Du auch die eingescannte Krankschreibung in Deiner App oder auf einem Service-Portal hochladen. Das Krankengeld bekommst Du ausgezahlt, sobald die Kasse die Unterlagen geprüft hat.

Erhalten Selbstständige auch Kinderkrankengeld?

Eine weitere Frage, die immer wieder aufkommt, ist: Haben Selbstständige Anspruch auf Kinderkrankengeld? Bekommst Du also einen finanziellen Ausgleich, wenn Du Dich um Dein krankes Kind kümmerst und deshalb nicht arbeiten kannst? Ja, aber erst ab dem 43. Krankheitstag des Nachwuchses – so urteilte das Bundessozialgericht (Urteil vom 31. Januar 1995, Az. 1 RK 1/94). Einige Krankenkassen zahlen Kinderkrankengeld für Selbstständige aber schon ab dem ersten Krankheitstag des Kindes. Frage bei Deiner Krankenkasse nach, wie sie das Thema Kinderkrankengeld für Selbstständige handhabt oder schaue in die Satzung Deiner Kasse.

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Autor
Julia Rieder

02. Dezember 2020


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